Zeitmanagement & Yoga: Wie schaffst du es trotz Alltag auf die Matte?

Wie können wir uns motivieren, unsere Yogapraxis aufrecht zu erhalten, wenn wir immer weniger Zeit haben? Müssen wir auf etwas verzichten, wenn Kinder ins Spiel kommen? Unser Autor geht der Sache anhand der alten Göttergeschichten auf den Grund und stellt fest: Die Entscheidung liegt bei uns.

Text: Ralf Sturm / Titelbild: Vitaly Gariev via Pexels

Als wieder mal Süßigkeiten aus der Küche verschwunden waren, stellte Krishnas Mutter ihren kleinen Sprössling zur Rede. Als sie in seinen offenen Mund schaute, um Reste vom Milchkuchen zu finden, sah sie nicht nur das Dessert. Sondern nach der Geschichte gleich das ganze Universum darin. Auf diese Weise brachte der kleine Krishna seine Mutter dazu, sich der Selbstverwirklichung zu widmen. Bei uns scheint es manchmal umgekehrt zu sein. Bevor die Kinder kamen, hatten wir es noch einfach, ins Yogastudio zu gehen oder im Wohnzimmer die Matte auszurollen. Jetzt ist entweder keine Zeit oder kein Raum da, um in Ruhe zu üben.

Wenn es nicht Kinder sind, dann werden oft auf einmal die beruflichen Anforderungen größer. Irgendwo tauchen früher oder später Gründe auf, die uns Zeit rauben und uns nach Erklärungen suchen lassen, warum Asanas auf einmal nicht mehr so wichtig sind. Wir haben kaum mehr Zeit, uns zur Meditation aufs Kissen zu setzen. Anfangs ist das kein Problem. Wir hatten ja auch die Lehren des Advaita Vedanta verstanden: Alles ist Eins. Das machte uns eine zeitlang noch stressresistent. Nach einigen Monaten ohne Praxis meldet sich aber auch der geduldigste Körper. Das früher geschmeidige Gewebe fühlt sich auf einmal verhärteter an als im vergangenen Sommer, als wir den Morgen noch mit Surya Namaskar begrüßt haben. Und dem Quengeln des Nachwuchses. Oder dem übervollen Schreibtisch am Arbeitsplatz begegnen wir auch nicht mehr so gelassen. Das Zeitmanagement für die Yogapraxis misslingt.

Zeitmanagement im Alltag: Der Alltag als Lehrer

Wie hat sich Krishnas Mutter die Zeit genommen, zu meditieren? Auf jeden Fall hatte sie mit ihrem Sohn eine große Inspiration. Die haben wir durch unsere Kinder auch. Wenn meine Schultern oder Rückenmuskeln sich melden, weil ich mal wieder die Kleinen durch unser großes Haus getragen habe, weiß ich, welche zwölf Übungen mir helfen. Und wenn die Tochter Zähne bekommt und uns das nachts lautstark wissen lässt, wird sie zu meiner Meditationslehrerin.

Foto: Vitaly Gariev via Pexels

Die alten Yogaschriften haben uns keine einfachen Tipps gegeben, an welchen Stellen wir Zeit einsparen können, um mehr Raum für unsere Praxis zu finden. Aber wenn uns die Anforderungen des Alltags zu überrollen scheinen, kann ein kurzes Lesen in Patanjalis Yoga-Sutren oder der Bhagavad Gita nicht schaden. „Yoga ist Geschick im Handeln“, heißt es da. Oder man bekommt wieder Lust auf das Zur-Ruhe-Kommen der Gedanken im Geist. Das findet man natürlich auch in jedem anderen guten Buch aus anderen Kulturen.

Warum Prioritäten entscheidend sind

Letztendlich muss das jeder Mensch für sich selbst umsetzen. Wenn es irgendwo weh tut, könnten wir zwar immer wieder eine*n Heiler*in aufsuchen. Der wirklich entscheidende Schritt auf die Yogamatte oder das Sitzen auf dem Meditationskissen, das kommt schließlich doch von uns selbst. Wir sind die einzigen, die uns wirklich mit dem Zeitmanagement helfen können. Und nur wenn es uns gut geht, können wir anderen dienen. Unseren Kindern oder unserem Partner oder der Partnerin.

Es ist die Intention, die uns trägt. Wenn das Zeitmanagement einmal wieder kippt, hilft die Frage: Was ist mir wirklich wichtig? Krishna hat seiner Mutter mit dem Abbild des kosmischen Spiels in seinem Mund einen schönen Anreiz gegeben, sich nicht nur ums Tagesgeschäft zu kümmern, sondern auch für ihre innere Stille zu sorgen. Ich helfe meiner Familie vielleicht am meisten damit, dass ich morgens eine halbe Stunde früher aufstehe und mich Shirshasana und Trikonasana widme. Dann geht es mir gut. Und meine Lieben freuen sich auch.


RALF STURMs Geschichten von den Göttern gibt es zusammen mit Yoga-Übungen von Katharina Middendorf im Buch und auf der CD „Götter-Yoga“. Mehr zu ihm und seiner Arbeit auf nivata.de

Zum Weiterlesen: Im YOGAWORLD JOURNAL 05/2025 dreht sich alles rund um das Titelthema „Zeit“. Wie wir mit dem ständigem Fluss der Zeit umgehen, warum effizientes Zeitmanagement nicht immer die Lösung ist und vieles mehr. Hier kannst du dir das Heft bestellen:

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YogaWorld Journal 5/26
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