In 7 Schritten zum Yoga-Revival

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Yoga Revival – So halten Sie Ihre Praxis fresh!

Klingt Ihre erste Begeisterung für Yoga ab? Entfachen Sie das Feuer neu! YOGA JOURNAL präsentiert sieben Ideen, um die Leidenschaft für die Praxis weiter brennen zu lassen.

Erinnern Sie sich noch, wie leidenschaftlich Ihre Beziehung zu Yoga begann? Die ersten Wellen des Verliebtseins, ekstatische Hingabe und das Gefühl, immer mehr zu wollen? Es war saftig, köstlich, vielversprechend. Dieses intime Verhältnis kann sich dauerhaft vertiefen, wenn Sie mehr über die Philosophie und die Haltungen im Yoga lernen.

Alles ist gut… bis Sie plötzlich feststellen, dass Sie sich langweilen. Sie haben die „Wartungsphase“ erreicht, in der sich Ihre tägliche Yoga-Routine ähnlich aufregend anfühlt wie der Abwasch. Die regelmäßige Mittwochs-Stunde ist nur ein weiterer Termin in Ihrem hektischen Wochenplan, der absolviert werden muss. Die Frage lautet: Was kann man dagegen tun? „Eine Yoga-Praxis funktioniert wie eine Ehe oder jede andere lange Beziehung“, erklärt die 46-jährige Yogini Mebbie Jackson. „Wenn der Alltag hektisch ist und man dem Yoga nicht genug Aufmerksamkeit widmet, läuft man Gefahr, stecken zu bleiben. Es erfordert Arbeit, neue Energie und ein paar Tricks, damit die Sache interessant bleibt.“

Mebbie Jackson sucht regelmäßig neue Wege, ihre Leidenschaft für Yoga frisch zu halten. Einer davon führte sie eines Abends in einen Anusara Workshop bei dem Lehrer Martin Kirk. In seinem Unterricht spielt die Leidenschaft eine zentrale Rolle. „Lassen Sie das Üben nicht zur Routine werden und hüten Sie sich davor, in Dogmen zu verfallen“, lautet sein Ratschlag. „Benennnen Sie die Dinge, die Sie am Yoga wirklich lieben, und erforschen Sie sie tiefer. Lassen Sie diese Liebe Ihre Praxis inspirieren, so dass sie wiederum Ihr Leben bereichert.“

Genau das waren die Worte, die Jackson dringend brauchte. „Ich habe den Workshop gebucht, um mich neu zu meinem Yogaweg bekennen zu können. Dazu war neue Herausforderung notwendig“, erzählt sie. „Ich praktiziere seit 19 Jahren und versuche, die Übungen in meinen täglichen Ablauf zu integrieren. Aber wenn man anfängt, Yoga als Pflichtprogramm zu verstehen, neigt man dazu, die genussreichen, ideellen Aspekte der Praxis zu vergessen. Auf sie musste ich wieder hingewiesen werden.“ Wäre es auch für Sie hilfreich, wenn Sie sich wieder daran erinnerten? Falls ja, können die folgenden sieben Ideen Vorschläge für eine Neubelebung Ihrer Praxis sein. Lassen Sie sie auf sich wirken, probieren Sie sie aus oder finden Sie mit ihrer Unterstützung Ihren eigenen Weg. Vielleicht bieten Ihnen diese Tipps genau die richtigen Hinweise, um die Flammen Ihrer Yoga-Leidenschaft neu zu entzünden.

Liebevolle Widmung
„Manchmal entstehen im Yoga Langeweile oder der Eindruck, mit der Praxis in einer Sackgasse angekommen zu sein. Das kann passieren, wenn eine bestimmte Haltung nicht gemeistert werden kann, wie etwa der Handstand“, sagt Adi Carter, eine US-amerikanische Lehrerin, die Anusara, Ashtanga, Iyengar und Jivamukti Yoga mit Pilates kombiniert. „Es kann unglaublich viel bewirken, wenn man seine Praxis einem Gefühl der Dankbarkeit widmet – dafür, was der eigene Körper leisten kann, oder einfach für die Schönheit des Atems.“ Carter rät ihren Schülern, die Stunde mit Dankbarkeit für den momentanen Stand der Dinge zu beginnen. Von dort aus können sie ihren Fokus nach außen richten. „Jedes Mal, wenn wir auf die Matte kommen, erhalten wir die Gelegenheit, uns zu fragen: „Wovon wollen wir in unserem Leben mehr haben?“, so Carter. „Es ist nicht die leichteste Frage, aber es lohnt sich, sie zu stellen. Wenn wir unsere Antwort gefunden haben, können wir die Intention fassen, die Energie unserer Praxis auf die Verwirklichung dieser Antwort zu richten.“

Vielleicht möchten Sie mit Ihrer Praxis mehr Flexibilität in Körper und Geist erreichen und setzen sich dieses Ziel als Intention. Oder Sie widmen sich dem Vorhaben, Frieden in ihren Beziehungen zu schaffen. Sie können auch etwas Praktisches wählen, etwa die Menge an Müll zu reduzieren, die Sie verursachen. „Jede Intention wird durch die Yoga-Praxis aufgewertet – also wählen Sie eine gute“, rät Carter.

Jodie Vicenta Jacobson, 32, hilft es, in Carters Stunden liebevoll an die Kinder dieser Welt zu denken. „Wenn ich innehalte, still werde und ruhig einatme, erinnere ich mich daran, dass Yoga viel größer ist als ich“, berichtet sie. „Ich glaube, dass Yoga dazu beiträgt, meine Intention nach zu außen zu senden und sie gleichzeitig für mich zu versiegeln. Davon bin ich jedes Mal überwältigt.“

Präzision und Gefühl
Wenn Sie Ihren herabschauenden Hund üben, konzentrieren Sie sich womöglich auf die wichtigen Details: Sie belasten Ihre Handflächen gleichmäßig, aktivieren die innere Spirale der Beine und beachten die Ausrichtung der Ellenbogenfalten. Aber sind Sie wirklich und wahrhaftig in der Haltung? „Viele erfahrene Übende sind so damit beschäftigt, ihre Arme und Beine korrekt einzusetzen, dass sie vergessen, die Asana zu fühlen“, so Susi Hately, eine Kinesiologin, die in den USA und Kanada Anatomie- und Asana-Workshops unterrichtet. „Ich möchte, dass die Schüler verstehen, wie sich ihr Armknochen in seinem Gelenk bewegt oder wie der Beckengürtel funktioniert. Wenn wir einmal verstanden haben, wie unser Körper tatsächlich funktioniert, kommt automatisch eine viel umfassendere Ausrichtung.“

Hately ist ein großer Fan von Yoga-orientierten Anatomie-Workshops und Einführungskursen an Volkshochschulen und Massage-Instituten. „Ein guter Grundkurs in Anatomie gibt wesentliche Informationen: Dieser Muskel hängt an diesem Knochen und bewegt das Gelenk in die folgende Richtung, und so weiter. Das ist der Schlüssel zum grundlegenden Verständnis für den Körper und kann uns sehr aufschlussreichen Einblick in die Funktion unserer Yogapraxis geben.“

Mit einem soliden Grundwissen in Anatomie verstehen Sie, was Ihr Lehrer wirklich meint, wenn er vom „inneren Rotieren der Arme“ spricht, oder warum es eine verengte Brustmuskulatur erschwert, die Arme über den Kopf zu strecken. Mit etwas Übung werden Sie sich die Ursache-Wirkung-Kette vorstellen können, die jede Aktion der Muskeln in Bewegung setzt. Dieses Wissen kann frische Neugier in Ihre Praxis bringen. „Wenn wir den Körper und die Art seiner Bewegungen kennen, werden wir fähig, die Haltungen von innen heraus auszuführen – und sie nicht von außen an uns heranzuholen“, so Hatelys Überzeugung.

Teamwork
Eine traditionelle Ashtanga Praxis wird im Mysore Stil geübt: Schüler kommen zusammen, um gemeinsam zu praktizieren, aber führen nicht notwendigerweise die gleichen Haltungen aus. Falls es in Ihrer Stadt kein Mysore Studio gibt, schließen Sie sich mit anderen Ashtanga Yogis zusammen. Wie etwa die Yogalehrerin Ann Austin. Ihre Lösung: Mit ihrer Freundin Lucky Jamison suchte sie sich einen eigenen Raum. „Wir richten uns, egal wo wir sind, einen kleinen Mysore-Raum ein – zur Zeit in meiner Scheune“, erzählt Austin. „Wir treffen uns vier Mal die Woche um sechs Uhr früh und praktizieren. Dann gehen wir nach Hause, machen die Kinder für die Schule fertig und gehen voller Energie durch unseren Alltag.“

In der gemeinsamen Übungszeit inspirieren, motivieren und korrigieren sich die beiden Yoginis. „Dadurch behalten wir einen ehrlichen Blickwinkel“, berichtet Austin. „Wenn man allein übt, neigt man eher dazu, nur das zu machen, was man möchte oder mag. Trotzdem sind wir nicht streng, denn wir lieben diese Praxis. Vor allem das ist es, woran wir uns gegenseitig erinnern.“ Ann und Lucky haben auch schon gemeinsam Retreats besucht und auf die Kinder der Freundin aufpasst, damit diese zu Workshops gehen konnte. Seit einiger Zeit studieren sie gemeinsam die Yoga Sutren. „Alles, was man braucht, sind eine Freundin, die die eigene Begeisterung teilt, und ein Raum zum Üben, der vom restlichen Leben etwas abgegrenzt ist“, lautet Austins Erfahrung. „In der Lage zu sein, seine eigenen Übungszeiten und seine eigene Praxis zu haben – aber nicht gezwungen zu sein, den Weg alleine zu gehen – ist von unschätzbarem Wert.“

Audiovisuelle Hilfe
Wenn Kimberly Greeff, 29, Lust auf eine Yogastunde hat, kann sie dieser nicht so einfach nachgeben. Sie ist eine viel beschäftigte Künstlerin, Mutter und die Mitbesitzerin eines Yogastudios. Also macht Greeff das, was alle technikaffinen, unter Zeitmangel leidenden und etwas entlegen wohnenden Yogis tun: Sie laden sich einen inspirierenden Podcast herunter. „Sie sind ideal, um meine Studien zu vertiefen“, erklärt sie. „Ich liebe Begegnungen und Workshops mit Yogameistern, aber leider machen die meisten von ihnen selten in meiner Heimatstadt Station.“

Kimberly Greeff unterrichtet Forrest Yoga und bildet sich über Ana Forrests Podcasts weiter. Darüber hinaus ist sie ein großer Fan von Alanna Kaivalya, eine Jivamukti Meisterin aus New York, die auf Ihrer Website www.jivadiva.com ein Podcast-Abo anbietet. Deutsche qualitativ hochwertige Yoga Podcasts sind etwa auf www.yogamour.de, www.yogaya.de oder www.yogaeasy.de zu finden.

Auch DVDs können als kraftvolles Heilmittel gegen Yoga Burnout eingesetzt werden, empfiehlt Richard Rosen, Mitarbeiter beim amerikanischen YOGA JOURNAL. „Es gibt einige Titel, die ich aufgrund ihrer Ästhetik, ihres Ansatzes und neuen Ideen für die individuelle Praxis immer wieder zu Rate ziehe“, erzählt er. Die folgende Übersicht empfiehlt eine Auswahl an Titeln, die nach Meinung der YOGA JOURNAL Redaktion neue Begeisterung für die Praxis wecken können.

Stilwechsel
Es kann ohne Ironie gesagt werden, dass jede Phase des Zweifelns und der Erschöpfung eine Chance für Selbstreflexion ist. Auch Yoga gibt diesem Prozess Bedeutung: Eines der Niyamas (Beobachtungen) ist Svadhyaya oder „Selbststudium“, eines der Elemente auf dem achtgliedrigen Yogapfad. Svadhyaya kann auch durch das Ausprobieren verschiedener Stile geübt werden, sagt Shannon Paige Schneider, Gründerin mehrere Yogastudios. „Erstellen Sie eine Liste aller Stile, die Sie in Ihrer Nähe testen können, und nehmen Sie diese Stunden systematisch wahr“, rät sie. „Lassen Sie sich alle paar Wochen auf eine neue Richtung ein und erkunden Sie, was Sie daran mochten oder nicht. „Wenn Sie normalerweise in einer Tradition mit Fokus auf präzise Ausrichtung üben, wird Ihnen womöglich etwas mehr Fluss in den Übungen gefallen. Wenn Sie Vinyasa gewohnt sind, könnten Sie neue Kraft durch die Ruhe einer Iyengar Klasse finden. Und Menschen, die eine regenerierende Yogastunde besuchen, sind oft erstaunt, dass man auch auf dem Boden liegen und Yoga die Arbeit machen lassen kann“, so Paige Schneider. Ihr zufolge ist der Eindruck, eine eingefahrene Praxis zu haben, ein Zeichen, dass man sich nach Neuem sehnt: „Aus einer ungewohnten Übungsfolge entsteht eine frische Perspektive auf die eigene Routine – allein dadurch, dass Sie Ihren Körper neu einsetzen. Eine spannende Gelegenheit, mehr über sich selbst zu erfahren!“ Hierzu muss die Erfahrung nicht einmal positiv sein. „Was man nicht mag, ist ebenso relevant wie das, was einem gefällt“, fügt Paige Schneider hinzu. „Wenn Sie sich in der Hot Yoga Stunde nicht wohl fühlen, wissen Sie, dass Sie eher eine kühlende, beruhigende Praxis brauchen. Zündende Einsichten ergeben sich sowohl aus guten wie aus unangenehmen Erfahrungen.“

Ganz privat
Manchmal ist die beste Möglichkeit, eine Yoga-Talsohle zu überwinden, noch tiefer zu gehen – indem man eine Privatstunde nimmt. „Wenn Sie sich in einer Sackgasse befinden, sollten Sie Ihr Geld besser in eine Privatstunde als eine Fünferkarte investieren“, rät Paige Schneider. „Vielleicht frustriert Sie eine bestimmte Haltung, oder Sie wissen nicht, auf welche Weise Sie in Ihrer Praxis vorankommen können. Vielleicht brauchen Sie Anleitung für neue Sequenzen, die Sie neu für Yoga begeistern können.“ In einer Privatstunde können Fragen diskutiert werden, für die im normalen Unterricht kein Raum ist. „Sie können jahrelang unter Aufsicht eines Lehrers mit 40 anderen Schülern praktizieren und niemals bemerken, dass im Ausfallschritt Ihr innerer Oberschenkel einknickt“, erklärt Paige Schneider. „In konzentrierterer Atmosphäre stellt der Lehrer sicher, dass Sie die Bewegung korrekt ausführen. Am Ende erkennen Sie, dass das Anheben Ihres inneren Oberschenkels der Schlüssel zur Verbesserung all Ihrer stehenden Haltungen ist.“

Privatstunden sind kein billiges Vergnügen und variieren je nach Lehrer zwischen etwa 50 und 100 Euro. Doch das Investment in Ihre Yogazukunft lohnt sich. Bevor Sie Ihren Termin vereinbaren, können drei Fragen an den Lehrer nützlich sein: Geben Sie viele Privatstunden? Geben Sie gerne Privatstunden? Wieviel Zeit nehmen Sie sich für Privatstunden? „Dies alles ist wichtiger als die Frage: Wieviel kostet es?“ so Paige Schneider.

Dem Lehrer folgen
Ein fundamentaler Lehrsatz im Yoga lautet, dass sich alle Antworten auf unsere Fragen – darunter auch die nach der Auflösung von Niedergeschlagenheit – in unserem Inneren finden lassen können. Das Problem dabei ist, dass es Übung braucht, die entscheidenden Fragen zu erkennen – und ihre Antworten zu hören. Paradoxerweise profitieren wir beim Schärfen der Selbsterfahrung am meisten von den Ratschlägen eines weisen Lehrers, dem Guru.

„Ein echter Guru erkennt, was der Schüler braucht, und bietet zum richtigen Zeitpunkt entsprechende Übungen an“, sagt Yogiraj Alan Finger, der mit seinem Vater Kavi Yogi Swarananda Mani Finger das New Yorker Ishta Yoga Studio gegründet hat. „Ernsthaft interessierte Schüler sollten sich einen Lehrer suchen, der ihnen verstehen hilft, wie alles zusammenhängt – das Verhältnis von Asanas zu Gunas, Doshas, Chakras und dem subtilen Körper. Mit diesem tiefem Verständnis, wird man die Yoga-Haltungen nie mehr langweilig finden. Man wird sie nie mehr aufgeben wollen.“

Wir kennen den Hinweis „Der Lehrer kommt, wenn der Schüler bereit ist“. Dennoch schadet es nichts, das Schicksal etwas zu steuern. Also machen Sie sich auf die Suche nach Büchern, DVDs, im Internet. Besuchen Sie Workshops und Konferenzen. Wenn Sie einen Lehrer entdecken, dessen Methode etwas in Ihnen auslöst, setzen Sie alles daran, so viel wie möglich von ihm zu lernen. Nehmen Sie sich einen bestimmten Zeitraum vor, etwa ein Jahr, und widmen Sie es ihm und diesem Ziel. Ein einziger Grund reicht aus: Es verändert

Illustration: Annick Poirier