Titelthema Glück – Dorka Gryllus über künstlerische Freiheit

Die Schauspielerin Dorka Gryllus (“Soul Kitchen”, “Schicksalsjahre”) wuchs in Budapest, Ungarn, auf. Dort besuchte sie die Schauspielschule und arbeitete als Film- und Theaterschauspielerin. Ende der 90er Jahre entschied sie sich aus beruflichen und persönlichen Gründen nach Deutschland zu ziehen, wo sie bereits einen Film gedreht hatte. Welche Rolle Freiheit und Heimat für das Lebensglück der 38-jährigen spielen, erzählt sie hier…

“In der Kunst ist Freiheit das Allerwichtigste. Ich wurde in Ungarn geboren – ein Land, wo man zu Zeiten des Kommunismus nicht immer sagen durfte, was man denkt. Für einen Künstler ist es schrecklich, wenn seine Möglichkeiten beschränkt sind. Meine Mutter ist Regisseurin. Sie macht bis heute jeden Morgen eine halbe Stunde Yoga – zum einen, weil es ihrem Rücken gut tut und ihre chronischen Schmerzen dadurch komplett verschwunden sind. Zum anderen half und hilft Yoga ihr aber auch, sich eine innere Freiheit und Unabhängigkeit zu bewahren. Auch ich praktiziere Yoga seit ich acht Jahre alt bin. Nicht regelmäßig – in meinem Leben gibt es eigentlich keine Regelmäßigkeiten, denn ich bin viel mit meiner Band rotfront unterwegs oder drehe -, aber es tut mir und meiner Seele einfach gut.

Es gibt auch heute noch einige Dinge in Ungarn, mit denen ich nicht einverstanden bin. Heute hat man allerdings – im Gegensatz zu früher – die Freiheit, dagegen zu protestieren. Ungarn ist ein kleines Land und man hat vor allem in der Filmbranche dort nicht so viele Möglichkeiten. Das liegt daran, dass die Sprache nicht so verbreitet ist wie etwa die deutsche. Es werden zwar tolle Sachen produziert, aber eben nicht besonders viel. Vor ein paar Jahren hatte ich eine schwierige Zeit. Da ich schon einen Film in Deutschland gedreht und deutsch gelernt hatte, ging ich nach Berlin. Inzwischen liebe ich die Stadt. Dort leben Menschen aus allen Ecken der Welt. Es ist eine freundliche, freie Stadt, die sehr offen ist für andere Kulturen. Trotzdem bleibt Ungarn immer meine Heimat. Ich fahre oft dorthin, auch weil meine Familie dort lebt. Wenn dort etwas schief geht, berührt mich das viel mehr, als wenn in Deutschland etwas schief geht. Eine Mutter kann man sich nicht aussuchen, eine Frau schon. Ungarn ist meine Mutter, Deutschland meine Frau. Ich habe in Berlin meine Freiheit und kann meine Kunst ausleben. Das macht mich glücklich.”

(Protokoll: Simone Schreyer, Foto: Anita Pocsik)

HINTERLASSEN SIE EINE ANTWORT

Please enter your comment!
Please enter your name here

Das Neueste

Playlist für Energie und Vertrauen

Energie und Vertrauen – davon kann man nie zu viel abbekommen. Das findet auch Yogalehrerin Nora und...

Mit Yoga und Ernährung den Körper im Winter wärmen

Bei den eisigen Temperaturen würden wir uns am liebsten mit einem warmen Tee unter der Decke verkriechen....

Selbst-Mitgefühl bringt dein wahres Ich zum Blühen

Du musst oder möchtest etwas in deinem Leben ändern? Dann ersetze doch mal nüchterne Disziplin durch Selbst-Mitgefühl. Denn Studien...

Interview mit Veronika Rössl: “Alles, was wir brauchen ist in uns”

Bereits als Kind machte sie Yoga und Meditation. Sie sprach mit Engeln und entwickelte eine kindliche und...
- Werbung -

Guter Yoga-Unterricht: Quick Tips

Mark Stephens gilt seit einigen Jahren international als einer der bekanntesten Yogalehrer und -Ausbilder. Nicht umsonst nennt man ihn...

Cover Shootings, Yoga in allen Facetten und Stände ohne Ende: Das war die YogaWorld 2020 in München

Good Vibes only: Auf der YogaWorld in München tummelten sich Aussteller, Yogis und Yoginis, Ayurveda-Anhänger und alle...
- Werbung -

Pflichtlektüre

Mit Yoga und Ernährung den Körper im Winter wärmen

Bei den eisigen Temperaturen würden wir uns...

Playlist für Energie und Vertrauen

Energie und Vertrauen – davon kann man...
- Advertisement -

Das könnte dir auch gefallenEmpfohlen
Unsere Tipps