Die Herbstzeit läd auch immer wieder zu kreativen Abenden zuhause ein. Wie wäre es mit einem Bastel-Tag, an dem du es dir mit Kerzen, einer Tasse Tee und etwas Musik oder einem Hörbuch gemütlich machst? Diese Lavendel Augenkissen beruhigen und erfrischen. Noch dazu duften sie so gut und sind im Handumdrehen fertig.
Und so geht’s:
Die bei trockenem Wetter geernteten Blüten mindestens 1 Woche trocknen lassen.
Die Blüten von den Zweigen abstreifen und 1 Teil Lavendel mit 2 Teilen Rundkornreis und 1 Teil Leinsamen mischen.
Einen dünnen, glatten Stoff aussuchen, waschen und bügeln.
Aus Papier eine dicke Acht etwa in Größe einer Skibrille als Muster ausschneiden. (Einfacher zu nähen ist ein simples Rechteck.)
Das Muster auf den Stoff heften und pro Kissen zwei Stücke zuschneiden. Die Stoffränder an der Nähmaschine rundum mit Zickzackstich versäubern, damit sie nicht ausfransen.
Die Stoffstücke nach Belieben mit Stickereien oder Bemalung verzieren.
Je zwei Stoffstücke auf links gedreht aufeinander legen, mit Stecknadeln fixieren und zusammennähen, dabei an einer Seite eine knapp 3 Zentimeter breite Öffnung freilassen.
Durch diese Öffnung die Hüllen auf rechts drehen und mit Hilfe eines kleinen Trichters etwa zur Hälfte mit der Lavendelmischung füllen.
Die Öffnung mit Nadel und Faden sauber verschließen und fertig ist dein Lavendel Augenkissen.
>> Tipp
Viel besser als die weit verbreiteten Zierlavendel-Sorten eignet sich echter Lavendel (lavandula angustifolia). Er enthält die wirksamsten ätherischen Öle und duftet in Zusammenwirkung mit den fetthaltigen Leinsamen jahrelang.
Kürbis im Salat? Was sich erst einmal gewöhnungsbedürftig anhört, entpuppt sich als perfekte Ergänzung. Dieses Rezept lässt den Kürbis auf der Zunge zergehen. Der Spinat-Kürbis-Salat kombiniert gekonnt warm und kalt.
Zutaten für den Spinat-Kürbis-Salat für 4 Personen
750 g Delicata-Kürbis, in Halbmonde geschnitten oder Butternuss-Kürbis, geschält und gewürfelt
1 EL Brat-Olivenöl
3 EL Olivenöl
Salz und frisch gemahlener Pfeffer
3 EL Zitronensaft oder Rotweinessig
250 g (Baby-)Spinat
½ Tasse Mandelsplitter
Zubereitung
Heize den Ofen auf 200 Grad vor. Vermenge die Kürbisstücke in einem Bräter mit dem Bratöl, Salz und Pfeffer und brate sie in ca. 20 Minuten gar.
Vermenge in einer Salatschüssel Zitronensaft oder Essig mit etwas Salz, den Kürbisstücken, dem gewaschenen, abgetropften Spinat und den Mandeln.
Erwärme das Olivenöl sanft in einem kleinen Topf und gieße es vorsichtig (das Öl könnte spritzen) über den Salat. Vermenge alles nochmals gründlich, so dass der Spinat gleichmäßig durch das warme Öl zusammenfällt. Serviere dann den Salat umgehend.
Mit freundlicher Genehmigung übernommen und abgewandelt aus Charity Ferreiras Buch „Eat Well“, Oxmoor House 2008.
Das Thema „Yoga und Veganismus“ wird heiß diskutiert. Muss ein „guter“ Yogi sich vegan ernähren? Bedeutet Ahimsa, das Konzept der Gewaltlosigkeit, zwangsläufig auch den Verzicht auf tierische Lebensmittel? Oder kann es auch anders interpretiert werden?
Wir haben drei Yogis gefragt, wie sie Yoga und Ernährung für sich persönlich zusammenbringen – und sind dabei auf drei unterschiedliche Meinungen gestoßen.
Yoga und vegan gehören zusammen
Foto: Felix Krammer
Laura Schneider, Moderatorin, Schauspielerin, Mama und Life Coach: „Ich bin über Yoga vegan geworden. Das regelmäßige Praktizieren hat mich auch über den Mattenrand hinaus achtsamer und liebevoller durchs Leben gehen lassen. Neben der Liebe zu mir selbst ist die Liebe zu allen Lebewesen spürbar geworden, das Erleben von Verbundenheit und Mitgefühl. Tieren aus Lust und Luxus das Leben zu nehmen, verantwortlich zu sein für Leid und Missbrauch, das passt für mich ganz und gar nicht zu Yoga. Ahimsa kann so übersetzt werden und hat mich in meiner Yogalehrerausbildung zu einer gewaltlosen Lebensweise in jeglicher Hinsicht geführt.“
Fleisch aus nachhaltiger Erzeugung
Foto: privat
Silke Schwarz-Rosenwinkel, Iyengar-Yogalehrerin und Bloggerin: „Ich habe nicht immer voll dazu gestanden, eine Yogini zu sein, die Fleisch isst. Darum versuchte ich auch, Vegetarierin zu werden, redete mir ein, nur dann eine vollwertige und gute Yogaübende zu sein. Doch dieser Lebensstil war nicht mein eigener, ich hatte ihn mir aufgezwungen. Wahres Ahimsa bedeutet auch Gewaltlosigkeit gegen sich selbst. Ich versuche nun, mich weitgehend clean zu ernähren, also frisch zu kochen, mit viel Gemüse, Obst und Vollkornprodukten. Oft vegetarisch, doch wenn mein Körper mir signalisiert, dass er Fleisch oder Fisch braucht, dann esse ich das auch. Dabei achte ich auf Qualität und nachhaltige Erzeugung und kaufe Bioware, meist beim örtlichen Biohof oder Geflügelzüchter.“
Der Umgang mit Tieren ist brutal
Foto: privat
Johannes Vogt, Musiker und Lehrer für Yoga, Bewusstseins- und Körperarbeit: „Mein Verzicht auf Fleisch ist in einer Zeit von Konsum und Umweltverschmutzung noch der einfachste Beitrag, mich von Adharma, also zerstörerischem Verhalten, zu lösen. Doch ich bin kein Freund extremer Haltungen. Fleisch zu essen ist in unserer Kultur stark verankert, weshalb ich niemanden verurteile, der das tut. Was ich aber kritisiere, ist das Wegschauen. Unser Umgang mit Tieren ist brutal. Indigene Völker etwa waren mit den Tieren eins, das ist etwas ganz anderes.Vegan ist meine erste Wahl, aber ab und zu mag ich Ghee, Honig oder einen guten Käse aus den Bergen. Oft geht es auch um die persönliche Konstitution. Aus ayurvedischer Sicht können tierische Produkte manchmal sehr hilfreich sein.“
Wie sieht es bei dir aus? Wie ernährst du dich und von welcher Meinung fühlst du dich persönlich am ehesten abgeholt? Wir sind gespannt auf deinen Kommentar.
Du willst mehr Mitgefühl entwickeln? Sally Kempton gibt dir zwei einfache Übungen an die Hand, mit denen es dir gelingt, wirklich mitfühlend zu sein. Öfter praktiziert, werden sie dein Leben verändern.
Text: Sally Kempton / Titelbild: Michael Fenton via Unsplash
Wenn du echtes, dauerhaftes Mitgefühl in dir wecken möchtest, dann musst du zunächst mitfühlend mit dir selbst sein. Wenn man nicht gelernt hat, seine eigenen Unzulänglichkeiten mit Mitgefühl zu betrachten, dann wird man auch andere nicht ansehen können, ohne sie zu bewerten. Egal wie nett du dann zu jemandem bist, ein Teil deiner selbst wird immer auch die Fehler des Gegenübers registrieren. Er wird ungeduldig auf dessen Versagen reagieren und sich insgeheim fragen, ob sich diese Person ihre Schwierigkeit im Grunde nicht selbst zuzuschreiben hat. So gesehen ist mehr Mitgefühl gegenüber sich selbst die Voraussetzung für Mitgefühl gegenüber anderen Menschen.
Übung 1: Selbstmitgefühl entwickeln
Wenn du es gewohnt bist, selbst dein schärfster Kritiker zu sein, kann die Entwicklung von Selbstmitgefühl eine große Herausforderung sein. Bei dieser Übung behandelst du dich selbst mit der selben Fürsorge und Liebe wie ein kleines Kind. Setze dich bequem und ruhig hin und beobachte einige Minuten lang dein Atem. Rufe dir eine Zeit in Erinnerung, in der du dich umsorgt gefühlt hast – und sei es in der unspektakulärsten Weise. Beobachte, ob es dir gelingt, dieses Gefühl, dass jemand für dich sorgt, in dir wachzurufen. Dann beobachte, wie sich dein Herz dabei anfühlt und was dein Körper zurückmeldet. Stelle dir vor, du bist wieder Kind. Du kannst dich auch an eine Zeit erinnern, in der du als Kind unglücklich warst.
Stelle dir vor, dein erwachsenes Selbst wiege dieses Kind in seinem Schoß. Spüre den Instinkt, sich um dieses Kind zu kümmern. Sage ihm: „Ich bin da.“ Erzähle ihm, dass du die unschuldige, liebevolle, begabte Essenz in seinem Wesen siehst. Dieser Teil der Übung ist sehr bedeutsam. Du sollst dir dabei der Einzigartigkeit deines kindlichen Selbst bewusst werden, einer Einzigartigkeit, die du bis heute in dir trägst. Beobachte, welche Wirkung dies auf dein Herz hat. Kannst du dir ehrliches und tiefes Selbstmitgefühl entgegenbringen? Dann kannst du jetzt einen Schritt weiter gehen.
Übung 2: Mitgefühl entwickeln
Während dieser zweiten Übung sollst du versuchen, dich in einen anderen Menschen hineinzuversetzen und echtes Mitgefühl entwickeln. Richte deinen Geist auf eine Person, die in Schwierigkeiten steckt oder Schmerz erleidet. Richte folgende Gedanken an diese Person:
Genau wie ich sehnt sie sich nach Glück. Genau wie ich will sie frei von Leid sein. Genau wie ich hat sie Trauer, Einsamkeit und Sorge erfahren. Genau wie ich versucht sie das zu erlangen, was sie im Leben braucht. Genau wie ich entwickelt sie sich weiter.
Denke über das Leid der Person nach. Stelle dir vor, du würdest auf die selbe Weise leiden. Wie würdest du dich fühlen? Wie sehr würdest du dir wünschen, frei von Leid zu sein? Als nächstes stellst du dir vor, wie viel weniger alleine du dich fühlen würden, wenn jemand aktiv mit deinem Schmerz mitfühlen und ihn beenden wollen würde. Kannst du das für diesen Menschen tun? Kannst du dir aus voller Überzeugung wünschen, dass sein Leiden endet? Versetze dich in die Lage der betreffenden Person und spüre einen Moment lang, dass deren Schmerz auch der deine ist. Spüre den Wunsch, dass das Leid ein Ende hat.
Aktiv werden und Gutes tun
Wenn möglich, tue etwas für die Person. Rufe an, mache ein Geschenk, gehe Essen einkaufen oder lade sie zum Essen ein. Es ist wichtig, etwas zu tun. Das muss überhaupt nichts Großartiges sein, aber es braucht eine Geste in der konkreten Welt. Diese Übung kann so transformierend wirken, dass du sie eigentlich täglich machen solltest. Sehr schnell wirst du feststellen, wie es deine Meinungen und den Kontakt zu sämtlichen Menschen in deinem Leben verändert. Der Grund dafür liegt darin, dass der wahre Schlüssel zum Mitgefühl das Gefühl ist, dass wir alle miteinander verbunden und gleich sind.
SALLY KEMPTON gehörte zu den international renommiertesten Lehrerinnen für Meditation und Spiritualität. Sie schrieb viele Jahre über Yogaphilosophie und hat mehrere Bücher verfasst. Mehr Infos unter sallykempton.com.
Du möchtest mehr Übungen, mit denen du dein Mitgefühl stärken kannst? Dann probiere Timo Wahls Metta Meditation im „YogaWorld Podcast“ aus:
Wie bei einem guten Film sei es mit dem Yoga: „Es spricht sich einfach rum“, sagt Michaela May. Sie und ihre Kollegin Ursula Karven setzen seit Jahrzehnten auf die Kraft der Praxis. Was sie außer Leichtigkeit und Fokus daran schätzen, erzählen die Schauspielerinnen im YOGA JOURNAL-Interview.
Frau May, Frau Karven, Sie waren gemeinsam im ZDF-Film „So einfach stirbt man nicht“ zu sehen. Haben Sie während der Dreharbeiten auf Mallorca auch zusammen Yoga geübt?
Ursula Karven: Merkwürdigerweise nicht, aber wir haben uns auf jeden Fall über Yoga ausgetauscht. Michaela May: Ich bin ja lange nicht so versiert und in der Yogawelt integriert wie Ursula. Zwar habe ich mal ein Yogabuch geschrieben; das hatte man nach einem Fernsehinterview, in dem ich von meinen Yogaerfahrungen erzählt habe, sozusagen von mir eingefordert. Ich bin aber keine Lehrerin oder dergleichen, ich mache es einfach gerne. Und es macht viel mit mir.
Was schätzen Sie besonders daran?
MM: Ich bin ja durchaus lädiert, hatte einen Oberschenkelhalsbruch und auch das andere Bein mal verletzt. Bestimmte Sachen kann ich also nicht machen. Den Baum übe ich zum Beispiel auf einen Ellenbogen gestützt, weil die Ferse mich nicht mehr hält. Yoga besteht für mich darin, dass man das, was man kann, macht und das andere versucht zu verbessern. Ohne Yoga würde ich mich, glaube ich, nicht mehr so gut bewegen können wie das glücklicherweise der Fall ist.
Das Schöne und irgendwie Beruhigende am Yogagedanken ist ja, dass es in jedem Alter machbar sein wird.
MM: Ich bin mit meiner Yogalehrerin zu meiner damals 97jährigen Mutter gefahren. Sie hat Yoga im Sitzen praktiziert, auf dem Stuhl, Drehungen, Atemübungen, Armbewegungen. Das ging wunderbar. Yoga geht bestimmt in jeder Altersstufe, aber was zum Beispiel Ursula in ihren Videos macht, wird mir nie offenstehen.
UK: Das ist ja auch völlig egal. Ich bewundere auch andere Leute, schön, wenn man viele Haltungen meistern kann. Ich habe als eher steifer Mensch angefangen und benutze bis heute gerne Hilfsmittel. Ellenbogenstütze beim Baum finde ich super: Die gesunde Muskulatur stärken, die andere pieksen. Einfach immer weitermachen.
MM: Für mich ist wesentlich, die Beweglichkeit im Körper zu erhalten, und dadurch auch im Geist. In den letzten 20 Jahren ist Yoga interessanterweise ja richtig explodiert.
Sie beide praktizieren noch länger. Wie beobachten Sie die Entwicklung?
MM: Wahrscheinlich ist es wie bei einem guten Film: Es spricht sich rum.
UK: Mich fasziniert Indra Devis Geschichte: Bis in die 1950er Jahre war Yoga ja für Frauen verboten. Als für Krieger entwickelte Technik war es Männern vorbehalten. Die westliche Diplomatentochter Indra Devi lernte von Krishnamacharya, ist dann nach Hollywood gegangen und hat Filmstars unterrichtet. Der Ball war ins Rollen gekommen, wir Frauen haben es schnell gedreht. Jetzt folgen uns die Männer. In Los Angeles bilden sie manchmal schon die Mehrheit in den Klassen.
MM: Ich habe vor über 25 Jahren eine eigene Yogagruppe gegründet, die mein damaliger Mann immer belächelte. Kaum hatten wir uns getrennt, fing auch er mit Yoga an. Ja, jetzt ist Yoga keine esoterische Marotte mehr, sondern wird als ähnlich effektiv betrachtet wie Laufen und anderes Bodytraining.
Stichwort „Leistungsorientierung“?
MM: Na ja, ich selbst bin auch weit von Om und Räucherstäbchen entfernt.
UK: Ich mag beides. Ich finde gut, dass man Muskeln aufbaut und sich auch mal abreagieren kann. Rein meditatives Yoga ist mir zu langweilig. Ich glaube, du magst auch Vinyasa-Yoga, Michaela, oder?
MM: Genau.
UK: Inzwischen kann ich mich zum Beispiel aber auch mehr in Bhakti Yoga reinfühlen, dazu habe ich 30 Jahre gebraucht. Aber ohne Workout kann ich mich nicht „entkanalisieren“.
Auf welche Weise hat sich Yoga in Ihrem Leben etabliert?
MM: Aus meiner Yogagruppe ist ein sehr geschützter Raum geworden. Wir sind acht enge Freundinnen, darunter auch meine Schauspielkolleginnen Jutta Speidel und Despina Pajanou. Unsere erste Lehrerin war vor 25 Jahren eine Frau aus der Community um Rainer Langhans, heute ist es Sabine Eichinger. Nach der Stunde sitzen wir immer noch zusammen und besprechen die aktuellen Dinge des Lebens. Ich brauche diese Intimität. Beim Yoga wird so viel frei.Obwohl man nicht interagiert, verbindet die gemeinsame Chemie. Da finde ich die gleiche emotionale Wellenlänge wichtig.
UK: Mir wäre das fast zu viel. Ich liebe es, in Los Angeles mit 200 unbekannten Menschen Matte an Matte zu schwitzen. Ich gehe rein, gebe mein Bestes, nehme die Energie der anderen mit und gehe wieder. Das Gefühl dabei ist allerdings vermutlich das gleiche. Ein befreites Gefühl, das berühmte „yoga-stoned“.
Begegnung der Generationen: Ursula Karven und Michaela May in „So einfach stirbt man nicht“
Verzahnt sich Yoga auch mit Ihrer künstlerischen Arbeit?
UK: Bestimmt, aber eigentlich mit dem ganzen Leben. Ich spüre die Wirkung, wenn es mir gelingt, bei Blockaden ein Stück zurückzugehen, durchzuatmen und zu schauen, wie es weiter geht. Ich kann auch viel besser als früher zu meinen Bedürfnissen stehen und sie formulieren. Ich glaube, ich bin durch Yoga mutiger geworden.
MM: Ich spüre großen Effekt für die Konzentration und mich beim Spielen ausbeamen zu können, das Drumherum nicht mehr wahrzunehmen und im Augenblick zu sein. Da lege ich den Fokus auf mich selbst und meine eigenen Möglichkeiten, kann Erwartungen fallen lassen und immer wieder von einem Nullpunkt an neu beginnen.
Viele Schauspielschulen haben Yoga bereits im Lehrplan verankert.
UK: Ich bin der Meinung, dass es auch an der normalen Schule Einzug halten sollte, und verstehe nicht, dass es nicht schon längst der Fall ist. Warum? Die Wirkung ist doch wissenschaftlich erwiesen!
MM: Ich bin ausgebildete Kindergärtnerin, und schon damals habe ich mit den Kindern Übungen für die Sinne gemacht, so genannte Kim-Spiele, eine Art Vorstufe zum Yoga: Äußere Reize minimieren, in sich hereinspüren, was schmecke, rieche, höre, fühle ich.
UK: Von Kindern können wir uns auf jeden Fall viel abschauen. Es ist toll, wie sie sich beim Kinderyoga problemlos sofort einen Vulkanausbruch vorstellen können, in Bildern agieren, unverkopft und mit total offenen Kanälen. Und wie lange es bei uns dauert, bis wir unseren Laden da oben mal zum Stillstehen kriegen und die Gehirnschleifen stoppen …Yoga ist magisch.
Apropos „Magie“: Sie beide werden – völlig nachvollziehbar – oft nach „Rezepten“ für Ihr attraktives Äußeres gefragt. Schreiben Sie Yoga da eine Wirkung zu? Und spielt das überhaupt eine Rolle?
MM: Yoga sollte nicht ergebnisorientiert sein, nicht messbar.
UK: Na gut, dass es den Stoffwechsel hochfährt, mehr Zellen produziert werden, Herzkranzgefäße und Venen stärkt und die Cortisolausschüttung hemmt – darüber brauchen wir nicht reden. Natürlich ist es ein System, das jung erhält. Das bessere Aussehen ist das Geschenk, das dazu kommt. Ich werde da gerne wissenschaftlich, um von Mutmaßungen und Geheimrezepten wegzukommen: Gewisse Fakten passieren im Körper, hier sind die Studien, viel Spaß. Dass man bewusster und sensibler wird, mit Grenzen anders umgeht, dass man viel gibt und viel zurückbekommt – das ist das eigentliche Yoga. Die äußeren Effekte: Super, why not?
„Wahre Schönheit kommt aus der Mitte“ steht als Leitspruch auf Ihrer Website.
UK: Aha, das hat mein Team schön getextet. (lacht) Welche Mitte auch immer… Auf jeden Fall sind wir mit meiner Yogaartikel-Marke „Divine Flower“ gerade dabei, die Palette an Größen auszuweiten: Runde Frauen auf die Yogamatte!
In „So einfach stirbt man nicht“ sagt der Großvater zu seinem Enkel: „Frauen kriegen einfach alles hin, das war schon immer so und wird immer so sein.“ Das mit der Mitte, vor allem der Lebensmitte und dem Alter kriegen wir allerdings oft nicht so gut hin. Wie leben Sie mit den unvermeidlichen Veränderungen?
UK: Ganz ehrlich? Ich find‘s schwierig. Michaela ist da besser als ich. Ich hadere mit mir und bin unsicher. Meinen Kindern habe ich immer gepredigt, dass das einzige, worauf sie sich verlassen können, die Veränderung ist und man sie heiligen sollte. Wenn du etwas zu lange festhältst, erstarrt es. Dennoch finde ich es sehr anspruchsvoll, älter zu werden.
MM: Meine Lebensmitte ist durchaus ein paar Jahre her. Ich lege mich da einfach hinein und stelle fest, dass meine Kinder mir in puncto Schnelligkeit mittlerweile meilenweit voraus sind. Aber ich bin in meinem Leben viel und schnell Ski gefahren, habe viel Gas gegeben, daher vermisse ich eigentlich nichts. Gewisse Dinge reduzieren sich einfach, ich werde keinen „Iron Woman“ mehr machen. Ich habe Neues entdeckt und versuche, mir meine Neugier zu erhalten. Ich möchte positiv annehmen, was Neues kommt, nicht nur bemerken, was nicht mehr geht.
Was sind diese neuen Dinge?
MM: Ich fremdele etwas mit den sozialen Medien, will aber offener werden und nehme mir ein Beispiel an meiner Mutter, die mit 90 noch einen Computerkurs gemacht hat. Statt Skifahren gehe ich jetzt Schneeschuhwandern. Da bin ich auch auf dem Berg, aber angenehm allein, fern vom Getöse der Skilifte. Ich male, sammle Pilze, habe die High Heels gegen schöne flache Schuhe eingetauscht. Ich setzte mir keine unerreichbaren Ziele mehr, sondern Gelegenheiten, mehr wahrzunehmen.
UK: Ich sehe dich immer noch bei unseren Dreharbeiten in der Villa auf Mallorca barfuß über den Terrakottaboden huschen wie ein junges Mädchen. Es ist alles so relativ.
MM: Im Seniorenheim meiner Mutter habe ich zwei Arten von Menschen beobachtet: Die Meckerer und die Genießer. Ich habe mir vorgenommen, bei den Genießern zu sein.
In Ihrem Film ist viel die Rede von „starken“ Frauen. Was verstehen Sie darunter?
UK: Authentizität, wie auch immer sie ausfällt. Sich zu trauen, so zu sein, wie man ist. Ich bin streng erzogen, habe meine Bedürfnisse oft verleugnet und stattdessen immer versucht, so charmant wie möglich zu sein. Das ging sicher bis Mitte 30 so.
MM: Ich war schon immer eher der undiplomatische Typ. Ein starker Mensch hat für mich Wahrhaftigkeit als Basis, steht zu sich selbst und vertritt eine klare Haltung. Das gilt natürlich auch für Männer.
Glauben Sie, dass Yoga für alle da ist oder eher – wie oft kritisiert – etwas für Privilegierte, und sich daher breiter öffnen sollte?
UK: Eigentlich steht es mit Volkhochschulen und Initiativen doch allen offen. Müssen wir es wirklich noch weiter öffnen? Ich glaube, das passiert ganz von allein.
Die Schauspielerinnen im Gespräch mit YJ-Redakteurin Christina Raftery
MICHAELA MAY (67) wurde in den 1970er-Jahren mit Helmut Dietls „Münchner Gschichten“ bekannt und ist seither eine der am besten beschäftigten deutschen Fernsehschauspielerinnen. Sie lebt in München und engagiert sich für die SOS-Kinderdörfer, die Welthungerhilfe sowie Mukoviszidose-Patienten. URSULA KARVEN (54) ist als Schauspielerin, Model, Unternehmerin („Bellybutton“, „Divine Flower“) sowie Autorin von Yoga-Büchern und -DVDs erfolgreich. Nach Stationen in Los Angeles und auf Mallorca, wo sie eine Yogaschule betrieb, lebt die gebürtige Ulmerin heute in Berlin.
Ihr gemeinsamer Film, die Familien-Tragikomödie „So einfach stirbt man nicht“, wurde am 29. August 2019 im ZDF ausgestrahlt. Fotos: MARKUS WERNER, MARION VON DER MEHDEN
Richten wir den Blick zurück auf die Götter: Im Streit um die größere Weisheit flammt zwischen Brahma und Vishnu eine Feuersäule auf. Auch wir modernen Yogis befinden uns manchmal in Konkurrenz mit anderen – oft sogar mit uns selbst. Das wirft Fragen auf: Kann Yoga gesundheitsschädlich sein und zum Ego-Trip werden? Oder verliert man seinen Freundeskreis, wenn man zu oft auf dem Meditationskissen sitzt?Ralf Sturm hat sich damit beschäftigt.
Lernen von den Göttern
Nicht, dass ich alles am traditionellen Indien gut finde. Aber manchmal können wir durchaus etwas vom Umgang mit den Göttern lernen. Dann jedenfalls, wenn unser Leistungsdenken uns mal wieder Schwierigkeiten bereitet. Yoga soll uns helfen, uns gut zu fühlen. Aber wir können es auch nutzen, um uns unglücklicher zu machen. Dann benutzen wir Yoga zur Fortführung unserer Neurosen mit anderen Mitteln.
Brahma und Vishnu, so sagt man, stritten einmal darüber, wer von den beiden das höchste Wesen sei. Und wie das so ist, wenn Götter streiten, entstand dabei eine riesige Feuersäule. Wer als erster das Ende dieser Säule finden würde, sagte Brahma, der sei der Größte von beiden. Also machten sie sich in unterschiedliche Richtungen auf die Suche. Vishnu nach unten, Brahma nach oben. Irgendwann merkten beide, dass es kein Ende der Suche gab. Vishnu akzeptierte das. Aber Brahma wollte sich damit nicht zu Frieden geben und erfand eine Geschichte, wonach er das höchste Ziel erreicht hätte.
Falscher Ehrgeiz im Yoga
Wie mir scheint, geht es uns beim Yoga manchmal genauso. Mein Freund Thomas praktiziert seit knapp 15 Jahren Yoga. Früher übte er stundenlang Asanas und meditierte im Lotussitz. Das hat natürlich viele Menschen um ihn herum beeindruckt. Heute muss er sich allerdings schon im Schneidersitz zwei Kissen unter die Knie legen. Zu lange im Lotus gesessen, Knie kaputt. Ich sehe das oft in Kursen und Ausbildungen. Gerade Männer versuchen manchmal ganz gerne, das mit dem Lotussitz irgendwie hinzukriegen. Dabei haben wir anatomisch ungünstigste Voraussetzungen! Daher die Frage: Für wen machen wir eigentlich Yoga?
Manchmal versuchen wir mit Meditation und Mantras unser Ego loszuwerden – und errichten stattdessen Schutzmauern darum herum. Mit vielen Sanskrit-Ausdrücken fachsimpeln Yogis über den schnellsten Weg zur Erleuchtung. Auf diese Weise bauen sie sich eine neue Identität auf. Dann sind alte Freunde auf einmal Menschen mit negativen Schwingungen, von denen man sich besser fernhält, weil die „noch nicht so weit“ sind. Ich kenne das von mir selbst auch – als Teenager, wenn es um Musik ging. Echter ehrlicher Rock’n’Roll musste es sein. Nur Gitarren, keine Synthesizer. Mittlerweile werden mir alte Schulfreunde manchmal wieder sympathischer als Menschen, die ständig in „Reinigungsprozessen“ sind.
Die Wellen im Geist beruhigen
Dabei sollte Hatha-Yoga unseren Körper doch stark machen und gut auf die Meditation vorbereiten. Das kann es auch. Aber nur wenn wir unsere eigenen Dämonen – unsere eigenen inneren Antreiber – loslassen. Wenn wir auf dem Ego-Trip sind, erreichen wir zwar irgendwann in der sitzenden Vorwärtsbeuge die Knie mit dem Kopf. Aber wir erreichen auch Bandscheibenschäden. Wenn wir verzweifelt versuchen, die Wellen in unserem Geist zu beruhigen … wie sollen diese zum Stillstand kommen, wenn wir selber es nicht tun?
Bei den Göttern in Indien flog Brahmas Aufschneiderei schnell auf. Im heutigen Indien wird der Gott auf dem Ego-Trip kaum verehrt. Nur einen einzigen Tempel haben sie ihm gebaut, im ganzen Land. Vishnu hingegen hatte akzeptiert, was war. Dafür mögen ihn die Leute. Man muss nicht immer in allem das Höchste erreichen. Ich wünsche mir mittlerweile erstmal nur noch eins. Mich selbst so anzunehmen, wie ich bin. Ohne noch flexibler werden zu müssen oder neue Meditationserfahrungen machen zu wollen. Und interessanterweise hilft mir Yoga dabei. Wenn ich mich einfach entspanne, dann finde ich mich selbst auch ganz in Ordnung. Dann kann ich mich einfach in die Vorwärtsbeuge hinein sinken lassen. Und mir geht’s gut – da wo ich bin.
Foto: Wari Om Yoga Photography - Ronald Steiner an der Molecule Man Statue an der Spree, Berlin
Drehhaltungen im Yoga: Welche ist die richtige Herangehensweise? Richten wir das Becken gerade nach vorne aus oder drehen wir es mit?
Das berühmte Zitat „Cogito ergo sum“ („Ich denke, also bin ich“) stammt von dem Philosophen René Descartes. Er war es auch, der uns das praktische, zugleich jedoch limitierende rechtwinklige kartesische Koordinatensystem schenkte. Dieses legt ein theoretisches Raster auf das Universum und beschreibt alles darin Vorkommende als rechtwinklig miteinander verbunden. Manchmal schleicht sich dieser rechtwinklige Ansatz im Denken auch in die Yogawelt ein. Dies führt zu solch absoluten Aussagen wie „Der beste Weg zu üben…“. Ein Beispiel für eine solche Annahme ist der Glaube, dass bei Drehhaltungen das Becken immer parallel ausgerichtet sein muss und diese Stellung des Beckens nicht verändert werden sollte, sobald wir den Oberkörper drehen. Ebenso wie der Cartesianismus ist diese Art, einen Twist zu betrachten, zwar nützlich, aber auch limitierend.
Eine Übung, viele Herangehensweisen
Die Wahrheit ist, dass Drehhaltungen keine „Einheitsgrößen“-Haltungen sind. Wie bei so vielen anderen Dingen im Yoga (wie auch im Leben allgemein) passt nicht die eine Beschreibung und Herangehensweise für jeden. Um die optimale Ausrichtung deines Beckens in einem Twist zu finden, solltest du erstens mit verschiedenen Herangehensweisen experimentieren und beobachten, wie sie sich für dich anfühlen. Und zweitens: Verstehe die Mechanik hinter den Drehhaltungen. Dadurch findest du selbst heraus, welche Art von Ausrichtung für dich die beste ist.
Versuche einmal Folgendes:
Setze dich seitlich auf einen stabilen Stuhl ohne Armlehnen. Die rechte Seite deines Körpers ist zur Stuhlrückseite gerichtet. Hebe den Brustkorb an und drehe dich so, dass du die Rückenlehne mit beiden Händen greifen kannst. Atme sanft aus und setze die Arme ein, um dich – so weit es angenehm möglich ist – nach rechts zu drehen. Bewege dein Becken nicht absichtlich mit der Drehung, aber hindere es auch nicht, wenn es sich mitbewegt. Bleibe in dieser Haltung und nehme wahr, wie weit du deinen Oberkörper und die Schultern gedreht hast und wie sich dein Kreuzbein und der gesamte Rücken in dieser Position anfühlt. Richte den Blick nun zu deinen Knien. Höchstwahrscheinlich ist dein linkes Knie vor deinem rechten. Dies weist darauf hin, dass sich dein Becken ganz natürlich mit der Drehung mitbewegt hat.
Komme wieder in eine neutrale Haltung zurück und führe die gleiche Übung erneut aus. Achte dieses Mal jedoch darauf, dass deine Knie in einer Ebene und dein Becken exakt seitlich zur Rückenlehne bleibt. Wie fühlt sich diese Variante an?
Vielleicht findest du es leichter, in eine Drehhaltung zu kommen, wenn du das Becken mitnimmst. Oder du hast herausgefunden, dass die Drehhaltung sich tiefer und zufriedenstellender anfühlt, wenn du das Becken parallel hältst. Es gibt keine richtige Technik für alle, aber eine richtige für dich!
Eine gute generelle Regel ist: Wenn du dich nicht mit Leichtigkeit drehen kannst oder Schmerzen in deinem Iliosakralgelenk hast (dort, wo die Basis der Wirbelsäule auf das Becken trifft), ist es für dich vermutlich besser, die Hüften in Drehhaltungen mitzubewegen. Wenn Drehhaltungen dir leicht fallen und du tiefe hineingehen möchtest, bist du mit einem parallel ausgerichteten Becken vermutlich besser bedient.
Twists halten die Gelenke der Wirbelsäule, die Bandscheiben, Bänder und Muskeln geschmeidig. Sie massieren die Bauchorgane und befreien die Atmung, indem sie die Muskeln des Bauches und des Brustkorbes lockern. Die Hauptaktivität, die all das möglich macht, ist die Rotation der Wirbelsäule. Um zu visualisieren, wie die Wirbelsäule sich dreht, mache zwei Fäuste und stapele diese übereinander. Stellen dir nun vor, dass jede Faust einen Wirbel darstellt. Halte die untere Faust still, während du das obere Handgelenk beugst. Die obere Faust dreht auf der unteren in ungefähr der gleichen Weise wie ein Wirbel auf dem anderen, wenn die Wirbelsäule rotiert. Wenn du dich drehst, dreht sich jeder Wirbel in Relation zu dem Wirbel darunter, vom unteren Ende deiner Wirbelsäule nach oben. Die Summe all dieser kleinen Bewegungen ergibt dann die komplette Wirbelsäulen-Rotation.
Es wird oftmals gesagt, dass das Parallelhalten der Hüften in einer Drehhaltung zu einer stärkeren Wirbelsäulen-Rotation führt. Das stimmt nicht immer. Um zu verstehen weshalb, führe noch einmal die gleiche Übung mit deinen Fäusten aus wie zuvor, nur dieses Mal drehst du die untere Faust gleichzeitig mit. Beide Fäuste drehen in die selbe Richtung, das ergibt kaum oder keine Rotation der oberen Faust in Relation zur unteren.
Das Becken und die Wirbelsäule
Ähnlich ruht die Basis deiner Wirbelsäule auf deinem Becken: Wenn du nun das Becken und die Wirbelsäule in die gleiche Richtung drehst, wird sich die komplette Wirbelsäule als Einheit bewegen. Deine Wirbel werden sich in Relation zueinander kaum drehen – zuerst einmal. Da sich das Becken jedoch nur begrenzt drehen kann, stoppt es an einem gewissen Punkt. Dadurch bleibt auch die Basis deiner Wirbelsäule stehen. Fahre nun fort, die restliche Wirbelsäule zu drehen. So kannst du allmählich die gleiche Rotation der Wirbel erzielen wie bei einer parallelen Ausrichtung deines Beckens.
Welche Variante passt?
Wenn nun beide Versionen dieser Haltung das Potenzial haben, deine Wirbelsäule zu drehen, wie kannst du bestimmen, welche davon die richtige für dich ist? Überlege dir, wie einfach oder schwierig Drehhaltungen für dich sind. Lässt sich deine Wirbelsäule nicht leicht drehen? Und entscheidest du dich dafür, das Becken in Marichyasana III parallel auszurichten? Dann wird es dir schwer fallen, deine Schulter weit genug über deinem Körper auszurichten, um den Arm optimal zu positionieren. Die Muskeln des Oberkörpers alleine können die Wirbelsäule nicht bis zu ihrem Maximum drehen. Hierfür musst du deine Schulter weit genug in die Drehrichtung bewegen können, um deinen Arm gegen etwas Solides zu drücken und dadurch eine Hebelwirkung zu erzeugen. In Marichyasana drückst du beispielsweise deinen Arm gegen die Außenseite des aufgestellten Knies, um die Drehung zu unterstützen. Entscheidest du dich dafür, das Becken mitzudrehen, folgt dein Oberkörper der Drehung und die Schulter kommt dadurch weiter nach vorne. Dies ermöglicht dir, den Arm leichter über das angewinkelte Bein zu legen.
Die Position der Schultern in Drehhaltungen
Das Entscheidende ist, dass die Art, wie du dein Becken bewegst (oder stabilisierst) die Position deiner Schultern am Endpunkt des Twists beeinflusst. Und dies hat wiederum Einfluss auf die Fähigkeit, sich mit Hilfe der Hebelwirkung weiter zu drehen. Dies ist der Hauptgrund dafür, dass weniger flexible Yogaschüler davon profitieren, das Becken in den Drehhaltungen mitzubewegen. Dir fallen Drehhaltungen wie Marichyasana III leicht? Dann kann es dagegen passieren, dass durch das Mitdrehen des Beckens die Schultern so weit über das aufgestellte Bein kommen, dass ein mechanischer Nachteil entsteht: Die Hebelwirkung wird reduziert. Deshalb können sehr flexible Schüler häufig tiefer in eine Drehhaltung gehen, wenn Sie das Becken nicht mitdrehen.
Welche Rolle spielt das ISG?
Ein weiterer Punkt, den man bei einer Drehhaltung unbedingt berücksichtigen sollte, ist die Gesundheit und Stabilität des Iliosakralgelenks/ISG (Kreuz-Darmbein-Gelenk). Das Sakrum, der große dreieckige Knochen am unteren Ende der Wirbelsäule, ist zwischen den beiden Ilium-Knochen, den beiden ‘Flügeln’ des Darmbeinkammes, eingekeilt. Die Kontaktflächen zwischen dem Kreuzbein und den Ilium-Knochen (Darmbein) sind als IS-Gelenke bekannt.
Yogis leiden häufig an schmerzhaften Verletzungen des ISG. Solche treten auf, wenn eine Seite des oberen Kreuzbeins zu weit nach vorne rutscht und vom Ilium, aus dem Gelenk heraus, wegzieht. Dies kann beispielsweise in Drehhaltungen und Vorwärtsbeugen passieren. Twists können diese Verletzungen verschlimmern, da sie natürlicherweise eine Seite des Kreuzbeins nach vorne rotieren: Wenn du dich nach rechts drehst, bewegt sich häufig das Kreuzbeins vom Ilium auf der linken Seite weg und vice versa.
Achtung: Verletzungen des Gelenks spürt man meist erst nach dem Üben, wenn sich ein dumpfer Schmerz auf der Rückseite einer Beckenseite breit macht. Wenn du das Becken ganz steif nach vorne ausgerichtet hältst und gewaltsam in die Drehhaltung gehst, vergrößerst du das Risiko. Um dieses Risiko zu vermeiden, entspanne während der Drehbewegung bewusst die Muskulatur um die Wirbelsäule, Taille und den Brustkorb herum: Dadurch können sich die Wirbel freier in Relation zueinander bewegen und es wirkt weniger Kraft auf das Kreuzbein. Eine andere Möglichkeit ist, das Becken mit in die Drehbewegung zu nehmen.
Mehr Stabilität im ISG – lasse das Becken mitdrehen
Das Becken mit der Drehbewegung mitgehen zu lassen, anstatt es starr nach vorne ausgerichtet zu halten, ist für das ISG aus drei Gründen gewöhnlicherweise sicherer:
Erstens: Wenn man einen Twist mit der Bewegung des Beckens initiiert, dreht sich der Oberkörper weiter. Dadurch fühlt sich die Drehung früher „komplett“ an und die Wahrscheinlichkeit, dass du dich über deine Möglichkeiten hinaus in die Haltung zwingst, ist kleiner. Zweitens: In Haltungen wie Marichyasana III erleichtert die Drehbewegung des Beckens das Heben des Armes über das gebeugte Bein. Dies verringert die Wahrscheinlichkeit, dass du nach vorne zusammensinkst, um deine Armposition zu verbessern. Das Zusammensinken des Oberkörpers hat den Nachteil, dass der obere Rand des Kreuzbeins nach vorne zieht. Drittens: Das Mitbewegen des Beckens mit der Drehung schützt das ISG, denn das Ilium kann sich mit dem Kreuzbein als Einheit bewegen. Die Knochen bleiben zusammen. Um diesen Effekt noch zu maximieren, solltest du in der Drehung den oberen Rand des entgegengesetzen Iliums vom Sitzbeinhöcker aus nach vorne kippen. Dies hilft dabei, dass das Ilium dem Kreuzbein nach vorne folgt.
Übung: Welcher Twist passt am besten zu dir?
Versuche anhand der folgenden Übung herauszufinden, welche Art von Twist für dich am besten funktioniert:
Setze dich entweder auf den Boden oder auf eine gefaltete Decke und strecke beide Beine für Dandasana (Stabhaltung) nach vorne aus. Beuge dein rechtes Knie und platziere die rechte Ferse nahe an deinen Sitzbeinhöcker. Richte dein Becken so aus, dass es präzise einen rechten Winkel zum ausgestreckten Bein bildet. Drücke deine rechte Hand fest hinter dem Rücken in den Boden und halte die Vorderseite deines rechten Knies mit der linken Hand, während du nun den oberen Rand des Beckens nach vorne kippst.
Atme aus und ziehe mit dem linken Arm, um deinen Oberkörper nach rechts zu drehen. Halte das rechte Knie stabil und achte darauf, das Becken nicht zu drehen. Stattdessen entspanne die vorderen und seitlichen Bauchmuskeln, um die Taille weich zu halten. Erlaube den Muskeln, sich zu dehnen, während du dich zuerst vom unteren Rücken aus immer weiter nach oben drehst – zu den unteren Rippen, zum oberen Brustkorb bis hin zu den Schultern.
Achte dabei darauf, die linke Seite deines Kreuzbeins nicht nach vorne zu ziehen. Mit jeder Einatmung richtest du die Wirbelsäule lang auf; mit jeder Ausatmung drehst du dich tiefer in die Haltung und hältst dabei dein Becken parallel. Sollte dir das leicht fallen, kannst du tiefer in die Drehung gehen. Lege den linken Arm über das rechte Bein, um eine größere Hebelwirkung zu erzielen. Jetzt, ohne aus der Haltung zu kommen, beobachtest du, was geschieht, wenn du dein Becken nach und nach mit der Drehbewegung mitdrehst.
Mit der nächsten Ausatmung schiebst du nun deinen rechten Sitzbeinhöcker einen Zentimeter nach hinten, ohne ihn dabei vom Boden zu heben, und drehst dich tiefer in die Haltung. Gleichzeitig mit der Drehung des Beckens drückst du den linken Sitzbeinhöcker fester in die Matte und bringst mehr Gewicht auf deinen vorderen Rand, um den linken Rand des Beckens so weit wie möglich nach vorne zu kippen. Halte dein Becken an dieser Stelle und drehe deine Wirbelsäule mit der nächsten Ausatmung noch etwas weiter.
Wiederhole diese Sequenz mehrmals. Beobachte dabei jede einzelne Stufe genau, um zu spüren, welcher Grad an Beckenrotation, falls überhaupt, die Arme in die beste Position bringt. Deine tiefste Drehung sollest du erreichen, indem du die Wirbelsäule aufrecht hältst und eine Belastung des Rückens und Kreuzbeins vermeidst.
Wenn du den optimalen Grad der Beckenrotation in Marichyasana III gefunden hast, kannst du ähnliche Techniken in anderen Drehhaltungen anwenden. Denke daran: Ein rechter Winkel des Beckens in Drehhaltungen ist nicht immer der richtige Winkel.
Autor Dr. Roger Cole ist zertifizierter Iyengar-Yogalehrer in Del Mar, Kalifornien
Es ist Pilzzeit und wir können im Moment nicht genug von leckeren Pilzgerichten bekommen. Zum Glück hat uns die Münchner Gastroqueen und Kochbuchautorin Sandra Forster das Rezept für Oliven-Tofu-Crunchy mit Egerlingen und Frühlingszwiebeln verraten …. einfach himmlisch.
Gesund schlemmen im Herbst: Egerlinge gelten als gute Vitamin D-Lieferanten, Tofu wird aus Sojabohnenquark gewonnen und ist auf Grund seines Proteinreichtums ein guter Ersatz für Fisch und Fleisch. Das Beste: Die Pilze werden ganzjährig regional gezüchtet und sind somit nicht Schwermetall- und radioaktiv belastet.
Zutaten: 250 Gramm Oliventofu oder Tofu Mediterran 5 Frühlingszwiebeln 600 Gramm Egerlinge 2 Zwiebeln ca. 8 EL Olivenöl 3 Zweige Rosmarin Oregano grobes Salz
Zubereitung: Tofu in unterschiedlich große Stücke zerkleinern, Zwiebeln würfeln. In einer großen Pfanne das Öl erhitzen. Tofu, Zwiebeln und Rosmarin hineingeben. Knusprig braun braten. Frühlingszwiebeln und Egerlinge säubern und in feine Rauten bzw. Viertel schneiden. Beides in die Pfanne geben, weitere 5 Minuten alles erhitzen. Mit Oregano, Salz und Pfeffer abschmecken. Rosmarin vor dem Servieren herausnehmen.
Sandra Forster, geboren 1974, hat sich in der Münchner Gastroszene in den letzten Jahren einen Namen gemacht: Sie betreibt namhafte Lokalitäten wie das Ausbildungsrestaurant ROECKLPLATZ und das vietnamesisches Restaurant CHARLIE. Unter den Yogis ist sie als Herausgeberin von „DAS VEGANE KOCHBUCH“ (Blumenbar Verlag, 24,90 Euro) bekannt.