Inside Flow – Fließen am Puls der Zeit

Inside Flow Julia

Inside Flow ist eine Kombination aus Vinyasa Flow Yoga und Choreografie. Geübt wird zu moderner Musik. Es ist anmutig, modern und lebendig, berührt die Herzen der Teilnehmer und trifft dabei genau den Puls der Zeit. Hast du diese moderne Interpretation von Vinyasa Flow schon am eigenen Körper erlebt?

Inside Flow ist Vinyasa Flow, welches on Beat unterrichtet wird und exakt auf einen ausgewählten Song abgestimmt ist. Es ist aber noch so viel mehr als das! Es ist die Verbindung von Atmung und Bewegung, die durch die Kraft der Musik zu einem fließenden Erlebnis führt. Vom Takt der Musik wirst du durch deine Yoga Praxis getragen. Dabei ist deine Atmung mit dem Rhythmus der Musik synchron, sodass jede Ein- bzw. Ausatmung in eine neue Körperbewegung führt.

So setzen sich beim Inside Flow Yoga Asanas zu einer anmutig fließenden Choreographie zusammen. Diese Anmut entsteht im Übergang zwischen den Haltungen. Deshalb sind die Bewegungen beim Inside Flow sehr langsam. Wie in Zeitlupe oder als ob du dich durch Honig bewegst. Musik ist die Sprache des Herzens, sie schafft die Verbindung zu unserer emotionalen Welt. Durch sie werden während des Flowens Gefühle transportiert. In Kombination mit dem dazu langsam und fließend ausgeführten Asanas in Verbindung mit gleichmäßiger, achtsamer Atmung (Pranayama) lernst du deine Betrachtung von außen nach innen zu kehren. So erlebst du eine intensive Verbindung zwischen Körper und Geist.

Der „Kopf“ hinter der wohl anmutigsten Form von Yoga

Young Ho Kim, Inhaber und Gründer des Inside Yoga Studios in Frankfurt, gründete Inside Flow. Im Kontrast zu den traditionellen Yoga Stilen entwickelte Young Ho Kim einen progressiven Yoga Stil. Im Vordergrund stehen dabei neben einer gesunden und anatomisch korrekten Ausrichtung der Knochen und Gelenke immer auch Leichtigkeit und die Bereitschaft zur Veränderung. Young Ho Kim bezeichnet sich selbst als „Seeker“, also als Sucher. Als Sucher nach etwas Höherem, nach etwas Transzendentalem, nach etwas das einen komplett erfüllt. Er wollte Bewegung und Philosophie zusammenbringen. Diese Bewegungen sollten facettenreich sein und sich weiterentwickeln. Denn auch Yoga verändert sich stetig. So wie das Leben selbst.

Als ich Young Ho Kim und seinen Yoga Stil „Inside Flow“ kennen lernte, hat es mich so sehr bewegt. Ich wusste sofort: das ist es! Das ist mein Yoga! Denn es gibt nichts Schöneres, als im Moment aufzugehen und sich passend dazu zu bewegen, sich „im Flow“ zu fühlen. Meine Yoga Klassen wurden schon immer geprägt und getragen von moderner Musik. Als professionelle Tänzerin liegt es mir im Blut, mich zu Musik zu bewegen und mich vor allem auch durch Musik aus zu drücken und durch Musik bestimmte Stimmungen zu kreieren. Dies nun auch in einer Form von Yoga zu finden ist einfach nur großartig und einzigartig!

Von Musik durch den Flow getragen

Anders als im traditionellen Yoga bei dem es darum geht in die Stille zu gehen, den eigenen Fokus ganz nach innen zu richten, ist es im Inside Flow genau andersrum. Gefühle, also dein Inneres, werden in der Bewegung getragen von lauter Musik ausgedrückt. Inside Flow ist pure Expression und verbindet. Es geht darum, Innen und Außen zu verbinden und das Ganze nach außen zu tragen. So verbinden wir uns währned der Praxis sich so mit allen anderen Übenden. Das schafft ein einzigartiges Gefühl der Gemeinschaft.

Je größer die Masse, desto höher ist die Energie. Genau das ist der Unterschied zu allen anderen Yogastilen. Je mehr Leute sich gleichzeitig mit der Musik bewegen, umso höher ist die Resonanz der Energie. Dadurch wird die Schwingung und Energie enorm verstärkt. Das ist ein großer Unterschied zu traditionellem Yoga, in welchem jeder mit sich beschäftigt ist, im Inside Flow geht es um gemeinsam, miteinander, zu fühlen, eine Empathie zu kreieren. Ich fühle was du fühlst! „We are One“.

Besonders deutlich wird dies beim jährlichem Inside Flow Global Summit auf Bali. Yogis auf aller Welt kommen zusammen, um miteinander zu üben und zu teilen. Und hier wird die Magie von Inside Flow ganz deutlich. Die Sprache, die Kultur eines jeden mag sehr unterschiedlich sein, aber was uns alle miteinander vereint ist die Kraft der Musik. In Verbindung mit Yoga und der Masse an Menschen, die sich im gleichen Rhythmus bewegen, atmen und die selben Gefühle teilen und somit unvergessliche Momente schaffen und dieses einzigartige Gefühl der Gemeinschaft schaffen.

Für wen ist Inside Flow geeignet?

Inside Flow ist für alle geeignet, die ein dynamisches, kraftvolles Fließen erleben möchten und auch einer intensiven körperlichen Praxis und Herausforderung auf der Matte nicht abgeneigt sind. Der Fokus liegt auf fließenden Übergängen zwischen den Asanas. Die Asanas dienen nur als kurzes Standbild und werden jeweils nur für eine Ein- bzw. Ausatmung ausgeführt. Inside Flow setzt somit eine gute Vinyasa Flow Praxis oder Yoga Vorkenntnisse voraus.


Julia Flow and Grow

Julia ist vielseitig ausgebildete Yoga Lehrerin, Personal. Trainerin und ehemalige Profi Tänzerin. Vor 14 Jahren kam Julia mit Yoga in Berührung. Ihre Ausbildungen absolvierte sie bei Inside Yoga und Swaha Yoga. Die Liebe zu Musik und ihre Leidenschaft zu fließenden Bewegungen findet sich in all ihren Yoga Klassen wieder. Julia gibt Personal Yoga und unterrichtet offene Klassen in verschiedenen Studios in München. Zudem leitet sie Workshops und Retreats. Mehr Infos zu Julia unter: www.flow-and-grow.com und @julia_flowandgrow.

Fotos: Grit Siwonia

Bin ich schön? Warum wir Bestätigung brauchen

Bestätigung Selfie Frau

Selfies, Likes, Bikini-Body: Die meisten Menschen sehnen sich nach Bestätigung von außen – und gehen mit sich selbst oft am kritischsten um. Warum eigentlich?

Auf der Suche nach Likes

Sobald mein Smartphone zu blinken beginnt, geht es mir wie Millionen anderen Handy-Nutzern: Ich freue mich. Ich möchte wissen, wer mir geschrieben hat und öffne die Nachricht. Dann versuche ich meist dafür zu sorgen, dass bald wieder eine Nachricht hereinkommt, indem ich zurückschreibe. Damit ist die Schleife nicht nur bei mir, sondern auch bei meinem Gegenüber offen; dann bin ich nicht mehr allein. Es gibt sogar Benachrichtigungen darüber, wem etwas gefällt, was ich in sozialen Netzwerken gepostet habe oder wer einen meiner Inhalte geteilt hat. Auch so wächst das Gefühl von Bestätigung. Man teilt nicht nur Fotos vom Mittagessen, sondern immer öfter auch von sich selbst, so wie man sich gerne sieht. Das „Selfie“ wird dann von Freunden in der Regel wohlwollend kommentiert. Aber glauben wir all dem Lob wirklich? Wie zufrieden sind wir mit uns selbst?

Eitelkeit bei den Göttern?

Der Götterbote Narada hatte lange Zeit im Himalaja meditiert. Als er daraufhin wieder einmal zu Besuch bei den Göttern war, brüstete er sich damit, nun gegen weltliche Versuchungen gefeit zu sein. Beim Abschied wunderte Narada sich, dass Vishnu darauf so verhalten reagiert hatte. Nach kurzer Zeit kam er an einer prunkvollen Stadt vorbei und lernte nicht nur den König kennen, sondern wurde auch der bildhübschen Königstochter Shrimati vorgestellt. „Eure Tochter ist wahrhaft eine Inkarnation Lakshmis“, pries er diese vor dem König, „und niemand außer Vishnu soll sie zur Frau bekommen“. Doch sein Verlangen nach ihr war geweckt. Und er betete fieberhaft: „Lass’ mich das Aussehen Haris bekommen“, um selbst so schön zu werden wie Vishnu.

Stolz führt nicht zum Ziel

Sein Wunsch wurde ihm gewährt. Mit dem Wissen um seine Schönheit bat Narada den König, eine Zeremonie zu veranstalten, in der seine Tochter ihren Bräutigam wählen könne. Doch die Königstochter ging – ohne ihn eines Blickes zu würdigen – an ihm vorbei und erwählte einen anderen. Halb erstaunt, halb erbost stand Narada auf: „Meine Schöne. Ihr meint doch sicher mich! Ich bin der Schönste weit und breit.“ Die Prinzessin prustete vor Lachen. „Schön seid ihr sicherlich. Aber einen Affen kann ich nicht heiraten.“ Narada schaute in den Spiegel und sah ein Affengesicht. Denn „Hari“ heißt nicht nur „Gott“, sondern auch „Affe“. Da erkannte er neben sich Vishnu, der die Hand von Shrimati nahm, die keine andere als Lakshmi war. Einmal mehr war Narada dem Spiel aufgesessen, das Vishnu für ihn veranstaltet hatte, um ihm seinen Stolz vorzuführen.

Yoga und Bikini-Body

Irgendwann einmal sah ich eine Werbung, in der es hieß: „Mit Yoga zum Bikini-Body“. Abgesehen davon, dass die Asanas wahrscheinlich nicht entwickelt worden sind, um die äußere Erscheinung zu verbessern: Warum ist es überhaupt so wichtig, Bestätigung zu erhalten? Warum dürsten wir so sehr danach? Es hat ganz einfache biologische Gründe: Als Höhlenmenschen wären wir Tigerfutter gewesen, wenn uns der Stamm ausgeschlossen hätte. Heute sind wir – wenn wir das Glück haben in unseren Breiten zu leben – sozial abgesichert und müssen nicht verhungern. Aber wir sehnen uns weiter danach, nicht alleine zu sein, ein gutes „Netzwerk“ zu haben. Das macht das Leben schöner. Doch unsere Angst ist es nach wie vor, nicht „schön“ genug zu sein. Davon leben ganze Industrien. Ich bin in Seminaren, aber auch in meinem Freundeskreis immer wieder überrascht, für wie wenig schön sich viele Menschen halten. Und wie wichtig es ihnen ist, etwas anderes zu hören: bestätigt, gewählt zu werden. Ich ertappe mich sogar selbst immer wieder dabei, dass es mir genauso geht.

Wir müssen uns selbst lieben

Können wir lernen, uns selbst mehr Liebe zu schenken, damit wir nicht für ein anderes Aussehen beten müssen wie Narada? Vielleicht sind die Selfies und die positiven Kommentare darauf ja ein Weg, Bestätigung zu bekommen. Aber dadurch zeigen wir doch immer wieder nur eine Seite von uns. Die, die wir selbst sehen wollen. Ich glaube, wir wären überrascht, wenn wir wüssten, für wie toll uns manche Menschen in unserer Umgebung tatsächlich halten, auch wenn wir uns nicht verkleiden oder verändern. Probiere doch mal Folgendes aus: Schaue eine Woche lang jeden Morgen in den Spiegel und entdecke etwas an dir, das du wirklich lieben kannst. Es ist genug da. Wir Menschen haben alle einen Zauber. Freue dich über deinen.


Yoga-Unterricht: Warum Asanas nicht alles sind

Yoga Unterricht Asanas

Asanas sind nicht das Ziel von Yoga, sie sind lediglich ein Werkzeug, um dieses zu erreichen. Allerdings gibt es viele Yoga-Lehrer und Schüler, die sich nur auf Asanas und den Körper konzentrieren. Unsere Gastautorin Maya Devi Georg, selbst Yoga-Lehrerin, erklärt, warum Asanas im Yoga nicht alles sind.

Als Yogalehrer ist es sehr wichtig, sich in Anatomie und Physiologie weiterzubilden. Den menschlichen Körper zu verstehen, also über seine Fähigkeiten und Grenzen Bescheid zu wissen, kann dem Lehrer helfen, seine Schüler sicher zu begleiten. Wenn bei der Praxis der Fokus auf den Körper gelegt wird, ignorieren wir oft das Positive des Yoga für Geist und Seele. Wenn Asanas korrekt durchgeführt werden, vereint sich der Atem mit der Bewegung und die Aufmerksamkeit ist auf den drshti (Punkt der Aufmerksamkeit) gerichtet. Asanas können eine Art der Meditation sein.

Jeder Körper ist einzigartig – auch in Bezug auf Asanas

Warum ist es falsch, den Schwerpunkt der Ausrichtung über andere Prinzipien des Yoga zu stellen? Auf wessen Anatomie basieren die Prinzipien? Jeder Mensch hat eine einzigartige Anatomie. Zwei Körper sind niemals identisch, wir haben alle verschiedene Stärken und Schwächen und unsere Gelenke können große Unterschiede aufweisen. Warum haben wir verschiedene Yogastile, die einen Einheitsgrößen-Zugang zur Ausrichtung besitzen? Schränkt das nicht die meisten Schüler ein und sorgt für ein Gefühl der Erniedrigung? Wenn die körperlichen Unterschiede in Bezug auf das Skelett und Muskeln ignoriert werden, kann es zu ernsthaften Verletzungen kommen. Fast alle Asanas können so angepasst werden, dass sie von jedem Körper, trotz eventuellen körperlichen Einschränkung, ausgeführt werden. Sich als Lehrer nur an einer Ausführung festzuhalten, schließt alle aus, die nicht oder noch nicht beweglich oder kräftig genug sind.

Yoga ist nicht rhythmische Sportgymnastik

Ich habe bei verschiedenen Yoga-Stilen gesehen, dass eine Pose entweder perfekt ausgeführt werden muss – oder gar nicht. Vielleicht macht das Sinn, wenn man sich auf die Olympischen Spiele vorbereitet. Allerdings würde man das dann rhythmische Sportgymnastik nennen, und nicht Yoga. Yoga ist keine Aufführung, es sollte nicht benotet oder beurteilt werden.

Asanas brauchen keine Perfektion

Eine Pose perfekt zu machen, sollte nicht damit verwechselt werden, sie perfekt auszuführen. Eine Asana kann dann perfekt ausgeführt werden, wenn der Durchführende die Übung seinen Fähigkeiten entsprechend durchführt, regelmäßig übt und bei der Praxis auf die nötige Entspannung achtet.

Perfektion schafft Abhängigkeit vom Lehrer

Vor Kurzem habe ich eine Yoga-Stunde besucht, in der der Lehrer mich bei jeder Asana kritisierte. Er konnte mir jedoch nie erklären, was ich genau falsch machte, geschweige denn mir Tipps geben, wie ich die Übung richtig ausführen könnte. Wenn ich den Lehrer um Anweisungen bat, ignorierte er mich. Sie können sich wohl denken, dass ich nicht mehr in seiner Stunde auftauchen werde. Dennoch ist mir aufgefallen, dass einige Schüler zu diesem Lehrer zurückgingen, sich also in eine gewissen Abhängigkeit begaben. Wenn dir dein Yoga-Lehrer sagt, dass du jede Pose falsch durchführst, dir aber nicht erklärt, wie die Asana richtig geht oder dich korrigiert, suche dir einen neuen Lehrer. Ein guter Lehrer will, dass seine Schüler ihre eigenen Fähigkeiten entwickeln und nicht in der Abhängigkeit gefangen bleiben. Konzentriere dich nicht zu stark auf deinen Lehrer, denn DU sollst im Mittelpunkt deiner Praxis sein – und nicht dein Lehrer.

Das Körpergefühl sollte im Mittelpunkt stehen – nicht der Kopf

Der kraftvolle Teil von Asanas liegt nicht in der äußeren Erscheinung einer Pose, sondern in dem Fließen der Energien durch den Körper. Wenn ein Lehrer sehr viel über die korrekte Ausführung einer Pose redet, und dadurch zu viel Details über die Asana preisgibt, kommen die Schüler aus ihrem Körper heraus und gelangen in den Kopf. Anstatt zu fühlen, denken sie jetzt – und normalerweise denken sie: „Mach ich das richtig?“ Anstatt in sich hinein zu gehen, schauen sich die Schüler im Spiegel an oder, im Extremfall, sie vergleichen sich mit den anderen. Wenn der Lehrer den Geist der Schüler mit Anweisungen füllt und dies dazu führt, dass seine Gedanken außer Kontrolle geraten, hat er in seinem Yoga-Unterricht versagt.

Yoga-Unterricht Asana
Photo by JD Mason on Unsplash

Da war doch noch etwas: Pranayama & Meditation

In Hatha-Yoga lernen wir den Körper und Atem zu kontrollieren, um so den Geist zu beherrschen. Die Stile, die sich stark auf die körperliche Praxis konzentrieren, legen wenig oder gar keinen Wert auf Pranayama sowie Meditation im Unterricht. Das soll keine Kritik sein, sondern ist lediglich eine persönliche Beobachtung. Pranayama und Meditation können im Gegensatz zu den Asanas nur annäherungsweise durch anatomische und physiologische Grundlagen erklärt werden. Natürlich gibt es physiologische Auswirkungen einer Meditation auf den menschlichen Körper, aber die Kraft, die in Pranayama und Meditation liegt, ist oftmals nicht messbar und sichtbar in der großen physikalischen Welt.

Yoga ist mehr als Asanas

Yoga ist mehr als reine Asana-Praxis, es hat mehr zum Ziel als fit zu sein und gut auszusehen. Es ist eine spirituelle Praxis. Wenn wir uns nur auf unseren Körper fokussieren, verlieren wir den Wert von Yoga als Ganzes. Anstatt unseren Körper und unsere Knochen anzupassen und uns über unsere Fähigkeiten hinaus zu verbiegen, sollten wir unseren Geist und unsere Seele, unsere Werte und Moral anpassen. Lass uns mehr Yoga praktizieren, und nicht nur Asanas. Behalte bei deiner Praxis diese schöne Zitat im Kopf: „Yoga ist wie ein Edelstein, es hat viele Facetten.“


Autorin: Maya Devi Georg ist Yoga-Lehrerin und Autorin. Zu ihren Yoga-Lehrern und Gurus zählen Swami Bua, Swami Jnanand, Yogi Gupta, und Swami Chetanananda. Übersetzung: Silvio Fritsche // Titelbild: Karl Solano via Pexels

Vedische Astrologie: Wenn Vögel die Richtung weisen

Jyotisha vedische Astrologie
Foto: Frank Mckenna via unsplash

Ein neues berufliches Engagement wartet auf mich. Habe ich soeben erfahren. Binnen weniger Tage wird sich mir eine neue, erfolgsversprechende Kooperation anbieten. Wie ich darauf komme? Ein Vogel hat es mir erzählt. Klingt ungewöhnlich? Nicht für einen Astrologen. Bernd Rössler erklärt, wie die vedische Astrologie funktioniert.

Ein Vogel, vor meinem Fenster auf der Terrasse, zog meine Aufmerksamkeit auf sich. Er tat was Vögel auf Terrassen tun: Er hüpfte umher. Schließlich verschwand er aus meinem Blickfeld, um einen Moment später wieder aufzutauchen, zusammen mit einem zweiten Vogel. Beide schauten sich kurz an und flogen fort. Richtung Osten.

Spontane Ereignisse und was sie bedeuten

Wenn ein Ereignis spontan meine Aufmerksamkeit bindet, dann fühlt sich der Astrologe in mir angesprochen. Spontan ist dabei das Schlüsselwort. Gut möglich, dass sich jetzt dein gesunder Menschenverstand meldet und die berechtigte Frage aufwirft, was denn hüpfende und fliegende Vögel mit Jyotisha zu tun haben. Mitunter eine ganze Menge, wie du gleich sehen wirst.

Horoskope zeigen die Positionen der Planeten im Zodiak (Tierkreis). Jeder dieser Planeten und jeder Bereich des Horoskops indiziert bestimmte Dinge, Themen und Ereignisse. Die vedische Astrologie nutzt diese Indikationen, um zu definieren, was wem zu welcher Zeit im Leben begegnet. So weit, so gut. Was aber wirklich dahinter steckt ist, dass bestimmte Phänomene in der Außenwelt in Zusammenhang stehen mit unserem persönlichen Erleben. Zum Beispiel ganz weit außen die Wanderung der Planeten im Zodiak. Mit anderen Worten: Wir sind Teil der Natur, wir könnten auch sagen Teil eines größeren Ganzen. Was wir tun (oder auch nicht tun) findet Parallelen in unserer Umgebung.

Aufgepasst: Unser persönliches Erleben findet Parallelen in der Umwelt

Vorsicht! Ein kleiner Quantensprung für dein Jyotisha-Verständnis: Jedem von uns ist bereits klar, dass unsere Handlungen unsere Umwelt beeinflussen und umgekehrt. Fridays for Future lässt grüßen. Doch jetzt kommt’s. Jyotisha geht noch einen Schritt weiter und baut darauf, dass unser persönliches Erleben Parallelen in unserer Umwelt findet, und zwar in Form ganz anderer Phänomene. Und was soll das heißen? Soll heißen: das Phänomen, dass zwei Vögel sich finden und nach Osten fliegen, ist die Parallele für meine neue, erfolgsversprechende Kooperation.

Nun fliegen vermutlich ständig irgendwelche Vögel zusammen nach Osten und nicht jede neue Kooperation wird durch Vogelflug eingeläutet. Ein Baustein fehlt uns noch und für den Astrologen ist dieser Baustein das Horoskop des Moments. Dieses Horoskop offenbart die Parallele zwischen dem spontan beobachteten Ereignis und meinem persönlichen Erleben.

Die Reihenfolge ist diese:

  1. Ein Ereignis zieht spontan meine Aufmerksamkeit auf sich (Vogel hüpft auf der Terrasse).
  2. Storyline der Szene (ein Vogel trifft anderen Vogel und zusammen fliegen sie nach Osten).
  3. Das Horoskop des Moments (offenbart das Parallel-Ereignis)

Kurzer Ausflug ins Parallel-Universum des Horoskops

Die kleinen gefiederten Freunde werden in der vedischen Astrologie durch Merkur vertreten. Möchtest du wissen, was die Storyline der beiden Vögel indiziert, dann schaue dir die Rolle von Merkur im Horoskop an. Zum Zeitpunkt meiner spontanen Beobachtung war Merkur der Herrscher des Aszendenten, regierte also den Osten und repräsentierte damit den Fragesteller, also mich. Merkur selbst stand prominent und kraftvoll im eigenen Sternbild Zwilling (zwei Vögel!) im 10. Haus. Das 10. Haus repräsentiert unter anderem Beruf und Status. Merkur selbst ist Vermittler und Geschäftsmann. Zwilling ist ein duales Sternbild und indiziert zwei Vögel, zwei Menschen, zwei Institutionen.

Dann wäre da noch der Osten: Beide Vögel flogen nach Osten und Merkur beherrscht, als Regent des Aszendenten, den Osten. Der Osten signalisiert alles, was auf uns zukommt. Hier geht die Sonne, der Mond und alle Sternbilder auf. Der Osten birgt Neuigkeiten, neue Ansätze und neue Impulse.

Dank des Horoskops ist es jetzt nicht mehr schwer die Parallele zwischen der Umwelt (Storyline der Vögel) und meinem persönlichen Erleben (neue Kooperation) zu verstehen.

Ein neues (Osten) berufliches Engagement (Merkur im 10. Haus) wartet auf mich (Merkur beherrscht den Aszendent). Habe ich soeben erfahren (spontanes Ereignis). Binnen weniger Tage wird sich mir eine neue (Osten), erfolgversprechende (Merkur kraftvoll im 10. Haus) Kooperation (zwei Vögel, die sich treffen und zusammen nach Osten fliegen) anbieten.

Es ist leicht zu sagen, dass wir als Mensch Teil einer größeren Ordnung sind, wie auch immer wir diese benennen möchten. Wesentlich schwerer ist es dagegen häufig, diese Aussage alltagstauglich zu erleben. Jyotisha, die vedische Astrologie, baut uns genau dafür Brücken. Brücken, die es uns ermöglichen, unsere Umwelt ganz anders zu verstehen und sinnvoll zu nutzen. Das ist doch was!

Bernd Rößler www.bernd-roessler.com

Bernd Rößler widmet sich seit 2004 den vedischen Lehren, mit Schwerpunkt Astrologie (Jyotisha). Seit 2009 ist Bernd Rößler hauptberuflicher Astrologe. Neben seiner regen astrologischen Beratungspraxis für Menschen und Unternehmen quer durch die Gesellschaft, hält er Vorträge und gibt Workshops und Seminare in diversen Städten im In- und Ausland.
www.bernd-roessler.com

https://yogaworld.de/vedisches-handlesen-welcher-typ-sind-sie/

Was ist (Chakra & Vinyasa) Flow Yoga?

Vinyasa Yoga Natur

Bei so vielen unterschiedlichen Yogastilen fällt die Auswahl oft schwer. Das liegt unter anderem daran, dass viele Stilrichtungen schwer von einander abzugrenzen sind. Das gilt im Besonderen für Flow Yoga. Wir erklären dir, was Flow Yoga ist.

Was genau ist Flow?

Flow ist eigentlich ein psychologisches Konzept. Es sagt aus, dass wir in einen ganz besonderen Tunnel-ähnlichen Zustand kommen – wenn die äußeren Gegebenheiten ideal sind. Dazu muss die zu bewältigende Aufgabe ein wenig größer sein, als das eigene Können. So sind wir gefordert, aber nicht überfordert und vergessen die Zeit. Wir kommen im yogischen Hier und Jetzt an. Das kann durch Arbeit, das Lösen von Kreuzworträtseln oder eben Yoga entstehen. Auf der Matte erreichen wir diesen Zustand durch sehr dynamisches Yoga. Der Geist wird durch das Meistern schneller Bewegungen (Flow) ruhig gestellt. Die Richtlinie lautet: Ein Atemzug ist mit einer Bewegung synchron.

Wie immer im Yoga ist die Atmung entscheidend. Man vertieft sie und passt sie den Ansagen des Lehrers an. Fortgeschrittene nutzen gerne die Ujayy Atmung. Sie ist hörbar. Ähnlich einem Wellenrauschen trägt sie Yogis durch den Flow. Der Flowzustand wird aber meist nur beim Höhepunkt der Stunde erreicht. In diesen Flows werden drei bis 15 Asanas aneinandergereiht. Davor wird durch Mobilisation und Sonnengrüße aufgewärmt. Hier besteht die Kunst darin, den Körper anatomisch optimal auf den Flow und die die Peak Pose (die schwierigste Asana) vorzubereiten. Danach wird der Körper mit sanften Dehnungen wieder ausgeglichen und abgekühlt. Der Stundenaufbau ist eine Wissenschaft für sich.

Ein kurzer Überblick über verschiedene Flow Yogastile

Chakra Flow, Vinyasa Flow, Hatha Flow. Was genau ist jetzt der Unterschied? Wenn man die verschiedenen Flow-Yogastunden besucht, fällt dem Schüler vielleicht kein großer Unterschied auf. Von der Tradition des Yoga sind sie aber etwas unterschiedlich. Im Stammbaum kann man das meiste Flow Yoga vom Guru Krishnamancharya ableiten. Seine Schüler entwickelten daraus allerdings ihre eigenen Schwerpunkte. Zu den verwandten Yogastilen zählt deshalb auch Ashtanga und Anusara Yoga.

Vinyasa bedeutet auf Sanskrit so etwas wie „festgelegte Abfolge von Übungen“. Deshalb wird das Wort auch für die Reihenfolge Brett, Chaturanga, heraufschauender Hund und herabschauender Hund verwendet. In der Praxis geht es im Vinyasa Flow aber weniger um eine starre Abfolge. Im Gegenteil: Die Lehrer sind höchst kreativ. Die Grenzen zu Hatha Flow verlaufen jedoch unscharf. Auch hier steht längst nicht mehr nur die Tradition im Vordergrund. Beim Chakra Flow strebt man, wie der Name schon sagt, nach der Balance der Chakren. Verschiedene Lehrer bauen ihre Stunden mit dem Fokus auf ein Chakra auf. Andere wiederum haben das Ziel, in einer Stunde von unten nach oben alle Chakren anzusprechen. Aber auch viele Hatha oder Vinyasa Flow Lehrer richten ihre Stunden nach den Energiezentren aus. Die Übergänge sind fließend.

Für wen ist Flow Yoga gut geeignet?

Flow Yoga ist heute sehr beliebt und weit verbreitet. Dabei ist es nicht unbedingt für jeden etwas. Denn es spricht besonders körperlich gesunde und fitte Menschen an, die auf der Yogamatte ordentlich schwitzen wollen. Dies kannst du beim Hatha Yoga oder in einer Vinyasa Flow Beginner-Klasse langsam trainieren. Dann ist die Grundkenntnis über die Asanas schon vorhanden und du kannst den schnellen Anweisungen des Lehrers besser folgen. Hierbei ist zudem ein Bewusstsein für das Können und die Grenzen des eigenen Körpers entscheidend. Denn obwohl komplexe Übungen und die Atmung angesagt werden, musst du dich zurück nehmen, wenn es zu viel wird. Dafür eignet sich am besten die Stellung des Kindes. Denn die Verletzungsgefahr ist bei diesen dynamischen Stilen besonders groß. Zu leicht lässt man sich von der Welle mitreißen und spürt erst am nächsten Tag, dass man zu weit gegangen ist. Eine entspannte Yin Yoga Praxis zum Ausgleich zahlt sich aus.


Foto von Retha Ferguson von Pexels | Text: Kerstin Thost

Ujjayi Atmung – Wellenrauschen für das Halschakra

Meer Yogini

Bei jeder Ausatmung ein kehliges Rauschen? Im Yogastudio ist es normal, dass man nicht nur von Musik, sondern auch von der Atmung des Nachbarmanns beschallt wird. „Du kannst jetzt beginnen, Ujjayi zu atmen“, bietet der Yogalehrer an. Aber vielleicht fragst du dich: Was ist eigentlich die Ujjayi Atmung?

Im Alltag ist unsere Atmung meistens flach und in der Brust verortet. Als Yoga-Anfänger muss man erstmal lernen, die Atmung immer mehr zu vertiefen, zu verlängern und in den Bauch zu atmen. Das ist deswegen so wichtig, da Pranayama deine ganze Asana-Praxis unterstützt. Die hier beschriebene Ujjayi Atmung kannst du separat anwenden und im Sitzen praktizieren. Wenn du immer mehr Sicherheit gewinnst, kannst du sie auch im Flow Yoga oder Ashtanga integrieren. So wird sie deine Yogapraxis auf ein neues Level bringen. Und vielleicht gelingt es dir dadurch, den Anweisungen des Lehrers bezüglich der Atmung zu folgen.

Die Vorteile der Ujjayi Atmung

Es lohnt sich, dich wie Darth Vader anzuhören. Denn die Ujjayi Atmung aktiviert besonders dein Halschakra (Informiere dich hier mehr über Chakren!). Sie reinigt dich von allem Alten und lässt dich mutig deine Wahrheit sprechen. Zudem kannst du während der Asanas so deine Atmung immer noch ruhig und tief fließen lassen. Das aneinander Reiben der Stimmbänder hört sich ja auch ein wenig wie Meeresrauschen an, oder? Lass es uns ausprobieren.

Wie mit dem Meeresrauschen beginnen?

  1. Bevor du anfängst: Wie bei allen Pranayama lohnt es sich, zuerst deine Nase zu putzen und einen Schluck Wasser zu trinken.
  2. Beginne im Sitzen. Vertiefe und verlängere dann deine Atmung. Atme zuerst über die Nase ein und über den Mund aus.
  3. Vielleicht hast du einen Spiegel zur Hand. Oder du verwendest deine Hand und stellst dir vor, es handelt sich um einen Spiegel. Diesen hauchst du jetzt durch den geöffneten Mund an.
  4. Vertiefe nun das Hauchen, sodass ein kehliger Ton entsteht.
  5. Jetzt bist du bereit, den Mund zu schließen. Atme genauso tief und mit Geräusch nur durch die Nase weiter. Spürst du die Ruhe und Ausgeglichenheit, die dadurch entsteht? Dann bist du bei der Ujjayi Atmung angelangt.

Und dann wartet die nächste Challenge auf dich. Kannst du deine Ujjayi Atmung die ganze dynamische Yogapraxis über beibehalten? Auch wenn es am Anfang nicht klappt. Bringe während der Praxis immer wieder die Aufmerksamkeit auf deinen Atem zurück. Setze dir die Ujjayi Atmung am Beginn der Praxis ganz bewusst als Intention. Manchmal sind es die scheinbar kleinen Dinge, die uns tief transformieren.


Text: Kerstin Thost | Foto von Eternal Happiness von Pexels

Meditationspraxis: Negative Gedanken willkommen heißen

Meditationspraxis
Foto: Med Ahabchane auf Pixabay

Sogar negative Gedanken haben in der Meditationspraxis ihren Sinn: Sie sind Botschaften, die dir helfen können, zu mehr innerem Frieden zu finden.

Gedanken sind unsichtbar, ungreifbar und flüchtig und doch haben sie die Macht, den Lauf unseres Lebens zu beeinflussen. Tag für Tag ziehen bis zu 70.000 Gedanken durch den menschlichen Geist. Diese beeindruckende Zahl hat ein Labor für neurologische Bildgebung an der University of Southern California ermittelt.

Gedanken spiegeln unsere Gefühle

Was uns oft nicht bewusst ist: Gedanken gehen fast immer auch mit Gefühlen einher. Das kann Hoffnung und Verbundenheit sein, aber ebenso Angst oder der Eindruck von Isolation. Manche Gedanken lassen uns glauben, wir seien zu großen Dingen fähig, andere überzeugen uns davon, so überfordert und hilflos zu sein, dass uns nie etwas gelingen wird. Und genau das bestätigen wir uns dann auch häufig. Der Erfinder und Automobilpionier Henry Ford hat dieses Phänomen auf eine griffige Formel gebracht: „Egal
ob Sie denken, ‚ich kann‘ oder ‚ich kann nicht‘ – es stimmt.“

Gedanken beeinflussen unseren Körper

Diese fast unheimliche Kraft der Gedanken beruht zum Großteil auf den körperlichen Reaktionen, die sie verursachen: Sie bewirken nämlich die Ausschüttung von bestimmten Hormonen, die das Nervensystem beeinflussen. Wenn du zum Beispiel denkst, du würdest bedroht (etwa weil du glaubst, ein Einbrecher dringt gerade in deine Wohnung ein), dann setzt dein Körper Cortisol frei. Ein Stresshormon, dass dich in die Lage versetzen soll, die Flucht zu ergreifen oder dich dem Kampf zu stellen. Umgekehrt würden die Gedanken, die dir durch den Kopf gehen, während du ganz entspannt mit deiner Katze schmusst, deinen Körper veranlassen, Oxytocin und Serotonin zu produzieren. Das sind Wohlfühlhormone, die es dir ermöglichen, dich in Sicherheit zu wiegen, dich zu entspannen und zu regenerieren.

Negative Gedanken zulassen erfordert Mut

Daraus folgt: Wenn man in der Lage ist, sein Denken zum Positiven hin zu verändern, dann bewirkt das körperliche Reaktionen, die einem insgesamt zu mehr Optimismus und Verbundenheit verhelfen können. Das klingt simpel, aber es ist leider gar nicht so einfach, seine Gedanken willentlich zu verändern: Es erfordert sogar unglaublich viel Konzentration, Entschlossenheit – und Mut. Sich seinen negativen Gedanken zu stellen, ist in etwa so, als ob dir mitten im Wald ein Wolf begegnet: Im ersten Moment willst du instinktiv die Flucht ergreifen. Aber stattdessen darfst du nicht zurückweichen, du musst der vierbeinigen Bedrohung ruhig ins Auge sehen und möglichst viel Selbstbewusstsein ausstrahlen.

Sieh deiner Angst ins Auge

In dem Moment, wo du nämlich die Beine in die Hand nimmst, wird ein Raubtier – und genauso ein beängstigender Gedanke – mit ziemlicher Sicherheit die Verfolgung aufnehmen. Besonders Gedanken wie „Ich bin unfähig“ oder „Ich habe Angst“ verfolgen uns in der Regel so lange, bis wir kehrtmachen und ihnen ins Auge sehen. Und genauso, wie es sinnlos ist, vor einem Rudel Wölfe davonzulaufen, kann man es sich auch sparen, vor seinen Gedanken zu flüchten – sie holen einen sowieso ein. Die beste Verteidigung besteht also darin, bereit zu sein.

Meditationspraxis hilft dir deine Gedanken anzunehmen

Dabei helfen bestimmte Techniken: Auf dieselbe Weise, wie ein Outdoor-Überlebenstraining dich für die Begegnung mit wilden Tieren wappnet, lehrt dich die Meditation, dich deinen Gedanken zu stellen und auch dann ruhig zu bleiben, wenn deinen Geist heftige und überwiegend negative Vorstellungen umtreiben. Wenn du jetzt nicht gleich davonläufst, lernst du, deine Gedanken zu beobachten, anstatt sofort auf sie zu reagieren. Das gibt dir Zeit, mit deinem Atem zu arbeiten und den Sturm in Geist und Herz im wahrsten Sinne des Wortes „auszusitzen“. Auf diese Weise erlaubt es dir die Meditation mit etwas Übung, jeden Gedanken als einen Botschafter wahrzunehmen, der dir wertvolle Informationen darüber liefert, wie du jeweils am besten reagierst – also so, dass du zu mehr Harmonie mit dir selbst und deiner Umgebung findest.

Schenke dir Mitgefühl und Herzenswärme

Wenn dich während der Meditationspraxis zum Beispiel negative Gedanken quälen wie „Ich bin nicht genug“ oder „Ich kann mir nicht helfen“, dann kannst du lernen, diese Gedanken als ein Signal wahrzunehmen, das dir sagt: Stopp! Was kann ich tun, damit ich mich künftig als wertvoll oder tatkräftig empfinde? Diese Umkehr beginnt damit, dass du dir selbst mit mehr Mitgefühl und Herzenswärme begegnest: Wenn du zum Beispiel mal wieder denkst, du seist nicht liebenswert, dann halte inne und schenke dir selbst die liebevolle Gewissheit, dass du alles so gut machst, wie es dir in diesem Moment möglich ist. Gelingt es dir, diese Botschaften wirklich zu hören und dir zu Herzen zu nehmen, dann werden negative Gedanken allmählich verblassen.

Sie haben ihre Aufgabe als Botschafter erfüllt und müssen dich nicht länger verfolgen und ermüden. Ich nenne diese Praxis „Gegenteilige Gedanken willkommen heißen“. Diese Methode bewahrt dich zuverlässig davor, dich immer tiefer in den Morast negativer Gedanken hinein zu wühlen. Gleichzeitig hilft sie dir, sowohl negative als auch positive Gedanken, Bilder und Erinnerungen immer deutlicher als Botschafter wahrzunehmen, die nur einen einzigen Zweck verfolgen: Dich zu unerschütterlichem inneren Frieden zu führen.

Auch interessant für deine Meditationspraxis: Bevor du deine Gedankenwelt mit Hilfe von Meditation ordnest, solltest du erst versuchen, deine eigene Intention zu finden.


Meditation Dr. Richard MillerDr. Richard Miller ist Gründungsvorsitzender des Integrative Restoration Institute (irest.org), Mitbegründer des internationalen Verbands für Yogatherapeuten, Arzt und Autor und beschäftigt sich für uns mit dem Thema Meditationspraxis.

Ayurvedischer Gerstensalat mit kühlender Minze

Gerstensalat Ayurveda Rezept

Mit diesem ayurvedischen Gerstensalat wirst du auch bei anhaltender Sommerhitze einen kühlen Kopf und starke Nerven bewahren.

Der Gerstensalat eignet sich für ein sommerliches Picknick oder ein Potluck-Dinner. Im Kühlschrank aufbewahrt, schmeckt er auch am nächsten Tag noch frisch und knackig.

Gerste stärkt die Nerven 

Der Gerstensalat passt ideal in den Sommer, denn Gerste wirkt kühlend auf den Organismus. Die Gerste ist ein heimisches Getreide und sehr vielseitig verwendbar. Sie ist eine wertvolle pflanzliche Eiweißquelle und reich an Antioxidantien. Dank des hohen Nährwertgehalts sättigt die Gerste nachhaltig. Zudem ist Gerste bekömmlicher als Weizen da sie deutlich weniger Gluten enthält. In der Ayurveda-Ernährungslehre ist Gerste ein leichtes Getreide. Es reduziert Kapha (bestehen aus den Elementen Wasser und Erde) im Körper und eignet sich auch gut für eine Entschlackungskur. Gerste ist sehr magenfreundlich und stärkt die Bauchspeicheldrüse. Ähnlich dem Haferbrei wirkt sie beruhigend auf die Magenschleimhaut und auch auf das Nervensystem.

Staudensellerie wirkt befeuchtend

Der Stauden- oder Stangensellerie schmeckt sehr mild und hat durch seinen hohen Wassergehalt eine frische, saftige Konsistenz – und er macht den Gerstensalat schön knackig. Die enthaltenen ätherischen Öle und Bitterstoffe tun dem Magen gut und die Verdauungssäfte werden aktiviert. Yogi Bhajan empfiehlt im Frühling z.B. eine Sellerie-Saftkur, denn das Gemüse wirkt tonisierend für die Nerven und stärkt das Herz.

Minze hat eine kühlende Wirkung

Die Minze ist wegen seiner kühlenden Wirkung im Sommer sehr beliebt. Auf den Geist wirkt Minze klärend und erfrischend. Zudem hat sie auch eine beruhigende Wirkung. Minze kann Verspannungen lösen uns ist nach der yogischen Einteilung der Gunas, von sattvischer Natur

Gerstensalat: Zutaten für ca. 4 Portionen

100 g Rollgerste oder geschälte Gerstenkörner
100 g Cashewkerne
3-4 Sellerie-Stangen, auch das Blattgrün
1 grüne Paprikaschote
2 kleine Karotten
1 Bund glatte Petersilie, fein gehackt
½ Bund Minze, fein gehackt
1 Zitrone, Saft
4-5 EL Olivenöl
2 TL Za’atar Gewürzmischung* (Alternative: 1 TL Sumach, ½ TL Thymian, 1 TL Sesam)
1 TL Koriandersamen, gemahlen
½ TL Kreuzkümmel, gemahlen
Salz, Pfeffer aus der Mühle
Optional: 100 g Feta-Ziegenkäse, Olivenöl, Oregano
 

*Za’atar ist der arabische Name für eine Wildpflanze deren Geschmack an eine Mischung aus Thymian,
Majoran und Oregano erinnert. Diese Za’atar Pflanze hat der nordafrikanischen Gewürzmischung den Namen
gegeben. Za’atar besteht traditionell aus getrockneten Kräutern, Sesam, Sumach und Salz.

Zubereitung Gerstensalat

Die Gerste in ausreichend Salzwasser für ca. 35-40 Minuten kochen. Das Kochwasser abgießen und im Sieb abtropfen lassen. Die gekochte Gerste in eine große Schale geben. Die Cashewkerne in einer Pfanne ohne Fett bei mittlerer Hitze rösten bis sie zu duften beginnen und leicht bräunen. Abkühlen lassen und grob hacken.
Sellerie, Paprikaschote und Karotten in sehr kleine Würfel schneiden. Das Gemüse mit der gekochten Gerste und den gehackten Cashews vermengen. Fein gehackte Petersilie, Minze und Sellerie-Blattgrün unterheben. Mit Olivenöl, Zitronensaft und den Gewürzen (Za’atar, Koriander und Kreuzkümmel gemahlen) den Salat großzügig marinieren, mit Salz und Pfeffer abschmecken. Das Gericht für mindestens 30 Minuten ziehen lassen und nochmals abschmecken. Wer möchte, kann den Gerstensalat mit etwas Ziegenkäse aufpeppen – dazu die Feta-Würfel mit Olivenöl und Oregano marinieren und vor dem Servieren auf dem Gerstensalat verteilen.


Daniela Dörflinger Bruggeman ist Ayurveda-Expertin und Kundalini Yogalehrerin. In ihrem Foodblog teilt sie leckere Rezepte und Inspirationen aus der wohltuende Ayurvedaküche. Noch mehr leckere Ayurveda-Rezepte von Daniela findest du auf www.ayurfood.ch