Guter Yoga-Unterricht: Quick Tips

Mark Stephens gilt seit einigen Jahren international als einer der bekanntesten Yogalehrer und -Ausbilder. Nicht umsonst nennt man ihn den “Lehrer der Lehrer”. In einer neuen Artikelreihe erklärt er exklusiv für YOGA JOURNAL Deutschland, was guten Yoga-Unterricht und gute Yogalehrende im Kern wirklich ausmacht. Hier gibt er einige Tipps an angehende Yogalehrer

Präzise, aber knappe verbale Anweisung

Das Gesagte sollte beim Einfachsten beginnen und dem Level der gesamten Klasse angemessen sein. Die ersten Anweisungen führen in die Asana hinein und legen dabei besonderen Wert auf das Fundament der Haltung. Aus den Beobachtungen beim Einnehmen der Haltung leiten sich spezifischere Anweisungen ab: Dann werden missverstandene Anleitungen präzisiert, Modifikationen angeboten und sinnvolle Hilfsmittel vorgeschlagen.

Sobald die Schüler die Grundform der Asana eingenommen haben, wird nach und nach erklärt, wie man die Haltung so verfeinern kann, dass Stabilität und Leichtigkeit immer besser ins Gleichgewicht kommen, Verletzungsrisiken sinken und die wichtigsten Ziele der Übung verstanden werden. Erst wenn das in der Grundform erreicht ist, gibt man Hinweise dafür, wie man die Haltung in fortgeschritteneren Varianten und im Hinblick auf die innere Erfahrung weiter vertieft.

Dabei ist wichtig: nicht zu viel reden! Die selbe Asana wird noch oft bei der Yoga-Praxis unterrichtet werden. Bei den ersten Malen genügen die Basics, im Lauf der Zeit folgen dann feinere und komplexere Anweisungen.

Visuelle Demonstration

Der Platz des Lehrers sollte vom gesamten Raum aus gut sichtbar sein, umgekehrt sollte er dem Lehrer einen guten Überblick über die Klasse ermöglichen. Diese visuelle Demonstration wird begleitet von klar verständlichen Worten. Besonders effektiv ist die spiegelverkehrte Demonstration: Wenn man frontal vor der Klasse steht sagt man zum Beispiel: „Jetzt drehst du den linken Fuß auswärts und öffnest deine Rumpfmuskeln”, während man selbst den rechten Fuß dreht. Auch wenn mann wichtige Punkte hierbei leicht überzeichnet demonstriert, sollte die Haltung immer Stabilität und Leichtigkeit ausstrahlen. Besonders in Workshops kann es sinnvoll sein, typische Beispiele von falscher Ausrichtung oder unnötig erschwerter Ausführung selbst zu demonstrieren. Jedoch sollte man niemals etwas demonstrieren, von dem man in diesem Moment nicht sicher weiß, dass es tatsächlich funktioniert.

Sobald die Schüler die Grundform der Asana eingenommen haben, verliert die visuelle Demonstration an Bedeutung. An diesem Punkt beginnt der Lehrer , durch den Raum zu gehen, die Ausführung beobachtet und auf dieser Grundlage noch gezieltere verbale und körperliche Hilfestellungen gibt.

Taktile Hilfen

Als Lehrer sollte man grundsätzlich um Erlaubnis bitten, bevor man einen Schüler berührt. Guter Yogaunterricht akzeptiert es, wenn Adjustments unerwünscht sind. Vor allem sollte man nur Hilfestellung anbieten, wenn es aus gutem Grund als sinnvoll erscheint. Jede Berührung sollte auf einer klaren Vorstellung davon beruhen, was sie genau bewirken soll. Wenn jedoch die Wirkung anders als erwartet ausfällt, sollte man auch bereit sein, diese Intention abzuwandeln.

Am wirksamsten und verständlichsten sind Hilfen, die synchron zur Atmung gegeben werden: Einatmend bereitet die Hilfe vor und dehnt aus, zur Ausatmung folgt der vertiefende Impuls in die Haltung. Vor allem biomechanisch sinnvoll sind zum Körperzentrum hinführende Korrekturen. Dabei sollte man verletzliche Körperpartien und Hebelbewegungen meiden und jederzeit auf unwillkürliche Bewegungen vorbereitet sein. Keine Berührung darf je grob, unachtsam, ziellos, unangemessen oder übergriffig sein. Beim sanften Lösen der Berührung sollte der Schüler auch alleine ausreichend stabil und leicht in der Haltung bleiben können.

Guter Yoga-Unterricht – taktile Hilfen sollten immer dazu dienen:

  • verbale Anleitungen zu verdeutlichen
  • eine stabile Basis zu fördern
  • Einsatz oder Entspannung bestimmter Muskeln in den Asanas klar machen
  • einen größeren Bewegungsspielraum auszuloten
  • Vertrauen und ein Gefühl der Verbundenheit und offenen Kommunikation zu fördern
  • dem Schüler auch in intensiven Haltungen das Gefühl zu geben: “Ich werde gut unterstützt”

Mark Stephens hat bereits mehrere internationale Bestseller über den Yoga-Unterricht geschrieben. Sein neuestes Lehrbuch über Yogatherapie mit dem Schwerpunkt “Schlaf” erschien 2019 im Riva-Verlag. Er lebt in Kalifornien und unterrichtet weltweit, häufig in Deutschland, Österreich und der Schweiz. markstephensyoga.com

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