Stressprävention im Beruf: Achtsamkeit stärken

Wir selbst müssen Verantwortung dafür übernehmen, uns Inseln im Alltag zu schaffen.“

Selbstverständlich kann das berufliche Umfeld nicht außer Acht gelassen werden, wenn man sich umfassend mit dem Thema Achtsamkeit und Stressprävention beschäftigt. YOGA JOURNAL traf Revato Axel Wasmann zum Gespräch, der seit vielen Jahren Menschen mit Burn-out(-Symptomen) berät.

YOGA JOURNAL: „Burn-out“ ist ein Begriff, der in den letzten Jahren in den Medien stark Einzug gehalten hat. Mittlerweile beschäftigen sich auch immer mehr Unternehmen mit dem Thema Stress am Arbeitsplatz. Was glauben Sie: Sind die Menschen heute gestresster als früher, oder wird die gestresste Seele ernster genommen?

Revato Axel Wasmann: Mit Sicherheit sind die Menschen heute gestresster als früher. Das Leben ist schneller und hektischer geworden, uns fehlen die Momente der Stille und des Mit-Sich-Allein-Seins, wo wir die vielen Sinneseindrücke verarbeiten können, denen wir uns aussetzen. Es ist so, als würde man eine Pizza essen und danach gleich einen Teller Nudeln – wir kommen nicht dazu, unsere komplexen Erfahrungen zu verdauen. Die Ansammlung unverdauter Eindrücke und Gefühle erzeugt ungeheuren Stress. Schauen Sie mal um sich, wenn Sie mit dem Zug oder der U-Bahn fahren: Kaum jemand sitzt einfach nur da und schaut aus dem Fenster, geschweige denn in das Gesicht seines Gegenübers. Wir füllen unsere Pausen, indem wir uns mit unseren Smartphones beschäftigen oder schnell etwas Essbares herunter schlingen. Viele Menschen fühlen sich getrieben und meinen, jede Sekunde irgendetwas erledigen zu müssen. Ein weiterer wichtiger Stressfaktor ist die zunehmende Existenzangst. Wer kann sich heutzutage noch seines Jobs sicher fühlen? Ich treffe viele Menschen, die unbezahlte Überstunden machen, aus Angst, ihre Arbeitsstelle sonst zu verlieren.

Was genau ist eigentlich ein „Burn-out?“

Ein Burn-out tritt ein, wenn Menschen sich aufgrund zu hoher Belastung der eigenen Kraftreserven überfordert und ausgelaugt fühlen, wenn sie zu lange über ihre eigenen Grenzen gegangen sind. An ihrem Arbeitsplatz fühlen sie sich meist unentbehrlich und ihr Engagement ist oft übertrieben, sie verleugnen ihre eigenen Bedürfnisse, um alle Kraft ganz der Aufgabe widmen zu können. Der Kontakt zu sich selbst und das innere Gleichgewicht gehen dadurch verloren. Dann treten vermehrt Konzentrationsschwäche, Nervosität, Gereiztheit und plötzliche Stimmungsschwankungen auf, Gefühle von Leere und Sinnlosigkeit. Es entsteht ein Teufelskreis, weil das Gefühl von Druck und Dringlichkeit die Menschen antreibt, weiter zu machen. Gleichzeitig fühlen sie sich zunehmend erschöpft, lustlos und regelrecht „ausgebrannt“.

Foto: Photocase

Mehr lesen Sie in der Ausgabe 01/2013.

 

INFO: Revato Axel Wasmann ist Meditationslehrer und Körpertherapeut; er berät regelmäßig Menschen mit Burn-out oder Burn-out-Symptomen. Er lebte neun Jahre als buddhistischer Mönch in den Klöstern der Waldtradition von Ajahn Sumedho in England. Seit 2001 leitet er Meditationskurse, vor allem in Deutschland, der Schweiz, China und Taiwan. Weitere Informationen unter www.lebendigestille.de.

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