Das Magazin // Januar + Februar 2013

Achtsam & mitfühlend

“Meditation bedeutet, bei allem, was man tut, völlig aufmerksam zu sein – beispielsweise darauf zu achten, wie man mit jemandem spricht, wie man geht, wie man denkt, was man denkt.” Dieses Zitat von Jiddu Krishnamurti passt zum thematischen Schwerpunkt dieser Ausgabe: Wir haben uns in verschiedenen Artikeln mit dieser gelebten Art des Achtsam-Seins, mit der Achtung uns selbst und allem Leben gegenüber beschäftigt. Krishnamurti weist darauf hin, dass das Ziel der Meditation nicht auf die Minuten oder Stunden beschränkt sein kann, die wir auf einem Sitzkissen verbringen. Alle Stufen des Yoga sollten sich früher oder später im Alltag manifestieren: Im Denken genauso wie im Umgang mit uns selbst und anderen. Patanjali gibt uns mit Yamas und Niyamas eine konkrete Anleitung an die Hand, die man allerdings nur befolgen kann, wenn man in allen Lebensbereichen und zu jedem Zeitpunkt aufmerksam bleibt. “Ob ein Objekt wahrgenommen wird oder nicht, hängt davon ab, ob in uns die Bereitschaft vorhanden ist, es zu sehen.” (Yoga-Sutra 4.17) Bei näherem Betrachten ist Achtsamkeit also kein schwammiger Begriff, sondern beinhaltet als gelebte Praxis auch Urteilsvermögen, Unterschiedungsfähigkeit, Mitgefühl, Gewaltlosigkeit und Verantwortung uns selbst und anderen gegenüber. Unsere Praxis zeigt sich nicht nur auf der Matte, sondern ebenso konkret in unseren Beziehungen, in unserer (gewaltfreien) Kommunikation und in dem Maß an Eigenverantwortung. Sie wird sichtbar an der Tatsache, ob wir unsere Grenzen und Bedürfnisse respektieren (selbst als Karma Yogis, wie Ralf Sturm in “Lernen von den Göttern” betont), ob wir Stress oder gar Burn-Out vermeiden können und wie wir uns ernähren. Es geht darum, uns so zu verhalten, dass wir niemanden durch unsere Worte, Taten und Entscheidungen verletzen, ohne unter diesem Vorwand dogamtisch zu werden und andere für ihr “Fehlverhalten” zu verurteilen – wie es nicht zuletzt in Yogakreisen schnell und gerne passiert. Aus yogischen Richtlinien wird dann allzu schnell der “yogische” Richter, aus Ethik und Gewaltlosigkeit werden falsche Frömmigkeit und Selbstgerechtigkeit. “Ich versuche, auf mein Herz zu hören”, sagt der Yoga- und Thaimassage-Lehrer Krishnataki im Interview. In diesem Sinne: Mögen die Yamas und Niyamas immer unsere Verbündeten sein und niemals als Waffen gegen uns oder andere verwendet werden.

Einen guten Start ins neue Jahr wünscht Ihnen
Ihre YOGA JOURNAL-Redaktion

TITELTHEMEN
– Mehr Achtsamkeit im Alltag: Tipps zur Burn-out-Prävention, Gewaltfreie Kommunikation, Gelassen in Beruf und Privatleben
– 8 Anti-Stress Haltungen: Rückzug der Sinne
– Indiens große Meister: Vivekananda
– Stilserie: Bikram Yoga
– Interviews: Starregisseur Ang Lee “Ein Leben ohne Spiritualität wäre absurd für mich” und Krishnataki über Yoga-Thaimassage ” Eine Berührung kann alles verändern”
– Yoga City Trip: Bern

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