Was genau ist eigentlich Thai-Massage?

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Thai-Massage_;arcell Laudahn

Thai-Massage: Der Begriff kreuzt im Yogabereich immer öfters unseren Weg. Mittlerweile gibt es zahlreiche Workshops, Ausbildungen und Co. Was genau hinter dahinter steckt, erklärt uns Yogalehrer und Gastautor Marcell Laudahn.

Yoga und Thai-Massage

Thai-Massage wird in der Yogawelt immer beliebter. Aber was ist das eigentlich und was verbindet Yoga und Thai-Massage? Die Thai-Massage gehört zur klassischen Thai-Medizin, die vier Teilbereiche umfasst: Kräuterkunde, Geburtshilfe, Orthopädie und Thai-Massage. Wie Yoga hat Thai-Massage seinen Ursprung in Indien. Zudem finden sich in der Thai Medizin auch ayurvedische Aspekte, wie das vedische Prinzip des Pranāund der Elemente, wieder. Und sogar in ihren ethischen Richtlinien sind die Yamas (Prinzipien im Umgang mit seinem Umfeld) mit den und Niyamas (Prinzipien im Umgang mit sich selbst) zu erkennen. Wie im Yoga geht es in der Thai Massage darum, Balance in das Energie-System zu bringen, die Aufmerksamkeit vom Äußeren zum Inneren zu lenken.

Ursprung der Thai Massage

Die Entstehung der Thai-Massage wird meist auf den nordinidschen Arzt, Dr. Jivaka Kuma Bhaccha, zurückgeführt. Erste schriftliche Zeugnisse gibt es seit der Ayutthaya-Periode (1350-1767 n.Chr.). Die Thai-Massage (Nuad) diente in dieser Zeit ausschließlich dem Wohlergehen der königlichen Familie und war Bestandteil der klassischen Thai Medizin. König Rama I. (1782-1809 n.Chr.), nach anderen Quellen Rama III., förderte die Thai Medizin auch zum Wohle der Bevölkerung. Um das medizinische Wissen schriftlich festzuhalten, wurde ein Tempel in Bankok eingerichtet: Wat Pho. Bis heute ist der Tempel eines der bekanntesten Ausbildungszentren für traditionelle medizinische Thai-Massage.

Unterschiedliche Schulen der Thai-Massage

Anhängig von der Region, in der Schüler ausgebildet werden, spricht man im Westen oft von einem Nord- und einem Süd-Stil. Die Shivagakomarpaj Linie beschreibt den sanfteren Stil aus der Chiang Mai Region (Norden), die etwas schnellere und intensivere Form wird im Wat Pho Tempel in Bangkok (Süden) gelehrt. Diese Differenzierung ist in Thailand selbst jedoch nciht gebräuchlich. Vielmehr wird hier, ganz klassisch, zwischen dem königlichen und dem allgemeinen Stil unterschieden.

Die königliche Form der Massage wurde für die königliche Familie entwickelt und beinhaltet weniger Dehnübungen, dafür mehr Arbeit auf den Energielinien. Der allgemeine Stil, für die Bevölkerung, ist dynamischer und körperlicher, was bei der Königsfamilie unerwünscht war. Die Grundprinzipen der Thai-Massage sind über Jahrhunderte gleich geblieben, die Art und Weise einer Massage hat sich jedoch selbst innerhalb der Stile verändert.

Thai-Massage in der Praxis

Traditionell wird immer an den Füßen begonnen, um die Erdung zu gewährleisten und die Energie aufsteigen zu lassen. Doch auch hier gibt es mittlerweile Schulen, wie die TMC (Traditional Thaimassage School of Chiang Mai), die sich auf Schüler aus dem Westen spezialisiert haben. Da die Westler als kopflastig gelten, fängt diese Schule am Kopf an,
um den Empfänger mental zu entspannen und das Denken reduzieren. Erst dann ist Veränderung möglich und die Massage kann ihre Wirkung entfalten. Es gilt: keine Massage ist wie die andere. Und ein guter Masseur arbeitet sehr intuitiv und nie nach einer festen Routine.

Aufbau und Struktur der Thaimassage

Grundsätzlich werden alle Bereiche des Körpers abgedeckt. Es geht, wie beim Yoga, darum, eine ganzheitliche Harmonie in den Energien herzustellen, um Krankheiten vorzubeugen.
Der Masseur beginnt auf den sogenannten Sen Sib, den Energiebahnen. Von den Füßen und Beinen geht es dann über den Rumpf zu den oberen Extremitäten und zum Kopf: So sollen Energieblockaden gelöst werden. Wie viele andere asiatische Heilmethoden folgt auch die Thai Massage dem Prinzip, dass Energie reiner wird, sobald sie aufsteigt.

Anschließend folgen die Mobilisierung der Gelenke und Dehnübungen (Luesri Dadton). Diese Techniken, auch passives Yoga genannt, haben einen wesentlichen Einfluß auf modernere Yogaformen, wie Partner- oder Acroyoga.

Passendes Paar: Yoga und Thai-Massage

Der klare Aufbau der Massage gibt dem Empfänger ausreichend Zeit physisch und energetisch warm zu werden. Und das sind genau die Prinzipien, die wir auch vom Yoga kennen. Die Ashtanga Tradition zum Beispiel beginnt mit den Sonnengrüßen, dann folgen Standhaltungen, Sitzpositionen Rückbeugen und Umkehrhaltungen. Und genauso wie im Vinyasa-Yoga die Bewegung der Atmung folgt, passt sich auch der Masseur bei der Thai-Massage seinen Rhythmus der Atmung des Empfängers an. Thaimassage und Yoga sind eng miteinander verwandt und eine sinnvolle Ergänzung für jede Yogapraxis. Meiner Erfahrung nach kann man mit der Thai Massage oft tiefer in das Gewebe eindringen, als durch die Asanas. Denn durch das völlige Loslassen und das meditative Eins-Werden von Geber und Empfänger können tief sitzende Blockaden effektiv bearbeitet, gelöst und nachhaltig aufgehoben werden.

 

Autorenfoto_Marcell Laudahn Marcell ist Gründer des YOMA Yogastudios in Bremen. Sein Yoga ist unter anderen von Sri Rudra Dev (Iyengar/ Indien), Lance Schuler (INSPYA/ Australien), William Holtby (Ashtanga/ Thailand), Dr. Ronald Steiner (Ashtanga/ Deutschland), Anna Trökes (Philosophie/ Deutschland) und Eberhard Bärr (Philosophie/ Deutschland) inspiriert. Neben dem Yoga widmete sich mehrere Jahre an verschiedenen Schulen in Thailand  der Thai Yoga Massage. Dazu gehören Wat Pho/ Bangkok , Sunshine Network/ und die Thai Massage School of Chiang Mai (TMC). 2007 erhielt er vom thailändischen Bildungsministerium die Erlaubnis, Thaimassage zu unterrichten.  Mehr Infos: www.yo-ma.info


Fotos: Christina Kuhaupt

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