Yin Yoga – So richtig loslassen

Immer öfter hört man in letzter Zeit von Power-Yoginis, die neuerdings auf Yin Yoga schwören. Sie bräuchten jetzt zur Abwechslung einmal etwas wirklich Sanftes, eher Chi als Chaturanga. Yin Yoga – was ist das nun schon wieder? Um das herauszufinden, musste man bislang englische Bücher lesen oder Workshops besuchen. Nun gibt es aber auch ein deutsches Buch über diesen Yogastil, der durch den US-Amerikaner Paul Grilley bekannt wurde. Im Grunde ist Yin Yoga nicht wirklich neu, schreibt Autorin Stefanie Arend. Schon in der Hatha Yoga Pradipika seien rund die Hälfte der Übungen Yin-orientiert. Das bedeutet, dass sie passiv, ohne jede Anstrengung ausgeführt werden. Außerdem werden sie mehrere Minuten lang gehalten: Anfänger sollten es laut Buch mit drei bis fünf Minuten versuchen, für Fortgeschrittene gibt es keine Grenze. Yin Yoga will den Ausgleich zu kraftvollen, Muskel-aufbauenden und damit „Yang“-orientierten Yoga-Stilen schaffen. Viel Wert wird auf eine Ausführung gelegt, die dem einzelnen Menschen und seinen individuellen Möglichkeiten gerecht wird. Deswegen haben die Asanas zum Teil andere Namen: Aus der Taube (Eka Pada Raja Kapotanasana) wird der „Schlafende Schwan“, aus dem Kuhgesicht (Gomukhasana) ein „Schnürsenkel“. An die jeweils angegebene Wirkung auf die einzelnen Meridiane und an den Ausgleich des Chi muss man glauben – oder es einfach genießen, beim Yoga einmal von Anfang bis zum Ende so richtig, richtig loslassen zu dürfen.

Fazit: Mit liebevoll arrangierten Fotos und guten graphischen Darstellungen führt das Buch in die Denkweise des Yin Yoga ein. Wer mehr über seinen Gallenblasenmeridian erfahren will, kommt ebenso auf seine Kosten wie alle, die das Spektrum der Yin Yoga-Positionen kennenlernen und nachmachen wollen.

„Yin Yoga – Der sanfte Weg zur inneren Mitte“ von Stefanie Arend (Schirner Verlag, ca. 15 Euro)

YogaWorld Journal 5/26
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