Gemeinschaft schaffen: 3 Tipps für Studiobesitzer

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Die Verbindung wird gehalten

Wie Yogalehrer eine Community schaffen können

Schüler suchen nicht nur guten Unterricht, sondern oft auch Anschluss an eine Gemeinschaft. Wer Erfolg als Yogalehrer haben will, muss Menschen zusammenbringen. Das erfordert mehr als plumpes Networking oder bunte Facebook-PR. Der Aufbau einer Community sollte eine Herzensangelegenheit sein.

Yoga stillt die tiefe Sehnsucht des Menschen nach Verbindung. Verbindung von Atem und Bewegung, Verbindung der individuellen Seele mit dem Göttlichen, aber auch die Verbindung der Praktizierenden untereinander. Nach Gemeinschaft suchte auch ich, als ich vor sechs Jahren von Berlin nach Köln zog. Yoga hatte ich schon in Fitness-Studios kennengelernt, in deren großstädtischer Anonymität ich mir stets etwas verloren vorkam. Bei Vishnus Couch fand ich nicht nur Yogalehrer, die sich um mich als Anfänger kümmerten, ich hatte auch das Gefühl Teil einer Familie zu sein. Mittlerweile schätze ich mich glücklich und zutiefst dankbar, Mitglied verschiedener Communities zu sein, neben der „Couch Familie“, auch den weltweiten AcroYogis. Als ich im vergangenen Jahr für knapp zwei Monate in die USA reiste, um in verschiedenen Städten an der Ost- und Westküste zu unterrichten, traf ich überall auf Menschen, die mir halfen und mich unterstützen und ich musste beispielsweise nicht eine einzige Nacht in einem Hotel unterkommen. Das hat mich sehr berührt, da die Leute, die mir ihre Wohnung zur Verfügung stellten, mich zum Teil noch gar nicht persönlich kannten!

Geben und nehmen
Dabei handelt es sich bei Communities um mehr als reine Zweckbündnisse. Motto ist nicht „Hilfst du mir, helfe ich dir“, vielmehr erfolgen Akte des Gebens aus dem Wunsch der Unterstützung der Gemeinschaft selbst ohne Erwartung einer direkten Gegenleistung – wie die bedingungslose Liebe der Mutter gegenüber ihrem Kind. Das ist auch die ursprüngliche Bedeutung des Wortes Kula, das als Synonym für Gemeinschaft in Anusara und AcroYoga verwendet wird. Der Begriff Kula geht dabei auf das Kula Ritual, einen Brauch der Ureinwohner von Ost Papua Neuguinea zurück: Dabei verschenkten die Ureinwohner Muschelschmuck, der umso wertvoller wurde, je häufiger er weitergeschenkt wurde. Die Muscheln sind rituelle Tausch- und Prestigeobjekte, die keinen praktischen, aber einen erheblichen gesellschaftlichen Nutzen haben. Mit dem Erhalt verpflichtet sich der Empfänger dem Geber etwas zurück zu schenken, ohne dabei direkt zeitlich festgelegt zu sein.

Keine Zeit mehr für die wichtigen Dinge
Dieses Vertrauen darauf, von der Gemeinschaft beschenkt zu werden, ist die Herausforderung für den Yoga Praktizierenden. In der modernen Welt scheinen Zeit und Geld knapp zu sein. Statt des authentischen Wunsches nach Gemeinschaft stellt sich die Frage „Kann ich mir das leisten?“ oder „Lohnt sich das für mich?“. Das führt dazu, dass auch in der Yoga-Szene häufiger von Gemeinschaft geredet wird als diese letztlich praktiziert wird. Wir spüren schnell, ob es für jemanden in seinem Inneren wichtig ist, Menschen zusammenzubringen oder nicht. So fand ich es ziemlich bezeichnet mitzuerleben, als eine bekannte Lehrerin auf einer Yoga Conference gefragt wurde, ob es von ihr ausgebildete Lehrer in Australien gäbe. Sie riet der Fragestellerin eine E-Mail an die Info-Adresse ihrer Webseite zu schreiben. So geht es vielen von uns: Weil wir so sehr mit unseren eigenen Themen, Emails und Möglichkeiten des Geldverdienens beschäftigt sind, verlieren wir den Kontakt zu Menschen, die uns am Herzen liegen sollten.

Schüler schätzen kleine nette Gesten
Für mich selber sind meine Lehrer Jason & Jenny eine ständige Inspiration: Ich schätze ihren Glauben an eine weltweite Kula, die sie innerhalb weniger Jahre verwirklicht haben. Mit AcroYoga haben sie einen Yogastil geschaffen, der zum Mitmachen anregt und durch die Form des Co-Teachings – das heißt eine Klasse oder Workshop wird von zwei Lehrern gleichzeitig unterrichtet – in sich schon ein Yoga der Gemeinschaft darstellt. Unabhängig des eigenen Yogastils gibt es als Lehrer zahlreiche Möglichkeiten auf seine Schüler einzugehen und eine Herzensverbindung zu Ihnen aufzubauen. Schüler wissen schon kleine Gesten zu schätzen – beispielsweise, wenn ein Lehrer die Anstrengung unternimmt, ihre Namen zu lernen. Ein schlechtes Namensgedächtnis ist oftmals Ausrede für die eigene Bequemlichkeit. Die Herausforderung an sich selber, es einmal zu versuchen, kann ein schöner Schritt zu mehr Achtsamkeit sein. Natürlich muss niemand auf Anhieb perfekt sein.


3 Tipps für Studiobesitzer

In der Yoga-Szene wird oft mehr von Gemeinschaft geredet als praktiziert. Ein schlechtes Namensgedächtnis ist doch oft nur eine Ausrede von Lehrern.

1. Newsletter mit Mehrwert
Ein regelmäßiger Newsletter ist ein großartiges Werbemittel für Kurse und Veranstaltungen. Seine Leser wissen es aber umso mehr zu schätzen, wenn er mehr als eine bloße Anzeigenplattform für die eigenen Angebote ist. Schreiben Sie über ihre Vision, was ihnen in den letzten Wochen passiert ist, wie sie zu Yoga gekommen sind, ihre Lieblingsyogabücher, kleine inspirierende Texte etc.

2. Community Events
Schüler sind dankbar, wenn sie Teil einer Gemeinschaft sein können und es hin und wieder Veranstaltungen gibt, bei denen gemeinsamer Spaß und nicht der finanzielle Gewinn im Vordergrund stehen. Das könnte eine Party, ein Kirtan, ein Wohltätigkeitsevent oder auch ein Filmabend sein – der Phantasie sind keine Grenzen gesetzt.

3. Gemeinsame Projekte statt Konkurrenz
Das Thema Geld und Mitbewerber stellt den Studiobesiezter oft auf eine harte Probe. Das Studio in derselben Stadt muss nicht zwangsläufig ein “Konkurrent” sein… Räumlichkeiten, Yogastil und Lehrer sind wahrscheinlich völlig andere. Wer Angst hat, seine Schüler zu verlieren, sich in Konkurrenzdenken und geistige Isolation begibt, fügt sich selber Schaden zu! Einen anderen Weg sind beispielsweise die Yoga Studios in Köln gegangen, die vor mehreren Jahren zum ersten Mal gemeinsam einen Kölner Yogatag organisierten. Dieser gemeinsame “Tag der Offenen Tür” fand großen Zuspruch und wurde von vielen Menschen genutzt, Yoga auszuprobieren.

(Foto: Wari Om)