Mehr Balance mit Yoga Journal Covermodel Nora Kersten

Nora Kersten Interview Yoga Journal Cover

Sie ist Yogalehrerin, zweifache Mama und entwickelte gemeinsam mit ihrem Mann „athleticflow“, ein Fitnessprogramm bei dem HIIT auf Yoga trifft. Die gebürtige Albanerin lebt und arbeitet zwar hauptsächlich in der Schweiz (und zwar direkt am schönen Zürich See), packt Kids und Kegel aber auch gerne ein, um gemeinsam zu Reisen. Immer im Gepäck: Yoga, Pranayama, Meditation und ein derartig ansteckend-positives und ausgeglichenes Mindset, das wir uns entschieden haben, Nora zum Gesicht unserer „Balance“-Ausgabe zu machen.

Liebe Nora, kannst du uns „dein“ Yoga beschreiben, was bedeutet es für dich ganz persönlich?

Nora: „Wow, danke für diese Frage. Ganz oft wird Yoga leider immer noch als ‚Stretching‘ angesehen, dabei geht es um so viel mehr. Yoga ist das Leben, das Leben ist Yoga. Meine Yogapraxis hat sich in den letzten Jahren enorm verändert. Sicher hat das auch mit meinen drei Schwangerschaften zu tun: Ich musste lernen, meine eher kraftvolle Vinyasa-Flow Praxis anzupassen, teilweise auch komplett loszulassen. Dieses Wunder, dass in uns wachsen darf, ist eins der besten Lehrer des Yoga, des Lebens. Ich durfte lernen, dass ich mich noch zu stark mit meiner Asana Praxis identifizierte. Das Loslassen dieser, war für mich eine wahre innere Transformation.

Dann war dein Körper also dein Lehrmeister?

Manchmal ist das Leben schon lustig. Als ich vor acht Jahren meinen Mann kennenlernte, dachte ich mir, mein Partner ist mein bester spiritueller Lehrer. Als ich dann schwanger wurde, sagte ich mir, meine Schwangerschaft lehrt mich so viel über mein Leben und jetzt als zweifach Mama, sehe ich meine Kinder als meine besten Yogalehrer. Sie lehren mich wahres Mitgefühl, Liebe, Geduld, Vertrauen, Achtsamkeit und Disziplin.

Nora mit ihrer großen Tochter Malu, die gemeinsam mit ihrer kleinen Schwester Ava Mamas beste Yogalehrer sind.

Deine Kinder haben also nicht nur deine Praxis verändert …

Yoga bedeutet für mich viel viel mehr, als das was ich auf der Yogamatte mache. Wie gehe ich mit mir um, wenn ich es nicht schaffe, meine E-Mails zu beantworten, die Küche aufzuräumen, mein Kind einfach nicht schlafen will. Wie gehe ich damit um, wenn ich sehe, dass jemand den Familienparkplatz nimmt, obwohl diese Person alleine unterwegs ist. Wie gehe ich damit um, dass mein Kind auf einmal im Lebensmittel-Laden anfängt zu heulen, weil ich zu etwas nein gesagt habe. Wie ist mein innerer Dialog? 

Oh ich verstehe dich so gut. Das ist ein innerer Dialog, den jede Mama mit sich führt. Ich stehe auch oft vor der Frage: Wie finde ich Zeit und Raum für mich und meine Praxis?

Ich muss die Zeit nicht finden, Yoga gehört einfach dazu, wie das tägliche Zähneputzen, kochen, mein Kind zu stillen. Da denke ich auch nicht, soll ich heute mal mein Kind nicht stillen oder nichts essen? Es wird jeden Tag gemacht! Meine Asanapraxis gehört zu meinem Leben dazu. Das heißt nicht, dass ich jeden Tag Vinyasa praktiziere, manchmal mache ich einfach nur ein langes Savasana oder eine Umkehrhaltung um meinen Beckenboden zu entlasten. Ich höre ganz genau hin, was mein Körper braucht. Manchmal mache ich auch mehrere kleinere Sessions über den Tag verteilt durch. Während ich zum Beispiel meine Mails beantworte, läuft auf meinem Handy eine App, die mich alle 25 Minuten daran erinnert, eine 5 Minuten Pause zu machen. Die nutze ich natürlich für ein bisschen Yoga auf dem Stuhl und am Bürotisch. Wenn meine Kleine schläft nutze ich gerne die Gelegenheit, meine Matte auszurollen. Meistens stehe ich Morgens früher auf für meine Praxis und am Abend bevor ich schlafen gehe, mache ich gerne sanfte Vorbeugen oder Umkehrhaltungen. Du siehst es gibt so viele Möglichkeiten für Yoga. Ja sogar während wir dieses Interview führen, nimm wahr wie du da sitzt und atmest. Schenke dir ein Lächeln. 

Video-Tipp der Redaktion: Mache gemeinsam mit Nora Yoga für mehr Gelassenheit

Du hast so Recht. Man merkt sofort, wie achtsam du mit deinem Körper umgehst. Wie entgehst du dem Druck, den Frauen oft spüren, nach der Entbindung schnell in Topform zu sein?

Erstmal ist es überhaupt nicht verwunderlich, dass wir solch einen Druck in der heutigen Zeit verspüren. Dank Instagram und Co., ist es einfach geworden, Schwangeren Celebrities und IG-Stars zu folgen. Wir sehen diese wunderschönen kugelrunden Bäuche, den perfekten Glow und ein paar Wochen nach der Geburt sehen viele dieser Frauen so aus, als hätten sie nie ein Baby geboren. Wir nehmen diese Informationen auf und werden dadurch beeinflusst. Dies führt dann zur Frustration, wir sind streng mit uns und wollen wissen, warum wir nicht so aussehen können. Wir hinterfragen unsere Essgewohnheiten und denken, dass wir uns nicht genug bewegen.

Ich erkenne mich in deinen Worten wieder …

Für mich gehört es auch zu meiner Yogapraxis, meine Gedanken zu erkennen und herauszufinden: Woher kommt dieser Druck, diese Angst, dass ich mich schnell wieder in Topform bringen möchte? Eine Schwangerschaft dauert 10 Monate, die Rückbildung darf noch länger dauern. Wir dürfen unsere Kurven auch ohne Baby im Bauch lieben. Während der Schwangerschaft schenken wir unserem Bauch so viel Aufmerksamkeit und Liebe, sobald das Baby da ist, geht die Liebe und Aufmerksamkeit nach Außen zum Baby. Aber was ist mit deinem Körper, mit dem Zuhause deines Babys? Dein Körper ist ein wahres Wunder und hat so viel geleistet, wir dürfen das nicht vergessen. Wir dürfen uns mit Schwangerschaftsstreifen, Rektus Diastase, Dammverletzung, schmerzenden Brüsten und den einigen Kilos mehr annehmen und lieben. 

Yogalehrerin Nora gibt ihrem Körper nach der Schwangerschaft viel Zeit

Du wirkst auf jeden Fall sehr im Reinen mit dir, in Balance. Genau das ist auch das Thema des aktuellen Yoga Journals, mit dir auf dem Cover. Was hilft dir in diesen bewegten Zeiten im Gleichgewicht zu bleiben?

Es ist eine Kombination aus ein paar Dingen. Da wäre erstens „Earthing„: Barfuss gehen ist die einfachste Art, uns wieder mit der heilenden Energie der Erde zu verbinden. Dabei ist es egal, ob wir auf einer Wiese, am Strand, auf Beton oder auf dem Gehweg gehen, denn sie alle sind elektrisch leitfähig, verbinden uns daher mit dem Energiefeld der Erde und versorgen uns mit freien Elektronen. Zweitens liebe ich das Kochen. Am besten mit lokalen Bio-Produkten. Kochen bedeutet für mich, mich direkt aus dem Herzen mit den Händen zu verbinden und mit Liebe zu kochen. Für mich ist das eine wahre Meditation. Dann liebe ich schwimmen. Wir haben das große Privileg am Zürich See zu leben. Das Element Wasser hat für mich etwas Spirituelles. Ich bin nach dem Schwimmen wie ausgewechselt. Innerlich und äußerlich gereinigt, geheilt und transformiert. Als Mama gehört auch das Stillen für mich dazu. Es gibt nichts Schöneres für mich. Ich genieße diese unglaubliche Verbindung, Zweisamkeit und Intimität, die ich mit meiner 5 Monate alten Tochter Ava haben darf. Und last but not least natürlich Yoga. Meistens praktiziere ich ohne Musik, und genieße die unfassbare Schönheit der Stille. Die Bewegungen fließen synchron mit meinem Atem, ich kann so schnell in eine andere Welt eintauchen. 

Also Earthing, Kochen, Schwimmen, Stillen und Yoga – eine schöne Kombination. Kannst du unseren Lesern vielleicht noch drei konkrete Übungen für mehr Balance und Ausgeglichenheit im Alltag empfehlen?

Na klar: Beginne mit Earthing: Zieh deine Schuhe aus, ganz egal wo du bist und beobachte, was es mit dir macht barfuß zu sein. Schließe deine Augen, wenn du eine gute Balance gefunden hast und nimm ein paar bewusste Atemzüge. Atme ein „ICH“. Atme aus „BIN“.

Als Zweites Pranayama: Meine Lieblingsatemübung, die mir Balance schenkt ist Nadi Shodhana: Beginne in aufrechter Sitzhaltung, im Schneidersitz oder auf einem Stuhl. Zeigefinger und Mittelfinger der rechten Hand auf der Handinnenfläche ablegen, im Vishnu Mudra. Lege den Daumen auf deinen rechten Nasenflügel und atme links für 4 Sekunden ein. Schließe beide Nasenlöcher mit dem Ringfinger der rechten Hand und dem Daumen. Halte deinen Atem für 8 Sekunden an. Öffne den rechten Nasenflügel und atme für 8 Sekunden lang aus. Lass das rechte Nasenloch auf und atme für 4 Sekunden ein. Schließe wieder beide Nasenlöcher und halte die Luft für 8 Sekunden an. Öffne das linke Nasenloch und atme komplett aus für 8 Sekunden. 

Im Video zeigt Nora dir, wie du mit Pranayama am Abend runterkommen und entspannen kannst.

Als dritte Übung, widme dich deinem Beckenboden, denn über ihn gelangst du auch zu mehr innerer Balance und Lebensfreude. Zieh dein Schambein und Steißbein Richtung Damm. Ziehe deine Sitzbeinhöcker Richtung Damm. Stell dir die innerste Schicht als Trampolin vor, dass du zusammen- und hochziehst. Jetzt versuchst du es mit der Atmung zusammen. Bei der Ausatmung aktivierst du deinen Beckenboden mit den vorherigen Bildern und bei der Einatmung lässt du langsam los. Spüre die Entspannung für ein paar Sekunden nach, lass alles weit werden, ehe du weiter machst.

Zum Abschluss: Verrate uns doch noch ein Mantra, dass dich durch die vergangene Zeit getragen hat.

Ganz einfach OM SHANTI – wenn meine Kleine unruhig ist, wirkt das nicht nur Wunder für mich sondern auch für uns beide.


Für deine tägliche Inspiration schau doch auch mal auf Noras Insta und Co. vorbei. Dort findest du auch aktuelle Infos zu ihren Live Streams und Online-Klassen.
Instagram: Yoga Nora
Facebook: athleticflow
Website: www.yoganora.ch

Partnerschaft: Entspannt zusammen sein

Entspannt zusammen

Shiva und Kali machen es vor: Das yogische Geheimrezept für eine funktionierende Partnerschaft liegt darin, regelmäßig eine Zwischenentspannung einzulegen. So bleibt man nicht nur entspannt, sondern vor allem auch entspannt zusammen.

Das Leben ist ein Würfelspiel

Die Erzählungen aus der Indischen Tradition habe ich immer toll gefunden. Die Götter haben keine weiße Weste, sondern machen immer wieder etwas, das eigentlich nicht geht. Shiva zum Beispiel betrügt seine Frau beim Würfelspielen, indem er heimlich sein drittes Auge benutzt. Als beide sich streiten, kommt Vishnu dazu und erklärt ihnen, es sei doch sowieso alles nur Illusion. Die beiden erkennen, dass das Leben – wie ein Würfelspiel – unvorhersehbar ist und nicht zu kontrollieren. Und doch versuchen wir alle es natürlich immer wieder. Dabei landen wir in den (un)schönsten Machtkämpfen.

Entspannung statt Kampf

Auch ein anderes Bild der beiden, das ich sehr liebe, ist hilfreich. Die Frau – diesmal in ihrem zornvollen Aspekt als Kali – hält siegreich ihre Waffe in der einen und den abgetrennten Kopf eines bösen Dämonen in der anderen Hand. Der Mann – in diesem Falle Shiva – liegt unter ihr, scheinbar tot. Yogis wissen natürlich: Er ist nicht tot. Er entspannt nur. In seiner Lieblings-Stellung Savasana. Schaut man genau hin, dann erkennt man, dass er auf einer grünen Wiese liegt, nicht auf dem hinter ihm befindlichen Schlachtfeld. Die Frau triumphiert, der Mann ruht sich aus. Das ist das yogische Geheimrezept für eine funktionierende Partnerschaft. Immer mal wieder eine Zwischenentspannung einlegen.

In sich selbst ruhend

Wenn Kali ihre wütende Maske aufsetzt, ändert das nichts an Shivas Liebe für sie. Er sorgt lediglich dafür, dass es ihm gut geht. Und das beeindruckt die Geliebte enorm. Ein richtiger Kerl, der sich nicht behaupten muss, sondern einfach in sich ruht. Mit dem könnte man glatt zusammenziehen. Mein Rat in diesem Fall ist folgender. Yoga üben und lernen, sich zu entspannen. Zumindest für mich hat das funktioniert.

Die Legende sagt, dass Kali einmal so außer sich war, dass ihre Wut die ganze Welt zu vernichten drohte. Erst als Shiva sich tot stellte, und sie dachte, in ihrer Unachtsamkeit auf ihn getreten zu sein, kam sie zur Ruhe. So lassen sich auch am Wochenende in einer Zwei-Zimmer-Wohnung fast alle Streitigkeiten schlichten. Jemand wie Shiva fängt nicht an zu meckern. Stattdessen kocht er den Lieblings-Tee, lädt sie zum Essen ein, lächelt sie einfach an und nimmt sie in die Arme. Denn wenn ein Pol in einer Beziehung in Ruhe ist, kann der andere nachziehen.

„Happy wife – happy home“

Dabei muss Shiva kein Pantoffelheld sein. Er weiß ziemlich genau, was er will. „Geht es meiner Frau gut, geht es mir auch gut“, sagt er sich. Oder wie es mein Vedanta-Lehrer einmal sagte: „Happy wife – happy home!“. Er war selbst verheiratet und wusste, wovon er redete. Und er ist es noch. In der vedischen Ehe versucht der Mann stets, die Gattin als Göttin zu verehren. Und die Frau sieht im Mann ihren Lehrer. Das klingt archaisch, aber kann – mit etwas Übung – wunderbar funktionieren. Wenn es die freie Entscheidung ist. Und auch gegen die im Idealfall parallele Kombination Gott/Lehrerin ist überhaupt nichts einzuwenden . . .

Wenn man genau hinschaut, erkennt man, dass Shiva seine Geliebte auch unterstützt, wenn sie schlechte Laune hat. Ein Liebesbeweis, der ihr Herz öffnet und beide einander so nahe zusammen bringt, dass alle anderen Gottheiten neidisch werden. Aber auch die können von den beiden lernen. Schließlich ist das Leben ohnehin zu kurz, um lange zu streiten. Und bei aller Leidenschaft braucht es auch Zeit entspannt zusammen.

Anmerkung der Redaktion: Alle Beziehungskonstellationen können von diesem Spiel aus Ruhe und Sturm wahrscheinlich etwas lernen. Egal, welche Partner*innen liebend entspannt zusammen kommen.


Foto von Olya Kobruseva von Pexels

Detox-Smoothie gegen Kater: Rezept-Tipp

Detox-Smoothie

Der Tag nach einer rauschenden Feier ist meist nicht besonders erfreulich. Kaum ist man aufgewacht, macht er sich bereits bemerkbar: der gefürchtete Kater. Dagegen schafft dieser Detox-Smoothie rasch Abhilfe und bringt wieder Schwung in den Körper. Denn wie der Name schon sagt, hilft er bei der Entgiftung und belebt deinen müden Geist.

Titelbild: Toni Cuenca via Pexels.

Noch mehr zum Thema kannst du hier lesen: Alkohol und Yoga – passen sie eigentlich zusammen?

Zutaten für den Detox-Smoothie

  • 1 Handvoll Feldsalat
  • 1 Handvoll Spinat
  • 1 Stange Staudensellerie
  • 1/4 Salatgurke – gerne mit Schale. So bleiben die Vitamine erhalten.
  • 1 Banane
  • 1/2 Mango
  • 1 kleines Stk. Ingwer
  • einige frische Blättchen Minze oder Melisse
  • 250 ml stilles Wasser
  • (optional: 1-2 TL Ginseng-Pulver. Dieses gilt als „Stärkungspulver“ und kommt aus der chinesischen Medizin. Denn die Wurzel regt in Pulverform die Laune an, reduziert Stress und stärkt die Abwehr. Also ein echter Alleskönner und ein Geheimtipp für Smoothies!)

Zubereitung des Detox-Smoothie

Wasche und schäle zunächst die frischen Zutaten. Erleichtere dann gerne deinem Mixer die Arbeit, indem du das Gemüse und Obst schon vorher zerkleinerst. Die Zutaten werden dann in einen Hochleistungsmixer gegeben und zerkleinert, bis ein Smoothie mit schön sämiger Konsistenz entsteht. Allerdings kann, wer keinen Profi-Mixer besitzt, auch einen Haushaltsmixer nutzen. Dann solltest du aber ggf. die Menge reduzieren, um das Küchengerät nicht zu überlasten. Als Alternative kannst du auch einfach etwas mehr Wasser zugeben.

Außerdem bietet es sich zur Schonung des Magens an, nicht den gesamten Detox-Smoothie auf einmal zu genießen. Du kannst ihn auch in aller Ruhe nach und nach auslöffeln. Dadurch – kombiniert mit ausreichend Flüssigkeitszufuhr am Besten durch Wasser oder Tee sollte sich dein Kater leicht besiegen lassen.

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Dieses und weitere Rezepte für Smoothies findest du auf gruene-kueche.de. Mehr zum Anti-Kater-Smoothie findest du hier.

Autogenes Training

Autogenes Training

Diese Art der Selbsthypnose wurde von Johann Heinrich Schultz. Angeleitet von einem Coach spürt man nacheinander in die verschiedensten Körperregionen und lässt sie in Gedanken warm und schwer werden. Das entspannt den Parasympathikus und sorgt für Tiefenentspannung. Beim Yoga kann man sie besonders gut mit einem ausführlichen Savasana verbinden. Lies mehr darüber in unserm Interview mit einem echten Experten.

Vom Tun ins Sein: Achtsame Verbindung von Körper und Geist

Achtsamkeit Yoga Hier und Jetzt

Wenn wir Yoga praktizieren, üben wir Achtsamkeit – mit unserem Geist, mit unserem Körper und mit unserer unmittelbaren Umwelt. Wir erklären, wie die achtsame Verbindung von Körper und Geist funktioniert und warum es so wichtig ist, vom Tun ins Sein zu kommen.

Wir hetzen von einem Ort zum anderen, müssen gefühlt tausend Dinge auf einmal erledigen und zählen „Multitasking“ zu besonders guten Eigenschaften. Dabei macht uns diese ständige Unruhe auf Dauer krank. Wenn unsere Gedanken nicht irgendwann ruhen dürfen, nehmen sie überhand, werden wild, unzähmbar, belastend und beängstigend. Klingt bekannt? Dann geht es dir wie vielen anderen Menschen, deren Gedanken und Emotionen unruhig auf und ab und hin und her springen. Die gute Nachricht: Es gibt eine Lösung.

Beginnen wir mit einem kleinen „Drei-Minuten-Experiment“: Setze dich bequem und aufrecht hin. Wenn nötig, nimm eine Decke oder einen Bolster als Unterlage. Stelle einen Timer auf drei Minuten und schließe die Augen. Versuche nun bewusst auf deinen Atem zu achten. Fokussiere dich während der gesamten Zeit auf deine Ein- und Ausatmung. Sollten deine Gedanken abschweifen, nimm es wahr, lasse sie dann wieder los und lenke deine volle Aufmerksamkeit erneut auf deinen Atem.

Hast du auch ein „Monkey Mind“?

Nach Ende der Übung nimm dir kurz Zeit: Wie ging es dir mit dieser Übung? Wie stark haben deine Gedanken dich in den letzten drei Minuten von der Atembeobachtung abgelenkt? Sind sie gewandert? Warst du abgelenkt? Keine Bange, das ist ganz normal. Die meisten Menschen haben einen unsteten und umherspringenden Geist, ein sogenanntes „Monkey Mind“. Ein solcher Geist befasst sich eher mit negativen als positiven Gedanken, macht sich Gedanken über Dinge, die gar nicht erst eintreten und verschwendet damit wertvolle Energie. Oder wie Mark Twain es so treffend zusammenfasst:

„In meinem Leben habe ich unvorstellbar viele Katastrophen erlitten. Die meisten davon sind nie eingetreten.“  

Mark Twain

Gedanken beruhigen mittels Achtsamkeitspraxis

Rund 17.000 bis 80.000 Gedanken pro Tag, größtenteils nur flüchtige, beeinflussen unsere Gefühle, Körperempfindungen und Verhaltensweisen. Die gute Nachricht: Du kannst dein Monkey Mind beruhigen. Du kannst lernen, einfach nur zu beobachten, statt immer gleich ins Gedan­kenkarussell einzusteigen. Diese zwei Achtsamkeitsübungen helfen dir dabei.

Lies auch: Geistig üben mit Patanjali – innere Klarheit schaffen

Das Denken beobachten:

Nimm bewusst eine akzeptierende Grundhaltung ein. Sage dir innerlich: „Es ist vollkommen natürlich, dass ‚es‘ in mir denkt!“  Vielleicht hilft es dir, die Haltung eines Menschen einzunehmen, der ein wildes Tier zähmen möchte und es im ersten Schritt beobachtet, um sich mit seinen Gewohnheiten vertraut zu machen.

Objekte benennen:

Betrachte mit geöffneten Augen deine Umge­bung und benenne Objekte, die du siehst. Indem du deinen ge­danklichen Fokus auf die Wahrnehmung im Moment richtest, bleiben meist keine geistigen Kapazitäten mehr, um zwischen Vergangenheit und Zukunft hin und her zu wechseln.

Vom Tun-Modus in den Sein-Modus

Achtsamkeit Yoga Hier und Jetzt
Bewusst Zeit nehmen für deine Gedanken und Empfindungen ist wichtig für deine seelische Gesundheit.

Nun gehst du einen Schritt weiter. Versuche vom Tun-Modus in den Sein-Modus zu kommen. Das ist gar nicht so einfach, denn im Unterschied zum Tun-Modus ist der Sein-Modus in unserer westlichen Welt erst einmal gewöhnungsbedürftig und häufig schwerer umzusetzen. Der Tun-Modus ist unser Autopilot. Dinge, die wir im Alltag ständig tun, laufen automatisch und nebenbei ab, ohne dass wir ihnen große Aufmerksamkeit schenken. In diesem Modus beschäftigt sich der Körper meist mechanisch mit einer bestimmten Tätigkeit, während der Geist gleichzeitig etwas anderes macht:

  • Mit dem Auto fahren und am Ziel nicht wissen, wie man eigentlich dorthin gekommen ist.
  • Beim Fernsehen eine Packung Kekse öffnen und irgendwann merken, dass sie leer ist.
  • Nicht wissen, ob man die Zähne geputzt, Tür abgeschlossen, Herd ausgemacht hat.

Dein Autopilot hilft dir, Ressourcen zu schonen, da die Wahrnehmungstiefe in diesen Momenten stark reduziert ist. Denn durch automatisierte Handlungen kannst du deinen Fokus auf andere Dinge lenken. Das ist etwa beim Autofahren ganz hilfreich, da du dich auf Umgebung und Verkehr und nicht auf das Fahren an sich konzentrieren musst.

Wenn der Autopilot die Führung übernimmt

Problematisch wird es, wenn du im Automatismus gefangen bist. Du verlierst immer mehr das Bewusstsein und den Sinn für die schönen Dinge des Lebens: Das helle Strahlen der Sonne, der Ge­schmack von Schokoladen-Eis, die flüchtige Berührung eines Menschen – wenn du dein Leben komplett im Autopiloten-Modus verbringst, nimmt du die kleinen und großen Alltagsmomente nicht (mehr) bewusst mit all deinen Sinnen wahr. Du bist in einem Zustand der Unbewusstheit gefangen, der dauerhaft in die Unzufrieden­heit führt. Besonders kritisch ist dieser Zustand im Zu­sammenhang mit destruktiven Gedanken und Gefühlen: „Ich bin nicht gut genug!“ oder „Ich schaffe das nie!“. Wenn du dich mit diesen Gedan­ken identifizierst und sie als wahr empfindest, wirst du plötzlich wütend oder fühlst dich niedergeschlagen. Er­lebst du diese negativen Gedanken jedoch ganz bewusst, kannst du auch bewusst ent­scheiden, ob du ihnen glauben möchtest – oder eben nicht!

Mehr Achtsamkeit im Sein-Modus

Bist du einmal so weit gekommen, gehst du den richtigen Weg hin zum Sein-Modus und mehr Achtsamkeit. Lasse dich nun auf den gegenwärtigen Moment ein: Du nimmst aufmerksam und ganz bewusst wahr, was du hörst, siehst, riechst, berührst und schmeckst. Du nimmst Dinge an und lässt sie sein, wie sie sind. Dein Wunsch nach Veränderung steht jetzt nicht im Fokus. Du bist aufgeschlossen für sämtliche Gedanken und Empfindungen und bereit, dich deinem Innenleben zu öffnen. Du kannst sämtliche Gedanken, Gefühle und Körpersignale betrachten und wieder loslassen.

Zugegeben, das klingt überwältigend und ist sicher nicht von einem Tag auf den anderen zu schaffen. Achtsamkeit zu leben – das ist ein Prozess, bei dem es auch immer mal wieder Rückschläge geben darf. Besonders gut übst du Achtsamkeit aber beim Yoga. Denn Achtsamkeit und Meditationen haben große Bedeutung für die ganzheitliche Yogapraxis, das lernen Yogalehrer*innen bereits in ihrer Ausbildung, etwa in der ALH Akademie. Hier hast du das Glück, dass dich ein Team aus erfahrenen und renommierten Yogalehrer*innen intensiv während deiner Weiterentwicklung unterstützt. So entdeckst du dein ganzes Potential und kannst nach Abschluss der berufsbegleitenden Ausbildung anderen dabei helfen, das Gleiche zu tun.

Doch egal, ob du dich in Sachen Achtsamkeit und Sein-Modus für eine Yogalehrerausbildung entscheidest, lieber als Schüler deiner Yogapraxis nachgehst, oder ob du einfach bei einem Spaziergang ohne Musik und Handy etwas mehr Achtsamkeit übst. Wichtig ist, dass du bewusst versuchst, mehr in den Sein-Modus zu kommen. Denn so beruhigst du deinen unruhigen Geist, kommst ins Hier und Jetzt und verbesserst dein seelisches und körperliches Wohlbefinden.


Mehr Info: www.alh-akademie.de

   
 

Yoga bei Long Covid: Raum für Lebenskraft

Yoga bei Long Covid

Als selbst an Covid-19 Erkrankte hat die Iyengar-Yogalehrerin Claudia Lamas Cornejo aus Berlin ihre Erfahrungen mit den Symptomen in ein Asana-Programm umgesetzt, das sie auch in Workshops unterrichtet. Es basiert auf einem Covid-19-Therapieprogramm des britischen Iyengar Yoga Verbands. Das Gute daran: Du kannst es ganz individuell und sukzessive aufbauen.

Alle vorgeschlagenen Asanas haben das Ziel, den Brustkorb und damit auch die Lungen auf sehr sanfte und behutsame Art und Weise zu weiten, „wie Pfannkuchen zu
wenden“ (Lamas Cornejo) und Raum für den Atem zu schaffen – denn Atem bedeutet
Lebenskraft, Prana.

„Nur dort wo Raum und Ruhe geschaffen werden, kann Prana, der Lebensatem ungestört fließen.“ (

BKS IYENGAR

Übrigens: Einen ausführlichen Artikel mit vielen Hintergründen und Tipps zum Thema Post und Long Covid findest du im neuen Yoga Journal (Heft 5/21) ab 19.08 im Handel und im Yogaworld-Shop.

Beginne mit Savasana

Yoga bei Long Covid
Savasana

Die wichtigste Asana während oder kurz nach einer Infektion mit Covid19! Savasana ermöglicht uns, den Körper vollständig loszulassen und uns ganz auf den Verlauf der Atmung zu konzentrieren. Um das Lungengewebe sanft zu dehnen und behutsam Raum zu schaffen, kannst du den Brustkorb mit einer (oder zwei), längs der Wirbelsäule liegenden, gefalteten Decke unterstützen. Dabei muss der Hinterkopf bis zum Nacken unterstützt sein, damit sich die Schultern abwärts entspannen und sich der Brustkorb zu beiden Seiten öffnen kann. Wichtig: Bau die Höhe behutsam auf. Da die Lungen durch die Infektion belastet sind, darf die Öffnung nicht zu stark sein.

Im Liegen praktizierst du Pranayama Ujjayi I: die Beobachtung des Atems bei normaler, ruhiger und gleichmäßiger Atmung. (Intensivere Pranayamas mit vertiefter oder unterbrochener Atmung sind nicht empfehlenswert, da sie das strapazierte Lungengewebe nur noch mehr belasten könnten.)

Unterstützte Kindhaltung (Balasana)

Yoga bei Long Covid
Unterstützte Kindhaltung (Balasana)

Wenn Bauch und Brustkorb von einem Bolster oder länglich gefalteten Decken „getragen“ werden, dann wirkt das entspannend auf den Organismus. Gleichzeitig können sich die hinteren Rippen zu den Seiten hin entspannen, das heißt die hinteren Lungenflügel weiten sich sanft und können leichter mehr Sauerstoff aufnehmen. Deswegen ist die unterstützte Kindhaltung nach Savasana (wo der Brustkorb sanft geweitet wurde) die zweite Übung.

Nachdem die klassische Ausrichtung gut klappt, kannst du die Haltung variieren: gedreht und schräg über jeweils einen Oberschenkel. Je besser auch hier Kopf, Stirn und Bauch „getragen“ werden, desto größer ist die entlastende Wirkung auf das Nervensystem.

L-Shape-Sitzhaltungen

Viele Menschen sind nach der Infektion noch lange sehr erschöpft. Eine gute Lösung sind unterstützte Sitzhaltungen. L-Shape bedeutet, dass die gesamte Wirbelsäule von hinten gestützt wird, zum Beispiel mit einem Bolster, das du zwischen dich und die Wand oder ein Möbelstück klemmst. Falls die Kissenrolle nicht lang genug ist, solltest du deinen Nacken zusätzlich mit einer gefalteten Decke stützen. Aus dieser Grundhaltung kannst du verschiedene Sitzhaltungen üben.

Baddha Konasana: Beruhigt und fördert die Durchblutung

Yoga bei Long Covid Baddha Konasana
Baddha Konasana wirkt beruhigend und fördert die Durchblutung der Organe.

Die Fußsohlen liegen aneinander, die Knie sinken zu den Seiten. Das wirkt beruhigend auf das Nervensystem und fördert die Durchblutung der Organe, vor allem des unteren Bauchraumes, wodurch es den Hormonhaushalt regulieren hilft. Falls dabei die Knie schmerzen, kannst du sie durch Kissen oder Blöcke stützen. Indem du die Fingerkuppen seitlich vom Körper aufstellst, kannst du den gesamten Brustkorb mit sanfter Aktivität anheben und in die Länge wachsen.

Baddha Konasana mit den Armen weit

Yoga bei Long Covid Baddha Konasana den Armen weit abgelegt
Diese Variante von Baddha Konasana öffnet den Brustkorb.

Vor einem Sofa oder Bett sitzend, schafft diese Variante mehr Weite im Brustkorb.

Schneidersitz für Leisten und untere Wirbelsäule

Yoga bei Long Covid Schneidersitz
Schneidersitz: Fördert den normalen Fluss der Nervenbahnen im Rückenmark.

Durch die Asymmetrie im Becken hat die Variante mit gekreuzten Beinen eine etwas andere Wirkung als die vorige, vor allem fördert sie die Durchblutung in den Leisten und der unteren Wirbelsäule. Wie alle unterstützten L-Shape-Sitze wirkt sie anregend im unteren Rücken und Becken und fördert den normalen Fluss der Nervenbahnen im Rückenmark. Wechsle hier nach einiger Zeit die Beinhaltung und übe die zweite Seite gleich lang wie die erste.

Lotussitz: Besonders heilsam

Yoga bei Long Covid Lotussitz
Der heilsame Lotussitz tut auch bei Long Covid gut – wenn er dir vertraut ist.

Wenn dir der Lotussitz vertraut ist und auch jetzt keine Probleme bereitet, kannst du ihn auch im L-Shape-Sitz praktizieren. Padmasana wird von BKS Iyengar als eine der „heilsamsten“ Sitzhaltungen beschrieben. Keinem anderen Asana widmet er in seinem Buch „Licht auf Yoga“ so viele Seiten.

Weiter Winkel für Knorpel und Gewebe der Knie

Yoga bei Long Covid Weiter Winkel
Weiter Winkel als Abschluss der Sitzhaltungen

Ein schöner Abschluss für die Sitzhaltungen ist der weite Winkel, Upavista Konasana. Wichtig hier: Strecke die Beine bis in die Fersen. Durch Druck und Entlastung können die Knorpel und Gewebe der Knie mit neuer Nährstoffflüssigkeit versorgt werden.

Stehhaltungen in Kombination mit Vorwärtsstreckung

Wenn du schon wieder etwas mehr bei Kräften bist, kannst du langsam mit den Stehhaltungen beginnen. Besonders vorteilhaft sind dabei sanfte Umkehrhaltungen, also Stellungen, in denen das Herz höher steht als der Kopf, was den Kreislauf ankurbelt und dich vitalisiert. Dabei lassen wir den Kopf sanft auf einer Unterlage ankommen. Das Bolster unter der Stirn hat beruhigende Wirkung. (Ähnlich übrigens wie bei Babys, denen man sanft über die Stirn streichelt oder eine Hand auf den Kopf legt. Der sanfte Impuls beruhigt die Gehirnaktivität und somit auf das Nervensystem.) Achte bei diesen Übungen besonders gut darauf, dich nicht zu überfordern. Taste dich langsam an die Haltungen heran und steigere die Dauer nur behutsam. Die Übungen sollen sich nicht anstrengend anfühlen.

Prasarita Padotanasana für Beinmuskulatur und Rückseiten

Yoga bei Long Covid Prasarita Padotanasana
Prasarita Padotanasana: Beginne ganz sanft.

Diese Haltung aktiviert sanft die Beinmuskulatur und hilft, die Beinrückseiten zu dehnen, also dort wo die Muskeln am schnellsten verkürzen, wenn man lange liegt oder sich aufgrund von Krankheit kaum bewegt. Wichtig: Beginne ganz sanft. Statt die Stirn wie auf dem Bild auf dem Bolster am Boden ankommen zu lassen, kannst du das Bolster auch quer über einen Stuhl legen. Der Fokus liegt darauf, die Wirbelsäule nach hinten auszustrecken und lang zu machen.

Uttanasana: Sanft beginnen

Yoga bei Long Covid Uttanasana
Uttanasana: Nicht überanstrengen.

Auch hier solltest du lieber sanft beginnen. Die Haltung soll sich nicht anstrengend anfühlen. Wenn du nicht mühelos die Hände zum Boden bringst, baust du höher, zum Beispiel mit einem Hocker.

Herabschauender Hund: Weite im seitlichen Brustkorb

Yoga bei Long Covid Herabschauender Hund
Herabschauender Hund: Mehr Platz zwischen den Rippen

Indem wir die Handflächen erhöhen, zum Beispiel auf Büchern oder Blöcken, gerne aber auch an einer Tischkante, nehmen wir Druck von Händen und Schultern und können die Flanken besser nach hinten in die Länge strecken. Dadurch weitet sich der seitliche Brustkorb, es wird mehr Platz zwischen den Rippen geschaffen, so dass sich die Lunge im Brustkorb besser entfalten kann.

Baddha Konasana in Rückenlage

Yoga bei Long Covid  Supta Baddha Konasana
Supta Baddha Konasana: Sanfte Öffnung der Lunge

Zum Ende der Sequenz tut es gut, die Lungen noch einmal mit Unterstützung entlang der Wirbelsäule von hinten nach vorne zu weiten. Ein Gurt um Leisten und Füße hilft in Supta Baddha Konasana, diese zu entspannen und gleichzeitig das Becken sanft zu weiten, so dass dort die Durchblutung angeregt wird.

Option zum Abschluss: Drehsitz

Yoga bei Long Covid Drehsitz
Drehsitz: Aufrechte Drehung für mehr Weite in den Lungenflügeln.

Aufrechte Drehungen unterstützen das Weiten der seitlichen Rippen und des jeweiligen Lungenflügels. Drehst du nach rechts, kann sich der linke Lungenflügel mehr dehnen und umgekehrt. Sobald du dich wieder besser fühlst, solltest du diese behutsamen Drehungen in die Sequenz integrieren. Sie erweitern den Radius von der anfänglichen Dehnung der Lungenvorder- und -rückseite zu den Seiten.


Claudia Lamas Cornejo

Übungen, Text und Bilder von Claudia Lamas Cornejo. Hast du noch Rückfragen? Dann schreibe einfach eine Mail an yoga@claudiyengar.com.

Mehr Info unter claudiyengar.com

10 Tipps für mehr Balance in Gleichgewichtshaltungen

Tipps Gleichgewicht Yoga

Wunderbar, wenn man ganz mühelos ins Gleichgewicht findet, egal ob auf zwei Beinen oder (typisch Yoga) irgendwie andersrum. Aber woran hapert es eigentlich, wenn es mit der Balance in Asanas nicht so recht klappen will? Wir sind der Sache mal auf den Grund gegangen und haben 10 Tipps für mehr Balance in Gleichgewichtshaltungen für dich.

Text: Stephanie Schauenburg / Fotos: Yan Krukov von Pexels

1. Kopfarbeit

Der vielleicht häufigste Fehler ist ein Denkfehler: Gleichgewicht ist nichts Statisches, sondern durch und durch dynamisch, ein Pendeln oder Schwingen um die Mitte – mal mit winzigen und mal mit größeren Bewegungen. Wenn du genau das auch erwartest und jedem Kippeln oder Schwanken so freundlich und entspannt begegnest wie ein Grashalm dem Wind, wird es sofort viel besser klappen.

2. Der Patanjali-Trick

Sthira Sukham Asanam – stabil und zugleich leicht soll die Asana sein. Für Gleichgewichtshaltungen heißt das konkret: die nötige Kraft aufwenden, um ein gutes Alignment zu erreichen, zugleich aber alle unnötige Anspannung loslassen, weich werden, atmen und sich zur Mitte hin sammeln, statt sich krampfhaft zu halten – und dann wachsen.

3. Von unten nach oben

Pflanzen machen es uns vor: Jede Gleichgewichtshaltung (und überhaupt jede Asana) wird von der Basis her aufgebaut. Egal ob das beide Füße, ein Fuß, die Hände oder auch mal die Sitzknochen sind, immer gilt: Die Kontaktpunkte werden präzise aufgesetzt und verwurzeln sich lebendig und kraftvoll am Boden. Von diesem erdenden Halt aus kann sich eine Haltung durch alle Körperteile hindurch nach oben entfalten. Extra-Tipp: Neben exakter Ausrichtung der Standfläche und Verwurzelung nach unten entsteht Stabilität auch durch Hasta Bandha und Pada Bandha, die energetischen Verschlüsse von Hand und Fuß.

4. Im Zentrum

Tipps Gleichgewicht Yoga
Jeder Körper ist anders … Wo liegt DEIN Körperschwerpunkt?

Nicht erschrecken, jetzt geht’s um Physik: Mache dir bewusst, wo der Körperschwerpunkt liegt und was das für die Statik der Haltung bedeutet. Im wahrsten Sinn des Wortes „zentral“ ist es, bei Gleichgewichtshaltungen Kraft und Stabilität in der Körpermitte aufzubauen. Rumpf, Arme und Beine werden dann so um diese Mitte herum angeordnet, dass im Spiel mit der Schwerkraft ein Gleichgewicht entstehen kann.

5. Linienführung

Physik Teil 2: Manche Yogastile erheben das Alignment zur Wissenschaft, andere gehen eher intuitiv damit um, doch immer gilt: Es macht einen Unterschied, wie welche Körperteile zueinander ausgerichtet sind. Das Denken in Linien und Achsen kann helfen, ein Gespür für das Spiel der Kräfte zu entwickeln – nicht im Sinn von kalter, geometrischer Mechanik, sondern für eine lebendige, organische Balance.

6. Fokus

Nicht nur Yogis, auch Tänzer und Akrobaten lernen, sich mit Hilfe eines Blickpunktes „festzuhalten“ und damit das Gleichgewicht zu unterstützen. „Drishti“ nennt man diesen Fixpunkt im Yoga. Aber Vorsicht: Auch für die Augen gilt Sthira Sukham Asanam (siehe Tipp 2). Ist der Blick starr und verkrampft, hilft dir Drishti nicht viel weiter. Also: den Fixpunkt zwar halten, Augen und Gesicht dabei aber entspannen.

7. Innere Bilder

Ein Baum mit tiefen Wurzeln, Kraftlinien, die sich durch den ganzen Körper ziehen oder das Becken als Schale: Solche und ähnliche Bilder sind eine wichtige Hilfe beim Erlernen zunächst schwieriger Asanas. In Gleichgewichtshaltungen können Visualisierungen dich dabei unterstützen, deine innere Achse zu finden, deinem Körper zu vertrauen und vom hektischen Kippeln in ein feines Schwingen überzugehen.

8. Hilfen

Hilfsmittel gibt es, damit wir uns helfen lassen. Doch in Gleichgewichtshaltungen haben sie auch ihre Tücken: Wenn man zum Beispiel den Handstand vor der Wand lernt, kann es sein, dass man nie ein richtiges Gefühl für die Senkrechte und die innere Achse gewinnt. Setze deshalb Wand, Block oder Stuhl eher als mentale Stütze und Orientierungspunkte für deine Raum-Lage-Wahrnehmung ein, aber nicht als Krücke.

9. Spieltrieb

Tipps Gleichgewicht Yoga
In Gleichgewichtshaltungen erkennst du sofort, wie sehr du „in deiner Mitte“ bist.

Gleichgewichtshaltungen sind ein wunderbarer Anlass, sich dem eigenen Körper und seinem Verhältnis zu Raum und Schwerkraft wieder so zu nähern, wie zuletzt als Kind: mit ungebremster, spielerischer Neugier. Einfach mal ausprobieren, was geht, schwanken, vielleicht umfallen – und es gleich nochmal versuchen. Spannend dabei: Kein Tag ist wie der andere. An der Balance erkennt man sofort, wie sehr man „in seiner Mitte“ ist.

10. Üben, üben, üben

Sogar Ashtanga-Crack Ronald Steiner gibt zu, dass er jahrelang getüftelt hat, bis er den Handstand so richtig „raus“ hatte. Das zeigt: Mühelose Balance ist zwar himmlisch, aber diese Mühelosigkeit fällt leider nicht vom Himmel. Es bleibt uns nichts anderes übrig, als schwierige Gleichgewichtshaltungen immer wieder aufs Neue zu versuchen. Dabei hilft eine andere Art von Balance, nämlich die zwischen Disziplin und spielerischer Freude. Am Ende lernen wir dabei deutlich mehr als eine neue Asana: Geduld.

Medhya Rasayana: Resilienz stärken mit Ayurveda

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„Besondere Zeiten bedürfen besonderer Maßnahmen.“ Dieser in der Pandemie oft zitierte Satz gilt auch für die psychische Gesundheit: Die Ängste und Einschränkungen der Corona-Zeit können wir nur mit guter Resilienz meistern – und um diese Widerstandskraft zu fördern, hat Ayurveda eine Menge zu bieten: Medhya Rasayana

Aus Sicht der traditionellen Ayurveda-Medizin ist die Kombination aus sanftem Hatha-Yoga, Pranayama und Medhya Rasayanas die beste Art, die psychische Gesundheit zu stärken. Die positive Wirkung einer regelmäßigen Yogapraxis mit Atemübungen auf ein stressbedingt überstrapaziertes Nerven- und Herz- Kreislaufsystem kannst du unmittelbar beim Tun erleben. Doch was sind Medhya Rasayanas?

Darunter versteht Ayurveda stärkende Maßnahmen für das mentale Gleichgewicht. Dazu zählen spezielle Nahrungsmittel und Heilkräuter, aber auch Methoden der ayurvedischen Psychotherapie. Typische pflanzliche Heilmittel sind beispielsweise Kürbis, dunkle Trauben und Datteln als Teil des täglichen Speiseplans sowie Amalaki, Brahmi, Mandukarpani oder Guduchi zur Nahrungsergänzung.

Ayurvedische Heilpflanzen

Ayurvedische Heilpflanzen
  • Amalaki, (Phyllanthus emblica) ist der Allrounder gegen Stress. Die als „Mutter der Medizin“ bezeichnete Amla-Frucht wird in der traditionellen Ayurveda-Heilkunde für ihre schützende, stärkende, regenerative und präventive Wirkung gegen alle stressbedingten Erkrankungen geschätzt.
  • Guduchi (Tinospora cordifolia) ist eine besonders ausgleichende Rasayana-Pflanze für alle Pitta-Typen. Die Kletterpflanze mit herzförmigen Blättern ist bekannt für ihre ausgleichende Wirkung auf das Verdauungssystem, alle Doshas und die Psyche. Speziell Menschen, die auf Druck mit Verhaltensauffälligkeiten oder Ticks reagieren, wird Guduchi empfohlen.
  • Brahmi, das Nabelkraut (Bacopa monnieri), gilt unter den Medhya Rasayanas als beste Pflanze, um höhere mentale Fähigkeiten zu wecken. Deshalb wurde es auch nach Gott Brahma benannt. Neben dieser spirituellen Bedeutung ist Brahmi sehr wirkungsvoll, um das Gedächtnis zu verbessern, die Nerven zu beruhigen und die Konzentration zu steigern.
  • Ashwagandha, die Schlafbeere (Witania Somnifera) ist, wie der deutsche Name schon andeutet, ein sehr gutes Akutmittel gegen Erschöpfung und Leistungsschwäche mit schlaffördernder Wirkung. Das aus der Wurzel gewonnene Pulver wird im Ayurveda für seine nervenberuhigende, kräftigende und immunstärkend Wirkung geschätzt.
  • Yashti, die Süßholzwurzel (Glycyrrhiza glabra), nährt das Gehirn und hilft mit seiner beruhigenden Wirkung gegen Aufgeregtheit, Stress und Einschlafstörungen. Besonders
    wohltuend ist Süßholz für die Stimme, deshalb wird es auch bei Erkältungserkrankungen zusammen mit Ingwer und etwas Zitrone als Tee verabreicht.

Sie alle wirken innerhalb der ganzheitlichen Ayurveda-Therapie nervenstärkend, konzentrations- und leistungssteigernd. Deshalb sind sie bei stressbedingten Beschwerden fester Bestandteil eines Behandlungsplans.

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Resilienz ist Typsache

Die Kernfrage, wenn es um psychische Gesundheit und Resilienz geht, lautet im Ayurveda: Wie stark ist dein Geist? Wir kennen das alle: Verfügen wir über eine stabile Psyche mit guter Resilienz, sind wir auch in stressigen Zeiten in der Lage, einen kühlen Kopf zu bewahren und mit positiver Kraft und Optimismus allen Hindernissen zu trotzen. Sind unsere mentalen Kräfte jedoch erschöpft, so fühlen wir uns bereits bei kleinen Problemen überfordert und gestresst. Um die Stärke des Geistes, das sogenannte Sattva Bala, des Einzelnen zu bemessen, untersucht die ayurvedische Psychologie die persönliche Konstitution und die typgemäße Reaktionsweise im Umgang mit Krisensituationen. Denn je nachdem, ob das individuelle Persönlichkeitsprofil mehr von Vata, Pitta oder Kapha geprägt ist, kann man mehr oder weniger gut mit dauerhaftem Frust, Sorgen oder Überforderung umgehen.

Resilienz: Jeder Ayurveda-Typ geht anders mit Stress um.

Vata-Typen: sensibles Nervenkostüm

In stressigen Zeiten am meisten auf sich aufpassen müssen Vata-Typen. Sie sind von Natur aus mit ihrem zarten Körperbau und einem sensiblen Nervenkostüm nicht besonders belastungsfähig und neigen dazu, sich von Sorgen, Ängsten und Zweifeln übermannen zu lassen. Schlafstörungen, Konzentrationsmangel und neurologische Beschwerden, wie Tinnitus, Kopf- oder Rückenschmerzen sind da schnell mal die Folge. Zum Ausgleich setzt Ayurveda auf entspannende Ölmassagen, Meditation und einen geregelten Tagesablauf mit warmen Mahlzeiten und nervenstärkenden Kräutern. Aus der großen Palette der Medhya Rasayanas eigenen sich Brahmi, Mandukarpani und Ashwagandha ganz besonders gut zur körperlichen und mentalen Stärkung zum Vata-Ausgleich.

Kapha-Typen: ständiger Druck beeinflusst Wohlbefinden

Am wenigsten ansehen kann man stressbedingte Überforderungen Kapha-Typen. Sie wirken mit ihrem kräftigen Körperbau und einer phlegmatischen Art wie der Fels in der Brandung. Dennoch ist die mentale Stärke auch bei einer Kapha-Person nicht unerschöpflich. Steht sie ständig unter Druck – besonders wenn Beziehungsprobleme, Streit oder plötzliche Veränderungen wie eine Kündigung das seelische Wohlbefinden beeinträchtigen – so steckt sie häufig den Kopf in den Sand und flüchtet sich in Erstarrung und Antriebslosigkeit. Wichtigste Maßnahmen für die Resilienz zum Kapha-Ausgleich sind dann dynamische Yoga-Übungen, scharfe Gewürze und anregende Medhya Rasayanas, wie Trikatu und Amalaki.

Pitta-Typen: gefährliche Stressspirale

Gefährlich ist die Stressspirale auch für Pitta-Typen. Diese nehmen die widrigen Herausforderungen des Alltags zwar erst einmal sportlich und versuchen Probleme mit Kampfbereitschaft und eiserner Disziplin zu besiegen. Doch mentale Reizbarkeit, innere Anspannung, Bluthochdruck, Migräne und Entzündungen des Verdauungstraktes zeigen deutlich an, wenn Pitta die Grenzen der mentalen Belastungsfähigkeit überschritten hat. Nun heißt es, Druck rausnehmen und die psychische Gesundheit mit Pitta-ausgleichenden Medhya Rasayanas zu stärken. Kurkuma, Guduchi, Trauben, Granatäpfel sowie Ausdauersport und kühlende Pranayama-Übungen können die innere Gelassenheit und psychische Balance wieder herstellen. Auch Übersäuerung und Bluthochdruck kann man auf diese Weise lindern.

Resilienz in der Praxis

Die ayurvedischen Resilienz-Therapie verfolgt einen ganzheitlichen Behandlungsansatz der auf drei Schritten basiert. Wir beginnen immer mit den bereits beschriebenen Medhya Rasayanas, um die körperlichen und psychischen Reserven neu aufzuladen. Darauf folgen psychotherapeutische Interventionen mit Blick auf die krankheitsverursachenden Faktoren. Und anschließend richtet sich der Blick mit nachhaltigen Maßnahmen zur Selbstfürsorge und Eigenverantwortung in die Zukunft.

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Schritt 1: Den Körper stärken

Mentale Stärke und Resilienz braucht aus ayurvedischer Sicht an erster Stelle unterstützende Maßnahmen für die körperliche Stabilität. Ölmassagen, Yoga und Atemübungen entspannen das Nervensystem und fördern die psychische Kraft. Ergänzende Empfehlungen für eine vegetarische Ernährung mit frisch zubereiten und in Achtsamkeit eingenommen Mahlzeiten sind Grundlage einer ayurvedischen Psycho-Diät. Als Medhya Rasayanas für den täglichen Speiseplan empfiehlt Ayurveda den regelmäßigen Verzehr von Datteln, Rosinen, Trauben, Walnüssen, Granatapfel, Kürbis, Basilikum, Rosmarin, Safran, Ajwain (Königskümmel), Süßholz sowie Milch und Ghee (Butterschmalz).

Schritt 2: Psyche und Seele heilen

Erkennen, was uns krank macht – das ist das Motto des zweiten Therapieschrittes. Dazu setzt Ayurveda auf eine typgerechte Gesprächstherapie, die zur Selbstreflektion anregt und krankheitsverursachende Verhaltensmuster und Glaubenssätze transformieren hilft. Wichtigstes Ziel der psychologischen Ayurveda-Therapie für eine bessere Resilienz ist die Beseitigung von mentalen Hindernissen, die einer Verhaltensänderung im Weg stehen.

Schritt 3: Heilsame Rituale für den Alltag

Entscheidend für eine nachhaltige Resilienz auch in stressigen Zeiten ist die eigene Handlungskompetenz. Deswegen dreht sich im 3. Schritt alles um ein Verhalten, durch das sich Gesundheit, Glück, Erfolg, Lebensfreude, Liebe und Erfüllung auf Dauer gewinnen lassen. Dazu werden energiestärkende Rituale in den Alltag eingebaut, die den körperlichen Bedürfnissen des eigenen Konstitutionstyps entsprechen und die Belastungsfaktoren der aktuellen Lebenssituation berücksichtigen. So verankert man eine liebevolle Selbstfürsorge fest im täglichen Leben. Gelingt es uns, diese ayurvedischen Grundsätze für die psychische Gesundheit umzusetzen, so haben wir nicht nur besondere Maßnahmen für besonderen Zeiten kennengelernt, sondern eigentlich etwas viel Wichtigeres: einen Leitfaden für ein gesundes, glückliches und langes Leben mit Ayurveda und Yoga.

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Autorin Kerstin Rosenberg ist eine international bekannte Ayurveda-Spezialistin, Seminarleiterin und Buchautorin. Gemeinsam mit ihrem Mann leitet sie die renommierte Europäische Akademie für Ayurveda mit angeschlossenem Ayurveda-Kompetenz- und -Kurzentrum in Birstein. Unter blog-ayurveda.de findest du regelmäßig ihre neuen Beiträge rund um Ayurveda, Gesundheit und Genuss.