Ayurveda: Wie diese Frauen die uralte Lehre neu und weiblich definieren

Ayurveda Frauen

Der jahrtausendealte Ayurveda kam noch nie so jung, frisch und weiblich daher wie in diesem Sommer! Vor allem sechs Frauen begeistern uns derzeit für die Schwesterphilosophie des Yoga. Mit Kommunikationstalent, fundiertem Wissen und neuen Ideen bringen sie Ayurveda mitten ins moderne Leben.

Ist es dir auch schon aufgefallen? Ayurveda erlebt in Deutschland eine Frischzellenkur. Die uralte Wissenschaft vom Leben – Ayus steht im Sanskrit für Leben und Veda für Wissen – wird durch digitale Medien und trendig gemachte Bücher einem immer breiteren und jüngeren Publikum nahegebracht. Und das einerseits so unkompliziert, modern und alltagstauglich wie nie zuvor, gleichzeitig aber auch sehr kompetent: Die charismatischen Protagonistinnen der Bewegung sehen das Weitertragen der authentischen indischen Heilkunst als ihr Dharma, ihre Bestimmung.

Ayurveda: Upgrade fürs Leben

Ihr jeweiliger Hintergrund mag zwar verschieden sein, doch eines eint all diese Frauen: die persönliche Erfahrung, mit Ayurveda ihrem Leben ein nachhaltiges Upgrade verpasst zu haben und vor Energie nur so zu strotzen! Als erfolgreiche Unternehmerinnen verstehen sie sich als Bindeglied zwischen Tradition und Moderne. Das äußert sich zum Beispiel darin, dass sie es offenbar mit Leichtigkeit verstehen, der zeitlosen Lehre rund um Darmentleerungen, Ölziehen und Zungeschaben einen Hauch von Glamour zu verleihen. Dass Ayurveda auf einmal hip und feminin ist und man sich auch in sozialen Medien ganz selbstverständlich über die Konsistenz von Ausscheidungen austauscht, ist für die Dosha-Botschafterinnen auch Ausdruck des Zeitgeists.

Alte Inhalte, neue Zielgruppe

„Es ist ähnlich wie beim Yoga“, sagt etwa Ayurveda-Expertin Dana Schwandt. „Erst haben es in Indien fast nur Männer praktiziert, später wurde es im Westen von Frauen zwischen 40 und 60 in kleinen Räumen mit Räucherstäbchen auf Wollmatten geübt und mittlerweile ist es in eine Sprache übersetzt, die ein jüngeres und viel breiteres Publikum anspricht. Wir bringen alte Inhalte in neue Formate und erreichen so eine ganz andere Zielgruppe und viel mehr Menschen.“

Ganz klar: Charismatische Ayurvedis wie Dana treffen einen Nerv. Abseits von Stress, Schulmedizin und immer neuen, medial propagierten Ernährungskonzepten stehen sie für einen weiblich interpretierten, ganzheitlichen Ansatz: die Gesundheit in die eigene Hand zu nehmen und der eigenen Intuition zu vertrauen. Wir präsentieren dir: die neuen Ayurveda-Botschafterinnen.

Dana Schwandt: „Ayurveda hat mich gelehrt, mich selbst zu lieben!“

Dana Schwandt Ayurveda
Dana Schwandt: „Es hat allerdings etwas gedauert, bis ich einen Weg gefunden habe, Ayurveda wirklich zu leben.“ – Foto: Grit Siwonia

Vor ein paar Jahren war Dana noch Besitzerin eines Ashtanga-Yogastudios in Hamburg und floss jeden Morgen bis zu zweieinhalb Stunden lang durch Asanas. Trotzdem spürte die zweifache Mutter, dass irgendetwas fehlte. Dieses „Etwas“ fand die Yogini durch eine Ayurveda-Fortbildung. „Es hat allerdings etwas gedauert, bis ich einen Weg gefunden habe, Ayurveda wirklich zu leben. Denn so begeistert ich von der Philosophie und Anleitung war, so überfordert war ich damals auch von der Komplexität und Implementierung„, erinnert sich die Yogalehrerin. Nachhaltig gefunkt hat es dann trotzdem noch. Denn nach 13 Jahren sagte Dana 2015 dem Yogastudio und der Ausbildung von Yogalehrern Bye-bye, um mit ihrem Mann Matthias und den Kindern an den Stadtrand zu ziehen und das Online-Unternehmen „Ichgold“ zu gründen.

Der Wecker klingelt um 4:44

Als Paar mit einem engagierten Team im Rücken helfen sie seither mit ihren Online-Kursen Menschen dabei, ein Verständnis für ihren Stoffwechsel zu erlangen und Ayurveda möglichst unkompliziert in den Alltag zu integrieren. „Es geht darum, sich intuitiv zu ernähren, den Zugang zum eigenen Körper und einer natürlichen Lebensweise zu finden„, erklärt Dana. In der Vergangenheit war sie selbst oft hart zu sich und ihrem Körper, doch „Ayurveda hat mich gelehrt, mich und meinen Körper so zu lieben, wie er ist. Auch wenn meine Oberschenkel nicht aussehen wie die von Heidi Klum und ich sicherlich weit entfernt von perfekt bin.“ Ihr neues Leben als sesshafte, digitale Nomadin genießt die Frühaufsteherin in vollen Zügen. Zwei Stunden nimmt Dana sich jeden Morgen Zeit, um entspannt in den Tag zu starten. Ihr Wecker klingelt dafür um 4.44 Uhr. Ihr wichtigstes Ayurveda-Ritual kommt bei aller Sonnenaufgangs-Romantik aber ganz bodenständig daher: „So unromantisch es klingt: Ich sorge dafür, dass mein Darm sich vollständig entleert.“ ichgold.de

Lies auch: Detox-Rezept – Ayurvedisches Kitchari

Carina Alana Preuss: „Mein ganzer Tag dreht sich um Ayurveda“

Carina Alana Preuss Ayurveda
Alana Carina Preuss: „Dank Ayurveda kann ich heute sagen, dass ich selten krank werde“

Ayurveda begleitet Carina von Kindesbeinen an: Mit drei Jahren zog sie ins damals gerade neu eröffnete Ayurveda Parkschlösschen ein. Ein Luxus-Hotel in Traben-Trarbach an der Mosel, das sich, gegründet von ihren Eltern, auf ganzheitliche, entgiftende Panchakarma-Kuren in edlem Ambiente spezialisiert hat. Der Mammutbaum im Park, die riesige Küche, die hochherrschaftliche Empfangshalle – ein riesengroßer Spielplatz für die heutige Geschäftsführerin des 100-köpfigen Teams. Von der Ärztin bis zum Chauffeur arbeiten hier alle flexibel, dem Konstitutionstyp entsprechend. „Mein ganzer Tag dreht sich um Ayurveda und ist von Ayurveda durchtränkt“, beschreibt die Frohnatur mit den schneeweißen Zähnen ihren Alltag.

Seltener krank dank Ayurveda

Carinas Ayurveda- und Yoga-Ausbildungen starteten alle nachdem sie 2011 die Uni abschloss und in die Geschäftsleitung einstieg. „Yoga und Ayurveda kann man zwar auch getrennt voneinander praktizieren“, erklärt sie lächelnd, „gemeinsam entfalten sie aber eine stärkere Wirkung. Ein Ayurvedi nutzt Yogaübungen, um seine Doshas durch gezielte Bewegung und Atmung auszugleichen und seinen Körper flexibel und stark zu halten. Ein Yogi nutzt Ernährungs-, Biorhythmus- und Heilansätze des Ayurveda, damit sein Körper ein Maximum an Lebensenergie bereitstellt, die er für seine spirituelle Praxis einsetzen kann.“ Dass sie lebt, was sie lehrt, ist im Gespräch mit Carina von der ersten Sekunde an klar. Ihre Mission: Auch außerhalb der Schlossmauern so viele Menschen wie möglich zu erreichen und ihnen mit dem „Mein Ayurveda Lifestyle Onlinekurs“mehr Einklang von Körper, Geist und Seele zu verhelfen. Denn die konsequente Ausrichtung ihres Lebens nach den Prinzipien der alten Lehre, hat einen kerngesunden Menschen aus ihr gemacht. „Als Jugendliche hatte ich oft Blasenentzündungen. Dank Ayurveda kann ich heute sagen, dass ich selten krank werde und meine Verdauung wie im Bilderbuch verläuft.“ ayurveda-parkschloesschen.de 

Lies auch: 5 gesundheitsfördernde Ayurveda Kräuter

Jasmin und Josephine Jess: „Wir wollen Körper und Geist über die Ernährung heilen“

Jasmin und Josephine Jess Ayurveda
Jasmin und Josephine Jess: „Im Ayurveda geht es darum, wie wir mit unserer Ernährung unseren Körper und Geist heilen können.“

Alles begann mit einer Ayurveda-Kur von Mama und Papa. Als die Eltern von Jasmin und Josephine vor Jahren aus den Detox-Ferien zurückkehrten und fortan morgens warmes Wasser und Porridge mit gedämpftem Obst auf dem Frühstückstisch stand, war die Neugier der Hamburgerinnen geweckt. Genau zur rechten Zeit, denn die beiden Nordlichter waren zwar als Projektmanagerin und Wirtschaftspsychologin von außen betrachtet erfolgreich, innerlich sah es aber anders aus. Während Josephine ihre Stabilität im Essen suchte, signalisierte Jasmins Körper ihr mit Bauchschmerzen, Übelkeit und Allergien, dass sie nicht wirklich in Balance war. Gemeinsam machten sie sich auf die Reise, absolvierten Yoga- und Ayurveda-Ausbildungen und -Fortbildungen, erkochten sich mit kreativen Kombinationen aus sechs Geschmacksrichtungen ein neues Wohlbefinden und gründeten die Online-Plattform „Prana up your life“.

Neue Lebensenergie schöpfen

Prana, also Lebensenergie, schöpfen die Schwestern aus Yoga, Meditation und Atemübungen – und aus einer
sattvischen Ernährung. „Im Ayurveda geht es darum, wie wir mit unserer Ernährung unseren Körper und Geist heilen können“, erklärt die 30-jährige Jasmin. „Die Lehre basiert auf Erfahrungen und das heißt: Man kann sie spüren“, ergänzt die 27-jährige Josephine. „Deshalb finden so viele Menschen darin Frieden und lassen sich nicht mehr so von der Außenwelt leiten.“ Mit ihrem Podcast, einem virtuellen Kochclub, Events und Retreats erreichen die Schwestern eine ganz neue Zielgruppe: junge Menschen, die noch nie einen Sonnengruß gemacht haben geschweige denn wissen, wie man Pranayama schreibt. „Jeder Mensch, den wir inspirieren können, sich achtsam mit sich selbst und der Natur auseinanderzusetzen, ist für uns ein Geschenk“, sagen die Gründerinnen. Zu ihren treuesten Fans zählen – wenn wundert’s – ihre Eltern. pranaupyourlife.de

Lies auch: Ayurveda-Hitzetipps – so kühlst du dich von innen

Dr. Janna Scharfenberg: „Ich möchte das Gesundheitssystem verbessern“

Dr. Janna Scharfenberg Ayurveda
Dr. Janna Scharfenberg: „Der Ayurveda ist ein unglaublich umfassendes medizinisches System und eine universelle Lebensphilosophie“ – Foto: Alysa Aeschbacher

Hätte der deutschsprachige, digitale Ayurveda eine Heimat, es wäre Zürich! Aus der Schweizer Metropole lenkt Janna ihr Gesundheitsportal „In Good Health“. Mit Podcast und Blog inspiriert sie jede Woche zehntausende Menschen zu einem gesunden, nachhaltigen Lebensstil. Daneben ist die ganzheitlich praktizierende Ärztin als Mentorin, Coach, Speakerin und Dozentin für Yogalehrer-Ausbildungen unterwegs. Dass die gebürtige Berlinerin einmal so zufrieden und erfüllt leben und arbeiten würde, war während ihres Medizinstudiums an der Uni Witten/Herdecke noch nicht abzusehen: „Die Arbeit im Krankenhaus ist von viel Druck, Stress und unzähligen Arbeitsstunden geprägt. Meist bleibt aufgrund des eng getakteten Alltags für mein Verständnis viel zu wenig Zeit, um wirklich auf die Patienten eingehen zu können.“

Ayurveda gibt Antworten auf viele Fragen

Durch ihre Yogapraxis wurde die engagierte Ärztin auf Ayurveda aufmerksam – und hat dort Antworten auf viele Fragen gefunden. „Der Ayurveda ist ein unglaublich umfassendes medizinisches System und eine universelle Lebensphilosophie, die ganz einfach in den Alltag integriert werden kann“, erklärt die Wahl-Schweizerin mit den blonden, kurzen Locken. „Mich faszinieren die kraftvollen, medizinischen Empfehlungen und ich habe bei vielen meiner Patienten und bei mir selber eine starke Verbesserung der Gesundheit erleben können.“ Zum Beispiel bei der Behandlung ihrer Migräne, aber auch als tägliche Stütze, ein achtsames und entspanntes Leben zu führen. „Ich möchte das Gesundheitssystem verbessern, indem so viele Health Professionals wie möglich die ayurvedische Medizin erlernen und sie weitergeben können!“ Auf ihr Abendritual verzichtet Janna auch auf Reisen nicht: Eine entspannende Massage mit warmem Sesamöl vorm Schlafengehen gehört auch unterwegs dazu. drjannascharfenberg.com


Bei Autorin KATHRIN MECHKAT wurde von einem Ayurveda-Arzt im indischen Kerala ein Vata- Überschuss diagnostiziert. Seitdem träumt die zweifache Mutter, Journalistin und Gründerin des Yoga-Mama-Blogs MOMazing von einer Panchakarma-Kur. Bis das in Erfüllung geht, versucht sie, ihre Doshas mit morgendlichem Ölziehen, Zungeschaben und literweise warmem Wasser in Balance zu bringen.

Yoga und Selbstliebe: „Ich wollte nicht mehr mit mir kämpfen“

Sophie Safespace Yoga und Selbstliebe

Als Kind mochte Yogalehrerin Sophie ihren Körper. Dann lernte sie auf die harte Tour, dass ihre Maße nicht der (erwünschten) Norm entsprachen. Doch irgendwann hatte sie die Nase voll davon und machte sich auf den Weg, ihr Selbstbild zu ändern und sich wieder voll und ganz zu lieben

Liebe Sophie, wie kam es, dass du dein Selbstbild ändern wolltest? Gab es einen „Auslöser-Moment“?

Einen direkten Auslöser-Moment gab es nicht. Zumindest habe ich ihn nicht bewusst mitbekommen. Ich bin ein friedlicher und harmoniebedürftiger Mensch und wollte nicht mehr mit mir endlose Kämpfe austragen müssen. Damals dachte ich, dass ich diesen Frieden erlange, wenn ich mein Äußeres ändere. Es stellte sich heraus, dass das, zumindest für mich, nicht stimmte. Also habe ich daraus geschlossen, dass ich mein inneres Selbstbild ändern muss, wenn ich inneren Frieden in mir erlange möchte. Im Nachhinein klingt das logisch.

Warum mochtest du deinen Körper früher nicht?

Ursprünglich, als ganz kleines Kind, mochte ich meinen Körper. Ab der Schulzeit wurde mir dann teilweise offensiv, teilweise subtil beigebracht, dass mein Körper nicht der Norm entspricht und dadurch ekelhaft, falsch oder hässlich ist. Irgendwann glaubte ich das und habe mir somit gegenüber erst Frust, dann Ablehnung und am Ende sogar Hass entwickelt. Ein Prozess der schleichend über Jahre ging und viele Jahre blieb. Wir werden dazu konditioniert uns kritisch zu betrachten und nie mit uns zufrieden zu sein. Sei es in der Fernsehwerbung, in Magazinen, in unseren Social Media Feeds, auf Plakaten. Uns wird ständig suggeriert, dass wir Äußerlichkeiten ändern müssten um endlich zufrieden mit uns sein zu können. Das habe ich ja auch geglaubt. Leider führt dieser Weg ins Unglück. Das innere Glück auf Extern zu verlagern kann nicht funktionieren. 

Also hast du mit deiner eigenen Körperarbeit begonnen und dich lieben gelernt. Was würdest du Frauen raten, die genau das auch wollen?

  • Fang an Kontakt mit deinem Inneren aufzunehmen. Sei es durch Bewegung, Musik hören, meditieren. Richte den Blick auf dein Inneres und höre hin.
  • Versuch nicht zu bewerten, was du denkst. Beobachte und fühle einfach nur. 
  • Ließ dir auf Wikipedia durch, was der menschliche Körper kann. Ich persönlich finde das inzwischen wahnsinnig faszinierend. Da spüre ich gleich wieder Ehrfurcht und Respekt. 
  • Umgebe dich mit Menschen, die gut für dich sind. 
  • Folge Accounts auf Social Media bei denen du nicht in einen Negativ-Vergleich abrutschst, sondern die dir Freude machen und Inspiration schenken.
  • Schreibe dir einen Satz auf ein Post-It, wie etwa „Ich bin wertvoll. Ich bin genug. Ich bin schön.“ und hänge ihn dir irgendwo auf, wo du jeden Morgen daran vorbeigehst. Lese dir deinen Satz mit einem Lächeln laut vor. Vielleicht sogar vor dem Spiegel. 
  • Ruhe dich oft aus, mach öfters einfach Nichts. Klingt erstmal neu, weil wir anders konditioniert worden sind: „Ich darf mich erst ausruhen, wenn ich produktiv gewesen bin oder etwas geleistet habe.” Aber in der Ruhe liegt tatsächlich die Kraft und die Erkenntnis.

Du arbeitest mittlerweile auch als Yogalehrerin. Hat Yoga dir auf dem Weg zu mehr Selbstliebe geholfen? 

Ein klares Ja. Durch Yoga habe ich das erste Mal ein Körperbewusstsein erlangt. Ich habe sozusagen angefangen meinen Körper kennenzulernen und im nächsten Schritt hinzuhören: Was braucht er heute? Was tut ihm eigentlich gut? Wann darf ich ihn fordern und wann ist es Zeit ihm Ruhe zu geben? Das sind alles Fragen, die man sich nur stellen und beantworten kann, wenn man eine Verbindung zu sich und seinem Körper herstellen kann. Ein weiterer wichtiger Punkt, der mir sehr geholfen hat, ist das Atmen, Pranayama. Allein sich seines Atems bewusst zu werden, war ein Game-Changer. Es wirkt für mich sehr verbindend und erdend. Und natürlich ist es einfach schön zu sehen, wenn der Körper eine Asana hält, von der man eigentlich dachte „Das schaffe ich nie…“. Yoga ist einfach der Hammer! 

Was ist dir als Yoga-Lehrerin besonders wichtig, was willst du deinen Schülern mitgeben?

Mehr zu Sophies Yoga-Unterricht findest du auf Instagram: Sophies_Safespace

Ich möchte einen sicheren Raum (Anm. der Redaktion: Folge Sophie Instagram unter Sophies Safespace) schaffen, egal ob ich live vor Ort oder online unterrichte. Jede/r darf so sein wie sie/er ist. Durch meine Anleitungen gebe ich ein Angebot und es darf entschieden werden, was man davon wie ausführt. Es ist mir auch sehr wichtig Variationen der Asanas zu unterrichten und die Verwendung von Hilfsmitteln zu normalisieren. Menschen sind unterschiedlich, Körper sind unterschiedlich. Und das ist in Ordnung und gut so. Im Endeffekt möchte ich mit dem größtmöglichen Bewusstsein meine Schüler/innen unterrichten.

Wie du ja sagst, sind Körper einfach unterschiedlich. Trotzdem gibt es eine merkwürdige Dynamik unter uns Frauen. Kurvige Frauen werden gefeiert, wenn sie von Selbstliebe und Akzeptanz ihres Körpers sprechen. Dünne Frauen, die vielleicht unter fehlenden Kurven leiden, werden oft belächelt – „Jammer nicht, du bist doch dünn“. Denkst du wir Frauen müssten uns da noch mehr unterstützen? Also raus aus den zwei Lagern und rein in eine gemeinsame Welt – Body Positivity für Alle?

Ich denke man muss hier differenzieren: Die „Body Positivity Bewegung“ wurde ursprünglich von mehrgewichtigen BiPoc Frauen ins Leben gerufen, weil sie aufgrund ihrer Erscheinung diskriminiert wurden und werden. Wenn dann schlanke, weiße Frauen, die einer aktuellen gesellschaftlichen Norm entsprechen, diesen Hashtag nutzen, kann es eben zu beschriebener Dynamik kommen. Schlank/dünn ist größtenteils immer noch mit „gut, richtig“ gleichgesetzt, egal ob es den Frauen damit gut geht oder nicht. Dick zu sein wird von vielen immer noch als „gesellschaftlicher Verrat“ angesehen, ebenfalls egal wie es den Frauen geht. Ich kann mir als dicker Mensch nicht aussuchen, ob das Fett an meinem Körper heute zum Thema gemacht wird oder nicht. Durch die starke Fettphobie, die in unserer Kultur verankert ist, ist es automatisch immer ein Thema, siehe #fatphobia und #antidietculture. Also, was ist der Weg? Wir müssen aufhören andere Körper zu kommentieren und zu beurteilen. Die (Be-)Wertung erschafft das Problem. Wir Menschen – übrigens nicht nur Frauen, auch Männer spielen hier auch eine große Rolle – müssen uns gegenseitig endlich als gleich- und vollwertig sehen, egal wie ein Körper aussieht. Das geht aber nur, wenn man eine gewisse innere Zufriedenheit mit sich selbst hat. Und da kommt unter anderem wieder Yoga ins Spiel.  

Es ist erschreckend wie schnell wir uns gegenseitig in Schubladen stecken. Was würdest du dir von anderen Frauen wünschen?

Das sie und wir uns frei machen von Dingen, die wir gelernt haben und „Unlearning“ betreiben. Also alles abzulegen, was eigentlich keinen Sinn macht, uns aber so beigebracht worden ist. Ich glaube daran und ich spüre bereits Veränderungen. 

Meinst du wir schaffen es als Gesellschaft, dass das Thema „Körper und Aussehen“ irgendwann keine Rolle mehr spielen wird? 

That’s the vision and the dream. 

Um dieser Vision einen Schritt näher zu kommen, hast du an der Foto-Ausstellung „Vom Selbstzweifel zur Selbstannahme?“ als Model teilgenommen. Wusstest du gleich, dass du mitmachen möchtest oder musstest du kurz überlegen?

Sophie in Nahaufnahme – Fotos von Sophia Lasson für die Foto-Ausstellung „Vom Selbstzweifel zur Selbstannahme“

Ich wusste sofort, dass ich mitmachen möchte! Sophia Lasson, die Fotografin, ist eine wunderbare Seele und eine wahre Künstlerin. Was für eine Ehre. Sich selbst dann komplett nackt vor einer Kamera zu zeigen und auch auf Film aufgenommen zu werden war für mich auch nochmal ein Schritt hin zur Selbstakzeptanz/Liebe. Das hätte ich vor einem Jahr auch noch nicht gemacht. Es war wunderbar und ich kann so ein Nackt-Shooting sehr empfehlen. Es stärkt das Selbstbewusstsein und macht unendlich glücklich.

Liebe Sophie, danke für das wunderbare Interview.

Hier erfahrt ihr mehr über das Fotoprojekt und die wunderbaren Frauen, die ein Teil davon waren:

https://www.instagram.com/p/CD9f2lZI-Mu/

Wie Sahara Rose Frauen auf ihrem spirituellen Weg inspiriert

Sahara Rose Ketabi Ayurveda

Sahara Rose Ketabi gilt als moderne Ayurveda-Queen: Wie wenige andere schafft es die US-Amerikanerin mit persischen und indischen Wurzeln, die altindische Gesundheitslehre zeitgemäß zu interpretieren und damit gerade junge Frauen auf ihrem spirituellen Weg zu inspirieren.

Sahara Rose Ketabi findet, ich solle unbedingt damit aufhören, gruselige Filme anzuschauen. Ich bin zu Besuch bei ihr zu Hause in Pacific Palisades. Während wir im Aufzug aus dem 6. Stock des Apartmentgebäudes herunterfahren, erklärt sie mir, dass Kunst eine Saat im Geist pflanzt, die jederzeit aufgehen kann: „Alles, was du erlebst oder dir auch nur ansiehst, verändert dein Unterbewusstes. Sind schreckliche Filmbilder und Szenarien, die du dir selbst niemals ausmalen würdest, erst einmal in deinem System, dann manifestierst du auch mehr Situationen in deinem Leben, die zu diesen Bildern passen.“

Manifestieren als Superkraft

Das „Manifestieren“ ist eine der Superkräfte, von denen Ketabi viel spricht – und die lässt sie sich ganz gewiss nicht von einem blöden Horrorfilm vermasseln. Begeistert erzählt sie, wie sie dank dieser Kraft wichtige Erfolge in ihr Leben gezogen hat: Das Vorwort, das ihr Idol Deepak Chopra für ihr allererstes Buch schrieb, obwohl sie damals gerade frisch von der Uni kam und noch bei ihren Großeltern lebte; ihr Ehemann, den sie als ihren „Gottesmann“ bezeichnet und mit dem sie in der Meditation schon kommunizierte, bevor sie ihn überhaupt kennengelernt hatte; und schließlich ihr neuestes Projekt, Rose Gold Goddesses, ein weltweites Kollektiv spiritueller Frauen, die sich Erleuchtung und Schwesternschaft auf die Fahnen geschrieben haben.

Begegnung mit Deepak Chopra

Als ich 2018 gerade die Yogalehrerin Rosie Acosta in deren Wohnung interviewte, bin ich Sahara Rose zum ersten mal begegnet. Sie kam spontan vorbei, um Rosie ein Exemplar ihres damals gerade erschienenes Ayurveda-Kochbuchs „Eat Feel Fresh“ vorbeizubringen. Ich hatte keine Ahnung, wer das ist – dabei war sie schon damals längst kein unbeschriebenes Blatt mehr: Ihr Podcast „Highest Self“ war in den USA die Nummer 1 in der Kategorie Spiritualität und auch ihr Buch „Idiot’s Guide to Ayurveda“ verkaufte wie kaum ein anderes Ayurveda-Buch – nicht zuletzt wegen des Vorwortes von Deepak Chopra.

Sahara Rose Ketabi

Wie sie das als junger Nobody hinbekommen hat? Ketabi erzählt die Geschichte nur allzu gerne: Sie hatte sich spontan zu einer Konferenz über Yoga und Naturwissenschaften angemeldet, als sie 2017 gerade in New York war. Gelangweilt in der hintersten Reihe eines vollgestopften Vortragsraums sitzend überlegte sie, ob sie nicht lieber abhauen sollte. „Ich dachte gerade: Das Einzige, was mich jetzt noch halten könnte, wäre ein Auftritt von Deepak Chopra. Da kündigte der Moderator an: Wir machen jetzt eine Mittagspause, aber zuvor wird unser Sponsor noch ein paar Worte sagen – und im selben Moment kam Deepak Chopra auf die Bühne, winkte lässig und sagte: „Hello everyone!“

Der Traum wurde Wirklichkeit

Während sich mehrere Hundert Konferenzteilnehmer zum Ausgang drängelten, kämpfte sich Ketabi zur Bühne vor und wartete geduldig, bis er sich ihr zuwandte. Sie habe gerade ein Ayurveda-Buch geschrieben, ob sie ihm mal ein PDF schicken könne? Der Mega-Star der alternativen Medizin gab ihr ohne zu zögern seine E-Mail-Adresse. „Ich war so aufgeregt: Was passiert jetzt?“, erinnert sich Sahara Rose. An diesem Tag meditierte sie fast 8 Stunden und stellte sich vor, Chopra würde ihr Buch lesen, es gut finden und eine Widmung oder gar ein Vorwort dafür schreiben. Was soll man sagen – genau so kam es.

Dem eigenen Dharma folgen

Sahara Rose Ketabi Ayurveda

Inzwischen ist Ketabi Mitarbeiterin von Deepak Chopras Wellness-App „Jiyo“, die beiden haben gemeinsam eine 31-Tage-Ayurveda-Challenge moderiert und arbeiten zusammen an einem Zertifizierungsprogramm für „Chopra Global“. „Es hat mir viel Freude gemacht zu sehen, wie Sahara in den letzten Jahren gewachsen ist“, sagt Chopra. „Sie ist ein echtes Beispiel für jemanden, der sein Dharma verkörpert.“ Das Thema Dharma – also die yogische Idee, dass jeder Mensch eine Bestimmung hat, die er erkennen und befolgen sollte – ist für Sahara zentral.

Fasziniert von Ghandi und Mutter Theresa

Schon früh war sie fasziniert von Frauen wie Mutter Theresa und Ida B. Wells. Als die Kinder ihrer Grundschulklasse sich als ihre Lieblingspersönlichkeit verkleiden sollten, wickelte sie sich in ein weißes Leintuch und ging zur Belustigung ihrer Familie als Gandhi. Mit 12 begann sie Yoga zu üben, mit 15 nahm sie an einem Freiwilligenprogramm für globale Gerechtigkeit teil, betreute Waisenkinder in Costa Rica und half mit, in Nicaragua einen Kindergarten aufzubauen. Ihr Bruder Amir berichtet: „Sahara folgt nur ihren eigenen Gesetzen. Schon mit 13, 14 war sie sich ihrer Privilegien sehr bewusst. Ich glaube, als Einwandererkinder der ersten Generation waren wir vielen Wahrheiten über diese Welt früher ausgesetzt als andere – und meine Schwester war felsenfest davon überzeugt, dass sie rausgehen musste und versuchen, etwas zu verändern.“

Lesetipp: Mit Yoga die Lebensaufgabe Dharma entdecken

Getrieben vom Drang Gutes zu bewirken

Heute ist sie sich sicher, dass dieser Drang, etwas Gutes zu bewirken, Ausdruck ihres Dharmas ist – und dass diese Bestimmung ihr gesamtes Leben antreibt und erfüllt. Damals waren es Bücher von und über politische und spirituelle Pioniere, die ihr dabei halfen, überhaupt eine Vorstellung davon zu entwickeln, wie ihr eigener Weg aussehen könnte. Lachend berichtet sie: „Wenn ich damals mit meinen Eltern Streit hatte, sagte ich: Ihr werdet sehen, eines Tages werde ich wie Deepak Chopra!“ Trotzdem entschied sie sich nach der Schule zunächst für einen politischen Werdegang: Sie studierte in Washington Internationale Beziehungen und wollte Menschenrechtsanwältin werden. Mehrere Praktika bei den in der US-Hauptstadt angesiedelten internationalen Hilfsorganisationen vermittelten ihr einen guten Einblick, wie Gelder beschafft und Strippen gezogen werden – entfernten sie dabei aber zugleich, wie sie heute sagt, immer weiter von ihrem eigentlichen Dharma.

Der neue Weg: Positives Denken und Ayurveda

Sahara Rose Ketabi Ayurveda

Schon nach wenigen Monaten fühlte sie sich erschöpft, deprimiert und litt unter unerklärlichen Verdauungsproblemen. Ihre Menstruation blieb aus, sie nahm immer mehr ab und wog mit 21 nur noch knappe 40 Kilo. Erst als sie begann, sich mit positivem Denken und gesunder Ernährung zu beschäftigen, begann das Blatt sich wieder allmählich zu wenden. Sie startete einen Blog, begann eine Ausbildung zur Ernährungsberaterin – und entdeckte auf diesem Weg die indische Gesundheitslehre Ayurveda. „All meine gesundheitlichen Probleme, aber auch meine Persönlichkeitsstruktur wurden mir durch Ayurveda im Zusammenhang verständlich“, erinnert sie sich.

Die Kombination aus Ernährung, pflanzlichen Heilmitteln und yogischer Atemarbeit setzte schließlich die Heilung in Gang: „Das erste, was mir auffiel, war, dass ich viel besser schlafen konnte. Das dauernde Geplapper in meinem Kopf wurde weniger und ich konnte klarer denken. Ich fühlte mich stabiler und friedvoller als je zuvor. Und endlich konnte ich Nahrung wieder verdauen, ohne mich mit Krämpfen auf dem Sofa winden zu müssen.“

Lesetipp: Pranayama einfach erklärt – Atemübungen für jeden

Weibliche Spiritualität

Unzufrieden mit den Möglichkeiten, in den USA authentisches Ayurveda zu studieren, schrieb sich Sahara einige Zeit später an einer Schule nahe Delhi ein. Da die Hälfte ihrer Vorfahren aus Indien stammen, fühlte sie sofort eine tiefe Verbindung mit dem Land und seiner Kultur. Zwei Jahre lang tauchte sie in die traditionellen Lehren des Ayurveda ein – doch zugleich dachte sie darüber nach, wie man sie für die heutige Zeit erneuern könnte. Einfaches Beispiel: Dass man im traditionellen Indien angesichts von hohen Temperaturen und geringen Möglichkeiten zur Kühlung niemandem raten kann, rohe Lebensmittel zu essen, liegt auf der Hand.

Traditionelle Lehren mit modernem Touch

Die moderne Ernährungswissenschaft hat dagegen eher den Reichtum an Nährstoffen im Blick und fordert ausdrücklich, viel frisches Obst und Gemüse zu essen – also darf man ayurvedische Rezepte heute ruhig ein wenig anpassen. Auch in den spirituellen Überlieferungen fand Ketabi vieles, das sie zu neuen Formen inspirierte. Vor allem die vedischen und hinduistischen Göttinnen hatten es ihr angetan. Mit gerade mal 23 Jahren begann sie, Göttinnen-Retreats für Frauen zu organisieren. Jeden Tag widmete sich die Gruppe einer anderen archetypischen Gottheit – mit Yoga, Meditationen, Tanz und ayurvedischen Ritualen: „Am Saraswati-Tag machten wir uns auf die Suche der uns angeborenen Kreativität“, erzählt Sahara, „am Radha-Tag übten wir herzöffnendes Yoga, am Kali-Tag gab es eine wilde Yoga-und-Tanz-Praxis und wir zelebrierten schamanische Schüttelrituale im Kreis.“ Dabei wurde ihr immer deutlicher, dass eine Frau all diese Qualitäten in sich vereinigt und aus dieser Fülle schöpfen darf.

Lesetipp: Shakti-Kraft – Warum sie dich stark macht

Sahara Rose Ketabi Ayurveda

„Darf ich über indische Göttinnen sprechen?“

Das kürzlich ins Leben gerufene Netzwerk Rose Gold Goddesses führt diese Idee weiter. Hier sollen sich spirituelle Frauen auf der ganzen Welt miteinander verbinden, austauschen und die archetypischen weiblichen Gottheiten der verschiedenen Kulturen erforschen. Dazu können Mitglieder des Netzwerks auf Yogaübungen, Rituale, Meditationen, Musik, Mantras und Mudras zu den einzelnen Göttinnen zugreifen. Als ich Ketabi frage, ob sie es nicht problematisch findet, sich das kulturelle Erbe anderer Völker auf diese Weise anzueignen, reagiert sie selbstbewusst: „Darf ich über die indischen Göttinnen sprechen, obwohl ich nicht in dieser polytheistischen Kultur aufgewachsen bin?“, fragt sie rhetorisch. „Na klar! Göttinnen gibt es in allen Kulturen und Religionen, es sind universelle Archetypen, die uns allen gehören. Ich finde, da wird zu sehr auf die Unterschiede geschaut, anstatt auf das Verbindende – wie sind doch alle Menschen.“

Anhörtipp: Modern Mantra Playlist

Frauen sind Rosen

Als ich Sahara Rose Ketabi zum letzten Mal an einem wolkenlosen Freitag in ihrer Wohnung besuche, hat sie ein paar Freundinnen eingeladen. Gemeinsam wollen die Frauen eine Göttinnen-Zeremonie zu Ehren von Saraswati feiern – oder allgemeiner gesprochen: zu Ehren der göttlichen weiblichen Kreativität. Wir setzen uns im Wohnzimmer in einen weiten Kreis. Sonnenlicht strömt von allen Seiten durch den Raum. Ketabi eröffnet die Zeremonie damit, jede der Frauen mit einer einzelnen Rose zu beschenken. „Diese Blume symbolisiert Schönheit, Eleganz, Kraft und Weisheit“, erklärt sie. „Aber eine Rose kann man sich auch nicht achtlos zu eigen machen und mit ihr anstellen, was man will: Sie hat Dornen und setzt sich zur Wehr.“

Lesetipp: Was ist ein Frauenkreis

Wie wichtig das in Zeiten von #Metoo ist, muss sie uns eigentlich nicht erläutern, aber das Thema brennt ihr auf der Seele: „Als Frauen möchten wir unsere Schönheit und das volle Spektrum dessen, was wir sind, mit der Welt teilen, aber da liegt ein dunkler Fleck über unserer Gesellschaft: Wir fühlen uns nicht sicher.“ Genau deswegen ist die Gemeinschaft unter Frauen so wichtig, die gegenseitige Unterstützung einerseits und das individuelle, persönliche und berufliche Wachstum andererseits. Eigentlich, meint Sahara, ist es ganz einfach: „Wir sind die Rose!“

Mehr über Sahara Rose auf iamsahararose.com und instagram.com.


Text: Lindsay Tucker / Fotos: Stefanie Vinsel Johnson

Trainierst Du noch oder übst Du schon? Machen Frauen aus den falschen Gründen Yoga?

Frauen Yoga

Beim Unterrichten sehen wir, bis auf den ein oder anderen Quotenmann, überwiegend Frauen auf der Matte. Natürlich ist das nur unsere subjektive Wahrnehmung. Trotzdem stellen wir uns schon länger die Frage, warum Yoga – ein vermeintlich männlicher Übungsweg – heutzutage mehr Frauen praktizieren. Und ob sie es aus den falschen Gründen tun.

Schlichtweg weil es ein Trend ist? Das Marketing perfekt auf Frauen ausgerichtet ist? Um abzunehmen? Oder führen körperliche Beschwerden und der Wunsch nach mehr Entspannung Frauen vermehrt in die Yogaklassen? Oder geht es vielleicht doch um Sinn-Suche und die tiefe Ahnung, dass es „mehr“ geben könnte …?

Es hat sich interessanterweise die Theorie verbreitet, dass Yoga angeblich eine männliche Praxis sei. Wenn wir heutzutage von Yoga sprechen, dann meinen wir damit größtenteils Yoga-Asana. Asanas – Körperhaltungen – zu üben, ist jedoch nur ein Weg unter den vielen des Yoga. Yoga ist ein Zustand. Ein Zustand der nicht gemacht, sondern nur erfahren werden kann. Ein Zustand, in dem alles verschmilzt und sich auflöst – so auch die Identitäten der Geschlechter. Yoga IST.

Yoga war immer auch weiblich

Es gab Zeiten, da wurden die Praktiken und Philosophien, die zum Zustand des Yoga führen, vermehrt von Männern ausgeübt und gelehrt. Aufgrund des Kastensystems und der Rollenverteilung, war es sicherlich schwieriger für das weibliche Geschlecht den Yoga-Weg zu beschreiten. Es lassen sich jedoch eindeutige Hinweise auf Yoga-praktizierende Frauen, Sadhus, Lehrerinnen, Mystikerinnen und erleuchtete Meisterinnen finden, auch wenn es weniger schriftliche Quellen dazu gibt. Yoga ist eine lebendige Tradition. Sie ist in Bewegung und im Wandel. Und so sind es eben heutzutage mehr Frauen, die Yoga üben, prägen, weitergeben und somit ein Netz aus Yoga über den Globus spannen, welches immer mehr Menschen untereinander und mit sich selbst verbindet.

Füllig zur Erleuchtung?

Seien wir mal ehrlich. Würde Frau in jeder Stunde zwei Kilogramm zunehmen, würde sie dann immer noch in den Yogaunterricht kommen und dafür bezahlen? Befreiung und Erleuchtung auch mit mehr Speck auf den Rippen erwünscht? Wir haben zwar keine offizielle Umfrage gemacht um den Sachverhalt zu klären, können aber mit großer Wahrscheinlichkeit die Frage mit NEIN beantworten.

Im Ernst, ja, wir glauben, dass Marketing und die Tatsache, dass Yoga ein hipper Lifestyle ist, auch Gründe sind, warum die Yogaklassen vor allem mit Frauen gefüllt sind. Natürlich kann Yoga schlank machen und einen sexy Po. Jedoch birgt der starke körperliche Fokus, mit dem heute oft Yoga TRAINIERT wird, unserer Meinung nach eine große Gefahr – vor allem in Zeiten von Social Media, in denen enormer Wert auf Image, Selbstdarstellung und Aussehen gelegt wird. Doch darauf kommt es im Yoga sicherlich nicht an. Was macht es mit Frauen, wenn sie sich zu sehr mit ihrem Körper und Instagram Account identifizieren?

Frauen im Yoga: Bauchfrei in Leo-Leggings

Wir finden, dass in den letzten Jahren, ein sehr bestimmtes Bild einer Yoga praktizierenden Frau entstanden ist: Sie ist eine immerwährende Mittdreißigerin, die bauchfrei in ihren bunt gemusterten Leoparden-Leggins eine top Figur macht. Dabei passt sie sich eher einer Erwartung, einem bestimmten Bild an, anstatt authentisch und wirklich sie selbst zu sein. Die Medien suggerieren uns täglich wie „frau“ auszusehen, sich zu verhalten und zu sein hat. Schade, dass sich dieses Muster auch im Yoga wiederfindet. Obwohl genau diese Marketing Strategie, nämlich eine schlanke, glückliche, gesunde und erfolgreiche Frau zu werden, viele ins Yoga führt, kann Yoga so viel mehr.

Üben um glücklich und frei zu sein

Natürlich sind nicht alle Frauen, die Yoga üben, Models und nicht alle lassen sich von den Trends beeinflussen. Viele folgen einem inneren Ruf. Einer Ahnung, dass es um „mehr“ geht. Am Ende ist es egal, ob mehr Frauen als Männer Yoga üben und wie sie dabei aussehen. Es geht darum, was für ein Mensch sie auf diesem Weg werden: Eine Frau oder ein Mann mit Herz und Mitgefühl. Jemand, der sich traut in die Tiefe zu gehen und es wagt mutig seinen authentischen Weg zu gehen, sein Licht zu zeigen, um somit die Welt ein Stückchen zu verändern. Yogini und Yogi, die üben, damit alle Lebewesen glücklich und frei sind. Lokah Samastha Sukinoh Bhavantu – Mögen alle Wesen Glück und Harmonie erfahren.


Die Autorinnen

Vero und Katrin lernten sich beim Yoga kennen. Beide gehen seit 2015 gemeinsam den Weg der weiblichen spirituellen Praxis. Zusammen möchten sie Frauen durch Frauenkreise und Yoga Retreats an ihre zyklische Natur erinnern und sie dabei unterstützen sich mit ihrer Shakti-Kraft zu verbinden.

Katrin Strohhäcker bietet neben ihren Vinyasa- und Yin-Yogastunden, Frauenkreise, Lomi Lomi Nui Massagen und spezielle Massagen für Frauen an. Des Weiteren bildet sie sich als Heilpraktikerin für Psychotherapie fort, um so ganzheitlich – auf körperlicher, geistiger und seelischer Ebene wirken zu können. Sie versteht sich als Begleitende, die Frauen auf ihrem individuellen Weg zu mehr Entspannung, Weiblichkeit und Freiheit unterstützt. In ihre Arbeit fließen ihre bisherigen Erfahrungen aus Yoga, Tantra, Taoismus, altem Wissen, sowie viel Begeisterung, Mitgefühl und Liebe ein. www.shakti.yoga

Veronika Hausberger

Veronika Hausberger unterrichtet Yoga und Pranayama auf Deutsch und Französisch in München. In der Essenz geht es ihr um Bewegung – körperliche und geistige! Als angehende Heilpraktikerin für Psychotherapie begleitet sie Menschen und geht selbst den Weg zu mehr Freiheit, Frieden und Zufriedenheit. Sie ist ausgebildet in Intrapsychischer Systemarbeit (IPS) sowie der intensiven Rebirthing Atemmethode. Sie vertieft ihr Wirken durch kreativen Tanz, Trance Dance und Ahnenarbeit. Mehr Infos unter www.ohlala.yoga

Verletzungsgefahr beim Yoga: Von der Kobra an die Krücke?

Verletzungsgefahr Yoga

Die Kobra ist nur eine von etlichen Asanas, die für immer mal für negative Schlagzeilen sorgt. Verletzungsgefahr beim Yoga ist immer wieder Thema in den Medien – und entfacht regelmäßig neue Diskussionen. Ein Zwischenruf.

Die Aufregungswelle begann vor ein paar Jahren mit einem Artikel in der „New York Times“. Er schilderte schockierende Gesundheitsschäden durch Yoga und löste einen Sturm der Entrüstung aus. Der Autor wurde als Skandaljournalist beschimpft, der mit Einzelfällen PR für sein Buch „The Science of Yoga“ mache. Später sorgte das Thema auch in Deutschland für Wirbel. „Von der Yogamatte an die Krücke?“ titelte die „Bild“ damals. „Tagesspiegel“, „Süddeutsche Zeitung“, „Stern“ und andere zogen nach. Alle unterstrichen die Risiken. 

Verletzungsgefahr beim Yoga – Ist die Aufregung berechtigt?

Dabei stellte keiner den gesundheitlichen Nutzen von Yoga in Frage. Ebenso wenig wie Internet-Kommentatoren die Gefahren leugnen. Warum also die ganze Aufregung? Vielleicht weil die Warnungen wegen der geringen Fallzahlen überzogen schienen? Weil manches einseitig und oberflächlich aufbereitet und nur mangelhaft belegt war? Oder vielleicht nur, weil wir unser schickes Image lieb gewonnen haben? Dabei bringt die Diskussion in meinen Augen mehr Nutzen als Schaden. Nicht nur, weil sie für die zweifellos bestehenden Verletzungsgefahr beim Yoga sensibilisiert.

Sie trägt hoffentlich dazu bei, das oberflächliche Bild zu differenzieren. Und sie kann den Blick schärfen für das, was Yoga eigentlich auszeichnet. „Wohlfühlsport“, „Meditationssport“, oder „Trendsport“. Das sind die Bezeichnungen, mit denen Yoga in Massenblättern fast immer beschrieben wird. Darin verbinden sich auf unheilvolle Art gleich zwei Mythen über Yoga. Das eine reduziert Yoga auf eine rein körperliche Praxis. Wenn man Yoga als Sportart ansieht, dann sind Ehrgeiz und Leistungsdenken nur die logische Folge.

Einige der Zeitungsartikel haben zurecht darauf hingewiesen, dass Ehrgeiz mit schlechter Anleitung das größte Verletzungsrisiko darstellt. Vernünftige Standards in der Yogalehrer-Ausbildung sind ein wichtiges Thema. Auch wenn die Verhältnisse in Europa weitaus besser sind als in den USA. Ein verantwortungsloser Lehrer kann seinen Schülern Schaden zufügen.

Hineinspüren um die Verletzungsgefahr beim Yoga zu verringern

Das darf aber nicht darüber hinwegtäuschen, dass auch der beste Yogalehrer Verletzungen nicht sicher verhindern kann. Wenn ein Schüler oder eine Schülerin unachtsam übt, wenn Vorschädigungen ignoriert werden oder man unbedingt mithalten will. Wir alle sind so sehr vom Leistungsdenken geprägt, dass es naheliegender ist, mittels Training und Willenskraft eine schwierige Asana zu meistern. Einfach mal „nur“ den Atem beobachten und Körpergefühl ausbilden?

Für die meisten von uns ist es eine echte Herausforderung, sich auch dann spüren zu lernen, wenn wir nicht an unsere Grenzen gehen, wenn wir bewusst sogar mal hinter unseren Möglichkeiten bleiben und kein Erfolgserlebnis suchen. Noch schwieriger ist es, sich selbst dabei zu beobachten, wenn falscher Ehrgeiz und Eitelkeit aufkommen. Genau diese Themen muss ein guter Yogaunterricht aufgreifen. Denn erst da beginnt Yoga überhaupt. Ohne diese Idee der Selbsterforschung sind Kobra, Kopfstand und Krähe nichts als akrobatische Gymnastik. Dabei sind Verletzungen unvermeidlich.

Wohlfühl-Image auf dem Prüfstand

Gleichzeitig verknüpft sich mit dieser geistigen Komponente aber das zweite unseelige Klischee. Dem „Trendsport“ wird ein spiritueller Mehrwert beigemessen. Und genau der macht Yoga in unserer konsumfreudigen Zeit so attraktiv. Selbst wenn sich die „Spiritualität“ oft auf ein paar Buddha-Figuren, Räucherstäbchen und Om-Klänge beschränkt. Das Wohlfühl-Image von Yoga weckt bei vielen Menschen ein fast kindliches Vertrauen. Sie sind davon überzeugt, dass Yoga ihnen „nur gut tut“.

Wer auf diese Weise ermutigt wird, zu üben, kommt nicht so leicht auf den Gedanken, auf sich aufpassen zu müssen. Auch deshalb ist es so wichtig, dass bei der Vermittlung von Yoga nicht Klischees bedient, sondern die Eigenverantwortung gestärkt werden. Ich will nicht behaupten, dass sich dann niemand mehr verletzen würde. Aber die Chancen, zu einem wirklich angemessenen, bewussten und sicheren Üben zu finden, stünden besser.

Titelbild: Foto von Karolina Grabowska von Pexels

Reise zu deinem inneren Kompass

Wainando Yogareise

Ein Städtetrip nach Paris, der geplante Strandurlaub in Italien oder zum Yoga-Retreat nach Indien – Reisen ist momentan nicht mehr so leicht wie vor der Pandemie. Aber was suchen wir bzw. glauben wir zu finden am anderen Ende der Welt? Vielleicht sollten wir vorher einfach mal ganz leise und achtsam in uns hineinhorchen, in die Stille gehen und uns fragen, was uns wirklich glücklich macht? Im Interview erzählt Michaela Müller von Wainando Travel, wie sich ihre Reisen durch die Ereignisse in 2020 verändert haben. //anzeige

Michaela, jedes Mal, wenn ich mir eure Internetseite anschaue, packt mich mein unbändiges Reisefieber. Wie kam es denn zu der Idee, Wainando zu gründen und was bedeutet der Name eigentlich?

Die Idee, einen Spezialreiseveranstalter für Sinnreisen zu gründen, hatte meine Schwester Bernita bereits vor vielen Jahren. Sie beschäftigt sich persönlich bereits seit 20 Jahren mit Meditation. Damals war allerdings noch nicht der richtige Zeitpunkt für eine Gründung. Doch dann hat sich das Bewusstsein vieler Menschen Stück für Stück verändert und der Wunsch vieler nach einer Atempause wurde immer größer. Dafür bin ich selbst ein gutes Beispiel. An so etwas hätte ich früher nie gedacht, aber 2013 war ich dann selbst auf einer Auszeitreise. Bei unseren Reisen geht es immer darum, die Magie des Augenblicks zu entdecken, indem wir uns eins fühlen. Das kann in der Begegnung mit der Natur sein, in der Meditation oder während man seinen Blick auf den weiten Ozean schweifen lässt. Es gibt so viele Wege, den einen magischen Augenblick und die Magie in uns zu spüren.

Der Name Wainando spiegelt das wieder, richtig?

Ja. denn „Wai“ bedeutet auf Maori fließendes Gewässer und symbolisiert das Im-Fluß-sein und das Reisen. „Ananda“ steht im Sanskrit für Freude und Glückseligkeit. Übersetzt bedeutet Wainando so viel wie Reise zum Glück, denn bei uns geht es immer darum, nicht nur Orte, sondern auch sich selbst zu entdecken.

Wainando Yogareise
Michaela in Neuseeland, ihrem ganz persönlichen Kraftort …

Hattest du selbst auch schon so ein magisches Reise-Erlebnis?

Oh ja, als ich gemeinsam mit meinem Freund ein halbes Jahr in Asien und in Neuseeland unterwegs war. Das war eine echte Reise zu mir. Reisen ist für mich nicht das Gleiche wie Urlaub. Auf Reisen verlassen wir unser gewohntes Terrain. Das bringt auch Herausforderungen, aber die Begegnung mit anderen Kulturen, anderen Traditionen gibt uns einen anderen Blickwinkel, Inspiration, Anregung, eine andere Sicht auf die Dinge. Und Kraftorte wie zum Beispiel Neuseeland und Island wirken da aus meiner Sicht wie ein Turbobooster!

Und genau diese Kraftorte bietet ihr mit Wainando heute an, oder?

Ja genau. Aber das muss nicht immer so weit weg sein, wichtig ist uns, dass es ein besonderer Ort ist. Neben unseren Fernzielen haben wir auch ganz viele tolle Reisen in Deutschland und Europa – egal ob Yogaurlaub, Ayurvedakur, Naturauszeit oder Meditationsretreat.

Apropos Meditation … Wir haben bei euch Themen wie „Wege in die Stille“ und „Reisen zu dir“ entdeckt. Erzähl doch mal, was sich dahinter verbirgt …

Stille ist ein echtes Herzensthema von meiner Schwester und mir, weil sie uns selbst so tief berührt. Echte Stille ist an keine Bedingungen geknüpft: Sie entsteht in unserem Inneren. Dort reichen Sorgen und Zweifel nicht hin. Hier gibt es keine einfachen, sondern echte Antworten auf die großen Fragen des Lebens. Seit jeher ziehen sich die Menschen an friedvolle Orte zurück, um sich von der Stille inspirieren zu lassen. Bei einem Stille-Seminar oder einem individuellen Retreat von Wainando erfahren Reisende, dass Stille eine Oase des Friedens ist, aber auch Herausforderungen mit sich bringen kann.

Wainando Yogareise
„Reise zu Dir“: Hier können sich die Reisenden selbst entdecken, das Selbstbewusstsein fördern und in ihre eigene Stärke finden, erzählt Michaela.

Klingt nach Erholung pur und Stressabbau.

Auf jeden Fall. Vor allem unsere Erlebnisse in der Rubrik „Reise zu Dir“ sind schwerpunktmäßig Persönlichkeitsseminare und Anti-Stress-Reisen. Hier können sich die Reisenden selbst entdecken, das Selbstbewusstsein fördern und in ihre eigene Stärke finden. Gerade jetzt ist es extrem wichtig, unseren Alltag in Stresssituationen zu meistern. Auf unseren Reisen versuchen wir das nötige Handwerkszeug dafür zur Verfügung zu stellen.

Das klingt sooo schön, würde am liebsten sofort meinen Koffer packen. Jetzt war das Jahr 2020 ja für die meisten von uns nicht leicht. Was hat sich bei euch durch die Pandemie verändert?

Auch für uns war es nicht immer einfach. Die letzten Monate haben unsere Welt gefühlt einmal komplett umgekrempelt. Ich bin da auch ein bisschen stolz auf uns, wir waren mutig und haben uns unseren Ängsten wirklich gestellt. Und das hat uns stark gemacht. Wir durften 2020 Ängste loslassen, haben so viel Unterstützung erfahren und konnten viele Menschen auf besondere Auszeiten schicken. Dafür sind wir sehr dankbar. Wir haben das Gefühl, genau am richtigen Platz zu sein und mit unseren besonderen Reisen, die Menschen dabei zu unterstützen, in ihre Stärke zu finden, den inneren Kompass wieder ausrichten zu können.

Ein großer neuer Trend ist ja das Erleben vor der eigenen Haustür geworden. Raus in die Natur, spazieren gehen, die Felder und Wälder um uns herum neu entdecken und schätzen lernen.

Oft spüren wir das magische Gefühl, ganz verbunden zu sein, an besonderen kraftvollen Orten. Aber jetzt durften wir erleben, dass diese Verbundenheit tief in uns zu Hause ist – ganz egal, wo wir gerade sind. Aus diesem Gefühl heraus haben wir die letzten Monate tolle neue Auszeiten kreiert – mit viel Raum für Individualität, stiller Natur und inspirierenden Begegnungen. So haben wir nun viele neue Wainando-Herzensplätze vor der Haustür.

Michaela Weinando
„Herzensplätze gibt es auch vor der Haustür,“ erzählt Michaela.

Das heißt ihr bietet jetzt auch so etwas wie Sinnesreisen Zuhause an?

Wir haben tatsächlich eine neue Reisekategorie eingeführt, die „Zuhause“ heißt. Dort haben wir viele Online-Angebote mit sehr erfahrenen Yoga- und Meditations-Lehrern. die man ganz bequem von zuhause aus in Anspruch nehmen kann. (Anm. der Redaktion: Hier gibt es z.B. Mini-Retreats oder Achtsamkeits-Übungen für zuhause.)


Michaela und Bernita Müller von Wainando Yoga Reise

Die beiden Schwestern Michaela und Bernita Müller haben Wainando im April 2015 gegründet und bieten seitdem individuelle Meditations-, Yoga, Ayurveda und Natur- & Abenteuerreisen an. Ob Schweige-Retreat, Yogaurlaub oder Austausch mit Gleichgesinnten, ob Reisen in warme, kalte, nahe oder ferne Gefilde – alle Kraft-Ziele und Reisethemen sind handverlesen und erprobt. Im Fokus steht die individuelle Beratung. So findet sich für jeden die individuell maßgeschneiderte Lösung, um auf Reisen wieder bei sich anzukommen. Mehr Info: wainando.de

Titelbild: Michaela Müller

Mythbuster: Kann man durch Yoga abnehmen?

Yoga abnehmen

Im heutigen Mythbuster-Beitrag geht Yogalehrerin Eva der Frage nach, ob man durch Yoga abnehmen kann und warum das ein heikles Thema ist.

Tatsächlich wird mir diese Frage vor oder nach Yogakursen häufig gestellt – und wie man sich denken kann, fragen mich zu 99 Prozent Frauen. Es ist ein heikles Thema, und von daher möchte ich vorab klar Stellung beziehen: Ich persönlich esse was mir schmeckt, ich mache Sport, weil ich grundsätzlich Spaß an Bewegung habe, und es gibt für mich nichts, was weniger über deine menschlichen Qualitäten aussagt, als die Zahl, die deine Waage anzeigt.

Ich helfe immer wieder jungen Mädchen auf dem beschwerlichen Weg, sich mit ihrem Körper anzufreunden und den Bildschirmschoner meines Handys ziert das wertvolle Zitat „I am more than my body“. In der Tat, wir sind so viel mehr als diese äußere Hülle.

Kalorienverbrauch beim Yoga

Im Vorfeld dieses Artikels wollte ich es ganz genau wissen und schaltete meinen Fitness-Tracker vor einer Yogastunde an. Und ich war über das Resultat überrascht. Es handelte sich um eine All-Level-Stunde mittlerer Intensität mit Anfangsmeditation, ein paar Sonnengrüßen und dem Fokus auf Steh- und Balancehaltungen: Mein Durchschnittspuls betrug 87 Schläge pro Minute, und das Maximum waren 106. Die Gesamtzeit des Kurses betrug 63 Minuten, jedoch berechnete mir der Tracker nur eine effektive Trainingszeit von 13 Minuten – die restliche Zeit, satte knapp 50 Minuten, verbuchte er als Pause! Der „Trainingseffekt“ lag bei null. Wäre ich jemand, der die Yogaeinheit wegen des Kalorienverbrauchs besucht hätte, wäre ich enttäuscht gewesen: Magere 35 Kcal zeigte meine Uhr an. Diese Zahl stimmt meiner Meinung nach allerdings nicht und müsste geringfügig nach oben korrigiert werden. Die Pulswerte finde ich aber sehr realistisch.

Ist Yoga Sport?

Dennoch sind dies natürlich alles nur Richtwerte, auch wenn es nun klar sein sollte, in welche Richtung dieser Artikel gehen wird. Auch aus diesem nüchternen und zahlenbasierten Blickwinkel kann man vorab schon sagen: Yoga ist kein Sport! Und es gibt YogalehrerInnen, die allein schon die Verwendung eines Fitness-Trackers, einer Pulsuhr oder Armbanduhr während des Kurses kritisch kommentiert oder gar verboten hätten – mit Recht!

Im Gegensatz dazu stehen meine Werte z.B. beim HIIT-Training mit knapp unter 200 Pulsschlägen und einem so hohen Kalorienverbrauch, dass ich das Studio danach bereits mit einem Bärenhunger verlasse. Und auch im Yoga gab es bereits Kurse, bei denen ich Pfützen geschwitzt habe, bei denen mir der Schweiß eine Kontaktlinse aus den Augen gespült hat und ich danach mein Shirt auswringen konnte. 

Lesetipp: Mythbuster – Detox im Yoga

Gewicht verlieren mit Yoga?

Der Kalorienverbrauch von einer „normalen“ Yogaeinheit ist aber nur etwa mit einem leichten Spaziergang für ungefähr dieselbe Zeitspanne vergleichbar. Und hier geht es wohlgemerkt nur um Kalorien, und nicht um kardiovaskuläre Werte, die Muskelarbeit o.Ä.

Wenn man relativ schnell und effektiv Gewicht verlieren möchte, dann fehlt einer Yogastunde u. A. der Herz-Kreislauf-Aspekt, denn der Großteil findet im deutlich aeroben Bereich statt: Der Körper hat zu jeder Zeit genügend Sauerstoff zur Verfügung, und der Puls befindet sich im moderaten oder entspannten Bereich. Eine sehr ruhige Stunde kann sogar kontraproduktiv sein, da sämtliche körperliche Vorgänge, und somit auch der Stoffwechsel, heruntergefahren werden! Ganz anders als bei einem intensiven Fitnesskurs, der erwiesenermaßen einen Nachbrenneffekt hat.

„Von nichts kommt nichts“, und das gilt definitiv auch, wenn man sein Gewicht reduzieren möchte. Für einen effektiven Gewichtsverlust ist einerseits aerobes Training ein Schlüssel zum Erfolg, ebenso wie die Zunahme an Muskelmasse, denn im Muskel wird Fett verbrannt. 

Lesetipp: Mythbuster – Dehnt Yoga die Beinrückseiten?

Es gibt also durchaus intensive(re) Formen des Yoga, die Kraft und Ausdauer fördern können. Somit ist ein gewisses Potenzial für einen Gewichtsverlust gegeben. Typische Ausdaueraktivitäten wie Joggen, Radfahren oder Schwimmen sind aber insbesondere für mehrgewichtige Menschen um ein Vielfaches effektiver und inklusiver.

Yoga formt den Körper

Dass regelmäßiges Yoga das äußere Erscheinungsbild dennoch verändern kann, ist häufig augenscheinlich. Ein Grund dafür ist, dass die Muskulatur überwiegend im langen Zustand trainiert wird, ähnlich wie beim Ballett oder Pilates. Die Ernährung kann durch Yoga bewusster werden und man überlegt sich immer genauer, welche Mahlzeit man sich vor oder nach dem Yoga gönnt.

Darüber hinaus hilft der danach hoffentlich gesunkene Cortisol-Level vielen „Stress-Essern“, den einen oder anderen Snack wegzulassen. Vielleicht beginnt man auch, sich eingehender mit den Prinzipien des Yoga zu befassen und entscheidet sich zum Beispiel für die fleischlose Ernährungsweise. 

Yoga ist kein Sport und Einheiten, die das Erreichen irgendeines Schönheitsideals versprechen („Get the Yoga-butt!“), treiben die westliche Absurdität auf die Spitze. Häufig lässt sich kaum noch unterscheiden, ob man vielleicht nicht doch versehentlich im BBP-Kurs gelandet ist, und im Yoga soll es doch genau nicht um das Körperbild gehen, sondern viel eher darum, sich davon zu lösen!

Intention des Yoga nicht der perfekte Körper

Ja, man kann also mit Hilfe von Yoga abnehmen. Bewegung ist fast immer besser als keine Bewegung. Stehen verbrennt mehr Kalorien als Sitzen, und Sitzen verbrennt mehr Kalorien als Liegen. Möchte man aber effektiv an Gewicht verlieren, dann gibt es kaum eine schlechtere Wahl, als hierfür einen Yogakurs zu besuchen. Plus: Die Intention des traditionellen Yoga ist völlig konträr zu körperlichen Trainingszielen oder dem Schönheitsdiktat.

Auch möchte ich mein Schlusswort für ein letztes, wichtiges Statement nutzen, da ich es immer wieder erlebe: Es ist nicht an uns, das Körpergewicht anderer Personen zu kommentieren. Unverfänglicher, harmloser Smalltalk geht anders. Ich möchte daran appellieren, den Gewichtsverlust einer gesunden, normalgewichtigen Person nie zu loben, nie zu thematisieren, und nie zu motivieren. Änderungen der Konstitution gehen selten mit positiven Erlebnissen oder einer positiven Grundstimmung einher. Ich kenne keinen fröhlichen, nicht-oberflächlichen und nicht-fremdgesteuerten Grund, aus dem man mit seiner Figur unzufrieden ist, Gewicht verlieren möchte oder es bereits getan hat.


Yogacycle by eva

Unsere Mythbuster-Kolumnistin und Yogalehrerin Eva kommt ursprünglich aus dem Leistungssport. Aufgrund einer gesunden Neugier liebt sie es, sich mit anatomischen Fragen auseinanderzusetzen und so den eigenen Körper besser zu verstehen. Zusätzlich nutzt sie ihr Wissen, um die Yogawelt immer inklusiver zu machen. Mehr Infos auf Instagram: @yogacycle_by_eva. Porträtbild: Sonja Netzlaf www.sonjanetzlaf.com

Titelbild: Photo by Conscious Design on Unsplash

Starke Mitte: Mini-Practice

Foto von Oluremi Adebayo von Pexels

Zur Zeit können wir von Strand und Freiheit nur träumen. Aber vielleicht kannst du dich gedanklich einfach an einen Ort versetzen, an dem du für diese Übungen gerne sein möchtest. Die Sequenz stärkt die Muskeln in der Tiefe des Rumpfes. Und genau diese sind der Schlüssel zu mehr Stabilität und einer besseren Haltung.

Tipp zu Beginn: Jede Übung baut auf die vorhergehenden auf. Werde dir dabei bewusst, wie Rumpf und Glieder zusammenarbeiten, um die äußere Form einer Haltung einzunehmen. Dann fällt es dir einfacher, den Rumpf und deine starke Mitte gezielt zu kräftigen.

Warm-Up für eine starke Mitte

Wenn dir die verschiedenen Varianten des Sonnengrußes aus dem Ashtanga Yoga vertraut sind, dann übe je zwei Runden Surya Namaskar A und B, anderenfalls vier Runden von deinem gewohnten Sonnengruß. Das wärmt die Muskeln auf und mobilisiert die Gelenke. Füge in jedem Fall drei bis vier tiefe Ausfallschritte pro Seite ein, um Leisten und Oberschenkel zu dehnen. Anschließend übst du einige Stehhaltungen wie Virabhadrasana II (Krieger II) und Prasarita Padottanasana (Vorwärtsbeuge aus der Grätsche), um auch Beininnenseiten und Hüften zu lockern.

Delfinbrett

So geht’s: Du beginnst im Vierfüßlerstand und legst Unterarme und Hände flach und parallel am Boden ab. Richte die Ellenbogen genau unterhalb der Schultern aus, das heißt die Oberarme stehen senkrecht. Dann wandere mit den Füßen nach hinten, bis Beine, Becken und Schultern eine Linie bilden. Ziehe die vorderen Rippen und den unteren Bauch sanft Richtung Körperrückseite. Die Zehen­ballen sind tief nach unten verwurzelt und du schiebst die Beine vom Becken aus bis in die Fersen kraftvoll nach hinten. Der Kopf ist so weit gehoben, dass der Nacken seine natürliche Wölbung beibehält, Brust und Schädeldecke sind nach vorn gestreckt.

bauch_yogajournalTipp: Versuche, die Haltung fünf Atemzüge lang zu halten, dann setze die Knie ab und entspanne dich eine Weile in Bauchlage oder Balasana (Stellung des Kindes). Anschließend wieder­holst du die Übung zwei weitere Male. Mit der Zeit kannst du dann die Dauer steigern.

Schräges Delfinbrett

schraeges_delphinbrett_yogajournalSo geht’s: Halte im Delfinbrett beide Unterarme am Boden und stelle zunächst den linken Fuß auf seine Außenkante und den rechten Fuß darüber. Dabei stehen die Füße auf der Mittellinie der Matte, also in einer Achse mit der Mitte zwischen den Unterarmen. Verteile das Gewicht möglichst gleichmäßig auf beide Arme. Auch hier streckst du die Füße wieder nach hinten und Brust und Schädeldecke nach vorn. Ziehe den unteren Bauch nach hinten und spüre, wie sich die Vorderseite des Beckens Richtung Brust hebt, während die Rückseite sich zu den Fersen hin bewegt. Nach fünf Atemkreisläufen pausiere einen Moment, dann wechselst du die Seiten. Wiederhole anschließend die Übung zwei weitere Male. Mit der Zeit steigere die Dauer. Spürst du deine starke Mitte?

Dreibeiniger Hund
Mitte_Yogajournal

So geht’s: Du beginnst in Adho Mukha Shvanasana (herabschauender Hund). Ziehe das rechte Knie zur Brust, ohne dabei das Gewicht nach vorn zu verlagern. Dabei kann es notwendig sein, die linke Ferse anzuheben, während du die Körpervorderseite nach oben zur Wirbelsäule ziehst. Das Knie ist dicht bei den Rippen, die Daumenballen verwurzeln sich nach unten und das Becken streckt sich nach hinten und oben. Bleibe einen Moment lang in dieser Haltung, spüre die Dichtheit der Körperrückseite, die Kraft des Rumpfs und die Integration der einzelnen Elemente der Haltung. Wahre diese Verbindung, wenn du nun das rechte Bein langsam nach hinten ausstreckst. Hebe das Bein nur so weit, dass du die Beckenkämme parallel halten kannst. Nach fünf Atemzügen gehe über zur nächsten Übung.

Knie-Zum-Arm-Brett

So geht’s: Verlagere aus dem dreibeinigen Hund das Gewicht nach vorn in die Bretthaltung und ziehe gleichzeitig das rechte Knie zum rechten Oberarm. Bleibe einen Moment lang in der Haltung, um alle Details, an denen du in der bisherigen Sequenz gearbeitet hast, noch einmal abzurufen. Knie_Arm_YogajournalDie Körpervorderseite hebt sich zur Körperrückseite hin, während die linke Ferse nach hinten schiebt. Die Hände sind unter den Schultern ausgerichtet, die Arme schmiegen sich zueinander hin und sind kraftvoll gestreckt. Brust und Schädeldecke sind nach vorn gezogen. Nach fünf tiefen Atemzügen streckst du das rechte Bein langsam wieder in den dreibeinigen Hund.