Zurück zur Klarheit: Yoga ohne Schnickschnack

Die Yogawelt mutiert immer mehr zu einem Konsumtempel. Während man sich früher einem Yogalehrer anvertraute, weiß man sich heute kaum noch in der Vielfalt von Lehrern, Stilen und Workshops zurechtzufinden. Ein Plädoyer für mehr Schlichtheit – für Yoga ohne Schnickschnack.

Flugs rennen wir zu einem neuen Yogalehrer oder üben einen neuen Stil, wenn uns der alte nicht mehr zusagt. Auf der neuen rutschfesten Yogamatte (mit integriertem Duft und Buddha-Köpfchen) schauen wir überallhin, nur nicht dorthin, wo der eigentliche Schauplatz sein sollte: in unserem Inneren. Wir gehen zu hundert verschiedenen Workshops und natürlich zu den angesagtesten Lehrern. Wir versammeln uns auf Konferenzen, erkennen uns an den feschen bunten Leggings und fühlen uns so hip, als wären wir soeben für den Oscar nominiert worden.

Geht es im Yoga nur noch ums „Sehen und Gesehen-Werden“?

Schlimmer noch: Der Faktor „Sehen und Gesehen-Werden“ wird immer wichtiger in unserer schillernden Yogawelt. Zeigen, was man hat, wer man ist, lautet die Devise. Die Wachheit bekommen wir von unserem fetten Starbucks-Käffchen und fertig ist die Laube. Es ist Zeit, nachzudenken. Ich sage: Wir müssen umdenken. Wie wäre es, sich einfach auf einen einzigen Lehrer einzulassen? Und wenn es dann mal ungemütlich wird, nicht gleich die Biege zu machen? Yoga ist an jeder Ecke zu haben. Das ist auch gut so, doch die Lehre wird in eine bubblegumartige Masse verwandelt und dadurch bisweilen so klebrig und rosa wie Zuckerwatte. Brauchen wir tatsächlich alle zwei Wochen eine neue Leggings oder Yogamatte? Nein!

Yoga ohne Schnickschnack: Rückbesinnung auf das Wesentliche

Wir verzetteln uns, verlieren den Überblick und die Klarheit! Aparigraha gehört zu den fünf Yamas und bedeutet so viel wie Nicht-Anhäufen und keine Habgier zulassen. In der Yogastunde üben wir barfuß. Wir nehmen Kontakt zu uns und der Erde auf. Atmen. Schaffen Raum, um nach innen zu schauen und uns nach außen zu öffnen. Wir nehmen Abstand von unserem Abstand, tauchen ab in die Weite des eigenen Selbst und wenn wir Glück haben, entsteht dadurch eine wundervolle Klarheit und Sensibilität. Es geht überhaupt nicht darum, keinen Spaß mehr zu haben. Nur sollten wir uns wieder stärker auf das Wesentliche besinnen. Warum haben wir angefangen zu praktizieren? Um zu uns selbst zu finden, uns wieder stärker zu spüren? Oder um uns mit der perfekt durchgestylten Frau auf der Matte neben uns zu messen?

Weniger Zeit im Netz verschwenden

Der Fokus sollte dahin gehen, dass wir genau prüfen, wo wir unsere Energie hinlenken. Quillt mein E-Mail-Postfach vor lauter Newslettern über? Dann sollte ich aussortieren, Raum schaffen. Mich nicht ablenken lassen von der Vielfalt und mich in der Konzentration auf das Wesentliche üben. Im Yoga und im Buddhismus wird dies so schön als „Einpünktigkeit“ bezeichnet. Wie viel Zeit verschwenden wir im Internet, sammeln wahllos „Likes“ und Freunde? Drücken unachtsam und vorschnell einen „Gefällt mir“-Button und wundern uns dann, dass wir bei Facebook mit Müll überschwemmt werden?

Lass deinen Geist zur Ruhe kommen

Auch Yoga kann in Stress ausarten. Wenn wir zum Beispiel in mehreren Yogastudios gleichzeitig Mitglied sind und uns überhaupt nicht entscheiden können, bei wem und wo wir überhaupt üben wollen. Und letztendlich so überfordert sind, dass wir zu Hause bleiben. Durch Yoga wollen wir unsere Gedanken und Gefühle entzerren. Für mich bedeutet das, in mir selbst aufzuräumen, damit wieder eine Verbindung entstehen kann. Wenn aber von allem zu viel da ist, kann der Geist nur sehr schwer zur Ruhe kommen. Generell sollte meiner Meinung nach der Trend wieder mehr Richtung Schlichtheit gehen. Lasst uns Yoga ohne viel Schnickschnack üben und den eigenen Raum durch mehr Klarheit und Fokus erweitern!


Die Autorin Madhavi Guemoes möchte mit ihrem Yoga Blog Menschen dazu animieren, facettenreich und lebensbejahend über sich und das Leben nachzudenken.

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