Mantra für Hingabe: N°9

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Mantra Yoga Journal

Govinda Jaya Jaya
Gopala Jaya Jaya
Radha-Ramana Hari
Govinda Jaya Jaya

Sieg und Ehre seien Krishna, dem Hirtenjungen, dem göttlichen Kind, dem Liebhaber Radhas – Ehre, Ehre!

Dieses liebliche, freudig im Kirtan gesungene Mantra preist das Göttliche in der schönen Gestalt Krishnas, und zwar in seinem Aspekt als Flöte spielender Hirtenjunge, der die Menschen des nordindischen Dorfes Gokul einst bezaubert hat. Die klassische Krishna-Legende „Bhagavta Purana“ berichtet, dass die Dorfbewohner nicht wussten, dass Krishna ein Gott ist. Sie wussten nur, dass sie ihn liebten. Eines Nachts, bei Vollmond, vervielfachte Krishna seine Erscheinung und tanzte auf einer Waldlichtung mit allen Milchmägden des Dorfes zugleich. Jedes der Mädchen wurde von selbstsüchtigen Gedanken ergriffen: „Krishna ist mein, er gehört nur mir!“ In diesem Augenblick verschwand der Gott – für alle Mägde außer für Radha. Nur sie hatte ihre begrenzte Erfahrung des Selbst und ihre weltlichen Anliegen völlig vergessen und in der Liebe zu Krishna das Gefühl des Getrenntseins überwunden. Die Geschichte ist eine Allegorie über die Macht der Hingabe, über die Schönheit, die in der Erfahrung liegt, ganz in der Betrachtung des Göttlichen aufzugehen. Wenn wir das Govinda-Mantra singen, feiern wir diese göttliche Macht, die in der Lage ist, uns vollständig zu ergreifen und das Bewusstsein in allumfassender Liebe aufgehen zu lassen.


Christopher D. Wallis, von dem dieser Kommentar stammt, ist Sanskrit-Gelehrter an der University of California in Berkeley/USA. 05 – 2010