Vegan: Worauf muss ich achten

Interview mit Ökotrophologin Dr. Gunda Backes: „Einen Mangel merkt man leider nicht sofort.“

Unter welchen Mangelerscheinungen können Veganer leiden?

Veganer müssen besser als Vegetarier und „Fleischesser“ darauf achten, den richtigen Nährstoffcocktail zu sich zu nehmen. Denn die Mangelerscheinungen merkt man nicht unbedingt sofort, sondern erst nach Jahren. So kann man unter Umständen bei einem längerfristigen Jodmangel irgendwann einmal an einer Schilddrüsenunterfunktion leiden. Auch einen Vitamin B12-Mangel erkennt man nicht auf Anhieb. Bei Eisen registriert man den Mangel viel schneller. Man fühlt sich müde und ist anfälliger für Infekte.

Wie äußert sich ein Vitamin B12-Mangel?

Vitamin B12 ist wichtig für das Zellwachstum und Nervensystem. Es kann sein, dass jemand, der über einen längeren Zeitraum gar keine tierischen Produkte zu sich nimmt – und B12 ist ja fast nur dort enthalten -, im späteren Alter unter Depressionen, Psychosen, Blutarmut oder Gewichtsabnahme leidet. Es gibt eine Menge problematischer Auswirkungen eines Vitamin B12-Mangels. Darum sollte man B12 rechtzeitig als Ergänzungsmittel einnehmen. Lassen Sie sich beraten, welches Präparat und welche Dosis für Sie angemessen sind.

Wozu braucht man alpha-Linolensäuren?

Alpha-Linolensäure gehört zur Gruppe der Omega-3-Fettsäuren. Diese sind bei der Hirnbildung von Kindern beteiligt und schützen Erwachsene vor koronaren Herzerkrankungen und anderen Krankheiten. Wenn fettreiche Seefische und Eier als Hauptquellen wegfallen, sollte man verstärkt hochwertige Pflanzenöle zu sich nehmen.

Ist es überhaupt möglich, KEINE Mangelerscheinungen zu haben?

Ja, prinzipiell ist das möglich. Man sollte aber nicht einfach Fleisch und Milchprodukte weglassen, sondern seine komplette Ernährung anpassen. Das heißt zum Beispiel Margarine und Pflanzenöle einplanen, damit man ausreichend Omega-3-Fettsäuren aufnimmt. Dazu viel calciumreiches Gemüse wie Brokkoli und Grünkohl verzehren, Wasser und Fruchtsäfte trinken, die extra mit Calcium angereichert sind, damit es nicht zu einem Mangel kommt. Insgesamt muss ein Veganer auf einen vielfältigen Speiseplan achten, mit sehr viel Obst und Gemüse, ausreichend Hülsenfrüchten, Nüssen und Vollkornprodukten. Ideal ist es, sich von einer qualifizierten Ernährungsfachkraft beraten zu lassen.

Stimmt es, dass man bei Babys schwere Störungen feststellen kann, wenn die Mutter sich in der Schwangerschaft vegan ernährte?

Hinweise aus der Literatur zeigen, dass eine strenge vegane Ernährung beim Fötus zu Wachstums- und Entwicklungsstörungen führen kann. Meiner Meinung nach sollte man dieses Risiko erst gar nicht eingehen.

Was würden Sie einer veganen Schwangeren raten?

Entscheidend ist, den Nährstoffhaushalt im Blick zu behalten und auch regelmäßig die Blutwerte zu kontrollieren. Dann kann man gezielt mit Nahrungsergänzungsmitteln einem Mangel vorbeugen. Aber man sollte bedenken, dass Schwangere sowieso häufig einen höheren Bedarf an Eisen, Jod und Magnesium haben und Ergänzungsmittel einnehmen zu müssen. Ich sehe vegane Schwangerschaften daher sehr kritisch, besonders im Hinblick auf die Vitamin B12-Versorgung.

Gibt es tatsächlich Studien, die belegen, dass Fleisch krank macht?

Es gibt Studienergebnisse, die zeigen, dass jemand, der sehr viel rotes Fleisch ist, mindestens 125 Gramm am Tag, möglicherweise ein leicht erhöhtes Risiko für Krebs und koronare Herzerkrankungen hat. Dies fällt natürlich bei Vegetariern und Veganern weg. Allerdings ernährt man sich nicht automatisch gesünder, wenn man Fleisch weg lässt! Aber eine gesündere Lebensweise hängt nicht nur mit der Ernährung zusammen, sondern meist auch mit anderen Faktoren. Ernährungsbewusste Menschen machen oft mehr Sport, trinken weniger Alkohol oder rauchen nicht. Es ist schwierig, einzelne Faktoren zu trennen.

Wo soll man sich beraten lassen?

Angeblich sind viele Ärzte nicht gut ausgebildet auf diesem Gebiet. Nicht jeder Arzt ist ein Ernährungsmediziner. Zudem ist der Begriff Ernährungsberater nicht geschützt. Es ist darum wichtig, sich vorher gut zu informieren, damit man an einen qualifizierten Berater gerät. Informationen finden Sie beim Verband der Oecotrophologen (www.vdoe.de) oder bei Ihrer Krankenkasse.


Gunda_BackesMehr Infos zum Thema finden Sie auf der Homepage von Dr.Gunda Backes: www.nutricomm.de

YogaWorld Journal 5/26
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