„Das Wissen vom langen Leben“: Drei verjüngende Ayurveda-Tipps

Als „Wissenschaft vom langen Leben“ sollte Ayurveda eigentlich wissen, wie das geht mit dem guten Altwerden. Und tatsächlich kennt die traditionelle Gesundheitslehre Indiens viele gute Tipps, um bis ins hohe Alter vital, gesund und leistungsfähig zu bleiben.

Text: Kerstin Rosenberg / Titelbild: © Lightfield Studios / Shutterstock

Morgens warmes Wasser trinken, regelmäßige Ölmassagen, eine ausgewogene, antioxidantien-reiche Ernährung und wirkungsvolle Nahrungsergänzungen (sogenannte Rasayanas): Wer den ayurvedischen Empfehlungen für eine gesunde Tagesroutine folgt, macht eigentlich fortlaufend eine Verjüngungskur. Ohne viel Tamtam oder teure Zusatzprodukte optimieren die Regeln der Ayurveda-Ernährung nachhaltig den Zellstoffwechsel und damit eine jugendliche Ausstrahlung und Körperkraft. Ganz zentral dabei ist die Ernährung: Mit frischen, regionalen Nahrungsmitteln, ausgewogener Geschmacksvielfalt und verdauungsfördernden Gewürzen wird der Stoffwechsel auf nachhaltige Weise gestärkt. Auch die Kombination der Nahrungsmittel und die Mengen spielen eine wichtige Rolle, um toxische Verdauungsrückstände (sogenanntes Ama) und Blockaden in den Zirkulationskanälen (Srotas) zu vermeiden.

3 verjüngende Ayurveda-Ernährungsregeln

1. Wähle Nahrungsmittel, die einen regenerativen Zellstoffwechsel stärken. Dazu gehören alle grünen Blattgemüse, Sprossen, Mungbohnen, Trauben, Mangos, Avocados sowie Mandeln, Walnüsse, Sesamöl und Ghee.

2. Verwöhne deinen Körper mit hochwertigen Ölen, sei es innerlich beim Essen oder äußerlich mit regelmäßigen Ölmassagen. Je nach Jahreszeit und Konstitution empfehlen sich naturbelassenes Sesam- und Kokosöl, kaltgepresstes Olivenöl und Ghee aus Sauerrahmbutter.

3. Vermeide ungünstige Nahrungsmittelkombinationen:

  • Milch mit rohen Früchten, Fisch und Fleisch
  • Milchprodukte (wie Joghurt oder Käse) mit Tomaten, Zitrusfrüchten oder Beeren
  • Fisch, Fleisch und Eier zusammen in einem Menü

Glücklich altern – wie geht das ayurvedisch?

Ältere Frau in Trikonasana Ayurveda
© Lightfield Studios / Shutterstock

60 sei das neue 40, wird immer häufiger propagiert, Schönheits-OPs und Botox haben Hochkonjunktur und Greise nennen sich lieber „Best-Ager“. Warum fällt es uns heutzutage so schwer, das natürliche Altern zuzulassen und zu akzeptieren? Es ist sicherlich nicht leicht, dabei zuschauen zu müssen, wie der eigene Körper Spannkraft, Kontur und jugendliche Schönheit verliert. Vielmehr noch ist es aber eine spirituelle Herausforderung, im Alter den richtigen Platz in der Gesellschaft einzunehmen. Bis zur Mitte unseres Lebens – also bis in die Vierziger hinein – sind wir energetisch mit allem ausgestattet, was uns ein Leben auf der Überholspur erlaubt: Karriere, Familie, soziales Engagement und erfolgreiche Selbstständigkeit – alles und noch mehr ist gleichzeitig möglich!

Lesetipp: „Warum das Altern ein Rebranding braucht“ – Interview mit Elena Lustig

Die 3 Gunas und ihre zugehörigen Lebensphasen

Das Erklärungsmodell aus Yoga und Ayurveda dazu lautet, dass die menschlichen Lebensphasen Kindheit, Lebensmitte und Alter von den drei universellen Grundkräften Tamas, Rajas und Sattva bestimmt werden. Rajas, die mentale Aktivität, Tatkraft und Produktivität ist von Mitte 30 bis Ende 40 besonders stark ausgeprägt. Das heißt, wir strotzen in dieser Phase des Lebens vor Kraft und dem Willen, unsere Ideen und Wünsche erfolgreich umzusetzen. Viele von uns tragen große Verantwortung, nehmen berufliche Führungspositionen ein oder gehen mutig ihren ganz eigenen Weg.

Lesetipp: „Ayurveda-Lehre: Verlieren Frauen ihre Weiblichkeit“ von Kerstin Rosenberg

Ab Anfang 50, wenn die Meno- und Andropause beginnt, nehmen die rajasischen Kräfte ab. Damit scheint der persönliche Erfolgsstern zu verblassen. Wir werden sanftmütiger, aber auch weniger effizienzorientiert und produktiv. Mit dem ansteigenden Alter sehen wir die „Jungen“ an uns vorbeiziehen und dabei Positionen besetzen, Aufgaben meistern und Erfolge feiern, die wir in den letzten Jahren selbst für uns beansprucht haben. Eine echte Herausforderung für das Ego!

Nun heißt es, in Würde zu altern und die Techniken von Yoga und Ayurveda nicht nur für den körperlichen Anti-Aging-Effekt zu nutzen, sondern auch zur inneren Gelassenheit und Transformation. Pranayama, Meditation und die regelmäßige Einnahme von Brahmi (Bacopa monnieri, siehe unten) sind der Schlüssel zur Balancierung von Körper, Geist und Seele. Jetzt geht es darum, innerlich zu reifen und den Zustand zu erlangen, der in den indischen Schriften umschrieben wird als: „wenn sich Liebe und Weisheit umarmen“: Sattva.

Ayurveda-Tipp: Brahmi als Nahrungsergänzung

Das nach Gott Brahman benannte Brahmi (Bacopa monnieri) ist die optimale Heilpflanze für den ganzheitlichen Alterungsprozess. Sie wird traditionell zur mentalen Stärkung der spirituellen Entwicklung eingesetzt, wirkt positiv auf alle neurologischen Funktionen, verbessert das Gedächtnis und aktiviert den regenerativen Zellstoffwechsel. Die optimale Pflanze also, um auf gesunde, strahlende und gelassene Weise zu altern.


Kerstin Rosenberg Ayurveda

KERSTIN ROSENBERG ist eine international bekannte Ayurveda-Expertin, Seminarleiterin und Buchautorin. Gemeinsam mit ihrem Mann Mark leitet sie das Ayurveda Gesundheits- und Kurzentrum in Birstein. Mehr Infos unter www.rosenberg-ayurveda.de


Hier erklärt dir Kerstin Rosenberg die drei Gunas im Detail und gibt dir sattvische Rezept-Tipps mit auf den Weg:

YogaWorld Journal 5/26
YogaWorld Journal 5/26

Das Neueste

Vollmondkalender 2026: So wirkt der Vollmond am 26. Oktober im Zeichen Stier

Wann ist Vollmond?  Der nächste Vollmond am 26. Oktober 2026 steht um 5:09 Uhr im Zeichen Stier. Welche Energien...

Moonlight Yoga-Praxis mit Patricia Thielemann

Die meisten Aktivitäten stehen im Zeichen der Sonne. Sie sind gekennzeichnet durch Hitze, Anstrengung und Willenskraft. Der Mond symbolisiert...

7 Dinge, die richtig gute Yogalehrer*innen ausmachen

Die Yogalehrerausbildung ist kein Zuckerschlecken - dir wird einiges abverlangt und es gibt viel zu lernen.  Wir möchten dir...

Neurozentriertes Yoga – Teil 2: Koordination

Nachdem wir im ersten Teil dieser Serie Stabilität hergestellt haben, geht es nun darum, diese Basis zu nutzen, um...

Wecke ein höheres Bewusstsein: Feuerpraxis von Patrick Broome

Nach der Vorbereitung durch die stabilisierende Mondpraxis und die energetisierende Sonnenpraxis zeigt uns Patrick Broome hier die dritte und...

Die beliebtesten Yoga Symbole, ihre Bedeutung und wie du sie in die Praxis einbindest

Kennt ihr diese typischen Yoga Symbole, die man auf Yoga-Kleidung oder Schmuckstücken sieht? Manche verewigen sie sogar in Form...

Pflichtlektüre

Das könnte dir auch gefallen
Unsere Tipps