Good Vibrations zu Hause: So helfen dir Ganesha & Co. bei der Home Practice

Momentan brauchen wir immer häufiger etwas Konzentration und Stille in den eigenen vier Wänden. Mit einfachen Mitteln verwandelst du einen Teil deiner Wohnung in einen kleinen Tempel. Mache ihn zu einem kleinen Rückzugsort für deine Meditations- und Yoga-Praxis.

Du sitzt 24/7 zu Hause und kommst trotzdem zu nichts? Ein fester Termin an einem ganz bestimmten Ort in der Wohnung hilft sehr beim regelmäßigen Üben. Dann ist da noch die besondere Atmosphäre im Yoga-Raum: Auch wenn manche Yoga-Studios auf Schlichtheit schwören, fällt es einem doch leichter, sich zu konzentrieren, wenn irgendwo im Raum eine kleine Buddha-Statue steht. Oder wenn auch nur ein Bild von Shiva den Weg zur Stille weist.

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Genau das kannst du zuhause erreichen. So wie das Singen eines Mantras den Geist zur Ruhe führt, so lassen sich alle Sinne mit einfachen Mitteln ansprechen und beruhigen. Genau so wie ein heißes Bad sich schöner anfühlt, wenn eine Kerze brennt, so kannst du für deine persönliche Yoga-Zeit einen ganz besonderen Raum schaffen.

Ganesha räumt Hindernisse aus dem Weg

Welche Hindernisse gibt es, die dich vom regelmäßigen Üben zu Hause abhalten? Was lässt dich bei der Meditation in den eigenen vier Wänden nicht die gleiche Stille erfahren, wie im Yoga-Studio? Viele brauchen die Umgebung des Studios, um sich konzentrieren zu können. Denn in der eigenen Wohnung gibt es immer etwas, das einen ablenkt. Warum nicht jemanden einladen, der all das beiseite räumt? Denn egal, wie bescheiden der Raum in der Wohnung ist: Für einen Elefanten ist immer Platz.

Ganesha, die Gottheit mit dem gemütlichen Bauch und dem Elefantenkopf, ist weit über Indien hinaus bekannt als der, der Hindernisse aus dem Weg räumt. Wenn wir ihn mit seiner stabilen Statur und seinem starken Rüssel anschauen, bekommen wir ein inneres Bild von Kraft. Die Abbildung seiner Wesenszüge dient uns, diese Möglichkeiten in unserem eigenen Wesen zu sehen. Wenn ein Ganesha auf unserer Fensterbank – oder noch besser: auf unserem eigenen Altar – steht, dann erinnert uns diese Figur an diesen Teil unserer Persönlichkeit, der stets da ist und den wir nur aktivieren müssen. Indem wir die Yogamatte ausrollen.

Aller Anfang ist leicht – mit einem Elefanten vor Augen

Das Schmunzeln bei seinem Anblick gibt Frische und Energie. Im indischen Pantheon steht Ganesha auch für den guten Beginn aller Aktivitäten. Mit dem kurzen Mantra “Om Gam Ganapathaye Namah” auf den Lippen erklären wir laut uns selbst gegenüber, dass wir Kraft haben. Das funktioniert auch über die Yogamatte hinaus. Ein kleiner Altar in der Ecke des Raumes, in dem wir Asanas üben, beflügelt unsere home practice.

Räucherstäbchen: Respekt vor der Schönheit der Schöpfung

Wir können diese zusätzliche Energie auch für die Geschäfte unseres Alltags nutzen. Im asiatischen Raum wedeln die Ladenbesitzer zu Beginn des Tages einige Male mit Räucherstäbchen vor der Elefantenfigur. Damit drücken sie Respekt vor der Schönheit der Schöpfung aus – und erledigen gleich nebenbei schon mal ein paar Bestellungen beim Universum.

Krishna und Lakshmi: Fülle ins Leben bringen

Menschen, denen die Dinge zufallen, können es sich leisten, großzügig zu sein. In der indischen Tradition des Sanatana Dharma gilt dieses Prinzip auch umgekehrt. Wer großzügig ist, dem fällt Wohlstand zu. Die Göttin Lakshmi und ihre männliche Entsprechung Vishnu (meist in seiner Inkarnation als Krishna) verkörpern Fülle und Fruchtbarkeit. Auf dem Altar platziert kannst du ihnen stets eine kleine Gabe schenken, eine Kerze oder eine Schale Milch – bevor die Katze sie dann schnappt und sich göttlich darüber freut. Jedes Mal, wenn du solche “rituellen” Handlungen ausführst, hinterlassen sie einen kleinen Eindruck im Geist, der ungefähr lautet: “Ich kann es mir leisten.” Auf diese Weise lernst du, wie viel du anderen schenken kannst. Stehen sie auf dem Hausaltar, erinnern sie dich immer wieder daran, wie zufrieden du sein kannst, und dass vielleicht sogar größere Kräfte für dich sorgen, als der Verstand zu erfassen in der Lage ist. Bhakti – die Hingabe an das Leben wächst mit jedem Gedanken an solche Energien.

Shiva Nataraj: Den Tanz des Universums tanzen

Setzt du dich in der eigenen Wohnung zur Meditation, dann gibt es unter Umständen noch einiges um dich herum, das zu erledigen wichtig scheint, und vom Stillwerden ablenkt. Ein Bild von Shiva auf dem Altar erinnert daran, dass auf dem Weg des Yoga nicht alles immer so wesentlich ist, wie es aussieht. Deshalb lieben selbst kühle Raja-Yogis die Verehrung des Göttlichen in Shiva. In seiner sitzenden Form kannst du ihn darum bitten, ablenkende Gedanken auf dem Weg in die Meditation aufzulösen. Tritt er als Nataraj – den Tanz des Universums tanzend – auf,  dann inspiriert er beim Üben der Asanas dazu, alte Ideen über die Grenzen des Körpers fallen zu lassen. Mit Shiva auf dem Altar kannst du dir erlauben, auch bisher ungewohnte Haltungen mit dem Körper einzunehmen, auf die neue Möglichkeiten des Denkens und Fühlens folgen können.

Ein Platz für die Götter

Für den Anfang brauchst du nicht viel. Eine Kiste oder sogar ein paar Kartons können für den Anfang genügen. Mit einem schönen Tuch abgedeckt wird daraus ein erhabener kleiner Altar. Dem Ausschmücken sind keine Grenzen gesetzt. Auch was du alles darauf platzierst, bleibt dir überlassen. Lasse deiner Phantasie freien Lauf, und wählen, was dich selbst berührt.

Egal, für welche Symbole oder “Begleiter” du dich auf deinem Altar entscheidest – behandle sie so wie Gäste in deiner Wohnung. Dann fühlen sie sich bei dir auch wie zu Hause. Die Murtis – so nennt man die Figuren, die es in den verschiedensten Größen und Ausführungen zu kaufen gibt – kannst du immer so schmücken, dass alle fünf Sinne angesprochen werden. In der Bhakti-Tradition nennt man das “Aufladen”.

Schmücken für die Sinne

Der Geruchssinn wird mit einem Räucherstäbchen verwöhnt. Vielleicht auch mit ein paar frischen Blüten oder Blütenblättern, die gleichzeitig das Auge erfreuen. Eine kleine Klangschale, eine Klingel oder Zimbeln kannst du vor der Meditation nutzen, um dich über den Ton zu zentrieren, und mit dem Ausklingen des Gongs in die Stille zu gehen. Für den Geschmack stellst du frisches Obst oder ein paar Nüsse zu ihnen. Wenn vor Ganesha Süßigkeiten liegen, dann kannst du sicher sein, dass er im Raum ist. Selbstverständlich darfst du die Opfergaben, das Prasad, später auch selbst essen. Krishna-Verehrer schwenken ihre Speisen stets einige Male vor dem Altar, bevor sie diese selber kosten.

Ein Altar ist immer ein erfrischender Ort für Achtsamkeit und Besinnung. Ihn zu verschönern kann in sich selbst eine Meditation sein, die etwas Ruhe im Alltag schenkt. Dann lädt er auch zwischendurch immer wieder zum kurzen Auftanken ein.

Rituale sind ein Fest für die Sinne

Im Bhakti-Yoga nehmen Rituale wie Pujas (Opferrituale) oder Feuerzeremonien einen großen Raum ein. Obwohl sie in der Tradition der Brahmanen zu bestimmten Anlässen streng reglementiert sind, kannst du sie auch leicht in freier Form zuhause feiern. Die äußeren Tätigkeiten bei einer Puja dienen dem Anregen positiver Gedanken und Gefühle. Es geht nicht um eine formvollendete Verehrung von Stein- oder Metallfiguren, sondern darum, das Wesentliche im eigenen Herzen lebendig zu machen. Übrigens: Auch Kindern macht das oft großen Spaß. Gerade jetzt eine wunderbare Beschäftigung für Groß UND Klein.


Unser Autor Ralf Sturm arbeitet als Yoga- und Meditations-Lehrer sowie als Paar- und Sexualtherapeut. Mehr Infos über ihn gibt’s auf www.middendorf-sturm.de

Fotos: Patrick Lenninger

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