Alkohol und Yoga: Energy? Drink!

Alkohol Drink Sommer
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Gesellschaftlicher Schmierstoff oder gefährliche Droge? Beim Thema Alkohol lautet die Antwort ganz klar: beides! Kann der Drahtseilakt zwischen Genuss und Gefahr gelingen? Unsere Autorin versucht sich dran, Alkohol und Yoga zu verbinden.

„Intensives Rubinrot, feine Röstaromen, eleganter Geschmack von Schwarzkirschen und Waldfrüchten…“ Verdrehst du auch innerlich die Augen, wenn du über solche Beschreibungen von Chardonnay und Pinot Noir stolperst? Ich ja nicht, ich finde die super! Ich habe an VHS-Weinseminaren teilgenommen, Winzer in der Wachau besucht, und bin bei einem Online-Weinhandel als Stammkundin registriert. Kurz: Ich liebe Wein, genieße ihn oft und gern.

Frauen trinken mehr, als ihnen gut tut

Das ist allerdings nur die halbe Wahrheit. Denn manchmal ist der kühle Weiße auch ein Mittel zum Zweck. Er bringt mich auf Partys in Stimmung, entspannt mich nach einem stressigen Arbeitstag und macht aus mir einen deutlich geselligeren Menschen, als ich es von Natur aus bin. Und das ist natürlich gefährlich, denn Alkohol ist nun mal ein Nervengift mit Suchtpotenzial, dessen Konsum in Deutschland rund 74.000 Mal tödlich endet (Quelle: Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung). Weil ich das weiß, mache ich so ziemlich jeden Test, den ich zum Thema Alkoholismus finden kann und bekomme stets das Ergebnis: „Joa, geht gerade noch, aber aufpassen sollten Sie schon …“ Damit liege ich im Trend, denn gerade Frauen in mittleren Jahren trinken hierzulande oft mehr, als ihnen gut tut.

Alkohol-Abstinenz: Schnell mehr Energie

Hilft nix, zu denen gehöre ich, und darum lege ich alljährlich eine mehrwöchige Alkohol-Pause ein, um zu kontrollieren, wie es mir ohne geht und um meinem Körper Erholung zu gönnen. Und er dankt es mir schnell! Schon nach wenigen Tagen schlafe ich besser, fühle mich fitter, straffer und beweglicher. Zudem habe ich weniger Appetit auf fettig-salzigen Mist und mehr Lust auf Obst und Gemüse. Partys fallen mir gar nicht so schwer, höchstens vielleicht am Anfang, wenn ich schnell in den Feier-Modus wechseln möchte, und am Ende, wenn alle um mich herum wirre „Weisheiten“ von sich geben oder lustige Balztänze erfinden und ich mich ein wenig fehl am Platz fühle. Aber hey – so merke ich wenigstens, wann es Zeit ist zu gehen und werde am nächsten Tag mit einem klaren Kopf belohnt. Kurz: Ich bin deutlich energiegeladener als sonst in diesen abstinenten Wochen.

Alkohol und Yoga: Passt das zusammen?

Tja. Wenn das alles so super ist, wa­rum fange ich dann jedes Jahr wieder an zu trinken? Zumal Rausch und Yoga ja nun mal so gar nicht zusammenpassen, führt bei letzterem der Weg zur Klarheit und Erkenntnis doch unter anderem über Selbstbeherrschung und eben nicht das unbekümmerte Nachgeben solcher Gelüste.

Aber kennst du das? Manchmal bastelt man sich aus verschiedenen Positio­nen seine eigene Philosophie zurecht und passt sie hübsch dem eigenen Lebensstil an. In meinem Fall mündet das mitunter in Gedanken wie diesen. Womöglich liegt manche Klarheit auch im Nebel, womöglich birgt der Rausch eine spezielle Form von Energie. Keine körperliche, klar. Aber vielleicht eine emotionale? Ich werde nicht die einzige sein, die unter Alkoholeinfluss schon mal hemmungslos Tränen vergossen. Oder fremde Menschen umarmt hat. Sind diese Gefühlsausbrüche künstlich? Irgendwie ja und irgendwie nein. Fakt aber ist: Die Emotionen sind ja ganz offensichtlich in mir. Und darum sind sie auch wahr. Alkohol verschafft mir einen Zugang zu ihnen. Sicher nicht den gesündesten, vernünftigsten, aber einen eben doch. Auch die ganz eigene Energie eines leicht aus dem Ruder geratenen, weinseligen Abends unter Freunden ist eine, die ich nicht missen möchte.

Genuss ohne Reue

Vielleicht rede ich mir das natürlich nur schön. Und vielleicht ist das sogar okay. Dazu eine kleine Anekdote. Eine Freundin schlich sich einst während eines Ashram-Aufenthalts nachts vor die Tür, um heimlich eine Zigarette zu rauchen, als der Sohn des Gurus sie dabei erwischte. Anders als befürchtet, rügte er sie nicht, sondern schürte ein Feuerchen und brachte ihr ein Kissen, auf dem sie es sich bequem machen konnte. Seine Erklärung: „If smoking is still your desire, why not make it comfortable?“ Wenn du noch das Verlangen hast zu rauchen, warum machst du es dir dabei nicht gemütlich? Insofern verzeihe ich mir meine Lust am Trinken, behalte sie aber im Auge. Und zum Bier- oder Wein-Yoga (ja, gibt’s beides!) zieht es mich sowieso trotzdem nicht. Denn Taube, Krieger, Baum & Co. genieße ich dann doch lieber mit klarem Kopf.

Lies hier mehr über Alkohol und Yoga.


Besonders leicht fiel CARMEN SCHNITZER ihre Alkohol-Auszeit 2017 auf Bali, wo die Auswahl an spritfreien Getränken im Lokal so verlockend war (Lemongrass-Splash! Drachenfrucht-Saft!), dass sie ihren geliebten Riesling kein bisschen vermisste.

Woman Power – Interview mit Melanie C

Nach einem langen Interviewtag zieht Melanie C für das Interview mit YOGA JOURNAL erst einmal die Schuhe aus und macht es sich auf dem Hotelbett gemütlich. Das Fast-Savasana schafft ideale Bedingungen für ein Gespräch über ihre Entwicklung vom kickboxenden „Sporty Spice“ Girl zur reflektierten Solo-Künstlerin, die vor allem an der Mutterrolle gewachsen ist.

YJ: Melanie, als „Sporty Spice“ warst du in den 1990er-Jahren das am wenigsten schrille, geerdetste Mitglied eurer Supergruppe. Dein Solo-Album hast du „Version of Me“ genannt. Welche Version deines Selbstes möchtest du mit ihm zeigen?

MC: Am jetzigen Punkt meines Lebens fühlt es sich an, als würde ich ein neues Kapitel aufschlagen. Ich bin jetzt 42 Jahre und habe das Gefühl, dass ich die Verantwortung für mich selbst spätestens jetzt alleine tragen sollte. Die meiste Zeit meines Erwachsenenlebens war ich in einer Position, in der mir viel abgenommen wurde. Menschen, die in der Öffentlichkeit stehen, erleben das oft: Dein Umfeld will dich schützen, was nicht immer gut tut. Andere erledigen deine Drecksarbeit, was die unangenehmen Dinge aus deinem Blickfeld rückt und dich daran hindert, das zu tun, was einfach getan werden muss. Damit verneinst du einen großen Teil deiner selbst.

Was hat bei dir in puncto Verantwortung und Identität einen Hebel umgelegt?

Eindeutig die Mutterrolle, sie hat alles verändert. Seit der Ankunft meiner Tochter vor acht Jahren sehe ich jeden Tag, wie dieses wunderschöne neue Wesen heranwächst und wie stark sie sich an mir orientiert. Ich bin die wichtigste Instanz, die ihr in Bezug auf sich selbst und andere Werte vermitteln kann. Um das glaubwürdig zu tun, muss ich sehr klar in meinen Haltungen und Entscheidungen sein – und mich selbst gut behandeln. Das soll sie auf jeden Fall von mir lernen. Diese Verpflichtung hat mich stärker gemacht und lässt mich öfter auch den schwierigeren Weg gehen. Damit hat sie mir einen riesigen Gefallen getan.

Ist sie also eine wichtige Beraterin?

Früher habe ich immer gedacht, dass sich in der Erziehung die Erwachsenen an die Kinder richten, aber meine Tochter hat mir sehr viel über mein inneres Kind beigebracht. Als Kinder sind wir mutig und haben eindeutige Bedürfnisse. Im Laufe des Aufwachsens ändert sich das, wir passen uns den Erwartungen anderer an. Daher bin ich wie nie zuvor auf der Suche nach meiner Essenz und möchte neu entdecken, wer ich wirklich bin. Daraus entstand „Version of Me“.

Von „Girl Power“ zu „Woman Power“?

Sicher habe ich eine Art Erwachsenwerden durchlaufen und erkenne deutlicher, was wirklich wichtig ist. Ich und alle in meinem Londoner Umfeld sind dem Zeitgeist gemäß ständig abgelenkt und in hohem Tempo unterwegs – davon handelt mein Song „Escalator“. Dieser Drang nach Besitz und Status macht mich allerdings nicht glücklich, und meine Tochter hält mich diesbezüglich fest auf dem Boden.

Der Song „Dear Life“ handelt vom Umgang mit der eigenen Vergangenheit. Wie siehst du heute die Mel C vor 20 Jahren? Beziehungsweise das Image, das dir verordnet wurde?

Es war tatsächlich Teil meiner Entwicklung, mit der öffentlichen Wahrnehmung von mir klar zu kommen. Die Spice Girls waren ein solches Riesending und jahrelang ein gefundenes Fressen für die Klatschpresse, besonders die sensationsgierigen Medien in meiner Heimat. In der Tat ist es seltsam, dort über eine Frau zu lesen, die ich selbst sein soll, die aber total entfernt von meinem Selbstverständnis ist. Das war immer schwierig für mich und fiel zu allem Überfluss mit der Entwicklungs­phase Anfang Zwan­zig zusammen, in der man ohnehin noch nicht­ weiß, wer man ist und wohin alles führt. Das hat mich manchmal ganz schön aus der Bahn geworfen.

Für eure Fans war der „Girl Power“-Slogan hin­­gegen eine kraftvolle Message. 

Mir selbst haben die Spice Girls auch viel Kraft gegeben! Unsere fünf sehr unterschiedlichen Persönlichkeiten waren der Grund für die bunte Dynamik der Band. Der Zusammenhalt war sehr stark, gemeinsam haben wir fast die ganze Welt gesehen. Allein wäre ich von dem luxuriösen Umfeld und den berühmten Menschen, die wir auf einmal trafen, sicher sehr eingeschüchtert gewesen. Später habe ich allerdings herausgefunden, dass es auch gut ist, sich hin und wieder unbehaglich zu fühlen. Es bringt dich dazu, Fragen zu stellen.

Auf dem Cover deines neuen Albums ist dein Gesicht nicht zu sehen, ganz prägnant hingegen dein Markenzeichen, ein tätowiertes Kreuz auf dem Oberarm. Warum hast du dich für das Symbol statt für einen offenen Blick in die Kamera entschieden?

Ich dachte mir, dass das Kreuz hohen Wiedererkennungswert hat und den Menschen einen Anhaltspunkt gibt. Gleichzeitig ist „Version of Me“ mein bisher persönlichstes Album, es zeigt mich quasi von innen. Deshalb wollte ich auch auf dem Cover den Blick explizit nach innen richten.

Eine gute Überleitung zu Yoga, das du seit vielen Jahren praktizierst. Wann und wie hast du damit begonnen?

Noch zu Spice-Girls-Zeiten lebten wir Bandmitglieder in einem gemeinsamen Haus bei London und ­trainierten­ regelmäßig im lokalen Fitnessclub. Dort ging ich mit meiner Bandkollegin Geri Halliwell in meine erste Yogastunde. Ich hatte bereits eine Tanzausbildung und daher eine gut entwickelte Körper-Geist-Verbindung. Yoga sprach mich also unmittelbar an – die Ausrichtung, der Flow, die Energie, die Dehnung… Als ich später in Los Angeles meine erste Solo-Platte aufnahm, habe ich gleichzeitig meine Yoga­praxis vertieft­ und zwar mit einer Privatlehrerin, da ich zu Ungeduld neige und es unbedingt richtig und individuell auf mich zugeschnitten lernen wollte. Ich habe zu meinen dynamischsten Zeiten mit Ashtanga Yoga begonnen, dann kamen Iyengar und Bikram. Heute zieht mich Vinyasa Flow sehr an, ich übe viel mit Claire Missingham bei TriYoga in London.

Stichwort „Sporty Spice“: Als Athletin waren Kraft und Flexibilität anfangs sicher kein Thema für dich. Welche neue Qualitäten hast du durch die Praxis entdeckt?

Ich bin auch heute noch sehr sportlich, betreibe Krafttraining und liebe es, außer Atem zu kommen. Yoga bringt mich in Balance zu meinen anderen Aktivitäten, außerdem direkt in den Moment und zu mir selbst. Es ist eine sehr schöne, ästhetische Praxis, herausfordernd und dabei harmonisch. Yoga und Meditation beruhigen die Seele.

Welche Unterstützung bietet dir die Yogaphilosophie im Alltag?

Bei „Version of Me“ hatte ich erstmals auch als Produzentin volle kreative Kontrolle über ein Album. Ausgleich dazu fand ich über die Praxis des Loslassens. Ich gehe gerne in den Wettkampf, nehme zum Beispiel an Triathlons teil, aber nicht gegen andere, sondern um mich selbst zu verbessern und bessere Übergänge zu schaffen. Loslassen bedeutet für mich, nicht jeden Tag perfekt sein zu müssen, sondern zu akzeptieren, dass an jedem Tag alles anders ist.

Zurück zur Essenz, die sich hinter Erziehung und Sozia­lisierung verbirgt: Wo findet man sie im Zeitalter der festen Schönheitsstandards und der sozialen Medien, die kein Geheimnis mehr erlauben?

Alles wird ständig „geteilt“, ich weiß. Wir alle kennen das Bedürfnis, von anderen gesehen zu werden, vielleicht auch aus der Masse hervorzustechen. Ich wollte das als Kind unbedingt, aber für mich hatten echte Stars wie Madonna auch etwas Mysteriöses. Berühmtheit und Anerkennung waren für mich das Nebenprodukt besonderer Ausstrahlung und wirklichen Könnens, kein davon losgelöstes Phänomen. Auch in dieser Hinsicht möchte ich meiner Tochter Balance vermitteln.

Übst du auch gemeinsam mit ihr Yoga?

Hin und wieder. Ich erinnere mich an eine Stunde im Urlaub, als sie 6 Jahre alt war. Ich musste sie die ganze Zeit beobachten, bis sie mich ermahnte, nicht ständig zu ihr herüberzuschauen, sondern es ernst zu nehmen. Der Lehrer sprach in Shavasana mit starkem indischen Akzent von entspannten Hummeln und Schmetterlingen, und ich konnte nicht aufhören zu kichern. Sie hingegen schlief ein. Da sagte der Lehrer: „Sie macht es richtig.“

Knie im Yoga: Tipps von Timo Wahl zum empfindlichsten Körperteil

Lotussitz Knie
Der Lotussitz kann ganz schön auf die Kniegelenke gehen. Yogalehrer Timo Wahl erklärt worauf du achten musst und stellt einfachere Varianten vor.

Das Knie wird im Yoga oft stark beansprucht. Hier räumt Yoga-Lehrer Timo Wahl  mit Missverständnissen aus der Praxis auf. Plus: Tipps wie du das empfindlichste Körperteil beim Yoga dank einfacher Variationen schonen kannst.

Knieprobleme sind in der Yoga-Szene ein altbekanntes und offenbar offiziell gebilligtes Problem, scheinen diese doch fast zwangsläufig die Begleiterscheinung einer intensiven körperlichen Praxis zu sein. Man könnte, übertrieben dargestellt, fast zu dem Resultat gelangen, Knieprobleme seien einer der wichtigen Meilensteine in der Entwicklungsgeschichte einer ernsthaften Yoga-Praxis. Dabei sind es nicht die Positionen selbst, die Beschwerden auslösen, sondern meist ein falsch verstandenes Dogma um die Ausführung der entsprechenden Asanas. Leider tragen zu dieser Fehlmeinung immer noch zahlreiche Yoga-LehrerInnen bei, die eine einzige als „richtig“ geltende Ausführungsvariante propagieren – unabhängig von Geschlecht, Alter und Körperkonstitution des Übenden.

Verletzungen, aber ohne Schmerz

Eines der Hauptprobleme bei Verletzungen des Kniegelenks ist, dass der eigentliche Schaden oft erst dann durch einen Schmerz signalisiert wird, wenn die Verletzung ein bestimmtes, meist irreversibles Ausmaß angenommen hat. Diese Tatsache führt dazu, dass Teilnehmer während der Yoga-Praxis Über­lastungen und sogar Schäden oft gar nicht bemerken und munter weiter ihre Beine verknoten – allerdings ohne die nötige körperliche Voraussetzung.

Knie und Yoga – Anatomische Grundlagen

Gelenke sind die beweglichen Verbindungen zwischen zwei oder mehreren Knochen. Sie bestehen aus deren verdickten Enden, welche jeweils mit einer dünnen Knorpelschicht überzogen sind, um eine reibungslose Bewegung zu ermöglichen. Diese Knorpelflächen werden über die Knochenhaut versorgt – ein wichtiger Vorgang, der durch die ­Bewegung des Gelenks angeregt wird. Die beiden an das Gelenk anschließenden Knochen sind durch Bänder miteinander verbunden, welche den Bewegungsspielraum auf gesunde Weise einschränken. Komplexere Gelenke besitzen zudem meist noch eine das Gelenk luftdicht umschließende und schützende Hülle, die Gelenkkapsel. Über das Gelenk ziehen die Sehnen der Muskeln. Durch sie wird die eigentliche Bewegung erst möglich.

Das Kniegelenk

Beim Knie handelt es sich um ein zusammengesetztes Gelenk: Es besteht aus dem unteren Ende des Oberschenkelknochens mit seinen beiden Gelenkknorren, seinem gelenkigen Gegenstück, dem Schienbein, und der Kniescheibe. Ober- und Unterschenkel bilden zusammen ein Scharniergelenk, in dem Streck- und Beugebewegungen in einem bestimmten Umfang möglich sind. Die Kniescheibe gleitet während der Bewegung auf der Vorderseite des Kniegelenks hin und her. Das hat den Sinn, den Gelenkspalt, der sich bei der Beugung des Beines öffnet, vor dem Eindringen von Fremdkörpern zu schützen. An beiden Seiten des Knies fixieren ­Seitenbänder das Knie, wenn es gestreckt wird. Beim Beugen des Knies lockern sich diese Bänder, so dass das ­Kniegelenk zusätzlich leicht rotieren kann. Zwei weitere ­Kreuzbänder in der Mitte ­verbinden Oberschenkel und Schienbein ­miteinander.

Die Besonderheit des Kniegelenks

Im Vergleich zu anderen Gelenken bringt das Knie eine bauliche Besonderheit mit sich. Da Ober- und Unterschenkel nicht exakt auf­einander passen, bediente sich die Natur in der menschlichen Entwicklungsgeschichte eines Tricks. Zwischen diesen beiden Körperteilen liegen als Puffer zwei ringförmige Knorpelflächen, die so genannten Menisken. Sie bilden die Kontaktflächen für alle im Knie ablaufenden Bewegungen. Für viele Yoga-Übende wird es eben aus diesem Grund kritisch. Denn das Knorpelgewebe trägt weder Blut noch Nervengewebe und zeigt daher keinerlei Schmerzempfindlichkeit. Selbst bei Überbeanspruchung gibt es keine ­spürbare Reaktion. Diese Tatsache stellt eine besondere Anforderung an unsere Yoga-Praxis. In den einzelnen Positionen bedarf es einer ausgeprägten Achtsamkeit, um Spannungen und Widerstände wirklich wahrnehmen zu können. Die meisten Kniegelenksverletzungen im Yoga passieren im Lotus und seinen Variationen. Was geschieht in einer ­solchen Position im Körper?

Das Knie in der Yoga-Praxis

Stelle dir vor, dass du im Sitzen beide Beine nach vorne ausstreckst, dein Rücken ist dabei aufrecht. Wenn du nun deinen rechten Fuß auf dem linken Oberschenkel in einen ­halben Lotus ablegst, geschieht zunächst Folgendes: Der rechte Fuß wird etwas angehoben, das rechte Knie sinkt in Richtung Boden. Weil das Knie dabei gebeugt ist, bedeutet diese Bewegung eine Außenrotation des Oberschenkels in der Hüftgelenkspfanne. Je nachdem wie beweglich dein Hüftgelenk ist, lässt sich dein Bein mehr oder weniger weit nach außen drehen. Vielleicht gehörst du zu den „glücklichen“ Menschen, die so flexibel sind, dass sich der Fuß auf dem Oberschenkel ablegen lässt, während das rechte Bein sanft zu Boden sinkt. In vielen Fällen hängt das rechte Knie allerdings in beträchtlicher Höhe über dem Boden. Wenn dir das bekannt vorkommt, stelle dir die Frage, weshalb das Knie nicht auf dem Boden aufliegt. Hier die mögliche Antwort: Weil deine Hüfte den Oberschenkel nicht weit genug nach außen rotieren lassen Das liegt an den starken bindegewebigen und muskulären Zügen im Hüftgelenk. Oft bedarf es jahrelangen Übens, um wirklich eine Veränderung zu bewirken.

Du hast bereits Kniebeschwerden? Dr. Ronald Steiner hat ein paar einfache Übungen bei Kniebeschwerden für dich zusammengestellt.

Verletzung des Innenmeniskus

Wenn du trotz des „Schwebezustands“ versuchst, das Knie zum Boden zu bringen, wirst selbst bei sanftem Druck feststellen, dass sich an der Situation deiner Hüfte nichts ändert, da diese im Vergleich zum Kniegelenk wesentlich stärker und fester fixiert ist. Da der Fuß fest auf dem linken Bein aufliegt, neigt sich durch den Druck, welcher das Knie zu Boden bringt, auch der Oberschenkel stärker, allerdings ohne dabei weiter nach außen zu rotieren. Dadurch muss sich der Unterschenkel zwangsläufig gegen den Oberschenkel nach innen eindrehen. Da das Bein gebeugt ist und damit Innen- und Außenband locker sind, ist diese Bewegung im Kniegelenk möglich. Erinnere dich, dass auf Innen- und Außenseite des Kniegelenkes je ein Meniskus sitzt: Jetzt weißt du genau, welcher Teil des Körpers diesen Druck absorbieren muss – der Innenmeniskus. Tückisch an dieser „Verletzung“ ist, dass sie sich nicht sofort unangenehm bemerkbar macht. Erst wenn der Meniskus ruptiert, also einreißt, und ein Teilstück in den Gelenkspalt eindringt, wirst du den Schaden durch einen stechenden Schmerz spüren. Leider passiert das häufig erst Monate später. Eine solche Verletzung zieht nicht selten einen operativen Eingriff nach sich und führt in manchen ­Fällen später zu einer Kniegelenksarthrose.

Knieverletzungen vermeiden – durch Achtsamkeit

Alle körperlichen Risiken, die aus diesen Positionen resultieren, kannst du umgehen. Sei dir der Tatsache bewusst, dass der Druck auf den Innenmeniskus zunimmt, wenn das Knie auf den Boden gedrückt wird. Vermeide daher, dass das Knie unter seine Ausgangsposition kommt, welche es beim Ablegen auf dem gegenüberliegenden Oberschenkel einnimmt. Du kannst ein Kissen unter dein Bein legen oder darauf achten, dass das Knie auch während einer Vorbeuge nicht näher zum Boden kommt. Suche dir eine sinnvolle Alternative zum ganzen Lotus. Wähle beispielsweise lediglich die halbe Variation, in der die Beine nicht mit gegenseitigem Druck aufeinander liegen. Allerdings sollten die Beine im Wechsel abgelegt werden, um in beiden Seiten der Hüfte eine Öffnung zu erzielen. In den meisten Fällen ist es außerdem hilfreich, das Gesäß zu erhöhen und damit die Spannung im unteren Rücken zu lösen. Auch ein halber Lotus hilft nicht gegen Rückenschmerzen.

Spüre deinen Körper ganz bewusst

Lerne generell, bewusst in deinen Körper zu spüren. Immer wenn du Spannung oder einen Widerstand fühlst, ist Achtsamkeit ratsam. Biege niemals Körperteile in die vermeintlich „richtige“ Stellung und lasse die Asanas immer mühelos geschehen. Ein guter Yoga-Lehrer hilft dir, in einer solchen Position langsam und behutsam vorzugehen. Niemals wird er dich durch einen Druck auf dein Bein korrigieren. Sprüche wie „Atme in den Schmerz und lasse los“ sollten damit hoffentlich endlich der Vergangenheit angehören.


Timo Wahl über KniebeschwerdenUnser Autor Timo Wahl ist Yogalehrer in Frankfurt und unterrichtet gemeinsam mit seinem Team in seinem eigenen Yogastudio. Was er seinen Schülern verspricht: „In der Yogastunde wirst Du einen Lehrer haben, dessen Motivation die Liebe zum Yoga selbst ist, der dich fordert, ohne zu überfordern, der dir Raum gibt, dich selbst zu spüren.“ Mehr unter: timowahl.de

Müsli-Frühstücksriegel in 4 Schritten selber machen

Neue Energie tanken: Mit diesen leckeren und schnell gemachten Frühstücksriegeln geht dir auch unterwegs nie die Power aus. Du kannst die leicht süßen Riegel ganz deinem Geschmack anpassen. Die Powerpakete passen perfekt in Rucksack, Schulranzen und Co., machen satt und sind super gesund.

Zutaten für Müsliriegel (24 Stück)

2 ½ Tassen Haferflocken
¼ Tasse Vollkornmehl
¼ Tasse Leinsamen
½ Tasse Milchpulver oder Sojaproteinpulver (optional)
½ Tasse geröstete Weizenkeime
½ Tasse gehackte, geröstete Walnusskerne
1 Tasse getrocknete Cranberrys, Rosinen oder eine Mischung aus beidem
1 Tasse Honig
½ Tasse leicht gesalzene Erdnussbutter
1 EL Olivenöl

Auch lecker und gesund: Rezept für schnelle vegane Kekse 

So bereitest du die Müsliriegel zu

  1. Heize den Backofen auf 160 °C vor und lege eine rechteckige, etwa 35 x 23 Zentimeter große Backform mit Backpapier aus.
  2. Mische Haferflocken, Mehl, Leinsamen, Milchpulver, Weizenkeime, Nüsse und Trockenfrüchte in einer Teigschüssel.
  3. Verrühre Honig, Erdnussbutter und Olivenöl in einem kleinen Topf und erwärme die Mischung bei mittlerer Temperatur. Dann rührst du sie rasch und gründlich unter die trockenen Zutaten. Nicht wundern, da die Masse sehr klebrig ist, fällt das Rühren eher schwer.
  4. Drücke die Masse mit leicht geölten Händen in die vorbereitete Backform und backe sie etwa 25 Minuten, bis sie leicht gebräunt ist. Nach etwa 10-minütigem Abkühlen auf einem Kuchengitter kannst du sie in 24 Riegel schneiden. Wenn die Riegel vollständig abgekühlt sind, verpackst du sie in einem luftdicht verschließbaren Gefäß und lagerst sie im Kühlschrank.

Tipp: Mit anderen Trockenfrüchten und Nüssen, zum Beispiel fein gehackten getrockneten Aprikosen, Kokosraspeln oder Mandeln kannst du das Rezept nach Geschmack abwandeln.

Noch mehr leckere Rezepte findest du in unserer großen Rezeptesammlung. Schau doch mal vorbei.


Mit freundlicher Genehmigung der Mayo Foundation for Medical Education and Research.

Ordnung meistern: endlich Raum zum Atmen!

Aufräumen und Aufatmen: In bewusster Absicht Ordnung meistern, kann eine befreiende Übung sein, bei der du inneren Frieden wiederfindest – und endlich auch deine Autoschlüssel.

Die Yogalehrerin Catherine Crocket war eine Staplerin. Wichtige Papiere legte sie zur Seite und  ignorierte ungeöffnete Post. Obwohl sie dort jeden Morgen meditiert. Jahrelang gelang es ihr, das Durcheinander auszublenden. Doch als ihre Ehe zerbrach, geriet das Chaos  außer Kontrolle. Sie fand nichts mehr, hielt Verabredungen nicht ein und konnte sich nicht auf ihre Arbeit konzentrieren. „Es war überwältigend und verwirrend“, sagt Crocket. „Ich stand morgens auf, wollte meine Yogaübungen machen und dann sah ich all die Sachen. Irgendwie hielten mich die vielen Stapel davon ab, die Zeit des Tages zu genießen, die ich eigentlich für mich selbst vorgesehen hatte.“

Nach einiger Zeit war auch ihr für Yoga und Meditation reservierter Raum von Papierbergen versperrt und es erschien ihr unmöglich, sich durch diese Stapel hindurchzuarbeiten. Wie sollte sie sich ihren Weg zurück auf die Matte bahnen? Die Antwort war eine spirituelle Erfahrung. Das erleichternde Gefühl, das mit Aufräumen, Rauswerfen und Ordnung meistern verbunden ist. Doch was hat Ordnung mit Spiritualität zu tun? Wie sich herausstellte, ziemlich viel.

Ordnung

Der Mehrwert von Ordnung

„Im Äußeren aufzuräumen, hilft dabei, auch innerlich Ordnung zu schaffen“, sagt Jeanne Deignan-Kosmides, Organisationsberaterin und Kripalu-Yogalehrerin aus Baltimore. Sie ist sich sicher: „Ordnung meistern, sorgt für einen klaren Kopf und schafft Platz“. Auf dem Yogaweg und für alle anderen Dinge, auf die man sich konzentrieren will. Im Grunde ist Ordnung ein essenzieller Teil der spirituellen Lebensweise. Ebenso wie Yoga den Geist zentriert, sorgt auch Ordnung in der Umgebung für eine neue Ebene an Klarheit, Bedeutung und Effektivität. Im gesamten Leben und nicht nur auf dem Schreibtisch.

Beim Ordnen geht es auf ganz praktischer Ebene darum, Platz im eigenen Kopf zu machen, so dass man wieder ganz bei der Sache sein kann. Wenn alles ordentlich und organisiert ist, fällt es leichter, sich in den eigenen vier Wänden wohl zu fühlen. Auf spiritueller Ebene bedeutet Ordnung aber auch, dass man nicht nur das äußere Chaos überwindet, sondern auch die Mechanismen erforscht, die für das selbst geschaffene Chaos verantwortlich sind. Dann realisiert man allmählich, wie viel Energie einen die Unordnung kostet. Das Prinzip ist ganz einfach: Beobachten wir die eigenen Gefühle, verändern das eigene Denken und eignen uns selbst neue Gewohnheiten an, beginnt sich auch die Welt um uns herum zu verändern.

Nun fragst du dich sicherlich: Ist das wirklich so? Vielleicht hast du dir schon einmal vorgenommen, dein Haus, dein Büro oder nur eine kleine Kommode aufzuräumen und haben einen langen Nachmittag damit verbracht, Dinge wegzuräumen. Nur um dann festzustellen, dass deine Ordnung gerade ein paar Tage hielt? Vielleicht hast du es sogar mit einem professionellen Organisationsberater versucht und musstest feststellen, wie das Ergebnis unter einem neuen Stapel verschwand?

„Ich habe alle diese Behälter gekauft, zum Teil sogar spezielle Schachteln für bestimmte Dinge, aber ich werde einfach nicht fertig“, sagt die Yogalehrerin Cynthia Mesh, die in ihrem Haus in Arlington, Massachusetts, ihr Studio und ihr Büro betreibt. „So oft habe ich mir vorgenommen, alle Dinge, die ich in die Hand nehme, wieder zurück an ihren Platz zu legen. Aber irgendwie gelingt mir das nie.“ Sie und viele andere haben das gleiche Problem. Es bedarf nur weniger Stunden, gedankenlos aufzuräumen. Aber es kann es Wochen, ja sogar Monate dauern, bis man seine Gewohnheiten verändert und man in der Lage ist, das Chaos endgültig zu überwinden.

Intention finden

Sich geistig zu organisieren klingt nach viel Arbeit – und das ist es auch. Hierzu muss sich die Art und Weise, wie du Dinge erledigst, fundamental verändern. Der erste Schritt ist, dir über das Warum klar zu werden, wieso du Ordnung meistern willst. Im achtgliedrigen Pfad des Yoga legte Patanjali die Niyamas fest. Verhaltensregeln oder Einschränkungen, die Yogis auf ihrem Weg zum leidlosen Zustand pflegen sollten. Die erste dieser Verhaltensregeln nennt sich Saucha (Reinheit). Neben der Reinheit des Körpers und der Umgebung umfasst dieses Prinzip auch, zu reflektieren, warum wir unsere bisherigen Gewohnheiten in geordnetere Bahnen verändern wollen. „Ich begreife Saucha gerne als Klarheit der Intention“, so die Yogalehrerin und Autorin („A Year Of Living Your Yoga“) Judith Hanson Lasater aus San Francisco. „Wenn wir uns über unsere Absichten im Klaren sind, wird jede Aufgabe leichter.“

Ordnung

Das ist ein wichtiger Schritt, bevor du mit der physischen beginnst. Denn nur eine starke, bedeutungsvolle Intention wird zu einer wirklichen Veränderung führen. Sobald du deine Absicht definiert hast, kannst du dich auf einen bestimmten Bereich konzentrieren, in dem du dir mehr Ordnung wünschst. Das kann in deinem täglichen Tagesablauf sein, in deinem Buchhaltungssystem oder in einem bestimmten Zimmer deiner Wohnung. Nehmen wir an, du hast dich entschlossen, dein Büro in Ordnung zu bringen.

Stell dir nun vor, wie dieser Raum aussehen soll und was du dort erreichen möchtest. „Im Moment ist mein Büro ein einziges Chaos“, bedauert Cynthia Mesh. „Ich wünschte jedoch, es sähe darin aus wie in einem Yoga-Studio, dass auch ein kleines Büro enthält. Schon sehe ich einen geräumigen freien Boden vor mir, schönen Stoff an den Wänden und einen aufgeräumten Schreibtisch, auf dem eine Pflanze steht. Ich möchte, dass dieser Raum der Angelpunkt meiner täglichen Morgenroutine ist. Dort übe ich 15 Minuten Yoga, um mich selbst zu zentrieren, bevor ich mich anderen Aufgaben widme.“

Ob du dir nun ein gemütliches Zuhause vorstellst oder gar Seelenfrieden. Dein Vorsatz, dich selbst zu organisieren, muss stark genug sein, um die vor dir liegenden Herausforderungen zu bewältigen. Vergiss nicht: Hier geht es nicht um schnelle Hilfe. Und sicherlich wirst du irgendwann alles wieder sein lassen wollen. Sobald du frustriert bist und Widerstand spürst, kehrst du gedanklich zu deiner Intention zurück, um dich deiner Absicht zu versichern und dem Prozess des Aufräumens wieder Bedeutung zu verleihen.

Erforschen

Sobald du dir deine Absicht kennst, beginnst du damit, dein eigenes Verhalten mit Hilfe einer zweiten Niyama zu beobachten, der Svadhyaya (Selbstbeobachtung). Womit verursachst du Unordnung? Und warum machst du das? Indem du deine Handlungen und Gedanken in dem Bereich, den du gewählt hast, beobachten, kannst du die wahren Ursachen für Ihr Chaos erkennen. Sobald dir das gelungen ist, kannst du mit der physischen Arbeit des Ordnung Schaffens beginnen und neue, effektivere Gewohnheiten entwickeln. Indem du dein eigenes Verhalten studieren, erkennst du deine automatischen und unbewussten Verhaltensweisen. Stapelst du gedankenlos ungeöffnete Rechnungen auf einer Ablage, verlegst du deine Autoschlüssel oder lässt du einen Haufen Yogautensilien mitten im Wohnzimmer liegen, wenn du mit dem üben fertig bist? Viele solcher bekannten, tagtäglichen Angewohnheiten entwickeln wir schon in unserer Kindheit.

Indem wir diese Gewohnheiten jedoch mit  Selbst-Mitgefühl beobachten, können wir sie rückgängig zu machen. Nehmen wir an, du bist gerade mitten in einer Tätigkeit. Vielleicht in einem Projekt, bei der Zubereitung einer Mahlzeit oder beim Spielen mit den Kindern. In solchen Momenten wird ein Zimmer, in dem viele Gebrauchsgegenstände verteilt sind, immer chaotisch aussehen. Das ist aber noch kein Chaos, sondern das natürliche Resultat dessen, was du gerade machst. Die entscheidende Frage ist vielmehr. Räumst du die Dinge wieder an ihren Platz, wenn du fertig bist? Selbstverständlich ist es oft einfacher, alles stehen und liegen zu lassen und sich der nächsten Aufgabe zuzuwenden. Wenn du zurückkehrst, stört dich aber der Anblick des Chaos, das du hinterlassen hast.

Bücherregal Ordnung meistern

Widme dich einem Ort in deinem Zuhause, an dem du gerne mehr Ordnung halten würdest, wie zum Beispiel dem Schrank unter der Küchenspüle. Frage dich selbst: Wie kamen bloß all die Sachen dort hin? Die haben sich dort nicht selbst gestapelt, auch wenn es vielleicht so scheint. Du hast sie dort hin geräumt. Frage dich also noch mal: Was ist das alles? Wann räume ich mein Gerümpel dort hin? Und warum tue ich das? Diese letzte Frage ist der Beginn der tiefgehenden Seelenarbeit, die eigenen Gewohnheiten absichtsvoll zu verändern. Hast du Angst, dich mit dem Inhalt des Schränkchens auseinanderzusetzen? Welche anderen Gefühle kommen hoch, wenn du den Inhalt des Schrankes betrachtest? Fällt es dir schwer, zu entscheiden, was du behalten und was du wegwerfen willst, weil nicht weißt, was dir wirklich wichtig ist?

„Als ich nach der Scheidung meine Papiere durchging, fühlte ich mich heimatlos“, sagt Catherine Crocket. „Meine Ehe war vorbei, aber ich besaß noch alle Beweise für ihre Existenz. Ich glaube, deshalb habe ich sie behalten. Diese Papiere standen für meine Geschichte. Es fiel mir schwer, sie loszulassen.“ Aber sie tat es – mit Hilfe eines professionellen Organisationsberaters und der Verpflichtung, Ordnung als persönliches Wachstum zu begreifen.

Fortschritt als Prozess begreifen

Erkennen wir uns selbst als Ursache für die Unordnung um uns herum, kann dies durchaus deprimierend sein und Sorge bereiten. Kehre zu deiner zu Beginn gefassten Intention zurück, sobald das geschieht. Beobachte dich und deine Schwächen mit Mitgefühl und Liebe. Vielleicht hältst du dich selbst für eine „Chaotin“ oder für „faul“. Diese negativen Begriffe halten dich jedoch davon ab, dir Strategien anzueignen, die dir das Leben leichter machen. Ordnung meistern ist vielmehr ein Prozess, bei dem man lernt, entspannter und im Hier und Jetzt zu existieren. Ohne Mitgefühl neigst du vielleicht dazu, dich selbst für das Wirrwarr zu verurteilen, dass du verursacht hast. Womöglich gelobst du, dass es nicht wieder vorkommt, nur um dann wieder in deine alten Verhaltensweisen zurück zufallen. Doch zu hoch angelegte Ziele sind kontraproduktiv. Vielleicht gelingt es dir, deine täglichen Gewohnheiten zu verändern. Aber du solltest dir im Klaren sein, dass es die Endhaltestelle „organisiert“ nicht gibt.

Nun, da du jedoch eine Vorstellung davon hast, was du erreichen willst und verstehst, wie du an den Punkt gekommen bist, an dem du dich befindest, wird es Zeit, sich die Hände schmutzig zu machen. Listen schreiben, Putzen und das Erstellen der Steuererklärung machen dir vielleicht niemals Freude, aber müssen auch nicht unangenehm sein. Das geistige Wachstum beginnt, wenn du anerkennst, dass selbst die weltlichsten Dinge, wie das Aufräumen deiner Yogautensilien, Tätigkeiten sind, die es wert sind, mit Aufmerksamkeit und Sorgfalt erledigt zu werden. Solche Arbeiten sind beides: Der Prozess und der Schlüssel zu spirituellem Wachstum.

Ordnung

Vielleicht bittest du auch einen Freund um Hilfe, um einen Zeitplan erstellen, oder damit beginnen, einfach einige Dinge zu sortieren. Egal, was sich gut anfühlt. Mach es und du kommst dem Ordnung meistern näher!

Am Wichtigsten ist, dass du dabei ruhig und gleichmäßig atmest, um bei der Sache zu bleiben. Oftmals spüren wir Panik in uns aufsteigen, wenn wir eine neue Herausforderung angehen. Fang deshalb mit einer leicht zu bewältigenden Aufgabe an. Denke daran: Du wirst nicht an einem Wochenende Ordnung meistern. Aber du kannst zunächst einen bestimmten Raum aufräumen und lernen, diesen sauber zu halten. Bis du in der Lage bist, sich dem nächsten Ort zuzuwenden. In der Lehre des Zen-Buddhismus wird die Geschichte eines Schülers erzählt, der seinen Meister nach dem Weg zur Erleuchtung fragt. Der Meister antwortet: „Hast du deinen Reis gegessen?“ „Ja“, sagt der Schüler. „Gut“, sagt der Meister. „Dann spüle deine Schüssel ab.“

Und tatsächlich ist es so, dass jede Aktivität, zum Beispiel Yoga, ein Meditation oder das Bezahlen der Rechnungen erst dann abgeschlossen ist, wenn man danach alle Utensilien wieder zurück an ihren Platz gelegt hat. Der Arbeitsplatz muss anschließend nicht perfekt aussehen, solange du deine Seelenruhe damit hast. Anstatt dir also vorzunehmen, alles auf einmal und in totaler Perfektion zu erledigen, erarbeite dir lieber langsam einfache organisierende Handgriffe, die du in deinen Alltag integrieren kannst. Dann musst du nur noch daran denken, deine Schüssel abzuspülen, nachdem du den Reis gegessen hast. Danach bist du bereit für alles, was kommt.


Marilyn Paul, Mitbegründerin der Organisationsberatungsfirma Bridgeway Partners, ist Autorin des Buches „It’s Hard to Make a Difference When You Can’t Find Your Keys: The Seven-Step Path to Becoming Truly Organized“ (Penguin Compass).

Daniela Mühlbauer

Daniela Mühlbauer

Daniela Mühlbauer ist Yogalehrerin, Tanzkünstlerin und Choreographin für zeitgenössischen Tanz. Sie tanzt schon ihr ganzes Leben lang und liebt es sich über die Bewegung auszudrücken. Neben dem Tanz ist das Yoga eine feste Konstante und spiritueller Wegweiser in ihrem Leben. Daniela absolvierte mittlerweile mehr als 800h Ausbildung in Vinyasa Flow Yoga, Ashtanga Yoga und Yogatherapie. Sie leitet Workshops, Retreats im In- und Ausland und bildet angehende Yogalehrer aus. Ihre Yogastunden sind geprägt durch ihren tänzerischen Hintergrund und ihre Liebe zur Musik. Die Asanas werden nach und nach zu einem kreativen und kraftvollen Flow verbunden, sodass alles fließt. Die Musik und der Atem leiten durch die Bewegung, sodass du tief eintauchen und deine innere Welt erforschen kannst.

Mehr zu Daniela unter www.danielamuehlbauer.de und auf Instagram

Workshop am Sonntag, 15. Oktober: „The Brave Flow – holistic Yoga Flow on beat“

The Brave Flow bedeutet für mich, sich mutig auf den Weg zu machen, um tiefer in Verbindung zu kommen mit sich selbst. Das erfordert ein starkes und weiches Herz zugleich. Weiterentwicklung passiert nicht nur mental, sondern bedarf eines holistischen Weges. The Brave Flow lädt dich ein durch einen dynamischen Yoga Flow mit Hilfe der Musik tief einzutauchen und so emotional und mental tiefer gehen zu können. Es erwartet dich…

… eine holistische Yoga Flow Class, in der du dich mutig deiner inneren Welt und deinem Herzen zu öffnen kannst

… ein dynamischer und tänzerischer Yoga Flow on Beat

Ich freue mich von Herzen auf dich.

Deine Daniela


Daniela Mühlbauer auf der YogaWorld 2023 in München:

Sonntag, 15. Oktober // 12:45 – 13:30 Uhr // The Brave Flow – holistic Yoga Flow on beat // Ganesha Yogaspace


Geistig üben mit Patanjali – innere Klarheit schaffen

Patanjali

Der Philosophie-Dozent Eckard Wolz-Gottwald hat sich intensiv mit dem Yoga-Sutra von Patanajali auseinandergesetzt. Er gibt Tipps: so kannst du geistig üben. Yoga-Philosophie ist genauso wenig kompliziert wie Asanas keine Akrobatik verlangen. Es ist weder nötig, sich mit dem Denken noch mit dem Körper akrobatisch zu „verbrezeln“. Der ursprüngliche Sinn des Yoga ist ganz wo anders zu suchen.

Innere Klarheit statt äußerer Schliff

Anschaulich vergleicht Patanjali den Menschen mit einem getrübten Kristall. Dieser Kristall kann an seiner Oberfläche sehr komplex geschliffen sein. Dieser äußere Schliff entspricht den komplizierten Theorien der Yoga-Philosophie. Aber darauf kommt es im Yoga nicht an. Wer versucht, den äußeren Schliff seines Kristalls zu verfeinern, arbeitet an der falschen Stelle. Den Weg des Yoga zu gehen, heißt, die inneren Trübungen des Kristalls aufzulösen. Die Steifheit, die Verspannungen und die Dumpfheit in Körper und Geist. Yoga wirkt aus einer inneren Kraft, wenn der Kristall klar wird und von innen zu leuchten beginnt.

Wenn man Yoga-Philosophie in diesem Sinn nicht nur verstehen, sondern sie auch anwenden will, muss man einen Schritt weiter gehen. Man muss die Theorie zur philosophischen Praxis weiterführen. Erst wenn Philosophie zur Übungspraxis wird, wird sie helfen, uns zu verändern und zu transformieren. Wir wachsen, um tiefe Achtsamkeit in Körper und Geist zu entwickeln. In der philosophischen Übung geht es nicht mehr nur darum, die Yoga-Sutras des Patanjali zu verstehen.

Übung macht mal wieder den Meister

Jedes Üben beginnt mit Anstrengung. Zuerst muss man Fernsehcouch samt Chipstüte verlassen, um aktiv zu werden, und sich auf die Yogamatte oder das Meditationskissen begeben. Zu Beginn ist sogar meist eine ganze Menge Anstrengung notwendig. Man will ja nicht schlechter dastehen als die Übenden auf den Nachbarmatten. Anstrengung kann mit dem Anklopfen an eine innere Türe verglichen werden. Nur durch die Anstrengung des Anklopfens wird die Türe jedoch nicht aufgehen, egal ob man sie nur sanft berührt oder mit aller Kraft auf sie einschlägt. Selbst wenn die Übung perfekt wie im Lehrbuch gelingt, würde man sich alleine mit der aufgebrachten Anstrengung doch immer noch am Anfang des Yogaweges befinden.

Wichtig wird das zweite Prinzip, das Loslassen von allem Machen und Tun. Es geht um Loslassen, sich in der Übung hinzugeben. Nichts zu machen, nichts zu denken, einfach um ein gesammeltes Fließenlassen. Man entdeckt, dass die innere Türe gar nicht verschlossen war, dass man loslassen muss, damit sie wie von alleine aufgeht. Wenn wir auf dem Yogaweg weiter fortschreiten, bricht wie von selbst ein Gleichgewicht von Anstrengung und Loslösung auf. Äußerlich sehen wir weiterhin ein Dehnen, Strecken, Drehen oder Halten in ungewöhnlichen Stellungen. Innerlich hat sich die Türe des Yoga geöffnet, in der die Kraft in der Leichtigkeit aus der Erfahrung innerer Balance zu leben beginnt.

Yoga als Erfahrungsweg

Durch die von Patanjali genannten Prinzipien können wir uns bewusst werden, wo wir mit unserer Praxis stehen. Es gilt sich darüber klar zu werden, ob und wo wir noch zu sehr auf Anstrengung ausgerichtet sind und so in der Gefahr stehen, zu verkrampfen. Es ist aber auch möglich, dass wir zu sehr die Loslösung betonen und uns treiben lassen. Durch die philosophische Praxis lernen wir, uns auf den Weg des Gleichgewichts zwischen Anstrengung und Loslösung zu bringen. Die Wirkung des Yoga kann sich immer intensiver entfalten. Wir sind dann nicht nur theoretisch, sondern auch praktisch nach einer gelungenen Übungsstunde von neuer Kraft und Energie erfüllt.

Yoga-Philosophie vor allem mit den 10 Geboten von Patanjali im ursprünglichen Sinn wird zum Erfahrungsweg. Sie wird zu einem Weg, auf dem wir die Wahrheit über uns selbst kennen lernen. Wir erfahren unsere Unbewusstheiten und Getriebenheiten, aber auch Möglichkeiten, sie zu lösen, um so klarer und bewusster zu werden. Wie eine Orange nicht nur aus Schale, sondern auch aus Fruchtfleisch besteht, ist es für ein wirkliches Durchdringen der Yoga-Sutras wichtig, dass wir die Schale der Theorien durchstoßen. Wir können zu „Fruchtfleisch­yogis“ werden, so dass die zunächst kompliziert erscheinenden Yoga-Sutras zu schmecken beginnen.


Eckard Wolz-Gottwald lehrt Philosophie an der Philosophisch-Theologischen Hochschule Münster. Zusammen mit Angelika Beßler gründete er die BDY-Ausbildungsschule‚ Yoga-Akademie Münster-Osnabrück. Als Übungsbuch zur philosophischen Praxis der Yoga-Sutras erschien von ihm: Die Yoga-Sutras im Alltag leben. Die philosophische Praxis des Patañjali, Verlag Via Nova, 2014. Es wurde vom BDY zum Yogabuch 2014 gewählt. 

Kirill Serov – Yoga Vidya

Kirill Serov

Eine echte Yoga-Institution: Yoga Vidya ist nicht nur ein Yoga-Seminarhaus, sondern ein Treffpunkt für Yogabegeisterte weltweit. Kurse mit namhaften Forscher*innen und erfahrenen Praktizierenden geben tiefe Einblick in Vedanta und andere yogische Schriften auf akademischem Niveau und für alle zugänglich. Wir freuen uns, dass Yoga Vidya auf der YogaWorld 2026 in Stuttgart wieder mit zwei Workshops dabei ist.

Kirill Serov

Kirill lebt seit einigen Jahren im Allgäuer Yoga Vidya Ashram auf Basis des integralen Yoga nach Sivananda, unterrichtet dort mit großer Freude und Hingabe Yogastunden, leitet regelmäßig Seminare und engagiert sich zudem im Vorstand des gemeinnützigen Vereins Yoga Vidya. Außerdem betreibt Kirill einen erfolgreichen Tiktok-Kanal, der auf spielerische und unterhaltsame Art und Weise yogische Inhalte präsentiert.

Falls du mehr über Yoga Vidya und die Tradition von Swami Sivananda erfahren möchtest, besuche yoga-vidya.de oder @yogavidya_de