Alignment im Yoga: Stehhaltungen

Alignment Yoga Stehhaltungen

Manche der im Yoga bekannten Anleitungen für Stehhaltungen können Knie, Iliosakralgelenke und unteren Rücken eher schädigen als schützen. Warum ist das so? Und wie sieht ein anatomisch wirklich sinnvolles Alignment aus? Der Therapeut und Anatomie-Experte Tom Myers klärt auf.

Die allermeisten Yogalehrer unterrichten Tadasana (Berg) und Utkatasana (Stuhl) so: Entweder Knöchel und große Zehen dicht aneinander, oder die Füße hüftbreit und ihre Außenkanten parallel. Anatomisch etwas versiertere Lehrende präzisieren das vielleicht ein bisschen und raten, die zweiten Zehen gerade nach vorne zeigen zu lassen, sodass die Schienbeine besser im Verhältnis zu den Füßen ausgerichtet werden. In jedem Fall setzen sie mit dem Alignment von Stehhaltungen an den Füßen an und bauen es von dort aus nach oben auf.

Das mag in manchen Fällen eine gute Idee sein, vor allem bei Spreiz- oder Sichelfüßen, es kann aber auf lange Sicht auch ernsthafte Schäden anrichten, vor allem an den Knien und am unteren Rücken. Um das besser zu verstehen, muss man sich die Anatomie ansehen:

Die Anatomie von Füßen und Beinen

Aus mechanischer Sicht beginnt der Beinapparat bereits am 12. Rippenbogen und
im Bereich der Lendenwirbel, denn dort setzen zwei für die Beinbewegung wichtige Muskeln an: der quadratische Lendenmuskel (Quadratus Lumborum) und der große Lendenmuskel (Psoas Major). Auch die Beckenmuskulatur, insbesondere der Darmbeinmuskel (Iliacus) spielt eine wichtige Rolle, denn sie bewegt oder stabilisiert die Hüftgelenke. Mit anderen
Worten: Man sollte die Beine und Füße nicht isoliert vom Becken betrachten sondern immer im Zusammenhang.

Die gesamte untere Körperhälfte ist in einer Abfolge von Gelenken konstruiert, die abwechselnd als Scharniergelenke nur einachsige Bewegungen erlauben, und dann wieder mehrere Bewegungsachsen (Freiheitsgrade) umfassen:

  • Im Fußballen gibt es fünf Gelenke, die gemeinsam als Scharnier funktionieren, wenn du auf den Zehenspitzen gehst.
  • Etwas weiter oben, unterhalb des Knöchels liegt ein Drehgelenk, das du wahrnehmen kannst, wenn du den Fuß abwechselnd ganz nach innen (in ein Art Plattfuß) und nach außen rollst.
  • Das obere Sprunggelenk ist wieder ein Scharniergelenk. Es tritt zum Beispiel in Aktion, wenn du im Stehen die Knie beugst und wieder streckst. Dabei bewegen sich die Unterschenkel über dem Fuß vor und zurück.
  • Zwischen Schienbein und Wadenbein ist wieder ein wenig Rotation möglich: Stelle einen Fuß auf den Ballen und bewege die Ferse hin und her, als würdest eine Zigarette austreten – diese kleine Drehbewegung ist gemeint.
  • Das Knie wiederum ist ein klassisches Scharniergelenk: Die gesunde Bewegung zwischen Ober- und Unterschenkel umfasst nur Beugen und Strecken.
  • Dagegen sind die Hüften Kugelgelenke, hier sind Bewegungen in viele Richtungen möglich.
  • Das nächste Gelenk in der Kette ist das Iliosakralgelenk: Hier treffen Kreuzbein und Beckenknochen in einem Scharniergelenk aufeinander, das nur einen sehr geringen Spielraum vor und zurück erlaubt.
  • Im Lumbosakralgelenk zwischen letztem Lendenwirbel und Kreuzbein ist dagegen wieder eine leichte Drehung möglich.

Generell werden die Bewegung in Drehgelenken durch die Form der beteiligten Knochen, durch einschränkende Sehnen und Bänder und eine straffe Muskulatur begrenzt. Dennoch sind Spielraum und Anpassungsfähigkeit dieser Gelenke viel größer als bei Scharniergelenken. Entsprechend empfindlicher sind letztere gegenüber Torsion.

Aligment Fokus Füße: Was bewirkt das?

Scharniergelenke haben viel mit den Scharnieren einer Tür gemeinsam: Sie funktionieren jedes für sich wunderbar, so lange die Schrauben fest sitzen – auf und zu, strecken und beugen und das jahrelang ohne eine einzige Reparatur. Wenn aber mehrere Scharniere einer Tür nicht korrekt übereinander ausgerichtet sind, dann macht sich das schon nach wenigen Monaten bemerkbar: Die Tür verbiegt sich, die Schrauben lösen sich und der Rahmen wird verzogen.

Das Gleiche gilt auch für die Beine: Wenn du das Alignment bei den Füßen beginnst, dann werden das Zehen- und obere Sprunggelenk vermutlich reibungslos zusammenarbeiten. Was aber geschieht dabei mit den Scharniergelenken weiter oben im Körper? Da kann es passieren, dass Knie und Iliosakralgelenke durch die erzwungene Fußstellung in eine Ausrichtung geschoben werden, die dir aufgrund deiner individuellen Anatomie nicht guttut, vor allem dann nicht, wenn du anspruchsvollere Asanas übst.

Stress für Knie und Rücken vermeiden

Die meisten Übenden sind daher nach meiner Überzeugung besser beraten, wenn sie die Knie im Verhältnis zu Hüften und Rumpf ausrichten und die Füße dann diesem Alignment folgen lassen. Noch nicht überzeugt? Stelle dir Folgendes vor: Wenn du die Füße in eine bestimmte Position bringst, die Knie darüber dann aber leicht verdreht sind, dann hat das einen ähnlichen Effekt wie schlecht aufeinander abgestimmte Türscharniere. Die Folge sind langfristig Beschwerden. Würdest du zum Beispiel beim Gehen immer von der Fußstellung aus denken, dann könnte das erheblichen Stress für die Scharniergelenke in Knien und unterem Rücken bedeuten. Die Folge: Sie nutzen sich schneller ab, denn die Knochen drücken und reiben ungleichmäßig an den Knorpeln. Stattdessen richtet sich in einem harmonischen Gang die Kniescheibe nach vorne aus und die darüber liegenden Scharniere im Becken und unteren Rücken folgen diesem Alignment. Anatomisch gesehen ist das die wesentlich unproblematischere Herangehensweise.

Test: Knie im Lot?

Ob im Knie eine ungesunde Drehung vorliegt, erkennst du unter anderem, indem du das Gelenk sanft mit den Fingern berührst. Am besten kann das eine zweite Person durchführen: Daumen und ein Finger liegen seitlich an der Kniescheibe, der Zeigefinger mittig an der Tuberositas Tibiae – dieser Knochenfortsatz oben am Ansatz des Schienbeins formt einen spürbaren Buckel. Ist der Abstand von diesem mittleren Punkt zu den beiden seitlichen Punkten gleich groß, dann steht das Kniegelenk gut in seiner Achse.

Übung: So prüfst du dein Alignment

Ganz bewusst habe ich bisher immer geschrieben, dass ein bei der Fußstellung ansetzendes Alignment „womöglich“ Probleme auslösen „kann“. Denn wenn bei dir Füße, Sprunggelenke, Knie, Hüften und Becken tatsächlich in perfekter Harmonie zueinander stehen, dann gibt es nichts zu befürchten. Nur, wie erkennt man das?

  • Stelle dich vor einen Spiegel und richte deine Füße so aus, dass die zweiten Zehen gerade nach vorne zeigen. Ansonsten stehst du ganz locker und korrigierst Haltung nicht.
  • Lege die Fingerspitzen vorne an die Beckenkämme und überprüfe sowohl im Spiegel als auch indem du an dir hinabsiehst, wie gerade dein Becken steht.
  • Dann schaue dir deine Kniescheiben an: Zeigen sie so gerade nach vorn zum Spiegel wie zwei Scheinwerfer? Oder sind sie verglichen mit den Gelenken darüber und darunter etwas nach innen oder außen gedreht?
  • Beuge Knie ganz natürlich und ohne den Impuls, dabei etwas zu korrigieren. Dabei schaust du dir die Beine einzeln in der Bewegung an und beobachtest, ob sich die Mitte der Kniescheibe jeweils direkt über den zweiten Zeh schiebt oder zu einer Seite ausweicht.

Darum solltest du dein Alignment ändern

Vor allem wenn letzteres der Fall ist sind die künstlich nach vorn ausgerichteten Füße nicht günstig für dich. Stattdessen solltest du eher deine Knie gut ausrichten und mit dem restlichen Alignment an diesem Punkt ansetzen. Vielleicht denkst du jetzt: „Ach, ich lass‘ die Füße schön geometrisch, so wie ich es im Yoga gelernt habe, und drehe einfach das Knie, bis es gerade steht. Das ist sicher ein gutes Alignment-Training!“

Leider gar keine gute Idee. Entweder wirken dabei schädliche Drehkräfte auf das Scharniergelenk des Knies oder die Hüft- und Fußgelenk werden in Mitleidenschaft gezogen. Zwingt man beispielsweise ein anatomisch etwas nach innen (medial) gedrehtes Knie vom Fuß ausgehend in die gerade Ausrichtung, dann zieht dies das Hüftgelenk in eine in vielen Haltungen ungewollte Rotation nach außen (lateral) und das untere Fußgelenk in die Supination (Belastung der Außenkante). Besser wäre es, die Knie in den Mittelpunkt zu stellen, die Füße anhand der Kniekappen auszurichten und dabei kraftvoll auf dem gesamten Fuß zu stehen.

Eine weitere Möglichkeit, eine verdrehte Stellung des Knies zu erkennen, ist der auf dem Bild links gezeigte Test mit drei Fingern. Wenn dabei die Abstände zwischen dem mittigen Punkt am Schienbeinkopf und den Punkten seitlich an der Kniescheibe spürbar voneinander abweichen, dann ist das Knie anatomisch schlecht ausgerichtet. Häufiger ist es dabei so, dass die innere Linie etwas länger ist und die äußere kürzer. In diesem, aber auch im umgekehrten Fall ist es besonders wichtig, das Alignment in der Asana-Praxis vom Knie aus zu denken. Parallel dazu empfiehlt es sich, mit Physiotherapie, Osteopathie oder anderen Techniken der Körperarbeit an einer harmonischeren Ausrichtung der Kniegelenke zu arbeiten.


Autor Tom Myers hat neben seinem Standardwerk „Anatomy Trains. Myofasziale Leitbahnen“ auch etliche DVDs und Webinare zu Faszien-Release, visueller Diagnostik und der praktischen Anwendung der Faszienforschung entwickelt. Er hat über 40 Jahre Erfahrung im Bereich der manuellen Therapie. anatomytrains.com

Aufmacherfoto von cottonbro von Pexels

Vegane Steinpilz-Spinat-Quiche

Jetzt im Herbst genießen wir kühle Abende mit dieser leckeren Steinpilz-Spinat-Quiche von Roland Rauter. Mit einem Mürbeteig, der auf der Zunge zergeht und einer super gesunden Füllung aus Steinpilzen, Tomaten, Spinat und Schalotten. Der perfekte Begleiter für einen Abend mit Freunden.

Zutaten für die vegane Steinpilz-Spinat-Qiche

Natürlich kannst du bei den Gewürzen auch ein klein wenig variieren oder noch ein paar andere Pilze untermischen. Besonders aromatisch wird die Quiche aber mit einer großen Portion Steinpilzen.

Hunger bekommen? Hier findest du noch mehr leckere Rezepte.

Mürbeteig

  • 300 g helles, glattes Weizenmehl
  • 4 El Sojadrink
  • 210 g vegane Butter
  • 6 Tl Salz
  • flüssige vegane Butter zum Auspinseln der Form

Füllung

  • 200 g Steinpilze
  • 100 g Kirschtomaten
  • 250 g Spinat
  • 60 g Schalotten
  • 1 Knoblauchzehe
  • 1 Tl Rosmarin
  • 2 El Olivenöl
  • 1 Prise Muskatnuss
  • Salz und Pfeffer aus der Mühle

Vegane Royal

  • 350 g Seidentofu
  • 120 ml Sojadrink
  • 2 El Hefeflocken
  • 1 El Speisestärke
  • 1 Tl Salz
  • 1 Tl Tahin
  • 6 Tl Kurkuma

Zubereitung

Zubereitungszeit: 50 min

Mürbeteig:
Mehl mit Salz auf eine Arbeitsfläche sieben. In die Mitte des Mehls eine Mulde formen. In diese den Sojadrink hineingeben und den Teig mit den Fingern anrühren. Die Butter in kleinen Stücken auf dem Mehl verteilen und alles rasch zu einem glatten Teig verarbeiten. Den Teig in Klarsichtfolie einschlagen, kurz ruhen lassen und dann im Kühlschrank eine weitere Stunde ruhen lassen.

Füllung:
Blattspinat in Salzwasser blanchieren, abgießen und kalt abschrecken. Spinat grob hacken. Steinpilze putzen und in feine Scheiben schneiden. Schalotten schälen und in feine Streifen schneiden. Knoblauch fein hacken. Olivenöl in einer Pfanne erhitzen und die Steinpilze darin anbraten. Schalotten, Knoblauch und Rosmarin dazugeben und kurz mitrösten. Spinat unter- rühren und mit Salz, Pfeffer und Muskatnuss abschmecken.

Vegane Royal:
Seidentofu mit den restlichen Zutaten im Mixer zu einer glatten Masse verarbeiten. Den Teig aus dem Kühlschrank nehmen und auf einer bemehlten Arbeitsfläche ca. 5 mm dick ausrollen. Quiche- oder Auflaufform mit flüssiger veganer Butter auspinseln. Den Teig vorsichtig in die Form legen und zart andrücken. Die Füllung auf den Teig geben, die Royal und die in Scheiben geschnittenen Kirschtomaten darauf verteilen. Die Quiche im vorgeheizten Ofen bei 180 °C 35–40 Minuten backen.

Ashtavakrasana Variante: Der geschmeidige Ninja

Ashtavakrasana Jelena Lieberberg

Einen echten Ninja kann so leicht nichts erschrecken: Schnell wie der Blitz und gewandt wie ein Schatten überwindet er die Schwerkraft – und so manches andere Hindernis. Yoga Journal-Kolumnistin Jelena Lieberberg erklärt die Ashtavakrasana Variante Step by Step.

Die Überwindung der Schwerkraft fasziniert mich (wie viele andere) schon seit meiner Kindheit. Die Füße als gewohnte Basis aufzugeben und das eigene Körpergewicht stattdessen auf den Händen zu tragen, kostet nicht nur Kraft, sondern vor allem Mut. Die Paradebeispiele dafür sind natürlich der Hand- und Unterarmstand. Es geht aber auch einfacher und dennoch spektakulär: Diese Variante von Ashtavakrasana, der Acht-Winkel-Haltung oder Liegenden Acht, ist einfacher, als die meisten Armbalancen.

Erstens ist die Fallhöhe geringer, und zweitens kann man die Position spielerisch und mit mehr Leichtigkeit meistern, indem man die eigenen Knochen schlau übereinander stapelt. Dabei werden die Füße im Unterschied zur klassischen Liegenden Acht nicht überkreuzt, sondern voneinander getrennt ausgerichtet.

Überwinde die Schwerkraft

Worum es bei all diesen vermeintlich verrückten Asanas eigentlich geht, ist aber mehr, als nur die Schwerkraft zu überwinden und eine spektakuläre Pose zu meistern. Das macht zwar Spaß und streichelt das Ego, aber wenn man genauer hinspürt, kann man auch etwas anderes lernen: Nicht gleich vor Herausforderungen und ungewohnten Situationen zurückzuschrecken, sondern sich im wahrsten Sinn des Wortes „in jeder Lage“ selbst zu vertrauen – und zwar nicht nur in den schwierigeren Dingen des Yoga, sondern auch in denen des Lebens. Diese Ninja-Taktik hilft dir, nicht nur körperlich sondern auch mental immer wieder einen Ausgleich zwischen Entspannung und Anspannung zu schaffen.

Variante von Ashtavakrasana: Muss ich das können?

Auf keinen Fall, allerdings lade ich jede Yogini und jeden Yogi dazu ein, sich diesem interessanten Balanceakt wenigstens einmal zu widmen. Nur so kannst beurteilen, ob diese Haltung was für dich ist oder nicht. Was du dafür tun musst? Sonnengrüße sind ja bekanntlich das A und O der Praxis. Zusätzlich empfehle ich zur Vorbereitung, Hand- und Schultergelenke aufzuwärmen und die Körpermitte durch Twists und ein Bauchmuskel-Warm-up vorzubereiten. Wer die klassische Form von Ashtavakrasana schon beherrscht, meistert diesen Ninja im Nu.

Step by Step Anleitung

  1. Beginne im Sitzen, die Knie sind locker gebeugt, die Füße und Hände vor dem Körper aufgestellt. Dann schwinge beide Beine zur rechten Seite, sodass du in eine Drehung gelangst: Dein Oberkörper mit den aufgestellten Händen schaut weiter nach vorne, deine Beine nach rechts.
  2. Schlinge deinen rechten Arm zwischen den Beinen hindurch und setze die Hand wieder an ihrer vorherigen Position auf. Der linke Oberschenkel liegt jetzt oberhalb des rechten Ellenbogens. Ab jetzt drückst du beide Oberschenkel so fest wie möglich gegen den Arm und gegeneinander, denn nur so kannst du verhindern, dass das Bein in den kommenden Schritten abrutscht.
  3. Jetzt kommt ein kleiner ‚Lift‘: Lehne dich nach vorne und verlagere das Gewicht vom Po auf die Hände. Gleichzeitig versuchst du, auch deine gebeugten Beine mit abheben zu lassen. Das geht nur, wenn du weiter fest deine Oberschenkel zusammendrückst. Wenn das klappt, kannst du das auf deinem rechten Ellenbogen liegende Bein nach vorn ausstrecken.
  4. Je mehr Kraft du in den Beinen aufbaust, desto leichter wird es sein, diese Asana zu halten: Strecke deshalb beide Füße bis in die Zehen. Das sieht nicht nur schön aus, es erzeugt auch die Spannung, die wir brauchen. Den Blick kannst du entweder nach vorne richten, oder wie auf dem Bild gezeigt zum oberen Fuß. Nach 2–5 Atemzügen wechselst du die Seiten.


FRAGEN ODER ANREGUNGEN? Du findest mich auf instagram.com/kickassyogakickassyoga.net oder im Buch „KickAssAsanas“. Foto: Bella Lieberberg

Geburtshoroskop: Der Plan meiner Seele – Ein Selbstversuch

Lesung Geburtshoroskop

Ist Astrologie nur ein Trend? Was steckt dahinter und wie viel sagen die Sterne wirklich über uns aus? Yogaworld-Redakteurin Kerstin hat es ausprobiert und sich ihr Geburtshoroskop lesen lassen. Was sich dadurch in ihrem Leben bereits verändert hat und was du bei deinem Birthchartreading beachten solltest, erfährst du hier.

Freier Wille und Astrologie schließen sich nicht aus

Lange habe ich Astrologie bewusst vermieden. Ich dachte, dann gibt es in Sachen New-Age-Spiritualität kein Zurück mehr und diesem Klischee wollte ich nicht entsprechen. Wir wollen unerschütterlich an den freien Willen glauben. Dabei bestreiten Astrologen den freien Willen keineswegs. Jedenfalls fiel es mir schwer zu glauben, dass ein Geburtshoroskop mein Leben abbilden sollte. Aber die aktuellen Aussagen haben so oft zu meinem individuellen Empfinden gepasst, dass es irgendwann kein Zufall mehr sein konnte. Außerdem suchte ich schon längerem nach einem Coaching, das nicht wie ein Onlinekurs auf alle irgendwie passt, sondern speziell auf mich ausgerichtet ist. Und was ist persönlicher als ein Birthchartreading? Also schenkte ich mir den Einblick in mein Geburtshoroskop selbst zum Geburtstag.

Meine Erkenntnisse durch die Geburtshoroskop-Lesung

Kurz, bevor die Session dann los geht, wurde mir klar, dass ich wahrscheinlich gar nichts fundamental Neues erfahren würde. Dass dieses Reading wahrscheinlich nur Dinge vom Unterbewusstsein an die Oberfläche bringen wird. Tatsächlich war es ein bisschen so, als würde mir die Astrologin aus meinem Tagebuch vorlesen. Ich kann es kaum in Worten ausdrücken, wie gut es sich anfühlte, endlich eine Bestätigung zu haben. Für Dinge, von denen ich schon immer geträumt habe. Bei denen ich mir aber nicht recht sicher war, ob es wirklich meine Wünsche sind, oder die der Gesellschaft, die ich einfach übernommen habe.

Was mich am meisten überrascht hat, war die Detailiertheit der Informationen. Bis dahin kannte ich ja nur die klassischen Horoskope für mein Sternzeichen. Die Astrologie beschäftigt sich aber nicht nur damit, wo die Sonne zum Zeitpunkt der Geburt stand. Alle Planeten, die Mondknoten, der Aszendent und sogar der Planetoid Chiron bilden zusammen das komplexe Feld, das mich ausmacht. Vollkommen einzigartig. Und wie meine Astrologin betont, bei mir ein besonders vielfältiges. Das interstellare Zusammenspiel beschreibt sogar nicht nur meine Persönlichkeit, sondern auch meine Berufung und so viel mehr. Der Plan meiner Seele eben. Und an den verschiedensten Konstellationen zeigt sich, an welcher Wunde meine Seele in diesem Leben arbeiten möchte. Aber die Konstellation der Sterne kann nicht nur viel über den größten Schmerzpunkt in meinem Leben aussagen. Sie bildet selbst die Beziehung mit meinen Eltern ab. Spiegelt mir glasklar wieder, wieso ich mich seit Jahren mit Spiritualität zu beschäftige.

Meine Tipps für dein Birthchartreading

Wenn du noch keinen Astrologen deines Vertrauens hast, dann würde ich dir empfehlen, dich zuerst mit den verschiedenen Astrologierichtungen zu beschäftigen. Die „Evolutionary Astrology“ beispielsweise geht von Reinkarnation aus. Außerdem solltest du der Person wirklich vertrauen. Vielleicht könnt ihr vorher telefonieren. So kannst du auch klären, wie das Wissen aufgearbeitet wird. Gibt es ein Telefonat oder einen Video-Call? Bekommst du davon nur die Aufzeichnung oder auch noch eine schriftliche Zusammenfassung? Kannst du dich bei anschließenden Fragen immer noch melden? Bleibt es bei dem Wissen oder wirst du auch noch gecoacht? Wenn es zum Coaching kommt, mit welchen Techniken?

Mir hätte ohne zusätzlichen Coaching-Input etwas gefehlt. Meine Astrologin hat mir nicht nur meine „Probleme“ bewusst gemacht, sondern auch direkt darauf hingewiesen, welche meiner Anteile mir bei der Bewältigung helfen können. Auf mich abgestimmte Tipps geben mir die Möglichkeit, langfristig mit diesen Informationen weiter zu arbeiten und wirklich Mehrwert daraus zu ziehen. Außerdem gilt, wie immer, wenn du eine wirklich tiefgreifende Veränderung erzielen willst, brauchst du Zeit und Raum dafür. Eine Lesung deines Geburtshoroskops ist definitiv nichts für zwischendurch.

Integration in den Alltag: die größte Herausforderung

Nach der Lesung deines Geburtshoroskops liegt es wieder an dir und deinem freien Willen. Wie baust du das Wissen in dein Leben und den (Familien-)Alltag ein, hinter dessen Kulissen du jetzt einen Blick werfen wurdest. Vielleicht schreibst du dir eine Zusammenfassung, die du liest, wenn es an wichtige Lebensfragen geht. Oder du nimmst dir eine Meditation auf, die dich jeden Morgen an die wichtigsten Erkenntnisse erinnert. Vielleicht willst du dir deine Notizen auch zur Hand nehmen, wenn du wieder an eine, Vision Board bastelst. Egal, was sich bei deinem Reading gezeigt hat: du hast dein Leben in der Hand und kannst entscheiden, welche deiner Aspekte du auslebst. Go wild, Starchild!


Text von Kerstin Thost | Bild von LNTH auf Pixabay

Kundalini Yoga für werdende Mütter

Gurmukh - Kundalini Yoga für werdende Mütter

Die Kundalini-Yoga-Ikone Gurmukh Kaur Khalsa hat zu ihrem Herzensthema „Yoga in der Schwangerschaft“ ein Buch geschrieben, das sich von anderen Schwangerschaftsyoga-Büchern abhebt.

Umfassender spiritueller Ratgeber für Schwangere

Natürlich kommen auch die körperlichen Kriyas (Übungen) zur Vorbereitung auf die Geburt nicht zu kurz. Darüber hinaus teilt die Autorin altes, teils verloren gegangenes Wissen über das Schwangersein, die Geburt aber auch die Zeit danach: die ersten Tage mit dem Baby, das Stillen und das Wochenbett … So wird das Buch zum umfassenden Begleiter und spirituellen Ratgeber in dieser wichtigen und lebensverändernden Phase. Dabei finden nicht nur Erstgebärende interessante Tipps, Übungen und Meditationen, auch erfahrene Mamis können durchaus noch etwas lernen. Wie man zum Beispiel die Angst vor der Geburt mit Hilfe von Meditation mindern kann. Auch die Paarbeziehung und die Veränderungen, welche sie in der Zeit der Schwangerschaft durchläuft werden liebevoll thematisiert.

Gurmukh schreibt einfühlsam und nicht belehrend, ihre Anekdoten berühren und helfen werdenden Müttern diese Zeit der Transzendenz besser zu verstehen. Das Buch zeigt schlüssig, wie natürlich, alltäglich und gleichzeitig besonders Schwangerschaft und Geburt sind und wie auch dein Umfeld die Ankunft deines Kindes mit dir teilen und feiern kann. Die Meditationen und Übungen hat Pearl Beach in liebevolle Illustrationen umgesetzt. Als kleiner Vorgeschmack zeigen wir euch hier die Meditation zur Vorbereitung auf die Geburt aus dem Buch.

Meditation zur Vorbereitung auf die Geburt

*Die Angst hinter sich lassen und die Herausforderung begrüßen*

Illustration von Pearl Beach aus: Gurmukh - "Kundalini Yoga für werdende Mütter. Der liebevolle Begleiter für Schwangerschaft und Geburt"
Illustration von Pearl Beach aus: Gurmukh – „Kundalini Yoga für werdende Mütter. Der liebevolle Begleiter für Schwangerschaft und Geburt“

Dies wird die Sorgen von deiner Brust, vom Herzen und den Lungen nehmen und durch Liebe und Optimismus ersetzen.
• Strecke die Arme seitlich aus, mit den Handflächen nach außen, als wärst du ein Verkehrspolizist, der Autos an einer Kreuzung anhält.
• Hebe beim Einatmen die Arme über den Kopf und erzeuge einen Bogen. Die Handflächen kreuzen sich etwas vor deinem Kopf und oberhalb deines Scheitels, jedoch ohne sich dabei zu berühren.
• Senke beim Ausatmen die Arme. Während du ausatmest, senkst du die Arme wieder bis zur Ausgangsposition ab. Beim nächsten Einatmen hebst du die Arme wieder an und überkreuzt erneut die Handflächen, dieses Mal jedoch leicht hinter dem Scheitel. Fahre damit für zwei Minuten fort und arbeite dich vor auf bis zu sieben Minuten.


Gurmukh Kundalini Yoga für werdende Mütter Der liebevolle Begleiter für Schwangerschaft und Geburt

Gurmukh
Kundalini Yoga für werdende Mütter
Der liebevolle Begleiter für Schwangerschaft
und Geburt

304 Seiten, 24€
ISBN: 978-3-95883-422-4

Aufmacher: Foto by Chayene Rafaela on Unsplash

Lavendel Augenkissen: DIY Idee

Lavendel-Augenkissen zum Selbstbasteln
Lavendel-Augenkissen zum Selbstbasteln

Die Herbstzeit läd auch immer wieder zu kreativen Abenden zuhause ein. Wie wäre es mit einem Bastel-Tag, an dem du es dir mit Kerzen, einer Tasse Tee und etwas Musik oder einem Hörbuch gemütlich machst? Diese Lavendel Augenkissen beruhigen und erfrischen. Noch dazu duften sie so gut und sind im Handumdrehen fertig.

Und so geht’s:

  • Die bei trockenem Wetter geernteten Blüten mindestens 1 Woche trocknen lassen.
  • Die Blüten von den Zweigen abstreifen und 1 Teil Lavendel mit 2 Teilen Rundkornreis und 1 Teil Leinsamen mischen.
  • Einen dünnen, glatten Stoff aussuchen, waschen und bügeln.
  • Aus Papier eine dicke Acht etwa in Größe einer Skibrille als Muster ausschneiden. (Einfacher zu nähen ist ein simples Rechteck.)
  • Das Muster auf den Stoff heften und pro Kissen zwei Stücke zuschneiden. Die Stoffränder an der Nähmaschine rundum mit Zickzackstich versäubern, damit sie nicht ausfransen.
  • Die Stoffstücke nach Belieben mit Stickereien oder Bemalung verzieren.
  • Je zwei Stoffstücke auf links gedreht aufeinander legen, mit Stecknadeln fixieren und zusammennähen, dabei an einer Seite eine knapp 3 Zentimeter breite Öffnung freilassen.
  • Durch diese Öffnung die Hüllen auf rechts drehen und mit Hilfe eines kleinen Trichters etwa zur Hälfte mit der Lavendelmischung füllen.
  • Die Öffnung mit Nadel und Faden sauber verschließen und fertig ist dein Lavendel Augenkissen.

>> Tipp

Viel besser als die weit verbreiteten Zierlavendel-Sorten eignet sich echter Lavendel (lavandula angustifolia). Er enthält die wirksamsten ätherischen Öle und duftet in Zusammenwirkung mit den fetthaltigen Leinsamen jahrelang. 

Spinat-Kürbis-Salat: Warmes spätsommerliches Rezept

Kürbis-Spinat-Salat

Kürbis im Salat? Was sich erst einmal gewöhnungsbedürftig anhört, entpuppt sich als perfekte Ergänzung. Dieses Rezept lässt den Kürbis auf der Zunge zergehen. Der Spinat-Kürbis-Salat kombiniert gekonnt warm und kalt.

Zutaten für den Spinat-Kürbis-Salat für 4 Personen

750 g Delicata-Kürbis, in Halbmonde geschnitten oder Butternuss-Kürbis, geschält und gewürfelt
1 EL Brat-Olivenöl
3 EL Olivenöl
Salz und frisch gemahlener Pfeffer
3 EL Zitronensaft oder Rotweinessig
250 g (Baby-)Spinat
½ Tasse Mandelsplitter

Zubereitung

  1. Heize den Ofen auf 200 Grad vor. Vermenge die Kürbisstücke in einem Bräter mit dem Bratöl, Salz und Pfeffer und brate sie in ca. 20 Minuten gar.
  2. Vermenge in einer Salatschüssel Zitronensaft oder Essig mit etwas Salz, den Kürbisstücken, dem gewaschenen, abgetropften Spinat und den Mandeln.
  3. Erwärme das Olivenöl sanft in einem kleinen Topf und gieße es vorsichtig (das Öl könnte spritzen) über den Salat. Vermenge alles nochmals gründlich, so dass der Spinat gleichmäßig durch das warme Öl zusammenfällt. Serviere dann den Salat umgehend.

Mit freundlicher Genehmigung übernommen und abgewandelt aus Charity Ferreiras Buch „Eat Well“, Oxmoor House 2008.

Muss ein Yogi vegan sein? Drei Menschen, drei Meinungen …

vegane ernährung yoga

Das Thema „Yoga und Veganismus“ wird heiß diskutiert. Muss ein „guter“ Yogi sich vegan ernähren? Bedeutet Ahimsa, das Konzept der Gewaltlosigkeit, zwangsläufig auch den Verzicht auf tierische Lebensmittel? Oder kann es auch anders interpretiert werden?

Wir haben drei Yogis gefragt, wie sie Yoga und Ernährung für sich persönlich zusammenbringen – und sind dabei auf drei unterschiedliche Meinungen gestoßen.

Yoga und vegan gehören zusammen

Laura Schneider
Foto: Felix Krammer

Laura Schneider, Moderatorin, Schauspielerin, Mama und Life Coach: „Ich bin über Yoga vegan geworden. Das regelmäßige Praktizieren hat mich auch über den Mattenrand hinaus achtsamer und liebevoller durchs Leben gehen lassen. Neben der Liebe zu mir selbst ist die Liebe zu allen Lebewesen spürbar geworden, das Erleben von Verbundenheit und Mitgefühl. Tieren aus Lust und Luxus das Leben zu nehmen, verantwortlich zu sein für Leid und Missbrauch, das passt für mich ganz und gar nicht zu Yoga. Ahimsa kann so übersetzt werden und hat mich in meiner Yogalehrerausbildung zu einer gewaltlosen Lebensweise in jeglicher Hinsicht geführt.“

Fleisch aus nachhaltiger Erzeugung

Silke Schwarz-Rosenwinkel,
Foto: privat

Silke Schwarz-Rosenwinkel, Iyengar-Yogalehrerin und Bloggerin: „Ich habe nicht immer voll dazu gestanden, eine Yogini zu sein, die Fleisch isst. Darum versuchte ich auch, Vegetarierin zu werden, redete mir ein, nur dann eine vollwertige und gute Yogaübende zu sein. Doch dieser Lebensstil war nicht mein eigener, ich hatte ihn mir aufgezwungen. Wahres Ahimsa bedeutet auch Gewaltlosigkeit gegen sich selbst. Ich versuche nun, mich weitgehend clean zu ernähren, also frisch zu kochen, mit viel Gemüse, Obst und Vollkornprodukten. Oft vegetarisch, doch wenn mein Körper mir signalisiert, dass er Fleisch oder Fisch braucht, dann esse ich das auch. Dabei achte ich auf Qualität und nachhaltige Erzeugung und kaufe Bioware, meist beim örtlichen Biohof oder Geflügelzüchter.“

Der Umgang mit Tieren ist brutal

Johannes Vogt
Foto: privat

Johannes Vogt, Musiker und Lehrer für Yoga, Bewusstseins- und Körperarbeit: „Mein Verzicht auf Fleisch ist in einer Zeit von Konsum und Umweltverschmutzung noch der einfachste Beitrag, mich von Adharma, also zerstörerischem Verhalten, zu lösen. Doch ich bin kein Freund extremer Haltungen. Fleisch zu essen ist in unserer Kultur stark verankert, weshalb ich niemanden verurteile, der das tut. Was ich aber kritisiere, ist das Wegschauen. Unser Umgang mit Tieren ist brutal. Indigene Völker etwa waren mit den Tieren eins, das ist etwas ganz anderes. Vegan ist meine erste Wahl, aber ab und zu mag ich Ghee, Honig oder einen guten Käse aus den Bergen. Oft geht es auch um die persönliche Konstitution. Aus ayurvedischer Sicht können tierische Produkte manchmal sehr hilfreich sein.“

Wie sieht es bei dir aus? Wie ernährst du dich und von welcher Meinung fühlst du dich persönlich am ehesten abgeholt? Wir sind gespannt auf deinen Kommentar.