Yoga Nidra: Was dahinter steckt

Yoga Nidra wird immer beliebter. Kein Wunder, denn die yogische Tiefenentspannung regeneriert und eröffnet uns einen tieferen Zugang zu uns selbst. Der Yoga-Nidra-Experte Eric Bennewitz erklärt die vier wichtigsten positiven Effekte – und warum drei davon nur angenehme Nebenwirkungen sind.

Text: Eric Bennewitz / Titelbild: Shutterstock

Denke mal einen Moment lang darüber nach, was du tust, um dich zu entspannen? Ich habe das Wort „tun“ ganz bewusst verwendet. Denn viele Menschen meinen, Entspannung sei genau das: eine Tätigkeit. Laufen, Schwimmen, Lesen, Filme anschauen, die Liste ist lang, aber so angenehm diese Entspannungsmethode auch sein mögen: Führen sie uns wirklich in eine Erfahrung, in der das Lösen von zurückgehaltenen Spannungen in Körper, Gefühlen und Geist übergeht in einen tiefen Zustand des Seins?

Diese Erfahrung von „Sein“, ist wichtig, denn sie hat die Kraft, unser Leben auf all seinen Ebenen positiv zu beeinflussen – von der gröbsten bis zur subtilsten oder anders gesagt von der grobstofflichen Ebene des physischen Körpers bis zur feinstofflichsten Schicht, dem Glückseligkeitskörper. Aus diesem Grund ist das „Sein“ auch die Wurzel einer tiefen, dabei aber ganz einfachen geführten Meditation: Yoga Nidra.

Meditationstechnik auf Basis des Schlafes

Diese Form der Meditation auf Basis des Schlafes wird immer beliebter, denn jeder Mensch kann in jeder Lebenslage von ihr profitieren, sei es nun um körperliche Verspannungen zu lösen, angestaute Gefühle anzunehmen und zu verarbeiten oder um sich selbst in seiner Essenz zu erfahren. Diese Möglichkeiten sind umso erfrischender, als unsere Gesellschaft ja meistens davon ausgeht, man müsse etwas tun, damit im Leben etwas geschieht. Es fällt uns vielfach gar nicht leicht zu glauben, dass die wunderbarsten Veränderungen tatsächlich oft genau dann geschehen, wenn wir in einen Zustand des Nicht-Tuns eintreten. Denn nur so können wir das, was unser Denken gefangen hält, eine Weile loslassen.

Ein klarer Blick auf uns und die Welt

Die Energie, die der Geist normalerweise absaugt, wird frei und kann sich darauf richten, ganz mühelos die verschiedenen Ebenen von Körper, Emotion und Denken zu heilen. Löst sich das Wirrwarr des Geistes erst einmal auf, wird der Weg frei für einen klareren, positiven Blick darauf, wie wir mit uns selbst und der Welt um uns leben. Dieser Zustand des „Seins“ liegt jenseits des denkenden Geistes, aber auch jenseits von Traum und Tiefschlaf. Eher ist Yoga Nidra ein bewusster Tiefschlaf, in dem wir uns in unsere immer gegenwärtige wahre Natur hinein entspannen und uns mit ihr verbinden.

Alles was du tun musst: offen zuhören

Alles, was du dabei tun musst, ist, dich hinzulegen und möglichst offen zuzuhören, während du durch die Meditation geleitet wirst. Dazu braucht man keine Vorkenntnisse in Yoga oder Meditation, aber natürlich helfen diese Erfahrungen. Ich habe Menschen unterrichtet, die noch nie einen Fuß auf die Yogamatte gesetzt und nichts mit Meditation am Hut hatten, und dennoch erlebten sie mit Yoga Nidra eine zutiefst heilende Erfahrung. Für erfahrene Meditierende kann es eine effektive Ergänzung zu ihrer bestehenden Praxis sein. Die alten Yogis haben dieses Geschenk des Yoga über die Jahrhunderte hinweg kultiviert und verfeinert. Heute können seine Wirkungen helfen, uns in hektischen, zerstreuten Zeiten neues Leben einzuhauchen.

Hier erfährst du, welche vier Wirkungsfelder von Yoga Nidra besonders interessant sind.


Autor Eric Bennewitz lebt und unterrichtet in Hamburg. Mehr auf ericbennewitz.de

YogaWorld Journal 5/26
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