Nachgefragt bei Petra Orzech

Essen und Trinken rund um die Yogastunde – was ist optimal?

 

Morgens direkt aus dem Bett zur Yogastunde oder gleich nach der Arbeit auf die Matte – da kommt es schon einmal vor, dass man Schweißausbrüche bekommt vom Frühstückskaffee. Oder dass der Snack, den man kurz vor der Stunde noch zu sich genommen hat, im Magen einfach keine Ruhe geben will. Solche Situationen kennt fast jeder Yogi. Damit Sie sich bei der Yogapraxis wohl fühlen und sich deren gesundheitsfördernde Wirkung voll entfalten kann, hier die besten Tipps zum Essen und Trinken rund um die Stunde.

Zwei bis drei Stunden vor dem Yoga sollte man das letzte Mal etwas essen, denn dann ist die Nahrung pünktlich zur Praxis im Verdauungskanal angekommen und der Magen leer. Das ist gerade bei Atemübungen, Umkehrhaltungen und Vorbeugen angenehmer. Zudem wird beim Praktizieren mehr Energie frei, die sonst für die Verdauung gebraucht würde. Sollte der Magen vor der Stunde dennoch knurren, kann man eine Banane und etwas Studentenfutter essen oder ein Mango-Lassi trinken. Dadurch ist man vor einer möglichen Unterzuckerung geschützt, die gerade bei morgendlichen Yogastunden mit nüchternen Magen leicht entstehen kann.

Um entspannt durch die Stunde zu kommen, empfiehlt es sich, die letzten 30 Minuten vor dem Yoga nicht mehr als einen halben Liter Flüssigkeit zu trinken. Denn wie soll man mit einer vollen Blase tief in den Drehsitz kommen? Insbesondere harntreibende Getränke wie Cola oder Kaffee führen später nur schwer zur inneren Ruhe, sondern lenken die Gedanken eher an ein anderes stilles Örtchen.

Und wie sieht es mit dem Trinken während der Yogastunde aus? Bei der Asana-Praxis baut im Körper Hitze (Tapas) auf. Um dieses „Feuer” brennen zu lassen und die damit verbundenen Entgiftungsprozesse zu aktivieren, empfiehlt es sich, während des Übens nichts zu trinken. Der Grund: Unser Körper verliert durch das Schwitzen Wasser, das er sich aus dem Blut holt. Die Verdickung des Blutes verhindert der Körper, indem er Wasser aus dem Gewebe pumpt. Und genau mit diesem Gewebewasser gelangen die dort gelagerten Abfallprodukte über das Blut zu den Schweißdrüsen und aus unserem Körper heraus. Trinkt man beim Yoga, holt sich der Körper das Wasser statt aus dem Gewebe aus dem Magen, und der gewünschte Entschlackungsprozess findet nicht statt. Übrigens: Entsteht beim Praktizieren ein starkes Durstgefühl, ist das meist ein Zeichen dafür, dass man über den Tag nicht genügend getrunken hat.

Yoga sorgt bekanntlich für Ausgeglichenheit und beruhigt die Nerven. Dieses Prinzip sollte man sich auch beim Essen nach der Stunde zu Nutze machen – die Mahlzeit also bewusst genießen. 30 Minuten nach dem Yoga ist die perfekte Zeit für ein leckeres Essen. Findet die Stunde morgens statt, passt ein Müsli mit Obst oder ein Vollkornbrot mit Käse. Im Sommer schmeckt auch ein Smoothie. Fällt die Yogastunde auf den Abend, freut sich der Körper über eine eiweißreiche Kost mit viel Gemüse. Denn Nachts braucht der Stoffwechsel eine Ruhephase. Isst man abends Kohlenhydrate wie etwa Nudeln oder Brot, wird das Hormon Insulin ausgeschüttet. Das bedeutet eine Extra-Nachtschicht für den Körper. Eiweißprodukte wie Tofu oder Hülsenfrüchte dagegen regen die Ausschüttung vom Wachstumshormonen an. So kann der Organismus im Schlaf Regenerationsprozesse vornehmen.

Nicht zu vergessen ist der positive Nebeneffekt von Yoga auf das Ernährungsverhalten: Durch die regelmäßige Praxis lernen wir wieder, auf unsere Körpersignale zu hören und dadurch auch zu spüren, welche Nahrungsmittel uns gut tun. Auch das natürliche Sättigungsgefühl stellt sich wieder ein. Die Wissenschaft bezeichnet diese Phänomen übrigens als „somatische“ oder „körperliche Intelligenz“.

Petra Orzech ist Yoga-Lehrerin, Ernährungswissenschaftlerin und Journalistin. Sie ist gerne in New York unterwegs, um neue Yoga-Trends aufzuspüren. In Hamburg bietet sie regelmäßige Seminare zum Thema „Yoga und Ernährung” (Kontakt: petra.orzech@alice.de) an.

YogaWorld Journal 5/26
YogaWorld Journal 5/26

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