Ayurveda für den Sommer – Teil 2

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Sie fühlen sich verschwitzt, gereizt, lethargisch und haben den Sommer schon satt? Wir haben die Lösung: Unser kühlendes, beruhigendes Ayurveda-Rettungsprogramm.

Teil 2: Gelassener üben

Es kann ja sein, dass Sie Ihre dynamische Vinyasa-Praxis lieben. Doch jede intensive Muskelaktivität erzeugt Hitze – in Körper und Geist. (Letzteres erkennen Sie zum Beispiel daran, dass Sie sich immer wieder umschauen, um zu überprüfen, ob Ihre Mit-Yogis den Handstand vielleicht besser hinkriegen als Sie selbst.) Damit Sie nicht nur der Sommerhitze besser standhalten können, sondern auch lernen, Wettkampfgedanken zu zügeln, und stattdessen eine gelassenere Haltung entwickeln, empfiehlt die Yoga- und Ayurveda-Lehrerin Melina Meza eine sommerliche Praxis, die Ihr Pitta dämpft.

Kühl atmen

Sitali Pranayama (kühlende Atmung) senkt die Hitze, indem die Luft befeuchtet und gekühlt wird, bevor sie in die Lunge gelangt. Laut Ayurveda hat das eine beruhigende Wirkung auf das Nervensystem. Machen Sie diese Übung täglich in einer bequemen Sitzhaltung, entweder für sich alleine oder als Auftakt beziehungsweise Abschluss Ihrer Asana-Praxis.

So geht’s
Rollen Sie die Ränder der Zunge nach oben, als ob Sie einen Strohhalm formen wollten.*
Durch diese Röhre saugen Sie nun langsam die Luft ein und spüren dabei die Kühle in Ihrem Mund. Zum Ausatmen lösen Sie die Zunge wieder, schließen den Mund und atmen langsam durch die Nase aus. Nehmen Sie bewusst die natürliche Atempause wahr, bevor Sie wieder über die Zunge einatmen. Üben Sie Sitali Pranayama bis zu 5 Minuten lang.

*Ob man die Zunge einrollen kann oder nicht, hat nichts mit Übung zu tun, es ist genetisch bedingt. Die Alternative für alle, die es nicht können, heißt Sitkari Pranayama. Dabei legt man die Zungenspitze zum Einatmen durch den Mund hinter die Schneidezähne und spitzt die Lippen.

Zur Ruhe kommen

Sitzhaltungen bringen einen der Erde näher – und im Ayurveda gilt dieser Platz als kühlend. Melina Mezas Tipp, um Pitta zu beruhigen, ist Baddha Konasana (gebundene Winkelhaltung) in der Version des Yin Yoga.

So geht’s
Setzen Sie sich mit aneinander gelegten Fußsohlen auf den Boden. Wenn dabei die Knie höher stehen als das Becken, setzen Sie sich erhöht auf eine gefaltete Decke oder ein Sitzkissen. Greifen Sie Ihre Füße mit beiden Händen, schließen Sie die Augen und lassen Sie den Oberkörper nach vorn sinken. Die Stirn kommt auf dem Boden, einem Bolster oder der Sitzfläche eines Stuhls an, die Hände gleiten, wenn Sie mögen, nach vorn, bis die Arme ausgestreckt sind. Atmen Sie langsam und tief und bleiben Sie 1 bis 3 Minuten in dieser Haltung.

Meditieren

Die Metta-Meditation der buddhistischen Tradition verstärkt das Mitgefühl und die Liebe zu sich und anderen. Gerade im Sommer kann diese Form der Meditation sehr hilfreich sein, um den für Pitta typischen Gefühlen wie Wut und Frust zu begegnen. Wissenschaftler haben das bestätigt: Laut einer Studie aus dem Jahr 2009 nehmen positive Gefühle wie Freude und Dankbarkeit deutlich zu, wenn man etwa 1 Stunde pro Woche die Metta-Meditation praktiziert. Außerdem kann sie Stress und Entzündungen lindern, die sonst zu Depressionen, Herzschwäche und Krebs führen können.

So geht’s
Setzen Sie sich still in eine bequeme Sitzhaltung und richten Sie die unten stehenden Sätze zunächst an sich selbst, dann an jemanden, zu dem Sie ein schwieriges Verhältnis haben oder an jemanden, den Sie lieben, der sich aber gerade in einer harten Lebensphase befindet. Zum Schluss senden Sie Ihr Mitgefühl hinaus in die Welt.

Möge es mir (dir) gut gehen.
Möge ich (mögest du) friedlich und entspannt sein.
Möge ich (mögest du) glücklich sein.

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