Katerkur für Geist und Körper

Oft blockieren uns Reue und Scham über Vergangenes noch lange in der Gegenwart – und das schon bei kleinen Peinlichkeiten. Aber: Wir können die Zeit nicht zurückdrehen und Gesagtes, Getanes und Geschehenes ändern. Unsere Gastautorin Jane Robertson, kennt das. Und: Sie teilt ihre Tipps gegen alkoholbedingten Kater mit uns. 

Die gemütliche Festlichkeit der Weihnachtszeit mit Glühwein und Gebäck, ausgelassene Silvesterparties mit allen Begleiterscheinungen und -getränken, und auch abseits dieser Daten ein Glas zu viel mit guten Freunden: Da gibt es doch nichts zu bereuen? Oder etwa doch? Wie fühlst du dich nach einer trunkenen Ausschweifungen? Klagen und schlechtes Gewissen über die Vergangenheit sind eine Flucht aus der Gegenwart und führen uns in eine Sackgasse. Ist wirklich das Geschehene das Problem oder eher die Gedanken, die es am Leben halten? Eckhart Tolle nennt als Grund vieler unserer Sorgen „zu viel Vergangenheit und nicht genug Gegenwart.“

Was lässt uns so unter Peinlichkeiten leiden?

Vor ein paar Jahren entdeckte ich dies für mich selbst. Auf der Hochzeit meines Cousins trank ich viel zu viel Champagner. Die Folge: Ein spektakulärer Sturz auf meinen High Heels und eine bizarre Tanzeinlage mit meinem Lieblingsonkel. Am nächsten Morgen wachte ich mit pochenden Kopfschmerzen auf und spürte Übelkeit – auch weil ich mich erinnerte, dass alles minutiös auf dem Smartphone meines Bruders festgehalten war. Ein weiterer Tag verging, mein Körper erholte sich, aber mein Geist brauchte eine ganze Woche, um die Peinlichkeit und das Bedauern loszulassen – und noch länger, um mir selbst zu vergeben. Im Englischen stammt die Wurzel des Wortes „regret“ aus dem germanischen Wort für „weinen“. Warum aber sollten wir die Vergangenheit beweinen, wenn es sie gar nicht mehr gibt? Es sind die Erinnerungen an das Passierte, die das Leiden verursachen, nicht das Ereignis an sich.

Fünf Monate nach der Hochzeit starb mein geliebter Onkel, mit dem ich so verrückt getanzt hatte. Da wurde mir eines klar: Hätte ich nicht so ausgelassen an der Feier teilgenommen, hätten wir gemeinsam nicht so viel Freude geteilt. Das schöne Erlebnis ist dankenswerterweise sogar in einem Film festgehalten. Ob ich es nun bedauere? Nein. Absolut nicht.

Yogische „Katerkur“

Du hast also ausgelassen gefeiert oder hast die Party noch vor dir? Denke daran, dass Reue und Selbstmitleid nicht weiter helfen. Stattdessen sind hier meine Lieblingstipps, den Kater auf yogische Weise zu kurieren.

  • Wasser, Wasser und noch mehr Wasser. Nimm viel Flüssigkeit zu dich. Das klingt banal, aber wird die Hauptarbeit erledigen.
  • Ingwer-Zitronen-Tee hilft bei Übelkeit und wärmt den geplagten Körper und die Seele.
  • Ätherische Öle: Probiere die himmlische Mischung aus Lavendel, Zitrone und Fenchel, entweder in einer Duftlampe oder einem entspannenden Bad. Gegen Kopfschmerzen hilft Tiger Balsam.
  • Restorative Yoga: Asanas müssen nicht immer dynamisch sein. Entschleunige deine Praxis und fühle dich wirklich in die Haltungen ein. Empfehlenswert sind Drehungen in Rückenlage, Kindhaltung oder Shavasana, die dich wieder neu mit deinem Körper verbinden. Eine wunderbare Restorative Yoga Sequenz findest du hier.
  • Schlafen oder gleich yogisch schlafen. Yoga Nidra, eine geführte Meditationssitzung, die der Wirkung von bis zu drei Stunden Schlaf entsprechen kann, unterstützt körperliche, mentale und emotionale Entspannung. Sie kann auf dem Boden oder im Bett liegend praktiziert werden.

Portrait Jane Robertson_Reue lohnt nciht_Katerkur

Jane Robertson, Yogalehrerin aus London, unterrichtet unter anderem im Como Metropolitan Hotel, das – Stichwort „Nichts bereuen“ – sowohl für seine Bar als auch seinen exzellenten Spa-Bereich bekannt ist. www.janerobertsonyoga.com

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