Mein(e) Schatten und ich

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Beleuchten Sie die dunkle Seite Ihrer Persönlichkeit, um Ihre negativen Eigenschaften zu entdecken und zu verändern.
Illustration: Aimee Sicuro

Liane weiß genau, dass Brian ihre große Liebe ist, aber als sie zusammenziehen, bemerkt sie ein verstö­rendes Verhaltensmuster an sich. Wenn Brian spät nach Hause kommt oder ganz in seine Arbeit versun­ken ist, während sie mit ihm reden will, wird sie ex­trem wütend. Entweder zieht sie sich dann in ärger­liches Schweigen zurück, oder, was noch schlimmer ist, schreit ihn an. Als Liane sich selbst während einer dieser Tiraden zufällig im Spiegel sieht, ist sie scho­ckiert über den harten, aggressiven Ausdruck auf ih­rem Gesicht. „Ich bin ein liebevoller Mensch“, sagt sie. „Ich weiß nicht, wo diese Gefühle herkommen. Gibt es keine spirituelle Praxis, mit deren Hilfe ich etwas gegen diese negativen Eigenschaften tun kann?“

Diese Frage taucht häufig auf, besonders bei Yogis, die wissen, wie sich ein liebevoller und großzügiger Zu­stand anfühlt. Sie kennen die warmherzige, weise Per­son in sich selbst. Woher also kommen diese hässlichen Gefühle und Verhaltensweisen? Oft wünscht man sich dann einen Zauberstab, der Angst, Wut und Unsicher­heit für immer ein Ende macht. Aber das Bedürfnis, die eigenen negativen Eigenschaften loszuwerden, so dass man nur seine „guten“ Seiten auslebt, ist Teil des Prob­lems. Es gibt keinen magischen Trick, der die negativen Eigenschaften verschwinden lässt, weder im Yoga noch auf einem anderen spirituellen Weg. Stattdessen muss man sich seiner Schattenseiten bewusst werden, von ihnen lernen und mit Bedacht an ihnen arbeiten. Die schmerzhaften Samskaras, die man sich als tiefe Fur­chen in der eigenen Seele vorstellen kann und die ne­gative Verhaltensweisen auslösen können, werden Ihre Gedanken und Ihr Verhalten beeinflussen, bis Sie sie genau erforschen und sie als wesentlichen Teil des ei­genen Bewusstseins annehmen. Dann können Sie die Energie, die darin gebunden ist, freisetzen und sie für Ihr persönliches und spirituelles Wachstum nutzen. Irgendwann ist der Punkt erreicht, an dem Sie sich mit diesen negativen Eigenschaften (für die der große Psy­choanalytiker Carl Gustav Jung den Ausdruck „Schat­ten“ geprägt hat) auseinandersetzen müssen, oder Sie werden mit den Folgen Ihrer sich ständig wieder­ holenden unfreiwilligen Fehler leben müssen. Viel­leicht fragen Ihre Freunde Sie, warum Sie ständig zu spät kommen. Oder warum Sie Gerüchte über andere Menschen verbreiten. Oder Ihnen wird wie Liane be­wusst, dass Sie ständig auf einen Ihnen nahestehen­ den Menschen wütend sind, oder Sie überspielen Ihre Unsicherheit mit Überheblichkeit, oder Ihre Stimmung schwankt ständig zwischen guter und schlechter Laune.

Jung, dessen Werk von den östlichen Schriften und Weisheiten beeinflusst war, nannte den Schatten „den Menschen, der Sie lieber nicht sein wollen“ – das Gegen­teil Ihrer bewussten Persönlichkeit. Er prägte den Aus­druck „Schatten“, um die Eigenschaften zu beschrei­ben, die einige der yogischen Schriften als Kleshas bezeichnen (wörtlich übersetzt: Ursachen des Leidens). Das sind die Eigenschaften, die in der Bhagavad Gita, einer der wichtigsten yogischen Schriften, etwas ein­schüchternd als „dämonisch“ beschrieben werden. An­ders ausgedrückt: Der Schatten vereint alle selbstsüch­tigen, primitiven, egoistischen, gewalttätigen, faulen und selbstgerechten Seiten Ihrer Persönlichkeit.

Der Schatten umfasst alle Seiten Ihrer Psyche, die Sie lieber nicht genau ansehen – die Wesenszüge, für die Sie sich immer geschämt haben, und die Eigenschaften, die Sie am liebsten im tiefsten Keller Ihrer Persönlich­keit verstecken möchten. Unsere Schattenseiten sind häufig primitiv und unreif, weil wir sie ausblenden und deshalb nicht weiterentwickeln. Wenn wir unse­re negativen Eigenschaften vor unserer bewussten Selbstwahrnehmung verstecken, werden sie unsere Gefühle und unser Verhalten auf unberechenbare Art beeinflussen. Sie merken es, wenn Sie wegen einer Kleinigkeit wütend werden, wegen eines kleines Feh­lers verzweifeln, oder wenn Sie eine Abneigung gegen jemanden entwickeln, der eine Eigenschaft an den Tag legt, die Sie bei sich selbst nicht wahrhaben wollen.

Der innere Richter
Shelly, eine Krankenschwester, war immer stolz auf ihre Fähigkeit, sich in Patienten hineinzufühlen und är­gerte sich über ihre Vorgesetzte, die die Patienten ihrer Meinung nach herablassend behandelte. Deshalb geriet sie häufig in Streit mit ihrer Vorgesetzten. Bei einem Wochenend­-Workshop über den eigenen Schatten bat ich Shelly, zu erforschen, warum ihr Urteil so hart aus­ fiel. Als wir darüber sprachen, wurde ihr klar, dass sie selbst Herablassung gegenüber genau jenen Patienten empfand, die ihre Vorgesetzte herablassend behandelte – aber sie kompensierte dieses Gefühl, indem sie die­sen Patienten gegenüber besonders nett war. Ihr Urteil über ihre Vorgesetzte war ein Spiegelbild des Urteils über sich selbst, sobald sie wütend wurde oder sich an­ders verhielt als der nette, liebevolle Mensch, der ihrem Selbstbild entsprach. Shelly brauchte eine Weile, um die Verbindung zwi­schen ihrer Selbstkritik und der strengen Beurteilung ihrer Vorgesetzten wahrzunehmen. Als sie die Un­erbittlichkeit ihres inneren Richters erkannte, konnte sie auch ihre Vorgesetzte mit mehr Mitgefühl betrach­ten. Das führte dazu, dass sie weniger stritten, und Shelly hat inzwischen das Gefühl, dass sich die gesamte Atmosphäre auf der Station verbessert hat. „Vielleicht hat sich die Atmosphäre wirklich verändert“, sagte sie. „Oder sie fühlt sich anders an, weil ich mich verändert habe.“ Diese Geschichte zeigt, wie die Einstellungen Ihres un­bewussten Schattens Ihren Blick auf das Leben beein­flussen. Wenn man etwas an sich selbst nicht wahrneh­men kann, projiziert man es unweigerlich auf jemand anderen – ob man diese Eigenschaft am anderen nun verurteilt oder bewundert.

Eine Strategie gegen diese Muster kann die „Schat­tenarbeit“ sein, bei der man sich ganz bewusst durch Praktiken und Methoden der Selbsterforschung (aus der Yogatradition und der Psychologie) die eigenen Schattenseiten bewusst macht und Verantwortung für sie übernimmt, so wie es Shelly getan hat. Sobald Ihr Schatten wirklich zu Ihnen gehört, können Sie damit beginnen, ihn zu verändern und zu integrieren. Wenn Sie lernen, Ihren Schatten wahrzunehmen, kön­nen Sie Ihre Beziehung zu anderen Menschen und zu sich selbst verändern. Sie können konstruktive Kritik leichter annehmen, sobald Sie erkannt haben, dass es Ihr perfektionistischer innerer Kritiker ist, der Ihnen das Leben schwer macht – und nicht der Mensch, der versucht, Ihnen mit kritischem Feedback zu helfen. Noch wichtiger: Sie werden feststellen, dass Sie mit Hil­fe dieser „Schattenarbeit“ viele der negativen Gefühle, die Sie sich selbst gegenüber hegen, lösen können – bei­spielsweise das Gefühl von Scham und Minderwertig­keit, oder den schleichenden Verdacht, dass Sie nicht der Mensch sind, der Sie vorgeben zu sein. Es wird auch einfacher, einige unbewusste Verhaltensmuster loszulassen: Vielleicht sind Sie stets unehrlich zu Ihren Kollegen oder wütend auf Ihre Mutter, oder Sie wählen immer wieder Partner, die Sie ausnutzen.

Oft zeigen Menschen, die sich ernsthaft mit der „Schat­tenarbeit“ beschäftigt haben, ein hohes Maß an Aus­geglichenheit, Toleranz und Selbstakzeptanz. Sie sind häufig sehr aufrichtig – sie predigen nicht das eine und tun das andere. Ihre ethischen Grundsätze werden nicht von unbewussten Impulsen, emotional aufgela­denen Projektionen oder negativen Verhaltensmustern unterlaufen. Sobald Sie beginnen, Ihre verdrängten Ei­genschaften anzuerkennen und mit Ihrer „Schattenar­beit“ vorankommen, werden Sie ahnen, wie sich echtes inneres Gleichgewicht anfühlt.

Die Entstehung des Schattens
Es ist oft schmerzhaft, sich einer tief sitzenden Schat­tenseite bewusst zu werden, und dieser Schmerz hat seine Wurzeln häufig in der frühen Kindheit. Vielleicht fanden Ihre Eltern Sie zu unbändig, zu sprunghaft, zu fordernd, zu sensibel oder zu wütend. Vielleicht ha­ben Ihre Freunde, Mitschüler und Lehrer bestimmte Eigenschaften belohnt und andere abgelehnt. Wenn bestimmte Eigenschaften Missfallen erregen, beginnt man häufig, sie zu unterdrücken oder zu verstecken. Wenn solche nicht akzeptierten Charaktereigenschaf­ten aber unterdrückt werden, hat man nicht die Mög­lichkeit, an ihnen zu arbeiten und die positiven Seiten daran zu entdecken – das ist das eigentliche Problem. Beispielsweise kann sich die Intensität, die sich in kind­licher Wut ausdrückt, bei einem geistig gesunden Men­schen in eine reifere Eigenschaft verwandeln – etwa in Widerstand gegen Rücksichtslosigkeit oder in Selbstbe­hauptung in schwierigen Situationen. Ihre Traurigkeit kann zu einer Fähigkeit zu tiefem Mitgefühl werden. In der Angst liegt das Potenzial, sich zu einer gesunden Verletzlichkeit zu entwickeln; in der Impulsivität liegt die Wurzel zu echter Spontaneität. Aus diesem Grund bringt es nichts, den eigenen Schatten zu verleugnen. Er mag primitiv, egoistisch und manchmal inkonse­quent sein, aber in ihm liegt auch eine Energiequelle für kreatives und spirituelles Wachstum.

Vom Schatten ins Licht
Es gibt verschiedene Ansätze, mit den eigenen Schat­tenseiten zu arbeiten, und jeder ist auf seine Art pro­duktiv. Im klassischen Yoga des Patanjali wird die Ansicht vertreten, dass man sich von seinen Schatten­ seiten reinigen und sie letztendlich loswerden sollte. Die traditionelle Heilung besteht darin, Tugenden wie Wahrhaftigkeit, Gewaltlosigkeit und Zufriedenheit aus­ zubilden und Reinigungstechniken zu üben: Bestimmte Asanas, Mantras und Meditationsübungen sollen viele Schattenseiten aus dem Unbewussten vertreiben. Das Chanten und Singen von Mantras beispielsweise kann eine sehr wirksame Methode sein, um negative Gedan­ken und Gefühle aus dem Geist und Herzen zu beseiti­gen und schmerzhafte Empfindungen aufzulösen, die uns sonst vielleicht zu impulsiven Handlungen treiben würden. Diese Praktiken sind wichtige und notwendige Verbündete.

Aber irgendwann folgt die Erkenntnis, dass man noch einen Schritt weiter gehen kann: indem man die Ener­gie befreit, die in den Schattenseiten gefangen ist, und ihr eine positive Richtung gibt. Ein Schlüsselsatz in der Spanda Karikas, einem wich­tigen Text der tantrischen Philosophie, erklärt das My­sterium, das sich in dieser „Schattenenergie“ verbirgt: Im Text wird beschrieben, wie Spanda, die transforma­tive Energie des Universums und die Energie, die uns die Kraft für unseren evolutionären Sprung verliehen hat, sich in Momenten extremer Gefühle und Leiden­schaften – Wut, Angst, tiefer Verwirrung und freu­diger Erregung – besonders stark zeigt. Der tantrische Ansatz empfiehlt folgende Technik: Konzentrieren Sie sich auf die Energie, die in intensiven Momenten spür­bar wird, und richten Sie Ihren Fokus nach innen, zur Wurzel dieser Energie oder des Impulses, statt diesen auszuleben. Dann können Sie dem negativen Gefühl auf den Grund gehen – und zu dem reinen Bewusstsein vorstoßen, das in Ihrem göttlichen Innersten liegt.

Sich selbst erforschen
Wenn Sie diese Gegensätze in sich selbst erforschen wollen, müssen Sie Ihren Schatten objektiv und auf­merksam betrachten. Ein guter Ansatzpunkt sind die Eigenschaften, für die Sie häufig kritisiert werden. Vielleicht kommt von Ihrer Familie oder Ihren Kollegen das Feedback, dass Sie manchmal dominant oder auf­brausend sind oder mit Menschen flirten, die anderen viel bedeuten – und Sie haben dieses Feedback bisher ignoriert. Wie mein Freund Jon. Er wird ständig von all seinen Freunden aufgezogen, weil er seine eigenen Leistungen übertreibt, und er wird kritisiert, weil er anderen die Schuld an seinen Fehlern gibt. Lange Zeit weigerte er sich, diese Kritik ernst zu nehmen. Dann erklärte ihm ein langjähriger Freund, dass er nicht länger so eng mit jemandem befreundet sein wolle, der nicht ehr­lich sei. Jon war sehr verletzt, aber ihm wurde klar, dass er endlich zugeben musste, dass es ihm zur Gewohnheit geworden war, es mit der Wahrheit nicht ganz so ge­nau zu nehmen. Er gestand es sich selbst gegenüber ein und setzte sich mit den Schamgefühlen auseinander, die dieses Geständnis in ihm auslöste. Von einem Mo­ment auf den anderen wurde er zu einem aufrichtigen Menschen.

Drei Strategien
Genauso wichtig ist es wahrzunehmen, wann eine Si­tuation starke Gefühle auslöst. Warum ärgert es Sie so, wenn sich die Schlange am Fahrkartenschalter so lang­ sam vorwärts bewegt? Könnte Ihre Wut aus einer fehlgeleiteten Anspruchshaltung resultieren – dem Gefühl, dass alles so laufen muss, wie es Ihnen passt? Warum löst es in Ihnen ein schlechtes Gefühl aus, wenn Ihre Freundin ganz mühelos ihre Rechtsanwaltszulassung bekommt? Liegt es daran, dass Sie Ihre Doktorarbeit schon ewig aufschieben und der Erfolg anderer sich bedrohlich anfühlt? Wenn Sie Ihre verdrängten Schat­tenseiten ganz genau unter die Lupe nehmen, verlieren diese ihre Wirkung – und so auch die Macht über Sie. Ein anderer Weg, Ihre Schattenseiten ans Licht zu ho­len, ist die Betrachtung von Menschen, denen Sie ein starkes negatives Gefühl entgegenbringen. Als Hil­lary Clinton 2008 bei den Vorwahlen antrat, traf ich immer wieder Frauen, die praktisch Schaum vor dem Mund hatten, wenn ihr Name erwähnt wurde. All die­se Frauen waren erfolgreich und hatten viele Kompro­misse eingehen müssen, um in männlich dominierten Berufen Karriere zu machen. Sie meinten, Hillary wäre skrupellos und opportunistisch. Manche sagten sogar: „Ich hasse sie.“ Die Heftigkeit der Ablehnung allein zeigte, dass hier Projektionen am Werk waren. Die „dunklen“ Eigenschaften, die die Frauen in Hillary sahen, waren verleugnete Seiten ihrer selbst.

All das trifft auch auf Ihren positiven Schatten zu – auf Ihre nicht gewürdigten „guten“ Eigenschaften. Viel­leicht spiegeln die Menschen, die Sie für ihren Mut, ihre Kreativität, ihre Weisheit und ihren Charme bewun­dern, lediglich Ihr eigenes verstecktes Potenzial wider? Denken Sie darüber nach: Wen haben Sie während Ihrer Jugend bewundert und warum? Welche Eigen­schaften bringen Sie dazu, sich in jemanden zu verlie­ben? Was bewundern Sie an Ihren engsten Freunden? Das könnte Sie zu Ihren eigenen vernachlässigten oder versteckten Stärken führen. Wenn Sie Ihre „Schattenarbeit“ über längere Zeit fort­ setzen, machen Sie sich die Mühe aufzuschreiben, worin sich Ihre Schattenseiten zeigen – ohne sich zu verurteilen oder sich die Schuld daran zu geben. Viel­leicht erkennen Sie, dass Ihre Schattenseiten die Macht über Sie übernommen haben, wenn Sie sich über die kritischen Bemerkungen Ihres Expartners empören. Oder wenn Sie sich darüber ärgern, dass eine enge Freundin sich nicht meldet, anstatt sie selbst anzuru­fen. Oder wenn Sie Ihren Chef idealisieren, weil er so kreativ ist, während Sie Ihre eigenen Ideen nicht ein­ bringen. Sobald Sie merken, wann Ihr Schatten Sie im Griff hat, können Sie versuchen, ganz bewusst nicht Ih­rem ersten Impuls zu folgen – beispielsweise, indem Sie Ihnen nahestehende Menschen anschreien. Sie können sich entscheiden, anders zu reagieren als sonst – viel­leicht, indem Sie geduldig sind, wenn Sie sich über je­manden ärgern, oder indem Sie sich klarmachen, dass der Mann, den Sie bewundern, positive Eigenschaften besitzt, die auch in Ihnen selbst versteckt sind.

Sich befreien
Dann können Sie den nächsten Schritt gehen: Den Schritt, der es Ihnen erlaubt, Ihren Schatten zu inte­grieren und ihn schließlich loszulassen. Sie können lernen, sich Ihrer Schattenseiten bewusst zu werden, und die Energie, die darin gebunden ist, befreien. Sie werden verstehen und akzeptieren, dass Sie, wie jeder andere Mensch auch, helle und dunkle Seiten haben. Und wenn Sie beide wahrnehmen, werden Sie allein durch diese Achtsamkeit beide Seiten in Ihre Persön­lichkeit einbinden können. Dann wird die Energie frei, die durch die Übermacht der einen Seite gebunden war. Es ist ein Paradox, dass Sie erst dann, und nur dann, wirklich die Kraft haben werden, jene Eigenschaften und Verhaltensweisen zu ändern, die geändert werden können und sollten. Veränderung entsteht nicht aus dem blinden Versuch, negative Seiten zu unterdrücken oder die positiven zu verleugnen. Sie entsteht durch die Kraft, die frei wird, wenn wir diese Eigenschaften auf­ merksam betrachten. Nur wenn wir uns unserer eige­nen Abgründe bewusst werden – unserer ganz eigenen Weisheit und unserer ganz eigenen Blindheit, unserer Selbstlosigkeit und unserer selbstgerechten Wut – nur dann können wir selbst und andere uns wirklich ver­trauen. Das ist der Moment, in dem wir uns entschei­den können, unsere besten Seiten zu leben. Das ist der Moment, in dem unser Yoga all unsere Stunden und Tage mit Licht erfüllt.