Brief an einen Meditationsanfänger

Du möchtest gerne alles über Meditation wissen, hast aber keinen Lehrer, den du fragen kannst? Sally Kempton erklärt dir, was du als Meditationsanfänger wissen musst.

Wenn ich dir eine Sache über Meditation erzählen müsste, wäre es das Folgende. Meditation ist dein persönliches Experiment im Versuchslabor deines Körpers und Geistes. Deine Praxis wird zwar durch Lehrer geprägt, aber am Ende entscheidest du ganz allein für dich, wie du praktizierst. Natürlich muss ein Meditationsanfänger erst einmal damit anfangen, sich das Sitzen anzugewöhnen. Diese grundlegenden Techniken helfen dir dabei, diese Disziplin zu etablieren sowie eine bequeme Haltung und den inneren Fokus zu finden, damit deine Gedanken nicht ständig abschweifen. Aber wenn du regelmäßig meditierst, verändern sich die Dinge. Du erfährst Phasen der Stille, sogar der Zufriedenheit. Meditation ist eigentlich ein natürlicher Zustand, der von selbst eintritt, wenn du ihm Zeit gibst.

Und du entdeckst einige Vorteile der Meditation. Wie sie dir hilft, bei emotionalem Aufruhr stabil zu bleiben. Oder wie kreative Problemlösungen sich von selbst ergeben, wenn ruhig bist. Du stellst fest, dass sich dein Tag selbst nach einer Meditation schöner, gelassener oder energiegeladener anfühlt. Auch wenn du sie nicht als „gut“ oder „ruhig“ empfunden hast. Einfach durch die Zeit, in der du ruhig gesessen hast. Zugleich tauchen komplexere Fragen auf. Vielleicht stößt du immer wieder an dieselben inneren Mauern und fragst dich, wie du diese überwindest. Oder du empfindest deine Praxis als Routine und fragst dich, wie du sie interessanter gestalten kannst. Fange an, mit deiner Praxis zu spielen, zu experimentieren, werde kreativ. Es ist wichtig, sich selbst die Erlaubnis dazu zu geben, um nicht irgendwann frustriert aufzugeben. Ich möchte dir deshalb einige grundlegende Methoden vorstellen, mit deren Hilfe du die beste Meditationsübung für dich finden kannst.

Mache es dir bequem

Zunächst solltest du es dir bequem machen. Solange dein Rücken gerade ist und der Brustkorb weit, geht zunächst Bequemlichkeit über Form. Unterstütze vielleicht Becken und Knie mit Hilfsmitteln. Achte darauf, dass deine Hüften höher als die Knie sind. Ist es auf dem Boden zu unbequem, dann setze dich auf einen Stuhl. Wenn aufrecht Sitzen zu anstrengend ist, lehne dich an eine Wand und stopfe Kissen dahinter. So viele, dass du eine aufrechte Haltung einnehmen kannst. Wenn du in eine wirklich tiefe Meditation gelangen willst, musst du oft 45 bis 60 Minuten sitzen, bis sich Stille einstellt. Aber die gute Nachricht ist: Eine tägliche Praxis von 20 Minuten steigert deine Konzentration, stabilisiert dein Gefühlsleben, ermöglicht dir  Kreativität und erlaubt immer längere Einblicke in die Quelle deines inneren Friedens.

Grundtechnik für Meditationsanfänger

Als nächstes wählst du eine Grundtechnik und übst diese täglich, bis sie Gewohnheit wird. Deine Grundtechnik ist das Fundament, um die Aufmerksamkeit nach innen zu richten. Das tägliche Üben ermöglicht den Weg zu den tieferen Schichten deines Ichs. Für Meditationseinsteiger ist es besonders wichtig, eine regelmäßige Praxis zu etablieren. Auch erfahrene Meditierende profitieren von einer Morgenroutine, die dem Geist Innenschau signalisiert. Sobald dieses Ritual ein fester Bestandteil ist, kannst mit anderen Techniken experimentieren. Immer in dem Wissen, dass du jederzeit zur Grundtechnik zurückkehren kannst. Wenn du mit dem Meditieren beginnst und keine körperlichen Beschwerden spürst, fange mit 10 Minuten an und verlängere deine Meditation täglich um eine Minute, bis du eine halbe Stunde erreicht hast. Aber wie findest du die richtige Grundtechnik?

Wenn du keinen Lehrer hast, ist es probiere verschiedene klassische Techniken aus. Nimm dir für jede Zeit, damit du dich in sie hineinfühlst und ihre Wirkung spürst. Eine Technik funktioniert, wenn du feststellst, dass sie den Meditationsfluss aktiviert. Ein Paradox der Meditation ist es, dass die Technik selbst nur Mittel zum Zweck ist. Das Ziel ist nicht, die Technik meisterhaft zu beherrschen, sondern im natürlichen Zustand der Meditation. Die meisten Grundtechniken gehören zu einer von fünf einfachen Kategorien. Achtsamkeitsmeditation, Mantra, innerer Körper, Visualisierung und Selbsterforschung.

Jede Technik schult deine Aufmerksamkeit und jede hat eine andere Wirkung auf deinen inneren Zustand. Die Techniken werden oft kombiniert, aber wenn du Meditationsanfänger bist, ist es besser, wenn du dich zunächst nur auf eine konzentrierst. Mit einer Technik sollte man ungefähr einen Monat lang arbeiten, um die Wirkung zu erfahren. Mit der Grundtechnik fokussierst du deinen Geist. Sie sollte sich angenehm anfühlen und sich deine Aufmerksamkeit so bündeln lassen, dass du in einen tieferen Bewusstseinszustand eintrittst.

Wenn du kein visueller Mensch bist, beginne nicht mit einer Visualisierungstechnik. Wenn sich eine Technik nicht wenigstens ab und zu gut anfühlt, ist sie nicht die richtige für dich und funktioniert nicht. Niemand hat ständig Freude an der Meditation. Meditation kann langweilig sein und es gibt Tage, an denen das Sitzen einfach nur anstrengend ist. Deine Praxis sollte nicht immer ermüden. Das ist ein Zeichen dafür, dass du nicht die richtige Grundtechnik gewählt hast.

So natürlich wie die Atmung

Achtsamkeit ist eine der häufigsten Methoden. Dabei ist man dem Atem, dem Körper oder der Umgebung gegenüber aufmerksam. Das Atemspüren ist die grundlegendste und natürlichste Meditationstechnik. Sobald du dem Atemfluss folgst, richtet sich deine Aufmerksamkeit nach innen. Du kannst diese Technik auch in anderen Situationen nutzen. Beobachte, wie bei der Einatmung kühle Luft an der Nasenspitze nach innen strömt. Und bei der Ausatmung warme Luft wieder nach außen. Wenn Gedanken auftauchen, vermerke diese unter „Denken“ und kehre mit der Aufmerksamkeit zur Atmung zurück. Eine weitere Möglichkeit ist das Beobachten eines Körperteils, das sich beim Atmen bewegt. Das kann der Brustkorb sein, der Beckenboden oder der Bauch. Versuchen nicht, den Atem zu lenken, sondern nimm einfach wahr, wie er sich im Körper hebt und senkt.

Das ist mein Mantra

Mantrameditation gibt dir als Meditationsanfänger einen Anhaltspunkt. Das Mantra ist ein meditativer Gedanke. Er ersetzt den normalen inneren Monolog. Das richtige Mantra ist angenehm und freundlich, sodass du mühelos nach innen sinkst. Am schönsten ein Mantra von einem Lehrer, der selbst damit geübt hat. Bestimmte Mantras besitzen aber auch ihre ganz eigene Kraft. Das bekannteste Mantra ist „Om“. Setze dich ruhig hin, atme langsam ein und denke dabei „Om“. Atme langsam aus und denke dabei „Om“. Spüre die Energie und die Vibration der Silbe und ihre Wirkung auf den Körper. Wenn andere Gedanken auftauchen, richte deine Aufmerksamkeit wieder auf das „Om“. Lass deinen Geist mit dem Mantra verschmelzen, so wie sich ein Boot von der Strömung eines Flusses davontragen lässt.

Finde deine Mitte

Eine weitere Methode, ist die Konzentration auf eines der spirituellen Zentren im Körper, wie das Herz-Zentrum oder das dritte Auge. Eine meiner liebsten Herz-fokussierten Techniken für Meditationsanfänger ist folgende.

Richte deine Aufmerksamkeit auf das Zentrum deiner Brust, tief hinter dem Brustbein. Du findest diesen Punkt, indem du fünf Finger breit unter der Lücke der Schlüsselbeine abmisst und deine Aufmerksamkeit von diesem Punkt nach innen in die Mitte richtest. Lass den Atem fließen, als ob er in die Mitte deines Brustkorbs hinein- und hinausströmt und dein Herzens berührt. Wenn du deine Aufmerksamkeit auf das Herzzentrum richtest, wähle ein Wort, um dich nach innen zu richten. Dieses Wort soll ein Gefühl von Sicherheit, Verbindung zur Liebe, oder zum inneren Selbst vermitteln. „Vertrauen“ oder „Liebe“ sind solche Worte. Denke dieses Wort bei jeder Ausatmung. Erlaube deinem Geist, ganz sanft in dein Herz zu sinken und dich dort zu verwurzeln.

Mit dem inneren Auge

Wenn du ein visueller Meditationsanfänger bist, ein visuelles Element in deiner Praxis gut. Ich empfehle oft die klassische Visualisierung, bei der du dich eine Flamme in der Mitte deines Kopfes vorstellen, hinter dem dritten Auge. Das dritte Auge (Ajna Chakra) findest du, indem du einen Finger auf die Stirn zwischen die Augenbrauen legst und deine Aufmerksamkeit von dort nach innen zur Mitte richtest. Sitze still und konzentriere dich auf das dritte Auge. Atme ein und spüre, wie der Atem in dieses Zentrum aufsteigt. Stell dir vor, dass dein Atem durch die Stirn ein- und ausströmt, als ob du dort eine Nase hätten. Visualisiere eine daumengroße, goldene Flamme in diesem Zentrum vor und imaginiere, wie der ein- und ausströmende Atem diese Flamme berührt und sie zum Leuchten bringt. Spüre die goldene Wärme.

Ein Ort jenseits der Gedanken

Shankara, einer der großen Lehrer der vedantischen Tradition, prägte die berühmte Definition vom wahren Selbst als „dem Beobachter des Geistes“. Techniken der Selbsterforschung sind vielfältig, aber das Ziel ist stets, die Aufmerksamkeit direkt auf diesen inneren Beobachter zu lenken. So gelangst du in Kontakt mit deiner eigenen, reinen Aufmerksamkeit, dem Bewusstsein und deinem wahren Ich. Beginne, indem du dich auf deinen Atemfluss konzentrieren, kühl bei der Einatmung, warm bei der Ausatmung. Wenn deine Gedanken abschweifen, frage dich, was genau in dir weiß, dass du denkst. Warte und beobachte, was als Antwort auf diese Frage auftaucht. Nach einigen Minuten sollte dir bewusst werden, dass es tatsächlich ein „Wissen“ gibt, ein unpersönliches Bewusstsein, das deine Gedanken beobachtet. Versuche, dieses Wissen, diesen Zeugen deines Geistes, präsent zu halten.

Der Umgang mit Ablenkung

Egal welche Grundtechnik du als Meditationsanfänger wählst. Du brauchst Strategien für den Umgang mit den unweigerlichen Gedanken. Am einfachsten ist es, sich immer wieder an den Fokus zu erinnern. Sobald du abschweifst, konzentriere dich wieder auf dein Mantra, deine Atmung oder eine andere Technik. Du wirst den Fokus immer wieder verlieren und sich in Gedanken oder Tagträumen verlieren. Das ist ganz normal. Erinnere dich einfach daran, was du eigentlich tun willst, und sagen zu dir selbst: „Denken“.

Routine vermeiden

Sobald du mit deiner Grundtechnik vertraut bist, kannst du anfangen, kreativ zu werden. Eine Methode, deiner Meditationspraxis eine andere Note zu verleihen, ist das Experimentieren mit spirituellen Einstellungen. Du kannst beispielsweise deine Atem-Grundtechnik mit dem Satz „Ich werde geliebt“ bereichern. Oder übe mit deinem Mantra, dich auf die Energie der Vibration konzentrieren, die das Mantra im Körper auslöst, und beobachte, wie sich deine Erfahrung vertieft, wenn du das Mantra energetisch wahrnimmst.

Wenn nicht mehr Meditationsanfänger bist, bemerkst du energetische Verschiebungen. Vielleicht wird deine Energie weicher. Oder du spürst ein Kribbeln auf der Haut. Vielleicht fühlt es sich so an, als ob sich dein Herz weitet. Oder es tauchen Farben oder Visionen von Gesichtern oder Landschaften auf. Diese energetischen Verschiebungen sind Einladungen, weiter in einen tieferen Zustand zu gelangen. Wenn solche Verschiebungen auftreten, gehe mit und lass dich mit dem Meditationsfluss zu treiben. Diese natürliche Energie bringt dich weiter als jede Technik und in den eigentlichen meditativen Zustand. Das ist der Punkt, an dem die Meditation keine Routine mehr ist, sondern zu einer kreativen und herausfordernden Form der Selbsterforschung wird.

Die Kunst des Gleichgewichts

Sobald du als Meditationsanfänger deine Grundtechnik gefestigt hast, versuche ein- oder zweimal pro Woche etwas anderes. Andere Techniken helfen dir bei der Weiterentwicklung der Teile deines Selbst, die durch deine alltägliche Praxis nicht berührt werden. Wir wissen, dass wir im Außen Balance brauchen, aber wir vergessen, dass das auch für unser Innenleben zutrifft. Wenn du bei deiner Grundtechnik übst, deinen Fokus zu halten, versuche einfach mal, ruhig und entspannt zu sitzen, ohne die Aufmerksamkeit zu fokussieren.

Wenn du mit einer Grundtechnik oder mit dem Öffnen des dritten Auges gearbeitet hast und feststellst, dass dein Herz sich verschlossen anfühlt, experimentiere du mit einer herzbasierten Technik wie einem Mantra. Meditierst du hingegen normalerweise mit einer herzbasierten, emotionsbetonten Technik, oder wenn du unbemerkt anfängst, eine erfolgreiche Meditation daran zu messen, ob du dich ständig gut fühlst, dann profitierst du eher von anderen Abwechslung. Versuche ein paar Mal pro Woche eine Technik, bei der du deinen Geist unbeteiligt beobachtest, nichts beurteilst und stets in der Rolle des Beobachters bleibst.

Dabei bleiben

Manchmal erfährst du in deiner Meditationspraxis Phasen großer Tiefe und Freude. Dann wieder fühlt sie sich langweilig an oder wie ein ewiger Kampf gegen die Gedanken. Du erlebst Wochen inneren Friedens und Wochen, in denen die Meditation Gefühle wie Trauer, Wut und Angst auslöst. Fasse den Entschluss, gegen Langeweile und Widerstand durchzuhalten, und erlebst du die Meditation als Reise durch verschiedene emotionale Schichten. Dieser Prozess gehört zur reinigenden Wirkung, da verdrängte Eigenschaften hochkommen, die du dann loslässt.

Lass diese einfach durch dich hindurchgehen, ohne festhalten oder wegdrücken. Am meisten profitiert man von Meditation, wenn man sie stets willkommen heißt. In guten und in schlechten Zeiten. Meditieren ist eine Einladung zu einer intimen Begegnung mit dem eigenen Bewusstsein und Herzen. Zugleich aber auch eine Öffnung zum Universum selbst. Der Meditierende erforscht sein inneres Selbst. Die größte Überraschung ist aber die Feststellung, dass du, wenn du dein inneres Selbst kennst, letztendlich auch das große Ganze, das unendliche universelle Selbst erfährst. Viele wissen, dass der Tropfen im Meer enthalten ist, schrieb der Dichter Kabir, aber nur wenige wissen, dass das Meer im Tropfen enthalten ist. Beginne als Meditationsanfänger du erfährst die Magie der Meditation.


Sally Kempton ist renommierte Meditationslehrerin und Buchautorin.

Playlist für dein Home-Yoga-Retreat

Nur weil wir den Yoga-Urlaub absagen mussten, heißt es nicht, dass wir ganz auf der Strecke bleiben. Diese Playlist versetzt euch gedanklich an den Ort, an dem ihr gerade sein wollt und bringt euch trotz aller Herausforderungen in den gegenwärtigen Moment. Wenn das alles vorüber ist, schätzen wir unsere Möglichkeiten zum Reisen und an Yoga-Retreats teilzunehmen umso mehr.

Das Yoga-Retreat für Daheimgebliebene 

Auch wenn so bald keine Reise geplant ist, kann die Playlist laufen und Freude bereiten. Yoga bedeutet auch, aus einer Situation das Beste zu machen und in der Gegenwart zu leben – egal wie diese gerade aussieht. Wie wäre es mit einem Yoga-Retreat für zuhause? Jivamukti-Yogalehrerin Gabriela Bozic teilt ihre ganz persönlichen Tipps, wie man ein „All Inclusive“-Kurzretreat zuhause veranstalten kann. Ob ihr eure Quarantäne-Buddies oder die Familie mit einbezieht, ist ganz euch überlassen. Vielleicht wollt ihr die Zeit ja aber auch mal für euch alleine nutzen. Und genau dafür eignet sich auch diese Playlist.

Übrigens: Vielleicht willst du uns aber auch selbst mal deine Lieblings-Playlist zusammenstellen? Dann melde dich unter redaktion@yogajournal.de, auf Facebook oder Instagram bei uns. Wir freuen uns, von dir zu hören. Mehr Playlists findest du hier.

Die Balance aus Geben und Nehmen

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Kannst du Geschenke aufrichtig und dankbar annehmen? Für unsere Philosophie-Expertin Sally Kempton ist Geben und Nehmen eine spirituelle Praxis. Mit diesem Text lädt sie dich ein, dein Herz für die Gaben des Lebens zu öffnen und eine Balance aus geben und nehmen zu schaffen.

Meine Mutter war ein sehr großzügiger Mensch, aber sie selbst konnte nie ein sinnvolles Geschenk annehmen. Jedes Jahr zu ihrem Geburtstag war es das selbe Spiel. Meine Brüder und ich hatten ihr etwas ausgesucht, von dem wir wussten, dass es ihr gefallen würde. Einen Pulli zum Beispiel, ein Schmuckstück oder einen Massage-Gutschein. Sie nahm das Geschenk und bedankte sich. Dann vergrub sie den Pulli ganz hinten in ihrem Schrank, packte das Schmuckstück weg und machte nie einen Massage-Termin aus. Ganz ähnlich war es, wenn man ihr etwas Nettes sagte. „Hör auf“, rief sie dann, „das ist doch total übertrieben!“ Wir zogen sie oft damit auf, dass sie anscheinend immer die Gebende sein musste. Gleichzeitig fanden wir es aber auch frustrierend, dass wir nie in die Balance aus geben und nehmen kamen.

Komplimente ablehnen als Form Zuneigung abzulehnen

Kürzlich wurde ich daran erinnert. Ein Freund rief an, um sich für etwas zu bedanken, das ich für ihn getan hatte, und um mir zu sagen, wie viel ihm das bedeutete. Ohne nachzudenken, entgegnete ich: „Ach was, das ist doch nicht der Rede wert. Das hätte doch jeder getan!“ Seine Antwort traf mich ins Mark: „Merkst du eigentlich, dass du gerade mein Kompliment zurückgewiesen hast? Ich wollte dir etwas Nettes sagen, aber du hast es nicht angenommen!“ Da wurde mir klar, dass ich genau wie meine Mutter reagiert hatte; ich hatte die Zuneigung eines wichtigen Menschen abprallen lassen. Aus falscher Bescheidenheit oder aus einer Art verdrehtem Stolz.

Mit diesem Erlebnis begann für mich ein längeres Nachdenken über die vielen Nuancen des Gebens und Nehmens. Dabei wurde mir klar. Die meisten Menschen haben nie gelernt, ein Geschenk wirklich und vollständig anzunehmen. Natürlich können wir alle Dankbarkeit einladen. Wir sagen viele Male am Tag „danke“, manchmal schreiben wir auch ein Kärtchen an Freunde und Lehrer, die uns geholfen oder inspiriert haben. Aber selbst wenn wir Dankbarkeit ausdrücken, haben wir häufig nicht wirklich empfangen, in uns aufgenommen und verarbeitet, was wir bekommen haben. Dieses echte, empfangende Annehmen ist Yoga!

Große Bedeutung von Achtsamkeit beim geben und nehmen

Es erfordert ein hohes Maß an Sensibilität und Achtsamkeit. Zunächst müssen wir überhaupt erkennen, dass wir beschenkt wurden, sei es nun mit einem Geburtstagsgeschenk, einem Kompliment, einer Anregung, einem hilfreichen Feedback, einer liebevollen Geste oder vielleicht einem Segen aus ganz anderen als den alltäglichen Sphären. Dann müssen wir genügend Ruhe und Offenheit in uns kultivieren, um diese Gabe wirklich in uns aufzunehmen. Weiter müssen wir sie wertschätzen. Oder zumindest die Intention des Gebenden würdigen. Und schließlich geht es darum zu spüren, dass wir diese Gabe auch verdient haben – dass sie weder zu groß ist noch zu gering. Das englische Wort „receive“ und das französische „recevoir“ stammen vom lateinischen „recipere“ ab. Das bedeutet wörtlich „zurücknehmen“. Darin klingt an, dass das, was uns gegeben wird, uns eigentlich schon gehört, dass wir es wirklich verdienen und zwar in dem Sinn, dass etwas zu uns zurückkommt und uns vervollständigt, das wir durch die Natur unseres Seins angezogen haben.

Dabei ist ganz klar. Nicht immer harmoniert die Energie eines anderen Menschen gut mit der eigenen und manche Geschenke sind mit so vielen Hintergedanken und Erwartungen verknüpft, dass sie eher Bestechungsversuchen gleichen. Deswegen ist es hilfreich, bei der Beschäftigung mit dem Thema zunächst zu ergründen, was genau hinter der Ablehnung gegenüber einem Geschenk steckt. Manchmal spricht darin tatsächlich dein unterscheidendes Bewusstsein. Es teilt dir mit, dass es nicht weise ist, dieses bestimmte Geschenk anzunehmen. Wenn zum Beispiel ein Yogalehrer von einem Schüler privat eingeladen wird, kann das durchaus doppelbödig sein. Möglicherweise will der Schüler nicht nur seine Dankbarkeit ausdrücken, sondern auch eine Sonderstellung erwerben.

Ist das Geschenk aber angemessen und aufrichtig, dann lautet die Frage eher. Kann ich es annehmen? Kann ich es wirklich verarbeiten und in mich aufnehmen? Dabei verhält es sich so ähnlich wie mit dem Verdauungssystem. Kann es die Ernährung nicht richtig umwandeln und ins System integrieren, dann fehlen wichtige Nährstoffe, ganz unabhängig davon, was und wie viel ich esse. Genauso wird man sich nie wirklich geliebt und vom Leben genährt fühlen, wenn man die Liebe und Unterstützung, die ein echtes Geschenk darstellt, nicht annehmen kann. Und wenn man diese Hinwendung seiner Mitmenschen nicht annehmen kann, dann wird es einem auch schwer fallen, die viel subtileren Hilfen anzunehmen, die uns der Kosmos bereitstellt.

Gestörter Austausch

Ein extremes Beispiel für die Unfähigkeit ein Geschenk anzunehmen – und für die Konsequenzen – wird in den Puranas erzählt, einer antiken Sammlung Weisheitstexte aus Indien. Durvasa, ein recht reizbarer Heiliger, findet eine Girlande, in der er die Verkörperung des Glücks erkennt. Als er die Girlande dem Gott Indra schenkt, hängt der sie achtlos seinem Elefanten um. Durvasa fühlt sich von Indras Unfähigkeit, seine Gabe angemessen anzunehmen, so beleidigt, dass er erklärt, fortan würde das Glück aus Indras Welt verschwinden. Und genau so geschieht es. Damit am Ende wieder alles gut wird, sind übermenschliche Anstrengungen verschiedener Götter und Titanen nötig.

Dabei ist Durvasa nicht einfach überempfindlich, in seiner Reaktion spiegelt sich vielmehr eine Wirkweise des Kosmos. Eine der wichtigsten Weisheiten der Veden besteht darin, dass alles Leben auf Austausch beruht, auf einer dynamischen Beziehung von Geben und Nehmen. Auch die Bhagavad Gita die wechselseitige Abhängigkeit zwischen Mensch, Natur und der unsichtbaren Welt des Geistes mit dem Bild des kosmischen Opfers. Die Erde empfängt das Geschenk des Regens und die Pflanzen können wachsen. Feuchtigkeit steigt aus der Erde auf und wird wieder von der Atmosphäre aufgenommen. Genauso empfangen wir Menschen vielfältige Gaben von der Erde, von unseren Eltern, Vorfahren und Mitmenschen. Wir tragen diese Gaben in uns, aber mit ihnen auch die unausgesprochene Verpflichtung, etwas davon zurückzugeben. Etwa indem wir anderen materiell oder auf energetischer Ebene weiterhelfen oder indem wir unsere eigenen Gaben und Fähigkeiten mit ihnen teilen.

Werden unsere Gaben nicht angenommen, ist die kosmische Dynamik des Austauschs gestört. Wir werden unsere Gaben nicht los und können unsere Verpflichtung nicht erfüllen. Ohne einen aufnahmefähigen Schüler kann kein Lehrer sein Wissen weitergeben, ohne einen bedürftigen Empfänger ist die großzügige Spende des Mäzens sinnlos. Jede nicht angenommene Gabe ist so fruchtlos wie ein Samen, der nicht aufgeht und gedeiht. Das kann man selbst auf einer ganz subtilen Ebene noch spüren. Dann fragt man sich vielleicht, ob etwas mit dem Geschenk nicht gestimmt hat. Man fühlt sich frustriert oder gekränkt. Feinfühlige Menschen nehmen den Widerstand einer Person, eine Gabe anzunehmen, wie eine trennende Wand zwischen sich und diesem Menschen wahr.

Was macht es so schwer?

Es gibt viele Gründe dafür, warum man ein Geschenk, eine Gefälligkeit oder ein Kompliment nicht annehmen kann. Das reicht von Schuldgefühlen und Unsicherheit („Ich hab es nicht verdient“) über ein Gefühl der Überheblichkeit („Was soll daran besonders sein?“) bis hin zu der Angst, man habe nicht die Mittel, diese Zuwendung angemessen zu erwidern. Oder dem nagenden Verdacht, sie sei mit Hintergedanken verbunden. Ein weiterer Grund ist ein unterbewusstes Gefühl der Unterlegenheit. In unserer Kultur wird uns vermittelt, der Gebende sei in einer Machtposition, während der Nehmende stillschweigend eingesteht, bedürftig zu sein. Selbst wenn wir das tatsächlich sogar sind, wird sich das als Anschlag auf das Ego gesehen und häufig wehrt es sich gegen dieses unangenehme Gefühl und damit gegen die Balance aus geben und nehmen.

Eines der größten Probleme mit dem Nehmen hat mit einem Phänomen zu tun, das ich gerne „Die Löcher im Eimer“ nenne. Wenn man Wasser in einen löchrigen Eimer füllt, wird es zwangsläufig herauslaufen. Genauso verhält es sich, wenn man sich chronisch bedürftig fühlt oder wenn man das, was man hat, nicht richtig würdigt. Dann fällt es grundsätzlich schwer, sich an den Gaben zu freuen. Wir mögen uns verzweifelt danach sehnen, dass uns jemand liebt, mit einem aufmerksamen Geschenk bedenkt oder eine helfende Hand ausstreckt. Die Liebe und Hilfe, die uns begegnen, scheinen nie genug oder nie ganz richtig zu sein. Jemand lobt mich dafür, schlau zu sein, und ich frage mich, warum er nicht bemerkt, dass ich gut aussehe. Mein Liebster schenkt mir ein Buch und ich bin enttäuscht, dass er nicht weiß, dass ich mir einen Pulli gewünscht hätte. Was also können wir tun, um das echte, vollständige geben und nehmen zu lernen?

1. Präsenz kultivieren

Wenn man sich gehetzt, zerstreut oder sorgenvoll fühlt, wird es viel schwieriger, ein Geschenk voll und ganz anzunehmen. Deswegen ist es hilfreich, sich zunächst seinen Geisteszustand bewusst zu machen, wenn jemand einem etwas schenkt. Sei es nun ein freundliches Wort, ein Gefallen oder ein Weihnachtsgeschenk. Stell dabei fest, dass du dich zerstreut fühlst, einen inneren Widerstand hast oder keine Verbindung zum Gebenden spüren können, dann kann eine einfache Yogatechnik dir helfen, die Energie auf den gegenwärtigen Moment zu richten. Atme tief ein und spüre, wo im Körper der Atem ankommt. Nimm wahr, wie der Atem deinen inneren Körper berührt. Ein anderer Weg, Präsenz zu kultivieren, ist die Arbeit mit den folgenden fünf Sätzen:

„Dies ist die richtige Zeit. Genau jetzt. Dies ist der richtige Ort. Genau hier. Dies ist der richtige Mensch. Dies ist das richtige Geschenk. Ich bin der richtige Mensch, um es zu empfangen.“

Die ersten drei Sätze helfen dir, im gegenwärtigen Moment anzukommen. Die letzen beiden erleichtern es, ein inneres Umfeld zu schaffen, in dem du das Geschenk mit aufrichtiger Würdigung annehmen kannst.

2. Wertungen vermeiden

Wenn einem jemand etwas schenkt, geschieht es häufig, dass der Geist wertet, abwägt und das Geschenk für gut oder schlecht befindet, bevor man es überhaupt angenommen hat. Genau wie der Gott Indra mit der Glücksgirlande. Oder wie meine Freundin Ellen kürzlich, als ihr Freund an ihrem Geburtstag den Abwasch für sie machte. Für ihn war das eine liebevoll gemeinte Geste. Ihre Reaktion aber war: „Danke, aber ich finde eigentlich, das solltest du immer tun, wenn ich für dich koche!“ Woraufhin das Paar begann zu streiten, statt den Geburtstag zu feiern…

Wenn dir also das nächste Mal etwas offeriert wird, das auf den ersten Blick vielleicht nicht perfekt erscheint, dann widerstehe dem Drang, darüber nachzudenken, was du vielleicht lieber bekommen hättest. Unterdrücke den Impuls, eine Bemerkung zu machen à la: „Du weißt eben nie, was ich mir wirklich wünsche.“ Versuche statt dessen, die liebevolle Absicht des Gebenden zu sehen.

3. Geschenke als Botschaften sehen

Das Sanskrit-Wort „Prasad“ kennst du vielleicht im Zusammenhang mit einer meist süßen Opferspeise, die einem hinduistischen Gott dargebracht und anschließend unter den Anwesenden verteilt wird. In Indien versteht man darunter alles, was einem von einem als heilig angesehenen Menschen geschenkt wird. Als ich in Indien bei meinem Guru lebte, schenkte er uns Schülern häufig Dinge, manchmal das absurdeste Zeug, aber wir empfingen seine Geschenke immer in großer Dankbarkeit, weil wir in ihnen seinen Segen erkannten. Einmal überreichte er mir ein paar riesige himmelblaue Schaumstoffpantoffeln mit gelber Sohle. Sie sahen nicht nur absolut lächerlich aus, sie waren mir auch viel zu groß. Trotzdem kam es mir nicht in den Sinn, mich zu fragen, was er damit bezweckte, mir so etwas Albernes zu schenken, denn ich spürte, dass alle seine Geschenke von seiner einzigartigen spirituellen Energie erfüllt waren.

Wenn dir Freunde oder Verwandte zum Geburtstag Geschenke machen, dann versuche folgende Übung. Nimm dir einen Moment Zeit, um sich die Güte des Gebenden bewusst zu machen, vielleicht sogar so etwas wie seinen heiligen, göttlichen Kern. Überlege, ob und in welcher Weise dieser Mensch ein Lehrer, eine Art Guru, für dich sein könnte. Beides kann helfen, das Geschenk auf eine andere Weise wahrzunehmen, nämlich als Prasad, erfüllt mit der Kraft eines Segens. 

4. Sich bewusst öffnen

Annehmen und empfangen ist eine spirituelle Praxis – eine Art Yoga. Dieses Verständnis ist vor allem dann wichtig, wenn das Geschenk, das du dir wünschst, in etwas so Subtilem besteht wie Weisheit, Liebe, der Hilfe eines Menschen oder gar Unterstützung aus der göttlichen Sphäre. Manchmal macht es einen riesigen Unterschied, sich bewusst zu öffnen und bereit zu machen für diese Liebe. Es hilft, nicht nur die Zuwendungen anderer Menschen anzunehmen, sondern zugleich auch die Gnade, die in ihnen liegt, also die wohltuende Energie, die durch das Universum fließt.

Diese Empfänglichkeit kann man üben: Nimm dir einen Moment Zeit und schließe die Augen. Einatmend stellst du dir vor, die subtile Energie, Zärtlichkeit und Gnade des Universums in sich aufzunehmen. Vielleicht visualisierst du dein Herz dabei als einen weit geöffneten Trichter, durch den Liebe und Kraft in dich hineinfließen kann. Versuche nicht, diese Energie willentlich anzuziehen, eher öffnest du dich und dein Herz und erlaubst ihr, von alleine zu kommen.

Geschenke des Alltags

Die Kraft dieser einfachen, aber effektiven Übungen liegt darin, dass sie mit der Zeit in dein Wesen einsickern. Indem du deine Fähigkeit verbesserst, vollständig und aufrichtig zu nehmen, wirst du immer deutlicher wahrnehmen, wie viele Geschenke du andauernd bekommst. Der Wind in den Bäumen, das Lächeln eines Fremden, der freudig wedelnde Schwanz eines Hundes. Alles kann sich anfühlen wie von Zuneigung erfüllte Gaben, Geschenke der Schönheit und Weisheit. Was auch immer du dann zurückgibst, wird Teil des selben Tanzes, des Tanzes von Geben und Nehmen, in dem wir alle Tanzpartner sind.


Wenn Sally Kempton nicht gerade über die Balance aus geben und nehmen schreibt, ist sie eine international anerkannte Lehrerin für Meditation und Yogaphilosophie und Autorin zahlreicher Bücher. „Meditation. Das Tor zum Herzen öffnen“ gibt es auch auf Deutsch.

Braucht man eine Morgenroutine? Warum sie jetzt besonders wichtig ist

Morgenroutine Morgenritual

Gerade jetzt ist das Bedürfnis groß, die Zeit zu Hause sinnvoll zu nutzen. Dabei sollten wir unseren Fokus von Außen nach Innen verschieben. Und wie können wir uns selbst und unserer Seele am besten näher kommen? Zum Beispiel durch eine Morgenroutine. Es dauert zwar, bis du gefunden hat, was dir gut tut, aber es lohnt sich. Und zum Glück mangelt es uns gerade nicht an Zeit, das (endlich) zu machen.

Vielleicht geht es dir wie vielen anderen: Du hast schon einmal eine Morgenroutine für dich getestet. Nach kurzer Zeit haben aber Disziplin und Motivation abgenommen und jetzt stehst du dem Thema eher kritisch gegenüber. So ging es mir selbst auch. Aber gerade in dieser Zeit, in der unser Alltag vollkommen auf den Kopf gestellt ist, gibt mir meine (Morgen-)Routine den nötigen Halt. Die Sicherheit in mir selbst, bevor die ganze Nachrichtenflut zu Corona auf mich einprasselt. Ich will dich heute auf die Reise mitnehmen, wie auch du dem Konzept „Morgenroutine“ wieder eine neue Chance geben kannst.

Fülle der Möglichkeiten

Wenn du brainstormst, was alles Teil einer Morgenroutine sein könnte, dann wirst du wahrscheinlich nicht fertig werden. Erst einmal natürlich Meditation und Yoga oder anderer Sport. Aber da stellen sich schon die ersten Fragen: Welche aller Meditationsformen ist die beste? Sollte man es beim Yoga morgens lieber schnell oder langsam angehen? Dann auch noch: Journaling und Visualisierung. Vielleicht Mantra rezitieren oder Räuchern. Lesen wäre auch noch ganz schön, am Besten wie auf diesen ganzen Bildern mit einem frisch gepressten Green Juice und einem gaaanz gesunden ayurvedischen Porridge. Kann ich vielleicht etwas Kreatives wie Malen oder intuitives Tanzen auch noch unterbringen? 

Wenn wir mal ganz ehrlich sind: Wahrscheinlich kannst du das nicht. Denn dann bräuchtest du den ganzen Tag für deine Morgenroutine und so wirst du sie nicht beibehalten. Ich rate dir das Folgende, wenn du dich an diesem Punkt der Überforderung befindest. Träume erstmal groß: Mach dir eine Liste mit allem, was du machen würdest, wenn du wirklich den ganzen Tag Zeit hättest. Schreibe vor allem Sachen auf, die dir der Erfahrung nach besonders gut tun. Die du dir vielleicht an einem ganz freien Sonntag mal gönnst. Liste aber auch Dinge auf, die du schon immer mal ausprobieren wolltest. 

Try and error

Wenn deine Liste steht, dann ist die Probephase angesagt. Nimm dir eine oder zwei Wochen Zeit, in denen du all diese Träume mal verwirklichst. Such dir jeden Tag eine oder zwei der Aktivitäten aus und teste sie als Morgenroutine. Wenn es sein muss, plane sie in deinen Kalender als To-Do ein. Schreib dir danach auf die Mindmap mit den gesammelten Aktivitäten in ein oder zwei Sätzen, wie dir die jeweilige Aktivität gefallen hat.

Mit der Zeit hat sich so für mich ganz klar herauskristallisiert, was ich brauche, um meinen persönlichen perfekten Tag zu erleben. Meditation, Journaling und Yoga. Diese drei Dinge sind meine Essentials. Alles andere ist optional. Lies dir durch, wie dir in den letzten Wochen die einzelnen Aktivitäten gefallen haben. So kannst du deine wichtigsten Morgenrituale finden. Umkreise sie auf deiner Mindmap und schreibe dir dazu, wie viel Zeit du idealerweise für jede Aktivität brauchst. Wenn du deine Lieblingsaktivitäten gefunden hast, dann geht es in die nächste Phase, an die Umsetzung.

Das Ding mit der Zeit

Wahrscheinlich hast du in der Testphase (wieder) gemerkt, dass es gar nicht so einfach ist, dir die Zeit für deine Morgenroutine zu nehmen. Umso wichtiger ist es, dass du es trotzdem machst. Schaue realistisch auf deinen Alltag. Wie viel Zeit ist morgens wirklich? Welche andere Aktivität muss dafür weichen? Ich habe die Zeit ohne Achtsamkeit am Handy verkürzt. Wann willst du nach erholsamem Schlaf aufstehen? (Übrigens ist auch jetzt in der Selbstquarantäne ein möglichst gleichmäßiger Schlafrhythmus besonders wichtig.)

Und es ist mehr als in Ordnung, wenn du nicht jeden Tag um fünf Uhr morgens freudestrahlend aus dem Bett aufspringen kannst oder willst. Lege fest was für dich passt, und schreibe dir dann ein strenges Drehbuch. Das ist wichtig für die erste Zeit der Umsetzung. Und auch, damit du den Zeitplan einhältst und nicht zu lange brauchst. Eine Möglichkeit wäre:

  • 7:00 aufstehen, direkt ins Bad
  • 7:15 Meditieren
  • 7:25 Kaffee aufsetzen, kurzes Dehnen
  • 7:40 Frühstück mit einem Buch in der Hand, immer noch kein Handy! 
  • 8:00 fertig

Angepasst an DEINE Bedürfnisse

Da ich auch nicht bereit bin, zu einer für mich unerträglichen Zeit aufzustehen, habe ich manche der Routinen auf Abends verschoben. Hier ist allerdings die Gefahr, dass man sich sagt: Es bringt mir doch mehr, wenn ich direkt ins Bett gehe. Ich finde es aber sehr hilfreich, vor dem Schlafen Yoga und Journaling zu machen, weil ich dann auch die letzte Zeit des Tages ohne das Handy verbringen kann. Dabei kann ich die Routinen so lange machen, wie es sich gerade gut anfühlt, ohne dass wie morgens noch eine ganze To-Do-Liste auf mich wartet.

Informiere auch deinen Partner, deine Mitbewohner oder deine Familie über dein Vorhaben. (Motiviere vielleicht auch sie für mehr Achtsamkeit im Familienalltag.) Erkläre ihnen deine neue Routine und gib ihnen auch die Erlaubnis, dass sie dich an deine Routine erinnern, wenn du sie mal vernachlässigst. Das ist nicht als nervige Kontrolle gemeint, sondern nur als Stütze für dein eigenes Wohlergehen. Wenn du alleine lebst, dann sind deine To-Do Liste und dein Wecker deine Versicherung, dass du dir selbst treu bleibst.

Kein Platz für Perfektionismus

Ein weiteres Problem an den meisten Morgenroutinen ist das Ziel, dass alles möglichst spirituell und tiefgründig sein muss. Nach dem Motto: eine Stunde Meditation, oder eine aufwendige Yogapraxis? Oder ist es doch besser, morgens direkt in der Bhagavad Gita zu lesen? Manchmal kann das Wirkungsvollste sein, das Handy erst nach dem Frühstück einzuschalten. Wir haben für dich beispielsweise hier 4 Morgenrituale für mehr Energie gesammelt, die ganz einfach umzusetzen sind.

Titelfoto: Cottonbro via Pexels

Aber auch bei vorgefertigten Morgenroutinen ist es entscheidend, dass du sie nicht einfach übernimmst, sondern du diese für dich anpasst. Weder die Spiritualität noch totale Einfachheit sind unabdingbar. Denn da die Morgenroutine ganz einfach nur für dein Wohlbefinden gedacht ist, hat Perfektionismus hier nichts verloren. Du machst deine Morgenroutine nämlich nicht, um sie auf Instagram zu posten. Natürlich kannst du das machen. Aber einem perfekten Bild hinterher zu jagen ist nicht das Ziel. Vielleicht brauchen wir bei all den unrealistischen Erwartungen, die mit dem Wort „Morgenroutine“ verbunden sind, ein neues Wort, das nicht damit belastet ist. So wie: Zeit für mich. Echt statt perfekt.

Wie viel Disziplin ist gesund?

Was ist allerdings, wenn du diese Zeit für dich mal verpasst? Wenn die Kinder schon quengelnd vor der Tür stehen, bevor du das Bett verlassen hast? Wenn du mal krank bist und anstatt deiner Morgenroutine beim Arzt anrufen musst? Dann machst du eben am nächsten Tag wieder weiter. Ich habe mir selbst die Regel gesetzt, dass ich mich auf keinen Fall zwei Tage hintereinander selbst so vernachlässige. Denn wenn man schon mal zwei Tage ausgesetzt hat, dann wird daraus schnell eine Gewohnheit. Aber verurteile dich nicht, wenn du es aus welchen Gründen auch immer nicht geschafft hat. Denn wenn du dich selbst nur dazu zwingst und für das Aussetzen verurteilst, dann ist die Einstellung dazu alles andere als positiv. 

Achte auf dich und deine Bedürfnisse. Dann ist alles in Ordnung. Auch, wenn wieder Zeit fürs Reisen ist und du dann deine Routine verkürzt. Oder wenn du deine Routine regelmäßig veränderst und anpasst. Solange es gut für dich ist.

Wie kannst du deinen Alltag während der aktuellen Krise noch verbessern und vereinfachen? Beispielsweise mit Coronamalismus.

Yoga-Porträts von Robert Sturman: „Die Essenz von Namasté“

Yoga Gefängnis Robert Sturman
Yoga Gefängnis Robert Sturman

Robert Sturman ist Yogafotograf. Seine Porträts zeigen tiefe Menschlichkeit – egal ob auf den Straßen Afrikas, im Gefängnis, in der Covid-19 Notaufnahme oder in freier Natur. Der Kalifornier zeigt uns ein paar seiner Werke und erzählt, warum verurteilte Straftäter ihn zu einem besseren Leben inspirieren.

Titelbild: Prison Yoga/ Veracruz, Mexico

Robert, ich habe eine Geschichte über dich gehört: Als du noch ein kleiner Junge warst, sagte dir ein eigentlich fremder Mann: „Der Sinn des Lebens ist das Glück“. Würdest du dich heute als glücklich bezeichnen?

Ich erlebe täglich viele Glücksmomente und die haben oft damit zu tun, dass mich das Leben an sich einfach fasziniert. Ja ich würde mich als glücklich bezeichnen, wobei ich es mir auch erlaube die traurigen Momente des Lebens zu fühlen. Und genau darin liegt denke ich der Grund meines Glücks – alles im Leben ohne Ablehnung anzunehmen. Traurigkeit und Glück gehören zum Leben dazu und nur wenn wir diese Gefühle zulassen, dann entsteht dadurch dieses besondere Glücksgefühl.

Robert Sturman
Emergency Room / First Responder / Suicide Assessment and Prevention / Covid19

Du hast mit dem Fotografieren begonnen, nachdem dein Vater dir als Jugendlicher deine erste Kamera schenkte. Damals gab er dir einen Tipp: „Fotografiere einfach das, was du liebst.“ Dieser Ratschlag hat dich bis heute begleitet oder?

Du kannst deinen gesamtes Wissen aus Büchern oder dem Internet holen. Aber du wirst dadurch nichts über Liebe, Aufrichtigkeit, Leidenschaft oder die Lust am Leben erfahren. Was mich bei meiner Arbeit antreibt, sind Momente die auf einem Gefühl von Liebe basieren. Du kannst die beste Kamera der Welt haben, aber das menschliche Herz ist mit Abstand das ausgeklügeltste Instrument. Ich folge einfach meinem Herzen, alles ist im Fluß und wird nie langweilig.

Robert Sturman
Venice Beach, California / Pictured: Steven Madeiros 

Denkst du, dass die Fotografie deine Sicht auf die Welt und die Menschen darin verändert hat?  

Durch das Fotografieren habe ich gelernt aufmerksam zu sein. Die Kamera hilft uns nicht nur starke und poetische Bilder zu machen, sie inspiriert uns dazu, unseren Fokus auf andere Menschen zu richten und ihnen so zu zeigen, dass sie dazu gehören. Den Blick auf andere Menschen zu richten, hat etwas sehr heilsames. Das habe ich während meiner Arbeit im Gefängnis gelernt. Die Leute die ich dort fotografierte haben die Bilder nie gesehen, sie haben nie danach gefragt. Aber sie fühlten sich gesehen. Die simple Tatsache, dass sich da jemand für sie interessierte, war wie ein Geschenk für sie. Das ist das Wertvollste überhaupt – zuhören, sich kümmern, sich sorgen. Dieses grundlegende menschliche Bedürfnis tragen alle Menschen, mit denen ich gearbeitet habe, in sich. Egal ob es sich dabei um ein Cover-Shooting handelt oder um die Arbeit mit lebenslang Inhaftierten. Jeder begann von Innen heraus zu strahlen: Das ist die Essenz von Namasté.

Robert Sturman
Sedona, Arizona / Pictured: Lauren Jacobs

Wie hat Yoga dich eigentlich gefunden?

Ich bin in Los Angeles aufgewachsen. Yoga war schon immer da. Ich hab hier und da geübt und hatte eine eher lockere Beziehung dazu. Aber so richtig geklickt hat es erst als ich mich entschloss, mein Künstlerdasein neu zu definieren. Eines Tages, so ungefähr vor 20 Jahren, saß ich in einem Museum in Italien. Ich schaute mir die Exponate in einem bestimmten Raum an und plötzlich fiel mir auf, dass viele meiner Künstler-Vorbilder ebenfalls in diesem Raum waren. Ich habe über ihre Lebensgeschichte nachgedacht. Sehr viele dieser Künstler führten ein destruktives Leben, voller Verzweiflung. Manche haben sich sogar umgebracht. Irgendwie machte das keinen Sinn – ihre Werke wurden hier von den Massen gefeiert und quasi unantastbar in unendlich wertvollen Gebäuden streng bewacht. Ich fragte mich, warum sie sich nicht um ihr Leben geschert haben? Sich nicht so um sich gesorgt, wie sich jetzt um ihre Kunstwerke gekümmert wird? Und das war der Moment, in dem Yoga mich gefunden hat. Ich traf die Entscheidung, die Geschichte eines Künstlers neu zu schreiben und erstmal mein Leben als Kunstwerk zu betrachten. Dann kann auch Kreativität und alles was dazu gehört fließen.

Carrie Janell: The J Paul Getty Museum of Art
The Getty Museum: Los Angeles, California / Pictured: Carrie Janell

Während du die Welt bereist machst du Fotos von Kindern, Soldaten, Gefängnis-Insassen oder Lehrern. Du porträtierst Männer und Frauen aus allen Berufs- und Bildungsschichten, mit dem gemeinsamen Nenner Yoga. Was denkst du, woran liegt es, dass Yoga alle zusammenbringt? Vielleicht weil das Herz dabei eine größere Rolle spielt als der Verstand?

Ich denke der Grund ist, dass Menschen mit Yoga beginnen um ihre Lebensqualität zu verbessern. Und die Intention dafür kommt aus dem Herzen, da die Asanas uns dazu bringen in unserem Herzen zu sein.

Irene Auma - Nairobi, Kenya (1)
Nairobi, Kenya / Pictured: Irene Auma

Deine Arbeiten zeigen, dass wir Schönheit, Achtsamkeit und Anmut an jedem Ort, in jedem Menschen und in jeder Seele finden können – sogar in der Zelle eines verurteilten Straftäter. Was glaubst du woran liegt das? An den Menschen oder an Yoga?

Ich glaube nicht, dass es an Yoga liegt. Ich glaube es liegt an einer Art inneren Sehnsucht und der Aufrichtigkeit der Menschen. Für mich als Künstler bietet die Bildsprache des Yoga die Möglichkeit, diese bemerkenswerte Geschichte zu erzählen: Menschen auf der ganzen Welt, die runterkommen, sich einen Moment Zeit nehmen, ihre Herzen öffnen und in Richtung Himmel strecken, ihren Blick nach Innen richten und nach etwas Ungreifbarem suchen. Das ist doch wirklich außergewöhnlich. 

Yoga Foto Strand
Kailua, Hawaii / Pictured: Jennifer Clarke

Für viele Menschen hat die eigene Yogapraxis etwas sehr Persönliches. Wenn man deine Bilder sieht, spürt man aber eine intime Verbindung zwischen dir und den Menschen vor der Kamera. Kannst du beschreiben, wie dieser besondere Moment entsteht?

Das ist eine wunderbare Frage. Ich erreiche das, in dem ich einfühlsam bin, wirklich interessiert. In dem ich den Menschen mit dem ich arbeite wirklich wahrnehme – die Kamera ist dabei eigentlich nur eine Art Ausrede, damit ich genau das tun kann. Es geht darum zuzuhören und Anerkennung zu schenken, egal ob man Fotos macht oder nicht. Wenn uns die Menschen um uns herum wirklich wichtig sind, dann schafft das Verbindung. Und das ist die geheime Zutat für den künstlerischen Schaffensprozess und nichts hilft uns dabei so sehr wie unser Herz.

Foto Yoga Robert Sturman
Southern California / Pictured: Sarah Llewellyn 

Verändert sich die Bedeutung von Yoga, wenn man es in einem Gefängnis, einer Schule in Afrika, in der freien Natur oder auf der Straße praktiziert?

Ich glaube im Gefängnis bekommt die Praxis noch mehr Bedeutung als überall sonst. Die Insassen dürfen einmal pro Woche eine Stunde Yoga machen und jedes Mal spüre ich wie viel diese Stunde allen bedeutet, die dann ihre Matte ausrollen. Es ist wirklich schön. Es berührt mein Herz. Es bringt mich dazu, für das was ich habe dankbar zu sein und all die Momente, in denen ich üben kann wertzuschätzen. Man könnte sogar sagen, dass ich die Menschen mit denen ich in den Gefängnissen zusammen arbeite als Lehrer betrachte. Sie inspirieren mich dazu, ein besserer Mensch zu sein.

Isaac Mukwaya: Nairobi, Kenya
Nairobi, Kenya / Pictured: Isaac Mukwaya

Dann hat deine Arbeit also Einfluss auf deine eigene Praxis?

Ja! Ich sehe immer wieder Menschen, die sich bemühen, die beste Version ihrer Selbst zu sein. Das inspiriert mein gesamtes Leben, auf und abseits der Matte.


Tao Porchon Lynch gemeinsam mit Robert Sturman
Fotograf Robert Sturman mit der im Februar 2020 verstorbenen Tao Porchon Lynch / Fotocredit: Joyce Pines

Mehr Info zu Robert Sturman auf robertsturmanstudio.com oder Instagram.

Mit der Kraft der Chakren dein wahres Potenzial erkennen

Herzchakra Potenzial

Wir alle streben danach Liebe zu schenken und Liebe zu empfangen. Und tief in unserem Inneren spüren wir, dass der Weg der Liebe auch damit verbunden ist unser wahres Potenzial zu leben. Wir alle haben besondere Gaben und Talente. Wir alle möchten bestimmte Erlebnisse und Gefühle erfahren. Doch oft stellt sich die Frage: Was ist mein wahres Potenzial? Und wie kann ich es leben?

Die magische Wirkung von Yoga auf unser Selbstbild

Yoga öffnet dir eine Tür zu deinem Inneren. Die tägliche Yogapraxis bringt dir innere Ruhe, Ausgleich und Entspannung für deinen Körper. Doch tatsächlich birgt sie noch viel größere Schätze für dich. Yoga kann der Schlüssel zu deinem Herzen und die Tür ins Leben deines größten Potenzials sein. Du weißt wer du bist. Dein Herz weiß sehr genau welche Momente, Menschen und Erfahrungen, dich glücklich machen. Dein Herz ist dein innerer Kompass. Und wenn du der Spur des Glücks folgst, dann eröffnet sich dein Potenzial vor dir wie ein Geburtstagsgeschenk, das bereit ist ausgepackt zu werden. Mit allem Funkeln der Verpackung, mit all der Vorfreude des Auspackens und all der Dankbarkeit des Erkennens, was darin verborgen ist.

Yoga bringt uns in die Verbindung mit unserem Herzen

Dein Herz ist der Ort, an dem all unserer Träume aufbewahrt sind. Doch so oft ist unser Verstand überdimensional aktiv und wir hören die feine Stimme des Herzens im Alltag nicht klar genug. Zeiten der Ruhe helfen dabei, doch Ruhe im Außen bedeutet nicht Ruhe im Inneren. Das ist die Magie des Yogas. Yoga schenkt dir diese innere Ruhe, die zu Klarheit führen kann wenn wir sie weise nutzen. Im Yoga schalten wir unsere Gedankenaus – ganz egal ob es so anstrengend ist, dass wir nicht über anderes nachdenken können oder ob es so entspannend ist, dass unser Gehirn automatisch in eine Alpha- oder Theta-Frequenz geht. Und damit kehrt Ruhe ein. Und wir verbinden uns wieder mit der Weisheit unserer inneren Führung.

Die Kraft der Heilung liegt in den Chakren

Wenn dir im Moment nicht klar ist, was wirklich dein Potenzial ist, wie du deine Gaben privat und beruflich leben und teilen möchtest, dann sind deine Chakren aus der Balance. Wenn wir unsere Klarheit verlieren, zeigt es, dass wir die liebevolle Kommunikation mit unserem Herzchakra verloren haben. Denn dein Herz weiss, was du machen möchtest. Doch die Prägungen unserer Kindheit legen oft Schleier über diese Klarheit. Wir spüren, dass da etwas ist, das wir tun wollen, doch wir „sehen“ es nicht. Es ist nichts neues, dass die Kindheit uns prägt. So funktioniert das Menschsein, so lernen wir und das ist gut. Alles was du in den ersten 7 Jahren erlebst – inklusive der Zeit im Bauch deiner Mama, prägt dich für die Ewigkeit. Tatsächlich prägen sogar die Erlebnisse deiner Großeltern und deiner Ur-Großeltern dein Verhalten, dein Denken und Fühlen.

Es ist faszinierend und gleichzeitig etwas schockierend. Doch die Aussage „du bist wie deine Mutter“ hat ihren Wahrheitsgehalt. Wir haben ihre Augen, ihre Haare, ihr Durchsetzungsvermögen, ihr Organisationstalent… und wir sind stolz darauf. Vielleicht haben wir auch ihre Ängstlichkeit, ihre Selbstzweifel und ihre Selbstkritik… was auch immer deine Mama an Eigenschaften hat, ein Teil davon ist in dir aktiv. Gleiches gilt für deinen Vater, deine Großeltern… ein Korb an bunten Gaben und Talenten, die alle in dir schlummern.

Wir spüren ob wir gewollt sind

Wenn du deine Gaben und dein Potenzial nicht sehen kannst, sind einige deiner Chakren nicht im Fluss. Die Kundalini-Energie kann nicht fliessen und es holpert oder stagniert etwas im Leben. Jedes Chakra speichert bestimmte Erlebnisse deiner Vergangenheit ab. Dein Wurzelchakra zum Beispiel speichert die ersten Monate deines Lebens ab: Hast du dich willkommen gefühlt? Warst du gewollt? Hatte deine Mutter Stress und Sorgen in dieser Zeit? War immer jemand für dich da? Es geht um deine Existenz: Das Recht hier zu sein. Wir spüren bereits im Bauch ob wir gewollt sind oder nicht. Wir spüren ob Mama und Papa ein Mädchen oder einen Jungen wollen – und wir wissen welches Geschlecht wir haben. So oft sehe ich in meinen Coachings, wie Tränen fließen, wenn wir durch eine geführte Meditation in diese Zeit zurückgehen und schauen was damals passiert ist.

Das Unterbewusstsein kennt keine Zeit

Die Zeit im Bauch und die ersten Monate haben einen so prägenden Einfluss auf unser ganzes Leben. Traurigkeit, Angst und Gefühle der Überforderung oder gar der Verzweiflung aus dieser Zeit zu heilen, bringt so wunderschöne Veränderungen im Hier und Jetzt. Warum das so ist? Unser Unterbewusstsein kennt keine Zeit.
Wir werden zwar älter und sagen „ich bin jetzt 33“, doch in Wahrheit sind wir in unserem Unterbewusstsein immer noch 12 Wochen alt, 3 Jahre alt, 5 Jahre alt, 23 Jahre alt… Wir sammeln all diese Erfahrungen, das Unterbewusstsein speichert sie (so lange bis wir sie wahrhaftig verändern) und das Unterbewusstsein ruft diese Erfahrungen innerhalb von Sekunden ab, wenn es vergleichbare Erlebnisse im Hier und Jetzt wahrnimmt.

Das Unterbewusstsein ist ein Autopilot, den wir nicht ausschalten können. Doch wir können ihn umprogrammieren und dafür gilt es zu verstehen, wie unsere Chakren die Informationen unserer Kindheit speichern und wie wir sie lösen. Dieser Prozess der Erkenntnis ist wunderschön und heilsam. Denn du bist nicht die Muster deiner Eltern.

Verbinde dich mit der Weisheit deiner Seele

Du bist, was deine Seele erschaffen hat. Deshalb gilt es die Muster der Eltern zu erkennen und loszulassen um dich dann mit dem zu verbinden, was du wahrhaftig bist: Deine Seele. Und diese Ruhe finden wir zum Beispiel nach einer beruhigenden Yin Yoga Einheit – wenn wir danach nicht nach Hause hetzen müssen, sondern einfach bei uns bleiben können. In der Entspannung. Lass deine Seele frei fliessen. Verbinde dich nach deiner Yogapraxis mit deiner Inneren Weisheit.

Wer bist du wirklich?

Wie das geht? Geh in dein Herz. Verbinde dich mit deinem Herzchakra. Dazu kannst du die Meditation auf meiner Website nutzen oder dich einfach von deinem Gefühl leiten lassen. Bitte dein Herz dir zu zeigen „wer du
wirklich bist“. Das mag nun sehr vereinfacht klingen. Doch in der Tat ist es vielleicht das Schwerste was du jemals tun wirst. Es braucht Mut und Kraft und so viel Liebe sich selbst wahrhaft so sehen zu können wie man ist. Wir wissen wie und wer wir sein sollen oder wollen. Doch wir spüren so oft tief in uns den Zweifel, ob wir so wie wir sind jemals „dahin“ kommen wo wir hin möchten. Wir sehen die Schönheit unseres Selbst nicht in ihrer Vollkommenheit, definieren uns über Arbeit, Aussehen, Partner und Einkommen, das was wir für andere tun oder was wir können und wissen. Doch da ist so viel mehr. So viel mehr Schönes.

Du bist Liebe

Ja, da sind auch all die Abgründe unserer Persönlichkeit, die Imperfektion unseres Seins. Denn wir lernen, lieben, wachsen. Wenn du in den Frieden damit kommst, dich so zu sehen wie du wahrhaftig bist, ohne perfekt sein zu müssen oder gar sein zu wollen, dann wirst du dich immer mehr so sehen können wie du bist. In meinen Seminaren und Retreats ist das wunderschön mit anzuschauen. Ich liebe diese Momente des sich selbst verliebens. Das Strahlen in den Augen. Der Shift in der Energie. Die liebevolle Ruhe die im Herzen einkehrt.
Selbsterkenntnis bedeutet sich endlich vollkommen in sich zu verlieben. Wir alle können das. Es ist ein langer Weg. Doch es ist der schönste Weg, den du je gehen wirst. Es ist ein Weg in die Liebe. Es ist der Weg zu dir selbst. Denn du bist die Liebe.


Kati Gehres

Autorin Kati Gehrés ist Inner Beauty Expertin und hat mit dem Shine Your Inner Light Konzept von Divine Glow bereits über 16’000 Menschen auf dem Weg zum Inneren Strahlen verholfen. Mehr über Divine Glow: www.divine-glow.com 

Bananenbrot Rezept: Gesund und vegan

Spätestens seit der Debatte darum, ob Veganer die besseren Yogis sind, ist es nicht nur bei Veganern, sondern auch bei Yogis immer beliebt. Veganes Bananenbrot ist nicht nur lecker, sondern es wird nicht durch Zucker süß. Dies übernehmen Bananen und Datteln. 

Trockene Zutaten

  • 2 Tassen Mehl: Hiebei kannst du sowohl Dinkel-Vollkorn als auch Mandelmehl oder ein anderes glutenfreies Mehl verwenden. Probiere auch gerne, welche Mischung von Mehlsorten dir am besten schmeckt. Denn sie können auch gerne gemischt werden.
  • 2 TL Weinstein-Backpulver
  • 2 TL Leinsamen geschrotet oder nicht geschrotet, du entscheidest
  • 1-2 TL Zimt

Weitere Zutaten

  • 3-4 überreife Bananen
  • 8-10 Datteln, mit dem Mixer zerkleinert
  • 2 EL Kokosöl, flüssig durch Erhitzen

Zubereitung für veganes Bananenbrot

Heize den Backofen auf 150°C vor (Ober-und Unterhitze). Mische zunächst alle trockenen Zutaten, das Mehl, Backpulver, Leinsamen, Zimt und eine Prise Salz zusammen. Püriere in einer anderen Schüssel die Bananen und gib die Datteln und das Kokosöl hinzu.

Nun kannst du das Mehl-Geschmisch mit dem feuchten Bananen-Mousse zu einem glatten Teig vermengen und in einer mit Kokosfett ausgestrichenen Backform verteilen. Das ganze muss etwa 45 bis 55 Minuten backen. Fertig ist die gesunde Schlemmerei!

Am besten schmeckt das Bananenbrot warm. Röste oder toaste es mit etwas Kokosöl.


Du kochst oder backst gerne und freust dich über neue Rezept-Ideen? Dann schau doch mal hier vorbei. Viele unserer Rezepte sind vegan oder stammen von unserem Ayurveda-Experten Volker Mehl. Wenn du unsere Rezepte nachkochst, dann tagge gerne unseren Instagram-Account YogaWorld108 auf deinen Posts oder Stories. Übrigens: folgst du uns dort schon?

Lernen von den Göttern: Der Moment der Stille

Foto von Taryn Elliott von Pexels

Wie oft rennen wir hektisch von A nach B, um Antworten auf Fragen zu finden, die uns bedrücken? Dabei wäre es manchmal besser, einfach den Moment der Stille zu suchen.

Eins ist klar: Mit Yoga bekommen wir einen bunten Strauß an Möglichkeiten, um mit schwierigen Situationen besser umgehen zu können. Was weniger klar ist: Wann benutzen wir diese Werkzeuge aktiv? Und wann ist es angebracht, für einen Moment alles fallen zu lassen und gar nichts zu tun? Ich finde mich manchmal in Situationen wieder, in denen ich Bücher wälze, Meinungen von Experten sammle und trotzdem nicht vorankomme. Je mehr Optionen ich habe, desto enger fühle ich mich. Der Druck steigt. Das Problem scheint unlösbar zu werden und ich sehe kein Land mehr.

Auch Götter haben Probleme

Den Göttern geht es nicht unbedingt besser. Die tief unter der Erde schlummernden Dämonen finden immer wieder einen Weg nach oben, wo sie das Götterreich terrorisieren. Genau wie negative Gedanken in uns das tun. In der Shiva Purana wird die Geschichte von drei fliegenden Festungen aus Gold, Silber und Eisen erzählt, mit denen die Dämonen durch die Welt fliegen und aus denen heraus sie die Götter immer wieder angreifen. Vom Göttervater Brahma selbst hatten sie einen besonderen Segen erhalten. Sie sollen nur dann untergehen können, wenn alle drei Festungen gleichzeitig von einem einzigen Pfeil getroffen werden. So geschützt sind sie selbst von den Göttern kaum zu besiegen.

Die Frage liegt nahe: Warum sind die Götter den Dämonen gegenüber zunächst so großzügig? Die simple Antwort lautet: Weil wir Menschen es mit unseren negativen Gedanken auch sind. Je öfter wir uns erlauben, unser Handeln in Frage zu stellen, desto mehr gewöhnen wir uns an diese Haltung der Unsicherheit. Je stärker wir an unseren Möglichkeiten zweifeln, desto starrer werden wir in unseren Bewegungen. Es wird von Tag zu Tag schwerer, aus dem selbst erbauten Käfig auszubrechen.

Die drei Festungen der Dämonen sind Metaphern für die Welt, mit der wir täglich zu tun haben. Die erste steht für das „Ich“: unseren Körper und Geist. Die zweite symbolisiert all das, was „mein“ ist: unser Besitz, unsere Familie, unser Status. Die dritte repräsentiert alles, was „nicht mein“ ist und offensichtlich außerhalb unserer Kontrolle liegt. Aber auch über das Ich und unseren Besitz können wir nicht immer frei bestimmen. Wir werden unverhofft krank oder verlieren lieb gewordene Dinge oder Menschen. Doch wir versuchen stets, uns auf allen Ebenen so zu verhalten, dass wir Verluste vermeiden und mehr davon bekommen, was uns gut zu tun scheint. Da die Welt immer komplexer wird, müssen wir viele Variablen berücksichtigen, wenn wir alles richtig machen wollen.

Es ist schwer, perfekt zu sein. Deshalb sind die Festungen der Dämonen nahezu unzerstörbar. Die Götter versuchen es trotzdem. Aus der Erde wird ein großer Streitwagen gebaut, Sonne und Mond sind seine Räder. Vishnu selbst wird der Pfeil sein, den Shiva im richtigen Moment auf die drei Festungen schießen soll. Doch als der Moment des Angriffs kommt und alle Götter aufgeregt hoffen, dass Shiva den Sieg erringen möge, greift dieser nicht zum Bogen. Er lächelt einfach nur. Der Moment der Stille. Im selben Moment fangen die Festungen an zu brennen. Sie lösen sich in Flammen auf. Allein Shivas Lächeln hat ihrer Existenz ein Ende gesetzt.

Der Moment der Stille

Auch uns kann solch ein Moment der Stille und des Lächelns den größten Dienst erweisen. Wenn wir versuchen, ein Problem auf der Ebene des Problems zu lösen, und es mit diversen Methoden angreifen, ist das so, als ob wir mit mehreren Pfeilen auf die Festungen schießen würden. Es löst sich nichts. Der Pfeil Shivas ist die Stille, aus der sein Lächeln entsteht. Ein Moment, in dem wir frei werden, über dem Problem stehen und in der Lage sind, die Dinge aus einer anderen Perspektive zu betrachten. Das „Om Shanti, Shanti, Shantii“, das wir am Ende der Yogapraxis singen, bezieht sich auf diese drei Festungen, auf die drei Bereiche unseres Lebens, die wir glauben, kontrollieren zu müssen, über die wir jedoch nicht immer die Macht haben. Klar, irgendwann müssen wir handeln. Aber wir dürfen die Zeiten der Pause und der Ruhe nicht vergessen. Sie geben uns die Gelassenheit, wieder weiter nach vorne zu gehen.


Ralf Sturm hat zusammen mit Katharina Middendorf bei GU das Buch „Götter-Yoga“ veröffentlicht. Inzwischen bieten die beiden auch Paartherapie in Berlin an.