Braucht man eine Morgenroutine? Gerade auf jeden Fall!

Gerade jetzt ist das Bedürfnis groß, die Zeit zu Hause sinnvoll zu nutzen. Dabei sollten wir unseren Fokus von Außen nach Innen verschieben. Und wie können wir uns selbst und unserer Seele am besten näher kommen? Zum Beispiel durch eine Morgenroutine. Es dauert zwar, bis du gefunden hat, was dir gut tut, aber es lohnt sich. Und zum Glück mangelt es uns gerade nicht an Zeit, das (endlich) zu machen. Text: Kerstin Thost

Vielleicht geht es dir wie vielen anderen: Du hast schon einmal eine Morgenroutine für dich getestet. Nach kurzer Zeit haben aber Disziplin und Motivation abgenommen und jetzt stehst du dem Thema eher kritisch gegenüber. So ging es mir selbst auch. Aber gerade in dieser Zeit, in der unser Alltag vollkommen auf den Kopf gestellt ist, gibt mir meine (Morgen-)Routine den nötigen Halt. Die Sicherheit in mir selbst, bevor die ganze Nachrichtenflut zu Corona auf mich einprasselt. Ich will dich heute auf die Reise mitnehmen, wie auch du dem Konzept “Morgenroutine” wieder eine neue Chance geben kannst.

Fülle der Möglichkeiten

Wenn du brainstormst, was alles Teil einer Morgenroutine sein könnte, dann wirst du wahrscheinlich nicht fertig werden. Erst einmal natürlich Meditation und Yoga oder anderer Sport. Aber da stellen sich schon die ersten Fragen: Welche aller Meditationsformen ist die beste? Sollte man es beim Yoga morgens lieber schnell oder langsam angehen? Dann auch noch: Journaling und Visualisierung. Vielleicht Mantra rezitieren oder Räuchern. Lesen wäre auch noch ganz schön, am Besten wie auf diesen ganzen Bildern mit einem frisch gepressten Green Juice und einem gaaanz gesunden ayurvedischen Porridge. Kann ich vielleicht etwas Kreatives wie Malen oder intuitives Tanzen auch noch unterbringen? 

Wenn wir mal ganz ehrlich sind: Wahrscheinlich kannst du das nicht. Denn dann bräuchtest du den ganzen Tag für deine Morgenroutine und so wirst du sie nicht beibehalten. Ich rate dir das Folgende, wenn du dich an diesem Punkt der Überforderung befindest. Träume erstmal groß: Mach dir eine Liste mit allem, was du machen würdest, wenn du wirklich den ganzen Tag Zeit hättest. Schreibe vor allem Sachen auf, die dir der Erfahrung nach besonders gut tun. Die du dir vielleicht an einem ganz freien Sonntag mal gönnst. Liste aber auch Dinge auf, die du schon immer mal ausprobieren wolltest. 

Try and error

Wenn deine Liste steht, dann ist die Probephase angesagt. Nimm dir eine oder zwei Wochen Zeit, in denen du all diese Träume mal verwirklichst. Such dir jeden Tag eine oder zwei der Aktivitäten aus und teste sie als Morgenroutine. Wenn es sein muss, plane sie in deinen Kalender als To-Do ein. Schreib dir danach auf die Mindmap mit den gesammelten Aktivitäten in ein oder zwei Sätzen, wie dir die jeweilige Aktivität gefallen hat.

Mit der Zeit hat sich so für mich ganz klar herauskristallisiert, was ich brauche, um meinen persönlichen perfekten Tag zu erleben. Meditation, Journaling und Yoga. Diese drei Dinge sind meine Essentials. Alles andere ist optional. Lies dir durch, wie dir in den letzten Wochen die einzelnen Aktivitäten gefallen haben. So kannst du deine wichtigsten Morgenrituale finden. Umkreise sie auf deiner Mindmap und schreibe dir dazu, wie viel Zeit du idealerweise für jede Aktivität brauchst. Wenn du deine Lieblingsaktivitäten gefunden hast, dann geht es in die nächste Phase, an die Umsetzung.

Das Ding mit der Zeit

Wahrscheinlich hast du in der Testphase (wieder) gemerkt, dass es gar nicht so einfach ist, dir die Zeit für deine Morgenroutine zu nehmen. Umso wichtiger ist es, dass du es trotzdem machst. Schaue realistisch auf deinen Alltag. Wie viel Zeit ist morgens wirklich? Welche andere Aktivität muss dafür weichen? Ich habe die Zeit ohne Achtsamkeit am Handy verkürzt. Wann willst du nach erholsamem Schlaf aufstehen? (Übrigens ist auch jetzt in der Selbstquarantäne ein möglichst gleichmäßiger Schlafrhythmus besonders wichtig.)

Und es ist mehr als in Ordnung, wenn du nicht jeden Tag um fünf Uhr morgens freudestrahlend aus dem Bett aufspringen kannst oder willst. Lege fest was für dich passt, und schreibe dir dann ein strenges Drehbuch. Das ist wichtig für die erste Zeit der Umsetzung. Und auch, damit du den Zeitplan einhältst und nicht zu lange brauchst. Eine Möglichkeit wäre:

  • 7:00 aufstehen, direkt ins Bad
  • 7:15 Meditieren
  • 7:25 Kaffee aufsetzen, kurzes Dehnen
  • 7:40 Frühstück mit einem Buch in der Hand, immer noch kein Handy! 
  • 8:00 fertig

Angepasst an DEINE Bedürfnisse

Da ich auch nicht bereit bin, zu einer für mich unerträglichen Zeit aufzustehen, habe ich manche der Routinen auf Abends verschoben. Hier ist allerdings die Gefahr, dass man sich sagt: Es bringt mir doch mehr, wenn ich direkt ins Bett gehe. Ich finde es aber sehr hilfreich, vor dem Schlafen Yoga und Journaling zu machen, weil ich dann auch die letzte Zeit des Tages ohne das Handy verbringen kann. Dabei kann ich die Routinen so lange machen, wie es sich gerade gut anfühlt, ohne dass wie morgens noch eine ganze To-Do-Liste auf mich wartet.

Informiere auch deinen Partner, deine Mitbewohner oder deine Familie über dein Vorhaben. (Motiviere vielleicht auch sie für mehr Achtsamkeit im Familienalltag.) Erkläre ihnen deine neue Routine und gib ihnen auch die Erlaubnis, dass sie dich an deine Routine erinnern, wenn du sie mal vernachlässigst. Das ist nicht als nervige Kontrolle gemeint, sondern nur als Stütze für dein eigenes Wohlergehen. Wenn du alleine lebst, dann sind deine To-Do Liste und dein Wecker deine Versicherung, dass du dir selbst treu bleibst.

Kein Platz für Perfektionismus

Ein weiteres Problem an den meisten Morgenroutinen ist das Ziel, dass alles möglichst spirituell und tiefgründig sein muss. Nach dem Motto: eine Stunde Meditation, oder eine aufwendige Yogapraxis? Oder ist es doch besser, morgens direkt in der Bhagavad Gita zu lesen? Manchmal kann das Wirkungsvollste sein, das Handy erst nach dem Frühstück einzuschalten. Wir haben für dich beispielsweise hier 4 Morgenrituale für mehr Energie gesammelt, die ganz einfach umzusetzen sind.

Aber auch bei vorgefertigten Morgenroutinen ist es entscheidend, dass du sie nicht einfach übernimmst, sondern du diese für dich anpasst. Weder die Spiritualität noch totale Einfachheit sind unabdingbar. Denn da die Morgenroutine ganz einfach nur für dein Wohlbefinden gedacht ist, hat Perfektionismus hier nichts verloren. Du machst deine Morgenroutine nämlich nicht, um sie auf Instagram zu posten. Natürlich kannst du das machen. Aber einem perfekten Bild hinterher zu jagen ist nicht das Ziel. Vielleicht brauchen wir bei all den unrealistischen Erwartungen, die mit dem Wort “Morgenroutine” verbunden sind, ein neues Wort, das nicht damit belastet ist. So wie: Zeit für mich. Echt statt perfekt.

Wie viel Disziplin ist gesund?

Was ist allerdings, wenn du diese Zeit für dich mal verpasst? Wenn die Kinder schon quengelnd vor der Tür stehen, bevor du das Bett verlassen hast? Wenn du mal krank bist und anstatt deiner Morgenroutine beim Arzt anrufen musst? Dann machst du eben am nächsten Tag wieder weiter. Ich habe mir selbst die Regel gesetzt, dass ich mich auf keinen Fall zwei Tage hintereinander selbst so vernachlässige. Denn wenn man schon mal zwei Tage ausgesetzt hat, dann wird daraus schnell eine Gewohnheit. Aber verurteile dich nicht, wenn du es aus welchen Gründen auch immer nicht geschafft hat. Denn wenn du dich selbst nur dazu zwingst und für das Aussetzen verurteilst, dann ist die Einstellung dazu alles andere als positiv. 

Achte auf dich und deine Bedürfnisse. Dann ist alles in Ordnung. Auch, wenn wieder Zeit fürs Reisen ist und du dann deine Routine verkürzt. Oder wenn du deine Routine regelmäßig veränderst und anpasst. Solange es gut für dich ist.

Wie kannst du deinen Alltag während der aktuellen Krise noch verbessern und vereinfachen? Beispielsweise mit Coronamalismus.

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