Mehr Balance mit Yoga Journal Covermodel Nora Kersten

Sie ist Yogalehrerin, zweifache Mama und entwickelte gemeinsam mit ihrem Mann “athleticflow”, ein Fitnessprogramm bei dem HIIT auf Yoga trifft. Die gebürtige Albanerin lebt und arbeitet zwar hauptsächlich in der Schweiz (und zwar direkt am schönen Zürich See), packt Kids und Kegel aber auch gerne ein, um gemeinsam zu Reisen. Immer im Gepäck: Yoga, Pranayama, Meditation und ein derartig ansteckend-positives und ausgeglichenes Mindset, das wir uns entschieden haben, Nora zum Gesicht unserer “Balance”-Ausgabe zu machen.

Liebe Nora, kannst du uns “dein” Yoga beschreiben, was bedeutet es für dich ganz persönlich?

Nora: “Wow, danke für diese Frage. Ganz oft wird Yoga leider immer noch als ‘Stretching’ angesehen, dabei geht es um so viel mehr. Yoga ist das Leben, das Leben ist Yoga. Meine Yogapraxis hat sich in den letzten Jahren enorm verändert. Sicher hat das auch mit meinen drei Schwangerschaften zu tun: Ich musste lernen, meine eher kraftvolle Vinyasa-Flow Praxis anzupassen, teilweise auch komplett loszulassen. Dieses Wunder, dass in uns wachsen darf, ist eins der besten Lehrer des Yoga, des Lebens. Ich durfte lernen, dass ich mich noch zu stark mit meiner Asana Praxis identifizierte. Das Loslassen dieser, war für mich eine wahre innere Transformation.

Dann war dein Körper also dein Lehrmeister?

Manchmal ist das Leben schon lustig. Als ich vor acht Jahren meinen Mann kennenlernte, dachte ich mir, mein Partner ist mein bester spiritueller Lehrer. Als ich dann schwanger wurde, sagte ich mir, meine Schwangerschaft lehrt mich so viel über mein Leben und jetzt als zweifach Mama, sehe ich meine Kinder als meine besten Yogalehrer. Sie lehren mich wahres Mitgefühl, Liebe, Geduld, Vertrauen, Achtsamkeit und Disziplin.

Nora mit ihrer großen Tochter Malu, die gemeinsam mit ihrer kleinen Schwester Ava Mamas beste Yogalehrer sind.

Deine Kinder haben also nicht nur deine Praxis verändert …

Yoga bedeutet für mich viel viel mehr, als das was ich auf der Yogamatte mache. Wie gehe ich mit mir um, wenn ich es nicht schaffe, meine E-Mails zu beantworten, die Küche aufzuräumen, mein Kind einfach nicht schlafen will. Wie gehe ich damit um, wenn ich sehe, dass jemand den Familienparkplatz nimmt, obwohl diese Person alleine unterwegs ist. Wie gehe ich damit um, dass mein Kind auf einmal im Lebensmittel-Laden anfängt zu heulen, weil ich zu etwas nein gesagt habe. Wie ist mein innerer Dialog? 

Oh ich verstehe dich so gut. Das ist ein innerer Dialog, den jede Mama mit sich führt. Ich stehe auch oft vor der Frage: Wie finde ich Zeit und Raum für mich und meine Praxis?

Ich muss die Zeit nicht finden, Yoga gehört einfach dazu, wie das tägliche Zähneputzen, kochen, mein Kind zu stillen. Da denke ich auch nicht, soll ich heute mal mein Kind nicht stillen oder nichts essen? Es wird jeden Tag gemacht! Meine Asanapraxis gehört zu meinem Leben dazu. Das heißt nicht, dass ich jeden Tag Vinyasa praktiziere, manchmal mache ich einfach nur ein langes Savasana oder eine Umkehrhaltung um meinen Beckenboden zu entlasten. Ich höre ganz genau hin, was mein Körper braucht. Manchmal mache ich auch mehrere kleinere Sessions über den Tag verteilt durch. Während ich zum Beispiel meine Mails beantworte, läuft auf meinem Handy eine App, die mich alle 25 Minuten daran erinnert, eine 5 Minuten Pause zu machen. Die nutze ich natürlich für ein bisschen Yoga auf dem Stuhl und am Bürotisch. Wenn meine Kleine schläft nutze ich gerne die Gelegenheit, meine Matte auszurollen. Meistens stehe ich Morgens früher auf für meine Praxis und am Abend bevor ich schlafen gehe, mache ich gerne sanfte Vorbeugen oder Umkehrhaltungen. Du siehst es gibt so viele Möglichkeiten für Yoga. Ja sogar während wir dieses Interview führen, nimm wahr wie du da sitzt und atmest. Schenke dir ein Lächeln. 

Video-Tipp der Redaktion: Mache gemeinsam mit Nora Yoga für mehr Gelassenheit

Du hast so Recht. Man merkt sofort, wie achtsam du mit deinem Körper umgehst. Wie entgehst du dem Druck, den Frauen oft spüren, nach der Entbindung schnell in Topform zu sein?

Erstmal ist es überhaupt nicht verwunderlich, dass wir solch einen Druck in der heutigen Zeit verspüren. Dank Instagram und Co., ist es einfach geworden, Schwangeren Celebrities und IG-Stars zu folgen. Wir sehen diese wunderschönen kugelrunden Bäuche, den perfekten Glow und ein paar Wochen nach der Geburt sehen viele dieser Frauen so aus, als hätten sie nie ein Baby geboren. Wir nehmen diese Informationen auf und werden dadurch beeinflusst. Dies führt dann zur Frustration, wir sind streng mit uns und wollen wissen, warum wir nicht so aussehen können. Wir hinterfragen unsere Essgewohnheiten und denken, dass wir uns nicht genug bewegen.

Ich erkenne mich in deinen Worten wieder …

Für mich gehört es auch zu meiner Yogapraxis, meine Gedanken zu erkennen und herauszufinden: Woher kommt dieser Druck, diese Angst, dass ich mich schnell wieder in Topform bringen möchte? Eine Schwangerschaft dauert 10 Monate, die Rückbildung darf noch länger dauern. Wir dürfen unsere Kurven auch ohne Baby im Bauch lieben. Während der Schwangerschaft schenken wir unserem Bauch so viel Aufmerksamkeit und Liebe, sobald das Baby da ist, geht die Liebe und Aufmerksamkeit nach Außen zum Baby. Aber was ist mit deinem Körper, mit dem Zuhause deines Babys? Dein Körper ist ein wahres Wunder und hat so viel geleistet, wir dürfen das nicht vergessen. Wir dürfen uns mit Schwangerschaftsstreifen, Rektus Diastase, Dammverletzung, schmerzenden Brüsten und den einigen Kilos mehr annehmen und lieben. 

Yogalehrerin Nora gibt ihrem Körper nach der Schwangerschaft viel Zeit

Du wirkst auf jeden Fall sehr im Reinen mit dir, in Balance. Genau das ist auch das Thema des aktuellen Yoga Journals, mit dir auf dem Cover. Was hilft dir in diesen bewegten Zeiten im Gleichgewicht zu bleiben?

Es ist eine Kombination aus ein paar Dingen. Da wäre erstens “Earthing“: Barfuss gehen ist die einfachste Art, uns wieder mit der heilenden Energie der Erde zu verbinden. Dabei ist es egal, ob wir auf einer Wiese, am Strand, auf Beton oder auf dem Gehweg gehen, denn sie alle sind elektrisch leitfähig, verbinden uns daher mit dem Energiefeld der Erde und versorgen uns mit freien Elektronen. Zweitens liebe ich das Kochen. Am besten mit lokalen Bio-Produkten. Kochen bedeutet für mich, mich direkt aus dem Herzen mit den Händen zu verbinden und mit Liebe zu kochen. Für mich ist das eine wahre Meditation. Dann liebe ich schwimmen. Wir haben das große Privileg am Zürich See zu leben. Das Element Wasser hat für mich etwas Spirituelles. Ich bin nach dem Schwimmen wie ausgewechselt. Innerlich und äußerlich gereinigt, geheilt und transformiert. Als Mama gehört auch das Stillen für mich dazu. Es gibt nichts Schöneres für mich. Ich genieße diese unglaubliche Verbindung, Zweisamkeit und Intimität, die ich mit meiner 5 Monate alten Tochter Ava haben darf. Und last but not least natürlich Yoga. Meistens praktiziere ich ohne Musik, und genieße die unfassbare Schönheit der Stille. Die Bewegungen fließen synchron mit meinem Atem, ich kann so schnell in eine andere Welt eintauchen. 

Also Earthing, Kochen, Schwimmen, Stillen und Yoga – eine schöne Kombination. Kannst du unseren Lesern vielleicht noch drei konkrete Übungen für mehr Balance und Ausgeglichenheit im Alltag empfehlen?

Na klar: Beginne mit Earthing: Zieh deine Schuhe aus, ganz egal wo du bist und beobachte, was es mit dir macht barfuß zu sein. Schließe deine Augen, wenn du eine gute Balance gefunden hast und nimm ein paar bewusste Atemzüge. Atme ein “ICH”. Atme aus “BIN”.

Als Zweites Pranayama: Meine Lieblingsatemübung, die mir Balance schenkt ist Nadi Shodhana: Beginne in aufrechter Sitzhaltung, im Schneidersitz oder auf einem Stuhl. Zeigefinger und Mittelfinger der rechten Hand auf der Handinnenfläche ablegen, im Vishnu Mudra. Lege den Daumen auf deinen rechten Nasenflügel und atme links für 4 Sekunden ein. Schließe beide Nasenlöcher mit dem Ringfinger der rechten Hand und dem Daumen. Halte deinen Atem für 8 Sekunden an. Öffne den rechten Nasenflügel und atme für 8 Sekunden lang aus. Lass das rechte Nasenloch auf und atme für 4 Sekunden ein. Schließe wieder beide Nasenlöcher und halte die Luft für 8 Sekunden an. Öffne das linke Nasenloch und atme komplett aus für 8 Sekunden. 

Im Video zeigt Nora dir, wie du mit Pranayama am Abend runterkommen und entspannen kannst.

Als dritte Übung, widme dich deinem Beckenboden, denn über ihn gelangst du auch zu mehr innerer Balance und Lebensfreude. Zieh dein Schambein und Steißbein Richtung Damm. Ziehe deine Sitzbeinhöcker Richtung Damm. Stell dir die innerste Schicht als Trampolin vor, dass du zusammen- und hochziehst. Jetzt versuchst du es mit der Atmung zusammen. Bei der Ausatmung aktivierst du deinen Beckenboden mit den vorherigen Bildern und bei der Einatmung lässt du langsam los. Spüre die Entspannung für ein paar Sekunden nach, lass alles weit werden, ehe du weiter machst.

Zum Abschluss: Verrate uns doch noch ein Mantra, dass dich durch die vergangene Zeit getragen hat.

Ganz einfach OM SHANTI – wenn meine Kleine unruhig ist, wirkt das nicht nur Wunder für mich sondern auch für uns beide.


Für deine tägliche Inspiration schau doch auch mal auf Noras Insta und Co. vorbei. Dort findest du auch aktuelle Infos zu ihren Live Streams und Online-Klassen.
Instagram: Yoga Nora
Facebook: athleticflow
Website: www.yoganora.ch

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