Yoga & Periode: “Eine heilige Zeit”. Drei Yoginis geben Antworten

Periode und Yoga? Da stellen sich einige Fragen. Genau deswegen haben wir die Yogalehrerinnen Rebecca Chelbea, Joy Weber und Laura Flach gefragt: Wie gehen sie mit Yoga und Menstruation um? Welche Menstruationsprodukte nutzen sie? Umkehrhaltungen ja oder nein?

Wann kommt endlich das Savasana? Wäre doch Yin besser als Vinyasa Flow? Hält meine Hose dicht? Jetzt üben wir auch noch Handstand! Typische Gedanken, wenn du Yoga während deiner Menstruation übst, oder? Dann die erlösenden Worte: “Hast du deine Tage? Dann mach keine Umkehrhaltungen. Entspanne lieber in der Stellung des Kindes.” Während das Frauenthema in unserer Gesellschaft immer noch mit zu viel Scham behaftet ist, verändert sich in der Yogaszene etwas. Unter anderem Dank der Frauen, die wir hier für euch im Interview haben.

Wie hat sich durch Yoga die Beziehung zu eurem Körper und auch die Akzeptanz gegenüber euerer Periode verändert? 

Laura: Seitdem ich Yoga praktiziere, bin ich im ständigen Prozess. Mein Leben hat sich dadurch sehr verändert. Die Beziehung zu mir selbst, meinem Körper, der Natur, meinen Mitmenschen und den Tieren ist viel achtsamer und bewusster. Aber vor allem liebevoller. Und genau so ist es auch mit der Periode. Ich sage immer “eine heilige Zeit”. Wir werden dazu aufgerufen, eine Pause zu machen, zu reflektieren, nach innen zu schauen. Ich versuche meine Periode wirklich bewusst zu gestalten, wenig zu arbeiten und mehr raus zu gehen in die Natur.

Wenn ich entspannter bin, weicher bin, dann ist es auch mein Körper. Dadurch habe ich weniger Schmerzen. Ich habe mich sehr intensiv mit meinem Körper und auch meinem Blut auseinander gesetzt. Ich glaube das ist für viele nicht einfach. Wir sind so darauf trainiert, unsere Menstruation zu verschweigen. Deshalb verstecken wir sie und empfinden sie als unangenehm und eklig. Dadurch haben wir eine totale Abneigung aufgebaut. Das trennt uns auch von unserer Intuition und Weiblichkeit

Rebecca: Meditation zählt natürlich auch zu Yoga. Allerdings habe ich zuerst mit dem meditieren begonnen und bin danach auf die Asanas gestoßen. Vor allem das nach Innen schauen in der Meditation hat mich näher zu mir selbst gebracht. Näher zu meinem Körper und somit auch näher zu meiner Menstruation. Es war nicht direkt Yoga, das mich hat meine Menstruation annehmen lassen. Aber Yoga verändert auch indirekt das Leben, weil man anfängt von einer anderen Perspektive zu sehen.

Joy: Ja, Yoga hat das Körperempfinden auch bei mir total verändert. Ich bin viel mehr im Kontakt mit mir. Und ich komme schneller dazu zurück, wenn das verloren gegangen ist.

Wünscht ihr euch in der Yogaszene mehr Offenheit für die Periode?

Joy: Es darf sich auf jeden Fall noch mehr Bewusstsein entwickeln. Yoga war ja ein traditionell indisches System für Männer. In meiner Yogalehrerausbildung wurde ich dann zum ersten Mal damit konfrontiert. Bis dahin hatte ich aber noch nicht diesen tiefen Zugang zu mir. Ich habe meinen Zyklus gar nicht so wahrgenommen. Meine Ausbildung hat meine Achtsamkeit dafür geschult. Ich achte generell mehr auf meinen Zustand. Aber ganz besonders während meiner Periode. Dadurch spüre ich, welche Position weggelassen werden sollte.

Rebecca: Ich glaube das ist schwer, allgemein zu sagen. Denn es gibt auch so viele unterschiedliche Yogaszenen. Im Ashram in Indien hat man nicht viel über Weiblichkeit gesprochen. Wenn nur im biologischen Sinne. In Bali habe ich andererseits ein Yoga Teacher Training gemacht, in dem wir viel über Tabuthemen gesprochen haben. Deshalb war Menstruation hier auch ein Teil des Trainings. Wir sollten sowohl in der Yogaszene als auch im Alltag mit Freunden, in der Partnerschaft, auf der Arbeit für eine offene Kommunikation über Menstruation sorgen. Immerhin haben so viele Menschen den monatlichen Zyklus. Warum also so ein Geheimnis drum machen?

Macht ihr während der Menstruation anders Yoga?

Laura: Ja, ich praktiziere anders Yoga. Ich achte darauf, dass ich ein paar Tage vorher schon weniger intensiven Sport mache. Meine Yogapraxis ist dann viel sanfter. Ich gehe nicht so tief, halte länger und atme ganz bewusst. Oft praktiziere ich auch Yin Yoga, einen meiner Lieblingsyogastile. 

Rebecca: Definitv. Am Anfang meines Zyklus habe ich meistens am wenigsten Energie. Allerdings ist jeder Zyklus ein bisschen anders. Manchmal habe ich an Tag 2 oder 3 wieder viel Energie. Ich nehme mein Energielevel wahr. Vielleicht widerspricht mein Kopf: Wir wollten eine 30 Tage Handstand challenge duchziehen! Ich höre auf meinen Körper und seine Bedürfnisse. Das Jetzt ist wichtiger. Meistens entschleunige ich mit Atemübungen und Meditation. Trotzdem bewege ich mich gerne. Dann mache ich sinnliches Tanzen oder leichte Asanas. Ich persönlich mag auch Inversions. Das ist aber sehr umstritten. Denn während der Menstruation ist die Gebärmutter größer und schwerer.

Joy: Für mich ist auch jede Periode anders. Wenn ich Ruhe brauche, mache ich Yin Yoga. Manchmal fühle ich mich so richtig stark. Dann höre ich auf meinen Körper und mache aktiveres Yoga. Asanas, wo der Unterbauch gedehnt wird, sind meistens zu viel. Für mich gibt es kein richtig und falsch bei Umkehrhaltungen. Ich will wirklich so intuitiv wie möglich praktizieren. Ganz besonders während der Periode. Ich genieße es, dass ich in meinen Privatstunden individuell auf meine Schüler*innnen eingehen kann.

Welche Menstruationsprodukte nutzt ihr?

Rebecca: Ich habe alle nachhaltigen Menstruationsprodukte durchprobiert. Ich bin umgestiegen, weil konventionelle Menstruationsprodukte sehr schädlich sind. Sowohl für den eigenen Körper als auch für die Umwelt. Es müssen nicht mal alle Inhaltsstoffe angegeben werden! Frauen verwenden unwissend gebleichte Teile aus Plastik. Diese Informationen brachten mich zu wiederverwendbaren Binden. Aber mit dem Mooncup konnte ich mich noch nicht anfreunden. Während der ersten drei Tage möchte ich keine Fremdkörper in mir haben. Deshalb unterstützte ich den Flow lieber mit wiederverwendbaren Binden. Im Moment ist Menstruationsunterwäsche mein Favorit. Denn sie sitzt sicher und super saugfähig. Ich bekomme eigentlich wenig vom Blut mit und kann sie bis zu 12 Stunden tragen. Wenn ich doch mal schwimme oder Sport mache, verwende ich Tampons aus Bio-Baumwolle.

Verwendet jemand andere Menstruationsprodukte fürs Yoga?

Joy: Ich habe 5 Jahre die Tasse benutzt. Die hat allerdings nicht ganz dicht gehalten. Deshalb habe ich zusätzlich Slipeinlagen benutzt. Seit einigen Monaten nehme ich die Mensturationswäsche. Das produziert zum Glück keinen Müll. Zur Zeit benutze ich Tasse und Unterwäsche. Ich fühle mich damit im Alltag und auch beim Yoga sowohl wie noch nie. Ich merke es inzwischen kaum noch, dass ich Menstruationsprodukte verwende.

Laura: Ich verwende die Tasse fürs Yogastudio. Und die Unterwäsche für Zuhause. Außerdem verwende ich bei Schmerzen gerne Lavendel- und Basilikumöl. Einfach mit einem Trägeröl (Olivenöl, Kokosöl, Mandelöl) auftragen. Zudem nehme ich CBD Öl ein. Ich benutze ab und zu Bio-Slipeinlagen oder Tampons. Da möchte ich aber auf wiederwendbare Einlagen umsteigen. Die Menstruationstasse, wenn ich unterwegs bin. Und zuhause trage ich meistens Periodenunterwäsche. Denn ich lasse mein Blut gerne fließen. So ist wenig Druck im Becken und es entstehen nicht so schnell Krämpfe. Wer sich mit der Tasse noch nicht wohl fühlt, kann auf Bio-Baumwoll-Menstrationsprodukte umsteigen. Aber zur Nutzung der Menstruationstasse findet man Erklärvideos. 


Text: Kerstin Thost

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