Mini Practice: Nach den Sternen greifen 1

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Das volle Potenzial von Yoga (und Ihr persönliches) wird immer dann erfahrbar, wenn es gelingt, sich beim Üben mit einer umfassenderen Energiequelle zu verbinden als dem eigenen Körper: Stress verfliegt, Herz und Geist werden weit, das Gefühl des Getrenntseins schwindet. Sarah Platt-Finger, die Yogalehrerin von Deepak Chopra zeigt hier, wie das gelingen kann. Den zweiten Teil gibt es am 18. Mai. 

  1. So-Ham-Atmung

Nehmen Sie eine bequeme Sitzhaltung ein, in der Sie die Wirbelsäule ohne Anstrengung aufrichten können. Mit jeder Einatmung wiederholen Sie laut oder innerlich das Mantra „So“. Diese so genannte „Keimsilbe“ steht für reine Energie, Bewusstsein und Inspiration. Spüren Sie, wie Ihre Wirbelsäule sich längt, die Krone Ihres Kopfes nach oben strebt und sich Ihre Rippen zu den Seiten ausdehnen. Visualisieren Sie einen Energiestrom, der zwischen dem Schädeldach und dem unteren Ende der Wirbelsäule verläuft. Mit jeder Ausatmung wiederholen Sie das Mantra „Ham“. Diese Silbe ist der Klang des individuellen Bewusstseins und der Transformation. Dabei ziehen Sie den unteren Bauch sanft zur Wirbelsäule hin und stellen sich vor, wie Bewusstsein in jede Ihrer Zellen strömt.

Effekt: Diese Atemübung hilft Ihnen, Körper und Geist zu klären und sich für Inspiration zu öffnen.  Sie können Sie als Meditationsmantra nutzen, aber auch ganz banal beim Arbeiten, Einkaufen oder Spazierengehen. Zu Beginn der Yogapraxis üben Sie die So-Ham-Atmung 3 bis 5 Minuten lang. Während der folgenden Haltungen setzen Sie sie immer wieder ein, um den Energiekanal entlang Ihrer Wirbelsäule zu reinigen und Raum für Bewusstsein zu schaffen.

2. Anjaneyasana, tiefer Ausfallschritt

Setzen Sie aus dem Vierfüßlerstand den rechten Fuß nach vorn zwischen die Hände. Mit der nächsten Einatmung richten Sie sich auf und heben die Arme. Dabei achten Sie darauf, dass die Hüften über den Knien stehen und das rechte Knie über dem rechten Knöchel. Aktivieren Sie sanft den Bauch, um den unteren Rücken zu schützen und den Energiestrom entlang Ihrer Wirbelsäule aufrechtzuerhalten: Genau wie kein Wasser durch einen geknickten Strohhalm fließen kann, wird in ungünstigen Körperhaltungen auch der Fluss von Energie blockiert. Versuchen Sie deshalb, Ihren Rumpf durchlässig zu halten und auch die hinteren Rippen anzuheben. Die Körperrückseite repräsentiert die Vergangenheit und die Verbindung nach innen. Die Körpervorderseite steht für Willenskraft, das Vorwärtsschreiten in die Zukunft und die Verbindung nach außen. Weiten Sie Ihr Herz und finden Sie die Mitte zwischen Vorder- und Rückseite, Zukunft und Vergangenheit. Nach 5 bis 8 Atemzüge auf So Ham wechseln Sie die Seite.

Effekt: Diese Haltung dehnt die Körpervorderseite und wirkt stimmungshebend. Das Weiten der Herzgegend hilft Ihnen wahrzunehmen, dass in allem Verbindung möglich ist: Nicht nur im eigenen Körper (vorne, hinten, oben, unten) und im eigenen Leben (Zukunft und Vergangenheit, Körper und Geist), sondern auch mit allem, was uns umgibt.

3. Adho Mukha Shvanasana, herabschauender Hund

Spreizen Sie im Vierfüßlerstand die Finger und erden Sie die Hände, vor allem Zeigefinger und Daumen. Schieben Sie das Becken nach hinten oben und lassen Sie dabei den Oberkörper lang und weit werden. Verbinden Sie sich erneut mit dem Energiekanal entlang Ihrer Wirbelsäule und stellen Sie sich vor, wie er sich durch Arme und Beine zum Boden hin verlängert. Streben Sie mit den Fersen Richtung Boden, ohne dabei die Ausrichtung von Rumpf und Schultern zu verändern.

Effekt: Diese Haltung dehnt die Beinrückseiten, die für das Unbewusste, für unverarbeitete Gefühle und eingefahrene Muster stehen. Wenn man in Emotionen gefangen ist, fällt es schwer, Verbundenheit zu spüren. Haltungen, die die Beinrückseiten dehnen, können helfen loszulassen, was wir vielleicht unbewusst festhalten wollen. Das eröffnet eine ganzheitlichere Selbsterfahrung und schafft Verbindung zu universeller Intelligenz und Bewusstsein. Bleiben Sie 8 bis 10 Atemzüge lang in der Haltung und atmen Sie dabei auf So Ham.

4. Parshva Tadasana, Berghaltung mit Seitbeuge

Verwurzeln Sie im Stehen die Füße in der Erde und richten Sie sich von dort aus durch den gesamten Körper sanft auf. Dann heben Sie mit einer Einatmung die Arme und legen die Handflächen aneinander. Beine und Bauchmuskeln sind aktiv – so stabilisieren Sie den unteren Rücken – , Schultern und Nacken entspannt. Wachsen Sie mit der Einatmung über die Schädeldecke hinaus nach oben. Gleichzeitig wahren Sie aber über die Füße Ihre Verbindung zur Erde. So bleiben Sie ganz in der körperlichen Erfahrung und können sich doch ausdehnen. Mit einer Ausatmung beugen Sie sich sanft nach rechts. Nach 5 Atemzügen auf So Ham kehren Sie einatmend zurück zur Mitte. Dann beugen Sie sich wieder ausatmend für 5 Atemzüge nach links.

Effekt: Diese Stehhaltung schafft mehr Raum für den Atem. Sie mobilisiert die Zwischenrippenmuskulatur, die sich mit jedem Atemzug ausdehnt und wieder zusammenzieht. Über den Atem wird belebendes Prana aufgenommen, das Körper und Geist verbindet.


Sarah Platt-Finger, die hier nicht nur als Autorin, sondern auch als Model fungiert hat, ist Mitbegründerin von Ishta-Yoga in New York. Gemeinsam mit ihrem Mann Alan Finger unterrichtet sie weltweit Workshops, Yogalehrer-Ausbildungen und Retreats. Im Vorstand der Organisation Inhale to Exhale fördert sie Yogakurse für Opfer häuslicher Gewalt.

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