Alexandra Keller: “Wir brauchen mehr Yoga in unserem Leben”

Business und Spiritualität müssen sich nicht ausschließen: Alexandra Keller macht vor, wie man einen Job in der Finance-Branche mit Yoga und Ayurveda verbindet und wie beide Bereiche sogar voneinander profitieren. Wir haben uns mit der inspirierenden jungen Frau über fehlende Spiritualität in unserem Alltag und die Kraft von Yoga und Ayurveda unterhalten.

Job in der Bank, Start up, Yoga Ausbildungen … Das klingt ja nach vielen Eisen im Feuer. Warst du schon immer so vielfältig interessiert?

Ja, total. Das liegt wahrscheinlich in meinem Naturell begründet. Nach der ayurvedischen Konstitutionsbestimmung bin ich ein Vata-Pitta Typ, wobei Vata dominiert. Vata-Typen sind ja von Natur aus schnell begeisterungsfähig, lieben Abwechslung und neue Herausforderungen. Kaum habe ich ein Thema abgeschlossen, überlege ich schon was ich als nächstes machen könnte. Das zieht sich wie ein roter Faden durch mein Leben. Besonders stark zum Ausdruck kam diese Eigenschaft als es um die Berufswahl nach dem Abi ging. Ich hätte mir aufgrund meiner vielfältigen Interessen vieles vorstellen können – angefangen von Sportmanagement, über Eventmanagement, Tourismus und schließlich bin ich im Finance Bereich, genauer im Consulting, gelandet. Ich habe schon früh meine Leidenschaft für Sport (Tennis, Tanzen, Fitness, und später Yoga) und Ernährung entdeckt. Gleichzeitig bin ich ein absoluter Planungsmensch, habe für alles To Do-Listen und bin ein Meister darin, Dinge vorauszuplanen – deswegen auch Eventmanagement. Aber auch der Tourismusbereich ist toll: Ich liebe es zu reisen und würde am liebsten jeden Fleck auf dieser Erde erkunden und fremde Kulturen kennenlernen. Naja und in Sachen Finance und Consulting schlägt mein Pitta Typ durch! Besonders kennzeichnend für Pitta-Typen ist eine analytisch-strukturierte Arbeitsweise; nicht selten neigen Pitta-Typen zum Workaholic …

Muss man eine sehr fokussierte Person sein, um das alles unter einen Hut zu bekommen?

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Fokus ist bei der Vielzahl an Themen auf jeden Fall wichtig, um sich nicht zu verlieren: Ich habe – zum Leidwesen meines Freundes, der Familie und Freunden – die Gabe, dass ich alles um mich ausblenden kann, wenn ich ein Ziel vor Augen habe: Wenn ich mir etwas in den Kopf gesetzt habe, suche ich solange nach Mitteln und Wegen bis ich es erreicht habe. In meiner Disziplin und meinem Perfektionismus zeigt sich wiederum mein Pitta-Typ. In einem sehr hektischen Alltag helfen mir vor allem auch meine Routinen in Balance zu bleiben: Dazu gehört eine regelmäßige Schlafroutine, feste Zeiten für Yoga/Sport, Zeit in der Natur sowie bewusste und konstitutionsgerechte Ernährung.

Wie passt dein Job im Consulting zu deinem spirituellen Weg? Schließt sich das nicht eher aus?

Alexandra Keller Ayouga
Ich bin ein Fan davon, Paradigmen zu durchbrechen, neue Denkanstöße und Impulse zu geben und zu zeigen, dass nicht immer alles nach “Schema F” im Leben laufen muss.

Natürlich wirkt es in einer sehr analytisch-logisch denkenden Welt wie der Finance Branche für viele erst mal befremdlich, wenn jemand eine spirituelle Richtung einschlägt: Auch die Reduktion der Arbeitszeit auf eine 4-Tage Woche ist für den Consulting-Bereich eher untypisch. Ich bin ein Fan davon, Paradigmen zu durchbrechen, neue Denkanstöße und Impulse zu geben und zu zeigen, dass nicht immer alles nach “Schema F” im Leben laufen muss. Wir sind alle einzigartig und so sollten auch unsere Lebensweisen sein. Was sich für Dich gut und richtig anfühlt, muss nicht unbedingt das Beste für mich sein und umgekehrt. Wir können nur dann unser volles Potenzial entfalten und langfristig glücklich sein, wenn wir uns ehrlich eingestehen wer wir sind, zu unseren individuellen Bedürfnissen und Wünschen stehen und unser Leben danach ausrichten. Die Vielfältigkeit und Einzigartigkeit drückt sich bereits durch unsere Doshas aus.

Lies auch: Dosha-Test – Welcher Konstitutionstyp bist du?

In meinem Vata-Pitta Dosha treffen zwei Herzen in einer Brust zusammmen. Der spirituelle Freigeist trifft auf den ambitionierten Planungsmensch. Für mich ergänzen sich die Wesenszüge perfekt. Wenn mich bspw. mein Ideenreichtum und Aktionismus (Vata Typ) mal wieder dazu verleitet, viele Themen gleichzeitig zu verfolgen, hilft mir meine strukturierte Seite (Pitta Typ) wieder Ordnung in mein Leben zu bringen. Die verschiedenen Ausrichtungen helfen mir auch beruflich sehr. Durch mein Finance-Studium sowie meine Tätigkeit im Consulting habe ich gelernt wirtschaftlich zu denken, Arbeitsabläufe vorauszuplanen und Projekte zu strukturieren – das hat mir beim Aufbau meiner eigenen Firma AYOUGA enorm geholfen. Umgekehrt helfen mir Yoga / Ayurveda in meinem oft hektischen und dynamischen Arbeitsalltag im Consulting, in Balance und bei mir selbst zu bleiben.

Yoga und Ayurveda sind ja mittlerweile auch ein Lifestyle-Trend geworden. Genau das wird oft kritisiert, nach dem Motto “Wer nur Asanas macht, macht kein echtes Yoga” oder “Yoga sollte kein cooles Lifestyleding sein”. Wie denkst du darüber? 

Für mich sind Yoga und Ayurveda keine Trenderscheinung. Yoga und Ayurveda sind seit tausenden von Jahren Grundkonzepte des indischen Gesundheitssystems und eine gängige / bewährte Praxis für einen gesunden Lebensstil. Mit Zunahme unserer Reisetätigkeiten und Erkundung fremder Kulturen wurde Yoga und Ayurveda auch in der westlichen Gesellschaft immer populärer und Menschen haben die Vorzüge kennen und schätzen gelernt. Es ist im Yoga völlig in Ordnung erst mal “nur” mit Asanas zu beginnen. Ich erinnere mich zurück, als ich mit Yoga angefangen habe, ging es mir primär auch erst mal nur um mehr Flexibilität und ich habe mich eher auf den sportlichen Aspekt konzentriert. Ich dachte immer, ich sei viel zu rational, als dass Yoga das Potenzial hätte, mich innerlich zu verändern. Tatsächlich ist aber genau das schleichend passiert. Das ist natürlich ein Prozess und passiert nicht von heute auf morgen. Wer aber mit Leidenschaft und Herz praktiziert kommt früher oder später an einen Punkt, an dem er tiefer gehen möchte und sich mit den philosophischen Aspekten auseinander setzen möchte. Auch das Thema Mindfulness ist mittlerweile gar nicht mehr wegzudenken aus unserer Gesellschaft.

Warum denkst du, brauchen wir alle mehr Yoga und Spirit in unserem Leben?

Mit fällt dazu eine sehr passende Aussage von Albert Schweizer ein: “Wir leben in einem gefährlichen Zeitalter. Der Mensch beherrscht die Natur, bevor er gelernt hat, sich selbst zu beherrschen.” Die heutigen Nachrichten werden bestimmt von Themen wie Ressourcenverschwendung, Umweltverschmutzung, Klimawandel, Artensterben, kriegerischen Konflikten, Flüchtlingskrisen, Armut, Hunger und Not. Nachhaltige Lösungen scheitern nicht zuletzt immer wieder an Egoismen, Ignoranz, Gier, und kapitalistischen Verhaltensweisen. Bildungssysteme lehren uns mathematische Gleichungen aufzulösen, ein Gedicht auf Englisch zu interpretieren und, dass Bayern eine Bundesland von Deutschland ist. Selten jedoch lehren und Bildungssysteme im Umgang mit anderen und uns selbst. Persönlichkeitsfördernde Fächer wie Psychologie und Philosophie fehlen im Lehrplan oft komplett. Angesichts der Tatsache, wie viele Menschen trotz einem “guten” Job und viel Geld zu Depressionen neigen, an Burn-Out-Syndromen leiden und vergeblich nach ihrem Lebensglück suchen, bin ich der Meinung, dass die Themen rund um Mindfulness, Yoga und Spirit noch einen viel höheren Stellenwert in unserer Gesellschaft benötigen. Yoga stärkt uns nicht nur auf körperlicher, sondern auch auf geistiger und seelischer Ebene. Die ethischen Prinzipien “Yamas” und “Niyamas” des 8-gliedrigen Pfads lehren uns in einem liebevollen und respektvollen Umgang mit unserer Umwelt und uns selbst. Würden wir alle unser Verhalten an diesen Prinzipien ausrichten, bestünde auf dieser Welt im Grunde kein Raum mehr für Gewalt, Verletzung, Täuschung, Missgunst, oder Gier und Menschen könnten in Frieden und als Einheit zusammenleben.

Leben wir also zu hektisch, zu Erfolgs orientiert und zu wenig achtsam?

Gerade bei den jüngeren Generationen ist im Moment eine Trendumkehr zu erkennen. Jüngere Menschen legen heute viel mehr Wert auf eine gesunde Work-Life Balance, Nachhaltigkeit und Achtsamkeit – getreu dem Motto: Ich arbeite um zu Leben. Nicht umgekehrt. Ziele wie Zufriedenheit, Gesundheit und Lebensfreude sind oft wichtiger als Karriere, Ruhm und Materialismus. Ich freue mich, dass hier ein Umdenken und eine Sinnorientierung in der Gesellschaft stattfindet und hoffe, dass wir diesen Wandel auch in Unternehmen in Zukunft noch stärker sehen. Zunehmende Angebote zur Stressbewältigung (wie Yoga und Meditation), flexible Arbeitszeiten/-orte und die Förderung von selbstbestimmtem Arbeiten sind für mich Schritte in die richtige Richtung.

Hast du ein paar einfache Tipps für unsere Leser, wieder mehr Achtsamkeit in ihr Leben zu bekommen?

Alexandra Keller Ayouga
“In unserem hektischen Alltag vergessen viele, wer sie eigentlich sind und gehen mechanisch einem Lebensstil nach, der im Grunde gar nicht zu ihnen passt und sie daher auch nicht erfüllen kann.”

Es ist zunächst einmal wichtig, dass du dir darüber bewusst zu wirst, wer du eigentlich bist. Was sind deine Bedürfnisse, Wünsche, Träume, die du im Leben verwirklichen möchtest? Welcher Lebensstil passt zu dir? In welchem Umfeld fühlst du dich am wohlsten? Eine Konstitutionsanalyse kann dich dabei unterstützen, Klarheit darüber zu bekommen. Nur wenn du weißt wer du bist, kannst du dein Leben danach ausrichten. In unserem hektischen Alltag vergessen viele, wer sie eigentlich sind und gehen mechanisch einem Lebensstil nach, der im Grunde gar nicht zu ihnen passt und sie daher auch nicht erfüllen kann. Viele brauchen erst einen Wendepunkt in ihrem Leben – etwa eine gescheiterte Beziehung, Kündigung oder Krankheit – um ihr Leben neu auszurichten – bei mir war es bspw. ein Bandscheibenvorfall. Warte nicht, bis dass Leben dich dazu “zwingt” dein Leben und dich selbst zu reflektieren. Gönn dir eine Pause, um dich mit dir selbst auseinanderzusetzen. Und wenn du weißt wer du bist, fasse den Mut, zu dir selbst zu stehen, lege ggf. alte Gewohnheiten ab und lass Freiraum für Neues entstehen.

Hast du deswegen auch dein eigenes Start up AYOUGA gegründet? Um andere auf diesem Weg zu unterstützen?

AYOUGA steht schon im Wort für die Symbiose aus Ayurveda und Yoga. Ayurveda und Yoga bilden eine wunderbare Symbiose für ganzheitliche Gesundheit. Ayurveda kümmert sich um unser physisches und geistiges Wohlbefinden durch Massagen, Kräuterlehre, Ernährung, und Reinigung. Yoga wiederum hilft uns, durch Asanas, Meditation, Mantras, Pranayama, und ethische Disziplin mit uns selbst, unserem Umfeld und der Natur in Verbindung zu treten. Ich möchte Menschen inspirieren, durch die Verbindung von Yoga & Ayurveda ganzheitliche Gesundheit zu erfahren und dadurch Leichtigkeit und Glück in ihr Leben bringen.


Mehr über Alexandra und AYOUGA: ayouga.de und @ayouga.by.alex

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