Yoga Sequenz: Hüftgelenke und zweites Chakra

Yoga-Sequenz Hüftgelenke und zweites Chakra

Flexibilität, Kreativität, Lebenslust und das Gefühl, so richtig im Fluss zu sein – unsere Sommer-Sequenz mobilisiert die Hüftgelenke und weckt die Kräfte des zweiten Chakras.

Ist das Sakral-Chakra im Gleichgewicht, dann wird es dir leichter fallen, herausfordernden Situationen mit einer Art spielerischer Neugier zu begegnen, anstatt sich von deinen Emotionen mitreißen zu lassen. Die folgende Sequenz zielt auf die Mobilisierung und Harmonisierung der Körperregion ab, in der das Svadhisthana-Chakra liegt: Becken und Hüften. Allerdings kann eine solche öffnende Praxis auch dazu führen, dass du dich besonders verletzlich fühlen. Achte deshalb beim Üben immer darauf, bewusst zu atmen, dich nach unten zu verwurzeln und zu stabilisieren.

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In dieser geerdeten Achtsamkeit kannst du einen sicheren Rahmen schaffen, um dich für das dir innewohnende Potenzial zu öffnen. Dabei hilft es, wenn du dir zu Beginn der Praxis eine konkrete Intention setzt, etwas, das dich an deine wahren Lebenswünsche erinnert oder dich ermutigt, nach deinen persönlichen Sternen zu greifen. „Beobachte in den Haltungen auch, wo genau Widerstände sind, und nutzen deinen Atem, um diese Widerstände sanft und geduldig zu lösen„, rät die Autorin und Model dieser Sommer-Sequenz Mary Beth Larue. Außerdem ganz wichtig: Traue dir zu, dich ganz kreativ und intuitiv zu bewegen. Es ist deine Praxis, du darfst dich in ihr ausdrücken und in dein ganz individuelles Gefühl des Fließens finden, das dich auch über die Matte hinaus erfüllt.

1. Virasana: Heldensitz mit einem Block


Virasana: Heldensitz mit einem Block

Setze dich aus dem Kniestand bequem auf ein oder zwei quer auf der Matte liegende Blocks. Die Füße zeigen gerade nach hinten, du schiebst Fußoberseiten und Zehen gegen den Boden und richtest dich bis durch die Schädeldecke hindurch nach oben auf. Dabei ruht dein Gewicht gleichmäßig auf beiden Sitzknochen. Lege die Hände auf die Oberschenkel oder den unteren Bauch und rollen deine Schulterblätter sanft nach hinten. Dann richte die Aufmerksamkeit auf den Atem: Fülle Bauch und Becken sanft mit jeder Einatmung und lasse ausatmend dein Gewicht in den Boden sinken. Nach einigen Atemzügen beginne mit Ujjayi Pranayama (siegreiche Atmung): Dazu atmest du 2–3 Minuten lang durch die Nase und verengen leicht die Stimmritze, sodass Ein- und Ausatmung wie ein sanftes Meeresrauschen klingen.

2. Beckenkreisen

Beckenkreisen

Wandere aus dem Heldensitz mit beiden Händen nach vorn in den Vierfüßlerstand. Dabei richte die Hände unterhalb der Schultergelenke und die Knie unter den Hüften aus. Spüre auch hier zunächst zur Atmung hin. Dann beginne, das Becken langsam kreisen zu lassen. Die Kreise sind zunächst klein und werden dann immer größer. Dabei wärme nach und nach deine Wirbelsäule auf und finde in ein geschmeidiges Fließen. Wenn du warm genug bist, führe das Becken bis nach hinten auf die Fersen in Balasana (Stellung des Kindes) und verweile dort ein paar Atemzüge lang. Nachdem du mindestens 1 Minute lang in eine Richtung gekreist bist, wechsele in die entgegengesetzte. Nach 1 weiteren Minute hebe das Becken und strecke dich genüßlich in Adho Mukha Shvanasana (herabschauender Hund).

3. Anjaneyasana: tiefer Ausfallschritt

Anjaneyasana: tiefer Ausfallschritt

Ziehe aus dem Hund den rechten Fuß nach vorn zum rechten Daumen und setze das linke Knie am Boden ab. Schiebe den Rist des hinteren Fußes gegen die Matte und ziehe den unteren Bauch etwas an. Dabei sollte das vordere Knie etwa senkrecht über dem Fußgelenk stehen. Von dieser stabilen Basis aus hebe den Oberkörper und strecke die Arme längs der Ohren nach oben. Verschränke alle Finger bis auf die Zeigefinger, ziehe die Schultern weg von den Ohren und strecke dich bis durch die aneinandergedrückten Hände. Hebe dein Brustbein und atme in die Region der Flanken und Schlüsselbeine. Dabei geht der Blick locker nach oben, du ziehst die Hüften kraftvoll zur Körpermittelachse und mache die Taille lang. Nach etwa 1 Minute gehe ohne Seitenwechsel zur nächsten Übung über.

4. Ardha Hanumanasana: halber Spagat

Ardha Hanumanasana: halber Spagat
Ardha Hanumanasana: halber Spagat

Setze die Hände nun beidseits des vorderen Beins auf die Matte oder erhöht auf zwei Blocks. Verlagere Gewicht nach hinten, sodass sich das vordere Bein streckt. Dabei ziehst du die Zehen nach oben und hältst den unteren Rücken lang. Wenn er sich rundet, setze die Hände auf die Fingerspitzen oder stelle die Blocks hochkant. Aus dieser Ausgangsposition beginnst du, den Rumpf mit der Atmung spielerisch in Wellen zu bewegen. Nach 10–12 Atemzügen schiebe dich mit einer Ausatmung in den herabschauenden Hund. Von dort aus ziehe den linken Fuß nach vorn und wiederhole Übung 3 und 4 seitenverkehrt.

5. Utkata Konasana: Göttinnen-Haltung

Utkata Konasana: Göttinnen-Haltung
Utkata Konasana: Göttinnen-Haltung

Stelle dich in eine Grätsche, bei der die Füße schräg nach außen stehen. Wenn du jetzt die Beine auf etwa 90 Grad beugst, sollten die Füße in die selbe Richtung zeigen wie die Knie. Spüre die Kraft in Füßen und Beinen, ziehe den unteren Bauch etwas nach innen und richte das Becken auf. Der Rumpf sollte sich mittig über dem Becken befinden und du wächst durch die Schädeldecke hindurch nach oben. Dabei lege die Hände im Anjali Mudra vor dem Herzen aneinander und entspanne das Gesicht. Wieder verbindest du dich mit dem Atem und lässt vom Becken aus etwa 1 Minute lang weiche, fließende Bewegungen entstehen: ein Schwingen nach links und rechts, oder auch nach vorn und hinten.

6. Virabhadrasana II: Kriegerhaltug II

Virabhadrasana II: Kriegerhaltug II
Virabhadrasana II: Kriegerhaltug II

Aus der Göttinnen-Haltung wende den Blick und die Zehen des rechten Fußes nach rechts und drehe den linken Fuß etwas einwärts. Breite die Arme auf Schulterhöhe locker zu den Seiten aus und wachse gleichmäßig durch beide Hände und Fingerspitzen. Auch hier achtest du darauf, dass vorderes Knie und Zehen in die gleiche Richtung weisen. Atme 6–8 Mal voll und bewusst in dieser kraftvollen Stehhaltung. Dabei bleibst du empfänglich für alles, was sich jetzt zeigt: Erlaube es Körperempfindungen, Gedanken und Gefühlen, ungehindert durch dich hindurch zu gehen. Das fällt dir vielleicht leichter, wenn du dir in Erinnerung rufst, dass jede Erfahrung vorüber gehend ist. Anschließend gehe ohne Seitenwechsel zur nächsten Übung über.

7. Viparta Virabhadrasana II: umgekehrte Heldenhaltung

Viparta Virabhadrasana II: umgekehrte Heldenhaltung

Halte Beine und Becken in der selben Ausrichtung, wenn du nun die rechte Handfläche nach oben drehst und dich zum hinteren Bein beugst. Dabei gleitet die linke Hand am linken Bein entlang. Während du dich in diese tiefe Seitbeuge hinein öffnest, versuche, das vordere Bein weiterhin in einem rechten Winkel zu halten. Gleichzeitig darf der Oberkörper weicher werden. Lasse die Vorstellung von der „perfekten“ Haltung los. Statt dessen spüre in die Übung hinein und wandele sie intuitiv oder kreativ ab, wenn du das Bedürfnis dazu spürst. Nach 6–8 achtsamen Atemzügen kehre zurück in die Göttinnen-Haltung (5). Von dort aus wiederhole Übung 6 und 7 seitenverkehrt und ende wieder in der Göttinnen-Haltung.

8. Prasarita Pdottanasana: Vorwärtsbeuge aus dem gegrätschten Stand

Prasarita Pdottanasana: Vorwärtsbeuge aus dem gegrätschten Stand
Prasarita Pdottanasana: Vorwärtsbeuge aus dem gegrätschten Stand

Strecke aus der Göttinnen-Haltung die Beine und setze die Füße parallel. Verschränke die Hände hinter dem Körper. Hebe die Kniescheiben und verwurzele die Fersen am Boden, bevor du dich nun langsam nach vorne beugst. Wenn du magst, kannst du die Schädeldecke am Boden oder einem Block ankommen lassen. Damit die Hüften senkrecht über den Fußgelenken stehen, musst du dein Gewicht vielleicht noch etwas nach vorn verlagern. Atme 1 Minute lang in Ujjayi (siehe Übung 1). Spüre dabei, wie die Hüftgelenke allmählich nachgeben, achte aber auch auf ein gutes Gleichgewicht zwischen Loslassen und Halt wahren. Dazu sauge den Damm etwas nach innen, um die Beckenbodenmuskulatur zu aktivieren. Zum Auflösen der Haltung drehe dich zu deinem rechten Fuß, lege die Hände beidseits auf die Matte und setze den Fuß nach hinten in den herabschauenden Hund.

9. Mandukasana: Frosch auf Knien

Mandukasana: Frosch auf Knien
Mandukasana: Frosch auf Knien

Aus dem Hund gelange in den Vierfüßler und beginnen, die Knie nach und nach immer weiter nach außen zu schieben. Dabei achte darauf, dass die Füße etwa auf einer Linie mit den Knien bleiben, Ober- und Unterschenkel bilden also grob einen rechten Winkel. Um die Knie zu schützen, beuge außerdem die Fußgelenke und schiebe die Fersen nach hinten. Wenn es deine Beweglichkeit zulässt und die Knie weit genug außen sind, legen die Unterarme auf die Matte und die Handflächen aneinander. Das Becken bewegt sich allmählich nach hinten Richtung Fersen. Falls der Untergrund zu hart für deine Knie ist, lege eine gefaltete Decke unter. Bleibe etwa 1 Minute lang in der Haltung und atme weich und bewusst. Anschließend entspanne dich 1 Minute in Balasana (Stellung des Kindes). Diese intensive Hüftmobilisierung kann Emotionen wecken. Sei deshalb besonders aufmerksam und bleiben in Verbindung mit dem Atem: Indem du die Ausatmung im Verhältnis zur Einatmung etwas verlängerst, kannst du dich erden und deine Gefühle sanft abfließen lassen.

10. Pashchimottanasana: Vorwärtsbeuge aus dem Langsitz

Pashchimottanasana: Vorwärtsbeuge aus dem Langsitz
Pashchimottanasana: Vorwärtsbeuge aus dem Langsitz

Breite deine Beine im Sitzen lang nach vorne aus und schaukele etwas vor und zurück oder zu den Seiten, um deine Sitzknochen gut am Boden zu verwurzeln. Die Oberschenkel schieben nach unten, wenn du dich nun mit einer Einatmung lang aufrichtest und die Arme mit zueinander zeigenden Handflächen nach oben streckst. Dabei zieht sich die Wirbelsäule in die Länge und du wächst zu deiner vollen Größe. Aus dieser Länge lasse dich nun ausatmend langsam in die Vorwärtsbeuge sinken. Lege die Hände um die Füße oder seitlich an die Beine. Mit der nächsten Einatmung aktiviere nochmals kräftig die Beine, ziehe die Zehen Richtung Rumpf und strecke die Wirbelsäule lang nach vorn. Dann atme durch den Mund aus, beuge Knie etwas, lasse die Ellenbogen sinken und runde dich weich nach vorn. Wiederhole diesen Atemzyklus 6–8 Mal und spüre die tiefe Erdung und die Dehnung der Körperrückseite, bevor du dich mit einer Einatmung wieder langsam zum Sitzen aufrollen.

11. Supta Baddha Konasana: Gebundene Winkelhaltung im Liegen

Supta Baddha Konasana: Gebundene Winkelhaltung im Liegen

Lege in einer bequemen Rückenlage die Fußsohlen aneinander und lasse die Knie locker nach außen sinken. Dazu platziere am besten je einen Block oder ein Kissen unter den Knien. Lasse deine Hände weich auf dem Unterbauch ruhen und schließe die Augen. Spüre, wie sich dein Atem verlangsamt und gebe Körper und Geist einige Minuten lang Gelegenheit, die Praxis zu integrieren. Dann lasse ein Gefühl von Intention in deinen Atem einfließen und spüre zu der Weite, Lebendigkeit und Geschmeidigkeit, die du in Hüften und Becken kultiviert hast. Nimm dir vor, diese Empfindungen mit in deinen Tag zu nehmen und dem Leben mit kreativer Energie und einem offenen Geist zu begegnen.

Lies auch: Hilfsmittel im Yoga – Das können Gurt, Block & Co.

Im Gleichgewicht

Zwar haben die meisten Menschen eher zu steife Hüften, die Gelenke können aber auch allzu locker und hypermobil sein. Ganz wichtig ist es hier, sowohl auf körperlicher wie auch auf energetischer Ebene auf ein gutes Gleichgewicht zu achten: Um die Kraft des Sakral-Chakras zu entfalten, brauchst du nämlich nicht nur eine körperliche Offenheit, die deine Kreativität zum Fließen bringt, sondern auch eine haltende Struktur, die diese Energien lenkt und produktiv macht.

Wie sich deine Hüften anfühlen, ist ein oft guter Gradmesser für den Zustand deines zweiten Chakras: Wenn zum Beispiel in Supta Baddha Konasana (Übung 11) die Knie sofort bis zum Boden sinken, kann diese expansive Beweglichkeit auf eine ungezügelte Svadhisthana-Energie hindeuten. Nicht selten spiegelt sich das zum Beispiel in turbulenten, ungesunden Beziehungen oder Eifersuchtsdramen. Dem kann man entgegenwirken, indem man wie bei Übung 3 die Hüften nach innen zieht, das Becken also hält und stabilisiert. Auch das bewusste Verwurzeln nach unten und ein achtsames Aktivieren des Beckenbodens helfen, dem Sakral-Chakra einen klaren, konstruktiven Weg des Selbstausdrucks zu weisen.


Mary Beth Larue lebt als Yoga- und Meditationslehrerin in Los Angeles. Mit durch Yoga inspiriertem Coaching hilft sie Menschen dabei, positive Veränderungen in ihr Leben zu bringen. marybethlarue.com

Meditation unter Wasser – Yoga und Big-Wave-Surfen

Wenn sich Loly Rehder durch Wellen so hoch wie Mehrfamilienhäuser kämpft, ist sie in ihrer eigenen Welt und nimmt das Toben um sich herum als Stille wahr. Yoga und eine besondere Atemtechnik schenken der Big-Wave-Surferin diese Ruhe und haben ihr vielleicht schon das Leben gerettet, wenn mal wieder tonnenweise Wasser über ihrem Kopf zusammen brach. Im Interview mit Redakteurin Anika Kedzierski verrät sie, wie sie trotz Ängste ruhig bleibt.

„Es ist wie eine Meditation unter Wasser, die dir zu verstehen gibt, wer du wirklich bist“

Sobald sich Wassermassen zu gigantischen Wellen auftürmen und alle an den Strand flüchten, beginnt für Loly Rehder erst der Spaß. Den Surfer-Lifestyle sieht man der 27-Jährigen schon auf die Entfernung an: gebräunte Haut, lange, vom Salzwasser geformte Locken und das Board lässig unter den Arm geklemmt. Kein Wunder: Das Wellenreiten wurde ihr schon in die Wiege gelegt. Bereits im Kindesalter hat sie ihrem Vater beim Big-Wave-Surfen zugeschaut und davon geträumt, eines Tages in seine Fußstapfen zu treten. Mit dreizehn wagte sie sich dann zum ersten Mal aufs Brett und ist seitdem nicht mehr aufzuhalten.

Adrenalin und Meditation

„Viele halten Big-Wave-Surfer für verrückte Adrenalinjunkies”, lacht die Peruanerin. Dabei komme es bei den extremen Bedingungen im Wasser vor allem auf die mentale Einstellung an: „Wenn sich direkt vor dir riesige Wasserberge bis zum Horizont aufbäumen, willst du zunächst nur deinem Instinkt folgen und um dein Leben in die andere Richtung paddeln. Bewahrst du aber die Ruhe und entscheidest dich bewusst, dein Board Richtung Welle zu drehen, bist du ihr schon einen Schritt voraus.” Beim Surfen ist sie konzentriert bis in die Zehenspitzen, schließlich riskiert sie im Ozean regelmäßig ihr Leben. „Der Ernstfall ist das Wipe-Out, bei dem du von der brechenden Welle abgeworfen und mit Gewalt unter Wasser gedrückt wirst – ähnlich wie in einer Waschmaschine beim Schleudergang”, erklärt Loly, die schon öfter Nasenspülungen der brutalen Art bekommen hat. Ihre Ängste sind immer präsent und trotzdem bleibt sie ruhig – hier kommt ihre Yogapraxis ins Spiel. „Am Anfang nutzte ich die Asanapraxis lediglich, um Kraft, Balance und Beweglichkeit zu trainieren. Mit wachsendem Ehrgeiz stieg auch die Höhe der Wellen – da reichte ein starker Körper allein nicht mehr aus. Ich musste auch mein Bewusstsein trainieren”, so die Surferin.

Atemstillstand

Um sich für die lebensbedrohlichen Wassergiganten zu wappnen, praktizierte sie zur Vorbereitung auch Meditation und Pranayama. „Als ich anfing zu meditieren, merkte ich schnell, dass mir die mentale Einstellung und der ruhige Geist auch beim Surfen zugutekommen.” Beim Yoga übt sie kurze Ein- und lange Ausatmung um ihre Herzfrequenz herunterzufahren und unter den Wellen zu überleben. Um die gesamte Kapazität ihrer Lungen auszuschöpfen, nutzt sie den dreiteiligen Atem. Außerdem greift sie auf Apnoe zurück, eine Technik des Atemstillstands, die Freediver nutzen um mit einem Atemzug mehrere Meter in die Tiefe zu tauchen. „Apnoe hilft dir über die Angst, mehrere Minuten ohne Luft auszukommen. Viele scheitern nur an der Panik vor dem Atemreiz und nicht am Sauerstoffmangel“ meint Rehder, die mittlerweile 3,5 Minuten die Luft anhalten kann – ein großer Vorteil, wenn mal wieder tonnenweise Wasser über ihrem Kopf zusammenbricht. „Unser Gehirn verbraucht beim Denken sehr viel Sauerstoff. Daher musst du bewusst entspannen und den Gedanken eine Pause verordnen. Es ist wie eine Meditation unter Wasser, die dir zu verstehen gibt, wer du wirklich bist – ähnlich wie beim Yoga”. Loly beherrscht den Atemstillstand mittlerweile so gut, dass sie Apnoe für Surfer unterrichtet.

In den Monsterwellen vertritt Loly die Frauenpower meist alleine. „In diesen Extremen pendelt die Mischung aus Adrenalin und Testosteron auf einem hohen Level. Als Frau fühle ich mich verantwortlich, mehr Balance in die Wellen zu bringen und meine weibliche Kraft, das Yin, gegen die dominante maskuline Seite, das Yang, zu stellen.” Mit ihrem pinken Surfbrett und den meist sehr mädchenhaft gestalteten Neoprenanzügen hat sie für diese Aufgabe die perfekten Partner an ihrer Seite.

Ayurveda-Tipps für den Sommer: Kühl atmen und meditieren

Ayurveda Sommer Meditation

Es kann ja sein, dass du deine dynamische Vinyasa-Praxis liebst. Doch jede intensive Muskelaktivität erzeugt Hitze – in Körper und Geist. Damit du nicht nur der Sommerhitze besser standhalten kannst, sondern auch lernst, Wettkampfgedanken zu zügeln, und stattdessen eine gelassenere Haltung entwickelst, empfiehlt die Yoga- und Ayurveda-Lehrerin Melina Meza eine sommerliche Praxis, die dein Pitta dämpft.

Text: Nancy Rones / Titelbild: Mor Shani via Unsplash

Kühl atmen mit Shitali Pranayama

Shitali Pranayama (kühlende Atmung) senkt die Hitze, indem die Luft befeuchtet und gekühlt wird, bevor sie in die Lunge gelangt. Laut Ayurveda hat das eine beruhigende Wirkung auf das Nervensystem. Mache diese Übung täglich in einer bequemen Sitzhaltung, entweder für dich alleine oder als Auftakt beziehungsweise Abschluss deiner Asana-Praxis.

So geht’s:
Rolle die Ränder der Zunge nach oben, als ob du einen Strohhalm formen willst.* Durch diese Röhre saugst du nun langsam die Luft ein und spürst dabei die Kühle in deinem Mund. Zum Ausatmen löst du die Zunge wieder, schließt den Mund und atmest langsam durch die Nase aus. Nimm bewusst die natürliche Atempause wahr, bevor du wieder über die Zunge einatmest. Übe Shitali Pranayama bis zu 5 Minuten lang.

*Ob man die Zunge einrollen kann oder nicht, hat nichts mit Übung zu tun, es ist genetisch bedingt. Die Alternative für alle, die es nicht können, heißt Shitkari Pranayama. Dabei legt man die Zungenspitze zum Einatmen durch den Mund hinter die Schneidezähne und spitzt die Lippen.

Zur Ruhe kommen im Schmetterling

Sitzhaltungen bringen dich der Erde näher – und im Ayurveda gilt dieser Platz als kühlend. Melina Mezas Tipp, um Pitta zu beruhigen, ist Baddha Konasana (gebundene Winkelhaltung oder Schmetterling) in der Version des Yin Yoga.

So geht’s:
Setze dich mit aneinander gelegten Fußsohlen auf den Boden. Wenn dabei die Knie höher stehen als das Becken, setze dich erhöht auf eine gefaltete Decke oder ein Sitzkissen. Greife deine Füße mit beiden Händen, schließe die Augen und lasse den Oberkörper nach vorn sinken. Die Stirn kommt auf dem Boden, einem Bolster oder der Sitzfläche eines Stuhls an, die Hände gleiten, wenn du magst, nach vorn, bis die Arme ausgestreckt sind. Atme langsam und tief und bleibe 1 bis 3 Minuten in dieser Haltung.

Metta-Meditation gegen Wut und Frust

Die Metta-Meditation der buddhistischen Tradition verstärkt das Mitgefühl und die Liebe zu sich selbst und anderen. Gerade im Sommer kann diese Form der Meditation sehr hilfreich sein, um den für Pitta typischen Gefühlen wie Wut und Frust zu begegnen. Wissenschaftler*innen haben das bestätigt: Laut einer Studie aus dem Jahr 2009 nehmen positive Gefühle wie Freude und Dankbarkeit deutlich zu, wenn man etwa eine Stunde pro Woche die Metta-Meditation praktiziert. Außerdem kann sie Stress und Entzündungen lindern, die sonst zu Depressionen, Herzschwäche und Krebs führen können.

So geht’s:
Setze dich still in eine bequeme Sitzhaltung und richte die unten stehenden Sätze zunächst an dich selbst, dann an jemanden, zu dem du ein schwieriges Verhältnis hast oder an jemanden, den du liebst, der sich aber gerade in einer harten Lebensphase befindet. Zum Schluss sendest du dein Mitgefühl hinaus in die Welt.

Möge es mir (dir) gut gehen.
Möge ich (mögest du) friedlich und entspannt sein.
Möge ich (mögest du) glücklich sein.


Die Autorin dieses Artikels, Nancy Rones, arbeitet als freiberufliche Journalistin. Ihre Spezialgebiete sind Gesundheit und Lifestyle.

Von Entspannung für die Augen über Selbstmassage, bis hin zur richtigen Hautpflege: Noch mehr ayurvedische Tipps gegen die Sommerhitze gibt es hier …

Agni

Agni Ayurveda

Agni ist der Name des ayurvedischen Verdauungsfeuers. Es wird besonders durch scharfe Kost und Drehhaltungen angeregt und von fetten und schleimigen Speisen verlangsamt. Die Konstitution von Pitta hat besonders viel davon.

Chutneys aus Pflaume, Birne, Melone und Co.

Pflaume-Birnen Chutney Rezept

Die einfachste Art, deine Ernährung mit den richtigen Gewürzen und Geschmacksrichtungen aufzuwerten, ist ein leckeres Chutney. Dieses enthält alle sechs Rasas (Geschmäcker) und regt damit Agni in seinem Verdauungsprozess an. Ob als i-Tüpfelchen bei der Hauptmahlzeit oder als Dip zum Sandwich – ein Chutney bereichert jedes Menü auf kulinarische und therapeutische Weise.

Pflaumen-Birnen-Chutney

ZUTATEN:

  • 3 reife rote Pflaumen
  • 1 Birne
  • 200 ml Apfelsaft
  • 1 TL Ghee
  • 1/4 TL Cuminsamen
  • 1/4 TL Ajwainsamen
  • 3 Nelken
  • 1 Zimtstange
  • 1 Sternanis
  • 1 MS Kurkuma
  • Pfeffer und Salz
ZUBEREITUNG:

Die Früchte schälen und in 3-5 cm große Stücke schneiden. Etwas Ghee in einem kleinen Topf erhitzen. Cumin- und Ajwainsamen anmörsern und im Ghee anschmoren. Nelke, Zimt und Stern­anis hinzufügen. Die Früchte in den Gewürzsud geben und anschmoren lassen. Mit Apfelsaft auffüllen und das Chutney zehn Minuten köcheln lassen. Zum Schluss mit etwas Kurkuma, Pfeffer und Salz abschmecken und verfeinern.

Honigmelonen-Chutney

ZUTATEN:

  • 1/2 Honigmelone
  • 1/2 TL Chilipulver
  • 1/4 TL Kurkuma
  • 1/4 TL Koriander, gem.
  • 1/4 TL Ingwerpulver
  • 1 MS Piment, gem.
  • 1/2 TL Senfsamen
  • 1/4 TL Steinsalz
  • 1 Sternanis, ganz
  • 1 EL Sesamöl Saft von einer Zitrone
  • 2 EL brauner Zucker
ZUBEREITUNG:

(Zubereitungszeit: 15 Minuten)

Die Melone schälen, die Kerne entfernen und das Fruchtfleisch in ca. 3 cm große Würfel schneiden. Die Hälfte der Melonenstücke in den Mixer geben und fein pürieren. Chilipulver, Kurkuma, Koriander, Ingwer, Piment und Salz untermischen und kurz mitmixen. Das Sesamöl in einem Topf erhitzen, Senfsamen und Sternanis kurz darin anbraten. Nach wenigen Sekunden das Melonenpüree zufügen. Die Hitze reduzieren, 5 Minuten sanft ­köcheln lassen und den Zucker unterrühren. Die Melonenstücke und den Zitronensaft dazugeben, vorsichtig umrühren und einmal aufkochen. Dann bei niedriger Hitze 3-4 Minuten durchziehen lassen. Das Chutney vorsichtig umrühren, das sich der Gewürzsud verteilt, ohne dass die Melonenstücke ganz zerfallen.

Et voilà! Bon Appetit!

Yogapraxis für übergewichtige Yogi*nis

Yoga mit Übergewicht

Auch wenn du nicht gerade Idealgewicht hast, kann dir Yoga Beweglichkeit, Balance, Kraft, Gelassenheit und ein besseres Körperbewusstsein schenken. Denn dank einiger einfacher Abwandlungen fühlen sich auch übergewichtige Yogis bei den Übungen wohl.

Schon nach der Hälfte ihrer ersten Yogastunde wünschte sich Kay Erdwinn nur noch eins. Bloß weg hier! Eigentlich war die junge Kalifornierin auf der Suche nach einer nach innen gerichteten Körperpraxis ins Yogastudio gekommen. Stattdessen traf sie auf einen Lehrer, der von ihr erwartete, dass sie ihren 1,60 Meter kleinen, 117 Kilo schweren Körper in Halasana (Pflug) zwängt. Direkt neben ihr feuerte er sie an wie ein hysterischer Fitnesstrainer. „Komm schon, komm, du schaffst das!“ Kay fühlte sich tief gedemütigt. Mit 23 Jahren hatte sie nicht das Selbstbewusstsein, dem Lehrer klarzumachen, dass er sie in Frieden lassen soll. Sie quälte sich durch die Stunde, dann verließ sie fluchtartig das Studio und kam nie wieder.

Dennoch blieb ihr Wunsch nach einer meditativen Bewegungspraxis bestehen. Also versuchte Kay Erdwinn mit Hilfe eines Buches zu üben. Sie nahm Probestunden in verschiedenen Studios und fand Jahre später endlich die Yogaklasse, von der sie instinktiv immer wusste, dass es sie geben müsse. Ganz anders als bei ihrem ersten Versuch war die Gruppe klein und nahm sie herzlich auf. Jede Stunde begann mit einer Meditation, die Lehrerin gab sanfte Ratschläge. Sie stellte niemanden bloß und betonte immer wieder, dass jeder Teilnehmer die Freiheit habe, für ihn schwierige Asanas so abzuwandeln, dass sie funktionieren. Mit zunehmender Praxis wurde Kay Erdwinn beweglicher und selbstsicherer. Sie nahm zwar nicht ab, aber sie fühlte sich gesünder und bekam ein besseres Körperbewusstsein. „Dieses Körperbewusstsein war ein riesiges Geschenk“, weiß sie heute. Denn dadurch erlangte sie das Glück der Erdung, sie war entspannter und bekam eine bessere Körperhaltung.

Yoga ist für alle da

Leichtigkeit und Entspannung sind für jeden Körperbau zugänglich. Wenn man seine speziellen Bedürfnisse berücksichtigt und würdigt.

In sämtlichen Industrienationen steigt die Zahl übergewichtiger Menschen kontinuierlich an. Und immer mehr von ihnen erforschen die alte Tradition des Yoga und machen sie sich auf ihre Weise zu eigen. Sie erkennen, dass Yoga für alle da ist. Leichtigkeit und Entspannung sind für jeden Körperbau zugänglich. Wenn man seine speziellen Bedürfnisse berücksichtigt und würdigt. So kommen übergewichtige Yogis in den Genuss der selben Vorzüge einer körperlichen Yogapraxis wie alle anderen. Beweglichkeit, Balance, Kraft, Stressabbau und eine bessere Verbindung von Körper und Geist.

Lies auch: Plus Size Yoga – Body Positivity E-Book von Amiena Zylla

Fit ist wichtiger als schlank

Dass gute Gesundheit nur in einem schlanken Körper zu haben sei, ist ein Mythos. Der Body-Mass-Index (BMI), der für fast alle Statistiken herangezogen wird, steht seit einiger Zeit schon in der Kritik. Für die Gesamtgesundheit ist er viel weniger entscheidend, als selbst viele Ärzte bis heute meinen. Glenn Gaesser, Direktor eines Forschungsinstituts für gesunden Lebensstil in Arizona geht sogar noch einen Schritt weiter: „Der Nutzen der Gewichts­reduzierung wird generell überbewertet. Bei zahlreiche Studien fand er heraus, dass Bewegungsarmut und eine schlechte Ernährung eine viel entscheidendere Rolle für die Gesundheit spielen als das Körpergewicht im Verhältnis zur Größe. Seiner Meinung nach ist es für übergewichtige Menschen nicht nur möglich, fit, gesund und lange zu leben. Es ist vor allem viel einfacher, fit zu werden, als schlank zu werden. Und der gesundheitliche Nutzen ist dabei größer.

Übergewicht: Grenzen in der Yogapraxis

Für sich genommen setzt das Gewicht der Yogapraxis möglicherweise Grenzen. Vor allem sind die Gelenke bei mehr Körpermasse höherem Druck ausgesetzt und sollten daher besonders schonend behandelt werden. Einige Asanas muss man abwandeln, um Raum für Bauch, Po, Schenkel und Oberarme zu schaffen. Außerdem kann es sein, dass man Umkehrhaltungen aus Sicherheitsgründen ganz weglassen muss. Aber mit diesen drei Punkten wäre das Wesentliche schon gesagt. Die ansonsten nötigen Modifikationen sind individuell verschieden, schließlich unterscheiden sich füllige Menschen genauso stark voneinander wie dünne. Auch hier ist die gesamte Palette zwischen fit und schlapp, stark und kraftlos, beweglich und steif vertreten.

Als Neuling muss man sich fragen, was man möchte. Geht es um Entspannung und Anleitung zur Meditation? Möchte man auf sanfte Weise mehr Bewegung in sein Leben bringen. Oder sucht man eher nach einem fordernden Workout? Wünscht man sich Gewichtsreduzierung oder möchte man sich selbst genau so akzeptieren und würdigen, wie man ist? Ebenso wichtig ist eine ehrliche Einschätzung der momentanen Fitness. Wie bei jeder neuen körperlichen Betätigung ist es wichtig, eigene Konstitution und Einschränkungen gut genug zu kennen, um verantwortungsvoll üben zu können. Fachleute raten allen über 40-Jährigen zu einem ärztlichen Check-up, bevor sie neu mit Yoga beginnen. Das gilt insbesondere für Menschen, die längere Zeit nicht beim Arzt waren. Zum Beispiel weil sie befürchten, auf ihr Gewicht angesprochen zu werden.

Vor der ersten Yogastunde: Gesundheitscheck

Vor allem wenn man sich bisher wenig bewegt hat, können gesundheitliche Themen nicht bekannt sein, die man aber unbedingt abklären und berücksichtigen sollte. Ein erhöhter Blutdruck stellt bei Haltungen, in denen der Kopf niedriger liegt als das Herz, eine Gefahr dar. Diabetes kann das Gleichgewichtsgefühl beeinträchtigen. Herzkranke sollten darauf achten, gerade in Umkehrhaltungen fließend zu atmen. Auch Probleme mit Muskeln, Sehnen und Gelenken sollte man kennen und gerade zu Beginn der Yogapraxis beachten. Denn hier können bisher nicht bewusste Schwächen bestehen. Besonders Füße, Sprunggelenke und Knie sind durch ein höheres Körper­gewicht oftmals einigem Stress ausgesetzt. Menschen mit großem Bauch müssen bei manchen Asanas die Lendenwirbelsäule schützen.

Welcher Yogastil für Übergewichtige?

Bei der Auswahl eines Yogastils ist neben dem Gesundheitszustand vor allem die Fitness entscheidend. Wenn du nicht schon bisher häufig Sport treibst, dann solltest du Stile vermeiden, bei denen die Übergänge gesprungen werden. Denn diese schnellen Bewegungen erhöhen das Verletzungsrisiko. Auch Yogarichtungen, die auf einer festen Abfolge an Asanas beruhen (etwa Ashtanga Yoga), sind zu Beginn nicht unbedingt empfehlenswert. Weil sie weniger Spielräume für die individuelle Anpassung der einzelnen Haltungen bieten und zur Selbstüberforderung verleiten. Mit ein bisschen Grundwissen und Ausdauer finden aber auch füllige Yogis das Richtige.

Nicht wenige übergewichtige Yogis stoßen dabei auf ähnliche Widerstände, wie Kay Erdwinn sie erlebt hat. Es kann schwierig sein, sich in einer Yoga­welt angenommen zu fühlen. Weil deren Image von Hochglanzbildern schlanker, ultrabeweglicher Körper dominiert wird. Zumal viele Lehrer kein Gespür für die Bedürfnisse übergewichtiger Schüler haben.

Suche dir einen Lehrer, bei dem du dich wohlfühlst

Manchmal erlebt man aber auch das Glück, auf Anhieb einen verständnisvollen Lehrer zu treffen, der einen unterstützt und passende Varianten der Asanas zeigen kann. Dies war der Fall bei Kevin Knippa, als er sich vor vielen Jahren bei einem regenerativen Yogakurs gleich bei ihm um die Ecke anmeldete. Er begriff schnell. Es war seiner Lehrerin nicht nur egal, dass er bei einer Größe von knapp 1,60 122 Kilo auf die Waage brachte. Es hatte auch nichts mit der Essenz von Yoga zu tun. Mit zunehmender Praxis erhöhte sich seine Beweglichkeit, seine Kurzatmigkeit nahm ab. Sein Gewicht blieb unverändert, aber seine Gesundheit blühte auf. Knippa ist fest davon überzeugt, dass sein Weg zum Yoga dadurch geebnet wurde, dass seine Lehrerin Leistungsgedanken aus dem Unterricht fernhielt und den Spaß an der Bewegung in den Vordergrund stellte.

Höre auf deinen Körper

Mittlerweile gibt es ein (langsam) wachsendes Angebot an Kursen für übergewichtige Yogis. „Big Yoga“, „Yoga XL“, oder „Yoga for Round Bodies“ heißen solche Klassen etwa. Auch bei uns kann man schon vereinzelt unter Stichworten wie „Yoga für Mollige“ oder „Yoga für Füllige“ fündig werden. Wenn nicht, dann sind Stunden unter dem Stichwort „gentle“, „sanft“ oder „regenerativ“ meist geeigneter als die klassischen Anfängerkurse. Hast du ein vielversprechendes Angebot gefunden, melde dich zur Probestunde an und bespreche vor der Stunde deine Wünsche. Erkundige dich auch nach Altersstruktur und Fitness-Level des Kurses und frage nach, ob Stühle, Bolster, Blöcke und andere Hilfsmittel vorhanden sind. Wenn es losgeht, solltest du folgende Grundregeln beherzigen.

  • Erstens: Bewege dich langsam und behutsam in und aus den Haltungen.
  • Zweitens: Nimm Schmerzen als Warnsignal ernst. Zwar geht es im Yoga auch darum, Herausforderungen anzunehmen. Aber Schmerz oder intuitives Unbehagen sind fast immer ein Zeichen dafür, dass etwas nicht stimmt.

Sehr bald begegnen dir auch individuelle Themen, die deine Aufmerksamkeit verdienen. Zum Beispiel solltest du gut überlegen, ob und welche Umkehrhaltungen du praktizieren möchtest. Viele dieser Asanas erzeugen Druck auf die Halswirbel. Und je mehr Kilo dabei im Spiel sind, desto problematischer kann es werden. Dazu kommt ein schwieriger zu haltendes Gleichgewicht. Eine gute Alternative ist Viparita Karani. Dabei liegst du auf dem Rücken, das Gesäß liegt dicht vor der Wand, die Beine stehen senkrecht nach oben und werden von der Wand gestützt. Alle anderen typischen Elemente einer körperlichen Yogapraxis sind auch übergewichtigen Yogis zugänglich. Vorwärtsbeugen, Rückbeugen, die Dehnung der Flanken und Beinrückseiten, Drehungen und Gleichgewichtshaltungen.

Yoga bei Übergewicht: Tricks und Kniffe

Mantra für Übergewichtige Yogi*nis: „Ich bin stark, mein Körper ist stark.“

Die größte Herausforderung für übergewichtige Yogis beim Üben kann der füllige Bauch sein. Durch sein Gewicht und Volumen können sich viele Asanas anders anfühlen. Genia Pauli, Kripalu-Yogalehrerin und Autorin rät, die Lage des Bauches mit den Händen zu verändern. „Vor allem in Bauchlage, zum Beispiel bei der Kobra, ist es nötig, unter den Bauch zu greifen und das weiche Fleisch sanft Richtung Zwerchfell zu streichen, so dass die Beckenknochen Kontakt zum Boden bekommen.“

Ähnliches lässt sich auch auf viele andere Asanas übertragen. Im Ausfallschritt bewegt man den Bauch mit den Händen mittig über den vorderen Oberschenkel, um eine stabile Basis zu finden. Bei Drehungen im Stand wie Parivritta Trikonasana (gedrehtes Dreieck) streicht man ihn zur Seite, um der Wirbelsäule Raum für die Drehbewegung zu geben. Manchmal muss man variieren, um Platz für den Bauch zu schaffen. Zum Beispiel indem man bei Uttanasana (Vorwärtsbeuge im Stehen) die Beine etwas grätscht. Für Balasana (Stellung des Kindes) raten einige Lehrer, die Knie weiter zu öffnen und Stirn oder Gesäß erhöht abzulegen. Während andere diese Stellung ab einer gewissen Körperfülle für ungeeignet halten.

Hilfsmittel für übergewichtige Yogi*nis

Die Verwendung von Hilfsmitteln stellt gerade für übergewichtige Yogis eine wertvolle Unterstützung dar. So ebnet ein Stuhl, auf dem man beide Hände ablegt, den Weg zu Adho Mukha Shvanasana (herabschauender Hund). Auch in Utthita Trikonasana (gestrecktes Dreieck) kann ein unter der nach unten zeigenden Hand platzierter Stuhl einen Teil vom Gewicht aufnehmen. In Gleichgewichtshaltungen verleiht ein Stuhl oder der Kontakt zur Wand mehr Sicherheit. Und wenn man seine Füße nicht mit den Händen erreicht oder die Hände nicht hinter dem Körper verschränkt, überbrückt ein Gurt die fehlenden Zentimeter. Manchmal sind Hilfsmittel auch unerlässlich für die Sicherheit. So kann Virasana (Heldensitz) ohne den erhöhten Sitz die Kniegelenke verletzen. Generell empfiehlt es sich bei allen Yogis selbst hineinzuspüren, welche Asanas sich eignen.

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Dafür gibt es natürlich keine allgemeingültigen Regeln. Manche Lehrer für Übergewichtige glauben, viele Übungen zur Mobilisierung der Hüftgelenke seien problematisch. Andere sehen eher die Weitung des Brustkorbs kritisch. Einige vermeiden Gleichgewichtshaltungen. Andere unterrichten kein Surya Namaskar (Sonnengruß) oder andere fließende Sequenzen. Das Wichtigste ist, dass jeder Schüler aufmerksam seinen eigenen Körper beobachtet. Und dass er lernt, diesen Botschaften zu vertrauen, anstatt alles mitzumachen.

Vorurteile überwinden

Neben den körperlichen Herausforderungen, kann es auch ganz andere Schwierigkeiten geben. Jene, die in deinem eigenen Geist oder in dem der dich umgebenden Menschen auftauchen. Nur weil man Yoga übt, ist man nicht automatisch frei von dem Urteil, schlank sei gut und dick sei schlecht. In der US-amerikanischen Yogaszene gab es sogar eine Debatte darüber, ob übergewichtige Yogis überhaupt Yoga unterrichten sollten. Schließlich seien sie ein schlechtes Beispiel für ihre Schüler. Aber egal, wie schwierig dir der Weg zu einer erfüllenden Yogapraxis manchmal zu sein scheint. Es lohnt sich! Ein tieferes Bewusstsein für den eigenen Körper kann dich in deiner Akzeptanz bestärken. Und das wirkt gerade in einem kulturellen Umfeld, das ausladende Körper (noch) als inakzeptabel wertet, ungemein befreiend.

Nimm dich selbst an wie du bist

„Dicke Menschen haben manchmal die Tendenz, Geist und Körper voneinander zu trennen. Denn sie erleben es teilweise als schmerzhaft, in unserer Fetthasser-Gesellschaft in einem dicken Körper zu leben“, sagt Mara Nesbitt, eine Körpertherapeutin aus Oregon, die eine Reihe von Yogavideos für übergewichtige Menschen veröffentlicht hat. Ihr Credo: „Yoga ist eine gute Art, wieder in Kontakt zum eigenen Körper zu kommen. Und um Freundschaft mit ihm zu schließen.“

Plus Size-Yogi*nis: Fokus auf innere Prozesse

Für viele übergewichtige Yogis liegen die Probleme viel weniger auf der Matte als im Kopf. Sie fürchten sich vor Verurteilung. Oder haben Hemmungen, Sportkleidung anzuziehen. Vielleicht fühlen sie sich unwohl in der Umgebung von schlankeren und scheinbar „besseren“ Mitschülern. Auch der Umgang mit dem eigenen Bauch kann unangenehm sein. Angesichts all dieser negativen Gedanken ist es hilfreich, sich daran zu erinnern, dass Scham unnötige Hürden aufbaut, die uns von angemessener Bewegung abhalten. Nimm deinen runden Buddha-Bauch urteilsfrei an. Dann fällt es dir auch leichter, liebevoll und sanft mit ihm Yoga zu üben. Indem du bewusst eine solche Einstellung kultivierest, machst du riesige Fortschritte in Richtung Freiheit, Wohlgefühl und innere Ruhe.

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Wie jeder andere Yogaschüler sollten auch übergewichtiger Yogis immer mehr auf die inneren Prozesse beim Üben richten. Mach dir bewusst, welche Gedanken in einer Haltung in deinem Geist aufsteigen. Lästerst du innerlich gerade über deinen Bauch? Oder überlegst du, was die Mitschüler wohl über deinen Po denken? Tausche solche negativen Gedanken gegen neue Mantras aus, wie „Ich bin stark, mein Körper ist stark.“


Autorin Carrie Peyton Dahlberg gehört selbst zur Kategorie „übergewichtige Yogis“. Sie unterrichtet Yoga in ihrer kalifornischen Heimat. Und ist als Fachjournalistin auf wissenschaftliche medizinische Themen spezialisiert. // Titelfoto: Tim Samuel via Pexels

Human Design: Blueprint für dein Leben

Human Design Lisa Reichling

Du wünscht dir neuen Input im Leben, bist auf der Suche nach deiner Bestimmung, deinem wahren Selbst? Dann solltest du dich mal mit Human Design beschäftigen … //anzeige

Lisa Reichling hat nicht nach Human Design gesucht. Es ist zu ihr gekommen. „Plötzlich ist es in meiner Social Media Blase überall aufgetaucht.“ Zunächst hat der Begriff sie allerdings eher abgeschreckt. Als Coach und Mentor wollte sie keinem neuen Trend im Sinne von „schneller, höher, weiter“ hinterherlaufen. Geht es hier wieder nur darum, uns alle noch weiter zu perfektionieren und zu designen, um in der Welt mithalten zu können? Genau das liegt Lisa fern und deswegen ignorierte sie das Thema vorerst einfach. Aber wie das dann eben so ist – es wurde immer lauter und präsenter. „Als dann auch noch eine gute Freundin und Yoga-Kollegin das Thema für sich entdeckt hat, hab ich mir doch mal angeschaut, worum es denn wirklich geht. Naja und was soll ich sagen, seitdem bin ich in den „Kaninchenbau“ des Human Design abgetaucht.“

Liebe Lisa, dann nimm uns gerne mal mit in deinen „Kaninchenbau“ und erzähle uns mehr darüber.

Human Design ist noch recht jung. 1992 veröffentlichte Alan Robert Krakower das Buch „The Human Design System“ unter dem Namen Ra Uru Hu. Er sagt in dem Buch, dass er 1987 in einer tiefen Meditation das System von, was er „The Voice“, also die Stimme nennt, empfangen hat. Er hat sein Leben dem Human Design gewidmet und bis zu seinem Tod 2011 weltweit unterrichtet. Das System ist eine Ableitung und Verschmelzung verschiedener Lehren mit jungen Wissenschaften. Es umfasst Teile aus der Astrologie, dem IChing, der Kabbalah und des Chakren Systems wie auch Elemente der modernen Quantenphysik und Neurowissenschaften.

Wie du schon sagtest, klingt der Begriff Human Design irgendwie nach „in Form bringen“.

Das Wort Design mag auf den ersten Blick wirklich irreführend sein und hat ja auch mich lange abgeschreckt. Es geht schon um Veränderung und Transformation. Aber eben nicht hin zu einem von der Gesellschaft gerade kreierten Leitbild oder den aktuellsten Vorstellungen von Erfolg, Erscheinung oder schlimmer noch Kleidergröße. Im Gegenteil, es geht dabei um das Ablegen von genau solchen Schichten und Konditionierungen. Jeder von uns hat seinen ganz einzigartigen energetischen Blueprint und genau darum geht es. Zu erkennen, wie einzigartig wir sind. Mit Human Design bekommen wir die Erlaubnis, wieder wir selbst zu sein. Der Mensch, der als Baby auf diese Welt gekommen ist, fernab von allen Erwartungen, Rollenbildern oder gesellschaftlichen Bestrebungen. Leider geht diese Einzigartigkeit durch verschiedene soziale Aspekte wie etwa die für mehr oder weniger alle gleichgeschaltete Schullaufbahn ein Stück weit verloren. Die Menschen werden dadurch ähnlicher geformt und verlieren ihre Einzigartigkeit.

Lisa Reichling
„Durch Erziehung, gesellschaftliche Bestrebungen und durch den Wunsch nach Zugehörigkeit und Anerkennung übergehen wir schnell unser wahres Ich und verstellen uns,“ erklärt Lisa.

Warum ist es für uns Menschen so schwer, unseren einzigartigen energetischen Fußabdruck zu sehen und unser wahres Selbst zu leben? Haben wir verlernt unseren eigenen Blueprint richtig und ohne Hilfe zu lesen?

Die größte Herausforderung – und gleichzeitig Chance – ist vermutlich genau in dieser Einzigartigkeit verborgen. Rein genetisch sind wir Menschen so programmiert, dass wir in einer Gruppe dazugehören möchten und uns entsprechend anpassen. Schon allein aus evolutionären Gründen hat uns genau diese Anpassungsfähigkeit das Überleben gesichert. In der Steinzeit war man allein in der Savanne aufgeschmissen und darauf angewiesen, dass der eigene Tribe einen nicht verstößt. Diese Angst vor dem Anderssein kannst du letztlich genau auf diese genetische Programmierung zurückführen. Wenn du anders bist oder handelst, als die Menschen um dich herum, kann es sein, dass sie dich nicht mehr mögen oder im schlimmsten Fall verstoßen. Das bedeutete damals schlicht und ergreifend den Tod. Natürlich sind all das unbewusste Muster und Konditionierungen, die sozusagen schleichend und leise im Hintergrund als Programm auf unserer Festplatte mitlaufen und uns heute vermutlich nicht mehr immer dienlich sind. Trotzdem führt es dazu, dass wir oft versuchen uns anzupassen. Durch Erziehung, gesellschaftliche Bestrebungen und durch den Wunsch nach Zugehörigkeit und Anerkennung übergehen wir schnell unser wahres Ich und verstellen uns.

Und Human Design hilft mir, das zu ändern?

Human Design gibt dir die „Erlaubnis, wieder du zu selbst zu sein. Es ist oftmals eine Art Anerkennen ihrer Einzigartigkeit, das bei den Meisten zu einer Erleichterung führt. Du wirst endlich so gesehen, wie du bist. Individuell und mit vielen wunderbaren Facetten. Kein Grund mehr sich zu fragen, ob alles mit dir stimmt und warum du einfach nicht so funktionierst, wie die Gesellschaft es „vorschreibt“. Allein schon das Verständnis über die eigene Energie und Entscheidungsautorität lässt viele aufatmen. Nicht jeder von uns ist für 9 to 5, oder noch schlimmer ständige Erreichbarkeit und die heutige Arbeitsmentalität geschaffen. Auch die schnellen und aus dem Bauch heraus getroffenen Entscheidungen sind mindestens schon für die Hälfte der Menschen nicht die richtige Art in ihrem Leben zu entscheiden. Human Design ermöglicht es dir, dich von all den Erwartungen und Konditionierungen zu befreien. Wie eine Zwiebelschicht nach der anderen kannst du so tiefer und tiefer zu deiner individuellen Persönlichkeit zurückkehren. Du wirst mehr in deiner Energie und im Alignment mit deinem persönlichen Weg hier in diesem Leben sein. Es ermöglicht dir ein Leben mit weniger Wiederstand im Außen.

Ich lerne also, meine Probleme zu lösen und Grenzen zu überwinden? 

Du lernst, wie du Entscheidungen im Alignment triffst. Also wie du mit Hilfe deines Körpers Signale deuten und so ganz allein die für dich richtige Wahl treffen kannst. Du wirst sehr schnell merken, welchen Hebel du damit hast. Wenn du wieder auf deine eigene Entscheidung vertrauen kannst, ist es vollkommen egal, was im Außen passiert, es gibt keinen Grund mehr zu zweifeln oder nach einer Entscheidung verunsichert alles in Frage zu stellen. Du wirst merken, wie sich alles fügt und wie du plötzlich ganz mit dir und deiner Wahl im Frieden bist.

Wie muss ich mir das ganz praktisch vorstellen?

Bei einem Basis Reading erkläre ich zunächst die Grundprinzipien und einige wichtige Elemente des ganz persönlichen Designs. Was du für den Anfang brauchst, ist, neben deiner Neugier und Offenheit, lediglich dein Geburtsdatum inkl. der genauen Uhrzeit und deinen Geburtsort. Aus diesen Daten wird dann ähnlich wie bei der Astrologie dein persönlicher Blueprint berechnet.

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Das Erstellen und Lesen der persönlichen „Landkarte“ ist die eine Sache, Probleme zu lösen die andere. Wie gelingt es deinen Kunden, ihre Ideen und neu entdeckten Wahrheiten zu manifestieren oder Entscheidungen im Alignment zu treffen?  

Wenn du im Human Design ein paar wichtige Grundlagen deines Charts kennenlernst und diese dann auch umsetzt, wird es dir immer leichter fallen, deine Ideen auch zu manifestieren und Entscheidungen zu treffen, die deinen persönlichen Weg und deine Lebensaufgabe unterstützen. Manchmal scheint genau das im ersten Moment für meine Klienten etwas banal, weil es fast schon zu einfach wirkt. Wenn du wirklich lernst auf deine Entscheidungs-Autorität zu hören und Warnhinweise in Form bestimmter, für deinen Typen spezifischer Emotionen erkennst, dann kannst du viel schneller den Kurs ändern und hast weniger Reibung und Energie-Verlust im Außen. So sind auch kurzerhand riesige Entwicklungssprünge möglich und es zeigen sich neue Wege. Natürlich fordert auch das etwas Übung und Reflexionsfähigkeit, aber auch das wird mit der Zeit immer leichter.

In welcher Phase ihres Lebens kommen deine Kunden zu dir? Im Umbruch? Wenn sie unzufrieden sind?

Lisa Reichling Human Design
Lisa ist „heart core“ und macht Schluss mit höher, schneller, weiter.

Es gibt ganz unterschiedliche Situationen in denen Menschen zu mir kommen. Manche stehen vor großen Entscheidungen oder dem Wunsch nach Veränderungen. Andere haben das Gefühl, dass sie zwar schon alles erreicht haben „was man so erreichen sollte“, fühlen sich aber leer und ihr bisheriges Leben erfüllt sie nicht. Etwas scheint zu fehlen.

Kann auch ein durch und durch zufriedener Mensch davon profitieren? 

Ich muss über das „zufrieden“ immer etwas schmunzeln … ein typisch deutsches Ziel. Zufrieden sollte doch nicht das höchste Ziel sein – da steckt doch irgendwie sowas wie „möge sie in Frieden ruhen drin“. Das höchste Ziel sollte aus meiner Sicht Erfüllung, Glück und ein Leben voller Liebe und Freude sein. Aber zurück zu deiner Frage – also auch ein zufriedener oder glücklicher Mensch kann immer von Human Design profitieren. Es ermöglicht dir dich und deine Umwelt auf einer tiefen Ebene zu verstehen und widerstandsfreier mit ihr zu interagieren. Viele Erlebnisse und Erfahrungen beginnen plötzlich Sinn zu machen. Es ist, als würdest du plötzlich in die Vogelperspektive schlüpfen und dich aus deinem Leben ein wenig herauszoomen. Du kannst viel mehr von der Landkarte erkennen und es ergeben sich plötzlich ganz neue Perspektiven. Ich glaube jeder Mensch ist hier, um bis an sein Lebensende zu experimentieren, zu lernen und wirklich das Leben vollumfänglich zu leben! Ich würde so weit gehen und sagen, dass Human Design definitiv jeden Horizont erweitert.

Woher kommt es, dass wir uns offenbar genau jetzt nach einer Art persönlichen Landkarte, einem Leitfaden sehnen? Haben wir vergessen unserer Intuition zu folgen? 

Zum einen glaube ich, dass die Anforderungen und Erwartungen sich ständig verändern und erweitern. In dieser schnelllebigen Welt voller Möglichkeiten ist es leicht, den Überblick zu verlieren und sich selbst zu vergessen. Zum anderen glaube ich, dass gerade in Krisenzeiten, wie der aktuellen, immer mehr Menschen ihre Grenzen erkennen und vielleicht sogar feststellen, dass sie diese bereits zu weit überschritten haben.

Hat die Corona-Krise also die Sicht auf unser Leben verändert?

Die Lockdown Situationen haben zur gezwungenen Pause und Verlangsamung geführt. Gerade da ist vielen klar geworden, dass es auch noch andere Optionen gibt, ihr Leben zu führen. Der Wunsch nach alternativen Lebens- und Arbeitsmodellen wird größer. In der Zeit der Ruhe haben sich einige, wenn auch manchmal nicht ganz freiwillig, mit ihrem Leben beschäftigt und begonnen das ein oder andere zu reflektieren. Es gab weniger Möglichkeiten vor dem eigenen Leben und wichtigen Entscheidungen davonzulaufen, da keine Freizeitaktivitäten für Ablenkung sorgen konnten. Human Design liefert hier ein perfektes Werkzeug.

Bei der Erstellung der persönlichen Charts geht man davon aus, dass jede Person einmalig ist. Dennoch lassen sich bestimmte Muster auf mehrere Menschen anwenden. Kannst du erklären, wie genetische Einzigartigkeit und bestimmte wiederkehrende Muster miteinander im Zusammenhang stehen?

Einige Muster und Schemata helfen im ersten Schritt, das System für uns Menschen etwas greifbarer zu machen. Die Typen im Human Design mit den Strategien, der Signatur und den Nicht-Selbst Themen schaffen einen guten Einstieg. Human Design kann aber gleichzeitig auch noch viel tiefer auf eine Mikro-Ebene gehen und zeigt die bunten Facetten und die Einzigartigkeit jeder Person. Es ist wie eine Art Puzzle. Die vielen kleinen Teile ergeben dann das große Bild einer individuellen Person.

Du verfolgst in deiner Arbeit einen ganzheitlichen Ansatz, bist zusätzlich Yogalehrerin und Expertin für ätherische Öle und deren Wirkung. Wie greifen die drei Bereiche ineinander? Ist Yoga ein Teil von deiner Human Design Arbeit?  

Ich bin davon überzeugt, dass genau wegen der Einzigartigkeit eines Jeden auch verschiedene Werkzeuge wichtig sind. Es ist ein bisschen wie die verschiedenen Sprachen auf der Welt. Nicht jeder spricht Deutsch oder Englisch. Genauso sehe ich auch Yoga oder die ätherischen Öle. Sie können eine wunderbare Ergänzung im Transformationsprozess sein. Mit Hilfe von Human Design kann ich erkennen, welcher Energietyp gerade vor mit sitzt – also welche Sprache er versteht, um bei dem Bild zu bleiben. Ich kann sehen, welche Art von Bewegung oder Ausgleich für sie oder ihn wichtig ist. Und da kommen dann Yoga, die Öle oder die vielen anderen Werkzeuge ins Spiel. Auch meine NLP-Ausbildung hilft dabei (Anm. d. Red.: NLP = Neuro-Linguistisches Programmieren). So wähle ich dann die richtige Sprache für meine Kunden und Klienten und ermögliche es ihnen, sich schneller zu öffnen und den Transformationsprozess einzuleiten.


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Teacher Training: Checkliste für die Yogalehrerausbildung

Yogalehrer Ausbildung Tipps

Willst du dein Yogawissen vertiefen, eine Yogalehrerausbildung machen und selbst irgendwann unterrichten? Dann ist es wichtig, dass du das richtige Teacher Training für dich findest. Wir haben eine Checkliste, die dir bei der Entscheidung helfen kann.

In einer Umfrage gaben fast ein Viertel der Yoga Journal-Leser*innen an, über ein Teacher Training nachzudenken. Dabei sind die Inhalte, Anforderungen und Kosten der angebotenen Ausbildungen mindestens so vielfältig wie die Yogapraxis selbst: Vom dreiwöchigen Crash-Kurs in Indien bis zum 4-jährigen Studium mit 1000 Unterrichtseinheiten ist alles zu haben. Entsprechend reichen auch die Kosten von unter 2000 bis weit über 10.000 Euro. Dazu musst du wissen, dass die Berufsbezeichnung „Yogalehrer“ oder „Yogalehrerin“ nicht geschützt ist. Jeder darf Yogakurse anbieten, egal ob er oder sie nun eine sehr umfangreiche Ausbildung durchlaufen hat – oder überhaupt keine.

Lies auch: 7 Dinge, die richtig gute Yogalehrer ausmachen

Für die Anbieter von Yogalehrer-Ausbildungen gilt im Prinzip das gleiche: Niemand prüft ihre Qualifikation, niemand schreibt ihnen vor, was genau die von ihnen ausgegebenen Zertifikate eigentlich zertifizieren – es sei denn, sie sind bei der Yoga Alliance registriert,
gehören einem Verband wie dem BDY an oder sind Teil eines der zentral organisierten Yogastile wie Iyengar, Ashtanga, Sivananda oder Yoga Vidya (wobei sich auch all diese Standards stark unterscheiden). Dass ein Beruf, der so viel Verantwortung mit sich bringt, so wenig reguliert ist, wird oft kritisiert. Dennoch ist diese Freiheit an sich nichts Falsches, denn sie entspricht der Vielfalt und Freiheit, mit der wir Yoga leben möchten. Du musst nur wissen, dass Ausbildung eben nicht gleich Ausbildung ist – und du solltest sehr genau hinschauen, bevor du dich für eine Schule entscheidest. Unser Tipp: Sie dir mehrere Schulen an, nimm Probestunden, sprich mit Ausbildern und Absolventen – und dann in aller Ruhe entscheiden.

4 x 4 Fragen, die dich zur idealen Yogalehrer-Ausbildung führen

1. Anspruch

  • Zu was soll mich meine Ausbildung befähigen? Will ich auf jeden Fall unterrichten oder möchte ich vor allem tiefer in die Praxis eintauchen?
  • Wie qualifiziert sind die Ausbilder, wie sehen die Prüfungen aus und welches Zertifikat wird verliehen?
  • Welche Inhalte werden abgedeckt und welche Schwerpunkte setzt die Ausbildung?
  • Was wird rings ums Training geboten (z.B. Lernmaterialien, E-Learning, Mentoren-Programm, im Anschluss Supervisionen und Weiterbildungen)?

2. Zeit

  • Wieviel Zeit kann ich für den Unterricht aufwenden?
  • Wieviel Zeit brauche ich, um Lerninhalte gut zu verarbeiten?
  • Was passt am besten in mein Leben: ein Intensive am Stück, mehrere Blocks oder Wochenenden über einen längeren Zeitraum? Ein fortlaufender Kurs oder flexible Module?
  • Dabei nicht vergessen: Wieviel Zeit muss ich on top zum eigenen Üben, Lernen und Assistieren freihalten?

3. Geld

  • Wieviel darf die Ausbildung kosten?
  • In welchem Zeitraum kann ich die Gebühren bezahlen?
  • Fallen zusätzliche Kosten für Anfahrten, Unterkunft etc. an?
  • Wie wichtig ist es für mich, dass sich diese Investition in absehbarer Zeit finanziell auszahlt?

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4. Persönliche Ebene

  • Wie gut kenne ich meine zukünftigen Ausbilder? Vertraue ich ihnen wirklich?
  • Wie wohl fühle ich mich in der Ausbildungsschule? Wie ist der Umgang miteinander?
  • Mit welcher Gruppengröße ist zu rechnen? Handelt es sich um eine feste Gruppe oder wechseln die Teilnehmer in den einzelnen Blocks?
  • Was sagen ehemalige Absolventen dieser Ausbildung?

Was du in der Yogalehrerausbildung lernst

Die folgenden Inhalte sollten auf jeden Fall Teil deiner Ausbildung sein. Erkundige dich, wie viele Unterrichtseinheiten dafür jeweils vorgesehen sind, wer welche Teile unterrichtet und wie die Prüfungen aussehen. Der Vergleich lohnt! Am Ende ist das Können und die Qualität der Ausbilder entscheidend: Manchmal ist eine tiefgehende 200 h Ausbildung besser als eine oberflächliche mit 800 Stunden.

  • Asana
  • Pranayama
  • Meditation
  • Philosophie
  • Anatomie
  • Didaktik
  • Stundenaufbau
  • Lehrproben

Welche Zertifikate für Yogalehrerausbildungen gibt es?

Yoga Alliance (YA):

Die 1999 von amerikanischen Yogalehrern mehrerer Stile gegründete Vereinigung hat es sich zur Aufgabe gemacht, transparente Standards für die Ausbildung festzulegen. Jede registrierte Schule (RYS) und jeder registrierte Yogalehrer (RYT) verpflichtet sich zu gewissen Richtlinien. Die große Mehrzahl der von der YA zertifizierten Ausbildungen folgt dem Minimal-Standard RYT 200, der 200 Unterrichtseinheiten umfasst. Mehr Info: www.yogaalliance.org

Berufsverband der Yogalehrenden in Deutschland e.V. (BDY/EYU):

Der BDY/EYU bezeichnet sich selbst als den „Maßstab für Qualität“. Seit seiner Gründung 1967 wurden die Standards für die bundesweit 34 Ausbildungsschulen laufend erhöht. Derzeit umfasst eine BDY-Ausbildung 800 Unterrichtseinheiten à 45 Minuten im Lauf von mindestens 4 Jahren. Daneben gibt es seit einiger Zeit ein Basic-Training mit 500 Einheiten. Auch etliche Schulen außerhalb des BDY-Verbunds orientieren sich an deren Richtlinien. Mehr Info: www.yoga.de

Zentrale Prüfstelle für Prävention (ZPP):

Die ZPP ist keine Yoga-Institution, sondern eine von den gesetzlichen Krankenkassen initiierte Einrichtung, die Standards für ganz verschiedene Gesundheitskurse festlegt. Von der ZPP zertifizierte Yogakurse kann man sich in Deutschland bis zu einer bestimmten Höhe von seiner Krankenkassen erstatten lassen. Die Kriterien der ZPP sind umstritten, insbesondere die Forderung nach einer Berufsausbildung im medizinischen oder pädagogischen Bereich erscheint vielen erfahrenen Yogalehrern als unsinnig. Mehr Info: www.zentrale-pruefstelle-praevention.de


Text: Stephanie Schauenburg // Titelfoto: Ana Shvets via Pexels