Im Flow mit dem Zyklus: Yoga-Asanas für jede Phase

Im Flow mit dem Zyklus: Yoga-Asanas für jede Phase

Der weibliche Zyklus beeinflusst Energie, Stimmung und körperliches Wohlbefinden – und genau hier kann Yoga gezielt unterstützen. Kristina Shirangi, Yoga-Lehrerin bei David Lloyd Meridian Spa & Fitness, erklärt welche Asanas sich in den verschiedenen Zyklusphasen besonders eignen, um Körper und Geist in Einklang zu bringen. // anzeige

Menstruationsphase (Tag 1–5): Ruhe & Regeneration

Während der Menstruation ist der Hormonspiegel niedrig, und der Körper braucht Erholung. Kristina empfielt während dieser Phase ruhige Asanas in sitzender oder liegender Position, um Verspannungen zu lösen und Krämpfe zu lindern:

Gedrehte Kindhaltung (Parivrtta Balasana)

Balasana ist eine beruhigende und erdende Asana, die die Wirbelsäule entspannt und den unteren Rücken sanft dehnt. Die Variation mit dem Twist und Prayer Hands kombiniert die entspannende Wirkung mit einer sanften Rotation und einer energetischen Geste, die inneren Ausgleich und Verbindung fördert„. Diese Asana wird ausgeführt, indem du aus der klassischen Kindhaltung einen Ellenbogen auf die Matte setzt, den anderen Arm darüberlegst, sodass beide Unterarme sich kreuzen, dann die Hände in Anjali Mudra (Gebetshaltung) vor dem Herzen zusammenführst und sanft in die Drehung hineinspürst.

Gedrehte Liegende Taube (Parivrtta Eka Pada Rajakapotasana)

Die gedrehte schlafende Taube löst Becken- und Rückenverspannungen, fördert die Durchblutung der Beckenorgane, unterstützt die Verdauung, beruhigt das Nervensystem und kann PMS-Symptome sowie Menstruationsbeschwerden lindern. Die Position wird ausgeführt, indem du in die klassische Taube gehst, das vordere Bein angewinkelt vor dir ablegst, das hintere Bein nach hinten streckst, dann den gegenüberliegenden Arm unter dem Körper hindurchfädelst und die Schulter sowie den Kopf sanft auf der Matte ablegst, während der andere Arm entweder nach vorne gestreckt oder auf dem Rücken abgelegt wird, um eine tiefe Hüftöffnung und Wirbelsäulendrehung zu ermöglichen.

Sitzender Schmetterling (Baddha Konasana)

Wer unter Menstruationsschmerzen leidet, dem empfiehlt Kristina den „sitzenden Schmetterling“: „Die sanfte Hüftöffnung fördert die Durchblutung im Beckenbereich und kann menstruationsbedingte Beschwerden reduzieren. Eine leichte Vorbeuge verstärkt die beruhigende Wirkung. Umarme dabei sich selbst, und spüre innere Wärme und tiefe Verbindung zu dir selbst„. Die Position wird ausgeführt, indem du im Sitzen die Fußsohlen aneinanderlegst, die Knie nach außen sinken lässt, die Füße mit den Händen umfasst oder die Hände auf die Schultern sanft ablegst und mit geradem Rücken sanft nach vorne kippst oder aufrecht bleibst, um die Hüften zu öffnen und die innere Oberschenkelmuskulatur zu dehnen.

Schwebende Viparita Karani & Shakti Savasana

„Ich selbst benutze in dieser Phase auch gerne Hilfsmittel wie z.B. einen Gurt oder eine Akkupressurmatte. Die schwebende Viparita Karani ist z.B. eine Variation der klassischen „Beine an der Wand“-Haltung (Viparita Karani), bei der die Beine in einem Gurt oder einer Yoga-Schlinge schweben, anstatt auf einer Wand zu ruhen. Diese sanfte Umkehrhaltung hilft, den Unterleib zu entlasten, die Durchblutung zu fördern und das Nervensystem zu beruhigen – perfekt für die Menstruationsphase und die Lutealphase, wenn der Körper nach Erholung verlangt. Alternativ hilft es auch, sich für 10 bis 30 Minuten (je länger, desto traumhaft entspannter) in der sogenannten „Totenstellung“ abzulegen und die Nadelmatte arbeiten zu lassen. „Diese stimuliert nämlich von ganz alleine die entsprechenden Akkupressurpunkte und kann ebenfalls der Schmerzlinderung dienen und sogar beim einschlafen helfen“, schwärmt Kristina

Follikelphase (Tag 6–14): Energie & Wachstum

Mit dem Anstieg von Östrogen wächst auch das Energielevel. Jetzt ist der Körper bereit für aktivierende und kräftigende Asanas, die Flexibilität und Kraft aufbauen und das innere Strahlen fördern.

Wild Thing (Camatkarasana, ekstatische Rückbeuge)

Diese kraftvolle Rückbeuge öffnet das Herz, stärkt die Rückenmuskulatur und verbindet Stabilität mit Flexibilität. Sie bringt Leichtigkeit und neue Energie„, erklärt Kristina Shirangi. Die Übung beginnt in der seitlichen Planke. Dann wird das obere Bein hinter dem Körper sanft aufgesetzt, während der Brustkorb sich öffnet und der Arm über den Kopf gestreckt wird. „Man fühlt sich danach richtig wach und beschwingt – perfekt für diese Phase“, ergänzt die Yoga-Expertin.

Halbmondhaltung (Ardha Chandrasana): Wer in dieser Zyklusphase Balance und Beweglichkeit fördern möchte, dem empfiehlt Kristina den Gedrehter Tänzer und die Halbmondhaltung. „Diese Balancehaltungen stärken die Beine, Hüften und Bauchmuskulatur, während sie das Sakralchakra aktivieren. Sie wirken stabilisierend und fördern gleichzeitig eine gewisse Leichtigkeit.“

Gedrehter Tänzer (Parivrtta Natarajasana) wird ausgeführt, indem man im Einbeinstand das hintere Bein anhebt, mit der gegenüberliegenden Hand den Fuß greift, den Oberkörper leicht nach vorne neigt und die freie Hand nach vorne oder zum Herzen bringt, während man die Wirbelsäule dreht.

Ardha Chandrasana (Halbmondhaltung) wird ausgeführt, indem man aus einer stehenden
Position ein Bein nach hinten anhebt, den Oberkörper nach vorne neigt, eine Hand auf den Boden oder einen Block setzt und den gegenüberliegenden Arm sowie den Blick nach oben richtet, um Balance, Stabilität und Öffnung der Hüfte zu fördern. „Man hat das Gefühl, als würde man schweben – und genau das passt zur Energie dieser Zyklusphase„, so
Kristina.

Ovulationsphase (Tag 14–18): Höchste Energie & Offenheit

Jetzt erreicht der Körper seinen energetischen Höhepunkt. Der Östrogenspiegel ist am höchsten, was oft mit einem Gefühl von Vitalität, Kreativität und Offenheit einhergeht. In dieser Phase sind herzöffnende und kraftvolle Asanas besonders wirkungsvoll.

Kamelhaltung (Ustrasana)

Eine intensive Rückbeuge, die die Brustmuskulatur dehnt, den Atem vertieft und die Rückenmuskulatur stärkt. Sie wirkt harmonisierend auf die hormonproduzierenden Drüsen„, beschreibt Kristina. Die Übung beginnt im Kniestand, die Hände greifen sanft die Fersen, während der Oberkörper zurückgelehnt wird. „Das Herz wird weit, man fühlt sich aufgerichtet und gestärkt – die perfekte Haltung, um diese kraftvolle Phase des Zyklus zu feiern“, so die Yoga-Lehrerin.

Taube mit Adlerarmen (Garudasana Eka Pada Rajakapotasana)

Diese besondere Variation der Taube kombiniert eine tiefe Hüftöffnung mit einer sanften Dehnung der Schultern und des oberen Rückens. „Während der Ovulationsphase geht es nicht nur um Energie, sondern auch um emotionale Offenheit„, erklärt Kristina. Die Haltung beginnt im Vierfüßlerstand, ein Bein wird nach vorne angewinkelt, das hintere nach hinten gestreckt. „Durch das Einbinden der Adlerarme wird zusätzlich die Schultermuskulatur gelöst – eine tolle Kombination für mehr inneren und äußeren Fluss“, ergänzt sie.

Lutealphase (Tag 19–28): Rückzug & Reflexion

Mit steigendem Progesteron bereitet sich der Körper auf die nächste Menstruation vor. Viele Frauen verspüren in dieser Phase einen natürlichen Rückzug. Erdende und sanfte Asanas helfen, Stress abzubauen und hormonelle Schwankungen auszugleichen.

Yogahocke mit Kali Mudra (Malasana)

Malasana ist eine tiefe Hocke, die das Wurzelchakra stärkt, die Verdauung unterstützt und Verspannungen im Beckenbereich löst„, erklärt Kristina. „Die Kombination mit Kali Mudra, bei der die Hände eine kraftvolle Geste bilden, hilft, innere Kraft zu mobilisieren.“ Dabei werden die Hände in Gebetshaltung vor dem Herzen gehalten, während die Finger ineinander verschränkt sind und die Zeigefinger nach oben zeigen. „Diese Haltung gibt Stabilität und hilft, sich auf das Wesentliche zu konzentrieren“, so die Yoga-Lehrerin.

Bhramari-Atmung mit Shanmukhi Mudra

„Die Lutealphase kann emotional herausfordernd sein – hier hilft eine beruhigende Atemtechnik“, empfiehlt Kristina. Die Bhramari-Atmung (auch „Summatmung“ genannt) reduziert Stress und gleicht das Nervensystem aus. „Durch das Summen eines sanften Tons – wie das Summen einer Biene – entsteht eine sanfte Vibration, die tief ins Nervensystem wirkt und Spannungen löst.“ In Kombination mit Shanmukhi Mudra, bei der sanft die Ohren, Augen und Nase mit den Fingern verschlossen werden, verstärkt sich die beruhigende Wirkung. „Das schirmt äußere Reize ab und fördert die Konzentration auf das eigene Innere – ideal, um zur Ruhe zu kommen“, erklärt Kristina.

Mit diesen gezielt auf den Zyklus abgestimmten Übungen lässt sich jede Phase bewusst erleben – sei es durch aktivierende Asanas, die Öffnung des Herzens oder sanfte, erdende Haltungen zur Reflexion. „Yoga bietet wunderbare Möglichkeiten, sich mit dem eigenen Körper zu verbinden und jede Phase des Zyklus mit Achtsamkeit zu begleiten“, fasst Kristina Shirangi zusammen.

Fühlst du dich inspiriert? Dann findest tolle Yoga- & Pilateskurse auf www.meridianspa.de.


Über David Lloyd Clubs und David Lloyd Meridian Spa & Fitness

Die deutschen Clubs von David Lloyd Leisure und David Lloyd Meridian Spa & Fitness sind Teil der britischen David Lloyd Leisure Ltd., Europas größtem Anbieter im Fitness- und Wellnessmarkt mit über 130 Anlagen in neun europäischen Ländern. Die acht Premium-Clubs in Hamburg, Berlin, Frankfurt und Bad Homburg bieten modernste Fitnessbereiche für individuelles oder professionell angeleitetes Training, Functional- und Circuit-Training, ein vielfältiges Kursangebot in lichtdurchfluteten Lofts oder Boutique-Studios für David Lloyds Signature-Kurse BLAZE, IGN1TE, SPIRIT, CYCLONE, BATTLEBOX und RHYTHM sowie moderne Spa-Bereiche und Wellness-Landschaften mit Saunen, Pools und Ruhebereichen.

Das Unternehmen beschäftigt deutschlandweit 1.300 Mitarbeiter, darunter rund 650 Kooperationspartner in den Bereichen Training, Wellness und Coaching. Die Deutschlandzentrale befindet sich in Hamburg. David Lloyd Clubs hilft seinen Mitgliedern, ein besseres Leben zu führen, indem es sich auf körperliches und geistiges Wohlbefinden und ein Gefühl der Zugehörigkeit konzentriert. Als Europas größte Gesundheits- und Wellness-Gruppe betreiben sie 133 Clubs: 104 im Vereinigten Königreich und weitere 29 auf dem europäischen Festland, mit drei Marken: David Lloyd Clubs, Harbour Clubs und Meridian Spa and Fitness in Deutschland. Wir arbeiten ständig an Innovationen, um Familien und Einzelpersonen die besten Produkte und Dienstleistungen in einer einladenden Umgebung anbieten zu können. Dazu gehören hochmoderne Fitnessstudios, Innen- und beheizte Außenpools, erstklassige Racket-Anlagen, gut ausgestattete Studios für Gruppentraining, luxuriöse Spas, Kinderclub-Einrichtungen und Kinderbetreuung. Die Clubräume bieten einen Ort, an dem man Zeit mit Freunden und Familie verbringen oder einen Happen essen kann. Die Clubs verfügen außerdem über geräumige und einladende Räume zum Arbeiten, Entspannen und für soziale Kontakte.

Dankbar für die Dankbarkeit – eine Einstellung, die dein Leben verändert

Dankbarkeit

Dank ist mehr als nette Emotion oder zivilisatorischer Kanon. Dankbarkeit ist eine Grundhaltung, die dem Leben eine neue Wendung geben kann. Sagt wer? Sagt unsere Autorin Andrea Goffart, die seit einigen Jahren Dankbarkeit praktiziert – und findet, dass sie sich dabei ziemlich verändert hat.

Text: Andrea Goffart / Titelbild: Torijrtrx / Getty Images via Canva

In der Redaktionskonferenz für das Heft 05/2024 mit dem Titelthema „Dankbarkeit“, aus dem dieser Artikel stammt, waren wir uns schnell einig: Wir wollten nicht über Dankbarkeitstage­bücher schreiben und konnten auch alle miteinander die hübsch bebilderten Ratschläge für Dankbarkeitspraktiken nicht mehr sehen. Übersättigung durch Oberflächenkratzen. „Aber trotzdem hilft es ja“, wandte ich etwas zögerlich ein: „Ich hab’s selbst so erlebt, mein Leben hat sich durch Dankbarkeit verändert.“ Schon hatte ich mein Beitragsthema und wusste nicht genau, ob ich dafür dankbar sein soll …

Ich möchte dich gerne mitnehmen in mei­ne Welt, auf eine Reise zu einem früheren Ich – Andrea vor circa fünfzehn Jahren: Anfang 40 und mitten im Leben, verhei­ratet, aber kinderlos, mittleres Manage­ment, Reisen, Shoppen, Fernsehen, Party, Kino und ab und zu Gäste im vorörtli­chen Eigenheim. Der übliche Wahnsinn, unterbrochen von 6 Stunden schlechtem Schlaf. Ich habe sehr oft „Rücken“ und „Kopf“ und eigentlich immer Stress. Außerdem, so stelle ich im Gespräch mit ei­ner Therapeutin fest, bin ich unaufhörlich unzufrieden. Mit mir. Mit der Welt und ganz besonders mit „den anderen“ – dem Ehemann, den Kolleginnen, den Eltern sowieso. Eigentlich gehen mir alle dauer­haft auf den Geist.

Ein Ereignis mag dies besonders illus­trieren, ein Abend mit alten Bekannten: Ich war schlecht drauf, es war ein voller, anstrengender Tag gewesen. Schon ein­gangs gab es Ärger, die Freundin hatte ein Glas Gin­-Tonic umgestoßen, Riesensaue­rei – was für eine Aufregung, die konnte ich jetzt gar nicht brauchen. Es dauerte ewig, bis das Essen auf dem Tisch war, es war laut im Restaurant … alles in mir kam in Aufruhr. Also trank ich Rotwein, viel Rotwein. Den ganzen Abend über spießte ich befreundete Frauen erzählend auf meine spitze Zunge: Die eine ist ja ei­gentlich todunglücklich hinter ihrer schi­cken Fassade, die andere eine verhärtete Karrieretussi und die dritte, die geht ja gar nicht. Als ich mich ein paar Tage spä­ter für mein rückblickend unpassendes Verhalten entschuldigen wollte, erhielt ich eine Antwort, die mich erschütterte: „Andrea, wofür entschuldigst du dich? Du bist so. Immer!“

Echt jetzt? So soll ich sein – so negativ, so urteilend, so … böse? Was der Bekann­te da über mich sagte, brachte ich nicht mit meinem Bild von mir in Einklang. Nein, so wollte ich nicht sein. Aber er hatte schon recht: Ich begann mich zu beobachten, auch im Dialog mit meinem Mann, und machte eine unangenehme Feststellung: Mir ging es gut, wenn ich über andere herziehen konnte. Und noch besser ging es mir, wenn ich anderen er­klären konnte, warum die Welt spätestens nächstes Jahr zugrunde gehen wird.

Das Negative ist sicher

Heute weiß ich, warum ich da kaum wie­der rauskam: Es ist unglaublich schwer, diese Negativspirale zu unterbrechen, weil es gegen einen Instinkt verstößt: Wir sind neurobiologisch darauf ausgerichtet, das Schlechte zu sehen, denn hier lauerte die Gefahr – früher einmal. Vor Tausen­den Jahren erzählte man sich abends am Lagerfeuer, wo der Tiger jagt, der Fluss zu breit ist oder ein Baum droht umzu­fallen. Das schützte die Gemeinschaft und hat sich tief in unser Reptiliengehirn eingegraben. Deswegen tun wir’s heute auch noch. Wir erzählen von der blöden Bäckereiverkäuferin, dem unkollegialen „Spacko“ und den Marotten des Ehegatten – wir „schützen“ weiterhin die Gemein­schaft, indem wir sie vor Negativem warnen. Und das fühlt sich gut und richtig an.

Dankbarkeits-Tagebuch
Foto: Ava Sol via Canva

Ich begann damals, angeregt durch eine Freundin, ein Dankbarkeitstagebuch zu führen. Ich war neugierig, aber nicht be­sonders inspiriert – was sollte es schon bringen, jeden Abend ein paar Punkte zu notieren, für die ich dankbar bin? So richtig verstand ich die Idee nicht, aber irgendwas musste ich ja tun. Durch ein MBSR­-Programm (Mindfulness Based Stress Reduction) kam ich zum ersten Mal in Kontakt mit Meditation und der achtsamen Entdeckung des Augenblicks. Das stille Mit-­mir­-Sein tat mir sehr gut und weil mir meine abendlichen Medi­tationspraxis immer wichtiger wurde, entstand ein angenehmer Nebeneffekt: Das Feierabendglas Wein (oder zwei oder drei) fiel immer öfter weg, denn die achtsame Präsenz benötigt Klarheit, das merkte ich sehr schnell. Irgendwann stell­te ich fest, dass ich begonnen hatte, meine Aufmerksamkeit im Tagesverlauf mehr auf Aspekte auszurichten, die mir Futter für mein Tagebuch bieten würden.

Ganz langsam, unbemerkt, hatte sich ein Shift vollzogen. Und – Energie folgt Aufmerk­samkeit – es schien, als würde plötzlich mehr passieren, für das ich dankbar sein konnte! Ich staunte: Es ist wirklich ganz einfach – nur eine Sache der Wahrneh­mung. Im Kern ist die Praxis der Dankbarkeit eine Umprogrammierung alter neurobiologischer Muster: Wir sehen das Gute und wir erzählen darüber: das kleine Mädchen im Supermarkt, das uns anlächelt. Die perfekte Stachelbeere, gepflückt vom eigenen Strauch. Wir neh­men wahr, wie reichlich und reichhaltig das Leben unseren Tisch gedeckt hat. Wir sehen, was andere für uns tun und nehmen nichts mehr als „selbstverständlich“. Wir notieren immer und immer und im­mer wieder, was wir haben und was uns widerfährt und welches Geschenk darin versteckt ist.

Anfangs braucht es Disziplin, den Blick ganz bewusst auf das Schöne, das Gute zu richten, sei es noch so klein. Mit der Kraft der Dankbarkeit auf jede Blüte, jede Geste, jedes Glitzern der Sonne auf den Wellen zu schauen und sie groß werden zu lassen – das Herz weit. Natürlich ist ein kritischer Blick auf die Praxis des po­sitiven Denkens absolut angebracht und ich möchte ausdrücklich betonen, dass ein Grundton der Dankbarkeit im Leben nicht heißt, dass wir die Umstände ver­leugnen. Das Leben ist oft schwer. Das ist so. Aber es ist unsere Entscheidung, ob wir in der Lage sein möchten, das gesam­te Spektrum aller Emotionen einzuladen und zu begreifen, dass sie alle gleicher­maßen kommen und gehen. Oder ob wir uns im Klammern an einen unerreichba­ren, aber angestrebten Zustand der ewi­gen Zufriedenheit absichtlich ins Unglück stürzen, weil aus der Unerreichbarkeit des ständigen Wohlseins zwangsläufig Unzufriedenheit und ein pausenloses Mangel­denken entstehen.

Der Sonnengruß als Dankbarkeitsritual

Dein nächster Sonnengruß, heute Abend oder morgen früh – vollziehe ihn bewusst als Dank, als Dank für den Tag, als Dank an die Sonne, die Elemente, das Leben.
Verneige dich, schaue hinab, schaue hinauf, verbinde Demut und
Dankbarkeit zu einer reifen Praxis.
Atme und sei präsent im Fluss des Lebens,
an das der Sonnengruß seinen Dank richtet.

Danke für alles und nichts

Dankbarkeit
Foto: microgen / Getty Images via Canva

Als ich vor einigen Jahren begann, meine Tage mit einem kleinen Yoga­-Flow zu be­ginnen, habe ich ein Dankbarkeitsritual integriert. Ich verneige mich zum Ab­schluss in alle vier Himmelsrichtungen: Ich bedanke mich im Süden für die gelun­gene Praxis; im Osten für alle Menschen, denen ich mich verbunden fühle; im Nor­den für meinen gesunden Körper und im Westen für das Geschenk, dass ich genau diesen Tag erleben darf. Ich lege ihn als Juwel in den Setzkasten meines Lebens – gedanklich. Irgendwann bemerkte ich, dass ich die Verbundenheit, die Teil des Rituals sein durfte, nicht mehr nur „dach­te“, sondern im ganzen Körper spürte – ich fühlte mich verbunden. Das kannte ich nicht – es war ein ganz neues Gefühl: Ich bin Teil von allem, ich gehöre dazu, ich bin gehalten. Ich brauche mich nicht anzustrengen. Eine tiefe Freude entstand in der Beobachtung, in der Beziehung, in der Verbindung – zuerst mit dem Selbst, dann miteinander und mit dem Leben.

Diese Freude ist immer noch etwas Besonderes für mich. Sie ist rein und klar, mal heftig, mal ganz sanft. (Und dann auch wieder tagelang im Außendienst.) Sie fühlt sich nährend an und braucht selbst keine Nah­rung aus dem Außen – keinen Besitz, kei­nen Status kein „Mehr“ von irgendwas. Sie ist dankbar für den Moment. Und damit sind wir in meiner Erzählung dort gelandet, wo ich momentan bin. Wenn du es geschafft haben solltest, mir bis hierhin zu folgen (Danke dafür!), dann kann ich dir abschließend noch zeigen, was ich momentan glaube: Dankbarkeit – im Endeffekt und für „Fortgeschrittene“ – hat absolut nichts damit zu tun, ob dein Leben nett oder hübsch oder fluffig ist. Egal, was das Leben gerade für mich bereithält, ich nehme es an und „freue mich auf die nächste Krise“ – weil ich ahne, dass sie mir eine Erkenntnis, Wachstum und oft auch ein Mehr an Verbundenheit schenken wird. Das Leben ist dazu da, gelebt zu werden und wie auf dem Trimm-dich-Pfad müssen wir jede Station mitnehmen, um es zu bewältigen. Überspringen wir eine, lässt die Sportlehrerin – in Form von Gott, Schicksal oder Universum – uns noch eine Runde laufen. Dann beißen wir die Zähne zusammen, finden es scheiße und sind trotzdem dankbar. Wir laufen los und tun, was notwendig ist.

Deine Dankbarkeitsparxis

Jetzt habe ich dir so viel von mir erzählt – was machst du daraus?
Vier Ideen, wie du beginnen könntest.

1. 108 Gründe: 
Wenn wir genau überlegen, dann gibt es unzählige Gründe, dem Leben,
der Welt und allen Menschen dankbar zu sein.
Hast du eine Mala mit 108 Perlen?
Dann geh diese Perlen doch einmal Griff für Griff durch – jede Perle ein Dank.
Mach das intuitiv, ohne lange Denkpausen.
Und wenn sonderbare Ideen dabei sind – wunderbar.

2. Warum ich genau dir dankbar bin:
Mit dieser Praxis danken wir nicht dem Leben, sondern einer konkreten Person.
Beginne eine Liste, zum Beispiel für den Partner, die Kollegin oder die Eltern,
und schreibe auf: „Ich bin dir dankbar, weil …“
Notiere 10 Minuten lang und dann gehe zum Beispiel eine Runde spazieren.
Schau dann noch einmal auf deine Ideen – ergänze.
Das kannst du gerne über ein paar Wochen machen, die Liste darf immer
weitere Ergänzungen erfahren und wer weiß, vielleicht wird sie irgendwann zum Brief?

3. Die Negativliste: 
Schreib am Abend auf, bei wem du dich alles hättest bedanken können,
es aber nicht getan hast. Postbote – danke, dass meine Briefe
jeden Tag (meistens :) kommen.
Busfahrerin – danke, dass Sie mein Kleingeld nehmen.
Kollegin – danke, dass du das Fenster geschlossen hast,
ich hatte gar nicht gemerkt, wie kalt es hier ist …

4. Das Fotoalbum: 
Schreiben ist nicht deins? Stattdessen kannst du Dankbarkeit
auch mit Fotos festhalten und einen Bilderordner oder
sogar ein ausgedrucktes Album anlegen.


Autorin Andrea Goffart

Für Andrea Goffart war es naheliegend, ihre Dankbarkeitspraxis ganz klassisch mit einem Tagebuch zu beginnen: Sie ist Autorin und Schreib-Coach und schreibt nicht nur viel, sondern einfach gerne. Mehr über Andrea erfährst du auf ihrer Website.


Einfach mal nichts tun und nur sein. Auch dafür kann man dankbar sein. Andrea Goffart hat sich damit auseinandergesetzt. Hier kannst du etwas über ihre Erfahrungen lesen:

Yoga-Ausbildung mit Jeanette Luft – von der Theorie zur gelebten Praxis

Jeanette Luft Yoga Teacher Training

Was macht eine gute Yoga-Ausbildung aus? Für Jeanette Luft ist die Antwort klar: Es geht nicht nur darum, Asanas zu beherrschen – es geht darum, Yoga als eine Haltung ins Leben zu tragen. In der Ganesha Yoga Lounge in Heidelberg begleitet sie Menschen dabei, genau das zu entdecken. Finde dein Yoga Teacher Training!

Yoga als gelebte Praxis – Jeanette Lufts Weg zum Yoga

Bei Jeanette Luft dreht sich alles um gelebtes Yoga. Seit fast 20 Jahren begleitet sie die Praxis durch alle Höhen und Tiefen des Lebens – und genau diese Erfahrung gibt sie mit Leidenschaft in ihren Ausbildungen weiter. „Es gab eine Zeit in meinem Leben, in der das Laute sehr präsent war. Ich war ständig am Erledigen, Planen und Tun. Dann stolperte ich zufällig in eine Yogastunde im Fitnessstudio – und das hat alles verändert. Ich merkte, wie wichtig es ist, nicht nur das Laute um mich herum wahrzunehmen, sondern auch die leisen und feinen Töne. Mir morgens beispielsweise die Frage zu stellen: Wie möchte ich mich heute dem Leben zeigen? Was ist mir wichtig? Yoga hat mir auf meinem Lebensweg so sehr geholfen. Es hat mich durch Jobwechsel, Verluste geliebter Menschen, Existenzängste, dem Ankommen im Mama-Sein und vielem mehr begleitet. Es hat mich zu der Person gemacht, die ich heute bin.“ Heute leitet Jeanette die Ganesha Yoga Lounge in Heidelberg und gibt ihre Erfahrung mit viel Herz in ihren Ausbildungen weiter.

Hatha Flow und Yogatherapie: Jeanettes Steckenpferde

Jeanette Luft Yoga Teacher Training

Besonders am Herzen liegen ihr Hatha Flow und Yogatherapie. „Nach meiner Grundausbildung hatte ich den großen Wunsch, mein Yogawissen radikal zu vertiefen. Ich wollte auf Beschwerden und Wehwehchen individuell eingehen können – und auch meine eigenen Rückenschmerzen in den Griff bekommen.“ Die Yogatherapie bietet Jeanette die perfekte Grundlage, um Menschen auf ihrem persönlichen Weg zu unterstützen. Der Hatha Flow wiederum vereint für sie alles, was Yoga so besonders macht: die Dynamik, die den Geist fokussiert, und die Ruhe, um in die Tiefe zu gehen. „Das Ganzheitliche des Hatha Yoga mit der Möglichkeit Positionen auch mal länger zu halten und richtig rein zu gehen ist einfach großartig. Außerdem gibt es natürlich nie eine Yogastunde ohne Pranayama, Meditation und Entspannung.“

Individuelle Entfaltung im Yoga Teacher Training

In ihren Ausbildungen – von der Atemtherapie 35h Weiterbildung und der Asana Expert*in 35h Weiterbildung über die 200h-Grundausbildung, bis zur 300h-Weiterbildung – legt Jeanette besonderen Wert darauf, dass jede*r Teilnehmer*in das eigene Potential entfalten kann. „Mein Highlight ist es immer wieder, wenn schlummernde Begabungen an die Oberfläche kommen. Wenn Auszubildende ihre berührende Stimme finden oder entdecken, wie sie mit ihren Händen Menschen tief berühren können.“ Dabei geht es ihr um weit mehr als nur das Erlernen von Unterrichtstechniken: „Eine gute Yogastunde zeigt einen Teil der Seele der Lehrenden, schafft Nähe und Akzeptanz. In den Ausbildungen hast du einen Raum zum Entdecken, Ausprobieren und Lachen – einen Raum, in dem wir einander sehen und wertschätzen.“

Für wen ist die Yoga-Ausbildung geeignet?

Für wen ist die Ausbildung geeignet? Ganz klar: für jede*n. „Es benötigt keinerlei Vorkenntnisse oder Voraussetzungen. Ich werde immer wieder gefragt, ob der Kopfstand eine Art Zulassungs-Asana ist – da muss ich schmunzeln. Natürlich braucht es den Kopfstand nicht! Es reicht, einfach so zu kommen, wie du bist.“ Ob du später unterrichten möchtest oder Yoga einfach tiefer in dein Leben integrieren willst – die Ausbildungen von Jeanette begleiten dich auf deinem Weg. „Wir machen einen Deep Dive ins Yoga: Wir tauchen in die Welt der Asanas, des Pranayama, der Meditation und Entspannung ein. Zusätzlich setzen wir uns mit der Anatomie und Biomechanik des Körpers auseinander und diskutieren über philosophische Themen und deren Anwendung in der heutigen Zeit.“

„Denke nicht so viel über Voraussetzungen nach oder ob du schon genügend Praxis hast, sondern komm ins Tun.“

Vertiefungsmodule: Dein individueller Ausbildungsweg

Neben der Grundausbildung bietet Jeanette mit ihrem Team auch zahlreiche Vertiefungsmodule an. „Die Teilnehmenden können sich ihre Aufbauausbildung so zusammenstellen, wie sie möchten.“ Besonders gefragt sind dabei Themen wie Asana-Vertiefung, Atemtherapie, Yin Yoga oder Personal Training & Coaching, aber auch Unterrichtskompetenzen stärken und vertiefende Yoga-Philosophie stehen auf dem Programm. Dabei ist es Jeanette besonders wichtig, dass jede*r genügend Zeit zum eigenen Unterrichten bekommt und qualifiziertes Feedback erhält. So wird aus Theorie gelebte Praxis.

Jeanette Luft Yoga Teacher Training
Jeanette Luft (2. v.l.) und ihr Ganesha Lounge-Team

Schwangerschafts- und Rückbildungsyoga – ein Herzensprojekt

Ein Thema, das ihr besonders am Herzen liegt, ist das Schwangerschafts- und Rückbildungsyoga. „Die erste Ausbildung, mit der wir 2018 starteten, war Pre- und Postnatales Yoga – einfach aus der Not heraus, weil wir für unsere eigenen Kurse keine geeigneten Lehrer*innen fanden.“ In den Kursen finden (werdende) Mamas nicht nur körperliche Unterstützung, sondern auch einen Raum für Austausch und Verbindung. „Diese Kurse sind bei uns im Studio mit Abstand die Lautesten und Lebhaftesten – es entstehen Freundschaften fürs Leben.“

Pranayama: Atemtechniken in Theorie und Praxis

Ein weiterer Schwerpunkt: Pranayama. In ihrer Atem-Weiterbildung verbindet Jeanette traditionelles Pranayama mit modernen Atemtherapie-Techniken. „Wir atmen uns auf ein neues Level“, sagt sie mit einem Lächeln. Neben fundierter Theorie steht dabei die eigene Praxis im Vordergrund – und die Fähigkeit, Atemtechniken gezielt im Unterricht zu vermitteln.

So startest du deine Yoga-Ausbildung in der Ganesha Yoga Lounge

Wenn du neugierig geworden bist, kannst du dich ganz einfach in unserer YogaWorld Academy informieren.

Webseite: ganesha-yogalounge.de
E-Mail: info@ganesha-yogalounge.de

Und für alle, die noch tiefer eintauchen wollen: Jeanette teilt ihre Erfahrungen auch im Podcast „Ganesha’s Yoga Happy Hour“ – ein inspirierender Einblick in die Welt des Yoga, ganz authentisch und herzlich.

Unter einem guten Mond: Die hinduistische Bedeutung des Mondzyklus

Mond-Praktiken

Der Mond zieht tagein, tagaus seine Kreise – und wir sind eingeladen, uns bewusst mit seinen beständigen Rhythmen zu verbinden. Rina Deshpande gewährt uns Einblick in die spirituellen Traditionen Indiens.

Text: Rina Deshpande / Titelbild: Volodymyr via Canva

Tagsüber schaut er uns unsichtbar über die Schulter, nachts bescheint er friedlich unsere schlafenden Körper – ein sanfter, riesiger Trabant und eine gänzlich unperfekte natürliche Sphäre aus Bergen, Tälern und Kratern: Chandra, der Mond. Seine geheimnisvolle Kraft und Schönheit fasziniert und leitet seit Jahrtausenden Menschen überall auf der Welt. Zwar feiern wir Weihnachten und Neujahr heute in unserer globalisierten Welt gemäß dem westlichen, an der Sonne orientierten gregorianischen Kalender und damit im Winter, doch im Hinduismus und vielen anderen östlichen Kulturen haben auch die Zyklen von lunaren Kalendern weiterhin Bestand – und hier liegen die großen, glückverheißenden Jahresfeste im Herbst, allen voran das hinduistische Lichterfest Divali (dieses Jahr in der Nacht vom 31. Oktober auf den 1. November).

Aber nicht nur zu solchen großen Festen, auch im Alltag lassen sich Hindus – und auch viele Yoga-Übende – von den Mondzyklen leiten. Sie richten ihre individuelle spirituelle Praxis ebenso an ihnen aus wie das Gemeinschaftsleben. Doch was genau ist ein Mondzyklus und was hat das mit einer spirituellen Praxis zu tun?

Der hinduistische Mondzyklus

Mondphasen
Foto: Naufal Fadhil / Getty Images via Canva

Ein vollständiger Zyklus aus Neumond, zunehmendem Mond, Vollmond und abnehmendem Mond umfasst 28 Tage. In Sanskrit nennen wir ihn Maasa. Genau wie das deutsche Wort „Monat“ und das englische „month“ stammt es vom indogermanischen Wort menōt (Mond, Mondwechsel, Monat) ab. Die meisten lunaren Kalender beginnen den Monat jeweils zum Neumond, Amavasya in Sanskrit. Er ist kaum sichtbar und steht am Beginn einer zweiwöchigen Phase, in der das Mondlicht beständig zunimmt. Wir nennen sie Shukla Paksha, die helle Seite. Am fünfzehnten Tag des Zyklus ist der Mond voll: Poornima. Indische Mädchen, die zum Vollmond geboren wurden, tragen häufig diesen Vornamen.

Die zweite vierzehntägige Hälfte des Zyklus, während derer der Mond wieder abnimmt, heißt Krishna Paksha. Diese Bezeichnung bezieht sich nicht, wie man meinen könnte, auf den Gott Krishna: Meine im Sanskrit sehr bewanderte Mutter sagte mir, dass es hier nicht um den Namen, sondern um das Wort krishna geht, das „dunkel“ bedeutet. Es ist also analog zur hellen Seite Shukla Paksha die dunkle Seite. Die Kraft des Mondes wird seit jeher in indigenen Traditionen anerkannt und gewürdigt. Die an wissenschaftlicher Beschreibung interessierte hinduistische Religion dokumentierte schon vor langer Zeit die Regelmäßigkeit der Mondphasen und ihren Einfluss auf die Umwelt. Eine Textstelle aus dem Vishnu Purana, einer heiligen Schrift des Hinduismus aus dem 1. Jahrtausend unserer Zeit, macht das deutlich:

Diese erstaunlich präzise Beschreibung der Anziehungskraft des Mondes auf die Wasserstände zeigt, wie genau die Menschen schon vor über 1000 Jahren seine Wirkung beobachteten – und es unterstreicht, warum wir auch heute Achtung vor seinem Einfluss haben sollten. Moderne Wissenschaftler*innen beschäftigen sich nicht nur mit den physikalischen Hintergründen der Gezeiten, sie diskutieren auch die uralte These vom Zusammenhang zwischen Mondphasen und weiblichen Zyklen, untersuchen seine Auswirkung auf die Produktion des Schlafhormons Melatonin und sogar auf das Verhalten von Tieren, etwa bei der Fortpflanzung von Fischen. Aber viele Menschen brauchen eigentlich etwas anderes als wissenschaftliche Evidenz: Es geht auch um Verbindung.

Spirituelle Mondpraktiken

Astrologischer Vollmondkalender
Foto: © Ruvim via Pexels

Sich mit dem Mond und seinen natürlichen Rhythmen zu verbinden, hat in Hinduismus und Yoga eine lange Tradition und kann sehr verschiedene Formen annehmen. In vielen spirituellen Praktiken wird Chandra, der Mond, als göttlich angesehen und manchmal sogar als eine Gottheit verehrt, von der wir nicht getrennt sind. Er gilt als Navagraha, einer der neun Planeten. Sein rhythmisches An- und Abschwellen schenkt uns Orientierung und kann uns helfen, eine gute Balance aus Zufuhr und Abfluss, Input und Output zu finden – nicht nur im Ayurveda wird das als Schlüssel zu einem langen, gesunden Leben gesehen. Dabei ist die dem Mond entgegengebrachte Verehrung weder in ganz Indien, noch von Mensch zu Mensch dieselbe oder auch nur eine ähnliche, ganz im Gegenteil: Es gibt unzählige Rituale, Traditionen und persönliche Praktiken. Im Folgenden findest du einige Beispiele, die dich vielleicht für deine persönliche Praxis inspirieren.

Info Box

In Hinduismus und Yoga gibt es zahllose Möglichkeiten, dich mit dem Mond zu verbinden und von seinen Rhythmen leiten zu lassen. Hier einige Beispiele:

Vratham (Fasten)
Der elfte Tag sowohl des zunehmenden als auch des abnehmenden Mondes wird im Hinduismus als Ekadashi bezeichnet (eka = eins, dashi = zehn, zusammen: elf). Er gilt als Tag der Reinigung, an dem man traditionell fastet: Man verzichtet ganz oder teilweise auf Eiweiß und Kohlenhydrate, um dem Körper – und damit auch dem Geist – eine Pause zu gönnen. Vaishnaviten, die Anhänger des Gottes Vishnu, trinken an diesen Tagen ausschließlich Wasser und Milch und essen etwas Obst. Die Aufmerksamkeit soll weg von allem Materiellen und hin zum Göttlichen (Ishvara) gelenkt werden: Man meidet jede Art von Konsum und wird wohltätig. Vaishnaviten opfern oder verzehren auch Tulsi,
eine als heilig geltende indische Heilpflanze.

Mantra
Laut der hinduistischen Schrift Bhagavata Purana widmete Krishna
dem Göttervater Vishnu ein Mantra, um Körper und Geist zu klären und im
Gleichgewicht zu halten und der Befreiung (Moksha) näher zu kommen.
Vielleicht möchtest du es zu Ekadashi rezitieren, während du dich mit einem Bad
auf das Fasten vorbereitest:
Om Namo Bhagavate Vāsudevāya
(Ich verneige mich vor dem höchsten Gott.)

Chandra Namaskar (Mondgruß)
Es gibt viele verschiedene Versionen dieser, im Gegensatz zu dem energetisierenden Sonnengruß kühlenden, entspannenden Bewegungsabfolge.
Beginne in der Berghaltung und verschränke die Daumen,
wenn du einatmend die Arme hebst
und den Körper halbmondförmig in eine sanfte Rückbeuge bewegst.
Vermeide im weiteren Ablauf Chaturanga und Übergänge im Sprung.
Bewege dich stattdessen langsam, richte die Aufmerksamkeit
nach innen und atme ruhig.
Beobachte, wie sich das im Vergleich zum Sonnengruß (Surya Namaskar) anfühlt.

Ardha Chandrasana (Halbmond-Haltung)
Eingebettet in einen Mondgruß oder auch als einzelne Asana geübt, empfiehlt sich der Halbmond natürlich ganz besonders in Verbindung zum halben
zu- oder abnehmenden Himmelsmond.
Die Haltung ist eine schöne Möglichkeit, dir ein Gefühl von Verbundenheit und innerer Ausrichtung zu geben und Halt in angstvollen Zeiten.

Quelle: The Art of living

Als ich kürzlich spätabends auf dem Pacific Coast Highway in Kalifornien entlang fuhr, machte mein Herz beim Blick aus dem Autofenster auf einmal einen Satz: Ein voller Mond erhob sich in all seiner Pracht hinter einer Bergkuppe. Ist es nicht atemberaubend, sich vorzustellen, dass Chandra schon seit 4 Milliarden Jahren um unsere Erde und all ihre Wesen kreist, so beständig und liebevoll? Ganz egal, ob du ihm mit einem Mantra die Ehre erweist, in deiner Asana-Praxis würdigst oder eine Fastenzeit an seinen Rhythmen ausrichtest: Unter der wunderschönen Präsenz des Mondes darfst du dich geschützt und geleitet fühlen.


Rina Deshpande lehrt, erforscht und schreibt seit über 15 Jahren über Yoga und Achtsamkeit. Ihre Artikel erschienen bei uns, Huffington Post, Self Magazine und vielen anderen. Außerdem hat sie 2022 ein Kinderbuch verfasst und selbst illustriert: „Yoga Nidra Lullaby„. Erfahre mehr über Rina und besuche sie auf ihrer Website oder ihrem Instagram-Account @rinathepoet.

Yoga & Naturschutz – eine kraftvolle Verbindung

Yoga für Artenvielfalt WWF

Schmetterling, Kobra, Delfin – viele Yoga-Posen sind von der Natur inspiriert. Doch während wir uns auf der Matte stärken, geht Tierarten, nach denen unsere Asanas benannt sind, die Puste aus. Ihre Existenz bedrohen Umweltzerstörung, Klimawandel und Lebensraumverlust. Doch wir können etwas tun! //anzeige

Mit „Yoga für Artenvielfalt“ trägt deine Yoga-Praxis zum Naturschutz bei. Am 22. Mai 2025, dem Internationalen Tag der biologischen Vielfalt, lädt dich der WWF ein, mit einer besonderen Charity-Yogastunde aktiv zu werden. Ob du selbst auf der Matte stehst oder eine eigene Stunde organisierst – jede Mitwirkung hilft, bedrohte Arten zu schützen!

Nun wirst du dich fragen: Wie geht das?

Wie deine Spende die Natur schützt

Jede noch so kleine Bewegung hat Effekt – auf der Matte wie überhaupt auf unserem Planeten. So wie deine Teilnahme am „Yoga für Artenvielfalt“. Damit unterstützt du wichtige WWF-Projekte, die bedrohte Arten und deren Lebensräume schützen.

  • Rettung bedrohter Arten: Von majestätischen Tigern bis zu zarten Schmetterlingen – der WWF setzt sich weltweit für ihre Zukunft ein.
  • Schutz wertvoller Lebensräume: Wälder, Meere und Moore sind nicht nur Heimat unzähliger Arten. Sie sind auch unentbehrlich für unser aller Klima.
  • Nachhaltige Lösungen für Mensch und Natur: Der WWF arbeitet mit lokalen Gemeinden zusammen. Das hilft langfristig – und auch den Menschen vor Ort.

Jede Spende bringt uns diesem Ziel näher. Und das Beste: Dein Yoga-Flow kann direkt zur Rettung von Artenvielfalt beitragen!

Die „Yoga für Artenvielfalt“-Klasse: das Besondere an der Aktion

Diese Yogastunde ist anders. Sie ist eine durchdachte Verbindung von Bewegung, Achtsamkeit und Naturschutz. In der „Yoga für Artenvielfalt“-Klasse erwartet dich …

  • eine einzigartige naturverbundene Praxis
    Lass dich von der Natur inspirieren! Fließe durch Asanas, die nach Tierarten benannt sind, und spüre die Verbundenheit mit diesen Lebewesen.
  • erfahrene Yogalehrenden
    Es begleiten dich engagierte Lehrende, die mit besonderen Sequenzen die Werte von Achtsamkeit und Nachhaltigkeit vermitteln.
  • Yoga mit Wirkung
    Mit deiner Teilnahme setzt du ein Zeichen zum Schutz der Artenvielfalt. Du unterstützt WWF-Projekte zur Bewahrung bedrohter Tiere und Lebensräume – weltweit.

Ob du schon lange Yoga praktizierst oder ganz neu dabei bist – diese Klasse ist für alle, die sich bewegen und gleichzeitig etwas bewegen möchten.

Und das Beste: mitmachen ist ganz einfach!

So kannst du mitmachen: Yoga praktizieren und selbst aktiv werden

Mitmachen ist so einfach wie tiefes Einatmen. Entscheide du, wie du „Yoga für Artenvielfalt“ praktizieren möchtest.

OPTION 1: Finde eine Yogastunde in deiner Nähe oder praktiziere online

Überall in Deutschland laden Yoga-Lehrende und außergewöhnliche Locations zum „Yoga für Artenvielfalt“ ein. Etwa das Nationalparkzentrum auf Rügen oder der Allwetterzoo Münster. Ob unter freiem Himmel, in inspirierenden Räumen oder inmitten der Natur – erlebe Yoga an einem besonderen Ort und setze zugleich ein Zeichen für den Artenschutz.

Auf unserer interaktiven Karte findest du alle aktuellen Angebote. Und das Beste: Täglich kommen neue Aktionen hinzu! Die Karte wird regelmäßig aktualisiert, sodass es immer einfacher wird, Teil dieser Bewegung zu werden.

Finde jetzt deine Yogastunde: wwf.de/yoga-erleben

Du möchtest lieber zu Hause praktizieren? Auch das geht! Das kostenlose Online-Yoga mit Annika Isterling macht es möglich, jederzeit und überall teilzunehmen. Die inspirierende Klasse steht dir 24/7 zur Verfügung, ganz flexibel und im eigenen Tempo.

OPTION 2: Veranstalte deine eigene Charity-Yogastunde
Verwandle dein Yoga-Studio, deinen Lieblingspark oder dein Wohnzimmer in eine Bühne für den Naturschutz! Organisiere rund um den 22. Mai 2025 deine eigene Charity-Yogastunde. Lade Freund*innen, Schüler*innen oder Kolleg*innen ein, und sammle Spenden zum Schutz bedrohter Arten. Der WWF stellt dir dafür ein praktisches Aktionspaket mit Tipps und Materialien zur Verfügung.

Werde Teil der Aktion, und melde deine Yogastunde hier an: wwf.de/yogaklasse

Egal, wie du mitmachst – jede Teilnahme zählt!

Setze gemeinsam mit der Yoga-Community ein starkes Zeichen für die Artenvielfalt, und werde Teil einer Bewegung, die Achtsamkeit über die Matte hinaus in die Welt trägt. Namasté. Alle Infos & Anmeldung: wwf.de/yoga

Leicht von der Leber weg – Wie wir die Lebensenergie im Fluss halten

Leber - Ernährung
Foto:

Leber und Galle sind das Königspaar für Entgiftung und Fettverbrennung. Ihr Funktionszyklus ist aus Sicht der TCM sinnbildlich für den Fluss der Lebensenergie, des Qi. Hier erfährst du, wie du die empfindliche Harmonie dieser wertvollen Organe erhalten und ganzheitlich im Fluss bleiben kannst – auch mit Yoga.

Text: Andrea Goffart / Titelbild: Foxys_forest_manufacture / Getty Images Pro via Canva

Leber und Leben – nur ein einziger, winziger Strich fehlt und es wäre dasselbe Wort. Die mittelalterliche Gelehrte Hildegard von Bingen sah – genau wie viele Heilkundige seit der Antike – da durchaus einen Zusammenhang. Für sie war die Leber „Sitz des Lebens“. In ihrer Lehre der vier Körpersäfte nimmt unser größtes (und mit bis zu zwei Kilo schwerstes) Organ daher eine zentrale Rolle ein: Hier entspringt nach Hildegards Vorstellung nicht nur unsere Lebenskraft, hier brennen auch unsere stärksten Gefühle, etwa Zorn und Begierde. Heute können wir die zentrale Bedeutung der Leber auch schulmedizinisch begründen: Als Zentralorgan des Stoffwechsels kommen ihr essenzielle Aufgaben zu, die unseren gesamten Organismus im Fluss halten – meistens …

Funktionskreis Leber und Galle – Die Fakten

Die Leber reinigt täglich rund 2000 Liter Blut und produziert bis zu 1 Liter Gallenflüssigkeit.
Diese für Fettverdauung und Cholesterinspiegel entscheidende Flüssigkeit
(umgangssprachlich: Galle) wird in der Gallenblase gespeichert und eingedickt.
Die Gallenfunktion ist tagaktiv, die Leber arbeitet nachts.
Die Leber liegt auf der rechten Körperseite und ist mit der Unterseite des Zwerchfells
verwachsen. Sie verschiebt sich daher bei jedem Einatmen nach
unten und kann bei tiefer Einatmung unter
dem rechten Rippenbogen getastet werden.
Die sehr viel kleinere Gallenblase liegt direkt unterhalb der Leber.

Ein perfekter Kreislauf

Leber
Foto: Hank Grebe / Getty Images Pro via Canva

Dafür, dass die Leber so viel Raum einnimmt, führt sie ein ziemliches Schattendasein. Einer der Gründe: Sie hat keine Schmerzrezeptoren.

Manchmal genügt allerdings schon die kleinste Gemütsbewegung, um uns aus dem Gleichgewicht zu bringen. Es reicht, wenn uns eine „Laus über die Leber läuft“ – und schon „geht uns die Galle über“. Die Redewendungen rund um Leber und Galle sind zahlreich und zeigen: Ähnlich wie unsere Gefühlswelt muss auch die Leber mit allem klarkommen, was wir ihr bieten. Sie macht das Beste daraus und gibt es unserem Körper dann wieder zurück. Als Stoffwechselzentrale ist die Leber Teil unseres Immunsystems, sie überprüft und filtert fortwährend das Blut, über das ihr der Darm die Inhaltsstoffe unserer Nahrungs- (und Medikamenten-) Aufnahme zur Verfügung stellt. Für diese Aufgaben benötigt sie selbst eine Menge Treibstoff – sogar mehr als das Gehirn – und sie setzt diese Energie mannigfaltig ein: Sie scheidet Giftstoffe aus, reinigt, verwertet und versorgt unseren Körper mit essenziellen Nährstoffen: Zucker, Eiweiße, Blutgerinnungsfaktoren, Antikörper und Cholesterin.

Außerdem beeinflusst die Leberfunktion unseren Hormonhaushalt. Inhaltsstoffe, die aktuell vom Körper nicht benötigt werden, speichert sie so lange, bis eine Bedarfsmeldung kommt – Hirn an Leber: Ich brauche Zucker, ich muss denken. Und was die Leber nicht verwenden kann, entsorgt sie über die Nieren oder verpackt es in Gallenflüssigkeit (bis zu einemLiter pro Tag), die unserem Darm dann zur Fettverdauung über das Speicherorgan Gallenblase zur Verfügung gestellt wird. So entsteht ein perfekter, ganzheitlicher Kreislauf.

Stehaufmännchen

Körperliche Gesundheit, geistige Balance und seelische Ruhe – alle drei basieren auf unserer Fähigkeit, diesen Zyklus dabei zu unterstützen, sich um Reinigung und Lebendigkeit zu kümmern und den Organismus mit allem zu versorgen, was gerade benötigt wird. Funktioniert der Kreislauf reibungslos, leert die Leber ihre Speicher immer wieder aus – sie reinigt sich selbst. Sogar einseitige Ernährung, Umweltgifte, Medikamente, Alkohol – die Leber wird mit all dem ziemlich gut und ziemlich lange fertig.

Ihre enorme Regenerationsfähigkeit ist Geschichte – bereits in der griechischen Mythologie hackt ein Adler dem unsterblichen Prometheus jeden Tag einen Teil der Leber heraus – der bereits am nächsten Tag wieder nachgewachsen ist. Erstaunlicherweise funktioniert dieser Mythos tatsächlich bis zu einem gewissen Grad, was sich die moderne Transplantationsmedizin zu Nutze macht. Die Leber wächst – nicht nur an ihren Aufgaben – und erneuert sich bis zum hohen Alter gut und schnell. So pendeln sich sogar eine beginnende Fettleber oder erhöhte Cholesterinwerte mit der dauerhaften Entlastung der Leber durch eine nachhaltige Umstellung der Lebensgewohnheiten wieder ein. Sie fungiert damit sinnbildlich für die immense Stehaufmännchen-Qualität unseres Seins – wenn es im Gleichgewicht ist, in der Balance. Daher mehren sich in Schulmedizin und Naturheilkunde die Stimmen, die von den trendigen, rein punktuellen (und manchmal ziemlich rabiaten) Detoxkuren abraten. Viel eher können wir durch eine insgesamt ausgeglichene, harmonische Lebensweise und Ernährung dafür Sorge tragen, dass die Leber ihren Job machen kann. Unser Beitrag zur Gesundheit von Leber und Galle läge dann nicht mehr im Tun, sondern im Lassen.

Auch nach den Prinzipien der Traditionellen Chinesischen Medizin (TCM) bedeutet Lebergesundheit ein kontinuierliches Fließen. Dieser Lehre zufolge ist es unsere Lebensenergie, das Qi, das durch die Leber gesteuert wird. Daher gilt in der TCM die Leberaktivität – in enger Anbindung an die Verdauung – als einer der zentralen Körperkreisläufe. Gemäß des ganzheitlichen Prinzips von „Wie außen so innen“ sagt die TCM, dass wir der Seele viel Aufmerksamkeit schenken sollten, wenn die Leberenergie gestaut ist. Ist sie in Harmonie, ist auch der Mensch im Fluss, ist geduldig und gütig – hingebungsvoll.

Die Kraft des Yoga

Leber - Yin Yoga
Foto: DanielBendjy / Getty Images Signature via Canva

Die Autorin und Yogalehrerin Tina von Jakubowski verbindet seit vielen Jahren Yoga und TCM zu einem ganzheitlichen Ansatz und rät dazu, bewusste Impulse zu setzen – allerdings Impulse der Leichtigkeit, nicht der Anstrengung: „In der TCM ist der Funktionskreislauf von Leber und Galle dem Element Holz und dem Frühling zugeordnet – der Zeit des Aufblühens. Es ist eine gute Zeit, Neues zu beginnen und Dinge bewusst loszulassen – auch eine Zeit Pläne zu schmieden und ins Tun zu kommen“.

Wie immer in ganzheitlichen Systemen sollten wir allerdings genau hinschauen und typgerecht agieren: „Gerade Menschen mit einer Neigung zum Strukturieren, Planen und Anpacken dürfen da aufpassen, dass ihre Energie nicht in Stress umschlägt. Was ihre Leber jetzt braucht, sind Leichtigkeit und Freude“, bekräftigt Tina und erklärt, dass wir unserer Leber öfter mal Nicht-Tun gönnen dürfen. Tina bildet seit vielen Jahren Yogalehrer*innen aus und ist sich sicher, dass wir durch gezielte Asanas eine Kräftigung von Verdauung und Blutfluss erreichen, den Lebermeridian aktivieren und damit auch viel für die Frauengesundheit tun können.

Dabei muss es nicht unbedingt Yin-Yoga sein, auch wenn das durch Paul und Suzee Grilley eng mit dem System der TCM und dem Wissen um die Körpermeridiane verbunden wurde. Auch kraftvolle Vinyasa-Sequenzen eignen sich gut, um die aktivierenden Eigenschaften des Yoga für den Leber-Galle-Zyklus zu nutzen und den harmonischen Fluss der Lebensenergie zu gewährleisten. „Wir sind Gärtner, keine Mechaniker“, sagt Tina und betont, dass alle Methoden zur Gesunderhaltung immer das Gegenteil von „radikal“ sind – es darf sanft sein, es darf Spaß machen. „Manchmal reicht es schon, gar nicht angestrengt zu schauen, was man isst, sondern wie man isst – sich Zeit nehmen, kauen, schmecken, so kommt unser Leberfluss in Balance.“

Nehmen und geben in Harmonie

Als Nehmende und Gebende, als wesentliche Verteilstation ist unsere Leber unermüdlich damit beschäftigt, uns in Balance zu halten, Schädliches zu eliminieren und Nahrhaftes zur Verfügung zu stellen. Ihre Aufgabe wird durch einen Lebensstil, dem viele von uns sich aktuell angepasst haben, nicht einfacher.

Tatsächlich leidet die Leber auch besonders am allgegenwärtigen Überfluss – sie muss sinnbildlich alles schlucken, was wir konsumieren und eine permanente Flut von Nahrung, Information oder Ablenkung verkraften. Ein Zuviel an Tun und Zuwenig an Sein bringt unsere Leber immer öfter an die Grenzen dessen, was sie verarbeiten kann. Leber- und Gallenbeschwerden nehmen in unserer Gesellschaft kontinuierlich zu. „Vor allem Kalorien und Toxine im Übermaß bringen die Leber an den Rand ihrer Belastbarkeit und sorgen für eine massiv erhöhte Fetteinlagerung in ihrem Gewebe“, erklärt Dr. Volker Schmiedel, der fast 20 Jahre lang die Innere Abteilung der Habichtswaldklinik in Kassel leitete. Die sogenannte Fettleber beträfe mittlerweile etwa ein Drittel der Bevölkerung in westlichen Ländern, sagt der Mediziner und Autor des Buchs „Gesunde Leber und Galle“ (Goldmann, 2021).

Leider bleiben Lebererkrankungen oft unbemerkt, denn das Organ hat keine Schmerzrezeptoren. „Die Müdigkeit ist der Schmerz der Leber“, heißt es. Ein wichtiger Indikator, doch wo ist die Grenze, wieviel Erschöpfung ist „normal“ in dem Hochgeschwindigkeitsleben, dem wir ausgesetzt sind? Viele ignorieren die Müdigkeit, trinken Kaffee und machen weiter. Da können uns ganze Prozessionen von Läusen über die Leber laufen, bis wir es bemerken und unser wichtigstes Stoffwechselorgan vor der Überlastung retten. Wobei Kaffee tatsächlich eine gute Idee sein kann, wie Volker Schmiedel betont: Bis zu drei Tassen täglich fördern gemäß neuerer Studien die Lebergesundheit, vermutlich aufgrund der in ihm enthaltenen Bitterstoffe.

Welche Ernährung die Leber unterstützt

Leber - Löwenzahn
Foto: Madeleine_Steinbach / Getty Images via Canva

Mit seinen Bitterstoffen ist Löwenzahn ein Multitalent für die Leber. Blätter und Blüten machen sich super im Salat, auch die Wurzel kann man verwenden. Für einen Leber-Tee brühst du getrocknete Wurzeln und Blätter mit heißem Wasser auf.

Was können wir sonst tun, um den Funktionszyklus von Leber und Galle in Schwung zu halten? Dr. Schmiedel sagt: „Gerade zum Gesunderhalt oder im Anfangsstadium von Störungen können wir sehr gut mit natürlichen Heilmitteln helfen. Der Leberwickel, drei- bis siebenmal pro Woche zur selben Uhrzeit durchgeführt, bringt nicht nur Struktur in den Tag, sondern auch mehr Blut in die Leber. Das sollte bei keiner Lebertherapie fehlen, es sei denn bei akuten Entzündungen. Auch Omega-3-Säure und Bitterstoffe schützen die Leber und begleiten die Regeneration bei bereits gegebenen Schäden.“

Aus Sicht des TCM, sagt Tina, sind es die Heilkräfte der Ernährung, die unterstützen, vor allem die Qualitäten bitter, sauer und grün. Gerade bitteres Essen ist für viele Menschen erst einmal eine Überwindung, aber Bitterstoffe regen die Speichelproduktion an, sorgen für genügend Magensäure und einen guten Gallenfluss, was dem Körper die Fettverdauung erleichtert. Angenehmer Nebeneffekt: Regelmäßiger Verzehr bitterer Lebensmittel wie Löwenzahn, Endivien, Chicorée, Radicchio, Salbei & Co. mindert den Heißhunger auf Süßes. Bei der Ernährung sind sich Naturmediziner und TCM-Kennerin einig: Der Körper benötigt hochwertige und frische Nahrung und vor allem benötigt er Pausen, in denen er diese verwerten kann. Speziell abends sollten wir im Hinblick auf unsere Lebergesundheit öfter mal weniger mehr sein lassen.

Lebergesundheit-Ernährungstipps

Bitter, sauer und grün – das mag die Leber. Sprich: fermentierte Lebensmittel, grüne Tees, Gemüse wie Brokkoli oder Chicorée.

Eisenhaltige Lebensmittel wie Rote Bete, Quinoa oder Spinat verbessern die Blutqualität und wirken so auf die Lebergesundheit.

Viel Flüssigkeit? Muss nicht sein, heißt es neuerdings immer öfter. 1–1,5 Liter klares Wasser reichen. Und einfach trinken, wenn wir Durst haben, das ist ein gutes Maß.

Und noch etwas: Seufzen entspannt die Leber, heißt es – Ach, ja. Das tut gut!

Da die Leber zwischen 1 und 3 Uhr nachts auf Hochtouren arbeitet, darf das Abendessen früh und leicht sein, denn für ihre Arbeit benötigt die Leber Ruhe, die Verdauung sollte dann pausieren. Tut sie das nicht, weil wir zu wenig schlafen oder zu spät essen, stören wir die Arbeits- und Ruhezeiten unserer zentralen Stoffwechselstelle empfindlich, denn sie ist laut TCM das Körperorgan mit der stärksten Taktung: Ihre Uhr ist zuverlässig und lässt sich nicht umstellen. Zart, zuverlässig und unbeugsam tut sie ihre Arbeit und für uns hat sie mit diesem unbeeinflussbaren Wirken eine klare Botschaft: Stell dich nicht dagegen – fließ einfach mit.


Autorin Andrea Goffart

Andrea Goffart beschäftigt sich aufgrund einer Autoimmunerkrankung intensiv mit Heil- und Ernährungswissen. Für diesen Beitrag hat sie kluge Menschen befragt, die sich beruflich mit dem Thema befassen. Allerdings betont sie gerne und oft: Die besten Expert*innen für unseren Körper sind wir selbst.

Auch Ruhephasen sind für unsere Gesundheit wichtig. Auch damit hat sich Andrea Goffart schon beschäftigt:

Psychologisches Yoga-Coaching: So hebst du deine Praxis auf ein neues Level

PSychologisches YogaCoaching

Haben wir den Kontakt zu uns verloren, das Spüren, die Selbstfürsorge? Yoga bietet viele Möglichkeiten, diese Entwicklung aufzuhalten. Wie wir genau das mit psychologischen Tools und Techniken noch verstärken und ausbauen können, verraten euch Sandra und Michael Walkenhorst, die mit Leichtigkeit, einer Prise Humor und vor allem einem immens großen Erfahrungsschatz Yogi*nis in Psychologischem Yoga-Coaching, kurz PsYoCo®, unterrichten.

Ich weiß nicht, wie es euch geht, aber in Sachen Teacher Training, Coachings oder Ausbildungen zählt – neben guten Inhalten natürlich – vor allem die Person, der Mensch, der da vor mir steht.  In diesem Fall sind es sogar ZWEI ganz wunderbare Menschen: Sandra und Michael Walkenhorst.

Sandra und Michael haben sich bei der Arbeit kennengelernt: „… in einer Wohngruppe für Menschen mit geistiger Behinderung. Als wir beide begannen, unsere Ausbildungen zu erweitern – Michael im Bereich der Psychologie, ich im Yoga – trafen wir uns immer abends zum Austausch und dachten zu Anfang, wir würden rege Diskussionen hierüber führen. Doch das Gegenteil war der Fall. Wir durften feststellen, welch große Gemeinsamkeiten wir in unseren jeweiligen Bereichen haben“, erzählt Sandra. Das Austausch-Ritual haben sie beibehalten, es mittlerweile aber auf den Morgen verschoben: „Wir beginnen unseren Tag immer gemeinsam bei einem Espresso.“ Hier entspringen die meisten ihrer kreativen Ideen für ihre Bücher, Aus- und Weiterbildungen oder eben auch zu PsYoCo®, dem Psychologischen Yoga-Coaching, das so im Moment einzigartig ist. Warum? Das liegt unter anderem am Background und der Erfahrung der beiden:

„Michael ist Erzieher, Psychologischer Berater, Coach und Supervisor mit einer Vielzahl an Aus- und Weiterbildungen im psychologischen Bereich,“ erzählt Sandra. „Er arbeitet seit über 40 Jahren mit Menschen unterschiedlichen Alters in verschiedensten Settings. Angefangen in KiTa und Hort, über den Behindertenbereich bis hin zu seiner heutigen Leitungsposition für einen Träger im Bereich Teambuilding und Supervision an Grund- und weiterführenden Schulen. Zudem ist er seit mehr als zehn Jahren selbständig in eigener Praxis als Psychologischer Berater und Coach und in der Aus- und Weiterbildung diverser psychologischer Tools und Techniken deutschlandweit unterwegs. Seine Besonderheit ist sicherlich, neben seiner großen praktischen Erfahrung, sein einzigartiger schulübergreifender Ansatz.“

Wow, okay, da kommt einiges an eigener Erfahrung, an Selbsterfahrung, zusammen. Und genau das ist es auch, was den Unterricht bei Sandra und Michael auszeichnet: „Uns ist die Selbsterfahrung ein großes Anliegen. Denn es macht einen Unterschied, ob du selbst etwas erfahren, erlebt und als stimmig erkannt hast oder ob du nur etwas repetierst. Die eigene Praxis ist unglaublich wichtig und so wird sich automatisch das eigene Leben und auch das Arbeiten verändern.

Diesen reichen Schatz an selbst er- und gelebter Erfahrung bringt auch Sandra mit: Die Dipl.-Sozialpädagogin und Yogalehrerin kann eine Vielzahl an Aus- und Weiterbildungen, sowohl im pädagogischen Bereich, u.a. in Traumapädagogik, Kommunikation, Psychomotorik und Coaching vorweisen. Im Bereich Yoga hat sie neben einer 500h-Ausbildung auch Ausbildungen im Bereich Kinderyoga, Yin Yoga, Thai Yoga, Hormonyoga und Yoga Nidra, sowie viele Weiterbildungen zu unterschiedlichen Themen besucht. Selbst ist sie auf dem Yogaweg seit mehr als 25 Jahren, selbständig seit 14 Jahren. Ihr Hauptaugenmerk liegt seit 30 Jahren in der Begleitung und Stärkung von Kindern und Jugendlichen, sowohl in ihrem Beruf als Pädagogin, in dem sie 21 Jahre als Lehrerin an einer Schule mit Förderschwerpunkt geistiger Entwicklung arbeitete, als auch mittlerweile mit einer kleinen Stelle bei einem Träger der Jugendhilfe als Teamleitung für Schulbegleitung/Teilhabeassistenz. Zudem ist sie mit ihren eigenen Aus- und Weiterbildungen deutschlandweit unterwegs und geht ihrer Leidenschaft zu schreiben nach, indem sie mittlerweile fünf Fachbücher veröffentlicht hat.

Privat und beruflich ein Team: Michael und Sandra Walkenhorst

Bleibt da noch Zeit für Achtsamkeit uns Selbstfürsorge? Unbedingt! Vor allem, wenn das Ehepaar Zeit auf Mallorca, ihrer zweiten Heimat, verbringen und sich bei langen Strandspaziergängen austauschen. Das geben sie auch an ihre Schüler*innen weiter: „Ein wichtiger Teil in unserer Ausbildung ist auch die Abgrenzung und Selbstfürsorge. Nur wenn du bei dir bleiben kannst und auch für dich sorgst, kannst du Menschen hilfreich unterstützen. Das bedeutet, es wird sich natürlich in unseren Alltag integrieren, denn das, was wir auf der Matte üben, ist das Lernen fürs Leben, nur ist dieser Transfer für manche Menschen nicht so ganz einfach.“

Authentisch sein – das können die beiden vor allem aufgrund ihrer jahrzehntelangen Berufserfahrung in unterschiedlichen Bereichen von Pädagogik und Begleitung: „Wir haben vieles erlebt und ebenso viel auch bearbeitet. Das bietet uns die Möglichkeit, sehr individuell auf Menschen einzugehen und auch Theorie leichtverständlich ins praktische Tun zu bringen. Wir sind nicht nur theoretisch sehr umfangreich ausgebildet, sondern weiterhin auch in der Praxis tätig und haben so nie den Kontakt zur realen Welt verloren, bzw. wissen, welche Themen gerade aktuell sind.“

Die tägliche Arbeit mit und am Menschen und ihr Wissen in den Bereichen Psychologie, Coaching und Yoga führte zu etwas völlig Neuem: „Als wir 2018 PsYoCo® erdachten, gab es in diesem Bereich nicht wirklich viel. Unser Buch „Yoga trifft Coaching“ war und ist das erste und einzige auf dem Markt, dass diesen schulenübergreifenden Ansatz von Beratung und Coaching mit Yoga verbindet. Unsere Verbindung in dieser Fülle und Komplexität ist sicherlich besonders und wir entwickeln uns und somit auch unsere Ausbildungen auch stetig weiter.“

Was die beiden dabei antreibt ist ihre nicht enden wollende Neugierde und die Liebe zu den Menschen: „Wir mögen es beide, Menschen in ihrer Einzigartigkeit kennenzulernen, sie zu begleiten und zu stärken. Wir haben schon so einiges erlebt, haben Menschen begleitet mit besonders herausfordernden Verhaltensweisen und haben so auch sehr viel über und mit uns selbst gelernt. Getragen hat uns in schwierigen Situationen, dass wir beide wussten, worüber wir reden und wir uns gegenseitig gestärkt haben. Wir haben aber auch viel Freudvolles erlebt und lustige Momente gehabt. Die Arbeit mit Menschen ist immer wieder neu, denn jede*r ist einzigartig. So ist uns bewusst, dass wir auch immer Schüler und Schülerin sind und das ist wunderbar.“

Woran erkenne ich einen guten Coach?

Die Bezeichnungen des Yogalehrers bzw. der Yogalehrerin und des Coaches sind keine geschützten Berufsbezeichnungen und gerade der Begriff des Coaches wird mittlerweile sehr inflationär benutzt. Kein Wunder, dass es nicht leicht ist, sich auf diesem großen Markt zurecht zu finden und zu verstehen, wer einen fundierten Hintergrund und entsprechende Ausbildung, sowie Berufserfahrung hat. „Deshalb lohnt es sich, auch die Vita der Ausbilder*innen anzusehen und die Frage zu stellen, über wieviel eigene Praxis sie verfügen. Gerade in den sozialen Medien wird viel postuliert und jeder kann sich schnell selbst zum Experten oder zur Expertin ernennen. Da macht es Sinn, genau hinzuschauen und auch nachzufragen,“ erklärt Sandra. Deshalb ist es den beiden auch ein Anliegen, für ihre Schüler*innen immer ansprechbar zu sein. Sie beantworten gerne Fragen, egal ob am Telefon oder auch per Zoom, damit man sich erstmal kennenlernen und ein Gefühl für sie und ihre Art der Arbeit bekommen kann. Das gilt auch für die PsYoCo®-Ausbildung die im Mai 2024 in die nächste Runde geht.


Du hast Fragen zur PsYoCo®-Ausbildung?


Und auch uns haben Sandra und Michael ein paar Fragen beantwortet:

Wie seid ihr auf die Idee gekommen, Yoga und Coaching miteinander zu verbinden und was genau kann man sich unter Yoga-Coaching vorstellen?

Das ist eine schöne Frage, denn das war tatsächlich ein spannender Prozess. Was man sich unter Yoga-Coaching vorstellen kann, ist zugleich simpel und doch unglaublich breit gefächert. Wir führen tatsächlich „altes“ und „neues“ Wissen zusammen und das Ganze mit theoretischem Fachwissen, das wir dann auch praktisch umsetzen. Wichtig ist uns die Selbsterfahrung, denn wir sind der Überzeugung, dass wir das am besten weitergeben und unterrichten können, was wir für uns selbst als wirksam erlebt haben. Im Yoga wollen wir Geist und Körper wieder zusammenbringen (die ja faktisch nicht getrennt sind, aber häufig in unserer Wahrnehmung) und da macht es unglaublich viel Sinn, Tools und Techniken aus der heutigen psychologischen Sicht der Psychologischen Beratung und Coaching mit dem alten Wissen des Yoga zu vereinen und so wirklich holistisch zu unterrichten und Menschen zu begleiten.

Dann ist es also auch für Yogi*nis von Vorteil diese Tools in ihre Praxis zu integrieren …

Ja, die Vorteile sind sehr reichhaltig und wahrscheinlich heute tatsächlich von größerer Bedeutung. Denn unsere Welt ist schnell geworden und Leistung steht meist im Vordergrund. Oftmals haben wir den Kontakt zu uns verloren, das Spüren, die Selbstfürsorge. Yoga bietet hier schon unglaublich viele Möglichkeiten, die wir zudem mit den Möglichkeiten der Psychologischen Tools und Techniken noch verstärken und bereichern können. Als Yogalehrerin habe ich die Erfahrung gemacht, dass Menschen früher häufig mit körperlichen Themen in die Kurse kamen. Das hat sich in den letzten Jahren verstärkt ergänzt durch Menschen, die Stress-Symptomatiken verschiedenster Art mitbringen. Wir sind als Yogalehrende keine Therapeut*innen (es sei denn, du bist Arzt/Ärztin oder Heilpraktiker*in) und doch macht ein Grundwissen in diesen Bereichen sehr viel Sinn. So wie wir als Yogalehrende (hoffentlich) gut geschult sind in Anatomie, so sollten wir auch über ein fundiertes Wissen über den Geist und die Entwicklung des Menschen verfügen. Denn trennen wir sonst nicht wieder die Systeme auf? Das ist, was wir mit PsYoCo® tun: den Menschen als Ganzes betrachten und begleiten!

Für wen ist eure Ausbildung geeignet?

Unsere Ausbildung ist geeignet für Yogalehrer*innen mit einer Ausbildungserfahrung über mindestens 200h, die Lust haben, sich weiterzuentwickeln, auch persönlich, denn das ist ein wichtiger Teil unserer Ausbildung: die Stärkung und das Entdecken der eigenen (Lehr-)Persönlichkeit. Also Neugierde auf Menschen, auf sich selbst und Lust, gemeinsam neues zu entdecken, sind die besten Voraussetzungen!

Auf was dürfen sich eure Schüler*innen einstellen, was erwartet sie?

Vor allen Dingen auf viele spannende Erfahrungen. Wir legen Wert auf Austausch, Gemeinschaft und das alles mit einer Prise Humor und Leichtigkeit. Wir unterrichten die komplette Ausbildung zu zweit, was auch ein großer Vorteil für die Teilnehmenden ist, denn wir wollen nah dran und ansprechbar sein. Gemeinsam gehen wir auf eine (Helden-)Reise. Eine unserer Teilnehmerinnen hat mal gesagt, dass sie zu Beginn der Ausbildung ein 1000-Teile-Puzzle vor sich hatte, das sie, mit unserer Begleitung, zusammengesetzt hat. Und das ist das Schöne: es werden Dinge erklärbar, die sicher tief in uns sind und die aus einer intrinsischen Motivation bereits unbewusst gesehen sind. Wir entdecken gemeinsam welch großes Wissen in uns Menschen steckt und dass wir im Grunde alle sehr ähnliche Themen haben. Und dann kommt das Beste: wir verstehen uns selbst besser und vermeiden so, unseren „Kram“ auf andere zu projizieren. Wir verstehen auch andere Menschen besser und können dadurch hilfreiche Begleiter*innen sein.

Wenn man sich mit euch unterhält, wird schnell klar: Ihr liebt das, was ihr da tut.

Uns ist sehr wohl bewusst, welches Geschenk es ist, tun zu dürfen, was uns erfüllt. Wir sind dankbar über so viele Jahrzehnte schon unserer Berufung zu folgen und so unfassbar viele Menschen bereits begleitet zu haben.

Denn das ist das Wichtigste für uns: bei uns steht der Mensch im Vordergrund. Klar gibt es in unseren Ausbildungen Methodik, Didaktik, ein Skript, einen Ablauf, aber das Wichtigste sind die Menschen. Sie schenken uns ihr vertrauen. Lassen sich ein und haben Lust, mit uns zu lernen.

Sandra Walkenhorst

Authentisch und auf Augenhöhe mit Teilhabe (Partizipation) und der Grundidee, dass jeder Mensch wundervoll ist, genauso wie er ist. Oftmals muss er oder sie es nur selbst erkennen. Wenn wir dabei unterstützen dürfen, ist das ein großes Geschenk!


Möchtest du gerne mit Sandra und Michael tiefer in das Thema „Psychologisches Yoga-Coaching“ eintauchen? Dann buche dir jetzt deine Ausbildung oder vereinbare einen Termin zum kostenlosen Vorgespräch.

Resonanz – Mit sich selbst und der Welt ins Schwingen kommen

Resonanz ist ein energetisches Phänomen: Die Art und Weise, wie Energie schwingt, erschafft Atmosphäre und diese energetische Schwingung ist nicht nur spürbar, wir gehen – meist unbewusst – auch mit ihr in Resonanz. Gastautorin Anna Trökes ist überzeugt: Wir sollten uns viel bewusster unserer Resonanzfähigkeit zuwenden.

Text: Anna Trökes / Mitarbeit: Michael Holzapfel / Titelbild: Nikki-Zalewski-Getty-Images-via-Canva

Sicher kennst du das: Du betrittst einen Raum und noch bevor jemand etwas gesagt oder getan hat, weißt du, dass da „dicke Luft“ ist. Eine auf diese Weise aufgeladene Gestimmtheit können wir nicht nur erahnen, wir spüren sie sogar körperlich. Genauso ist es, wenn wir jemandem begegnen: Etwas in uns weiß sofort, ob wir uns diesem Menschen nähern wollen – oder besser nicht. Die Schwingung eines jeden Resonanzraumes, den ein anderer Mensch oder eine Gruppe von Menschen erschafft, wird unablässig auf einer zumeist unbewussten Ebene von uns „gescannt“ und bewertet. Immer nehmen wir die Schwingung unseres Gegenübers wahr und reagieren mit den vielfältigen und feinen Schwankungen unserer eigenen Gestimmtheit darauf.

Wir nehmen sie in unserem Körpertonus wahr, der sich in den Muskeln und Faszien ständig verändert und an die innere und äußere Schwingung unserer Umgebung anpasst: Eine unangenehme oder gar bedrohliche Atmosphäre zum Beispiel führt dazu, dass sich Spannung aufbaut, während wir in einer sicheren, liebevollen Umgebung spürbar loslassen. Das reicht bis auf die Ebene der Organe und manifestiert sich in der Organspannung. Du spürst das zum Beispiel, wenn sich dein Magen zusammenkrampft, weil du Angst hast. Unser Organismus kann die feinen energetischen Schwingungen der Atmosphäre aber noch auf einer viel subtileren Ebene wahrnehmen, die Neurozeption genannt wird.

Unser Nervensystem hat seine Fühler immer ausgestreckt und ist in der Lage, selbst sehr feine atmosphärische Veränderungen zu spüren, etwa wenn eine zunächst freundliche Stimmung bei unserem Gegenüber in eine unterschwellige Gereiztheit übergeht. Meist tritt dieses Wahrnehmen jedoch nicht ins Bewusstsein, wir merken nur, dass der energetische Raum, in dem wir uns befinden, sich plötzlich irgendwie anders anfühlt.

Das hat damit zu tun, dass unser Körper – also das, was die alten Griechen als Soma bezeichneten – äußerst empfindungsfähig ist. Er ist der einzige Ort sinnlicher Wahrnehmung, der uns zur Verfügung steht. Der schon im Wortstamm steckende Zusammenhang zwischen sinnlicher Wahrnehmung (Aisthesis) mit unserem ästhetischen Empfinden ist spannend: Darin deutet sich an, dass Menschen über ihre Körpersinne auch empfänglich sein können für Harmonie, Schönheit, Wohlklang, Duft und alles, was sich so gut anfühlt wie zum Beispiel ein zartes Blütenblatt. Auf diese Weise vermittelt sich uns auch die Schönheit der Natur oder die innere Schönheit eines Menschen, der in sich ruht und in Harmonie mit sich selbst ist. Die Fähigkeit, diese Qualitäten wahrzunehmen und zu schätzen, reicht viel tiefer als ein kulturell geprägter Geschmack oder bestimmte Moden: Menschen auf der ganzen Welt empfinden das als schön, was in Harmonie ist.

In Resonanz mit sich selbst

Resonanz mit sich selbst
Foto: Iriyna Imago / Getty Images via Canva

Deshalb ist es so wichtig, dass wir lernen, zu spüren und zu erkennen, was in unserem eigenen energetischen Raum los ist, und wie wir auf äußere und innere Einflüsse reagieren. „Das Soma (unser empfindungsfähiger Körper, A.T.) ist unser grundlegendes, unveräußerliches Medium der Wahrnehmung, des Handelns und des Denkens“, schreibt der Körpertherapeut und Philosoph Richard Shusterman in seinem Buch „Körper-Bewusstsein: Für eine Philosophie der Somästhetik“.

Eigentlich sind wir alle gut ausgestattet mit der Fähigkeit, das Atmosphärische von Resonanzräumen zu erspüren, denn sie ist am Beginn unseres Lebens, wenn uns noch keine Konzepte und Begriffe zur Verfügung stehen, überlebensnotwendig: Vom Säuglings- bis ins Kleinkindalter sind wir darauf angewiesen zu spüren, in welchem Maße wir willkommen sind und in welchem Maße bestimmte Verhaltensweisen begünstigt oder abgelehnt werden. Die Menschen, die uns durch den Beginn des Lebens begleiten, reagieren ja auch energetisch und atmosphärisch auf uns als Kind und gehen – wenn sie in der Lage und gewillt sind, sich darauf einzulassen – entsprechend mehr oder weniger in Resonanz mit unseren Bedürfnissen.

Ein Kind ist immer „auf Empfang“ und spiegelt in der Regel äußerst genau den Resonanzraum der Menschen, die es umgeben. Diese Fähigkeit schwächt sich jedoch im Laufe der Sozialisation meist deutlich ab, denn nun lernt das Kind Bewertungskonzepte – und die stimmen nicht immer mit seiner eigenen intuitiven Wahrnehmung des Resonanzraumes überein. Seit Jahren beobachte ich gerade auch im Yogaunterricht, wie wenig sich viele Menschen spüren und wie fremd sie sich im Laufe ihrer Sozialisation geworden sind. Die immer auf etwas Äußeres gewandte, intensive Nutzung digitaler Medien verstärkt diese Tatsache spürbar.

Der Verlust der Resonanzfähigkeit

Auch der Arzt und Tiefenpsychologe Michael Holzapfel berichtet aus seiner jahrelangen klinischenund praktischen Erfahrung, dass die Resonanzfähigkeit zunehmend verloren geht. Das ist schwerwiegend, da wir nur dann in Kontakt mit unserem innersten Sein – unserer Seele – und damit mit dem Sein an sich kommen können, wenn wir in Resonanz mit uns selbst gehen können. Nur so kann ein Mensch in Kontakt mit seinen Gefühlen kommen und erfahren, wo sie frei und angemessen schwingen und wo sie blockiert sind. Nur so sind wir in der Lage zu sein, unsere Gefühle zu regulieren und zu modulieren und uns in unserem lebendigen energetischen Sein zu erfahren.

Mit anderen Worten: Eine zugewandte, nahe und wirklich intime Beziehung mit uns selbst ist nur dann möglich, wenn wir in der Lage sind, mit uns selbst resonanzfähig zu sein und die energetischen, atmosphärischen Schwingungen und Stimmungen im eigenen Sein zu empfinden und mit ihnen achtsam, liebevoll und regulierend umzugehen. Nur wenn wir uns immer wieder auf uns selbst einstimmen, können wir spüren, welche innere Ausrichtung unseres Denkens und Fühlens uns innerlich offener, weiter und wohler werden lässt – und welche Ausrichtung das Gegenteil bewirkt.

Wie geht es mir jetzt?

Nimm dir immer mal wieder im Verlauf des Tages ein wenig Zeit (ca. 3 Minuten). Halte inne. Wenn möglich, setze dich, sonst bleibe ruhig stehen.
Frage dich: Wie geht es mir?

Spüre achtsam und aufmerksam in dich hinein, ohne etwas Bestimmtes zu erwarten.
Empfinde dich, erfahre dich in deinem aktuellen So-Sein.

Da sind zum Beispiel Empfindungen, in welchem Maße du gerade offen
und empfänglich bist, dir selbst und der Welt zu begegnen,
wie entspannt oder angespannt du bist.

Da sind Gefühle, die dir etwas über deine Gestimmtheit mitteilen.
Da ist die sinnliche Wahrnehmung (aisthesis) von allem, was dich umgibt und
was du atmosphärisch erfährst: Natur, Räume, andere Menschen.
Da ist die tiefe Begegnung mit dir selbst – mit deinem eigentlichen Sein,
deinem Wesenskern – dem, was du an dir einfach nur als „daseiend“ spüren kannst …

Übe das so oft wie möglich.
Werde dir bewusst, wie sich dein Spüren und Wahrnehmen
im Laufe der Zeit immer mehr ausdifferenziert und verfeinert.
Spüre, wie du dir auf diese Weise nahekommst.

Dabei ist wichtig zu wissen: Jeder Mensch kann seinen eigenen Resonanzraum gestalten, denn wir verkörpern in jedem Augenblick die Art unserer inneren Ausrichtung: Jedes Gefühl, jedes innere Bild und jeder Gedanke bekommt einen körperlichen und energetischen Ausdruck und beeinflusst den Resonanzraum, der uns umgibt. Wenn wir unsere innere psychische Welt sich selbst überlassen, dann drückt unser Körper dieses Gestimmtsein auch mehr und mehr aus. Was wiederum unsere Mitmenschen und Mitgeschöpfe energetisch an unserer Ausstrahlung wahrnehmen.

In Resonanz mit anderen

Resonanz mit anderen
Foto: Polina Tankilevich via Canva

Das lässt auch erahnen, wie wichtig es ist, dass ein Mensch in der Lage ist, sich auf sich selbst einzuschwingen, um Beziehungen zu anderen Menschen und Lebewesen gestalten zu können. Forschungen zum Thema Empathiefähigkeit zeigen deutlich, dass ein Mensch nur dann Mitgefühl empfinden und entfalten kann, wenn er sich selbst spürt und sich in sich einzufühlen vermag. Nur so kann – verständlicherweise – der Kant zugeschriebene Leitsatz „Was du nicht willst, dass man dir tu, das füg auch keinem anderen zu“ funktionieren!

Es geht dabei nicht um ein Mitleiden, sondern darum, sich vorstellen zu können, wie mein Gegenüber sich mit den verschiedenen denkbaren und mir zur Verfügung stehenden Verhaltens- und Handlungs- optionen fühlen könnte. Und es geht darum, zu spüren, was der Mensch, das Tier oder die Pflanze, mit dem oder der ich es zu tun habe, braucht und was ihm oder ihr guttun könnte. Wenn wir lernen, mit uns selbst einfühlsam und feinfühlig umzugehen, werden wir auch einfühlsamer und feinfühliger und damit achtsamer mit unserem Gegenüber umgehen wollen.

In Resonanz mit der Welt

Resonanz mit der Welt
Foto: Irina Petrichel via Canva

Was für das jeweilige Gegenüber gilt, gilt natürlich auch für unseren Umgang mit unserem engeren und weiteren Umfeld: Nur wer in der Lage ist zu empfinden, wie Tiere, Pflanzen und damit die Natur leiden, wird motiviert sein, sich zum Beispiel für Tier- und Klimaschutz zu interessieren und auch aktiv einsetzen zu wollen. Wenn wir uns nicht mehr zunehmend abgeschnitten und dissoziiert von uns selbst, unseren nächsten und liebsten Menschen, von unseren Mitmenschen und der Natur erfahren wollen, können wir in fast jedem Lebensalter lernen, wieder resonanzfähig zu werden, beziehungsweise unsere Resonanzfähigkeit weiterzuentwickeln und zu verfeinern, betont Michael Holzapfel, der Menschen schon so lange auf ihrem Weg zu sich selbst begleitet.

Die einzige Bedingung: Man muss es wollen. Eine solche Motivation ist nötig, weil es in diesem Lernprozess ja nicht nur darum geht zu erkennen, womit und warum man sich selbst und der Welt verschlossen hat. Vielmehr braucht es auch Engagement und Mut, sich wieder zu öffnen. Man muss sich für sich selbst öffnen und – ja – sich auch sich selbst zumuten. Man braucht Mut, um andere Menschen wieder an sich heranzulassen und Nähe zu wagen.

Aber eigentlich haben wir Menschen als Wesen, die mit ihren sozialen Gehirnen nur in Gemeinschaft gedeihen und gesund bleiben können, keine andere Wahl, als uns immer wieder offen und neugierig auf uns selbst, die anderen und die Welt einzustimmen, mit ihr in Resonanz zu gehen – um mit uns selbst und den anderen den Tanz des Lebens zu tanzen.


Anna Trökes hat das moderne Yoga mit ihren unzähligen Büchern, Workshops und Ausbildungen geprägt wie kaum eine andere deutsche Yogalehrerin. Viele der in diesem Artikel bedeutsamen Gedanken findest du in ihrem Buch: „Yoga der Verbundenheit“ (2017).

Mehr Infos : prana-yogaschule.de

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