Intuition: Lerne, deine innere Stimme zu hören – und ihr zu folgen

Ganz egal ob du eine wichtige Entscheidung treffen musst oder darum ringst, etwas zu verstehen: Frag dein Inneres und experimentiere mit dem Rat, den es dir erteilt. Die folgende Meditation kann dir helfen, die tieferen Schichten deines Selbst zu hören und ihre Botschaften zu verstehen.

Text: Sally Kempton / Foto: David Martinez

Sakshatkara – intuitives Erkennen

Eine wirkliche Entsprechung zum Wort „Intuition“ scheint es in den Quellenschriften des Yoga nicht zu geben. Häufig wird der Sanskrit-Begriff Sakshatkara genannt. Eigentlich bedeutet er „Wahrnehmung“ oder „für die Augen sichtbar gemacht“, „offensichtlich“. Er wird sowohl für die mit den Sinnen gewonnene Erkenntnis verwendet als auch für die übersinnliche oder intuitive Art des Erkennens.

Übung: So verbindest du dich mit deiner Intuition

1. Nimm dir genügend Zeit, um dir über deine Frage klar zu werden und sie in einem Satz zu formulieren. Schreib diesen Satz auf. Das ist ein wichtiger Schritt, er hilft dir möglichst klar und konkret zu sein. Für deine ersten Versuche kannst du zum Beispiel um Hilfe bei einem kreativen Problem bitten, um die Klärung einer problematischen Beziehung oder einer konkreten Lebenssituation. Vielleicht fragst du aber auch nach mehr Bewusstsein in deiner Yogapraxis oder nach der Bedeutung einer inneren Tendenz, die dich irritiert.

2. Nimm eine bequeme Sitzhaltung ein. Achte darauf, dass die Wirbelsäule aufgerichtet, der Rücken aber nicht verkrampft oder verhärtet ist. Schließe deine Augen. Hol die Frage in dein Bewusstsein und formuliere sie einige Male im Stillen. Welche Gefühle steigen dabei in dir auf? Welche Gedanken hast du spontan dazu? Gibt es Widerstand gegen den Prozess? Wenn dir etwas davon wichtig erscheint, kannst du es rasch notieren.

3. Nutze den Rhythmus deiner Atmung als Anker. Hefte deine Aufmerksamkeit so lange auf den Atem, bis dein Geist sich entspannt und ruhiger wird.

4. Dann lass dich etwas tiefer sinken. Das erreichst du zum Beispiel, indem du dich auf dein Herzzentrum in der Mitte der Brust konzentrierst. Oder auf dein Nabelchakra (etwa drei Fingerbreit unterhalb des Nabels, tief im Bauch gelegen). Vielleicht hilft dir auch eine Visualisierung: Stell dir dich selbst vor, wie du eine Treppe in einen warmen, stillen Keller hinabsteigst. Geh Stufe um Stufe hinab, bis du völlig von Stille umgeben bist.

5. In dieser Stille bittest du die Weise, den Weisen, jene wissende Instanz in deinem innersten Wesenskern, jetzt präsent zu sein. Vielleicht gibt es auch eine bestimmte Gottheit oder einen Lehrer, an die du dich wenden möchtest. Oder du hast das Gefühl, deine Frage am liebsten an das Universum, das Tao, die Quelle allen Seins richten zu wollen. Es kommt nur darauf an, dass du weißt: Es ist genug, jetzt um die Anwesenheit dieser inneren Weisheit zu bitten.

Die Antwort liegt im Zentrum deines Seins: Du weißt, wer du bist, und du weißt, was du willst.

Laotse

6. Stell deine Frage noch einmal. Dann sitz einfach still – ohne Erwartung, ohne Entmutigung, schau nur, was auftaucht. Erinnere dich daran, dass Einsicht nicht immer in Gestalt von Worten erscheint. Es kann auch ein Gefühl sein, ein Bild, die Erinnerung an etwas, das eine andere Person gesagt hat. Außerdem kann es sein, dass es nicht in dem Moment geschieht, wo du danach fragst. Die Intuition folgt ihrer eigenen Zeit. Bleib wachsam, ganz besonders in den nächsten 24 bis 48 Stunden, nachdem du den Samen deiner Frage gesät hast. Die Antworten werden kommen.

7. Sobald du eine oder mehrere Antworten erhalten hast, schreibst du sie auf. Halte sie eine Weile in deinem Bewusstsein und lass es sprudeln: Was steigt dazu in dir auf? Welche Gefühle sind damit verbunden? Vielleicht bist du versuchst, die Einsichten zu interpretieren, es kann aber genügen, sie ganz einfach in deinem Bewusstsein zu halten – allein das wird schon Veränderungen herbeiführen. Allerdings: Wenn die Botschaft einen wertenden Charakter hat, wenn sie sich wie eine Strafe oder eine Schuldzuweisung anfühlt, dann stammt sie sehr wahrscheinlich nicht aus deiner tiefsten Quelle.

8. Denk zum Schluss darüber nach, wie du deine Einsicht in eine Handlung übersetzen könntest. Hier beginnt das eigentliche Experiment. Doch der einzige Weg, wie du lernst, dich wirklich deiner inneren Führung anzuvertrauen, besteht darin, es auszuprobieren – und dann aufmerksam auf die Resultate zu achten.


SALLY KEMPTON zählte international zu den wichtigsten Lehrer*innen für Meditation und Yogaphilosophie. Sie schrieb viele Jahre für das YOGA JOURNAL und hat mehrere (Audio-)Bücher verfasst. Mehr Infos unter sallykempton.com


Viele weitere ihrer Artikel findest du hier auf unserer Website:

Götter auf der Matte: Durga – Bedeutung, Annäherung & Symbolik im Yoga

Durga Statue

In unserer Reihe „Götter auf der Matte“ stellt uns Sybille Schlegel Göttinnen und Götter vor, die du vielleicht schon mit einem Mantra besungen hast, oder die als Deko dein Yogastudio zieren. Wir wollen wissen: Wo kommen sie her und was haben sie im modernen Yoga zu bedeuten? Diesmal geht es um Durga, eine kampferprobte achtarmige Kriegerin für das Gute, dabei aber auch weise und weich.

Text: Sybille Schlegel / Titelbild: Manmohan Pandey via Unsplash

Von Durga hast du sicher schon mal gehört, sie ist eine der bekannteren indischen Göttinnen, doch ihr Name bedeutet: schwer zugänglich (dur = schwierig, schwer, ga = gehen, gehend). Und je mehr ich über Furchtlosigkeit (unser Titelthema im Heft 01/2024, aus dem dieser Artikel stammt) nachdenke, desto klarer wird mir: für mich auch eher schwer zugänglich. Oha. Das geht ja schon gut los mit meinem Artikel …

Also am besten der Reihe nach: Mit wem haben wir es überhaupt zu tun? Durga gilt als eine der wilderen Göttinnen, als eine kriegerische Form der häuslichen Göttergattin Parvati. Sie wird aber auch als eine Ausprägung der schönen, Wohlstand versprechenden Lakshmi angesehen, als eine Gestalt der weisen Sarasvati oder als göttliche Allmutter Ambika.

Welche Göttin steckt in dir? Mache hier den Test!

Schon nach einem Absatz begegnet sie uns also, Durgas verwirrende Seite, ihre schwere Zugänglichkeit. Am besten kann man sie vielleicht verstehen, wenn man sie sich als eine Bündelung all dieser Götter-Energien vorstellt – und ein entsprechend kraftvolles Energiebündel ist sie auch: Ihr Reittier ist ein Tiger oder Löwe. In ihren acht, zehn oder gar achtzehn Armen hält sie verschiedene Waffen, etwa Steinschleuder, Dreizack, Pfeil und Bo- gen oder Schwert, aber auch Gegenstände für religiöse Rituale, zum Beispiel eine Glocke, eine Mala oder Blumen. Jeder dieser Gegenstände steht symbolisch für eine Eigenschaft. Einer davon ist für uns Yogi*nis besonders interessant: das Schwert als Symbol der Unterscheidungsfähigkeit, Viveka. Es hilft haarscharf zu trennen zwischen Sein und Schein, Wahrheit und Illusion.

Was moderne Yogi*nis von Durga lernen können

Wenn man so gut ausgestattet ist, dann fällt es natürlich leicht, furchtlos aufzutreten. Aber wie hilft uns das jetzt weiter? Wir bitten Durga ja nicht als gläubige Hindus um ihre Hilfe, sondern versuchen, uns den indischen Gottheiten auf energetischer Ebene anzunähern oder uns auf einer symbolischen Ebene etwas von ihnen abzuschauen. Eine der bekanntesten Durga-Geschichten erzählt von einem Dämon, der sich (wie es die Dämonen der indischen Mythologie häufiger tun) durch Askese von den Göttern einen Gefallen erzwungen hat: Er kann nur von einer Frau getötet werden. Er hielt das für günstig, weil Frauen seiner Meinung nach a) nicht kämpfen, b) nicht tough genug sind, c) ewig unentschlossen … bis hin zu z): Sie können es halt nicht.

Doch dann vereinen sich die gewaltigen Kräfte Shivas und Vishnus zu einer wunderschönen Frau, die dem arroganten Dämon lachend entgegentritt: Durga. Als der erkennt, dass es brenzlig für ihn wird, versucht er, sich durch das Annehmen verschiedener Formen zu retten. Durga beeindruckt das wenig. Sie erwischt ihn tödlich, als er gerade im Körper eines Büffels steckt. Dämonen in indischen Göttergeschichten werden aus moderner yogischer Sicht meist als Symbole eines unnachgiebigen Ego-Ichs interpretiert. Eine Frau steht im alten Indien dagegen für Weichheit, Sanftheit, Passivität.

Erzählen wir den Plot also noch mal so: Das Ego schwingt sich in seiner ganzen Selbstherrlichkeit auf und meint, die Welt beherrschen zu können: Es ist entschlossen, sich von keiner Stärke in die Schranken weisen oder zum Wandel zwingen zu lassen. Doch dann begegnet ihm eine absolute Furchtlosigkeit in Gestalt von Weichheit und Offenheit. Kein Schutzschild oder Panzer, sondern geschmeidige Schönheit und ein Lachen.

Furchtlose Weichheit: Eine yogische Praxis im Zeichen Durgas

Wie geht so eine radikale Weichheit? Kann man weich und zugleich furchtlos sein? Ich reflektiere meine Ängste. Zahlreiche fallen mir ein. Mein Reflex bei Angst ist Härte. Körperlich spürbar in Muskeln, die verkrampfen. Dennoch habe ich jahrelang von meinem Lehrer Mark Whitwell gehört, dass wahre Stärke in der Weichheit liegt. In meine Asana-Praxis habe ich das mittlerweile erfolgreich integriert: Üben ohne Druck, Herausforderung und Härte. Stattdessen: Weiche Gelenke und maximales Fühlen. Und tatsächlich hat dieses Üben meine Flucht in die Härte schon etwas abgemildert.

Noch mehr Inspiration zum Thema „Furchtlosigkeit“ findest du in diesem Interview mit Patrick Broome.

Vertrauen ist etwas, das ich in meiner Familie nicht gelernt habe. „Misstrauen ist gut“, dozierte mein Vater. Wer aber ehrlich vertraut, der kann sich entspannen, oder? Der spürt keine Angst. Das ist laut den Yogatexten erst möglich, wenn die Identifikation mit dem eigenen Körper und dem Ego-Ich endet und die Identifikation mit dem Universellen, Atman, beginnt. Ich wünsche mir das sehr, aber es ist wie Durga: schwer zugänglich. Die Identifikation mit dem Ego-Ich, unserer Person, unserem Körper ist nämlich krass stark. Das ändert man nicht mal eben durch einen anderen Lifestyle. Etwas muss aufhören zu sein, damit etwas beginnen kann, das wir zu dem Zeitpunkt noch nicht kennen.

Göttin Durga (Frau in Sari läuft barfuß durch Wasser)
Foto: Siddharth Vyas via Unsplash

Die softe Super-Heldin als Inspiration

Wer traut sich denn sowas? Und doch ist das der Weg zu Durga. Ist es ihr Weg. Lachend geht sie ihn. Unabgelenkt, klar denkend und unterscheidend. Weich, weil vertrauend. Weise. Je mehr sie sich so spürt, desto mehr wird der angeblich unbesiegbare Dämon zur lächerlichen Karikatur. Von dieser Haltung können wir uns inspirieren lassen, diese Unterscheidungskraft können wir kultivieren. Die eigenen Ängste zu erkennen, hilft. Verständnis etablieren statt Bewertungen und Ignoranz. Und das Üben von Weichheit: Weich sein zu sich selbst, zu anderen, im Körper, in den Gedanken. Denn wer sich Weichheit leistet, ist frei. So frei wie die schwingenden Haare der Durga.

OM DUM DURGayAI Namah

„Ich verneige mich vor Durga. Möge ihre Stärke, Weichheit und Furchtlosigkeit mich durchdringen.“


Sybille Schlegel Autorin

Sybille Schlegel schreibt regelmäßig für uns über Yogaphilosophie. Nach vielen Jahren als Yogalehrerin und -ausbilderin konzentriert sie sich jetzt ganz aufs Üben und Schreiben. Du findest sie auf Instagram unter: @sybi_bille


Erfahre hier noch mehr über Durga, die Superheldin des indischen Götterhimmels:

Mit dem Göttlichen ist das so eine Sache – von Carmen Schnitzer

Im Yoga ist immer wieder die Rede von „Gott“ oder „dem Göttlichen“. Nicht wenige Menschen hadern aber mit diesem Begriff. YOGAWORLD JOURNAL-Kolumnistin Carmen Schnitzer beobachtet: „Das Göttliche und ich, mit uns ist das so eine Sache. Ich glaube nicht so recht an unsere Beziehung, aber voneinander los kommen wir trotzdem nicht.“ Hier schildert sie ihre ganz persönliche Beziehung zum Göttlichen.

Text: Carmen Schnitzer / Titelbild: Josh Gordon via Unsplash

Ich sei Gott viel näher als ich mir vorstellen könne, meinte meine Freundin Sarah vor einigen Jahren zu mir. Ich sei auch viel spiritueller als ich behaupte. Wenig später entdeckte ich Yoga für mich, was ein Zufall sein mag, vielleicht aber auch nicht. Tatsächlich halte ich mich immer noch in weiten Teilen für eine Rationalistin. Ich mag Wissenschaft, gebe mich selten mit Behauptungen zufrieden, sondern überprüfe die Quellen dazu. Und die Quellen zu den Quellen und die Kritik an allem natürlich auch. Gerade als Journalistin ja nicht die schlechteste Angewohnheit. Logik empfinde ich als prima Sache, ich mag Nachvollziehbarkeit und Struktur.

Und doch, als eine große Liebe mich einmal fragte, woran ich glaube, platzte spontan aus mir heraus: „An das Chaos!“ Wer meine bunte, vollgestopfte Wohnung kennt, der lacht jetzt vielleicht kurz auf und denkt: „Na, das sieht man!“ Ich meine es aber auch und gerade im übertragenen Sinne und so lässt sich vielleicht erklären, dass ich mich trotz aller Vernunft immer auch etwas zum Übersinnlichen hingezogen gefühlt habe, oft aber mit dem Zusatz, das sei bloß Spielerei für mich. Als Studentin etwa legte ich mit erstaunlicher Treffsicherheit Karten, bis heute praktiziere ich an besonderen Tagen (etwa zur Sonnenwende) mit Freundinnen angelesene Hexenrituale, die wir gerne auch mal nach Gutdünken oder Möglichkeit abwandeln.

Salzwasser in Mittelfranken

Wenn etwa in der mittelfränkischen Provinz zufällig kein Meer in der Nähe ist, dann mischen wir uns eben aus Salz und Wasser ein kleines Stück „Ozean“ zusammen und legen eine Muschel dazu. Der Spaß, den wir dabei haben, mindert nicht die Ernsthaftigkeit des Rituals, das uns Kraft gibt für die nächsten Monate, in denen wir einander nicht sehen, uns aber dennoch verbunden fühlen.

Und da komme ich zum Punkt: Dass es zwischen einer Flasche Salzwasser in einer Mondnacht im fränkischen Wald und der Energie, mit der ich etwa diese Kolumne schreibe, einen logischen Zusammenhang gibt, ist auf den ersten Blick nicht unbedingt ersichtlich, sehr wohl aber fühlbar. Für mich, für uns. Und damit trägt es eine Wahrheit in sich, die auch jenseits aller (Natur-)Wissenschaft ein Zuhause hat. Zwar freut es mein Rationalistinnen-Ich, dass die Hirnforschung mittlerweile einige Erklärungen für Phänomene wie das geschilderte gefunden hat, und doch: Wüsste ich nichts darüber, ja gäbe es diese Erklärungen gar nicht, würde ich besagte Wahrheit ja immer noch spüren und das ist im Grunde doch Beleg genug für ihre Existenz. Zumindest eine Form der Existenz, der Existenz in mir. Dass ich sie, etwa beim Yoga, mit anderen teilen kann: umso schöner! Aber nicht zwingend nötig, um grundsätzlich da zu sein.

Überhaupt Logik! Irgendwann kam ich zu der Erkenntnis, dass auch Träume eine in sich geschlossene Logik haben, die nur bedingt etwas mit dem zu tun hat, was wir im nüchternen Wachzustand gemeinhin Logik nennen. Warum aber halten wir letztere für das Nonplusultra, wenn uns doch allein schon der Schlaf eine ganz andere beschert? Wer weiß, was es da noch alles gibt zwischen Himmel und Erde? Auf eine Form von Realität (in der etwa dieser Text ein Text ist) haben wir uns alle geeinigt, sie dient als Gerüst, an dem wir uns entlanghangeln, auf dem wir einander begegnen können, auf dem ein gewisser Austausch möglich ist. Und dann existieren noch die vielen Realitäten in jedem von uns, die Wahrnehmungen, Erfahrungen, Gedanken und Gefühle. Plus: Irgendetwas (ganz viel!) außerhalb von uns, wobei dieses „Innen“ und „Außen“ natürlich auch wieder nur Teile jenes Realitätsgerüstes sind, von dem ich oben sprach.

Ich bin ein Sandkorn wie alle, und in mir ist die Welt, wie überall

Ein Realitätsgerüst, das im Yoga so nicht gilt. Das ich vielleicht sogar selbst schon aufzulösen versuchte, bevor ich mich mit Yoga beschäftigte. Heute lese ich aus einem Satz in einer meiner gut zehn Jahre alten Kurzgeschichten nämlich plötzlich yogisches und damit natürlich spirituelles Gedankengut heraus, das sich mit dem, was man gemeinhin „Vernunft“ nennt, besser vereinbaren lässt, als ich lange dachte: „Ich bin ein Sandkorn wie alle, und in mir ist die Welt, wie überall.“ Je mehr ich darüber nachdenke: Wahrscheinlich hatte Sarah schon immer recht.


Jean-Marc Turmes

Carmen Schnitzer arbeitet als Journalistin und schreibt seit Jahren für das YOGAWORLD JOURNAL. Erfahre mehr über die Autorin und besuche ihre Facebook-Seite.

Veganer Tofu-Ricotta – Rezept von Anina Gepp

Vegane Küche muss nicht kompliziert sein. In ihrem Kochbuch „Vantastic Kitchen“ hat Anina Gepp einfache und gesunde Rezepte für die Camper-Küche und zuhause zusammengestellt. Dieses Rezept ist so simpel und lecker, dass es schon fast unverschämt ist. Wer es einmal ausprobiert hat, wird es als Vorrat im Kühlschrank nicht mehr missen wollen.

Zutaten für ca. 300 Gramm Ricotta

250 g Tofu
50 ml Sojamilch
2 EL Zitronensaft
2 EL Olivenöl
1 Prise Salz
1⁄4 TL Knoblauchpulver
2 EL Hefeflocken
1⁄2 Bund Basilikum, gehackt

Zubereitung

Alle Zutaten, bis auf das Basilikum, im Standmixer oder mit dem Pürierstab zu einer Masse vermengen (cremig, aber noch leicht krümelig). Zum Schluss das frisch gehackte Basilikum unterheben. Das Ganze in eine Käseform drücken und den Tofu-Ricotta im Kühlschrank mehrere Stunden oder über Nacht abtropfen lassen. Alternativ kann der Tofu-Ricotta auch sofort weiterverwendet werden.


Über die Autorin Anina Gepp

Auf ihren Reisen im Campingbus besucht Anina Gepp Wochenmärkte, Bio- und Unverpacktläden und lässt sich von Begegnungen mit Menschen inspirieren. Diese persönlichen Geschichten verleihen den Gerichten eine ganz besondere Würze. Stimmungsvolle Fotografien von weiten Landschaften und den schönsten Stellplätzen laden zum Entschleunigen ein.

Anina Gepp ist Autorin von „Iss dich grün!“, Foodstylistin, Bloggerin und freie Journalistin. Mehr auf Instagram @anina.gepp


Ihr Kochbuch „Vantastic Kitchen – Einfache und gesunde Rezepte für die Camper-Küche und zu Hause“ ist im at Verlag erschienen (224 Seiten, 26 Euro)

Fotos: Anina Gepp

Yoga-Praxis für fließende Energie

sarah platt finger dhanurasana yoga

Das volle Potenzial von Yoga (und dein persönliches) wird immer dann erfahrbar, wenn es gelingt, sich beim Üben mit einem umfassenden Energiefluss zu verbinden. Stress verfliegt, Herz und Geist werden weit, das Gefühl des Getrenntseins schwindet. Sarah Platt-Finger zeigt hier, wie das gelingen kann. 

Text & Sequenz: Sarah Platt-Finger / Fotos: Amanda Friedman

1. So-Ham-Atmung

Nimm eine bequeme Sitzhaltung ein, in der du die Wirbelsäule ohne Anstrengung aufrichten kannst. Mit jeder Einatmung wiederholst du laut oder innerlich das Mantra „So“. Diese so genannte „Keimsilbe“ steht für reine Energie, Bewusstsein und Inspiration. Spüre, wie deine Wirbelsäule sich längt, die Krone deines Kopfes nach oben strebt und sich deine Rippen zu den Seiten ausdehnen. Visualisiere einen Energiefluss, der zwischen dem Schädeldach und dem unteren Ende der Wirbelsäule verläuft. Mit jeder Ausatmung wiederholst du das Mantra „Ham“. Diese Silbe ist der Klang des individuellen Bewusstseins und der Transformation. Dabei ziehst du den unteren Bauch sanft zur Wirbelsäule hin und stellst dir vor, wie Bewusstsein in jede deiner Zellen strömt.

Effekt: Diese Atemübung hilft dir, Körper und Geist zu klären und dich für Inspiration zu öffnen.  Du kannst sie als Meditationsmantra nutzen, aber auch ganz banal beim Arbeiten, Einkaufen oder Spazierengehen. Zu Beginn der Yogapraxis übst du die So-Ham-Atmung 3 bis 5 Minuten lang. Während der folgenden Haltungen setzt du sie immer wieder ein, um den Energiefluss entlang deiner Wirbelsäule zu reinigen und Raum für Bewusstsein zu schaffen.

2. Anjaneyasana, tiefer Ausfallschritt

Setze aus dem Vierfüßlerstand den rechten Fuß nach vorn zwischen die Hände. Mit der nächsten Einatmung richtest du dich auf und hebst die Arme. Dabei achtest du darauf, dass die Hüften über den Knien stehen und das rechte Knie über dem rechten Knöchel. Aktiviere sanft den Bauch, um den unteren Rücken zu schützen und den Energiefluss entlang deiner Wirbelsäule aufrechtzuerhalten. Genau wie kein Wasser durch einen geknickten Strohhalm fließen kann, wird in ungünstigen Körperhaltungen auch der Fluss von Energie blockiert. Versuche deshalb, deinen Rumpf durchlässig zu halten und auch die hinteren Rippen anzuheben. Die Körperrückseite repräsentiert die Vergangenheit und die Verbindung nach innen. Die Körpervorderseite steht für Willenskraft, das Vorwärtsschreiten in die Zukunft und die Verbindung nach außen. Weite dein Herz und finde die Mitte zwischen Vorder- und Rückseite, Zukunft und Vergangenheit. Nach 5 bis 8 Atemzügen auf So Ham wechselst du die Seite.

Effekt: Diese Haltung dehnt die Körpervorderseite und wirkt stimmungshebend. Das Weiten der Herzgegend hilft dir wahrzunehmen, dass in allem Verbindung möglich ist. Nicht nur im eigenen Körper (vorne, hinten, oben, unten) und im eigenen Leben (Zukunft und Vergangenheit, Körper und Geist), sondern auch mit allem, was uns umgibt.

3. Adho Mukha Shvanasana, herabschauender Hund

Spreize im Vierfüßlerstand die Finger und erde die Hände, vor allem Zeigefinger und Daumen. Schiebe anschließend das Becken nach hinten oben und lass dabei den Oberkörper lang und weit werden. Verbinde dich erneut mit dem Energiefluss entlang deiner Wirbelsäule und stell dir vor, wie er sich durch Arme und Beine zum Boden hin verlängert. Strebe mit den Fersen währenddessen Richtung Boden, ohne dabei die Ausrichtung von Rumpf und Schultern zu verändern.

Effekt: Diese Haltung dehnt die Beinrückseiten, die für das Unbewusste, für unverarbeitete Gefühle und eingefahrene Muster stehen. Wenn man in Emotionen gefangen ist, fällt es schwer, Verbundenheit zu spüren. Haltungen, die die Beinrückseiten dehnen, können helfen loszulassen im Yoga, was wir vielleicht unbewusst festhalten wollen. Deshalb eröffnet das eine ganzheitlichere Selbsterfahrung und schafft Verbindung zu universeller Intelligenz und Bewusstsein. Bleibe 8 bis 10 Atemzüge lang in der Haltung und atme dabei auf So Ham.

4. Parshva Tadasana, Berghaltung mit Seitbeuge

Verwurzle im Stehen die Füße in der Erde und richte ich von dort aus durch den gesamten Körper sanft auf. Dann hebe mit einer Einatmung die Arme und lege die Handflächen aneinander. Um den unteren Rücken zu stabilisieren sind Beine und Bauchmuskeln. Schultern und Nacken entspannt. Wachse nun mit der Einatmung über die Schädeldecke hinaus nach oben. Gleichzeitig wahrst du aber über die Füße deine Verbindung zur Erde. So bleibst du ganz in der körperlichen Erfahrung und kannst dich ausdehnen. Mit einer Ausatmung beugst du dich sanft nach rechts. Nach 5 Atemzügen auf So Ham kehrst du einatmend zurück zur Mitte. Dann beugst du dich wieder ausatmend für 5 Atemzüge nach links.

Effekt: Diese Stehhaltung schafft mehr Raum für den Atem. Sie mobilisiert die Zwischenrippenmuskulatur, die sich mit jedem Atemzug ausdehnt und wieder zusammenzieht. Über den Atem wird belebendes Prana aufgenommen, das Körper und Geist verbindet.

5. Utthita Trikonasana, gestrecktes Dreieck

Stelle die Füße zuerst parallel und eine Beinlänge voneinander entfernt. Drehe danach den rechten Fuß um 90 Grad auswärts und den linken Fuß leicht einwärts. Mit einer Einatmung hebst du die Arme auf Schulterhöhe zu den Seiten. Ausatmend streckst du dich nach rechts. Lass die Wirbelsäule lang werden, bevor du die rechte Hand am Boden, auf einem Block oder einem Hocker unterhalb der rechten Schulter absetzt. Den linken Arm führst du dann gelöst in die Senkrechte oder du legst die Hand ans Kreuzbein. Spüre des Weiteren den feinen Energiefluss, der von deiner Schädeldecke zum unteren Ende der Wirbelsäule verläuft. Atme 8 bis 10 Mal auf So Ham. Dann hebst du den Rumpf mit einer Einatmung wieder und übst das Dreieck für ebenso viele Atemzüge auf der linken Seite.

Effekt: Das Dreieck ist eine weitere Asana, die gleichzeitig Erdung und Verbindung nach oben, in unbegrenzte Weiten, vermittelt.

6. Dhanurasana, Bogen

Beuge in Bauchlage die Knie und umgreife Füße oder Knöchel. Wenn sich dabei der untere Rücken eng und gestaucht anfühlt, verwende einen Gurt oder üben eine sanftere Rückbeuge wie Shalabhasana (Heuschrecke). Hebe jetzt einatmend Kopf und Oberkörper und schiebe die Füße gegen die Hände. Dadurch kann der Brustkorb sich weiter heben. Halte die Asana während etwa 5 Atemzügen auf So Ham. Dann entspannst du einen Moment in der Stellung des Kindes.

Effekt: Der Bogen hilft, die Körpervorderseite weiter zu dehnen. Die Dehnung des Brustkorbs entspricht energetisch der Öffnung des Herzchakras – der Brücke zwischen Materie und Geist. Ein ausgeglichenes Herzchakra erleichtert es dir, die allem innewohnende Verbundenheit tiefer zu erfahren und dich in deinem Gegenüber wiederzuerkennen.

7. Baddha Konasana, gebundene Winkelhaltung

Nimm einen bequemen Sitz ein und ziehe die aneinandergelegten Fußsohlen möglichst nah in Richtung Schritt. Falls die Knie dabei deutlich höher stehen als das Becken, setze dich erhöht und stütze die Knie ab. Lass hierbei einatmend die Wirbelsäule lang werden, dann beugst du dich ausatmend langsam und sanft nach vorn. Sei dir auch hier des Energiefluss gewahr, der entlang der Wirbelsäule verläuft. Während 8 Atemzügen auf So Ham betonst du mit jeder Einatmung die Länge der Wirbelsäule, mit jeder Ausatmung lässt du dich sanft in die Vorwärtsbeuge sinken.

Effekt: Diese Haltung stärkt einerseits die Verbindung zur Körperrückseite, die unter anderem für die Fähigkeit zur Innenschau steht. Baddha Konasana bringt Körper und Geist andererseits zur Ruhe und bereitet dich auf die Endentspannung oder Meditation vor. Wenn die Wahrnehmung langsam feinstofflicher wird, kann Transformation geschehen. Die Hüftmobilisation unterstützt das Gefühl von Ruhe.

8. Supta Baddha Konasana, gebundene Winkelhaltung im Liegen

Lege den Rücken in Baddha Konasana, dem Schmetterling in Rückenlage, auf einer zusammengerollten Decke ab. Bei Bedarf stützt oder erhöhst du zusätzlich Kopf und Knie, damit Körper und Geist besser loslassen können. Die Gelenke sollten sich weit und entspannt anfühlen. Breite die Arme als nächstes locker zu den Seiten aus, drehe die Handflächen nach oben und schließe die Augen. Nimm die Gedanken wahr, die dir durch den Kopf gehen, und verweile solange in Supta Baddha Konasana, bis du spürst, dass du zur Ruhe kommst.

Effekt: Solange man durch Gedanken darüber, wie man zu sein hat oder hätte sein sollen, begrenzt wird, ist es schwer, sein wahres Selbst zu spüren. Um reines Bewusstsein oder die eigene wahre Essenz zu erfahren, muss man lernen, all diese Gedanken bewusst loszulassen. Ein Akt der Hingabe.


Sarah Platt-Finger, die hier nicht nur als Autorin, sondern auch als Model fungiert hat, ist Mitbegründerin von Ishta-Yoga in New York. Gemeinsam mit ihrem Mann Alan Finger unterrichtet sie zudem weltweit Workshops, Yoga-Ausbildungen und Retreats. Als Mitgründerin der Organisation Exhale to Inhale fördert sie traumainformierte Yogakurse für Opfer häuslicher Gewalt.

Mehr Info auf sarahplattfinger.com und auf Instagram @sarahplattfinger

3 Übungen für einen ruhigen Geist

Sei es bei alltäglichen Auseinandersetzungen oder angesichts von besorgniserregenden gesellschaftlichen Entwicklungen: Diese Übungen von Rina Deshpande helfen, deine Emotionen und deinen Geist zunächst anzunehmen, wie sie sind, und sie dann wieder ins Gleichgewicht zu bringen. So kannst du bewusst entscheiden, wie du mit einer bestimmten Situation umgehen willst.

Text: Rina Deshpande / Titelbild: Romolo Tavani (Getty Images)

Die folgenden Anregungen stammen aus alten Yogalehren und modernen Achtsamkeitstechniken. Du kannst sie einzeln üben, aber sie bilden auch eine sehr wirkungsvolle Abfolge.

Lies auch den ersten Teil dieses Artikels „Stürmische Zeiten & erhitzte Gemüter: Was lehrt uns die Bhagavad Gita?“ von Rina Deshpande:

1. Übung: Selbst-Mitgefühl

Achtsames Selbst-Mitgefühl schafft einen Raum, in dem wir unsere Emotionen liebevoll achten und verarbeiten können. Der buddhistische Mönch Thich Nhat Hanh regte dazu an, uns im Umgang mit uns selbst daran zu orientieren, wie ein Elternteil ein verzweifelt weinendes Kleinkind trösten und beruhigen würde: Mit demselben Mitgefühl und derselben zartfühlenden Fürsorge sollten wir nach seiner Überzeugung unsere eigenen Gefühle betrachten. Mit etwas Übung können wir dabei lernen, uns nicht von unseren Emotionen mitreißen zu lassen, sondern sie wirksam zu verarbeiten, sobald sie entstehen. Das macht uns im besten Fall nicht egoistischer, sondern ganz im Gegenteil auch mitfühlender und geschickter im Umgang mit den Gefühlen unserer Mitmenschen.

Bild gemeinsam malen
Foto: RDNES Stock project via Pexels

2. Übung: Atem

Nach yogischer Vorstellung regulieren wir über die Atmung die Aufnahme und den Fluss von Prana, der Lebenskraft. Viele yogische Atemtechniken (Pranayama) sind kraftvolle Helfer, wenn es darum geht, das Nervensystem zu beruhigen. Um emotional in ruhigeres Fahrwasser zu kommen, genügt es oft schon, sich einige Atemzüge lang nur auf den Atem zu konzentrieren und ihn ruhig bis in den Bauch fließen zu lassen – die sogenannte Zwerchfellatmung. Klassische Pranayama-Techniken wie die verlangsamte Atmung mit verengter Stimmritze (Ujjayi) oder eine verlangsamte Ausatmung mit einem summenden Ton (Bhramari) haben noch stärker beruhigende Wirkung. Das hilft uns, Körper und Geist zu reinigen und zu nähren, so dass wir besser auf stressige Situationen reagieren können.

Frau mit Händen auf dem Herzen
Foto: Liderina / Getty Images via Canva

3. Übung: Mantra

Mantra, also das konzentrierte Wiederholen eine Silbe (bija), eines Worts, einer Strophe (shloka) oder eines Gebets, wird im klassischen Raja Yoga als eine von acht Stufen auf dem Weg in die Meditation angesehen. Es kann aber auch ganz allgemein als eine Aufmerksamkeitspraxis verstanden werden, bei der man den Geist fest auf einen Gegenstand richtet. Gerade bei aufkommenden Konflikten hat der Geist ja die Tendenz wilde Kapriolen zu schlagen und Emotionen hochkochen zu lassen, die unsere gesamte Sicht auf das Leben hinwegfegen können. Die willentliche Bündelung des Geistes in der Mantra-Praxis kann uns helfen, diese Dynamik zu überwinden, das Ruder des Geistes wieder in die Hand zu nehmen und unser Lebensschiff sicher zu steuern.

Frau im Yoga Sitz mit Namaste-Händen
Foto: Srdjan Pav / Getty Images Signature via Canva

Autorin Rina Deshpande

Rina Deshpande lehrt, erforscht und schreibt seit über 15 Jahren über Yoga und Achtsamkeit. Ihre Artikel erschienen bei uns, Huffington Post, Self Magazine und vielen anderen. Außerdem hat sie 2022 ein Kinderbuch verfasst und selbst illustriert: „Yoga Nidra Lullaby„. Erfahre mehr über Rina und besuche sie auf ihrer Website oder ihrem Instagram-Account @rinathepoet


In diesem Artikel von Rina Deshpande erfährst du wertvolle Tipps, um Hingabe im Alltag zu üben:

Stürmische Zeiten & erhitze Gemüter: Was lehrt uns die Bhagavad Gita?

Stürmische Zeiten und erhitzte Gemüter – es ist gar nicht so einfach, da klar zu denken und das Ruder des eigenen Geistes wieder so fest in die Hand zu nehmen, dass man sein Lebensschiff sicher steuern kann. Das ist nicht erst heute so, schon die Bhagavad Gita berichtet davon …

Text: Rina Deshpande / Titelbild: Dziana Hasanbekava via Pexels

In den letzten Jahren haben Extremwetterereignisse an Zahl und Intensität deutlich zugenommen. In Florida, wo ich lebe, sind es besonders Hurrikane, also tropische Wirbelstürme, die uns mit Windgeschwindigkeiten bis zu 300 Stundenkilometern in Atem halten. Sie entstehen, wenn es an der Meeresoberfläche sehr viel wärmer ist als in höheren Luftschichten. Riesige Wassermassen verdunsten dann, sie steigen in die Atmosphäre auf und der dabei entstehende Unterdruck setzt enorme Energien frei in Form von Wolkenwirbeln, heftigen Winden und sintflutartigen Regenfällen. Dass solche zerstörerischen Stürme immer heftiger toben und immer mehr Schaden anrichten, hat vor allem damit zu tun, dass die Ozeane sich wegen des Klimawandels erwärmen. Eigentlich ist klar: Wir müssen den Anstieg der Meerestemperaturen in den Griff bekommen.

Hurrikan
Foto: Elen11 / Getty Images Pro via Canva

Was das mit Yogaphilosophie zu tun hat?

Ganz einfach: Yoga bedeutet in seinem Wortkern „Verbundenheit“. Wir erinnern uns also immer wieder daran, dass wir nicht losgelöst von den Wirkweisen der Natur existieren. Im Gegenteil: Wir können von ihnen lernen und dabei unser Leben verbessern – selbst wenn es sich um so bedrohliche Dinge wie einen Hurrikan handelt. Er entsteht wie gesagt durch ansteigende Temperaturen – und in vielen Sprachen gibt es Redensarten, die auch heftige Gefühle und Konflikte mit steigenden Temperaturen in Verbindung bringen: „Hitzkopf“ zum Beispiel, „kochen vor Wut“ oder „erhitzte Gemüter“. Und obwohl Wut durchaus eine transformierende, produktive Kraft sein kann, wirkt sie oft sehr zerstörerisch: Wenn wir es dauerhaft zulassen, dass sie sich unkontrolliert entlädt und wie ein Sturm durch unseren Körper fegt, kann sie uns körperlich krank machen.

Wir schaden uns aber nicht nur selbst, wir können, wenn es in einer sprichwörtlich „hitzigen Auseinandersetzung“ „heiß hergeht“ auch Beziehungen und Gemeinschaften beschädigen – erst recht, wenn Hass und Wut nicht nur einzelne Menschen, sondern ganze Gesellschaftsgruppen erfassen. Im extremsten Fall führt das zu globalen Zerwürfnissen und zu einem Ausmaß an Zerstörung, das nur sehr langsam oder gar nicht mehr vollständig heilt.
Gerade weil diese Tendenzen im Moment so allgegenwärtig zu sein scheinen, ist es umso wichtiger, dass wir auch unsere emotionale Temperatur regulieren lernen und uns darin üben, Gefühle zu erkennen, einzuordnen und gut mit ihnen umzugehen. Nur so können wir vermeiden, von einem Wirbelsturm der Wut und Zerstörung hinweggefegt zu werden.

Inspiration zum Umgang mit Emotionen findest du hier: „Umgang mit Emotionen: Shivas Tanz“

Gewitter Blitz am Himmel
Foto: Ig0rzh / Getty Images via Canva

Was lehrt uns die Bhagavad Gita?

Wie du vielleicht weißt, ist dieser klassische indische Weisheitstext eingebettet in eine alte indische Heldenerzählung. Ihr Schauplatz ist ein Schlachtfeld, das auf der Ebene der philosophischen Lehre symbolisch für unsere alltäglichen Kämpfe steht: Es geht um die Herausforderungen unseres irdischen Lebens. Der Held, von dem erzählt wird, Arjuna, ist nicht nur verpflichtet, als Krieger in die kommende Schlacht zu ziehen, er soll in diesem Fall sogar gegen seine eigenen Verwandten antreten.

Damit spiegelt die Bhagavad Gita, der „Gesang Gottes“, etwas wider, das wir alle wohl kennen: Meistens sind wir nicht mit Fremden oder vermeintlichen Gegnern im Konflikt, sondern ganz besonders – und oftmals viel schmerzhafter – mit Menschen, die wir kennen und lieben. Der Gott Krishna erklärt Arjuna, dass wir sehr gut aufpassen müssen, wie wir in solchen Situationen reagieren und handeln.

Die Sinne zügeln

Nach Überzeugung der Bhagavad Gita ist es vor allem die im irdischen Dasein natürlich angelegte Prägung des Menschen durch seine Sinneswahrnehmungen, die uns hier im Weg steht. Wenn wir völlig davon eingenommen sind, was unsere Sinne als wünschenswert oder wahr erscheinen lassen, als angenehm oder unangenehm, dann verlieren wir den Fokus: Aus Wünschen entstehen immer stärkere Begierden und werden die nicht erfüllt, dann sind Zorn und destruktives Handeln die Folge. Krishna betont, wie wichtig es ist, aus diesem Teufelskreis auszusteigen, die Anhaftung an die Sinne in den Griff zu bekommen und auch in konfliktreichen Situationen Mittel und Wege zu finden, die Ruhe zu bewahren und sich nicht aus der Bahn werfen zu lassen. In Kapitel 2, Vers 67 heißt es:

indriyanam hi charatam
yan mano ’nuvidhiyate
tadasya harati prajnam
vayur navam ivambhasi


Das kann man in etwa so übersetzen: „So wie starke Winde ein Boot auf dem Wasser mit sich fortreißen, so kann der Geist die Intelligenz hinwegfegen, wenn er sich von den Sinneseindrücken vereinnahmen lässt.“ Unser Ziel sollte es demnach sein, sich von der Flut unserer Wünsche und Abneigungen nicht stören zu lassen und den Geist klar und ruhig zu halten. In Vers 70 des 2. Kapitels findet die Bhagavad Gita auch dafür ein schönes Bild: Man werde, heißt es da, wie ein Meer, dass trotz des Zustroms verschiedener Flüsse (nämlich der Sinneseindrücke und ihrer emotionalen Prägung) ruhig bleibt wie ein Ozean in seiner Tiefe.

Hier findest du einige alltagstaugliche Tipps von Rina Deshpande zur Beruhigung der Sinne.

Sturm am Meer
Foto: Nate_Bittinger / Getty Images Pro via Canva

Ruhe im Sturm finden

Dabei räumt der Text durchaus ein, dass Stürme und hitzige Konflikte manchmal unausweichlich sind. Manche sind viel schlimmer als andere, vielleicht sogar lebensbedrohlich, auch das finde ich wichtig zu betonen. Es geht also nicht darum, auszuweichen oder hitzige Gefühle wegzudrücken. Vielmehr sollte man sich, besonders im Alltag, immer wieder selbst überprüfen und fragen: Wie kann ich damit umgehen, dass meine Gefühle, Denkmuster oder Lebensumstände gerade immer angespannter oder symbolisch gesprochen „erhitzter“ werden? Wie kann ich in dieser konkreten Situation auf produktive Weise nach vorne schauen und handeln? Die alten Weisheitslehren erinnern uns daran, diese Situation zunächst einmal zu akzeptieren, uns zu beruhigen und zentrieren und erst dann zu handeln.

Genau wie das Wetter unterliegen auch unsere Gefühle und Beziehungen natürlichen Zyklen. Vielleicht dauert es einige Zeit und du musst dich immer wieder auf deine Praxis zurück besinnen, bis du tief in dir eine Ruhe wahrnehmen kannst, die dich in den Stürmen, die an der Oberfläche gerade toben, stabilisiert. Auch wenn der Wind dir eine Zeit lang heftig ins Gesicht bläst: Wenn du lernst, das Ruder in die Hand zu nehmen und dein Ziel im Blick behältst, bist du unterwegs zu einem tieferen Verständnis.

Hier findest du 3 wirkungsvolle Übungen für einen ruhigen Geist:


Rina Deshpande lehrt, erforscht und schreibt seit über 15 Jahren über Yoga und Achtsamkeit. Ihre Artikel erschienen bei uns, Huffington Post, Self Magazine und vielen anderen. Außerdem hat sie 2022 ein Kinderbuch verfasst und selbst illustriert: „Yoga Nidra Lullaby„. Erfahre mehr über Rina und besuche sie auf ihrer Website oder ihrem Instagram-Account @rinathepoet


Synchronizität – alles bloß Zufall?

synchronizitaet

Du findest auf der Straße einen Gegenstand, du begegnest am anderen Ende der Welt einem Bekannten oder Dinge passieren immer zur selben Zeit. Du spürst: Das hat etwas zu bedeuten. Aber was? Synchronizität ist eine Meisterin im Gewebe der Manifestationen. Hier erfährst du, wie du sie erkennen und interpretieren kannst.

Text: Isabelle Fontaine / Titelbild: sy via Canva

„Das kann doch kein Zufall sein!“

Thierrys Geschichte ist die vielleicht erstaunlichste: Eigentlich will er seine Pilgerwanderung nach Santiago de Compostela in einem Internet-Blog dokumentieren, aber das Ganze gestaltet sich schwierig. Zu kompliziert, zu technisch, denkt er resigniert und marschiert einfach los. Bis er an einem der ersten Abende in der Herberge mit seinem Tischnachbarn ins Gespräch kommt – und der entpuppt sich als der Programmierer genau jener Plattform, die Thierry für seinen Blog im Auge gehabt hatte. Es macht ihn noch heute fassungslos: „Wie unwahrscheinlich ist das denn, dass ich genau diesem Menschen, an diesem Ort, in diesem Moment begegne?“ Natürlich ergibt diese unverhoffte Begegnung sofort einen Sinn: Dank einiger fachkundiger Tipps kann Thierry seine Erfahrungen auf dem Jakobsweg nun doch schon unterwegs online stellen.

Justine macht sich an diesem Montag schweren Herzens auf den Weg zur Arbeit. Seit Monaten gelingt es ihr nicht, sich der Übergriffe ihres Vorgesetzten zu erwehren. Als sie an einer Parkbank vorübergeht, steht der dort sitzende Mann unvermittelt auf uns sagt laut in sein Telefon: „Du musst jetzt stark sein. Das schaffst du!“ Justine ist wie vom Donner gerührt und bricht in Tränen aus. „Ich kann es nicht erklären, aber ich wusste sofort: Das war eine Nachricht für mich! Ich habe mich mit einem Mal so erleichtert und unterstützt gefühlt. Als wenn eine unsichtbare, aber sehr spürbare Kraft über mich wacht, die mir sagt: Du bist nicht allein.“

Auch Valerie hat seit einiger Zeit Probleme im Job: „Meine Intuition sagte mir schon seit Monaten, dass ich kündigen sollte, aber finanziell war das alles andere als einfach.“ Eines Abends, auf dem Heimweg von einer Feier, verfährt sie sich so gründlich, dass sie entnervt anhält und aus dem Auto steigt. „Und da taucht plötzlich ein Hirsch aus dem Dunkel auf, geht langsam auf mich zu und sieht mir fest in die Augen.“ Als das Tier schließlich wieder in der Nacht verschwindet, fühlt es sich für sie an, „als ob sich mein innerer Tacho wieder auf Null gestellt hat. Ich wusste: Ich brauche nicht nur irgendwann einen anderen Job, das hat jetzt Priorität. Wenige Wochen später hab ich gekündigt.“

Psychologische Bedeutung von Synchronizität

Die im richtigen Moment auftauchende rechte Person, ein aufgeschnappter Satz, der klingt, als sei er für dich gemeint, ein Tier, dessen eigenartiges Verhalten eine starke Wirkung auf dich hat – das sind nur einige Beispiele dafür, wie Synchronizität zu uns spricht. Die Theorie zu diesem Konzept des eigenartigen Zufalls, der einen tieferen Sinn ergibt, hat Carl Gustav Jung entwickelt. Für den Begründer der analytischen Psychologie (und Rivalen Sigmund Freuds) waren bedeutsame Koinzidenzen Manifestationen des Unus Mundus, also der „einen Welt“ der Alchimisten, in der Materie und Geist nicht getrennt, sondern Teile von ein und demselben sind: Sie kommunizieren untereinander und produzieren so Ereignisse, die nicht durch Ursachen miteinander verbunden sind, sondern durch Sinn.

Deswegen sind solche Koinzidenzen alles andere als unbedeutend, im Gegenteil: Sie sind berufen, uns zu uns selbst zu führen, indem sie uns mit unserer Intuition in Kontakt bringen und uns die Botschaften übermitteln, die für unsere Entwicklung jetzt nötig sind. Sie zu bemerken und willkommen zu heißen, ist daher essenziell – genau wie ihre Entschlüsselung.

Spannenderweise hat Synchronizität die Eigenschaft, ihre starke emotionale Wirkung bei nahezu allen Menschen zu entfalten, selbst bei den rationalistischsten. So kann sie eine Öffnung hin zum Spirituellen ermöglichen und Menschen dazu bringen, ihre bisherige Weltsicht zu hinterfragen und sich dem zu stellen, was Jung die „irrationale Fülle des Lebens“ genannt hat. Diese Fülle ist oft schwierig zu fassen und Synchronizität kann sehr viele verschiedene Gesichter annehmen. Dennoch lassen sich ein paar Grundtypen besonders häufig beobachten. Hier sind die wichtigsten – samt einiger Fährten, um sie zu interpretieren:

1. Zufällig gefundene Gegenstände

Manchmal scheinen Dinge regelrecht zu einem zu kommen: Wir begegnen ihnen auf der Straße, auf einem Zugsitz, vor der Haustür oder beim Spaziergang im Wald – und sie springen uns so ins Auge, dass wir sie unmöglich übersehen können. Traditionell interpretieren wir zum Beispiel eine Feder als einen Gruß des Schutzengels oder ein Geldstück als Zeichen für glückliche Fügung, aber auch ganz andere Gegenstände können Botschaften enthalten, eigentlich ist die Liste unendlich: ein Schmuckstück mit symbolischer Form, ein Buch mit einem sprechenden Titel, ein Schuh, eine Spielkarte oder sogar ein ganz profanes Schriftstück wie ein Führerschein oder eine Geburtsurkunde. Es kann ein Objekt sein, das jahrelang verschollen war und dann auf erstaunliche Weise wieder auftaucht oder auch etwas Unbekanntes, das wir genau jetzt gut gebrauchen können.