„Blooming into yourself“ – Interview mit Lena Jungmann über Yoga & Selbstbewusstsein

lena jungmann wild thing yogapose

Kann man im Yoga zu mehr Selbstbewusstsein finden? Lena Jungmann meint: auf jeden Fall! Sie vergleicht diesen Weg mit dem Aufblühen einer Blume, denn auch wir Menschen streben nach Licht und nach Entfaltung und können dank Praxis und Geduld zu starken Individuen heranwachsen.

Interview: Stephanie Schauenburg / Fotos: Mustafa Ali Abdullah

Wie hat Yoga dein Selbstbewusstsein beeinflusst?

Yoga hat mich gelehrt, dass es okay ist, für mich einzustehen, stolz auf mich zu sein und meine Erfolge zu feiern. Manchmal darf man auch einfach mal im Rampenlicht stehen. Das bedeutet natürlich nicht, dass ich jeden Tag selbstsicher starte, aber darum geht es auch nicht. Vielmehr habe ich im Yoga Mittel gefunden, mich anders mit meinem Selbst auseinanderzusetzen: eben nicht immer nur kritisch, sondern auch mal begeistert. Warum sollen wir immer unsere größten Kritiker sein, wenn wir auch unsere größten Fans sein können?

Wobei es uns im Yoga ja nicht um Eitelkeit geht, sondern um Bewusstsein …

Eben – und das Schöne ist, dass das im deutschen Wort „Selbst-Bewusstsein“ schon mit drin steckt: Bewusstsein für das Selbst, den Körper, den Geist und dafür, wie alles zusammenhängt. Das beginnt bei dem Bewusstsein, wie es mir in diesem Moment gerade geht. Ich nehme das ganz viel in meine Praxis und in meinen Unterricht hinein: Hinzuspüren und sich immer wieder bewusst zu machen, wie sich etwas gerade jetzt anfühlt.

Lena Jungmann, Dreieck Trikonasana, Blooming into yourself

Dreieck (Trikonasana) „In Stehhaltungen wie dem Dreieck oder den Kriegern steht man fest auf beiden Beinen. Das gibt mir ein Gefühl von Mut und Entschlossenheit und erinnert mich daran, dass ich den Herausforderungen des Lebens mit Stärke und Zuversicht begegnen darf.

Diese Selbsterforschung mit dem Ziel von Bewusstheit – oder sogar von Selbsterkenntnis – ist ja etwas sehr Yogisches. Den Begriff „Selbstbewusstsein“ verwenden wir aber meistens eher im Sinn von Selbstsicherheit.

Ich glaube, dass diese Form von „Selbst-Bewusstheit“ auf jeden Fall in die Selbstsicherheit münden kann. Die baut sich auf, indem man sich Schritt für Schritt selbst ermutigt, die eigene Kraft wahrnimmt, die Fortschritte, den Raum, den man einnimmt. Und irgendwann strahlt man das auch aus.

Welche Rolle spielt für dich dabei das körperliche Üben auf der Matte?

Fortschritte auf der Matte kommen oft langsam, sie erfordern Ausdauer und Hingabe. Diese Erfahrung kann uns, glaube ich, auch im Alltag helfen, beharrlich und geduldig zu bleiben, wenn wir auf Hindernisse stoßen. Indem wir uns selbst immer wieder herausfordern und über unsere Grenzen hinauswachsen, bauen wir ein starkes Gefühl der Selbstwirksamkeit auf – die Überzeugung, dass wir fähig sind, Schwierigkeiten zu überwinden.

Für die Bilder zu diesem Artikel hast du lauter kraftvolle, ausdrucksstarke Asanas ausgewählt.

Das stimmt. In solchen Haltungen, gerade auch in den Stehhaltungen, kann man ganz deutlich wahrnehmen: Ich stehe fest auf beiden Beinen, ich stehe für mich ein, ich erde mich und wachse, ich darf den Raum einnehmen und muss mich nicht klein machen. Ich darf auch mal die Grenzen meiner Matte überschreiten.

Lena Jungmann, Tänzer Natarajasana, Blooming into yourself

Tänzer (Natarajasana) „Konzentriert auf einem Bein zu balancieren und sich dabei zu strecken, auszudehnen und den Herzraum weit zu machen – für mich liegt darin nicht nur viel Anmut, sondern auch ein Ausdruck geistiger Stabilität.

Das funktioniert ja in beide Richtungen: Eine bestimmte Körperhaltung drückt meine Befindlichkeit nicht nur aus, sie kann sie auch verändern. Eine kraftvolle Haltung etwa führt dazu, dass ich mich in dem Moment als kraftvoller erlebe …

Ja! Ich brauche Platz auf der Matte und ich traue mich, mich zu zeigen.

Da finde ich es spannend, dass du durch Instagram zu Yoga gekommen bist. Für viele ist das ein Medium der permanenten Einschüchterung: Man setzt sich absurden Idealbildern und einer krassen Bewertung aus.

Ich muss sagen, dass das in der Yogabubble, in der ich gestartet bin, überhaupt nicht so war. Die habe ich als sehr unterstützend erlebt. Das hat mir im Gegenteil eher geholfen, mich auch mal zu feiern und nicht klein zu machen.

Lena Jungmann, Vajrapradama Mudra, Blooming into yourself

Vajrapradama Mudra – Das „Mudra des unerschütterlichen Vertrauens“ ist eine tolle Übung fürs Selbstbewusstsein. Nach meiner Erfahrung hilft sie wirkungsvoll, den Glauben an sich selbst zu stärken und Zweifel loszulassen. Sie kann Ängste, Unruhe und emotionale Spannungen abbauen, das Nervensystem beruhigen und mehr Ruhe und Stabilität bringen. Außerdem hilft sie mir zuverlässig, mich mit meiner inneren Weisheit und Intuition zu verbinden. So geht’s: Verschränke die Finger beider Hände miteinander und lege die Handflächen an deinen Brustbereich. Atme ruhig und konzentriere dich einige Minuten lang auf das Gefühl von Vertrauen und innerer Stärke.

Wir hören auch immer wieder mal Kritik daran, dass das vorherrschende Bild junge, hübsche, schlanke und weiße Yogafrauen sind. Manche haben dann das Gefühl: Yoga ist nicht für mich, weil ich so nicht aussehe.

Ich scheue mich ehrlich gesagt immer etwas, auf dieses Thema einzugehen, denn ich habe keine Lust, da typgecastet zu werden. Mein Körper ist, wie jeder, im Fluss. Ich muss keiner Norm, keinem Idealbild entsprechen und verstehe auch nicht, warum ich jetzt ein Yogaprogramm für Füllige anbieten sollte. Ich will nicht in diese Nische geschoben werden, sondern einfach Yoga unterrichten – für alle.

Deswegen passt der Titel „Blooming into yourself“ ja auch so schön: Es geht darum, wirklich in sich selbst hinein zu erblühen, statt irgendeine vorgefertigte Form auszufüllen.

Ja, darum geht es. Ich darf sein, wer ich bin, egal wie die Umstände sind.

Vielleicht brauchen wir an dieser Stelle neben Selbstbewusstsein, Selbstwirksamkeit und Selbsterkenntnis noch ein weiteres Selbst-Wort: Selbstverständlichkeit?

Absolut. Diese Freiheit zur Selbstfindung sollte eine Normalität sein. Gerade im Yoga sind wir ja schnell dabei, das Ego zu verdammen, dabei ist diese Ich-Stimme in uns auch eine gute und wichtige, die uns hilft, Grenzen zu setzen. Man kann sehr selbstbewusst sein und für sich einstehen, ohne dabei ein aufgeblähtes Ego zu haben und sich für etwas Besseres zu halten. Es geht ja immer um Selbsterkenntnis.

Lena Jungmann, Seitstütz Vasishthasana,

Seitstütz (Vasishthasana) „Hier arbeiten Arme, Schultern und die seitliche Rumpfmuskulatur kraftvoll zusammen, um den Körper zu stabilisieren. Gleichzeitig breite ich mich freudig in alle Richtungen aus. Ich weiß: Ich muss mich nicht klein machen, ich darf diesen Raum einnehmen.

Gleichzeitig ist es zutiefst menschlich, sich im anderen zu spiegeln und sich zu vergleichen. Wie gehst du mit Selbstzweifeln um?

Das passiert immer mal wieder: Eine Person verlässt plötzlich den Yogaraum und mein erster Gedanke ist: „Oh nein, hab‘ ich was Falsches gesagt? Wieso fühlt sich die Person bei mir nicht wohl?“ Direkt ist mein Ego gekränkt oder ich empfinde es als Zurückweisung. Dabei kann es doch auch bedeuten, dass sie sich plötzlich nicht mehr fit fühlt oder vielleicht den Herd zu Hause angelassen hat.

Und in deiner eigenen Praxis?

Da ist es ganz ähnlich: Ich bin wackelig in meinem Kopfstand und zweifle vielleicht im ersten Moment mein Können an. Doch vielleicht ist es einfach nur Erschöpfung oder ich habe weniger Balance-Gefühl in diesem Moment. Inzwischen habe ich mir angewöhnt, erst mal bewusst einen Reality Check zu machen und nicht gleich emotional und zweifelnd zu reagieren – dabei kann ich wieder echtes Selbst-Bewusstsein herstellen.

Lena Jungmann, Wild Thing Camatkarasana, Blooming into yourself

Wild Thing (Camatkarasana) „In dieser dynamischen Rückbeuge spüre ich meine Flexibilität und Kreativität. Durch das Heben der Hüften und das Zurücklehnen über eine Hand entsteht eine kraftvolle Herzöffnung, die viel Energie freisetzt. Ich erlebe: Auch wenn alles upside down ist und ich mich verletzbar mache, ich kann das!

Dahin zu kommen, ist sicher ein längerer Prozess?

Der Weg zum Selbstbewusstsein ist kein einfacher, schon gar nicht verläuft er linear. Es baut sich in vielen kleinen Fortschritten und Rückschritten allmählich auf. Aber es beginnt immer mit der bewussten Entscheidung, sich selbst wertzuschätzen und zu akzeptieren. Wir müssen uns Erlaubnis geben, dort anzufangen, wo wir gerade stehen, und unseren eigenen Weg zu gehen. Mein Motto ist da immer: Arbeite nicht gegen dich, sondern mit dir.

Lass uns zum Schluss auf die Blumen-Metapher zurückkommen. Du vergleichst den Weg zu Selbstbewusstsein mit dem Aufblühen einer Blume.

Ja, weil beide Prozesse Zeit, Pflege und Geduld erfordern: Mit der richtigen Menge an Wasser, Licht und Nährstoffen beginnt der Samen zu keimen und sich zu entwickeln. Auch Selbstbewusstsein beginnt als leise innere Stimme, die durch positive Erfahrungen und Selbstreflexion wächst. Wie die Blume, die sich nach dem Sonnenlicht ausrichtet, richten wir uns im Yoga nach unserem höheren Selbst und der universellen Energie aus. Durch kontinuierliche Praxis und Selbstdisziplin kann unser inneres Vertrauen wachsen. Achtsamkeit (Svadhyaya) und Hingabe (Ishvara Pranidhana) unterstützen uns dabei, unser wahres Potenzial zu entfalten und zu einem starken, selbstbewussten Individuum heranzureifen.

Lena Jungmann, stehende Rückbeuge Anuvittasana,

Stehende Rückbeuge (Anuvittasana) „Eine meiner Lieblings-Asanas: Sie weitet den Herzraum, dehnt den gesamten Vorderkörper und gibt mir ein Gefühl von Offenheit und Selbstbewusstsein. Gleichzeitig stehe ich fest mit meinen Füßen auf dem Boden.


„Happy Lena Yoga“ heißt Lena Jungmanns Instagram-Account – und mit dieser fröhlichen Energie unterrichtet die aus Österreich stammende Wahl-Berlinerin auch ihre Hatha-, Vinyasa- und Yin-Yoga-Klassen und -Retreats. Lenas Mission: Yoga für alle. Mehr zu Lena auf ihrer Website happylenayoga.com und auf Instagram @happylenayoga

Passend zum Thema Selbstbewusstsein hat Lena für dich eine Yoga-Playlist zusammengestellt. Du findest sie hier:

Yogafrühling in Gastein – Balance finden, Natur spüren

Yogafrühling in Gastein
Yoga in Gastein (c) Gasteinertal Tourismus GmbH, Marktl Photography
Wenn die Bergwiesen blühen und die klare Alpenluft mit neuer Energie erfüllt ist, beginnt im Gasteinertal eine besondere Zeit der Achtsamkeit: Der Yogafrühling lädt vom 23. Mai bis 1. Juni 2025 dazu ein, Körper, Geist und Atem inmitten der Natur zu vereinen. Unter dem Motto „Atme die Berge“ finden über 300 Yoga-Einheiten an außergewöhnlichen Orten statt – mal mit Blick auf die schneebedeckten Gipfel, mal umgeben von warmem Thermalwasser. //anzeige

Wo Natur, Kraft und Achtsamkeit eins werden

Yogafrühling in Gastein
Yoga in Gastein (c) Gasteinertal Tourismus GmbH, Marktl Photography

Gastein liegt im Süden des Salzburger Landes und ist Teil des Nationalparks Hohe Tauern, einem der größten Naturschutzgebiete Europas. Die Region verbindet alpine Weite mit heilender Thermaltradition, gelebter Gastfreundschaft und einem nachhaltigen Zugang zur Natur. In den drei Orten Bad Gastein, Bad Hofgastein und Dorfgastein bietet der Yogafrühling eine beeindruckende Vielfalt an Kursen – geeignet für Anfänger*innen ebenso wie für erfahrene Yogi*nis.

Über 300 Einheiten – für jede*n das Passende

Yogafrühling in Gastein
Yoga in Gastein (c) Gasteinertal Tourismus GmbH, Marktl Photography

Das Programm ist so vielseitig wie die Landschaft. In rund 300 Kursen und Workshops bringen erfahrene Lehrer*innen aus dem In- und Ausland ihre individuellen Stile und Schwerpunkte ein. Yoga-Klassiker, inspirierende Neuansätze und bewegte Meditationen wechseln sich ab – ergänzt durch Klangreisen, Atemsessions und Tanzformate.

Besonders beliebt: die Outdoor-Einheiten an ausgewählten Kraftplätzen – wie im Garten des Naturladens, in Sportgastein oder auf dem Stubnerkogel auf über 2.200 Metern Höhe. Hier verschmilzt die Yoga-Praxis mit der ursprünglichen Kraft der Natur.

Highlights 2025 – Tiefe, Klang und Verbindung

Yogafrühling in Gastein
Yoga in Gastein (c) Gasteinertal Tourismus GmbH, Marktl Photography

Ein besonderes Highlight sind die Conscious Vinyasa Workshops von Joayoga. Am 24. und 25. Mai unterrichtet Joaquin Gomez Picca, international bekannter Yogalehrer, im Kongresszentrum Bad Hofgastein. In seinen vier Einheiten verbindet er Asanas, Atemtechniken und Achtsamkeit zu einem fließenden Gesamterlebnis. Ideal für alle, die sich mehr Stabilität, Fokus und Körperbewusstsein wünschen – oder den freien Handstand erkunden möchten.

Einen besonderen Auftakt setzt am 23. Mai der „Yoga-Jodelwalk“ mit Johma Haslinger in Sportgastein – Atem, Klang und Bewegung vereinen sich auf einem achtsamen Weg durch die Natur.

Am 27. Mai steht mit „Movement Alchemy“ von Fia Sonora ein spielerischer Ansatz im Fokus: Partnerübungen, kreative Bewegung und Vertrauen bilden die Basis dieses ganzheitlichen Workshops.

Zum Abschluss am 31. Mai bringt Kirbanu beim „Sacred Ceremony Concert“ Musik, Meditation und Herzensklänge in die Abenddämmerung – ein emotionaler Ausklang voller Ruhe und Verbindung.

Yoga im Wasser – schwerelos entspannen

Yogafrühling in Gastein
Felsentherme (c) Max Steinbauer Photography

Neben den klassischen Yogamatten-Kursen bietet der Gasteiner Yogafrühling auch einzigartige Erlebnisse wie Aqua Yoga in der Felsentherme. Im 32 Grad warmen Thermalwasser wirken sanfte Bewegungen besonders wohltuend – die Gelenke werden entlastet, Verspannungen gelöst und die Tiefenmuskulatur gestärkt. Atem und Wasser fließen hier ganz selbstverständlich zusammen.

Übernachten in den Yoga-Premiumhotels und gesunde Vielfalt der Region

18 Partnerhotels in allen drei Gasteiner Orten sorgen dafür, dass der Yogatag rundum harmonisch wird. Sie bieten nicht nur Yogamatten und Rückzugsorte, sondern auch eigene Programme – vom Healthy-Menü bis zur Morgenmeditation im Garten. Die Unterkünfte sind perfekt auf die Bedürfnisse von Yogareisenden abgestimmt und liegen entweder naturnah oder zentrumsnah mit Blick auf die Berge.

In ausgewählten Restaurants der Region stehen leichte, kreative Gerichte auf der Karte – etwa vegane Holzofenpizza mit Grillgemüse, aromatisches Gemüsecurry mit Reis oder Bio- Haferrisotto mit gedämpftem Gemüse und Sprossen.

Ob beim vitalen Frühstück, mittags mit bunten Bowls oder abends mit vegetarisch inspirierten Menüs – Achtsamkeit endet in Gastein nicht auf der Yogamatte, sondern findet auch auf dem Teller ihren Platz.

Jetzt Platz sichern, Kraft tanken und mit jedem Atemzug die Berge spüren:

Yogafrühling in Gastein
Yoga in Gastein (c) Gasteinertal Tourismus GmbH, Marktl Photography

Gesund üben mit Kristin Rübesamen: Der untere Rücken

In der Yogapraxis auf Gelenkgesundheit zu achten, ist nicht dasselbe
wie Yogatherapie. Mit den hier gezeigten Übungen trägst du dazu bei, deinen unteren Rücken gesund zu erhalten und seine Anatomie besser zu verstehen. Bei Verletzungen und Schmerzen solltest du sie aber nur sehr vorsichtig einsetzen.

Text und Sequenz: Kristin Rübesamen / Fotos: Nela König / Outfit: Kismet Yogastyle

Das aus Darmbein, Sitzbein und Schambein bestehende Hüftbein bildet zusammen mit dem Kreuzbein einen knöchernen Ring, verbunden durch drei wenig bewegliche Gelenke: die beiden Kreuz-Darmbeingelenke (auch: Iliosakralgelenke oder kurz ISG) und die Schambeinfuge (Symphose). Das Kreuzbein sitzt wie ein Keil zwischen den Hüftbeinen, zusätzlich stabilisiert durch straffe Bänder. Es bildet das untere Ende der Wirbelsäule und bestimmt deren Aus- und Aufrichtung. Schon winzige Verschiebungen des Kreuzbeins im Becken können starke Schmerzen auslösen. Zu deren Ursachen zählen: Instabilität, Überbeanspruchung, Fehlhaltung oder Fehlbelastung, Verschleißerscheinungen, Lockerung der Schambeinfuge während Schwangerschaft und Morbus Bechterew.

1. Künstliche Dysbalance

unterer Rücken Kristin Rübesamen

Häufige Ursache für Schmerzen im unteren Rücken sind Blockaden in einem oder beiden Iliosakralgelenken, die von einem Beckenschiefstand begleitet werden. Ist das tatsächlich der Fall, kannst du mit dieser Übung einen „Reset“ anstoßen.

Hebe in Rückenlage die Beine in einen doppelten 90-Grad-Winkel und lege die Hände an die Knie. Ziehe beziehungsweise schiebe nun die angewinkelten Beine mit den Händen in gegensätzliche Richtung, also ein Bein zu dir heran und das andere von dir weg. Baue dabei Spannung auf, indem du mit den Beinen dem Impuls der Hände standhältst. Die Knie bewegen sich dadurch nur ein paar Zentimeter weit, aber du kannst spüren, wie du eine subtile Dysbalance in den beiden Iliosakralgelenken provozierst, die Blockaden lösen und einen Reset einleiten kann. Übe beide Seiten im Wechsel, jeweils einige Sekunden lang.

2. Aktivierung der vorderen diagonalen Muskeln

Aktivierung der vorderen diagonalen Muskeln, Kristin Rübesamen, unterer Rücken

Bandscheiben und Iliosakralgelenke erfahren eine Entlastung, wenn die diagonal verlaufenden (obliquen) Muskeln auf der Körpervorderseite kräftig und ihren Faszien straff sind – das baut Druck ab und stellt einen gesunden Zug her.

Strecke in der Rückenlage die Beine und Arme senkrecht nach oben. Hebe nun gleichzeitig langsam (nicht ruckartig) die rechte Gesäßhälfte und die linke Schulter. Ziehe beide wieder aktiv zurück und lege sie behutsam ab, bevor du nun die linke Gesäßhälfte und die rechte Schulter hebst und wieder senkst. Achtung: Widerstehe bei dieser Bewegung der Versuchung, Füße und Hände zueinander zu führen, der Abstand zwischen Armen und Beinen bleibt gleich. Wiederhole die Bewegung langsam noch mehrmals im Wechsel der Diagonalen. Wenn du dabei den Kopf mit anhebst, wird sie deutlich intensiver.

3. Setu Bandha Sarvangasana

Setu Bandha Sarvangasana, Kristin Rübesamen, unterer Rücken

Bei dieser Rückbeuge mobilisierst du die Körpervorderseite und dehnst vor allem die Hüftbeuger, die schrägen und geraden Bauchmuskeln. Gleichzeitig arbeiten deine Muskeln aber so zusammen, dass du Stabilität und Länge in der Lendenwirbelsäule wahren kannst.

Stelle in der Rückenlage deine Füße hüftschmal auf und lege die Arme längs neben deinem Körper ab. Drücke die Füße gegen die Matte und hebe das Becken sanft, ohne den Rücken durchzudrücken. Schiebe deine Füße, Hände und Schultern weiterhin gegen den Boden und lass das Becken wieder minimal absinken. Wichtig: Entspanne bewusst dein Gesäß und lass den Nacken lang. Falls der Zug über die Vorderseite der Oberschenkel zu straff ist, drehst du die Füße leicht nach außen.

4. Dehnung der Beinrückseite

Dehnung der Beinrückseite, Kristin Rübesamen, unterer Rücken

Ein Klassiker, um die Muskulatur der Beinrückseite zu dehnen. Da sie am Sitzbein, also am Beckenring, ansetzt, bestimmt sie mit darüber, wie das Becken steht. Verkürzte, verspannte Beinrückseiten ziehen das Becken nach hinten und können Schmerzen im unteren Rücken bedingen.

Stelle in Rückenlage ein Bein auf, falte die Hände hinter dem Oberschenkel des anderen Beines und strecke es nach oben. Achte dabei darauf, dass du den Nacken nicht überstreckst und das Bein nicht zu dir heranziehst, sodass dein unterer Rücken schön lang bleibt und sich nicht abflacht. Im Zweifelsfall verwendest du statt der Hände einen Gurt. Lass dir 5–10 Atemzüge Zeit für die Dehnung, danach wechselst du zur zweiten Seite.

5. Alanasana

Alanasana, Kristin Rübesamen, unterer Rücken

In dieser Variante halten wir den hohen Ausfallschritt statisch, um durch die Aktivierung der Beininnenseiten Balance ins Becken zu bekommen: Sie hilft, mehr Geschmeidigkeit in die gerne mal angespannten Waden und Oberschenkel zu bringen, außerdem dehnt sie die Gesäßmuskeln und durch die minimale Rückbeuge deine Hüftstrecker und -flexoren.

Beginne im herabschauenden Hund und ziehe den linken Fuß nach vorn zwischen deine Hände. Erde deinen vorderen Fuß und richte das Knie über dem Knöchel aus, bevor du den Oberkörper aufrichtest. Die Ferse deines hinteren Fußes bleibt gehoben. Das hintere Bein ist nicht ganz, aber fast gestreckt. Ziehe die hintere Kniescheibe ein bisschen nach oben, sodass der Oberschenkelmuskel aktiviert ist. Stell dir vor, dass du deine Füße zueinander ziehst, ohne sie tatsächlich zu bewegen. Die Hüften sollten parallel zueinander ausgerichtet sein. Nach 5–10 Atemzügen wechselst du über den Hund zur zweiten Seite.

6. Liegender Twist

Liegender Twist, Kristin Rübesamen, unterer Rücken

Diese ausgleichende, mobilisierende Asana dehnt Bauchmuskulatur, Hüften, Psoas und Oberschenkel. Sie ist eine Wohltat für einen verspannten Rücken, kann bei Problemen mit dem ISG aber kontraproduktiv sein.

Stelle in der Rückenlage die Füße auf und versetze dein Becken ein gutes Stück nach rechts, bevor du die Knie locker nach links sinken lässt. Achte dabei darauf, dass deine Wirbelsäule lang und nicht gerundet ist. Nutze die Atmung, um nach und nach tiefer in die Drehung zu sinken. Sofern deine Iliosakralgelenke stabil sind, kannst du auch die hier gezeigte, intensivere Variante mit dem Klotz üben, bei dem die Beine in einem sauberen 90-Grad-Winkel gehalten werden. Nach 5–10 Atemzügen wechselst du behutsam zur zweiten Seite.


Kristin Rübesamen hat sich als Yogalehrerin, Autorin und Podcasterin in der Yogaszene und weit darüber hinaus einen Namen gemacht. Ihre Bücher („Alle sind erleuchtet“, „Das Yoga-ABC“ und zuletzt „Außer Atem„) überzeugen mit Ernsthaftigkeit, Tiefe und dem für sie typischen lakonischen Humor.

Mehr zu Kristin und ihrer Arbeit auf yogahikes.de und auf Instagram @yogahikes__


Hier geht’s zum Intro-Artikel von Kristin Rübesamen über Gelenkgesundheit:

Yoga in der Krebstherapie

Yoga als Krebstherapie

Wir wollen uns ansehen, warum Yoga als komplementärmedizinisches Verfahren in der Krebstherapie immer mehr an Bedeutung gewinnt. Warum bringt die ganzheitliche Betrachtung von Körper und Geist in dieser schwierigen Lebensphase so viel? Und was kann Yoga wirklich leisten? Die Yogalehrerin Gaby Nele Kammler berichtet aus ihrer Erfahrung mit Krebspatient*innen.

Text: Gaby Nele Kammler / Titelbild: Anna Tarazevich via Pexels

Yoga und Krebs. „Können Sie das nicht anders nennen?“ Mit diesen Worten blieb einmal eine Besucherin vor meinem Stand auf der YogaWorld-Messe stehen. Auf einer Yoga-Messe, bei der sich alles um Bewegung, Entspannung, Gesundsein, gute Ernährung und Spiritualität dreht, bei der großartige Lehrer*innen unterrichten und eine unglaublich positive Energie herrscht, passt das Wort „Krebs“ zunächst so gar nicht ins Bild. Es rüttelt auf. Die Reaktion der Messe-Besucherin zeigt, dass die Krankheit immer noch ein Tabuthema ist. Doch für Menschen, die eine Krebserkrankung haben oder hatten, ist sie kein Tabu, sondern die Realität.

Jeden Tag – teilweise auch noch Jahre nach der Erkrankung – müssen sie sich mit dieser Situation und all ihren Begleiterscheinungen auseinandersetzen. Statistisch gesehen ist laut Robert-Koch-Institut jeder Zweite in seinem Leben von einer Krebserkrankung betroffen. Und keine Frage, es ist eine bedrohliche Erkrankung, auch wenn dank moderner Therapien und integrativer Ansätze die Heilungschancen immer besser werden. Die meisten Menschen überwinden heute ihre Krebserkrankung!

Eine Krebsdiagnose macht zunächst im wahrsten Sinn des Wortes „ohn-mächtig“. Zukunftsängste, enge Therapiepläne und die Notwendigkeit, inmitten der größten Verunsicherung weitreichende Entscheidungen zu treffen, lassen uns zunächst erstarren. Wir fühlen uns fremdgesteuert, haben das Gefühl, die Fäden unseres Lebens nicht mehr selbst in der Hand zu haben. Wir spüren die Nebenwirkungen von Therapien, den Verlust der physischen Kraft, haben das Gefühl, dass sich unsere ganze Welt verändert und wir nichts dagegen tun können. Am liebsten möchten wir wegschauen. Aber gerade jetzt lohnt es sich, ganz genau hinzusehen.

Lies auch: Keine Angst – Vertrauen durch Meditation

Empowerment: Sorge gut für dich

Angesichts all dieser Schwierigkeiten steht eins an oberster Stelle: gut für sich selbst zu sorgen. Yoga kann der Weg sein, selbst aktiv dazu beizutragen, dass es uns besser geht. Yoga „er-mächtigt“ uns, denn hier können wir handeln statt nur „be-handelt“ zu werden. Gut für mich selbst sorgen zu können, setzt voraus, dass ich zunächst einmal weiß, was ich überhaupt brauche und was mir gut tut. Das hört sich einfach an, ist es aber nicht. Viele Menschen sind weit davon entfernt ihre eigenen Wünsche und Bedürfnisse richtig wahrzunehmen. Job, Familie und ein prall gefüllter Terminkalender lassen uns nur wenig Raum zu spüren, was wir gerade wirklich brauchen. Durch Yoga und Meditation lernen wir, die Aufmerksamkeit wieder mehr vom Außen ins Innen zu lenken.

Während oder nach einer Krebserkrankung kann dies bedeuten, dass ich bewusst
wahrnehme, wie es mir gerade geht. Wohin fließt mein Atem, wie fühlt sich der
Körper heute an? Habe ich viel oder wenig Energie? Habe ich Angst, Schmerzen?
Was würde mir jetzt gut tun? Der Ansatz in unseren Yoga- und Krebs-Stunden ist
dabei immer positiv. Das bedeutet nicht, dass alles gut ist. Es bedeutet, die Situation, den Ist-Zustand, so anzunehmen, wie er gerade ist, mit allem, was da ist – auch wenn es sich nicht gut anfühlt.

Manchmal geht auch das nicht. Dann reicht es anzunehmen, dass man die Situation gerade nicht annehmen kann. Vielleicht kann man immerhin innerlich zustimmen, dass es gerade so ist, wie es ist. Von da aus schauen wir weiter: Was geht heute? Welche Asanas unterstützen mich mit ihrer Wirkung auf Körper und Seele? Wo kann ich den Körper nach OPs wieder beweglicher machen? Welches Chakra gilt es zu stärken und welches Pranayama hilft mir, mich heute besser zu fühlen? Das Gute ist: Yoga geht immer. Sogar wenn während der akuten Behandlungsphase keine Asana-Praxis möglich ist, können wir mit energetischen Übungen und sanftem Pranayama das vegetative Nervensystem positiv beeinflussen, neue Kraft schöpfen und Prana – die Lebensenergie – wieder zum Fließen bringen.

Weniger ist mehr

Yoga in der Krebstherapie
Selbstfürsorge bedeutet in diesem Fall gerade kein „To do“, sondern in erster Linie einen liebevollen Blick auf sich selbst.

Besonders hilfreich während der Chemotherapie und Bestrahlung ist eine Yogapraxis, die viel Erspüren ermöglicht, zum Beispiel durch achtsame, fließende Bewegungen, mit denen wir dem Körper nur einen kleinen Impuls geben. Wir legen das gewohnte Leistungsdenken also noch bewusster ab, als wir es im Yoga sowieso tun, und versuchen, eine liebevolle und wohlwollende Grundhaltung gegenüber uns selbst zu erzeugen. Das ermöglicht es uns, zu akzeptieren, dass Körper und Seele jetzt etwas ganz anderes brauchen, als wir es gewohnt sind.

Selbstfürsorge bedeutet in diesem Fall gerade kein „To do“, sondern in erster Linie einen liebevollen Blick auf sich selbst. Auf diese Weise ist Yoga in jeder Therapiephase möglich, auch wenn sich der eigene Körper fremd anfühlt, und sogar mit Port oder Stoma. Denn wenn zum Beispiel die Kindsposition und tiefe Vorwärtsbeugen nicht mehr geeignet sind, finden sich andere Asanas, mit denen wir die gleiche Wirkung erzielen. Um neue Energie zu gewinnen, ist es hilfreich, mit dem 3. Chakra zu arbeiten. Herzöffner schaffen gerade nach langen Behandlungszeiten und körperlicher Inaktivität mehr Zuversicht und Raum für den Atem.

Sanfte Faszienarbeit kann nach Operationen wie z.B. Tumor- oder Lymphknotenentfernungen Narbengewebe wieder beweglicher machen und einem erneuten Tumorwachstum vorbeugen. Sobald es die körperliche Situation zulässt, können Betroffene wieder mehr in die Kraft gehen und erdende und stärkende Asanas wie Standpositionen und Kriegervarianten praktizieren. Das baut Muskeln auf, lässt uns unsere eigene innere Kraft spüren, gibt uns Mut und hilft uns notwendige Behandlungen durchzuhalten. Durch die Anregung des Herz-Kreislauf-Systems werden Organe mit mehr Sauerstoff versorgt und Wirkstoffe besser bis in die Peripherie transportiert. Somit werden auch Therapieerfolge durch Yoga gesteigert.

Und selbst in einer Palliativ-Situation, wenn der Krebs als unheilbar eingestuft worden ist, ist es möglich, mit Meditationen, Mudras und Mantras zu mehr Wohlbefinden, mehr innerer Stärke und sogar mehr Freude zu finden. Yoga ist für alle!

Es gibt immer einen Grund zu lächeln

Sich selbst gut wahrzunehmen bedeutet auch, die eigenen Gedanken bewusst wahrzunehmen. Eine positive Gedankenwelt schafft Zuversicht und lenkt unsere Aufmerksamkeit auf das, was immer noch Gutes da ist. Schöne Dinge bewusst wahrzunehmen – ein Lächeln, ein gutes Gespräch mit einer Freundin, eine liebevolle Geste des Partners oder der Partnerin – all das verändert unsere Perspektive. Die Energie folgt der Aufmerksamkeit, das wissen Yogis schon seit Langem. Dankbarkeit für das, was da ist, bringt mehr davon in unser Leben. Positive Affirmationen und kleine Dankbarkeitsübungen schenken uns gute Gefühle und bringen uns in eine höhere Schwingung. So können Heilungsprozesse besser ablaufen.

Die Neurowissenschaft zeigt, dass mentale Arbeit zu Veränderungen im Außen führt. Durch positive Affirmationen, die Arbeit mit inneren Bildern und feste Intentionen entstehen neue neuronale Verbindungen im Gehirn, welches dann wiederum neue Signale an den Körper sendet. Allein durch Meditation kann die Zahl der B- und T-Zellen, wichtiger Abwehrzellen im Blut, erhöht werden. Regelmäßiges Meditieren erhöht unsere Widerstandsfähigkeit, schafft tiefe innere Ruhe und ermöglicht dem Körper, seine Selbstheilungskräfte zu aktivieren.

Heilsame Kräfte

„Können Yoga und Meditation Krebs heilen?“ Diese Frage kann und darf ich nicht beantworten, aber ich weiß, dass im Yoga alles steckt, um Beschwerden zu lindern, unsere Selbstheilungskräfte zu mobilisieren und die gesunden Anteile in uns zu fördern. Heilung – wieder heil, wieder ganz sein – kann auch dadurch geschehen, dass wir loslassen. Zum Beispiel falsche Erwartungen an andere, aber auch an uns selbst. Müssen wir wirklich immer alles im Griff haben, immer ansprechbar sein und uns um alles kümmern? Eine gute Selbstfürsorge bedeutet auch hier wahrzunehmen, was ich wirklich möchte: Was brauche ich? Wie kann ich es mir holen? Was nährt mich? Wofür bin ich hier, was ist mein Dharma?

Häufig spielen dabei alte Glaubensätze eine Rolle. „Ich kann doch nicht…!“ „Ich darf nicht…“ „Ich muss…“. Sätze, die wir schon früh in der Kindheit verinnerlicht haben und die uns manchmal als Erwachsene davon abhalten, das zu machen, was uns gut tut. Diese Glaubenssätze zu erkennen und loszulassen, hilft uns dabei, auf unseren ganz eigenen Weg zu kommen, einen Weg, der uns glücklich macht und unserem tiefsten Inneren entspricht. Auch zu vergeben – anderen und uns selbst – Schuldgefühle und Groll loszulassen, kann helfen, wieder ganz, wieder heil zu sein.

Aktives Nebenwirkungsmanagement

Immer mehr Kliniken und Praxen implementieren Yoga in ihr Angebot und ermöglichen ihren Patient*innen somit ein aktives Nebenwirkungsmanagement und eine ganzheitliche Behandlung.

Auch die Schulmedizin hat das Potenzial von Yoga erkannt. Das, was Yogis und Yoginis von je her subjektiv beobachten, wird nun auch wissenschaftlich belegt. Eine Vielzahl von Studien konnte zeigen, dass typische Nebenwirkungen der Krebstherapien mit Yoga effektiv gelindert werden können, darunter Lymphödeme, Schmerzen, Neuropathien, Ängste, Depressionssymptome und Schlafstörungen. Die American Cancer Society fasste 2019 eine Reihe von randomisierten Kontrollstudien zusammen. Die Ergebnisse waren frappierend: Yoga hat die Lebensqualität der Krebspatient*innen sowohl während als auch nach den Therapien positiv beeinflusst.

Lies auch: Die 4-7-8-Atmung gegen Ängste und Schlafstörungen

Besonders beeindruckend sind die Ergebnisse beim Fatigue-Syndrom, einem schweren Erschöpfungssyndrom, unter dem jede*r zweite Krebspatient*in zu leiden hat. Auf dem Deutschen Krebskongress wurde Yoga sogar vor allen anderen medizinischen Interventionen als der wirksamste Weg genannt, um das Fatigue-Syndrom zu lindern. Die Datenlage ist inzwischen so überzeugend, dass Yoga und Meditation im Jahr 2018 in die offiziellen Leitlinien der SIO (Society for Integrative Oncology) aufgenommen wurden und somit weltweit als begleitendes Verfahren in der Brustkrebstherapie offiziell empfohlen werden.

Auch in Deutschland implementieren immer mehr Kliniken und Praxen Yoga in ihr Angebot und ermöglichen ihren Patient*innen somit ein aktives Nebenwirkungsmanagement und eine ganzheitliche Behandlung. Besondere Unterstützung können Yogalehrer*innen bieten, die speziell für die Onkologie ausgebildet sind. Sie verfügen über ein fundiertes Wissen über Krebserkrankungen, moderne Therapien und typische Nebenwirkungen und können geeignete Yogasequenzen erstellen. Denn nicht jede Asana ist für Menschen mit einer Krebserfahrung geeignet, manches kann z.B. bei Metastasen unerwünschte Folgen haben.

In Deutschland und Österreich ist inzwischen ein Netzwerk von Lehrenden zu Yoga und Krebs entstanden, deren Engagement weit über übliche Yogastunden hinausgeht und die sich in Yogastudios, Kliniken, Patientenorganisationen etc. für Menschen mit einer Krebserfahrung engagieren. Sie sind die Expert*innen darin, Körper und Seele auf dem Weg des Heil-Werdens zu begleiten, einen geschützten Raum zu schaffen, ihre Yogaschüler*innen zu inspirieren und ihnen den Weg zu mehr Selbstliebe und Liebe zu zeigen. Denn das ist es, was wirklich zählt.

Praxis und Selbstwirksamkeit

Yoga bringt uns ins Handeln und gibt uns die Möglichkeit, den Genesungsprozess mitzugestalten und eine aktive Rolle darin zu übernehmen. Um die Kraft des Yoga zu nutzen, ist es sinnvoll, eine regelmäßige eigene Yogapraxis zu etablieren. Jeden Tag auf die Matte zu gehen, kann uns durch die Zeit der Erkrankung tragen. Sich selbst wahrzunehmen – und sei es nur für 5 Minuten – sollte in dieser Zeit ein fester Bestandteil im Tagesablauf sein. Dazu dienen sanftes Pranayama und einfache Asanas, die die Beweglichkeit erhöhen und das Immunsystem stärken, Blockaden und Verspannungen lösen und den Energiefluss anregen.

Eine einfache Übungssequenz dazu findest du hier: Yoga und Krebs – Übungen zur Stärkung des Immunsystems

Im YogaWorld Journal 03/2025: Diagnose Brustkrebs

Im neuen YogaWorld Journal haben wir das Thema Brustkrebs genauer unter die Lupe genommen: Mit dieser Diagnose beginnt für viele Frauen (und auch einige Männer) ein langer, leidvoller Weg. Die Heilungschancen sind inzwischen gut, zumal Yoga und Ayurveda dabei die oftmals entscheidende Unterstützung bieten können. Im Artikel berichten Betroffene und Expertinnen. Hier kannst du dir das Heft bestellen.


Gaby Nele Kammler bietet seit 2016 onkologische Weiterbildungen für Yogalehrende an. Aus ihrer langjährigen Erfahrung in Schulmedizin und Yogastunden mit Krebspatient*innen ist ein Konzept entstanden, das moderne Medizin und das Wissen des Yoga vereint. Dabei arbeitet sie mit Universitätskliniken und medizinischem Fachpersonal zusammen. Mehr Info auf Yoga-und-Krebs.de

Auch im YogaWorld Podcast war Gaby bereits zu Gast und hat über ihr Herzensthema gesprochen:

Yoga in der Wissenschaft: Wechselatmung

Die Wechselatmung ist die vielleicht bedeutendste Atemübung im Yoga. Traditionelle Texte beschreiben sie als ausgleichend und harmonisierend: Ida und Pingala, Sonne und Mond, Aktivität und Ruhe sollen beim Üben angeblich in die Balance kommen. Klingt faszinierend – aber was sagt die moderne Forschung dazu?

Text: Dr. Ronald Steiner / Fotos: Nela König

Die traditionellen Texte des Hatha-Yoga zeichnen ein faszinierendes und erstaunlich detailliertes Bild des menschlichen Körpers: Mehrere tausend Energiekanäle durchziehen ihn demnach, die sogenannten Nadis. Eine besondere Bedeutung haben dabei die beiden polaren Kanäle, Ida und Pingala. Ida steht für die kühlende Mondenergie, die mit Ruhe und Kreativität assoziiert wird, während Pingala die aktivierende Sonnenenergie verkörpert, die rationales Denken und Tatkraft fördert. Sicher hast du im Yogaunterricht schon davon gehört, dass die yogische Wechselatmung, Nadi Shodhana, diese Strömungen ausbalanciert. Aber was sagt die moderne Medizin dazu? In diesem Artikel erkunden wir die physiologischen Mechanismen hinter der Wechselatmung, denn faszinierenderweise widersprechen sie den uralten Lehren nicht, sondern unterstützen sie sogar.

Der nasale Zyklus

Während meiner Zeit als Schüler von B.N.S. Iyengar in Mysore lernte ich viele traditionelle Lehren des Hatha-Yoga kennen. So erklärte mir Iyengar auch, dass immer ein Nasenloch in der Atmung dominiert. Ich erinnere mich lebhaft, wie er mich aufforderte, hinzuspüren. Und tatsächlich: Mein rechtes Nasenloch schien weiter geöffnet zu sein als das linke. Iyengar sagte, das liege daran, dass ich gerade aufmerksam zuhöre und lerne – beides Zustände, die mit der Sonnenenergie (Pingala Nadi) und dem rechten Nasenloch verbunden seien. Er lehrte mich, dass es ein Zeichen von Gesundheit sei, wenn keine Seite dauerhaft dominiert, sondern es alle paar Stunden einen harmonischen Wechsel zwischen den Nasenlöchern gibt. Dies, so Iyengar, sei der Kern der Balance, die wir durch die Praxis der Wechselatmung erreichen wollen.

Damals hielt ich diese Erklärungen für eine weitere mythologische Darstellung der Yogapraxis. Doch als ich mich in die wissenschaftliche Literatur einarbeitete, lernte ich, dass dieser sogenannte „Nasale Zyklus“ ein reales physiologisches Phänomen ist: Untersuchungen von Hasegawa und Kern zeigten schon 1977, dass sich die Nasenlöcher tatsächlich in einem Rhythmus von etwa 4 bis 6 Stunden abwechselnd verengen und erweitern. Bei diesem wechselseitigen An- und Abschwellen der Nasenschleimhaut ändert sich der Luftwiderstand in den Nasenlöchern, was den Luftstrom beeinflusst.

2016 untersuchten Wissenschaftler um Roni Kahana-Zweig den Nasenzyklus näher: Er ist demnach während des Schlafs länger (durchschnittlich 4,5 Stunden pro Seite) als im Wachzustand (durchschnittlich 2 Stunden). Langsamere Atmung ist mit einer stärkeren Ausprägung des Nasenzyklus verbunden. Zudem wird er durch die Körperhaltung beeinflusst: Ist eine Körperhälfte aktiver, wechselt die Dominanz des Nasenlochs tendenziell zur gegenüberliegenden Seite.

Schon 1997 hatten die Forscher Mirza, Kroger und Doty noch etwas sehr Spannendes entdeckt: Der Zyklus verändert sich offenbar im Lauf des Lebens. Ältere Menschen erleben eine weniger regelmäßige Wechselaktivität der Nasenlöcher. All diese modernen Forschungen bestätigen also, was mich Iyengar aus der Tradition des Hatha-Yoga gelehrt hatte: Je gesünder und jünger wir sind, desto regelmäßiger und ausgewogener ist unser nasaler Atemzyklus. Ist es nicht faszinierend zu sehen, wie tief die alten Yogis diese Vorgänge ohne jeglichen modernen Messgeräte, rein durch Beobachtung verstanden haben?

Die Spur der Yoga Tradition

Schon das im 11. Jahrhundert entstandene Dattatreya Yoga Shastra enthält detaillierte Anweisungen zur Wechselatmung. So empfiehlt Dattatreya, sie viermal täglich zu praktizieren: morgens, mittags, abends und um Mitternacht. In jeder dieser Sitzungen sollten 20 Atemzüge samt Kumbhaka durchlaufen werden. Das entspricht etwa 20 Minuten Praxis pro Sitzung, insgesamt 80 Minuten am Tag. Im 14. Jahrhundert rät die Hatha Yoga Pradipika zu einer noch intensiveren Praxis: Viermal täglich 80 Atemzyklen, das sind über fünf Stunden. Das verdeutlicht, wie erfahren die Übenden mit der Technik waren und welchen Stellenwert sie ihr beimaßen.

Nasaler Zyklus und Hirnaktivität

Aber das ist noch nicht alles: In der Hatha-Yogatradition wird wie gesagt davon ausgegangen, dass die Wechselatmung die Energien von Ida und Pingala ausgleicht. In moderner Sprache würden wir sagen: Sie harmonisiert das Nervensystem. Zu meiner Überraschung stellte ich fest, dass auch diese Behauptung von der heutigen Wissenschaft bestätigt wird: Eine Studie von Shannahoff-Khalsa und anderen zeigte 1991, dass die einseitige Atmung durch ein Nasenloch die Aktivität in der gegenüberliegenden Gehirnhälfte erhöht.

Im Jahr 2016 fassten Price und Eccles mehrere Studien zu diesem Thema zusammen. Auch ihre Ergebnisse sind eindeutig: Das Atmen durch das rechte Nasenloch (nach yogischer Vorstellung mit Pingala und Sonnenenergie verbunden) aktiviert die linke Gehirnhälfte, die auch nach modernem Verständnis für analytisches, rationales Denken und logische Prozesse verantwortlich ist. Umgekehrt stimuliert das Atmen durch das linke Nasenloch (im Hatha-Yoga mit Ida und Mondenergie assoziiert) die rechte Gehirnhälfte, in der kreative und emotionale Prozesse gesteuert werden.

Eine aktuelle Untersuchung von neuseeländischen Forschern um Imran Khan Niazi beschäftigte sich 2022 explizit mit der einseitigen Nasenatmung im Yoga und ihrem Einfluss auf die Gehirnaktivität. Die Studie ergab, dass das Atmen durch das dominante Nasenloch zu einer erhöhten Aktivität in spezifischen Gehirnregionen führte, während das Atmen durch das nicht-dominante Nasenloch eine ausgleichende, beidseitige Wirkung auf die Gehirnaktivität hatte. Das bedeutet, dass die Wechselatmung tatsächlich gezielt zur Regulierung von Entspannung und Wachsamkeit genutzt werden kann.

Tradition und Wissenschaft zur Wechselatmung

Die wissenschaftlichen Studien unserer Zeit bestätigen also, was die Yogis schon lange wussten: Die Wechselatmung wirkt tiefgreifend auf das Nervensystem und das Gehirn. Die intensiven Praktiken, die in den klassischen Texten detailliert beschrieben werden, verdeutlichen nicht nur, wie erfahren die Yogis damals in der Anwendung der Wechselatmung waren. Sie zeigen auch, dass ihre Praxis nicht nur von mythologischen Konzepten geprägt war, sondern auf sehr präzisen Beobachtungen der Physiologie und einem tiefen Verständnis der subtilen Wirkungen beruhte. Auch uns modernen Yogi*nis bietet die Wechselatmung eine effektive Methode, um das Wohlbefinden zu fördern und gezielt den mentalen Zustand zu beeinflussen – sei es zur Entspannung oder zur Aktivierung des Geistes. Ein beeindruckendes Beispiel dafür, wie die alte Weisheit des Yoga und moderne wissenschaftliche Erkenntnisse Hand in Hand gehen.

Probiere die Wechselatmung aus:

Dr. Ronald Steiner, Wechselatmung, Pranayama, Yoga

Es gibt verschiedene Varianten der Wechselatmung. In einigen sind Ein- und Ausatmung unterschiedlich lang. In anderen kommen auch Atempausen (Kumbhaka) nach der Ausatmung vor. Auch die Hand- und Armhaltungen variieren. Die hier beschriebene Version beruht auf der klassischen Anleitung im Dattatreya Yoga Shastra.

1.
Richte eine aufrechte, bequeme Sitzhaltung ein. Lege Zeige- und Mittelfinger der rechten Hand an die Daumenwurzel und verschließe nun mit dem rechten Daumen dein rechtes Nasenloch. Hebe dabei den Ellenbogen so hoch wie möglich. Atme langsam durch das linke Nasenloch ein. Zähle dabei, um die Länge deiner Einatmung zu messen.

2.
Verschließe nun mit dem Ringfinger der gehobenen Hand zusätzlich dein linkes Nasenloch. Senke dabei Ellenbogen und Kinn. Halte so lang die Luft an, wie es für dich angenehm möglich ist. Zähle erneut, um auch die Länge deines Anhaltens zu messen.

3.
Vor dem Ausatmen hebst du Kinn und Ellenbogen wieder. Öffne dein rechtes Nasenloch, während dein linkes mit dem Ringfinger verschlossen bleibt. Atme langsam durch das rechte Nasenloch aus. Zähle erneut mit, um auch die Länge des Ausatmens zu messen.

4.
Atme nun rechts ein, verschließe wieder beide Nasenlöcher, halte mit gesenktem Kinn und Ellenbogen den Atem an und atme dann links wieder aus. Von hier aus wiederholst du den gesamten Zyklus so lange es dir angenehm ist. Versuche dabei, der Ein- und Ausatmung allmählich die gleiche Länge zu geben. Auch die Länge der Kumbhakas sollte sich untereinander angleichen.


Dr. Ronald Steiner ist Sportmediziner, Wissenschaftler und einer der bekanntesten Ashtanga-Yogis. Mehr Info auf ashtangayoga.info

Im ersten Teil dieser Reihe berichtete Dr. Ronald Steiner über neue Forschungen zur Shitali-Atmung:

Finde dein persönliches Sankalpa mit Yoga Nidra und Marc Fenner

Yoga Nidra Marc Fenner

Manchmal schlagen wir in unserem Leben Wege ein, die wir so nie erwartet hätten. Es öffnen sich Türen, von denen wir nicht einmal wussten, dass sie existieren. So ging es auch Marc Fenner, der einst fest in der IT-Branche verankert war. Doch dann kam Yoga Nidra in sein Leben und stellte alles auf den Kopf – im positiven Sinne.

Heute ist Marc nicht nur Yogalehrer und Therapeut, sondern auch ein inspirierender Coach, der seine Erfahrungen und sein Wissen an andere weitergibt. In diesem Interview erzählt er uns, wie er zum ersten Mal auf Yoga Nidra gestoßen ist, was ihn daran so fasziniert hat und wie diese Praxis sein Leben komplett verändert hat. Seine Erfahrungen sind ein schönes Beispiel dafür, wie wir durch bewusste Entscheidungen und ein offenes Herz große Veränderungen in unserem Leben bewirken können. Es ist nie zu spät, etwas Neues auszuprobieren und vielleicht den Weg zu entdecken, der wirklich zu uns passt.

Am Dienstag den 06.05.2025 findet jeweils um 11 und 19 Uhr via Zoom ein gratis Live Yoga Nidra Sankalpa Workshop statt. Hier erfährst du, wie du dein Sankalpa findest und kannst alle deine Fragen zur kommenden Yoga Nidra-Ausbildung ab 13.5. stellen! Hier geht’s zum Workshop.

Wie bist du zum ersten Mal mit Yoga Nidra in Berührung gekommen, und was hat dich daran besonders fasziniert?

„Ich erinnere mich noch daran, als wäre es gestern gewesen, dabei war es 2006. Damals war ich noch in der IT-Branche tätig und hatte gerade eine neue Stelle angetreten. Ich war in eine neue Stadt gezogen, nach Köln, und hatte mich für einen spannenden, aber auch herausfordernden Job im Vertrieb und Key Account Management entschieden. Der neue Job brachte mich ziemlich aus meiner Komfortzone und in dieser herausfordernden Phase suchte ich nach etwas, das mich entspannen konnte.

Als ehemaliger Leistungsschwimmer war Schwimmen für mich immer eine gute Möglichkeit, mich zu entspannen. Doch obwohl ich in dieser Zeit fast jeden Tag schwimmen ging, war mein Kopf immer noch unruhig. So kam ich glücklicherweise in Köln mit Yoga in Berührung, genauer gesagt in der Satyananda Yoga Schule unter der Leitung von Swami Prakashananda. Dort habe ich im Rahmen eines Anfängerkurses zum ersten Mal Yoga Nidra erlebt und diese Erfahrung hat mir einen neuen Weg eröffnet. Diese erste Sitzung faszinierte mich zutiefst, denn sie brachte mir ein Gefühl von Entspannung im Körper, Klarheit im Geist und eine tiefe Verbundenheit mit mir selbst. Von da an wollte ich mehr darüber erfahren und erleben.“

Yoga Nidra mit Marc Fenner
Marc Fenner: Vom IT-ler zum Yogalehrer, Coach und Ausbilder.

So viel mehr, dass du deinen IT-Job aufgeben und dich voll und ganz dem Yoga widmen wolltest?

„Ja, aber es gab einige kleine Meilensteine auf meinem Weg, die mir gezeigt haben, dass die IT nicht mehr mein Zuhause ist. Ein besonders prägender Moment war, als ich während meiner Ausbildung zum Yogalehrer in Berlin mit dem Siebdruck begann. Ich brauchte damals Yoga-T-Shirts in meiner Größe, die schwer zu finden waren, und entschied mich, einen Siebdruckkurs zu besuchen, um meine eigenen T-Shirts zu entwerfen. Dieser Prozess hat mir so viel Freude bereitet, dass ich die YogiCompany gegründet habe, um schöne und nachhaltige Yoga-Shirts zu entwerfen und in die Welt zu tragen, und parallel dazu habe ich angefangen, Yoga zu unterrichten und später auch Yogalehrer*innen in Berlin auszubilden.

Es war eine Kombination aus vielen kleinen Schritten, die mir schließlich zeigte, dass mir die kreativen und lehrenden Aspekte meines Lebens mehr Freude bereiteten als die Arbeit in der IT-Branche. Der Wechsel in die Yogawelt kam ganz natürlich und war eine logische Konsequenz aus dem, was ich in diesen Jahren erlebt und gelernt habe.“

Würdest du sagen, Yoga Nidra hat dir geholfen, dein Sankalpa zu finden?

„Mein Sankalpa ist auf jeden Fall etwas sehr Spannendes und Persönliches. Als ich 2006 zum ersten Mal durch Yoga Nidra geführt wurde, hatte ich noch nie von einem Sankalpa gehört. Aber gleich in der ersten Sitzung passierte es: Am Anfang und am Ende sollte ich voller Vertrauen und Überzeugung mein Sankalpa wiederholen. Ich hatte aber keines und spürte sofort den Wunsch, eines zu finden, weil es sich so gut anfühlte – wie ein Samenkorn, das in fruchtbaren Boden gelegt wird.“

„Mein Tag beginnt und endet mit meinem Sankalpa. Morgens, wenn ich noch im Bett liege, verbinde ich mich mit meinem Sankalpa, ebenso abends vor dem Einschlafen. Es ist nicht nur ein kurzer Satz, sondern eine ganze Erlebnis- und Gefühlswelt, die mich durch den Tag begleitet. Diese Praxis hilft mir, mich mit meinem höheren Selbst zu verbinden und mein Leben im Einklang mit meinen tiefsten Wünschen und Zielen zu gestalten.“

„Der Weg, mein Sankalpa zu finden, war ein wertvoller Prozess, der mich dazu brachte, tiefer über mich selbst nachzudenken: Wer bin ich? Wohin will ich gehen? Was sind meine Lebensziele? Es war eine Herausforderung, all das in einen kurzen, positiven Satz zu fassen, aber es hat sich gelohnt. Mit der Zeit hat sich mein Sankalpa in meinem Leben verankert und beeinflusst, wie ich die Welt sehe und wie ich Entscheidungen treffe. Es hat mich schließlich aus der IT-Branche in die Welt des Yoga geführt, wo ich heute als Yogalehrer, Yogatherapeut, Heilpraktiker für Psychotherapie und Coach tätig bin und im Rahmen der von mir gegründeten Yoga Nidra Academy seit vielen Jahren ausbilde.“

Du hast deine Ausbildung bei Swami Prakashananda gemacht. Hat sie dein Verständnis von Yoga Nidra geprägt?

„Swami Prakashananda hat meinen gesamten Yogaweg und insbesondere meine Praxis stark geprägt. Meine allererste Yogastunde, aber auch meine erste Yoga Nidra Einheit war bei ihr und über viele Jahre habe ich regelmäßig an ihren Kursen und Workshops teilgenommen. Sie lehrte mich nicht nur Asanas, Pranayama und Kirtan, sondern auch die Bedeutung von Karma Yoga und die tieferen Aspekte der Yoga Nidra Praxis.

Mit der Zeit übertrug sie mir immer mehr Verantwortung und bildete mich schließlich zum Yoga Nidra-Lehrer aus. Über viele Monate durfte ich den Yogastil in all seinen Facetten erlernen, erfahren und in mir wachsen lassen. Diese Ausbildung hat mir gezeigt, dass es viel mehr ist, als man auf den ersten Blick sieht – es öffnet Türen und Zugänge zu tiefen Ebenen des Bewusstseins und der Selbstwahrnehmung.“

Yoga Nidra spielt also mittlerweile die Hauptrolle in deinem Leben …

„Ich beschäftige mich jeden Tag damit und praktiziere es täglich. Es ist tief mit meinem äußeren und inneren Yogaweg verbunden, ebenso wie mit den Lehren von Patanjali, die ich regelmäßig studiere und in meinem Alltag zu leben versuche.“

„Die Erfahrung zeigt, dass sich eine halbe Stunde Yoga Nidra oft so anfühlt, als hätte man mehrere Stunden geschlafen. Nach der Praxis fühlt man sich erfrischt und voller Energie, die Anforderungen des Arbeitsalltags besser zu bewältigen. es lässt sich flexibel in den Tagesablauf integrieren – ob vor, während oder nach der Arbeit – und trägt wesentlich zu einem gesunden und entspannten Leben bei. Diese positiven Effekte machen den Yogastil und das darin enthaltene Sankalpa zu einem idealen Werkzeug für Stressmanagement, Coaching, Therapie und Selbstfürsorge im beruflichen Umfeld und ich freue mich, diese Technik immer mehr Menschen näher bringen zu können.“

Und jetzt bist du als YogaWorld Academy-Lehrer Teil der Yoga World Community.

„Die YogaWorld Community ist eine wunderbare Gemeinschaft, in der ich seit vielen Jahren aktiv bin. Seit 2015 besuche ich regelmäßig die YogaWorld-Messen in München und Stuttgart mit einem Stand der YogiCompany und biete dort mehrere Yoga Nidra und Sankalpa Workshops an. Auf der YogaWorld treffe ich seit fast zehn Jahren immer wieder die gleichen Menschen, die auf ihrem Yogaweg unterwegs sind, tausche mich aus und nehme immer wieder viele neue Inspirationen mit nach Hause! Viele Freundschaften, aber auch Kooperationen mit Yogis und Firmen sind auf der YogaWorld entstanden.

Für mich ist es eine Kommunikation von Herz zu Herz, von einem Selbst zum anderen Selbst. Es ist eine Gemeinschaft, in der man sich gegenseitig inspiriert, unterstützt und zusammen wächst. Das macht mir große Freude und deshalb bin ich den ganzen Sommer wieder auf Yoga Festivals unterwegs, um mich auszutauschen und Menschen in meinen Workshops nicht nur zu entspannen, sondern auch persönlich zu entwickeln und wachsen zu lassen.“

Was macht deine Ausbildungen besonders, und wie unterscheiden sie sich von anderen Angeboten auf dem Markt?

Yoga Nidra Marc Fenner
Das Entwickeln und Finden des eigenen Sankalpals spielt in Marcs Aubsildungen eine wichtige Rolle.

„Meine Ausbildungen zeichnen sich durch ihre Tiefe und die persönliche Begleitung über einen längeren Zeitraum aus. Die Ausbildungen finden mit den Inhalten nach der Lehre von Swami Satyananda statt, die ich mit vielen Elementen des Coachings und Selbstcoachings für jede einzelne Woche erweitert habe. Gerade das Entwickeln und Finden des eigenen Sankalpas spielt hier eine wichtige Rolle, so dass die Teilnehmer*innen den Prozess erleben und so auch in ihren Kursen wertvolle Anregungen zum eigenen Sankalpa teilen können. Während andere Ausbildungen oft in einem kurzen Zeitraum durchgeführt werden, biete ich eine Ausbildung über drei Monate an. Diese Zeitspanne ermöglicht es den Teilnehmer*innen, die Praxis des Yoga Nidra nicht nur theoretisch zu erlernen, sondern sie tief in das eigene Leben zu integrieren und in dieser Zeit persönlich zu wachsen, sich zu entwickeln und Klarheit für den weiteren Lebensweg zu gewinnen.

Die Ausbildung bietet den Teilnehmenden einen großen Praxisanteil, in dem gemeinsam praktiziert werden kann und alle Fragen zu jeder der zehn Yoga Nidra-Stufen gestellt werden können. Es geht nicht nur darum zu lehren, sondern es selbst zu erfahren und zu verstehen, wie es wirkt und warum es so besonders ist. Diese intensive und persönliche Erfahrung macht meine Ausbildungen unverwechselbar auf dem Markt.“

Wie gestaltest du die Yoga Nidra Ausbildung, um sicherzustellen, dass die Teilnehmenden nicht nur den Körper, sondern auch Geist und Seele tief entspannen können?

„In meiner Ausbildung lege ich großen Wert darauf, dass die Teilnehmenden alle Aspekte von Yoga Nidra verstehen und im eigenen Alltag erleben und erfahren können. Der physische Körper, die Gedanken, Gefühle und Emotionen sowie die Seele – all diese Ebenen werden in der Praxis angesprochen und können sich durch Yoga Nidra entspannen, entwickeln und wachsen.

Der Schlüssel liegt in der regelmäßigen Praxis über einen längeren Zeitraum. Erst durch kontinuierliches Üben und Erleben entfaltet sich die ganze Tiefe. In meiner 12-wöchigen Ausbildung begleite ich die Teilnehmenden auf diesem Weg und helfe ihnen, diese tiefe Entspannung und Verbindung mit sich selbst zu erfahren.

Abgerundet wird dieser 12-wöchige Prozess durch das wöchentliche Tagebuch und den Selbstcoaching-Bereich mit wertvollen Unterlagen, Meditationen, Übungen und Fragen, die sich auf das jeweilige Thema der Woche in Verbindung mit der Yoga Nidra-Stufe beziehen und so im Alltag erfahren und gefestigt werden können.“

Kannst du uns mehr über deine Sankalpa Coach-Ausbildung erzählen und wie du Menschen dabei unterstützt, ihr persönliches Sankalpa zu finden und in ihrem Leben zu verankern?

„Die Ausbildung zum Sankalpa Coach ist eines meiner neuen Herzensprojekte. In dieser Ausbildung lernen die Teilnehmenden, andere Menschen dabei zu unterstützen, ihr persönliches Sankalpa zu finden, in ihrem Leben zu verankern und zu leben. Für mich war das Entdecken und Umsetzen meines eigenen Sankalpas ein entscheidender Schritt in meiner persönlichen und spirituellen Entwicklung und ich möchte dieses Wissen weitergeben.

In der Ausbildung kombiniere ich verschiedene Coaching-Methoden, insbesondere aus dem systemischen Bereich, mit den traditionellen Techniken des Yoga Nidra. Die Teilnehmenden lernen, Menschen in den verschiedenen Phasen des Sankalpa-Prozesses zu begleiten – vom Finden des Sankalpas über die Formulierung bis hin zur Umsetzung im Alltag. Dabei ist es wichtig, dass das Sankalpa nicht nur formuliert, sondern aktiv gelebt und gefühlt wird, damit es sich im Leben der Menschen entfalten und wachsen kann. Dieser Prozess braucht natürlich Zeit, Energie und eine regelmäßige Praxis über einen längeren Zeitraum, bis das eigene Sankalpa zu blühen beginnt und erste Früchte trägt, die dann mit der Welt geteilt werden können. Aber auch der Umgang mit Hindernissen auf dem Sankalpa-Weg kann vom Sankalpa-Coach gemeinsam mit dem Coachee unterstützt und geklärt werden.“

Du bietest auch eine Weiterbildung „Yoga Nidra für Kinder“ an.

„Ja, es ist mir ein großes Anliegen, Kinder an die Praxis heranzuführen, denn ich selbst hätte diese Technik gerne schon viel früher in meinem Leben kennengelernt. Als ich 2006 meine erste Erfahrung machte, fragte ich mich, warum ich das nicht schon in der Schule gelernt hatte.

Yoga Nidra kann Kindern und Jugendlichen helfen, ihren Lebensweg zu finden, Körper und Geist zu entspannen und sich selbst besser zu verstehen. Ziel der Ausbildung ist es, Kinder in altersgerechter Sprache und Form an diese Praxis heranzuführen, damit sie die positiven Wirkungen in ihrem Leben erfahren können. In der Ausbildung werden verschiedene Methoden und Ideen vorgestellt, wie Kinder und Jugendliche eine Einheit erleben können. So kannst du nach dem „Yoga Nidra für Kinder“-Training kreativ eigene Einheiten für Kinder und Jugendliche entwickeln und anleiten. Hier kannst du aus einem Schatz von verschiedenen Vorbereitungen wählen, die du mit den Kindern gestalten und dann harmonisch in die Einheit einfließen lassen kannst, bei denen dir aber auch noch Zeit zum Nachspüren und Festigen des Erlebten bleibt.

Yoga NIdra Marc Fenner
Egal ob Erwachsene oder Kinder – Marc möchte Yoga Nidra in die Welt tragen.

Welche besonderen Herausforderungen und Chancen siehst du in der Arbeit mit Yoga Nidra bei Kindern?

„Die Arbeit mit Kindern erfordert besondere Methoden und Herangehensweisen, da Kinder nicht von sich aus auf die Idee kommen, diesen Yogastil zu praktizieren. Sie brauchen Erwachsene, die ihnen diese Möglichkeit bieten. Mir ist es wichtig, die Praxis an die Sprache, Werte und Bilder der Kinder anzupassen. Eine Yoga Nidra-Sitzung für Kinder muss oft kürzer sein und mit Symbolen, Geschichten und Bildern arbeiten, um die Kinder zu erreichen.

„Das ist die Herausforderung, Yoga Nidra so zu gestalten, dass es für Kinder attraktiv und zugänglich ist. Gleichzeitig bietet diese Arbeit enorme Möglichkeiten, da Kinder sehr offen und neugierig sind. Wenn sie früh lernen, sich zu entspannen und ihren Geist zu fokussieren, haben sie ein wertvolles Werkzeug, das ihnen ein Leben lang nützlich sein kann.“

Diese Fähigkeit kann ihnen helfen, mit Stress umzugehen, ihre Konzentrationsfähigkeit zu verbessern und ein positives Selbstbild zu entwickeln. Durch die Zusammenarbeit mit Lehrer*innen und Erzieher*innen, die Yoga Nidra in ihren Unterricht integrieren, können wir sicherstellen, dass immer mehr Kinder Zugang zu diesen Techniken erhalten und die Chance haben, in einer entspannten und unterstützenden Umgebung aufzuwachsen.“

Wie unterstützt du Yogalehrer*innen dabei, sich nach deiner Ausbildung sicher und kompetent zu fühlen, wenn sie Yoga Nidra in ihren Kursen anbieten?

„Mein Ziel ist es, dass die Teilnehmenden nach der Ausbildung bereit sind, Yoga Nidra sicher und selbstbewusst in die Welt zu tragen. Während der 12 Wochen machen sie umfassende Erfahrungen in Theorie und Praxis und beginnen oft schon während der Ausbildung, einzelne Stufen von Yoga Nidra in ihre eigenen Kurse zu integrieren.

Durch regelmäßige Reflexion, Übung und Austausch während der 12-wöchigen Ausbildung entwickeln die Teilnehmenden ein tiefes Verständnis und Vertrauen in ihre Fähigkeit, zu unterrichten. Sie sind nicht nur mit den Techniken vertraut, sondern auch in der Lage, diese an die spezifischen Bedürfnisse ihrer Zielgruppen anzupassen. Durch den offenen und liebevollen Umgang miteinander in der Ausbildungsgruppe werden viele Fragen gestellt und persönliche Erfahrungen ausgetauscht, so dass jede*r Teilnehmer*in nicht nur sich selbst und seine eigene Wahrnehmung erforscht, sondern auch erfährt, wie unterschiedlich jeder Mensch auf einzelne Worte, Sätze oder Stufen von Yoga Nidra reagiert.

So biete ich allen Lehrer*innen aller Ausbildungsgruppen viermal im Jahr das Yoga Nidra-Lehrer*innen Community Meeting an, in dem wir uns gemeinsam austauschen, Fragen beantworten, schöne und spannende Projekte vorstellen und hier sind auch schon die eine oder andere Freundschaft und Begegnungen entstanden und Teilnehmer*innen haben sich dann auch für gemeinsame Projekte zusammengetan.“


Mehr zu Marcs Angebot findest du in unserer YogaWorld Academy und auf yoganidraacademy.de, oder du folgst Marc auf Instagram.

ALEA X LEA: Festival im ALEA PARK mit Yoga, Vogelmeditation und Waldbaden

Wald & Wonne Festival

Yoga mit Lisa Kauff von Monkey Yoga, Vogelmeditation, Waldbaden – und eine Akustik-Session mit Deutschpoetin LEA? Kannst du haben! Beim Wald & Wonne Festival im ALEA PARK Bad Orb – am 29. und 30. Mai. Dazu gibt’s spannende Science Slams und Impulsvorträge – moderiert von TV-Moderatorin Judith Rakers. //anzeige

Bad Orb boomt. Im Kurviertel gibt es Ende Mai beim Wald & Wonne Festival ein breites Angebot an Workshops rund um physische wie mentale Gesundheit: geführte Vogelmeditation im Orbwald und Shinrin Yoku-Waldbadesessions. Besonderes Highlight für alle Yoga-Fans: Am Freitag (30. Mai) führt Lisa Kauff von Monkey Yoga durch eine Live Balance & Erdung Yoga-Session – mitten in der wunderschönen Orber Botanik. Die beruhigende Natur bietet eine ideale Umgebung, um zur inneren Balance zu finden. In einer Stunde voller Entspannung und Achtsamkeit können Körper, Geist und Seele in Einklang gebracht werden – eine perfekte Möglichkeit, den Alltagsstress hinter sich zu lassen und neue Energie zu schöpfen.

Ein buntes Kinderprogramm mit Waldpädagogen macht darüber hinaus die CURA SILVA DAYS zum Familienfest. „Bei den CURA SILVA DAYS kommt die Weltspitze in Sachen Waldtherapie zusammen – zugleich sind der ALEA PARK und unser Orbwald Treffpunkte für Naturfreunde, Gesundheitsbewusste, für Familien. Wissenschaftliche Exzellenz sowie kurmedizinische und touristische Attraktivität: Das ist der Weg in Bad Orbs Zukunft,“ sagt Kurdirektor Steffen Kempa.

Wald & Wonne Festival im Alea Park in Bad Orb

Schüler und Studenten sparen mit dem Campuspass 50%

Auf der CURA SILVA Stage im Park führt die TV-Moderatorin Judith Rakers durch ein vielfältiges Programm. Beim Science Slam präsentieren Wissenschaftler den neuesten Stand ihrer Forschung leicht verständlich in wenigen Minuten. Hier wird etwa PD Dr. med. Tim Hollstein vom Uni-Klinikum Kiel das „Kuchenparadox“ und den Forschungsstand in Sachen Stoffwechsel vorstellen. In ihrer Key Note „Wald wirkt – Warum unsere Seele Rückzugsorte braucht“ spricht Inga Scheunemann, Personalleiterin bei Strauss, über mentale Gesundheit für die New Work-Generation. Ein weiteres Highlight ist die Talkrunde „MIND GAME: Erfolg ist Kopfsache“, unter anderem mit Hans-Dieter Herrmann, dem ehemaligen Teampsychologen der Deutschen Fußball-Nationalmannschaft und Christian Haser, Leiter der medizinischen Abteilung bei ALEA-Partner Eintracht Frankfurt. Main Act des Festivals ist die erfolgreiche deutsche Sängerin LEA mit einer Akustik-Session. Gut zu wissen: Schüler und Studenten sparen mit dem Campuspass 50%!

Wald, Wasser und Wissenschaft: Weltspitze der Waldtherapie tagt in Bad Orb

Auch Forschung und wissenschaftlicher Diskurs auf der Höhe der Zeit sind Teil von CURA SILVA. Das Symposium Ende Mai bringt deshalb die führenden Wissenschaftler rund um die therapeutische Nutzung des Waldes und die Anwendung naturbasierter Methoden zur Förderung der Gesundheit in Bad Orb zusammen. An beiden Tagen werden hochkarätige international renommierte Referenten ihr Fachwissen austauschen und Impulse für Forschung und Praxis setzen.

Bad Orb erfindet die Kur neu und hat sich in den vergangenen Jahren eine bundesweite Vorreiterrolle in Sachen kurmedizinische Zukunftskonzepte erarbeitet. Das waldtherapeutische Gesamtkonzept CURA SILVA mit einem Kur- und Heilwald fügt sich in die Standortinitiative ein. „Bad Orb hat das natürliche Potenzial, Wald, Wasser und Wissenschaft zu vereinen. Sole, Spessart und Kur sind unser Erbe und unsere Zukunft. Die Menschen landauf, landab sollen an Orb denken, wenn sie sich nach Ruhe, guter Luft und einem Bad in Wald und Sole sehnen. Mit den CURA SILVA DAYS macht unsere Stadt den Anfang“, sagt Kur-Visionär und CURA SILVA-Initiator Henning Strauss.

Für das CURA SILVA Symposium konnte Bad Orb Prof. Dr. Qing Li aus Tokio gewinnen, der als „Waldbade-Papst“ und weltweit führende Stimme der Waldtherapie gilt. „Der Wald ist eine unbezahlbare Ressource für unsere Gesundheit. Ich freue mich sehr, dass es in Deutschland eine neue Wertschätzung für den Wald gibt. Bad Orb kann hier mit seiner idealen Lage im Herzen Europas und mitten in einem der größten Wälder Deutschlands eine führende Rolle als Zentrum für Theorie und Praxis übernehmen,“ sagt Prof. Dr. Qing Li.

Sequenz von Ina Hoffrogge für innere Ruhe

„Der Mai ist gekommen, die Bäume schlagen aus“, heißt es so schön in dem alten Volkslied. Und auch bei uns Menschen sprüht die Energie jetzt aus allen Poren: Einfach schön, sich dieser Energie hinzugeben, sich kraftvoll zu bewegen und das Leben zu umarmen. Bei so viel Aktivität im Außen ist es allerdings auch wichtig, sich bewusst zu erden und mit dem zu verbinden, was immer da ist: deinem Fokus im Innen.

Text & Sequenz: Ina Hoffrogge / Fotos: Nela König


BEVOR DU BEGINNST: Finde einen Ort, der dir Sicherheit und Ruhe schenkt. Vielleicht sind das deine eigenen vier Wände. Vielleicht ruft dich aber auch ein Platz in der Natur, an dem du die Erde unter deinen Füßen spürst und frische Luft atmest. Rolle deine Matte aus, richte dich ein und nimm dir jetzt Zeit für dich.

1. TADASANA SAMASTHITI
BERGHALTUNG

Sequenz Ina Hoffrogge für innere Ruhe Tadasana Samasthiti

Finde einen aufrechten Stand. In der klassischen Version berühren sich deine großen Zehen und deine Fersen sind etwas weiter auseinander. Aktiviere bewusst deine Füße und Beine und richte von dort ausgehend deine Wirbelsäule auf. Rolle deine Schultern ein paar Mal nach oben zurück und schließe deine Augen. Spüre deinen Atem und lasse lange, nährende Atemzüge bis in deinen Bauch hinunter fließen. Nimm wahr, wie sich dabei Ruhe in dir ausbreitet. Dann lege deine Hände vor deinem Herzen aneinander und komme in deiner Praxis an.

2. ALASANA
HOHER AUSFALLSCHRITT

Sequenz Ina Hoffrogge für innere Ruhe Alasana

Öffne deine Augen. Atme ein und bewege deine Arme weit über die Seiten nach oben, sodass die Handflächen einander zugewandt sind (gestreckte Berghaltung: Urdhva Hastasana). Löse den linken Fuß vom Boden und tritt kontrolliert einen Schritt mit ihm zurück. Dabei hältst du die Arme weiterhin nach oben gestreckt. Spüre beide Füße aktiv am Boden, beuge das vordere Knie bis über das Sprunggelenk und strecke das hintere. Aus dieser stabilen Basis richtest du dich noch einmal bewusst auf. Aktiviere dabei deine Körpermitte, um ein Hohlkreuz zu vermeiden. Mit jeder Einatmung lädst du Weite in deinen Herzraum ein und wächst nach oben, mit jeder Ausatmung sinkst du deutlicher in den Ausfallschritt und spürst deine geerdeten Füße und Beine.

3. ALASANA VARIANTE
HOHER AUSFALLSCHRITT MIT KAKTUSARMEN

Sequenz Ina Hoffrogge für innere Ruhe Alasana Variante

Halte im Ausfallschritt deinen Blick gerade nach vorne gerichtet und finde auf Augenhöhe dein Drishti, deinen Fokuspunkt. Spüre den Bodenkontakt deiner Füße und die Kraft und Aktivität deiner Beine, bevor du nun deine Atmung integrierst: Mit der Ausatmung beugst du die Arme in 90-Grad-Winkeln zu den Seiten und hebst dabei den Blick etwas, um noch mehr Raum und Weite einzuladen. Mit der Einatmung streckst du die Arme wieder nach oben und kehrst zurück zu deinem Drishti. Wiederhole diese kraftvolle Bewegung mit Fokus auf deinen Drishti im Fluss deiner Atmung 5–10 Mal. Anschließend wiederholst du Übung 2 und 3 mit dem linken Bein vorne.

4. ARDHA CHANDRASANA
HALBMOND

Sequenz Ina Hoffrogge für innere Ruhe Ardha Chandrasana

Erde noch einmal bewusst deinen rechten Fuß und aktiviere ihn, indem du deine Zehen weit auffächerst. Beuge dein rechtes Knie noch etwas deutlicher und verlagere den Schwerpunkt nach vorn, sodass sich der linke Fuß vom Boden löst und du nach vorne in die Balance schwebst. Deine rechte Hand darf unterhalb der Schulter auf einem Block oder auf der Erde ankommen. Drehe den linken Rippenbogen und die linke Hüfte aktiv nach oben, sodass sich dein Oberkörper vom Boden ab- und in den Raum hineinwendet. Sobald du stabil stehst, hebst du den linken Arm Richtung Himmel. Lasse dabei das Standbein leicht gebeugt, das schwebende Bein ist aktiv und parallel zum Boden, der Fuß zu dir hingezogen. Du hast kaum Gewicht auf der Hand und den Fingern. Die Kraft für die Balance kommt aus dem Zentrum deines Körpers. Richte den Blick himmelwärts, spüre, atme, generiere Länge und bleibe möglichst fünf Atemzüge lang in der Balance. Dann wechselst du eventuell zum gebundenen Halbmond oder du übst gleich die zweite Seite.

OPTIONALE VARIANTE: GEBUNDENER HALBMOND

Sequenz Ina Hoffrogge für innere Ruhe gebundener Halbmond

Verlagere dein Drishti auf die Erde vor dir und beuge dein linkes Knie. Mit deiner linken Hand findest du den Weg zu deinem Fuß. Schiebe ihn sanft gegen die Hand und hebe dabei das Knie himmelwärts. Nimm die zusätzliche Hüftöffnung wahr, während du den Nabel sanft nach innen ziehst und die Atmung Richtung Hüfte leitest. Achte darauf, dass dein Standbein weiterhin minimal gebeugt bleibt, um das Knie zu schützen.

5. VIPARITA VIRABHADRASANA
FRIEDVOLLER KRIEGER MIT GEÖFFNETEN ARMEN

Sequenz Ina Hoffrogge für innere Ruhe Viparita Virabhadrasana

Mit einer Ausatmung trittst du aus Tadasana mit dem linken Bein achtsam nach hinten. Stelle den Fuß dabei leicht schräg auf (ca. 45 Grad). Spüre die Erde unter deinen Füßen, beuge das vordere Bein, strecke das hintere und nimm ihre Kraft wahr. Drehe das Becken nicht gewaltsam nach vorn, sondern lasse es in seiner natürlichen Position und aktiviere deine Körpermitte, wenn du nun mit einer Einatmung deine Arme wie eine Windmühle nach oben und hinten hebst. Öffne dich Richtung Himmel und folge dieser Bewegung mit deinem Blick. Bleibe fünf Atemzüge lang und spüre, wie du mit der Einatmung im Herzraum expandieren kannst. Dann löst du die Haltung behutsam auf, kehrst zurück in Tadasana und übst die zweite Seite.

6. VINYASA
BEWEGUNGSABFOLGE AUS CHATURANGA, URDHVA MUKHA SHVANASANA,
ADHO MUKHA SVANASANA

Beuge dich mit einer Ausatmung aus Tadasana nach vorn und lege deine gespreizten Finger am Boden ab. Fließe nun durch die dir vertraute Variante des Vinyasas (zum Beispiel: Vorwärtsbeuge, Brett, aufschauender Hund, herabschauender Hund). Lasse dich dabei von deiner Atmung leiten: Mit jeder Einatmung öffnest du dein Herz und wächst. Mit jeder Ausatmung verneigst du dich zur Erde und gibst dich hin. Wiederhole die Abfolge, so oft du magst. Zum Schluss genießt du den herabschauenden Hund drei Atemzüge lang.

7. EKA PADA ADHO MUKHA SHVANASANA VARIANTE
DREIBEINIGER HUND DYNAMISCH

Sequenz Ina Hoffrogge für innere Ruhe Eka Pada Adho Mukha Shvanasana Variante

Ausgehend vom herabschauenden Hund hebst du mit einer Einatmung dein rechtes Bein. Der Fuß ist gestreckt, die Hüfte darf sich zur Seite öffnen. Mit einer Ausatmung ziehst du den gehobenen Fuß nach vorne und stellst ihn zwischen die Hände oder komfortabel auf die Position, die dir möglich ist. Hebe deinen Blick und finde dein Drishti, bevor du dich nun aufrichtest und das linke Knie zur Brust ziehst. Nimm auch hier wahr, wie dir das Zusammenspiel aus Fokus und bewusster Erdung über das Standbein Stabilität und schwebende Balance verleihen kann. Fließe erneut durch ein Vinyasa bis zum herabschauen-den Hund und übe dann die zweite Seite.

8. VRIKSHASANA
BAUM

Sequenz Ina Hoffrogge für innere Ruhe Vrikshasana

Beginne wieder stabil geerdet in Tadasana und wähle deinen Fokuspunkt auf Augenhöhe, bevor du das Gewicht auf den rechten Fuß verlagerst. Finde deine Mittelachse und lege den linken Fuß an die Innenseite deines rechten Beines. Die Höhe spielt keine Rolle, nur solltest die ihn nicht ans Knie legen, um das Gelenk zu schützen. Drehe das gehobene Knie so gut es geht nach außen. Wachse zugleich durch deinen Standbeinfuß nach unten und durch die Wirbelsäule nach oben. Deine Hände finden in ein Mudra deiner Wahl. Richte deine Aufmerk- samkeit auf deinen Kontakt zur Erde unter dir. Spüre den Halt, der dir geschenkt wird, und die Kraft, die dich umgibt. Atme.

9. UTTHITA HASTA PADANGUSHTHASANA
GESTRECKTE GROSSZEH-HALTUNG

Sequenz Ina Hoffrogge für innere Ruhe Utthita Hasta Padangushthasana

Wenn du weiterhin stabil im Baum stehst, ziehst du nun dein linkes Knie zur Brust und greifst mit der linken Hand an die Kniekehle, um die Ferse oder mit Daumen, Zeige- und Mittelfinger um den großen Zeh. Je nach Balance und Tagesform bleibst du in dieser Haltung oder du beginnst dein Bein nun nach vorne und dann zur Seite auszustrecken. Dabei kannst du auch einen Gurt zur Hilfe nehmen. Überfordere dich dabei nicht, sondern priorisiere dein Wohlbefinden. Richte dich zu deiner vollen Größe auf und atme in die Länge deiner Wirbelsäule. Atme, halte dein Drishti – dein Fokus ist klar, du bist präsent und stark. Nach etwa 5 Atemzügen löst du die Haltung auf und wiederholst Übung 8 und 9 seitenverkehrt.

10. ALASANA MIT SIMHASANA PRANAYAMA
AUSFALLSCHRITT MIT LÖWENATMUNG

Sequenz Ina Hoffrogge für innere Ruhe Alasana mit Simhasana Pranayama

Ausgehend von Tadasana fließt du mit einer Ausatmung noch einmal mit dem linken Fuß kontrolliert zurück in einen Ausfallschritt. Hebe einatmend deine Arme über die Seite in die Senkrechte und sammle in dieser Einatmung all deine Energie. Mit der Ausatmung schiebst du Oberkörper und Arme mit nach vorne zeigenden Handflächen kraftvoll nach vorne. Lade dabei die Löwenatmung ein, das heißt, du streckst die Zunge bei der Ausatmung raus und lässt mit der Atemluft jegliche Art von Schwere entweichen. Wiederhole diese Bewegungen etwa 6 Mal in deinem Atemrhythmus: Einatmend in den hohen Ausfallschritt, kraftvoll ausatmend mit gestreckten Armen nach vorne lehnen. Alternativ zum Simhasana Pranayama kannst du überschüssige Energie auch durch deine gespitzten Lippen auspusten. Anschließend gehst du in einer fließenden Bewegung in Balasana, die Kindeshaltung, über. Spüre einige Atemzüge lang die Erde unter dir und lausche nach innen.

11. VAJRASANA
FERSENSITZ

Sequenz Ina Hoffrogge für innere Ruhe Vajrasana

Richte dich aus der Stellung des Kindes behutsam zum Fersensitz auf. Verwende gegebenenfalls Blöcke oder eine gerollte Decke, damit du wirklich entspannt sitzen kannst. Lege eine Hand auf dein Herz und die andere auf deinen Bauch und schließe nach Möglichkeit deine Augen. Spüre auch in dieser Haltung wieder deine Atmung und die Erde unter dir. Halte inne und beobachte dann, was sich in dir bewegt. Finde deinen Drishti, deinen Fokus, jetzt im Inneren und verbinde dich mit ihm. Alles, was du meinst zu brauchen, ist bereits in dir. Du bist geerdet.


Als reisende Yoga- und Meditationslehrerin hat Ina Hoffrogge seit über zehn Jahren ihr Zuhause im Innen gefunden. Sie unterrichtet auf der ganzen Welt, leitet Retreats und bildet Yogalehrer*innen aus. Hier kommst du zu ihrer Website namaste-ina.com oder auf Instagram @inahoff


Du hast das Bedürfnis, noch mehr zur Ruhe zu kommen? Im folgenden Artikel erfährst du, wie dir Yoga bei innerer Unruhe und Angstzuständen helfen kann: