Liebeskummer als Weg zu deiner eigenen Wahrheit – Tipps von Sally Kempton

frau auf bett mit liebeskummer

Liebeskummer ist eines der selbstzerstörerischsten Gefühle überhaupt. Als Weg kann er uns allerdings Zugang zu unserer eigenen Wahrheit verschaffen. Und uns von selbst geschaffenen Phantasien befreien. Wie das geht, erklärt dir die renommierte Meditationslehrerin und Tantrika Sally Kempton in diesem Artikel.

Text: Sally Kempton / Titelbild: Gustavo Fring via Pexels

Als ich sechs Jahre alt war, wollte sich Hughey Wise, der hübscheste Junge in meiner Klasse, nach der Schule mit mir treffen. Natürlich war ich zur Stelle. Er allerdings nicht. Vielleicht hatte er spontan entschieden, dass es doch nicht cool sei, den Nachmittag mit einem Mädchen zu verbringen. ­Vielleicht hatte er auch einen Termin beim Zahnarzt. Ich habe es nie herausgefunden. Denn keiner von uns hat es je wieder ­erwähnt. Das geplatzte Rendezvous war in meinem Leben der erste Anlass, die unsichere Natur romantischer ­Verabredungen zu erkennen. Und die komplette Unberechenbarkeit ­menschlicher Beziehungen.

Diese unvermittelten Brüche in der Liebe haben jeden von uns schon einmal mit voller Wucht getroffen. Dieser Artikel soll keine Ratschläge liefern, wie du dein Liebesleben „optimieren“ kannst. Normalerweise fragen Menschen nicht nach Rat, wenn es ihnen gut geht. Sie tun es eher, wenn sie Stillstand, Umstürze, Enttäuschungen oder Verluste erfahren. Bei diesen tief greifenden Einschnitten bietet unsere Yogapraxis immense Unterstützung. Durch sie lösen wir starre Konzepte und Fantasien auf und nähern uns einer Form der Liebe an, die nicht an Erwartungen und Bedingungen geknüpft ist.

Freiheit schaffen

Unsere Kultur vertritt die generelle Auffassung, dass Verliebtheit direkt zum gemeinsamen Ritt in den Sonnenuntergang führen sollte. In Wahrheit können sich zwei Menschen aufrichtig lieben, aber dennoch nicht für eine längere Beziehung geeignet sein. Tatsächlich ist eine Seelenverwandtschaft nicht unbedingt die ideale Basis für eine nachhaltige Partnerschaft. Hier kommt die Idee des Karma ins Spiel. Eine starke emotionale Verbindung kann ein Zeichen für Karma aus der Vergangenheit sein. Das Gefühl der Seelenverwandtschaft kann in der Anziehung der individuellen Karmas begründet liegen. Dadurch kreuzen sich die Wege zweier Menschen, die gemeinsam unerledigte Aufgaben ­bewältigen. Oder sich auf eine bestimmte, aber limitierte Weise helfen.

Universelle Liebe

So paradox es klingt: Die bereitwillige Akzeptanz der Trennung ist der erste Schritt dahin, die Liebe zu erhalten und den Schmerz loszulassen. Die Trauer wird zunächst bleiben. Verluste sind nun einmal schmerzhaft. Wenn man diesen Schlusspunkt jedoch annimmt, öffnet man die Tür für eine andere Entfaltung. Entweder zwischen euch beiden oder dir und einer anderen Person. Ich habe einen Vorschlag. Jedes Mal, wenn du die Liebe und den Schmerz dieser Beziehung spürst, gib diesen Empfindungen eine universelle Dimension. Widme sie etwas Größerem.

Wenn du das wiederholt tust, merkst du, dass deine Liebe an Obsession und Besitzdenken verlieren wird. Sie wird sich eher zu einem zärtlichen Gefühl entwickeln. Dann kommt eine weitere Qualität hinzu. Die Seelenverwandtschaft der Beziehung kann in echte Freundschaft übergehen. So kannst du dich von romantischen Erwartungen und dem damit verbundenen Frust der Enttäuschung befreien und der Person einfach alles Gute wünschen. Dieser Prozess braucht Zeit und achtsame Selbstfürsorge. Zur Unterstützung schlage ich folgende Herz-Meditation vor:

Herz-Meditation: „Ich lasse dich gehen“

Reserviere 30 Minuten, die du zuhause oder in der Natur allein bist. Richte die Aufmerksamkeit auf das Innere deines Herzens. Stell dir vor, dass dieser Mensch bei dir ist und sage ihm. „Ich lasse dich gehen. Ich widme unsere Beziehung und meine Liebe zu dir dem Universum.“ Bleibe bei diesem Gedanken, bis sich die Perspektive ändert oder du einfach Erleichterung spürst. Wenn du weinen musst oder Schmerz empfindest, lasse es zu. Im Laufe der Meditation kann sich Loslassen einstellen. Es muss kein überwältigendes Gefühl sein. Eine kleine Entspannung genügt.

Wenn du dann an die andere Person denkst, sende ihr liebevolles Mitgefühl. Sage oder denke: „Ich wünsche dir Glück, Gesundheit und Freiheit“. Und wünsche dir dasselbe. Beobachte die Empfindungen und Gedanken rund um diese Person sehr genau. Übe, diese Gedanken vorüberziehen zu lassen, anstatt sich mit ihnen zu identifizieren. Sehe einen Gedanken nur als Gedanken – und nicht als Wahrheit. Dann kannst du ihn als nächstes einfach loslassen.

Der Traum von der perfekten Beziehung

In Sanskrit werden bestimmte Gedanken als Vikalpahs bezeichnet, was mit „Träume“ oder „Fantasien“ übersetzt werden kann. Ein Vikalpah, an dem wir entschlossen festhalten, ist der Traum von der perfekten Beziehung. Je mehr wir uns mit dieser Fantasie identifizieren, desto mehr wird sie zu einem Fluchtpunkt. Eine Art Alternativ-Universum, das wir aufsuchen, um den Realitäten und Herausforderungen des Alltags auszuweichen. Wenn wir das Mantra „Ich wäre so glücklich, wenn ich mit ihm/ihr zusammen wäre!“ praktizieren, wird Glück für unsere Gegenwart völlig unerreichbar. Das Erkennen und Loslassen dieser Gedanken in der Meditation bricht dieses Muster auf und führt uns in Gestalt und Erfordernisse des Moments zurück.

Fatale Liebe

In der Yogawelt ist eine Retreat-Romanze nicht ungewöhnlich. Das liegt an der besonderen Situation. Die Vertrautheit, die entsteht, wenn man diesen besonderen Raum gemeinsam teilt, öffnet das Herz. Das Bewusstsein, das sich nach innen gerichtet hat, verlangt nach Abwechslung. Ich kenne Menschen, die im Zuge einer solchen „spirituellen Affäre“ geheiratet haben. Manche Verbindungen funktionieren, andere explodierten geradezu, wenn die Paare ihre Verschiedenheit erkennen mussten.

Die wichtigste Aktivität ist jetzt, gar nichts zu tun. Nutze die momentane Erfahrung als Weg. So kannst du im Laufe des nächsten Monats viel über dich erfahren und alle aufkommenden Gefühle bewusst wahrnehmen. Oft vermeiden wir allzu starke Gefühle wie Liebe, Angst, Verlangen und Traurigkeit. Stattdessen fixierst du dich derzeit vielleicht auf Geschichten, die du mit diesen Gefühlen kombinierst. „Ich bin ein schlechter Mensch, weil ich so empfinde.“ „Wenn ich mich derartig verlieben konnte, stimmt etwas mit meiner Langzeit-Beziehung nicht“.

Eine Frage der Interpretation

Solche Auslegungen sind allerdings Interpretationen und nicht notwendigerweise wahr. Wie man eine Erfahrung deutet, basiert oft auf unbewussten Grundeinstellungen oder Weltanschauungen, die kulturell, in der Familie und aus Erfahrungen übernommen sind. Je mehr wir uns mit Yoga beschäftigen, desto mehr schiebt sich diese Philosophie über unsere bisherigen Werte. Wenn man emotional aufgewühlt ist, können unterschiedliche Erfahrungs-Interpretationen in Wettbewerb geraten. Die Yoga-Prinzipien der Eigenständigkeit und des Loslassens stehen im Kontrast zum romantischen Ideal unserer Gesellschaft. Ihr Verlangen nach einem neuen Abenteuer kämpft mit dem Wunsch nach Stabilität und tiefer Hingabe. Der Konflikt zwischen diesen Vorstellungen kann dazu führen, dass du sich in endlosen Denkschleifen und dem Abwägen von Alternativen verstrickst.

Das Resultat sind Verwirrung, Unsicherheit und Angst. Um das alles noch zu komplizieren, haben diese Szenarien direkte Auswirkungen auf dein Verhalten. Wenn du dich über die unbedachten Worte eines anderen ärgerst, entscheidet deine Interpretation dieser Situation über den Konflikt. Und wenn dir in der Anwesenheit eines anderen das Herz aufgeht, deutest du dieses Gefühl in Richtung Romanze. Deine Interpretationsweise hat unmittelbaren Einfluss auf die Zukunft dieser Begegnung.

Wenn man die ganze „Rahmenhandlung“ beiseite lässt, sind Gefühle einfach nur Gefühle. Was sie hauptsächlich ausmacht, ist reine Energie. Liebe, Traurigkeit und Ärger geben ihr jeweils eine spezifische Form. Jede von ihnen äußert sich unterschiedlich: Ärger durch Härte in der Herz- und Bauchgegend, Liebe durch ein warmes Gefühl im Herzen und Traurigkeit durch Schwere, die den Brustkorb sinken lässt.

Meditation: Feel your feelings

In Krisenzeiten ist es eine kraftvolle Übung, jede Gefühlswelle als Bewegung im Körper zu registrieren, ohne auf sie einzuwirken. In dieser Meditations-Praxis bringe deine Aufmerksamkeit auf die Gefühlsempfindungen in deinem Körper. Ähnlich wie wenn du dein Bewusstsein immer wieder auf den Atem richtest. Sitze mit dieser Empfindung, so lange du kannst. Be­obachte die Geschichten, die in dir aufsteigen. Kehre immer zu wieder zu deinem momentanen Körpergefühl zurück.

Im Laufe dieser Übung kann sich dieses Gefühl ­verändern. Es kann sich auflösen. Oder einfach nur zur einer anderen Gefühlskette führen. Dann nimmst du Emotionen als Sinneseindrücke und Energie wahr und lässt ihre Transformation zu. So wird sich ein Weg zur positiven Veränderung abzeichnen. Bleibe bei der Gefühlsempfindung in der Gegenwart, ohne dich von selbst erfundenen Szenarien davontragen zu lassen. Das wird dir helfen, authentisch zu handeln. Und nicht aus einem Gefühl der aufgeregten Verwirrung, das die Geschichten von Liebe und Betrug in allen von uns auslösen können.

Der Traumprinz

Intuitiv erkennst du die zwiespältige Qualität romantischer Fantasien. Jede Art von Wunschvorstellung lenkt dich von der Gegenwart und ihren unmittelbaren Herausforderungen ab. Gleichzeitig öffnen Fantasien Zugang zu neuen (Bewusstseins)räumen, die auch im Yoga schon immer dazu benutzt wurden, das Innere neu zu beleuchten. In anderen Worten: In leidenschaftlichem Verlangen steckt auch eine Chance, wenn man es abseits der persönlichen Färbung zu seiner Essenz verfolgt. Romantische Gefühle empfinden wir deshalb als so erstrebenswert, weil sie uns sehr kraftvoll mit der Erfahrung unbedingter Liebe verbinden.

In seinem Buch „Traumvorstellung Liebe“ deutet der Psychologe Robert Johnson romantisch verklärte Liebe als verdrängte Liebe zu etwas Größerem. Tatsächlich haben die großen romantischen Leidenschaften des Lebens eine „göttliche“ Qualität, wie sie zum Beispiel auch in der Literatur umgesetzt wird. So berühren uns die Liebesgedichte des Sufi-Poeten Rumi aufs Tiefste. Und auch die indischen Bhakti-Sutren lehren, dass jede menschliche Empfindung als Weg zur göttlichen Liebe dient. Diese kann einem Freund gelten, den Eltern oder einem Kind. Die Sutren führen weiter aus, dass der stärkste Ausdruck hingebungsvoller Liebe die vollkommene Bindung an das Göttliche, das Madhura Bhakti (wörtlich: „süße Hingabe“) ist. Das intensive Verlangen romantischer Liebe erzeugt ein kraftvolles Feuer im Herzen. Wenn wir dieses Feuer nach innen richten oder dem Göttlichen widmen, transformiert es den Charakter, öffnet das Herz und führt uns zu tieferen Dimensionen der Hingabe und Wertschätzung.

2 Wege zum Umgang mit der Fantasie

Ich erwähne dies alles, damit du effektiver mit solchen Fantasien arbeitest. Um mit einer unerfüllbaren und tendenziell zerstörerischen Leidenschaft umzugehen, gibt es zwei Wege. Der erste Ansatz braucht Disziplin, Selbsterforschung und Verzicht. Sobald die Fantasien auftauchen, lässt man sie sofort fallen. Eine andere, umfassendere Methode ist in der traditionellen Yogaphilosophie begründet, die als Tantra bekannt ist. Im Tantra fokussiert man sich auf die Gefühle hinter der Fantasie. Das pure Verlangen nach Liebe, das wir alle besitzen. Diese Sehnsucht wird von einer Verbindung mit einer anderen Person aktiviert, aber sie ist viel größer als dieses Individuum. Wenn wir ihr folgen, führt sie uns direkt zur Quelle unseres Seins. Beide Herangehensweisen können funktionieren. Eine führt über positive Kontrolle, die andere bewegt sich direkt in und durch die Fantasie, um den Ursprung der Sehnsucht zu erfahren.

Fantasien als Wegweiser

Wenn wir uns um unsere tiefsten Wünsche kümmern, können wir unsere Fantasien als Wegweiser und nicht als Selbstzweck nutzen. Meditation bricht jede Art von Wahrnehmungsmustern auf. Um die tantrische Herangehensweise zu probieren, lass den Fantasien einige Zeit freien Lauf. Erforsche die Empfindungen, die deine fiktive Romanze in dir aufsteigen lässt. Das intensive Verlangen oder die sexuelle Intensität. Oder was auch immer sich manifestiert. Lenke die Empfindungen dann zur Herzgegend und konzentriere dich auf die Erweiterung des Gefühls. Visualisiere es als Licht. Lass diesem Punkt das Bild der Person in der Fantasie komplett los.

Fokussiere dich stattdessen auf deinen Gefühlszustand. Nimm genau wahr, wie du dich fühlst. Lebendig, traurig, sehnsüchtig oder liebevoll. Koste dann diese Empfindung aus. Bemerke, dass dies deine Gefühle und Wünsche sind. Mit dieser Aufmerksamkeit entwickelt und verändert sich der Gefühlszustand weiter. Das Ergebnis dieser Praxis kann die zunehmende Erkenntnis sein, dass das, wonach du wirklich suchst, der Gefühlszustand ist, den deine romantischen Fantasien auslösen. So kommst du mehr in Kontakt mit den Empfindungen in deinem Körper und verabschiedest dich gleichzeitig von deren Auslösern. Dadurch siehst du, dass es sich um deine eigene Liebe und deine eigene Lebendigkeit handelt.

Das Liebesgefühl erweitern

Ein zweiter Schritt in der tantrischen Variante kann es sein, andere Menschen als die Person deiner Träume einzubeziehen. Stell dir die unterschiedlichsten Menschen in deinem Leben vor. Öffne diesen Menschen dein Herz und nutze dein durch Meditation erweitertes Liebesgefühl. So lässt du so viele Andere wie möglich daran teilhaben, bis hin zur Natur und anderen Lebewesen. Erkenne, dass deine Liebe universell sein kann. Wenn du zulässt, dass deine persönliche Zuneigung auf diese Weise expandiert, eröffnen sich unendliche Gelegenheiten zu lieben.

Und wenn du in dieser Übung noch weiter gehen willst, gehe ihr bis ganz auf den Grund. Im Innersten deiner Gefühle befindet sich die Präsenz, die wir „Gott“ nennen können. Jedes Gefühl von Liebe hat ­göttliche Dimension. Beide Übungswege helfen, romantische Fixierungen zu lösen. Letztere geht einen Schritt weiter und öffnet das Herz für das heilende Potenzial der Liebe.


Foto: David Martinez

Sally Kempton war eine international bekannte Meditationslehrerin und schrieb regelmäßig für das amerikanische YOGA JOURNAL. Sie veröffentlichte mehrere Bücher (z.B. „Awakening Shakti“) und unterrichtete weltweit Workshops und Retreats. Mehr Info auf sallykempton.com

Neumondkalender 2026: So wirkt der erste Neumond des Jahres im Steinbock

Neumond

Wann ist Neumond? Den nächsten Neumond erwarten wir am 18. Januar 2026. Um 20:52 Uhr steht er im Zeichen Steinbock. Welche Energien jetzt wirken und wie du diese am besten für dich nutzen kannst, erfährst du weiter unten im ArtikelHier ist eine Übersicht aller Neumonde 2026, alle Daten mit Uhrzeit, Sternzeichen sowie einige Tipps für die Arbeit mit der Neumondenergie.

Titelbild: Lyndse Ballew via Unsplash

Der Mond übt schon seit Tausenden von Jahren eine starke Faszination auf die Menschheit aus. Immerhin regelt er mit seiner Kraft die Gezeiten und nimmt auch bei manchen Menschen Einfluss auf das Schlafverhalten. Er gilt als Symbol für weibliche Energie, Weisheit und Intuition. Die bewusste Auseinandersetzung mit den verschiedenen Mondphasen hilft dabei, dich mehr mit dir, der Erde und dem Kosmos zu verbinden.

Nutze die Neumondenergie, um frische Energien in dein Leben einzuladen und neue Intentionen zu setzen. Nun ist eine gute Zeit, um Ideen zu konkreten Zielen zu machen und Projekte direkt anzugehen. Hier findest du Inspiration für dein Neumond-Ritual.

Neumond
Foto: Alex Brites von Pexels via Canva

18. Januar 2026: Neumond im Zeichen Steinbock

Am 18. Januar gegen 20:52 Uhr steht der Neumond im Sternzeichen Steinbock. Die aufmerksame und ernste Energie des Erdzeichens bringt Klarheit, Struktur und Durchsetzungskraft in dein Leben. Jetzt geht es darum, langfristig zu denken und Verantwortung zu übernehmen.

Ein neues Jahr, ein Neumond, ein Neuanfang?

Ja klar, aber bitte bewusst. Lass dir dafür ruhig Zeit. Laut modernem Kalender ist zwar der offizielle Jahreswechsel immer am 1. Januar, jedoch befinden wir uns noch mitten im Winter. Die Natur regeneriert gerade noch, bevor sie im Frühling neu aufblüht. Daran kannst du auch deinen eigenen Rhythmus orientieren und mit ihm dein Leben Tag für Tag neu ausrichten.

Manchmal braucht es keine großen Umbrüche, um große Veränderungen zu bewirken. Neuanfänge beginnen oft mit kleinen Gewohnheiten, die du langsam in deinen Alltag integrieren darfst. Es braucht vielleicht auch keine großen Gesten oder Belohnungsstrategien, um Neues zu etablieren, sondern eine klare Entscheidung, Mitgefühl, Ehrlichkeit und Konsequenz gegenüber dir selbst. 

Vergiss nicht: Dein Leben ist mehr als eine Aneinanderreihung von erreichten oder vermeintlich verfehlten Zielen. Es ist ein Prozess, den du in deinem eigenen Tempo gestalten darfst.

Yoga-Tipp:

Jede Veränderung beginnt in dir. Schaffe Raum für Klarheit durch Meditation und beobachte wie sich deine Präsenz und Perspektive dadurch verändert. Oder begib dich auf die Entdeckungsreise zu dir selbst und spüre die transformierende Kraft von Yogapraxis und Reflexion.


Alle Neumonde 2026 im Überblick:

18. Januar 2026 um 20:52 Uhr im Zeichen Steinbock

17. Februar 2026 um 13:01 Uhr im Zeichen Wassermann

19. März 2026 um 02:23 Uhr im Zeichen Fische

17. April 2026 um 13:52 Uhr im Zeichen Widder

16. Mai 2026 um 22:00 Uhr im Zeichen Stier

15. Juni 2026 um 04:54 Uhr im Zeichen Zwillinge

14. Juli 2026 um 11:43 Uhr im Zeichen Krebs

12. August 2026 um 19:36 Uhr im Zeichen Löwe

11. September 2026 um 05:27 Uhr im Zeichen Jungfrau

10. Oktober 2026 um 17:50 Uhr im Zeichen Waage

9. November 2026 um 08:02 Uhr im Zeichen Skorpion

9. Dezember 2026 um 01:52 Uhr im Zeichen Schütze


Du möchtest wissen, an welchen Tagen 2026 Vollmond ist? Alle Daten und Tipps findest du in unserem Vollmondkalender:

Neuer Mond, neuer Mut! Julia Pross zeigt dir eine herzöffnende Neumond-Yogapraxis:

Satyakama-Übung: Meditation für deinen Herzenswunsch

Meditation Herzenswunsch
Meditation Herzenswunsch

Diese Meditation von Rod Stryker kann dir dabei helfen, den Botschaften deiner Seele zu lauschen. Sie zeigt dir den Weg zu deinem Satyakama, dem wahren, größten Herzenswunsch.

Text: Rod Stryker / Titelbild: RF._.studio via Pexels

Schließe deine Augen. Nimm deinen Körper wahr. Dann richte die Aufmerksamkeit auf deinen Atem. Mache dir einige Minuten lang dein leichtes, müheloses Atmen bewusst – bis du dich innerlich ruhig fühlst.

Lenke nun die Aufmerksamkeit zu deiner Stirn, zu dem Punkt zwischen den Augenbrauen. Während du deinen Fokus dort hältst, werde dir deines atmenden Körpers bewusst. Entspanne dich. Versuche, deinen Atem nicht zu lenken. Dann erlaube deinem Bewusstsein, eine Verbindung zwischen deinem Atem und dem Punkt zwischen deiner Augenbrauen herzustellen. Während du spürst, dass dein Körper einatmet, fließt dein Fokus von dem Punkt zwischen den Augenbrauen in Richtung Schädelmitte zum „dritten Auge“ – es liegt mittig zwischen den Schläfen. Während dein Körper wieder ausatmet, beobachte, wie deine Aufmerksamkeit sich von dort aus wieder zurück zu dem Punkt zwischen den Augenbrauen bewegt.

Sei präsent und entspannt

Spüre, wie diese Übung mit der Zeit müheloser wird und dein Geist zur Ruhe kommt. Während du diese Stille erfährst, kannst du vielleicht beobachten, wie sich in deiner Schädelmitte eine Weite und Präsenz entfaltet. Du musst nichts weiter tun, als zu fühlen und zu lauschen. Während du mehr und mehr in diesen friedlichen, mühelosen Rhythmus eintauchst, kannst du vielleicht wahrnehmen, dass sich deine Bewusstheit vom dritten Auge aus allmählich ganz von selbst nach innen und außen bewegt – unabhängig vom Atem. Wenn das der Fall ist, höre auf, an deinen Atem zu denken. Bleibe ganz bei diesem mühelosen Pulsieren.

Nimm wahr, wie sich daraus nach und nach eine Art Glückseligkeit entwickelt. Dein gesamtes Sein füllt sich mit einem grenzenlosen Gefühl von Zufriedenheit und Freude. Strenge dich nicht an. Sei einfach nur präsent und entspannt. Das Gefühl wird sich umso eher entfalten, je mehr du dich in die Mühelosigkeit fallen lässt.

Du bist die Quelle deiner Freude

Werde dir nun dessen bewusst, dass diese Zufriedenheit und Freude, die du spürst, im Grunde du selbst bist. Lasse alles los, um wirklich wahrzunehmen, dass du selbst die Quelle bist. Es braucht Zeit und Übung, so weit in diese Meditation hineinzufinden. Auf ihrer höchsten Stufe bist du so völlig in den Zustand der Freude und Glückseligkeit eingetaucht, dass du keine Trennung mehr zwischen dir und dem Universum wahrnimmst. Du selbst bist die Glückseligkeit, von der uns die alten Schriften versichern, dass sie die Natur aller Dinge ist.

In diesem Zustand wende dich an dein „Weisheitszentrum“ – die Instanz in dir, die genau weiß, was du brauchst und was nicht. Fühle dich mit diesem inneren Wahrheitskern verbunden, der immer bereit und absolut fähig ist, dich zu deiner bestmöglichen Lebensweise zu führen. Bleibe bei diesem Gefühl und stelle deinem höheren Selbst folgende Frage: „Welche der vier Sehnsüchte dient meinem Dharma, meinem höchsten Zweck am besten? Was soll sich in den nächsten 6 bis 18 Monaten für mich erfüllen?“ Lasse nicht zu, dass dein Verstand das Kommando übernimmt; die Antwort sollte ganz natürlich und intuitiv zu dir kommen, bestimmt und klar sein.


Rod Stryker ist einer der bedeutendsten Yoga- und Meditationslehrer der USA. Dieser Artikel basiert auf Auszügen aus seinem Buch „The Four Desires“, in dem er sich eingehend mit den Purusharthas beschäftigt. Mehr Infos auf rodstryker.com


Im Freien vertiefen wir unsere Verbindung zur Natur und zur eigenen Mitte. Probiere auch diese Meditation aus:

Ayurveda: Entdecke die Heilkraft der Gewürze

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Im Ayurveda wird die positive Wirkung vegetarischer Nahrung auf die mentale und spirituelle Entwicklung betont. Speziell mit dem Wissen um die Heilkraft der Gewürze werden deine täglichen Speisen zu einer wirkungsvollen Medizin gegen unterschiedlichste Beschwerden.  

Text: Kerstin Rosenberg / Titelbild: Annie Spratt via Unsplash

Die Erkenntnisse rund um die Heilkraft von Gewürzen sind keine „ayurvedische Erfindung“. Sie bestimmen auch in unserem Kulturkreis seit vielen Jahrtausenden die Entwicklung der Medizin. Von den alten Ägyptern, Griechen, Römern, Germanen bis zu den Mauren in Andalusien – alle nutzten exotische Gewürze aus dem Orient, Indien und China, um den Geschmack und die Wirkung von Nahrungsmitteln zu verbessern.

In Ägypten kultivierte und importierte man Anis, Dill, Fenchel, Bockshornklee, Kardamom, Koriander, Knoblauch, Ajwain, Schwarzkümmel, Pfeffer, Minze, Safran, Senfsamen, Thymian und Wacholder. Die Griechen bevorzugten Pfeffer und Ingwer aus dem Jemen, Zimt aus China sowie Nelken und Muskatnüsse von den Molukken (im heutigen Indonesien), während die Römer in Safran, Anis und ihrem absoluten Lieblingsgewürz, dem Kreuzkümmel schwelgten.

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Heilwirkung der Gewürze hat lange Tradition

Über die heilende Wirkung von Gewürzen wusste man damals bereits gut Bescheid: Die Urväter der westlichen Medizin unterschieden bereits die Heilkräfte des schwarzen, weißen und langen Pfeffers, beschrieben die verdauungsfördernde und krampflösende Wirkung des Korianders, nutzten Schwarzkümmel gegen Kopfschmerzen, Basilikum als Magentonikum und Aphrodisiakum und verwendeten Safran als Stärkungs- und Schönheitsmittel in Soßen, Tinkturen und Ölen.

All dies zeigt, dass die im Ayurveda verwendeten Gewürze auf eine lange Tradition auch in unserer heimischen Küche zurückblicken. Leider ist das Wissen um die Heilkräfte der getrockneten Früchte, Rinden, Samen und Kräuter im Laufe der Zeit verloren gegangen, so dass heute wieder ein großer Bedarf an Aufklärung besteht.

Heilen mit Gewürzen

Für den Hausgebrauch der ayurvedischen Gewürzheilkunde ist der richtige Einsatz des Geschmacks (Rasa) die wichtigste Therapieform. Dabei nehmen die Geschmackseindrücke über die Schleimhäute direkten Einfluss auf das körperliche und mentale Gleichgewicht der drei Doshas Vata, Pitta und Kapha sowie die Funktionsfähigkeit des Verdauungsfeuers (Agni) in seiner verwertenden und zellerneuernden Qualität. Ob wir also unsere Suppe mit scharfem Chili oder süßem Safran zubereiten, hat einen entscheidenden Einfluss auf die Wirkung und Verträglichkeit. Denn grundsätzlich wirken alle süßen Speisen eher nährend, aufbauend und beruhigend, während scharfe Gewürze als anregend, aphrodisierend und gewichtsreduzierend gelten.

Mache den Dosha-Test: Welche Ayurveda-Konstitution bist du?

So wirken die verschiedenen Gewürze auf den Körper

Gläser mit bunten Gewürzen
Foto: monicore via Pexels.com

Ajwain

Ajwain ist in unseren Breitengraden ein nahezu unbekanntes Gewürz. Es hilft bei Verdauungsbeschwerden aller Art, Gastritis, Appetitlosigkeit, Blähungen, Krämpfen und wirkt blutreinigend. Der milde und aromatische Geschmack der Ajwainsamen, scharf und bitter, passt hervorragend zu Schmorgurken, grünen Bohnen und Paprikagemüse. Das Inhalieren der Dämpfe ist gut bei Asthma und Husten.

Schmeckt auch den Kleinen: Pflaumen-Birnen-Chutney mit Ajwainsamen

Asafoetida

Asafoetida ist auch als Stinkasant, Teufelsdreck oder Hing bekannt. Es ist eines der wenigen Gewürze, welche nur in sehr kleinen Mengen verwendet werden. Ausgezeichnet und schnell wirkt das Gewürz bei akuten Magen-Darm-Störungen wie Übelkeit, Brechreiz und Durchfall, aber auch bei trägem Darm und Verstopfung, denn es regt die Verdauung an und vertreibt Blähungen, wirkt entkrampfend und außerdem menstruationsfördernd. Eine viertel Messerspitze des Gewürzes in einem Glas abgekochten Wasser schlückchenweise getrunken, stärkt die gesunde Darmflora, kräftigt Agni (Verdauungsfeuer und unsere Lebenskraft im Ayurveda), beruhigt Vata und ist gut gegen Würmer.

Cayennepfeffer

Cayennepfeffer oder rote Chilis haben eine intensive und brennende Schärfe, weshalb man sie äußerst vorsichtig dosieren sollte. Pitta-Typen sollten auf Chilis verzichten, es sei denn, sie leiden unter einem schwachen Agni. Für den trägen Kapha-Stoffwechsel (Manda-Agni) wirkt Chili ausgesprochen anregend und baut Fettgewebe ab.

Ingwer

Im Ayurveda unterscheiden wir die Wirkung des getrockneten Ingwers (Sunti) und des frischen Ingwers (Ardraka). Frischer Ingwer hat einen scharfen Geschmack (Katuvipaka) und getrockneter Ingwer hat einen süßen Geschmack (Madhuravipaka). Ingwer kann zu allen Speisen verwendet werden, sollte jedoch nicht im Hochsommer bei großer Hitze gegessen werden. Er gilt als Allheilmittel und wird besonders zur Agni-Stärkung und zum Abbau von Ama (Gifte & Schlacken des Körper) eingesetzt.

Rezept-Tipp: Tempeh-Wraps mit Mango-Ingwer-Sauce

Frischer Ingwer stärkt die Leberfunktionen, hilft der natürlichen Abwehrkraft und harmonisiert das Vata-System. Er verdünnt auf natürliche Weise das Blut und beugt so wirksam der Thrombosebildung vor. Zudem senkt er einen ernährungsbedingt erhöhten Cholesterinspiegel und ist hilfreich bei Bronchitis, Asthma und (rheumatischer) Arthritis. Ingwersaft ist ein natürliches Tonikum, welches die Verdauung und den Appetit anregt, Blähungen und Darmkoliken lindert sowie Giftstoffe aus dem Darm ausleitet.

Kardamom

Kardamom gehört zur Gattung der Ingwergewächse und wird zum Verfeinern unterschiedlichster Speisen verwendet. Da er leicht, trocken und kalt ist, wird er besonders im Sommer und zur Verringerung von Pitta eingesetzt. Er hat einen süßen, scharfen und bitteren Geschmack, ist appetitanregend und harntreibend. Zusammen mit Ingwer und Kurkuma neutralisiert Kardamom die schleimbildende Wirkung der Milch.

Koriander

Koriander ist ein Grundpfeiler der indischen Gewürzpalette. Für Pitta-Menschen sind frische Korianderblätter oder getrocknete Samen das beste Gewürz. Koriandersamen sind sehr wohltuend für das Verdauungs- und Enzymsystem, lindern Blähungen und stärken Nerven und Gehirn. Koriander wirkt entzündungshemmend und ist von seinen Eigenschaften leicht scharf, aber dennoch kühlend und verleiht allen Speisen ein frisches und frühlingshaftes Aroma.

Kreuzkümmel

Kreuzkümmel, auch Cumin genannt, ist neben Kurkuma ein wichtiger Bestandteil des handelsüblichen Curry. In Ghee angeröstet, entfalten die Samen entfalten ein wunderbares Aroma, welches Kohl und Kartoffelgerichte verfeinert. Er regt die Verdauung an, reguliert die Darmflora und wirkt blutreinigend. Zusammen mit Koriander und Fenchel dämpft er ein erhöhtes Agni, und als Sud mit Ingwer, Salz und Zucker wirkt er Agni-anregend. Cumin hat leichte, heiße, trockene und scharf penetrierende Eigenschaften, verringert Kapha, reguliert Vata und ist hilfreich bei Erkrankungen des Harntrakts.

Lecker-Snack: Nüsse mit Kreuzkümmel und Zimt

Kurkuma

Kurkuma, auch Gelbwurz genannt, bringt den Stoffwechsel durch seine bitteren und zusammenziehenden Eigenschaften ins Gleichgewicht und verringert alle drei Doshas. Er ist sehr blutreinigend, hilft bei Allergien, allergischem Asthma, Heuschnupfen, Hautproblemen, Hämorrhoiden und Brustschmerzen. Seine Inhaltsstoffe regen den Gallenfluss an, fördern die Leberfunktion, wirken entzündungshemmend, antiseptisch und stoffwechselanregend. In warmem Wasser aufgelöst und schluckweise getrunken wirkt er auch gegen Darmpilze.

Probiere doch mal: Himbeer-Rote Beete-Salat mit Mango-Kurkuma-Dressing

Nelken

Nelken werden in der ayurvedischen Küche ganz oder gemahlen verwendet, haben leichte und kalte Eigenschaften, sind geschmacklich bitter und scharf und mindern Kapha und Pitta im Körper. Aufgrund ihrer blutreinigenden, schmerzlindernden und verdauungsfördernden Wirkungsweise werden Nelken sehr geschätzt. Sie beseitigen gastrische und intestinale Krämpfe sowie Schmerzen, stimulieren die Haut, Speicheldrüsen, Nieren, Leber und die bronchialen Schleimhäute.

Safran

Safran, im Ayurveda bekannt als Verjüngungsgewürz, wirkt sehr aufbauend, stimulierend, schmerzstillend und nährt alle Doshas. Es wird gegen depressive Verstimmungen und zur Harmonisierung der Monatsblutung oder bei mangelnder Spermienbildung empfohlen. Als Hausmittel wird Safran bei Kopfschmerzen aufgrund von Rakta und Pitta in Form von Nasentropfen aus Ghee mit Safran verwendet.

Unser Geheimrezept: Veganes Safran-Risotto

Zimt

Zimt hat heiße und leichte Eigenschaften, einen scharfen, süßen und bitteren Geschmack, verringert Kapha und Vata und wirkt antiseptisch, entkrampfend und auswurffördernd. Er stimuliert das Herz und wirkt erweiternd auf die peripheren Blutgefäße. Als Tee aufgegossen lindert Zimt Müdigkeit und Erkältung. Milch mit Zimt ist ein gutes Getränk, um das motorische Nervensystem (Vyanavayu) zu fördern. Es reduziert den Blutzuckerspiegel und stimuliert die Gebärmutter. Bei Kopfschmerzen können feiner Zimt und Zuckerpulver sowie direkt anschließend ein paar Tropfen Ghee geschnupft werden.

Soulfood für einen guten Start in den Tag: Cremige Reisflocken mit Apfel und Zimt


Ein echter ayurvedischer Klassiker! Probiere auch dieses leckere Kitchari-Rezept:

Mit Zuversicht ins neue Jahr: 6 Tipps für mehr Furchtlosigkeit

frau sitzt auf berggipfel blickt mutig in die ferne

Ein neues Jahr beginnt und das ist immer ein Grund zur Hoffnung. Aber da ist auch vieles, was sorgenvoll stimmt, was du vielleicht sogar als furchteinflößend wahrnimmst. Wie können wir Stabilität finden und ohne Angst nach vorn gehen? Hier sind einige konkrete Tipps …

Text: Stephanie Schauenburg & Andrea Goffart / Titelbild: Denys Nevozhai via Unsplash

„Furchteinflößend“ ist eines dieser ebenso altmodischen wie schönen Wörter. Und es kann einem ja auch wirklich Furcht einflößen, was da an Krisenberichten und Katastrophenmeldungen tagtäglich auf uns einströmt: Klima, Kriege, Wirtschaft, Gesellschaft, Politik – überall mehr oder minder düstere Aussichten.

Wir können ein bewusstes geistiges Gegengewicht zur Furcht erzeugen, indem wir mehr Energie in Dinge lenken, die ihr entgegenstehen könnten. Das naheliegende „Gegenteil“ von Angst wäre Mut. Eher schwierig, wenn man tendenziell vor Angst schlottert. Aber wir hätten noch ein paar andere Ideen …

1. Heiterkeit

„Das Lachen tötet die Furcht“, sagt der blinde Seher Jorge von Burgos in Umberto Ecos Roman „Der Name der Rose“. Allerdings versteht er das nicht als Handlungsempfehlung in angstvollen Situationen, sondern im Gegenteil als Warnung vor jeglicher Form von Humor: In seinen (wie gesagt blinden) Augen ist Furcht die Grundbedingung von Religion, es geht ihm um die Herrschaft der Kirche. Wirkt irgendwie bekannt, oder? Angst wird geschürt, um Menschen zu beherrschen. Nein danke, da lachen wir lieber!

Das Heilsame am Humor ist seine Eigenschaft, eine gesunde Distanz herzustellen zwischen dem, was geschieht, und der eigenen Reaktion darauf. Nicht obwohl, sondern gerade weil die Herausforderungen unserer Zeit so ernst sind, gerade weil alles potenziell so anstrengend und schwerwiegend ist, tun uns mehr Leichtigkeit und Freundlichkeit so gut. Einfach mal bewusst die Mundwinkel hochziehen, freundlich witzeln und über sich selber lachen, statt immer nur den Zeigefinger zu erheben. Das bedeutet nicht, dass man die Probleme einfach bloß weglächeln sollte oder könnte. Aber vielleicht ziehen wir statt zähneknirschend lieber lachend in den Kampf für das Gute – so wie die Göttin Durga.

2. Sammlung

„Wenn der Geist zerstreut ist, entstehen leidvolle Enge, pessimistische Gedanken, körperliche Unruhe und nervöser Atem“, heißt es sinngemäß im Yoga Sutra (1.31). Eigentlich eine ziemlich akkurate Beschreibung davon, wie Angst sich anfühlt, oder? Wenn Angstgefühle aber weniger mit einem konkreten Anlass zu tun haben und mehr mit einem zerstreuten Geist, dann ist auch klar, was wir brauchen, um gegenzusteuern: Konzentration, Sammlung, Stille, alles, was die rasenden Gedanken eines zerstreuten Geistes mehr in die Ruhe bringt. Die yogischen Klassiker wären Meditation und Achtsamkeitsübungen. Allerdings zeigen Studien, dass beides bei akuten Angstzuständen sogar kontraproduktiv sein und das Hamsterrad eher noch ankurbeln kann. Dann sind sanfte Atemübungen besser und langsam und konzentriert geübte Asanas. Und jede Menge kleine Korrekturen, die aufwühlende Reize aus dem Alltag nehmen. Also: Badewanne statt Bildschirm, Spaziergang statt Spielchen am Rechner, Natur statt News-Feed …

Spaziergang Balancieren über Baumstamm im Wald
Foto: Jon Flobrant via Unsplash

3. Vertrauen

„Vertrau mir, ich bin da“, sagt die Yogalehrerin – und hopp: Kopfstand. Zum ersten Mal. Ein unglaubliches Gefühl, wenn auch nur kurz. Erst setzt der Verstand ein, dann setzt du sofort die Beine ab. Aber dieser Moment der Hingabe, der war wunderbar. Vertrauen bedeutet, die Kontrolle abgeben und sich, vielleicht nur für einen Augenblick, vollständig einer Welt ausliefern, vor der wir uns doch eigentlich fürchten. Im Anerkennen dieser Furcht und in der innigsten, tiefsten und schmerzhaftesten Verbindung mit ihr schöpfen wir plötzlich eine innere Sicherheit: Es ist gut so, wie es ist. Nichts ist ewig, alles ist Veränderung, jetzt ist es so, gleich wird es anders sein.

Diese Art von Urvertrauen bekommen manche Menschen geschenkt, wenn sie als Kinder die Erfahrung des Getragen-Seins erleben. Alle anderen dürfen üben. Immer wieder. Und niemals alleine. Wir üben, uns einzulassen auf Situationen, auf Menschen und vor allem auf die Tatsache, dass wir furchtsam sind und unperfekt und uns quasi ständig irren. Und in diesem Einlassen dürfen wir erfahren, dass da nicht nur Menschen sind, die uns halten, es gibt auch einen Halt tief in uns selbst.

4. Glauben

Dieses Vertrauen in ein Gehalten-Sein wird zum Glauben, wenn eine höhere Instanz ins Spiel kommt. „Fürchtet euch nicht“, heißt es in der Bibel. Aber warum sollen wir uns nicht fürchten – weil ein Engel, Gott oder Jesus uns das sagen? Oder dürfen wir furchtlos sein, weil im Glauben an eine gestaltende Schöpfungskraft das eigene Sein und Tun – alle Fehler und alles Leid – eine Art von Stimmigkeit erfahren? Wir könnten glauben, dass alles einen Sinn hat, auch wenn wir ihn (noch) nicht verstehen. Und vor allem könnten wir glauben, dass unser Ich einen Sinn hat, eine Bestimmung: Das eigene Sein und Können, das Anders-Sein und Nicht-Können sind gewollt. Wenn wir so denken, vertrauen wir der Gestaltungskraft des Lebens, wir glauben, dass unsere Gaben nicht zufällig sind und beginnen, Entscheidungen anders zu treffen. Vielleicht auch mit der Idee, dass wir nicht tiefer fallen können als in Gottes Hand. Diese Zeile aus einem Kirchenlied – geschrieben an der Front, mitten im Zweiten Weltkrieg – ist die Essenz des Glaubens. In solch einer spirituellen Erfahrung des Getragen-Seins schließt sich der Kreis zum Vertrauen.

5. Nicht-Wissen

Avidya, die Unwissenheit, das Nicht-Wissen, gilt in der Yogaphilosophie als die Wurzel allen Leids. Allerdings nur, wenn wir uns nicht eingestehen, dass wir ganz vieles nicht wissen. Sobald wir das Nicht-Wissen anerkennen und mit einkalkulieren, dass wir uns jederzeit auch irren könnten, brauchen wir auch nicht mehr beharren. Das versetzt uns in einen staunenden Zustand der Offenheit, der ziemlich viele Ängste auflösen kann: Jetzt schau ich mal, was daraus wird, ich weiß es ja nicht. Natürlich haben wir einen Sack von Erfahrungen, doch eigentlich ist jede Situation neu und einmalig – wir können nicht wissen, was sie uns schenken will. Vielleicht nehmen wir das Geschenk nur deswegen nicht wahr, weil wir glauben zu wissen: Das ist gefährlich, das ist schlecht, das muss weg.

Stattdessen könnten wir offen sein und das Nicht-Wissen einladen – und am besten laden wir noch ganz viele Menschen ein, die mit uns gemeinsam forschen und staunen und die uns in unseren Irrtümern korrigieren. Wenn wir uns mal wieder im Gewirr von Perfektionismus, Kontrollwahn und Mangeldenken wiederfinden, könnten wir ganz leise um Hilfe rufen und ein Zeichen der Verbundenheit setzen. Im Nicht-Wissen liegt auch die Idee, die Dinge nicht alleine, sondern gemeinsam zu machen. Und die wichtige Botschaft, dass die Fähigkeit, sich verletzlich zu zeigen, eine der größten menschlichen Stärken ist.

6. Werte und Visionen

Manchmal wundern wir uns ja selbst über unsere plötzlichen Mutausbrüche: Eines Tages erhebst du im Meeting deine Stimme und sagst deiner Chefin laut und klar, was dir und deinen Kolleginnen schon so lange gegen den Strich geht. Du würdest dich auch ohne zu zögern ins kalte Wasser stürzen, wenn dein Kind vom Steg gepurzelt ist. Die Furcht ist da, aber sie hindert dich nicht daran, zu tun, was in diesem Augenblick getan werden muss. Weil es dir wichtig ist. Sobald wir wissen, für was wir einstehen, wie wir leben wollen, für was wir zu kämpfen bereit sind, ist Furcht kein lähmendes Hindernis mehr. Werte geben uns die nötige Kraft. Deswegen ist es so heilsam und wichtig, nicht nur zu benennen, was schief läuft, sondern auch Visionen davon zu entwickeln, wie das gute Leben konkret aussehen könnte. Nur so überwinden wir den „kleinkarierten Kampf um die eigene Sicherheit“ und finden zu etwas Größerem, Sinnstiftendem. Gesellschaftlich ist der Mangel an Visionen für eine bessere Zukunft vermutlich das, was gerade am meisten fehlt. Aber das sollte uns nicht daran hindern, selbst danach zu suchen, am besten gemeinsam.

SO KANN DIE ASANAPRAXIS DAZU BEITRAGEN, FURCHTLOS ZU LEBEN:

Yoga Asana Baum auf Brücke
Foto: Laura Lauch via Unsplash
  • Stabilität: Körperliche Kraft und Standfestigkeit geben dir das Gefühl, auch mental stabiler im Sturm des Lebens stehen zu können.
  • Flexibilität: Der Gegenpol zur Stabilität ist mindestens ebenso wichtig, denn wenn du nicht nur körperlich beweglich bist, sondern auch geschmeidig auf wechselnde Situationen reagieren kannst, haut dich so leicht nichts um.
  • Hingabe: Minutenlang in einer eher unangenehmen Vorwärtsbeuge zu bleiben, aufmerksam und hingebungsvoll – das übt dich darin, auch im Leben nicht auszuweichen, wenn es schwierig wird.
  • Neugier: Immer wieder Neues probieren, die Welt für Momente auf den Kopf stellen, dazulernen, in derselben Asana ganz verschiede Aspekte entdecken – all das hilft dir, offener zu sein für das, was dir begegnet.
  • Achtsamkeit: Die letzte Lektion ist zugleich die allererste und wichtigste: Im Yoga lernen wir, wirklich bei uns zu bleiben. Alles spüren, ohne sofort zu werten. Jetzt, hier, von Atemzug zu Atemzug.

Stephanie Schauenburg und Andrea Goffart haben sich für diesen Artikel auf ein Schreib-Abenteuer eingelassen, das vielleicht nicht Furchtlosigkeit, aber schon eine Menge Offenheit und Vertrauen erforderte: einen gemeinsamen Text. Den kompletten Artikel zum Titelthema „Furchtlosigkeit“ der YOGAWORLD JOURNAL Ausgabe 01/2025 findest du hier:

https://yogaworld.de/produkt/yogaworld-journal-nr-97-01-25-print-ausgabe/

Manifestation mit Nicole Bongartz Teil 3: Empfange neue Impulse

Willkommen zum 3. und letzten Teil der Manifestations-Praxis mit Nicole Bongartz! Die ersten beiden Teile haben dir geholfen, deinen Selbstwert zu erhöhen, deinen Ängsten zu begegnen und dich für neue Möglichkeiten zu öffnen. Auf der Yogamatte spiegeln wir diesen Prozess wider, indem wir uns nun in Positionen begeben, die uns fordern und alles auf den Kopf stellen. Kannst du es genießen, gefordert zu sein und neue Impulse zu empfangen?

Text und Sequenz: Nicole Bongartz / Fotos: Hanna Witte / Outfits: Kismet Yogastyle

Die folgenden Übungen sind als Anregungen, Wegweiser und Unterstützung gedacht und nicht als ein festes Programm. Du kannst die drei Übungsteile variieren oder ergänzen. Lausche nach innen, sei kreativ. Es ist dein Körper, dein Prozess, es sind deine Entscheidungen, Handlungen. Übernimm die Verantwortung.

Hier geht’s zum Intro-Artikel “Manifestation durch Transformation – eine Entdeckungsreise zu dir selbst” von Nicole Bongartz

Teil 3: Impulse empfangen & Handlungsmöglichkeiten zelebrieren

Du hast Teil 1 und 2 verpasst? Hier geht’s zur ersten Übungssequenz „Vertrauen & Selbstwert“ und hier zur zweiten Übungssequenz „Öffne dich für neue Möglichkeiten“.

1. Dynamische Vierfüßler-Sequenz

Nicole Bongartz, Dynamische Vierfüßler Sequenz Teil A, Manifestation

A) Richte den Vierfüßlerstand ein: die Handgelenke senkrecht unter den Schultern und die Knie unter den Hüften. Schiebe dann den rechten Arm unter deinen Körper nach links, lege Schulter und Kopf ab und entspanne dich einen Moment lang in diese Haltung hinein.

Nicole Bongartz, Dynamische Vierfüßler Sequenz Teil B, Manifestation

B) Ohne etwas an der Position des Oberkörpers zu verändern, streckst du nun das linke Bein einatmend nach hinten und oben.

Nicole Bongartz, Dynamische Vierfüßler Sequenz Teil C, Manifestation

C) Ausatmend senkst du das Bein, ziehst den Fuß nach vorn und tippst mit den Zehen nahe deiner rechten Hand kurz an den Boden. Wechsle dann noch 3- bis 4-Mal im Atemrhythmus zwischen B und C hin und her. Dabei stabilisierst du dich aus der Körpermitte.

Nicole Bongartz, Dynamische Vierfüßler Sequenz Teil D, Manifestation

D) Verankere aus Position B all deine Auflagepunkte fest am Boden, bevor du nun auch das rechte Knie abhebst und das Bein, so gut es geht, streckst. Verteile dein Gewicht möglichst gleich zwischen deinen Kontaktpunkten zur Erde und schiebe kraftvoll in beide Beine. Bleibe bis zu 5 Atemzüge, dann ruhe einen Moment aus und spüre nach, bevor du die Übung seitenverkehrt wiederholst.

2. Schritt für Schritt in den Fallen Angel

Nicole Bongartz, Fallen Angel Yoga Asana, Manifestation

Bist du bereit, noch etwas weiter zu gehen? Für diese Asana brauchst du Mut, Durchhaltevermögen und vor allem Fokus. Du musst sie nicht meistern. Mach dich einfach auf den Weg:

1) Beginne in der engen Hocke, Fersen und Knie berühren sich. Drücke deine Oberschenkel fest zusammen und hebe kraftvoll deine Fersen. Richte dich einatmend auf, drehe dich ausatmend nach rechts, und lege deinen linken Ellbogen außen an den rechten Oberschenkel.

2) Setze deine Hände schulterbreit auf dem Boden ab, die Zeigefinger zeigen nach vorne. Beuge deine Arme und lehne dich mit weitem Herzraum nach vorne. Dein Becken hebt sich, deine rechte Hüfte ruht auf dem Oberarm.

3) Verlagere dein Gewicht auf die Hände, drücke die Beine zusammen und aktiviere deine Körpermitte. Drehe deinen Blick langsam nach links. Jetzt bist du in der Seitlichen Krähe (Parshva Bakasana).

4) Lass die rechte Schläfe und Wange sanft den Boden berühren, während dein Gewicht auf Händen und Schultern bleibt. Kontrahiere deine rechte Flanke und hebe Gesäß und Beine. Strecke dein linkes Bein nach oben, das rechte bleibt gebeugt. Wachse nach oben und finde Leichtigkeit. Bleibe hier 5 bis 8 Atemzüge lang.

5) Um die Haltung aufzulösen, kehrst du in die seitliche Krähe zurück, landest sanft mit den Füßen am Boden und hebst deinen Kopf. Gönne dir eine Pause in der Stellung des Kindes und rolle die Stirn sanft hin und her, bevor du die Seite wechselst.

3. Pashchimottanasana

Nicole Bongartz, Pashchimottanasana, Manifestation

Pashchimottanasana bedeutet „Öffnung des Westens“ und bezieht sich auf die Rückseite des Körpers, das Vergangene. Die Asana gibt dir Gelegenheit, alles Erfahrene zu integrieren und mit liebevollem Mitgefühl in dein Inneres zu schauen. Die Variation mit dem Block ermöglicht es dir zudem, den präfrontalen Kortex zu entspannen, wo vor allem unter Stress Ressourcen wie Kreativität und Intuition blockiert sein können. Ist dein Stirnchakra dagegen frei, so wird das Bild deiner Manifestation klarer. Du bist ihr bereits ganz nah. Beuge dich dazu aus dem Langsitz mit möglichst langem Bauch nach vorn. Dabei dürfen sich deine Knie vom Boden lösen. Klemme einen Block und eventuell darüber ein Kissen so zwischen deine Unterschenkel, dass du bequem deine Stirn darauf ablegen und loslassen kannst. Spüre deinen Atem, die Länge in deiner Rückseite und den sanften Druck an der Stirn.

4. Shavasana – zelebriere den Prozess

Nicole Bongartz, Shavasana, Manifestation

Shavasana bedeutet übersetzt „der Leichnam“. Das mag auf den ersten Blick bedrohlich klingen, doch in der Symbolik liegt eine tiefere Wahrheit: Es geht darum, dich liebevoll von deinem alten Selbst zu verabschieden. Mach es dir möglichst bequem, vielleicht mit einem Bolster unter den Knien, einem Kissen für den Kopf, Gurten und Decken, denn du hast einen intensiven Prozess hinter dir. Nimm dir Zeit, um zu reflektieren, was du nicht mehr sein möchtest.

Welche Eigenschaften, Denkweisen oder Muster möchtest du in Zukunft sofort erkennen und loslassen? Sage diesem alten Selbst mit Mitgefühl und Liebe Lebewohl und befreie dich von dem, was nicht mehr zu dir passt. Wende dich dann deiner Manifestation zu. Visualisiere dein Leben in der Form, die du dir wünschst. Lass dich in die Entspannung sinken – alles ist schon getan. Stelle dir nun vor, dass dein gesamter Körper in ein wunderschönes, glitzerndes Licht getaucht wird. Dieses Licht berührt jede Zelle und vereint alle Teile von dir zu einem harmonischen Ganzen.

Reflexion & Journaling

· Welchen Handlungsbedarf gibt es im Außen, um deine Manifestation voranzubringen?

· In welchem Bereich fällt es dir schwer, Grenzen zu setzen?

· Gibt es Beziehungen, Situationen oder Dinge, die nicht mehr im Einklang mit dir stehen? Belastende Situationen, die du erduldet hast? Wo sprichst du nicht deine Wahrheit?

· Was kannst du konkret tun, um diese Umstände zu verbessern?

· Was in deinem Leben erfüllt dich mit Stolz und Glück?

· Welche neuen Erkenntnisse über dich selbst hast du durch diesen Prozess gewonnen, die dir vorher nicht bewusst waren?

· Worauf freust du dich in deinem „neuen“ Leben besonders?


Nicole Bongartz ist der kreative Kopf und die Geschäftsführerin von Lord Vishnus Couch in Köln. Sie unterrichtet, bildet Yogalehrende aus und begleitet als ganzheitlicher Coach Menschen dabei, zu sich und in ihre Kraft zu kommen. Mehr auf nicolebongartz.de oder auf Instagram @nicolebongartz.de

Mehr über ihr ganzheitliches „Me Yoga„- Konzept aus Yoga und Manifestation erfährst du in ihrem gleichnamigen Buch (Scorpio, 29 Euro).

Manifestation mit Nicole Bongartz Teil 2: Öffne dich für neue Möglichkeiten

Willkommen zum 2. Teil der Manifestations-Praxis mit Nicole Bongartz! Die Körpervorderseite steht für die Zukunft, also alles, was vor dir liegt, während sich an der Rückseite hinter dir liegende Erfahrungen sammeln. Bekommen sie zu viel Gewicht, so können sie sehr bestimmend werden. Dem wirken wir entgegen, indem wir die Vorderseite bewusst weiten. Das öffnet den Blick für Möglichkeiten, die vorher nicht sichtbar waren. Körperlich bewegen wir uns dabei auf der Ebene des Herz- und Kehlchakras.

Text und Sequenz: Nicole Bongartz / Fotos: Hanna Witte / Outfits: Kismet Yogastyle

Die folgenden Übungen sind als Anregungen, Wegweiser und Unterstützung gedacht und nicht als ein festes Programm. Du kannst die drei Übungsteile variieren oder ergänzen. Lausche nach innen, sei kreativ. Es ist dein Körper, dein Prozess, es sind deine Entscheidungen, Handlungen. Übernimm die Verantwortung.

Hier geht’s zum Intro-Artikel „Manifestation durch Transformation – eine Entdeckungsreise zu dir selbst“ von Nicole Bongartz

Teil 2: Ausdehnung & Öffnung für Neues

Du hast Teil 1 verpasst? Hier geht’s zur ersten Übungssequenz „Vertrauen & Selbstwert“

1. Schulteröffnung im Sitzen

Setze im Langsitz deine Hände hinter dir auf und schiebe von den Schultern aus nach hinten und unten. Das hilft dir, dein Brustbein zu heben und die Schulterköpfe nach hinten zu bewegen. Diese weitende Bewegung kannst du noch intensivieren, indem du auch die Beine kraftvoll nach unten schiebst. Spüre die angenehme Dehnung über die Schultern und die Weite in der Brust. In dieser kraftvoll geöffneten Haltung formulierst du deine Intention. Etwa so: „Ich öffne mich für meine Möglichkeiten. Meine Manifestation ist weder zu viel verlangt, noch zu schwer, noch zu weit weg. Das, was ich mir wünsche, ist konkret möglich.“ Um das im Körper zu verankern, erinnerst du dich an die Umkehrung des limitierenden Glaubenssatzes im letzten Journaling. Verbinde dich mit deinem Herzen und sprich diesen Satz laut oder leise dreimal aus.

2. Tiefe Hocke und halbes Kamel

Nicole Bongartz, tiefe Hocke, Yoga, Manifestation

Komme in eine tiefe Hocke und setze die rechte Hand hinter dir am Boden ab. Blöcke unter Sitzfläche und Hand können dich dabei unterstützen. Strecke den linken Arm locker nach vorne aus, bevor du deine Knie nach vorne schiebst und das Becken hebst.

Nicole Bongartz, halbes Kamel Yoga, Manifestation

Ziehe den freien Arm lang nach oben und finde Weite in der gesamten Körpervorderseite. Bleibe einige Atemzüge, dann kehre zurück in die Hocke und wechsle die Seite. Anschließend kannst du die Abfolge gerne auch bis zu 8 Mal dynamisch üben: Die Einatmung bringt dich in die Kamel-Variation, die Ausatmung zurück in die Hocke. Spüre die entstandene Wärme, Weite und Ausdehnung.

3. Kamel

Nicole Bongartz, Kamel Yoga

Du bist nun gut vorbereitet für diese sanftere Variante des Kamels. Dafür brauchst du ein dickes Yoga-Bolster, gerne auch zwei. Lege im Kniestand das (oder die) Kissen quer über deine Fersen und Waden. Spüre ihr Gewicht. Lasse dann auch deine Sitzfläche darauf nieder und spüre erneut. Dann setzt du die Fingerspitzen auf dem Kissen auf und beginnst dein Kamel von hinten aufzuzäumen: Hebe das Becken, schiebe das Brustbein gen Himmel und weite die Kehle. Spüre, wie du ausgehend von der Auflagefläche deiner Schienbeine das Brustbein mehr und mehr anzuheben vermagst. Bleibe mindestens 5 tiefe Atemzüge lang. Dann setzt du dich zurück auf das Kissen und spürst zu dieser inneren Weite hin. Führe dir deine Manifestation vor Augen und spüre den energetischen Raum, den du für sie geschaffen hast.

4. Passive Rückbeuge

Nicole Bongartz, Passive Rückbeuge, Yoga

Diese Haltung hilft dir, die innere Großräumigkeit der ersten drei Übungen in dir zu verankern. Fixiere die Oberschenkel im Sitzen mit einem Gurt, lege die Füße auf ein quer liegendes Bolster und klemme einen Block zwischen die Fersen. Dann legst du Oberschenkel, Becken und Wirbelsäule so auf ein längs liegendes Bolster, dass dein oberer Schulterrand entspannt und aufgefächert auf dem Boden liegt. Spüre dann deine Atmung und lasse sie als einen kontinuierlichen Strom fließen, ohne längere Pausen zwischen Ein- und Ausatmung. Dabei versuchst du, die Ein- und Ausatmung gleich lang werden zu lassen.

Spüre, wie die Lungen nach vorne geschoben werden und wie dies deine Atmung beeinflusst. Nimm wahr, wie sich dein Nervensystem beruhigt. Visualisiere dann die Zukunft: Wie fühlt es sich an, deine Manifestation zu leben? Wie sieht diese Zukunft konkret aus? Spüre, ob sich auf körperlicher Ebene etwas verändert und verankere diese Veränderung. Löse die Haltung behutsam auf, wenn du genug hast.

Reflexion & Journaling

· Wo kannst du neue Weite im physischen Körper wahrnehmen? Geht das mit einer energetischen oder mentalen Veränderung einher?

· Kannst du erkennen, dass deine Manifestation im Rahmen deiner Möglichkeiten liegt?

· Wo braucht es vielleicht noch Ausdehnung, wo glaubst du noch nicht an dein Vorhaben?

· Werde konkret: Womit hat diese „Enge“ zu tun? Schaue dafür liebevoll in die Vergangenheit.

· Erinnere dich an den Raum, den du beim Üben an der Körpervorderseite geöffnet hast: Wie fühlt dein Körper sich an, wenn du erreicht hast, was du dir wünschst?

Stay tuned! Morgen geht es weiter mit Teil 3.


Nicole Bongartz ist der kreative Kopf und die Geschäftsführerin von Lord Vishnus Couch in Köln. Sie unterrichtet, bildet Yogalehrende aus und begleitet als ganzheitlicher Coach Menschen dabei, zu sich und in ihre Kraft zu kommen. Mehr auf nicolebongartz.de oder auf Instagram @nicolebongartz.de

Mehr über ihr ganzheitliches “Me Yoga“- Konzept aus Yoga und Manifestation erfährst du in ihrem gleichnamigen Buch (Scorpio, 29 Euro).

Hier erfährst du mehr über das Prinzip Manifestation durch Transformation:

Hier findest du Teil 1 der Manifestations-Reihe mit Nicole Bongartz:

Manifestation mit Nicole Bongartz Teil 1: Vertrauen & Selbstwert

In dieser Übungssequenz geht es darum, Vertrauen in den Manifestationsprozess zu entwickeln und dir etwas Wichtiges klarzumachen: Alles, was du dir von Herzen wünschst, hast du auch verdient. Oftmals stehen uns alte Glaubenssätze dabei im Weg, unsere volle Wertigkeit zu finden. Energetisch bewegen wir uns dabei im Raum der unteren drei Chakren.

Text und Sequenz: Nicole Bongartz / Fotos: Hanna Witte / Outfits: Kismet Yogastyle

Die folgenden Übungen sind als Anregungen, Wegweiser und Unterstützung gedacht und nicht als ein festes Programm. Du kannst die drei Übungsteile variieren oder ergänzen. Lausche nach innen, sei kreativ. Es ist dein Körper, dein Prozess, es sind deine Entscheidungen, Handlungen. Übernimm die Verantwortung.

Hier geht’s zum Intro-Artikel „Manifestation durch Transformation – eine Entdeckungsreise zu dir selbst“ von Nicole Bongartz

Teil 1: Vertrauen, Selbstwert und Lösung von Blockaden

1. Intention

nicole bongartz intention und mudra

Finde mithilfe von Kissen einen mühelosen, aufrechten Sitz und schließe die Augen. Lege die Hände in Kali Mudra vor dein Nabel-Chakra am Solarplexus – den kraftvollsten Ort für deine Manifestation. Dabei sind die Hände gefaltet, die Zeigefinger liegen gestreckt aneinander und zeigen nach vorn. Sprich deine Intention in klaren, bestärkenden Sätzen aus. Das könnte zum Beispiel eine Formulierung wie diese sein: „2026 manifestiere ich das Leben, das ich mir im tiefsten Inneren wünsche. Ich stelle meine inneren Weichen auf Erfolg, indem ich mich Schritt für Schritt der authentischsten Version meiner Selbst annähere. So ziehe ich meine Manifestation in mein Leben. Diese Manifestation lautet: …“

2. Aufwärmende Drehung

A) Breite die Arme in Bauchlage zu den Seiten aus und spüre, wie die Erde dich trägt. Vertraue darauf, dass du jetzt und hier gehalten und genau richtig bist. Hebe dann einatmend das linke Bein und schiebe gleichzeitig die linke Hand gegen die Matte. Beuge das Bein und strecke dich mit den Zehen zur rechten Seite. Atme aus, löse die Drehung und wechsle die Seite. Wiederhole das so lange, bis du spürst, wie Rücken, vordere Hüftstrukturen und Beine warm und geschmeidig werden.

nicole bongartz liegende drehung a

B) Bleibe dann auf einer Seite liegen und fasse, wenn möglich, den Fuß des gebeugten Beins mit der gegenüberliegenden Hand. Nur wenn es sich gut anfühlt, vollendest du die Drehung, indem du den Kopf zum Fuß wendest. Taste dich langsam an diese ungewohnte Haltung heran und spüre, wie gut es tut, etwas Neues auszuprobieren. Übe beide Seiten ausgeglichen und spüre danach in der Bauchlage oder der Stellung des Kindes dem Echo der Übung nach. Schenke dir den Raum und die Zeit, die du brauchst.

nicole bongartz liegende drehung b mit bind

3. Figure Four im Sitzen

nicole bongartz figure four sitzend

Stütze deine Hände im Sitzen hinter dir auf, hebe deine Brust und strecke den unteren Rücken. Lege den linken Knöchel auf den rechten Oberschenkel, ziehe die Zehen Richtung Knie und schiebe das linke Knie sanft von dir weg. Diese kleine, aber essenzielle Bewegung des Knies kommt aus der Hüfte. Dabei solltest du eine angenehme Dehnung außen an der Hüfte erfahren. Ihre Intensität kannst du steuern, indem du den rechten Fuß näher oder weiter von dir entfernt aufstellst.

4. Gedrehte Variation von Figure Four

nicole bongartz figure four variante gedreht

Kippe aus Übung 3 heraus beide Beine nach rechts. Dabei bleibt der Oberkörper möglichst stabil. Wenn möglich, stellst du den linken Fuß auf, schiebst das Knie aktiv von dir weg und schaust über die linke Schulter. Gib etwas mehr Druck in die rechte Hand, um den Oberkörper in der aufgerichteten Position zu stabilisieren. Bleibe einige Atemzüge lang in dieser stolzen Haltung und führe dir deine Manifestation vor Augen. Fühlst du dich in diesem Moment wertig genug, sie zu verwirklichen? Sprich (laut oder leise) folgenden Satz: „Ich habe alles verdient, was ich mir von Herzen wünsche.“

Wiederhole ihn so oft, bis du eine Reaktion im Körper spürst: Wie fühlt es sich an, diesen Satz zu sprechen? Glaubst du dir, was du sagst? Welche körperlichen Empfindungen gehen mit dem Satz einher? Mache dir eine Art gedankliche Notiz. Dann praktiziere Übung 3 und 4 auf der anderen Seite.

5. Gedrehter Z-Sitz

nicole bongartz gedrehter z-sitz

Lege im Sitzen das linke Bein vor dir und das rechte Beine seitlich in einen 90-Grad-Winkel. (Dabei kannst du erhöht sitzen und/oder den Winkel im vorderen Bein verkleinern.) Richte dein Brustbein zum vorderen Oberschenkel aus und strecke die Flanken. Bleibe mehrere Atemzüge lang in dieser Haltung. Nur wenn es mühelos möglich ist, lehnst du dich nun nach vorn und schiebst den rechten Arm gestreckt nach links. Lege in dieser Drehung deine Hände aufeinander. Einatmend streckst du die Flanken. Ausatmend schiebst du die obere Hand aktiv gegen die untere. Spüre in die Bereiche von Schulterblättern, Hüften und Wirbelsäule und lasse in der Ausatmung bewusst Spannungen los. Bleibe so lange, bis dein Körper weicher und nachgiebiger wird. Danach löst du die Haltung behutsam auf und wiederholst sie auf der zweiten Seite.

6. Ujjayii Pranayama mit Abhaya Mudra

nicole bongartz abhaya mudra

Richte eine bequeme Sitzhaltung mit aufgerichteter Wirbelsäule ein. Schließe die Augen, hebe die rechte Hand und wende die gestreckte Handfläche gerade nach vorn. Spüre, wie diese einfache Geste des Hindu-Gottes Hanuman dir Vertrauen und Selbstbewusstsein für deinen weiteren Weg schenken kann. Die linke Hand liegt entspannt auf dem Bein, die Fingerspitzen berühren sich. Verenge sanft den hinteren Gaumen, so dass der Atem leicht rauschend hörbar und ruhiger wird. Atme mindestens zehn Mal in dieser Ujjayii-Atmung. Visualisiere eine leuchtende Farbe – die erste, die dir in den Sinn kommt, ist die richtige. Stell dir vor, wie sie sich mit der Atmung im ganzen Körper ausbreitet und alles Unverbundene miteinander verbindet.

Reflexion & Journaling

· Fühlst du dich wertig genug, deine eigene Manifestation zu erreichen?

· Welche Gefühle hast du auf körperlicher Ebene bei Übung 4 wahrgenommen, als du den Satz gesprochen hast?

· Falls du einen Teil in dir wahrgenommen hast, der sich nicht wertig genug fühlt:
Wo könnte er seinen Ursprung haben?

· Kennst du einen limitierenden Glaubenssatz, der damit einhergeht?
Kehre ihn in sein Gegenteil und schreibe ihn auf.

Stay tuned! Morgen und übermorgen geht es weiter mit Teil 2 und 3.


Nicole Bongartz ist der kreative Kopf und die Geschäftsführerin von Lord Vishnus Couch in Köln. Sie unterrichtet, bildet Yogalehrende aus und begleitet als ganzheitlicher Coach Menschen dabei, zu sich und in ihre Kraft zu kommen. Mehr auf nicolebongartz.de oder auf Instagram @nicolebongartz.de

Mehr über ihr ganzheitliches “Me Yoga“- Konzept aus Yoga und Manifestation erfährst du in ihrem gleichnamigen Buch (Scorpio, 29 Euro).

Hier geht’s zum Intro-Artikel zu dieser Praxisreihe: