Wie verhält man sich eigentlich im Yogastudio?Eine gewisse Achtsamkeit sollte im Yoga ja eigentlich selbstverständlich sein. Weil es im Miteinander aber trotzdem immer wieder anders läuft, hier noch mal die wichtigsten Do’s und Don’ts für die Yogaklasse.
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1. Komm pünktlich
Manchmal hat sich einfach alles gegen einen verschworen, der Chef, die Bahn, die Parkplatzsuche … Versuche, diesen ganzen Stress zu vermeiden, indem du zeitig aufbrichst und genug Luft hast, um ganz in Ruhe anzukommen. Wenn es dann doch mal später wird, dann warte im Zweifelsfall lieber noch kurz, bis die Klasse in Gang kommt, und platze nicht in eine stille Anfangsmeditation rein.
2. Alles aus?
Eigentlich völlig klar: Handys und andere Gadgets haben nichts im Übungsraum verloren und sollten auch in der Garderobe nicht endlos vor sich hinbimmeln. Trotzdem sieht man immer wieder mal Mitübende, die am Mattenrand “ganz kurz” eine Nachricht tippen. Wenn es mal gar nicht anders geht (Angehörige im Krankenhaus, Bereitschaftsdienst …), dann schalte das Smartphone wenigstens lautlos und checke es nicht ständig.
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3. Einheit in Reinheit
Gerüche können extrem störend sein – und damit sind nicht nur Knofi, Kippen, muffige Sportklamotten oder Schweiß gemeint, sondern ganz besonders auch Parfüm und stark duftende Deos. Auch so etwas wie saubere Füße sollte selbstverständlich sein. Nicht umsonst wird Saucha (äußere und innere Reinheit) im Yogasutra als erstes der fünf Niyamas (Verhaltensregeln) genannt.
4. Warten als Übung
Wenn du schon mal seelig in Shavasana gelegen hast und dann völlig aus deiner Entspannung gerissen wurdest, weil vor der Tür die nächste Gruppe lautstark plauderte, dann weißt du: Not so nice! Nutze die Wartezeit vor der Klasse lieber als Einstimmung auf die Praxis: ankommen, atmen, schweigen, nach innen lauschen.
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5. Freie Platzwahl
Auch wenn Gewohnheiten nur allzu menschlich sind und du dich wahrscheinlich an einem Platz wohler fühlst als an einem anderen: Natürlich hast du keinen Anspruch auf deinen Lieblingsspot, auch nicht wenn du schon länger in die Stunde kommst als andere. Im Gegenteil: Sich auf eine neue Situation, einen ungewohnten Platz einzulassen, fördert deine Flexibilität vielleicht ebenso sehr wie eine tiefe Dehnung in Hanumanasana.
6. Achtsam ankommen
Achtsamkeit beginnt nicht erst mit dem ersten Sonnengruß, sondern spätestens, wenn du deine Matte ausrollst und dich auf deinem Platz einrichtest. Also am besten: behutsam, mit wenig Geräusch, ausreichend Abstand zur nächsten Matte und ohne ein Minenfeld aus Wasserflasche, Blocks, Notizbuch, Pulli, Decke und sonst was rings um dich. Wenn du all das wirklich brauchst, dann ordne es möglichst platzsparend und dezent.
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7. Drumrum statt drüber
Die Yogamatte ist während der Praxis so was wie die eigene Privatsphäre, ein Safe Space, der nur dir selbst gehört – und zwar ganz egal ob es eine geliehene Studiomatte ist oder deine eigene, von zu Hause mitgebrachte. Also bitte nicht quer über fremde Matten latschen – und zwar unabhängig davon, ob da gerade jemand ist oder nicht. Achte außerdem darauf, nicht dicht hinter dem Kopf von Mitübenden durchzugehen.
8. Konzentration
Mal ist man mehr bei der Sache, mal weniger, das ist ganz normal. Und manchmal ist es einfach sooo verlockend, der besten Freundin kurz was ins Ohr zu tuscheln. Oder einer unliebsamen Asana aus dem Weg zu gehen, indem man noch ein zweites Mal aufs Klo geht. Oder, oder, oder. Denk dran: Auch deine Mitübenden – und nicht zuletzt deine Yogalehrer*innen – bemühen sich um Konzentration.
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9. Bleib bis zum Schluss
Gerade wenn sich die Stunde in einem schönen Bogen tiefer Ruhe und Entspannung nähert, ist es besonders störend, wenn jemand zusammenpackt und “ganz unauffällig” rausschleicht. Klar, manchmal (selten) geht es nicht anders. Sprich das in so einem Fall aber besser vorher ab und verlasse die Klasse dann vor Meditation und Abschlussentspannung und nicht erst mittendrin.
10. Zeit zum Aufräumen
Vielleicht hast du nach der Stunde noch was vor und willst zügig raus. Vielleicht hast du als Kundin oder Kunde auch gewisse Ansprüche in Sachen Service. Trotzdem: Sauber gefaltete Decken und ordentlich ins Regal geräumte Blocks und Kissen sind kein lästiger Dienst, sondern eher ein Ausdruck davon, dass du den gemeinsamen Raum eures Übens genauso würdigst wie die Praxis selbst – und die Stunde entsprechend achtsam beendest.
Sally Kempton (1943-2023) war eine der bekanntesten amerikanischen Meditations-Lehrerinnen. Fünf Jahrzehnte lang erforschte und lehrte sie die Weisheit des Vedanta, des Yoga und des kaschmirischen Shivaismus. Dieses Interview über Tantra und Shakti haben wir bereits im Jahr 2013 mit ihr geführt. Da es perfekt zum Titelthema “Weibliche Kraft” im neuen YOGAWORLD JOURNAL 06/2025 passt, haben wir es nochmal aus den Tiefen des Archivs gekramt …
Text: Verena Hertlein /Titelbild: David Martinez
Fast zehn Jahre wurde Sally Kempton persönlich von dem indischen Meister Muktananda unterrichtet. Zwanzig Jahre lang führte sie ein klösterliches Leben, bis sie sich 2002 für ein “weltlicheres” Dasein entschied, weil sie ihren Schüler*innen bei den Herausforderungen des 21. Jahrhunderts zur Seite stehen wollte.
YOGA JOURNAL: Sally, du unterrichtest seit Jahrzehnten Yoga und Meditation. Weshalb und auf welche Weise folgst du einem tantrischen Pfad?
Sally Kempton: Ich bin bereits seit etwa vierzig Jahren auf einem tantrischen Weg. Mein Guru war ein erleuchteter Meister, dessen Lehren auf dem kaschmirischen Shivaismus basierten. Diese Philosophie besagt, dass das gesamte Universum die Manifestation einer großen kosmischen Energie ist – Shakti. Diese Energie wird zu unseren Körpern, unserer Lebensenergie und zum physischen Universum. Dabei verschleiert sich Shakti in der Welt, indem sie unseren Geist und unsere Sinne nach außen lenkt und uns das Gefühl des Getrenntseins voneinander und vom großen Ganzen vermittelt.
Tantra lehrt, dass sich das alles ändert, sobald der enthüllende Aspekt der Shakti in uns geweckt wird. Traditionell wird dieses Ereignis häufig als Erwachen der Kundalini bezeichnet. Im kaschmirischen Shivaismus spricht man von “Shaktipat” oder Übertragung von Shakti. In dem Augenblick, in dem diese Erweckung stattfindet, beginnt man, all die subtilen Energien im Körper in sämtlichen wundervollen Formationen zu erleben, welche die Yoga- und Meditationspraxis führen. Ich bezeichne dies als den wahren tantrischen Pfad. Eine innere Reise, auf der meine Praxis und meine Erfahrung von Yoga und Meditation von der Kundalini geführt werden.
Wie sieht die tantrische Annäherung an die Meditation aus?
Tantra lehrt viele Meditationsformen. Auch viele der beliebten modernen Meditationsarten, die buddhistischen eingeschlossen, kommen aus dem Tantra. Mantra-Rezitationen und Chakra-Meditationen stammen von tantrischen Praktiken ab, die den Atem und Visualisation nutzen, um die inneren Zentren zu öffnen und die Stille zu entdecken. Das Herz tantrischer Meditation ist die Erkenntnis, dass sich Shakti als unser Körper, unser Atem und selbst als die Energie hinter unseren Gedanken und Emotionen manifestiert. Das bedeutet, dass unser Körper, unser Atem und sogar unsere Emotionen Türen in erleuchtete Zustände sein können. Wenn wir erkennen, dass unsere Lebensenergie von Natur aus göttlich ist.
Tantra unterscheidet sich vom klassischen Yoga, weil es darauf abzielt, die Energie von Körper, Geist und Emotionen zu nutzen anstatt Verstand und Emotionen zu unterdrücken und das Körperliche abzulehnen. Das Ziel ist, die Energien derart zu unterstützen, dass sie sich von ihrem relativ dichten, nach außen gerichteten Zustand in eine subtilere Form verwandeln. Diese dehnt sich letzten Endes in eine Erfahrung der Einheit aus. Dies wird mithilfe der aktiven Kundalini möglich, die uns die Fähigkeit schenkt, während der Meditation tiefer in unser eigenes Innenleben zu blicken.
Tantra wird auch als Kult der Weiblichkeit bezeichnet. Warum werden die weiblichen Energien als wichtig angesehen?
Shakti ist das weibliche Antlitz des Göttlichen. Shakti ist mächtig. Im Tantra ordnet man Bewussheit Shiva zu, dem männlichen Göttlichen, die Schöpferkraft hingegen dem weiblichen. Daher sind alle Kräfte von Natur aus weiblich. Die tantrische Philosophie personifiziert die unterschiedlichen Formen göttlicher Kraft als individuelle Gottheiten. Jede von ihnen repräsentiert eine unterschiedliche Qualität. In der tantrischen Göttinnen-Praxis stimmen wir uns auf diese Kräfte in uns selbst ein, indem wir uns auf die personifizierten Energien beziehen.
Welche konkreten Techniken empfiehlst du, um die Göttinnen-Kraft in uns zu erwecken? Wie können wir unsere Verbindung mit der weiblichen Energie vertiefen?
Beginne, indem du dich auf die energetischen Ströme in deinem Körper einstimmst und lernst, ihnen zu folgen. Bemerke, wie sich deine Energien verändern und bewegen, wie dynamisch sie sind. Benenne diese Energien als Shakti, als göttlich-weibliche Kraft. Ehre deinen eigenen Energiefluss und deinen eigenen Atem als Verbindung zur Weiblichkeit. Dein Körper selbst ist Shakti. Und seine Göttlichkeit hängt nicht davon ab, wie du aussiehst oder wie du dich fühlst. Sobald du anfängst, deinen Körper, Atem und deine Gedanken als Shakti zu erkennen und zu ehren, bemerkst du, dass eine neue Leichtigkeit in dir entsteht. Das ist ein sehr natürlicher Prozess.
Atme und denke daran, dass du von Shakti geatmet wirst, von der göttlichen Weiblichkeit. Wenn du unter der Dusche stehst, fühle, dass du von der göttlichen Weiblichkeit in Form von Wasser gebadet wirst. Wenn du isst, fühle, dass die Nahrung Shakti und ein Geschenk der Weiblichkeit ist. Eine weitere Technik ist es, auf bestimmte Göttinnen-Energien zu meditieren, beispielsweise Durga, Lakshmi, Saraswati oder Kali. Du sitzt und stellst dir eine Göttin vor dir vor. Entweder als Figur oder als Energie. Atme mit dem Gefühl, dass du die Energie der Göttin einatmest. Bitte sie um ihre Weisheit, Einsicht oder Liebe.
In der tantrischen Philosophie ist die weibliche Energie für alle Veränderung verantwortlich. Welche Verbindung besteht zwischen der Hingabe an das Weibliche und der an den Wandel? Wie lässt sich diese Verbindung leben?
Sich dem Wandel hinzugeben, ist die große Aufgabe des Lebens. Wir beginnen, indem wir das akzeptieren wollen, was ist. Dann bitten wir das Göttliche, uns den Weg aufzuzeigen, der vor uns liegt. Ich mache das auf die Art, dass ich mir alle paar Stunden ein wenig Zeit dafür nehme, die Präsenz der göttlichen Weiblichkeit in meinem Körper, in der Luft, und in allen Ereignissen, die in meinem Leben auftauchen, wahrzunehmen. Ich versuche, sie in allem, was mir begegnet, zu ehren. Auch wenn mir das gerade nicht gefällt. Indem du das machst, wird dir ein Pfad gezeigt werden, der dich fließender und entspannter durch die Situationen deines Lebens führen wird. Diesen Zeichen solltest du folgen.
In deinen Seminaren sprichst du häufig darüber, dass gerade in Zeiten des Wandels schwierige Emotionen wie Angst oder Trauer hochkommen. Wie sollen wir diesen Emotionen begegnen? Was sind unsere Werkzeuge?
Unser erstes Werkzeug ist es, die Emotion zu fühlen. C. G. Jung hat gesagt. “Was du nicht fühlen kannst, kannst du nicht heilen.” Finde also heraus, wie sich die Emotionen in deinem Körper anfühlen. Dann tauche in dieses Gefühl mit Akzeptanz ein. Erforsche es und nimm solche Regungen wie Druck oder Hitze wahr. Wie ist die Energie in und um die Emotion? Welche Gedanken tauchen in Zusammenhang mit dieser Emotion auf? Stelle dir dann eine Präsenz darum herum vor. Halte die Empfindung der Emotion im Inneren dieser Präsenz. Lass den unendlichen Raum mit der gefühlten Emotion verschmelzen. Lass alle Gedanken über diese Emotion immer wieder los. Bemerke, wie sich die Emotionen verändert, verlagert oder entspannt. Bleibe bei der Emotion und du entdeckst, dass sich selbst die schwierigsten Emotionen verwandeln, öffnen und auflösen können.
Sally Kempton schrieb regelmäßig für das amerikanische YOGA JOURNAL, veröffentlichte mehrere Bücher (z.B. “Awakening Shakti”) und unterrichtete weltweit Workshops und Retreats. Mehr Info auf sallykempton.com
Hier findest einen spannenden Artikel, in dem Sally erklärt, wie du lernst, deiner inneren Stimme zuzuhören:
Das neue YOGAWORLD JOURNAL ist ab sofort im Handel und in unserem Online Shop erhältlich. Diese Themen erwarten dich …
Titelthema “Weibliche Kraft: Eine feministische Perspektive auf Yoga”
This is a man’s world – deshalb ist es wichtig und richtig, dass Frauen sich selbst und gegenseitig stark machen, in Verbindung gehen und die überkommenen Zwänge überwinden, auch im Yoga und mithilfe von Yoga. Aber reicht es, auf der Matte die “weibliche Urkraft” zu befeuern und mehr Sisterhood zu leben? Oder geht es vielleicht um etwas ganz anderes?
Wie definieren wir Weiblichkeit eigentlich? Wie vermischen sich da biologische Merkmale, gesellschaftliche Prägungen und Rollenbilder? Was ist energetische Besonderheit, Shakti, was eher deren eindimensionale, kitschige Überhöhung? Und wie können Polaritäten auf harmonische Weise zusammenspielen? Diesen und vielen weiteren Fragen sind wir in dieser Ausgabe auf den Grund gegangen …
Außerdem in dieser Ausgabe:
Alles Shakti, oder was? Eine feministische Perspektive auf Yoga – und deren Auflösung
Energy Booster: Aktiv üben im Winter – mit Nina-Gyana Schweser
Die Sequenz mit Nina-Gyana Schweser weckt die Lebensgeister, kräftigt die Mitte und verbindet dich mit deinem inneren Anker. Foto: Nela König
Stabilität von innen: So wirkt neurozentriertes Yoga – von Svenja Borchers
Bolster Dance: Über sanfte Hingabe in die Weite – mit Lizzie Lasater
Besser schlafen: Worauf es ankommt und wie Yoga hilft – von Stephanie Schauenburg und Gabriela Bozic
Sanft dehnende, beruhigende Bewegungen können helfen, Körper und Geist am Abend in eine tiefe Entspannung zu führen – Gabi Bozic zeigt eine passende Praxis. Foto: Jasmin Breidenbach
Die Kraft des Rituals: Wie Pujas Verbundenheit fördern – von Salisha Aya
Wenn der Wind tanzt: Ayurveda-Tipps für die Vata-Zeit – von Isabell Kilian
… und vieles mehr.
Die YOGAWORLD JOURNAL Online Ausgabe
Das neue YOGAWORLD JOURNAL gibt es auch als Online-Ausgabe. Ganz einfach, ohne Papier, ohne langes Warten und ohne Versandkosten, direkt in unserem Online Shop. Lade dir einfach und bequem deine Wunsch-Ausgabe herunter – egal ob alt oder neu:
In unserer neuen Artikelreihe gibt euch Medium Kristina Sacken, die eng mit der geistigen Welt verbunden ist, regelmäßig einen Energieausblick für den jeweils kommenden Monat. Dabei channelt sie extra für unsere YogaWorld Community …
Der November 2025 fühlt sich an wie ein Sprung ins Weite. Nach Wochen, in denen vieles konzentriert, dicht und anstrengend war, öffnet sich plötzlich ein Raum. Du hast dich durchgeschoben, durchgehalten, durchgesetzt – und nun kommst du auf diesem Weg oben an. Was folgt, ist der Moment, in dem du loslässt, abspringst und merkst: Es trägt dich.
Das Bild der geistigen Welt ist ein riesiges Trampolin. Du hüpfst hinein in eine Phase, die leicht, hell und überraschend mühelos ist. Die Spannung der letzten Monate löst sich, und du spürst eine neue Form von Vertrauen – in dich, in das Leben, in deinen Weg. Das, was du im Oktober mit Entschlossenheit mit deinem Traktor aufgebaut hast, bekommt jetzt Auftrieb. Plötzlich fließt es. Du fühlst dich getragen und merkst, dass du mehr Energie hast, als du dachtest.
Am Horizont ist schon das Licht von Weihnachten sichtbar. Du schaust zurück und erkennst, wie viel Kraft du gewonnen hast – durch Reibung, durch Fokus, durch das Dranbleiben. Jetzt darfst du dich in dieser neuen Leichtigkeit bewegen.
Wenn du dich auf diesem großen Trampolin umschaust, siehst du Menschen, die – genau wie du – gerade Energie tanken und nach vorn schauen. Einige setzen sich am Rand hin, um strategisch zu denken: Wie geht es weiter? Was will ich mit dieser neuen Kraft anfangen? Der November lädt dich dazu ein, mit Weitblick zu planen, ohne den Moment zu verlieren. Du kannst jetzt klar erkennen, was du im nächsten Jahr aufbauen willst.
Diese Zeitqualität öffnet dir ein besonderes Fenster: Deine Wahrnehmung ist weit, dein Denken klar, deine Intuition präzise. Die geistige Welt beschreibt es so, als könnten wir im November ein bis drei Jahre nach vorn schauen, ohne uns darin zu verlieren. Wir sehen nicht nur bis zum Jahresende, sondern auch, wie sich unsere Energie langfristig entfalten will – privat, beruflich, spirituell.
Der November trägt also zwei Bewegungen in sich: Zum einen die Freude am Hier und Jetzt, am Sprung, an der Leichtigkeit. Zum anderen den klaren, fast kristallinen Blick in die Zukunft. Es ist der Monat, in dem du ausprobieren darfst, was dich stärkt, und dich innerlich neu ausrichtest.
Wenn du diese Weite und Klarheit bewusst vertiefen möchtest, beginnt am 3. November mein Einsteigerkurs in die Medialität – eine Einladung, deiner eigenen Führung zu vertrauen und deine Intuition als verlässlichen Kompass zu erleben. In dieser Zeit, in der sich vieles ordnet und öffnet, lernst du, zwischen innerer Stimme und äußeren Einflüssen zu unterscheiden und wieder auf dein Gespür zu vertrauen. Der Kurs richtet sich an alle, die spüren: Ich will meiner Wahrnehmung mehr trauen – und sie als Stärke leben.Du lernst, Botschaften klar zu empfangen, Entscheidungen mit Sicherheit zu treffen und deiner Führung zu folgen – im Alltag, im Beruf, im Leben.
???? Einsteigerkurs in die Medialität – Start am 3. November Mehr Infos: kristinasacken.com
Außerdem lade ich dich ein, die Morgenmeditation 2 Wochen kostenfrei auszuprobieren. Es ist mein Geschenk an dich, damit du dich getragen, verbunden und klar durch diesen Monat bewegen kannst.
???? YogaWorld-Special: Teste die Morgenmeditation jetzt 2 Wochen kostenfrei
Kristina Sacken ist Medium, Juristin und Gründerin der Kristina Sacken Akademie. Sie begleitet vor allem Frauen in Umbruchsphasen dabei, ihre Medialität zu entdecken und als innere Kraftquelle im Alltag zu nutzen. Mit klarer, ruhiger Präsenz verbindet sie spirituelle Tiefe mit einem strukturierten, alltagstauglichen Ansatz. Neben Ausbildungen und Retreats bietet sie eine tägliche Morgenmeditation an und teilt in ihrem Podcast Mit Herz und Verstand aktuelle Energien und Botschaften aus der geistigen Welt.
Übrigens: Im neuen YOGAWORLD JOURNAL 06/2025 findest du ein spannendes Interview mit Kristina Sacken. Als erfahrenes Medium und Channeling-Expertin gibt sie uns einen Einblick, was mit den Seelen nach dem Tod passiert, warum sie Zeit beim Übergang brauchen dürfen und weshalb sie trotzdem immer in Verbindung bleiben. Hier kannst du dir das Heft bestellen:
Der Herbst ist eine Zeit des Übergangs und ein idealer Zeitpunkt für ein sanftes Detox-Programm, das Körper und Geist entschlackt und das System auf die kalte Jahreszeit vorbereitet. Hier die ganz persönlichen Tipps der Münchner Yogalehrerin Gabriela Bozic für ein “All Inclusive”-Kurzretreat der besonderen Art – nämlich in den eigenen vier Wänden.
Text: Gabriela Bozic / Titelbild: burst via Pexels
In erschöpften Phasen sehnen wir uns nach Ruhe und Schlaf, sind jedoch oft zu gereizt, um wirklich loslassen oder tief schlafen zu können. Finde dein natürliches Gleichgewicht und die Leichtigkeit des Seins wieder, indem du dir Zeit für ein Mini-Regenerations-Retreat zu Hause nimmst! Du musst nämlich nicht weit weg fliegen, um dich zu erholen. Man begegnet sowieso immer nur sich selbst, egal ob am Strand in Thailand, in einer Höhle im Himalaya oder im eigenen Wohnzimmer. Bei einer akuten Erschöpfung kann es sogar effektiver sein, zu Hause zu bleiben. In der Regel ist unser Zuhause ein Ort, an dem wir loslassen können und uns geschützt fühlen – der perfekte Ort für ein regeneratives Kurzretreat!
Stärke deine Lebensenergie
Die Inspiration für dieses Retreat lieferte mir eine uralte Yoga-Tradition: Kayakalpa verjüngt Körper, Geist und Psyche, indem es die Lebensenergie stärkt. Auf Sanskrit bedeutet “kaya” Körper und “kalpa” unsterblich. Die Wissenschaft des Kayakalpa beschreibt, auf welche Weise unser menschlicher Körper “unsterblich” wird – es reinigt, nährt und belebt die einzelnen Bestandteile des Körpers, Geistes und der Psyche mit Ernährungstipps, Yoga- und Meditationstechniken. Drei Aspekte stehen dabei im Mittelpunkt: Die Jugend und Gesundheit des Körpers zu erhalten, dem Alterungsprozess entgegen zu wirken und den Tod solange hinauszuzögern, bis man spirituelle Perfektion erlangt hat.
Herbst-Detox: Die Vorbereitung
Reduziere bereits in den Wochen oder Tagen vor dem Retreat deinen Koffein-Konsum.
Erzähle Familie und Freunden von deinem Herbst-Detox-Plan, um ungestört zu bleiben, und schalte deine Abwesenheitsassistenten ein.
Bereite dich vor und kaufe alle Zutaten für die Mahlzeiten ein. Das Kitchari und die Gemüsebrühe solltest du schon im Vorfeld zubereiten, um jederzeit essen zu können.
Mache dich nicht mit einem “Schlafplan” verrückt. Während des Retreats solltest du immer dann schlafen und ausruhen, wenn dir danach ist. Laut Ayurveda ist die beste Zeit zum Einschlafen um 22:30 Uhr und zum Aufwachen zwischen 6:00 und 6:30 Uhr morgens. Körper und Geist erhalten dadurch mehr Stabilität – fühle dich aber frei, deinen eigenen Rhythmus zu finden.
Nicht verpassen: Im neuen YOGAWORLD JOURNAL 06/2025 zeigt Gabriela dir eine Praxis, die dich perfekt auf einen erholsamen Schlaf vorbereitet. Ab 28.10.2025 im Handel erhältlich!
Beginne mit Entschleunigung
Die wichtigste Voraussetzung für das Mini-Retreat sind Ruhe und Rückzug. Achte darauf, dass du in diesen Tagen vollkommen für dich bist und mit niemandem sprichst – auch nicht am Telefon. Suche keinerlei Ablenkung in Form von Fernsehen, Radio, E-Mails, Büchern oder Musik. Mit anderen Worten: Lasse jegliche Stimulation von außen weg! Den Raum, in dem du schläfst, solltest du vollkommen abdunkeln können. Dein Körper wird sich nur dann völlig erholen können, wenn du ihm erlaubst, ganz abzuschalten. Unser Alltag ist normalerweise so angehäuft mit Stimuli, dass sich unsere Organe in einem konstanten Stresszustand befinden. Dadurch kann es zu einer Nebennierenschwäche kommen, die eine Ursache des Burn-Out-Syndroms ist.
Die richtige Ernährung
Iss während des Retreats bewusst und entwickle eine gute Beziehung zu deiner Nahrung: Sie soll uns im wahrsten Sinne des Wortes nähren und stärken, und nicht Kraft und Klarheit rauben. Deshalb solltest du während des Retreats bewusst auf Substanzen verzichten, die die Leber und den Geist belasten – also Alkohol, Koffein, Zucker, Salz und industriell verarbeitete Lebensmittel. Die hier vorgeschlagenen basischen Speisen sind auf die sanfte Entlastung des gesamten Organismus abgestimmt. Die Speisen sollten idealerweise aus frischen und zu 100 Prozent biologischen Zutaten sowie mit viel Liebe und Achtsamkeit vorbereitet sein.
Iss dich satt, aber nicht zu viel
Während des Retreats wirst du einmal täglich Haferbrei, zweimal am Tag Kitchari und zwischendurch Gemüsebrühe, heißes Wasser und Kräutertee zu dir nehmen. Iss so viel, dass du dich gesättigt, jedoch nicht zu voll fühlst, und unterstütze so dein Verdauungsfeuer. Nimm deine Mahlzeiten an einem ruhigen Ort ohne Ablenkung zu dir. Kaue dein Essen langsam und bewusst. Solltest du noch hungrig sein, iss als Nachspeise ein paar Bio-Apfelscheiben oder frisches Gemüse.
Tagesplan für deine Detox-Kur
Frühstück: Trinke direkt nach dem Aufstehen zwei Tassen warmes Wasser mit Zitrone und zwei Scheiben frischem Ingwer. Iss etwa 20 Minuten später eine Schüssel Haferbrei pur (ohne Salz, Zucker oder (Soja-)Milch).
Mittagessen: Eine Schüssel Kitchari. Trinke tagsüber zwischendurch Kräutertee und warmes Wasser. Solltest du trotzdem noch Hunger haben, kannst du Bioäpfel und frisches oder gedünstetes Gemüse essen.
Abendessen: Trinke 20 Minuten vor dem Essen ein Glas warmes Wasser. Dein Abendessen besteht aus einer Schüssel Kitchari und einer Schüssel Gemüsebrühe.
Haferbrei, Kitchari und Gemüsebrühe: Die Zubereitung
Einkaufsliste: Hafer- oder Reisflocken, brauner Reis, Mung-Dhal, Kombu-Meeresalgen, Äpfel, Karotten, Rote Beete, Zitronen, Gurken, verschiedenes grünes Gemüse wie Zucchini, Spinat und Grünkohl, Kräutertee, eine abführende Teesorte.
Haferbrei: Messe etwa eine halbe Tasse Haferflocken ab und gib sie zusammen mit zwei Tassen kaltem Wasser in eine mittelgroße Pfanne. Bringe die Flüssigkeit kurz zum Kochen und reduziere anschließend die Hitze auf ein Minimum. Lasse den Brei etwa 10 Minuten vor sich hinköcheln.
Kitchari: Messe 1 ½ Tassen Mungbohnen (die du zuvor mindestens drei Stunden eingeweicht hast, idealerweise über Nacht) und ½ Tasse braunen Reis ab, gib alles in einen großen Suppentopf und 10 Tassen Wasser zu. Füge ein Stückchen getrocknete Kombu-Meeresalge zu – dadurch wird die Konsistenz der Mungbohne positiv beeinflusst, so dass sie besser zu verdauen ist. Kurz aufkochen und dann für etwa eine Stunde köcheln lassen. Du kannst ein paar Stücke grünes Gemüse und etwas Zitronensaft hinzufügen. Bewahre die Reste im Kühlschrank auf: Du kannst das Kitchari über mehrere Tage hinweg verzehren.
Gemüsebrühe: Gib klein geschnittenes Gemüse sowie Kartoffel-und Karottenschalen in einen großen Topf und gib so viel gefiltertes Wasser hinzu, dass das Gemüse komplett bedeckt ist. Bringe den Inhalt zum Kochen und lasse ihn anschließend etwa eine Stunde lang bei geringer Hitze köcheln. Schütte die Suppe durch ein Sieb und trinke nur die Flüssigkeit.
Gabriela Bozic unterrichtet weltweit Workshops, Ausbildungen und Retreats. Mehr zu Gabi findest du unter www.gabrielabozic.com und auf Instagram.
Yoga abseits der Matte: Das lässt sich unterschiedlich gestalten, denn Yoga ist ein Lifestyle und bereichert unser Leben in verschiedenster Weise. Die berühmte Self-Care-Praxis ist ein großer Teil der Lehre und dazu darf man ruhig mal ein paar gemütliche Stunden auf der Couch beim Fernsehen verbringen. Schließlich gibt es so einige Filme und Dokumentationen, die unsere Yogapraxis auf eigene Weise bereichern. Wir haben dir die Favoriten der Redaktion herausgesucht, die auf deine To-Watch-Liste gehören. //anzeige
Der Yoga-Kult
Die dunkle Seite der Macht… Sie war charismatisch, witzig, inspirierend – auch bei uns im Heft kam sie bis zu ihrem frühen Tod 2021 regelmäßig vor. Doch hinter der lebensfroh-spirituellen Fassade soll es noch eine andere Guru Jagat gegeben haben. Eine, die sich irgendwann „der Dunkelheit angeschlossen“ haben soll. Das sagt ihre Mutter in dieser vierteiligen Doku-Serie. Trotz des mitunter etwas theatralischen Stils ein sehenswerter Blick auf die Schattenseiten des Wellness-Booms. Zu streamen über WOW/Sky.
The Yoga Teacher
Namaste, Nervenzusammenbruch! Manchmal muss es einfach eine Rom-Com sein, bei der man den grauen Herbst ausblenden und sich einfach nur entspannen kann. In diesem verhilft Yogalehrerin Ann (Heather Graham) anderen, ihre innere Mitte zu finden, steht aber selbst kurz vor dem Durchdrehen angesichts von Familien-Chaos, eines ungeschickten Händchens bei der Männerwahl und, und, und. Ein Lichtblick scheint der bodenständige Steve (Jonathan Brotherton) zu sein – hätte der nicht eine äußerst eifersüchtige 7-jährige Tochter (Ella Grace Helton) …
Der Salzpfad
Was bleibt, wenn alles verloren scheint? „Vielleicht sollten wir einfach laufen“, schlägt Raynor (Gillian Anderson) ihrem Mann Moth (Jason Isaacs) vor. Das Ehepaar steht vor dem Nichts: Durch ein riskantes Investment hat es Haus und Vermögen verloren, dazu kommt Moths Parkinson-Diagnose. „Laufen verschafft uns Zeit zum Nachdenken“, glaubt Raynor. Und so wandern die beiden los, mittel- und obdachlos, rund 1000 Kilometer die englischen Küste entlang … Ein leiser, eindringlicher Film nach der wahren Geschichte von Moth und Raynor Winn, die Letztere in ihrem gleichnamigen Bestseller verarbeitet hat.
Mein Weg – 780 km zu mir
Man müsse dorthin gehen, wohin das Herz einen führt, heißt es an einer Stelle in Bill Bennetts Spielfilm über seine Jakobsweg-Erfahrung. Im australischen Original klingt das „heart“, mit italienischem Akzent gesprochen, ein bisschen wie „hurt“, „Verletzung“. Und vielleicht ist das manchmal auch dasselbe. Tatsächlich hat der Schmerz etliche der Pilgerinnen und Pilger, die einem in diesem leise-humorigen Streifen begegnen, auf den Jakobsweg geführt. Die Krankheit der Ehefrau, eine vermeintliche Schuld, Sinnfragen … Einzig der Regisseur selbst, im Film verkörpert von der australischen Kinolegende Chris Haywood, weiß im Grunde gar nicht so genau, was ihn überhaupt hierher getrieben hat, er empfindet sich nicht mal als sonderlich spirituell veranlagt. Denn ja, der Film beruht auf wahren Begebenheiten – beziehungsweise auf dem Buch, das Bill Bennett über seine eigene Pilgerreise geschrieben hat. Während eines Spanienurlaubs mit seiner Frau Jen (gespielt von der echten Regisseurs-Ehefrau Jennifer Cluff) waren ihm ein paar seltsame Gestalten auf Pilgerschaft aufgefallen. Was trieb diese Verrückten hierher? So nutzlos er ihr Unterfangen fand: Nun wollte er selbst herausfinden, was es damit auf sich hat.
Nein, das ist nicht der erste Jakobsweg-Film und wird vermutlich auch nicht der letzte sein. Dennoch ist „Mein Weg – 780 km zu mir“ allein schon wegen seiner Authentizität und Wärme sehenswert. Man bekommt direkt Lust, selbst die Wanderschuhe zu schnüren und loszulaufen, um die Welt, andere Menschen und natürlich sich selbst zu entdecken.
Am 20. Oktober 2025 feiern Gläubige in Indien, Sri Lanka, Nepal und anderen hinduistisch geprägten Ländern das Diwali-Lichterfest – auch Deepavali genannt. Für viele Hindus ist es – wie für uns Christen Weihnachten – das höchste Fest, das je nach Region zwischen einem und fünf Tagen dauert.
Titelbild: Udayaditva Barua via Unsplash
Das Lichterfest findet jedes Jahr am 15. Tag des Hindumonats Kartik, der von Mitte Oktober bis Mitte November dauert, statt und fällt dabei auf die Phase des Neumonds.
Die Kernbotschaft des Festes ist der Sieg des Guten über das Böse, der Wahrheit über die Lüge, des Lichts über den Schatten sowie des Lebens über den Tod. Lampen sollen den Seelen der Verstorbenen den Weg ins Nirwana leuchten.
Diwali in der hinduistischen Mythologie
In der hinduistischen Mythologie markiert Diwali die Rückkehr des Lord Rama und seiner Frau Sita (die den Geist symbolisiert) in ihr Königreich Ayodhya, nachdem sie 14 Jahre im Exil verbracht hatten. Ihre Geschichte wird in der alten indischen Sage Ramayana erzählt, die eines der größten Epen der Weltliteratur ist, das rund 24 000 Verse umfasst.
Sie erzählt vom Leben Ramas und von seinem Kampf, in dem er seine Frau vor dem zehnköpfigen Dämonenkönig Ravana (der das Ego repräsentiert) rettet. Dieser hatte Sita entführt und nach Lanka verschleppt. Mit Hilfe seines treuen Freundes, des Affengottes Hanuman, der Prana symbolisiert, rettet Rama Sita nach einem schrecklichen Kampf.
Um die Rückkehr ihres Königs und ihrer Königin zu feiern, zündeten die Bewohner von Ayodhya Reihen von Lehmlampen an, um den Weg in einer dunklen Neumondnacht zu beleuchten, während Blumen und Girlanden vom Himmel herabregneten.
Eine weitere wichtige Gottheit, die im Zuge von Diwali gefeiert wird, ist Lakshmi. Die Menschen beten die Göttin an, indem sie die verheißungsvolle Lakshmi Puja in ihren Häusern und Büros durchführen und sie bitten, sie mit Wohlstand, Glück, Frieden und Reichtum zu segnen.
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Feiertage rund um Diwali
Da der indische Subkontinent so riesig ist, gibt es große regionale Unterschiede, was die Feierlichkeiten betrifft. In den meisten Staaten erstrecken sich die Feste rund um Diwali über fünf Tage. Im Staat Maharashtra, zum Beispiel, beginnt Diwali schon einige Tage vor dem eigentlichen Diwali-Fest mit Govatsa Dwadashi, auch bekannt als Nandini Vrat. An diesem Tag werden Kühe und Kälber verehrt und mit Weizenprodukten gefüttert. Der Verzehr von Rindfleisch und Weizenprodukten ist den Menschen verboten.
Einen Tag später – ab hier sind die Feierlichkeiten fast überall ähnlich – ist Dhanteras, oder Dhantrayodashi. Hier wird auch schon die Göttin Lakshmi verehrt sowie mancherorts der Lord Kubera, ebenso Gott des Wohlstands, und Lord Dhanvantari, der mit dem Ayurveda assoziiert wird.
Daraufhin findet Narak Chaturdashi (auch Choti Diwali), beziehungsweise Kali Chaudas statt. In beiden Fällen wird der Sieg über den bösen Dämonen Narakasura gefeiert, der Tausende Frauen in Gefangenschaft gehalten hatte. Im Fall von Narak Chaturdashi war es Krishna, der ihn besiegt hat und im Fall von Kali Chaudas, war es die Göttin Kali. Vor allem in Bengalen (Ostindien) wird Diwali grundsätzlich noch mehr mit Kali in Zusammenhang gebracht.
Der 20. Oktober 2025 ist der Tag der Hauptfeierlichkeiten von Diwali. Wie weiter oben beschrieben, stehen hier die Göttin Lakshmi und Ramas Rückkehr aus dem Exil im Vordergrund.
Weiter geht es mit Govardhan Puja. In Maharashtra ist dies schon der letzte Tag von Diwali. Es wird Krishnas Sieg über Indra, den Gott des Donners und Regens, zelebriert. Krishna hat in diesem Zuge den Berg Govardhan versetzt, um die Menschen der Stadt Gokul vor starken Regenfällen zu beschützen.
Mit Bhai Dhooj enden anschließend überall die Feierlichkeiten. An diesem Tag feiert man das starke Band der Liebe zwischen Bruder und Schwester, nach dem Vorbild von Yama und seiner Zwillingsschwester Yami. Die Brüder versprechen, ihre Schwestern zu beschützen und die Schwestern beten für ein langes Leben ihrer Brüder.
Bräuche zu Diwali
Wesentliche Merkmale von Diwali sind neben den Lichtern auch geschmückte und herausgeputzte Häuser, Festtagskleidung, ein reichhaltiges vegetarisches Essen, viele Süßigkeiten und natürlich Geschenke für die Kinder.
In der Vergangenheit zündeten die Menschen kleine Öl-Lampen an, die sie in Reihen an Fenster oder Eingänge stellten. Mittlerweile benutzen die Gläubigen jedoch eher elektrische Lichterketten, die die Wohnhäuser, Geschäfte und Straßen im ganzen Land erleuchten.
Diwali oder Deepavali, setzt sich aus den Worten “Deepa” (Licht, Lampe) und “Avali” (Reihe) zusammen und bedeutet eine “Reihe von Lichtern”. Das Fest hat eine reiche spirituelle Bedeutung. Die Lichterreihen stehen nicht nur für das Wesen des Lichts in unserem Leben, sondern sollen daran erinnern, über all das Gute im Leben nachzudenken.
Die mythischen Geschichten, die erzählt werden, weisen alle auf die Bedeutung von Wissen, Selbsterforschung und der Suche nach dem richtigen Weg im Leben hin. In den spirituellen Traditionen ist es eine Zeit, in der man sein inneres Licht entzündet – das Licht des Wissens, des Mitgefühls und der Freude. Eine Zeit, um eine Reihe von Lichtern in unserem Leben zu entzünden.
Diwali und die Bedeutung von Namasté
Im Kontext des Yoga steht Licht als Symbol, um unser Bewusstsein zu beschreiben. Je wacher und erhabener wir im Bewusstsein sind, desto heller leuchtet die Flamme des Bewusstseins. Als Yogi*nis ist es unser Ziel, den Körper durch Asana, Pranayama und andere Praktiken zu reinigen und zu “erhellen”. Wenn sich der Schleier der Unwissenheit hebt, sehen wir das helle Licht in uns – das wahre Selbst oder Atman. Dies ist das Licht, das wir anerkennen, wenn wir einander mit “Namasté” grüßen.
Licht gibt uns Klarheit. Unsere innere Vision besitzt dann genügend Entschlossenheit, um zwischen dem zu unterscheiden, was unserem Wachstum dient, und dem, was uns nicht dient. In diesem Sinne “Happy Diwali”!
Das Wort wabert wie ein Nebel durch die Yogaszene und -literatur: Perfektion. Aber was genau bedeutet das da überhaupt? Geht es nicht eigentlich um Akzeptanz und Loslassen? Unsere Autorin macht sich anhand der Yogaphilosophie auf die Suche.
Text: Sybille Schlegel/ Titelbild: Alena Ozerova via Canva
Ein perfekter Körper in perfekter Pose, perfekter Hintergrund mit Meer und Palmen. Ist Instagram-Ästhetik der Maßstab für Perfektion im Yoga? Szenenwechsel: Orangener Indienfummel, Shiva-Zeichen aus Asche auf der Stirn, Wohnung und Job aufgegeben für ein Leben im Ashram. Ist ein radikaler Lifestyle-Wechsel Perfektion im Yoga? Noch mal Szenenwechsel: Muskeln ohne ein Gramm Fett, einarmiger Handstand, Luftanhalten wie ein Apnoe-Taucher. Ist optimale Leistungsfähigkeit Perfektion im Yoga?
Aber was ist das überhaupt, “Perfektion”? Der immer perfekt Bescheid wissende Duden definiert sie als “Vollendung” oder “Vollkommenheit” – also als einen Zustand, in dem nichts fehlt. So wie ein fertig gestelltes Puzzle: Kein Teil ist übrig, keine Lücke zu füllen, es bleibt nichts zu tun. Wie fühlt sich das an? Genau: still. Ruhig. Ohne Ursache für weitere Aktion. Es ist einfach da. Noch absoluter beschreibt es das Purna-Mantra aus den Upanishaden:
Das Mantra der Vollkommenheit
Om purnamadah purnamidam purnat purna mudachyate purnasya purnamadaya purnam aveva shishiate.
Dies ist Perfektion. Jenes ist Perfektion. Aus der Perfektion entsteht Perfektion. Aus der Perfektion entnommen, bleibt Perfektion bestehen.
Purna ist eines der Sanskrit-Wörter für Perfektion. Man kann es auch übersetzen als Fülle, Vollkommenheit oder eben Vollendung. Das Mantra vermittelt uns: Vollkommenheit beschränkt sich nicht auf dieses oder jenes. Sie ist die Ursache und Quelle von allem, was entsteht – und was damit logischerweise auch vollkommen ist. Denn aus Vollkommenheit kann nichts Unvollkommenes erwachsen. Und selbst wenn aus der Vollkommenheit etwas entnommen würde (nämlich Vollkommenheit), bleibt Vollkommenheit zurück. So wie Wasser zurückbleibt, wenn man etwas davon herausschöpft.
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Von Samskrta bis Siddhi und Vibhuti
Das nächste Wort, das mir in meiner themenbezogenen Kontemplation in den Geist kommt, ist Samskrta, das Sanskrit-Wort für Sanskrit. Denn das bedeutet? Richtig! Vollendet. Perfektioniert. Erfüllt. Die alte Sprache des Yoga bildet nämlich nach Vorstellung der indischen Weisen lautmalerisch das Universum in seiner “All-heit” nach und ab. Alle energetischen Aspekte sind da. Nichts fehlt.
“Aber vergiss nicht den BegriffSiddhi“, mischt sich mein Geist jetzt ein und beginnt sofort wie eine Einserschülerin darüber zu dozieren, wie das richtige Üben zu einem Ziel führt: “Sadhanaist das Üben auf ein Ziel hinzu – wie das Ausrichten von Pfeil und Bogen auf die Mitte der Zielscheibe. Siddhi ist das Erreichen des Ziels, also wenn der Pfeil getroffen hat: Vollkommenheit. In den verschiedenen Yogaschriften werden verschiedene Siddhis benannt, oftmals phantastisch anmutende Fähigkeiten wie zeitweise Unsichtbarkeit, Telepathie oder Teleportation, manche Siddhi-Meister können demnach alle Sprachen, sie kommunizieren mit Tieren oder gehen in fremde Körper hinein …”
“Ich weiß!”, unterbreche ich meinen Geist genervt. Doch wie immer ist er nicht zu bremsen: “Sogar der sonst so pragmatische Patanjali beschreibt sie im dritten Kapitel seines Yogasutra…” “Da heißen sie aber nicht Siddhi“, wende ich besserwisserisch ein, “sondern Vibhuti.” “Und auch das”, verkündet mein Geist, der ausnahmsweise ordentlich Vokabeln gelernt zu haben scheint, “heißt Vollkommenheit, Vollendung.” “Perfektion”, stöhne ich … Puh!
“Yoga ist der Zustand, in dem man nichts vermisst.”
Ich winde mich auf meinem Meditationskissen und habe den Wunsch, das Bisherige mal auf den Tisch zu legen: Perfektion ist laut Yogaphilosophie also Vollkommenheit, Vollendung. Sie ist die Quelle aller Perfektion und unveränderlich da. Sie hat mit dem Sein als Solchem zu tun, kann sich aber auch in besonderen Fähigkeiten ausdrücken. Doch eigentlich bedeutet sie einen Zustand, in dem nichts fehlt.
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Diejenigen unter euch, die meine Artikel über Yogaphilosophie im YOGAWORLD JOURNAL regelmäßig verfolgt haben, erinnern sich vielleicht an die Definition des Yoga-Zustands von Shri Brahmananda Sarasvati, des Lehrers meiner Lehrerin: “Yoga ist der Zustand, in dem man nichts vermisst.” Anders gesagt: Im Zustand des Yoga ist man im Zustand der Perfektion. Erinnert euch an das Bild des fertigen Puzzles: Es bleibt nichts zu tun, es wird nichts vermisst, alles ist da und in Ruhe. Ein Zustand, der als universal, absolut und real wahrgenommen wird.
Der gegenteilige Zustand davon, in dem man sich laut Yoga Sutra 1.4 normalerweise befindet, ist individuell, partiell, eingeschränkt, scheinbar. Dieser Nicht-Yoga-Zustand muss die Welt des Geistes sein, denn Yoga bedeutet laut Yoga Sutra 1.2 ja, dass die Bewegungen des Geistes aufhören. Das ergibt Sinn, denn die Ideale, Konzepte, Kategorien und Maßstäbe, die aus dem Geist stammen, sind aufgrund ihrer Urheberschaft immer individuell, partiell, eingeschränkt, scheinbar. Das gilt sogar für so etwas wie körperliche Perfektion: Sie findet zwar in einem Teilbereich der manifesten Welt statt, nämlich im menschlichen Körper. Tatsächlich ist es aber ein kulturelles, ein geistiges Konzept, welche Art von Körper wir unserer Perspektive hier im Westen im Jahr 2025 als Ideal definieren. Mit anderen Worten: Es ist partiell, eingeschränkt, scheinbar.
Warum Perfektion nicht erreicht werden kann
Das Streben nach all den verschiedenen Vorstellungen von Perfektion, die dem Geist entspringen, ist entsetzlich anstrengend, denn – wie wir in den 1970ern in einem Lied aus der Sesamstraße gelernt haben: “Es gibt immer einen, der ist besser als du. Es gibt immer einen, der ist schneller als du…” Dieses Streben lebt von Messlatten und Vergleichen. Eine Karotte vor der Nase. Tatsächlich aber kann aus der Sicht der Yogaphilosophie niemals etwas Perfektion genannt werden, solange es lediglich teilweise und partiell ist. Dagegen ist das gesamte Sein, die gesamte Existenz ihrem Wesen nach in sich perfekt. In diesem Verständnis von Perfektion kann es keine Norm geben und auch kein Idealbild. Ein Puzzle ist eben nicht fertig, wenn man von drei Lamas, Bergen und Himmel nur ein Lama gepuzzelt hat und den Rest des Bilds nicht sieht, weil es sich in einem Haufen bunter Pappteilchen verbirgt.
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Genau da setzt die Yogaphilosophie an: Es geht darum, sich aus der partiellen, individuellen Gedankenwelt des Geistes zu lösen, um dahinter eine andere, vollkommene Welt zu entdecken. Sie ist immer schon da und in jedem von uns vorhanden, aber wir sehen sie meistens nicht, weil die Netflix-Serien des Geistes einfach zu spannend, lustig, inspirierend, dramatisch, gruselig oder abenteuerlich sind. Wer würde Stille und Frieden wählen, wenn man ständige Ablenkung haben kann? Das Selbst ist das Sein, absolut vollkommen – vollkommen absolut.
Ist es das Ziel unseres Übens, des Sadhana? Ja. Können wir es damit erreichen? Nein. Es ist so: Ein Sadhana, kann uns darin unterstützen, in unserer Bereitschaft zu reifen, dem Geist nicht länger zu glauben. Weil wir ihn irgendwann erschöpfend betrachtet haben und erkennen, dass er unstet ist und somit nicht absolut. Das Ziel – unser echtes, vollkommenes Selbst – kann deshalb nicht erreicht werden, weil wir es ja schon sind. Es ist da.
Vollkommenheit ist immer schon da, aber wir sehen sie meistens nicht, weil die Netflix-Serien unseres Geistes so spannend sind.
Perfektion loslassen und finden
Das ist ein wenig so, wie wenn man seine Brille sucht, die aber auf dem Kopf ist: Erst, wenn sie in der Umgebung wirklich nirgends aufzufinden ist, gibt man auf. Lässt das Suchen los. Und wird offen für das Spüren der Brille auf der Kopfhaut. Findet, was nie weg war. Im Yoga das Selbst, das Sein, die Perfektion. Jedes Getrenntsein, jede einseitige Perspektive, jede Vergleichsmöglichkeit hört auf. Alles ist da. Und man erkennt: Aham Brahm’asmi – Ich bin alles. Brahman, die letzte Sanskrit-Vokabel in diesem “perfekten” Artikel, ist das Absolute. An ihm haben wir Anteil über Atman, das Selbst. Dieses Selbst und das Absolute sind eins. In den Upanishaden heißt es daher: Tat tvam asi – Du bist das. Du bist Brahman, das Große, Absolute. Perfekte.
Man kann dies und jenes tun, um sich reif zu machen für den Sprung in diesen Zustand des Yoga. Eines dieser Dinge ist laut Patanjali das wiederholte Chanten von Om (Pranava). Aber das, worauf man zielt, trifft einen schließlich …
Tipp: Mehr zum Thema “Perfektion” liest du im YOGAWORLD JOURNAL 02/2025, aus dem dieser Artikel stammt.
Unsere Philosophie-Expertin Sybille Schlegel hat sich beim Schreiben dieses Textes wieder darauf besonnen, dass sie sich in all ihrer alltäglichen Unperfektheit doch perfekt wissen darf.
Nach vielen Jahren als Yogalehrerin und -ausbilderin konzentriert Sybille sich jetzt ganz aufs Üben und Schreiben. Du findest sie auf Instagram unter: @sybi_bille
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